Jakob Augstein

der Freitag

09.01.2012 | 16:21

Der Wulff und die bösen Medien

Liebe Leser,

ich habe einen Leserbrief bekommen, in dem unter anderem dieses zu lesen war:

ZITAT ANFANG

"Herr Diekmann übt die Metamorphose
Diekmanns Umgang mit der Mailbox zeigt längst kindische Züge. Schon beim Guttenberg-Skandal war zu bestaunen, wie Bild das Niveau des politischen Diskurses senkte und die Politik zur Casting-Show machte. Auch jetzt wieder versucht er, den Bohlen zu geben. Diesmal im Gewande des Retters der Pressefreiheit.
Und was machen die anderen Medien? Sie spielen mit. Und nicht nur das. Manche feiern ihn sogar. Und bescheinigen ihm die Metamorphose. Jakob Augstein im Freitag: „Vielleicht ist das übrigens die wichtigste Lehre aus diesem Skandal: Die Bild-Zeitung erweitert ihr Repertoire. Sie kann jetzt auch seriös, wenn sie will.“ Man fasst sich an den Kopf und staunt über so viel politische Naivität."

Anmerkung WL: Gestern Abend bei Jauch behauptet der stellvertretende Chefredakteur von Bild, Nikolaus Blome, ganz ungeschminkt, Wulff habe die Unwahrheit gesagt, als er sagte, er habe nur um eine Verschiebung des Artikel gebeten. Wie gut das Zusammenspiel mit dem Spiegel klappt zeigt sich darin, dass der Spiegel heute genau diese Passage zitiert: „Ich bin auf dem Weg zum Emir…deswegen sehr eingespannt…Ich habe alles offengelegt, Informationen gegeben, mit der Zusicherung, dass die nicht verwandt werden. Die werden jetzt indirekt verwandt, das heißt, ich werde auch Strafantrag stellen gegenüber Journalisten morgen, und die Anwälte sind beauftragt…“

ZITAT ENDE

Das geht ja Hand in Hand mit vielen Kommentaren hier in der Com, es deckt sich auch mit der Haltung der Nachdenkseiten und wir haben auch in der Redaktion Kollegen, die das so sehen. Mich wundert das. Ebenso wie mich die Kritik an den Medien überhaupt wundert in diesem Zusammenhang.

"Wundern" ist ernst gemeint. Ich frage mich, wie es zu so unterschiedlichen Sichtweisen kommt. Ich bin verunsichert: eigentlich dachte ich, die Sache sei klar. Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken - soweit das Publikum nicht aus politischen Gründen auf seiner Seite ist. Ich dachte also, kritische Medien und kritische Öffentlichkeit müssten einer Meinung sein.

Warum stellt sich die linke Öffentlichkeit nicht eindeutiger gegen diesen Präsidenten? Ist der Abscheu gegen die Bild-Zeitung so groß, dass man sich lieber von Bild distanziert, als ihr Recht zu geben, wenn sie Recht hat? Warum glaubt man überhaupt, nicht gegen Wulff sein zu könenn und gleichzeitig die eigene Kritik an der Bild Zeitung aufrecht erhalten zu können?Was ist das für eine Haltung, dass man die Kritik am Bundespräsidenten schon darum verdammt, weil nach ihm nur ein anderer Präsident im gleichen System käme - aber kein Wechsel des Systems?

Am Ende kann sich einer wie Wulff über solche Linke freuen, weil sie ihm den Rücken von Kritik von dieser Seite freihalten. Zwar aus Gründen, die ihm nicht passen mögen - aber das muss ihn ja nicht kümmern.

Woher kommt dieser Glaubwürdigkeitsverlust der Medien? Warum genügt es dem Leser nicht, dass die Fakten stimmen, die er liest? Warum ist die Quelle der Fakten wichtiger als die Fakten selber?

to be continued ...

 

Fortsetzung, begonnen um 20:10

Vielen Dank für die Antworten!

Ich finde das Thema aus egoistischen und allgemeinen Gründen sehr spannend. Es ist mein Beruf, um den es geht. Und es geht um die Gesellschaft, in der ich lebe.Es gibt ein paar für mich zentrale Sätze in diesem thread:

"Die Art des Ekels vor dieser Politik und dieser Art Medienmacht, die so geschmiert, rauf und runter, im Zusammenspiel funktioniert, erklärt doch viel und erklärt auch das Misstrauen einer breiterern Öffentlichkeit."

"Gegenfrage: Seit wann und von wem wird Medien denn Glaubwürdigkeit unterstellt? Von Journalisten vielleicht - aber doch nicht vom Leser!"

"Die Kampagne gegen Wulff ist keine Kampagne von unten. Es handelt sich um eine Kampagne von oben, um einen Hickhack zwischen "denen da oben"."

"Und so nimmt diese ganze „Berichterstattung“ die Form einer absurden Hetzkampagne an und man bekommt selbst das Gefühl von der Bildzeitung vor den Karren gespannt zu werden."

"Es scheint mir ganz deutlich, dass Springer und BILD sich in einer Entwickung, die ganz deutlich zu spüren ist, an die Spitze setzen wollen, Flaggschiff einer Meinungsindustrie in der postdemokratischen Zeit sein wollen."

Das ist sehr beunruhigend. Ich glaube nicht, dass solche Ansichten Minderheitenmeinungen aus der Freitag Community sind. Im Gegenteil, ich könnte mir vorstellen, dass sehr, sehr viele Menschen das so sehen - auch wenn sie gar nicht "links" sind. Das Gefühl, dass Medien und Politik in Wahrheit eine Einheit bilden, dass Journalisten alles andere als "Fremde" sind, wie es in meinem Lieblingszitat von Gay Talese heisst.

Gut. Das ist eine Argumentation, die ich kenne. Ich habe sie ja selber oft benutzt. Die Idee, den Freitag zu machen, diese Community zu machen, rührte unter anderem von dieser Überlegung her. Mich nervt der Mainstream ja selber - habe ich geglaubt. Plötzlich finde ich mich aber in einer wesentlichen Frage mittten im Mainstream (cooles Zitat für die Kollegen aus den links-links-links-Blogs, die auf der Dahn-Welle reiten :) )

Mich erstaunt nur gerade, dass man sie in diesem Fall mir selbst entgegenhält - oder der Sichtweise, die ich teile. Das ist überraschend für mich und tatsächlich nicht frei von Ironie.

Mein Problem ist nur, als Journalist: Was hätte der Freitag mit dem Fall machen sollen? Weniger? Mehr? Anders? Ich sehe keinen anderen Weg als den, den wir eingeschlagen haben: Mehrere Berichte und Anaylsen von verschiedenen Autoren, die so unterschiedlich sind wie beispielsweise Tom Strohschneider, Klaus Raab und ich und ein waches Gefühl für die eigene Rolle und Verstrickung ...

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich denke hier laut. Das ist jetzt so eine Art Meta-Selbstgespräch. Das seinen Grund wirklich in der Verwunderung darüber hat, dass aus der Affäre Wulff unversehens eine Medien-Affäre zu werden droht.

Gibt es einen unabhängigen Bericht?

 

 

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 09.01.2012 um 16:35
Kann es sein, dass die kritische Öffentlichkeit kritisch ist, während kritische Medien Medien bleiben?
Streifzug schrieb am 09.01.2012 um 21:27
Kann es sein, dass Medien immer noch nicht so richtig verstehen, in welcher Weise sich ihre Rolle verändert?

Öffentlichkeit simulieren, wenn auch kritisch, ist nicht gleich Öffentlichkeit. Publikum/Öffentlichkeit taucht wieder aus dem Schatten das Zuschauerraumes auf, besetzt die Bühne und spielt mit. Der Souffleur hat einen schweren Stand ...
Magda schrieb am 09.01.2012 um 22:22
Fünf Sterne von mir.
Streifzug schrieb am 11.01.2012 um 13:25
Wird da nicht mit Gemeinplätzen, Informationskaskaden und hidden profiles jongliert? Dieses Spiel mit der Gruppenpolarisierung wirft Fragen nach einer hidden agenda auf - und schon kommen Berlusconi und "antidemokratische Elmsfeuer" ins Spiel. Vielleicht muss nur noch der Rahmen etwas größer gezogen werden, räumlich und zeitlich ...
Magda schrieb am 15.01.2012 um 22:47
Brummel, brummel.
Magda schrieb am 15.01.2012 um 22:47
Brummel, brummel.
Streifzug schrieb am 16.01.2012 um 15:27
Warum Brummel, brummel?
Deine Bemerkungen zu Berlusconi und die "antidemokratischen Elmsfeuer" zielen doch in die richtige Richtung.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 16:50
Ich weiß nicht, was daran so schwer zu verstehen ist, dass man das Vorgehen der Springer-Medien kritisieren und ihre Motive in Frage stellen kann (muss!), ohne gleichzeitig Wulff zu verteidigen. Es gibt eben nicht nur "Gut" und "Böse". Wenn Sie Wulff einerseits mit Berlusconi vergleichen und dabei die Dimensionen verlieren, und dann bei der Bild plötzlich "seriösen Recherchejournalismus" sehen, fällt mir nichts dazu ein...Vielleicht geht es auch etwas differenzierter?
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 19:21
Wenn ich mir den Artikel nochmal so durchlese, frage ich mich allein aufgrund der Wortwahl ("Schuft", "jagen"), ob wir den kleinen Jakob jetzt vom Räuber- und Gendarm-Spiel aus dem Kindergarten abholen müssen oder eher aus der Kuschelecke mit Blome.
Michael Angele schrieb am 09.01.2012 um 20:35
"Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken"

Einen Menschen jagen? Nein, auch nicht, wenn er für das Amt nicht geeignet ist. Ist dann nicht mehr weit zur Menschenjagd, Entschuldigung, JA, das finde ich nun eine extrem problematische Ausdrucksweise, müssten wir vom FREITAG nicht besonders auf die Sprache achten, denn dahinter steckt die Haltung? MA
Jakob Augstein schrieb am 09.01.2012 um 20:44
@ Popkontext: "Wenn ich mir den Artikel nochmal so durchlese, frage ich mich allein aufgrund der Wortwahl ("Schuft", "jagen"), ob wir den kleinen Jakob jetzt vom Räuber- und Gendarm-Spiel aus dem Kindergarten abholen müssen oder eher aus der Kuschelecke mit Blome."

:) Ja, Sie haben das richtig erkannt.

@ MA: Keine Sorge. Ich bin natürlich ausdrücklich gegen jede Form von Menschenjagd. Und distanzieren mich von meiner missverständlichen Formulierung.
Ich wusste gar nicht, dass Sie so ein PC-Sprachpapst sind :))))
Michael Angele schrieb am 09.01.2012 um 21:10
PC verstehe ich mal als "Personal Computer" und nicht als "Political Correctness", lieber JA. Als Wolf Schneider der Blogosphäre sage ich also: "Im Blog formuliert man schon mal etwas flapsig, aber gleichwohl aufpassen..." Und dass Sie ausdrücklich FÜR Menschenjagd sind, würde ich nicht einmal in meinen schlimmsten Albträumen annehmen :)

Sei's drum: Das mit dem Sprachgefühl meine ich wirklich ernst. "Mainstream" oder nicht, ist doch (auch) in dieser Angelegenheit überhaupt nicht das Kriterium (Anti-Mainstream wäre es nun vielleicht, erst einmal gar nicht mehr darüber zu berichten). Aber Haltung. Und ich wüsste nicht, wie die sich in den Medien anders als durch den Umgang mit Sprache zeigt.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 22:35
Lieber Jakob Augstein, das Kind im Manne (und auch der Frau) kann ja durchaus charmant sein, aber da, wo es passt.

Aber in dieser Sache, die, da bin ich ganz bei Ihnen, hohe gesellschaftliche Brisanz hat, gibt es einfach zu viele Fragen, keineswegs aus der Luft gegriffene "Mutmaßungen", und offensichtliche Connections und Zusammenhänge, als dass man da - speziell noch als linkes, aber überhaupt der Aufklärung verpflichtetes Blatt - ein Kinderspiel draus machen sollte. Hier fehlt eine kritisch-sachliche Analyse, die auch auf die Hintergründe schaut.

Hiermit sei Ihnen noch mal mein derzeitiges Lieblingsstück für kritischen Journalismus ans Herz gelegt (wobei es durchaus auch sein kann, dass die FAZ da Interesse hatte, jemandem ans Bein zu pissen, you never know - aber das ist trotzdem guter Journalismus und die haben wohl deshalb auch richtig Ärger gekriegt. Ich weiß auch nicht, in wieweit die Online-Version dem Printartikel noch entspricht oder ob die zurückrudern mußten):
www.faz.net/aktuell/politik/inland/netzwerke-in-hannover-ein-nachmittag-im-steintorviertel-1576317.html
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 00:01
P.S. Damit es nicht mißverständlich ist: Zur kritisch-sachliche Analyse gehört für mich auch unbedingt die Betrachtung der Rolle der Medien, speziell in diesem Fall. Und der (schon etwas ältere) Hannover-Sumpf-Artikel ist zwar in dem Kontext auch nicht uninteressant, aber ist vor allem ein Beispiel für mehr oder weniger "seriösen Recherchejournalismus":
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 01:23
Hebe gerade auch noch den (anscheinend?) ursprünglichen Erbfreundschaften-Artikel online gefunden, den ich aus rechtlichen Gründen selber nicht hochladen wollte: static.twoday.net/gebattmer/files/FAZ-Erbfreundschaften.pdf
Zeitwechslerin schrieb am 10.01.2012 um 10:28
@ JA bezogen auf die Antwort auf Popkontext und Angele: Nehmen Sie das eigentlich ernst, was die Leute versuchen Ihnen zu sagen? Sie hauen einen Ihrer unwürdigen Artikel raus (Würde ^^), auch nach meiner Ansicht mit zwei fetten gedanklichen Fehlern, viele Menschen setzen sich hin und versuchen Ihnen ein annehmbares Feedback dazu zu geben anstatt sich mit ihren eigenen Themen zu befassen, und Sie kommen mit "seit wann sind Sie hier der Sprachpapst"...?

Gedankliche Fehler: Weil die Bild etwas politisches recherchiert, ist sie noch lang kein seriöses Medium. Erstens. Zweitens. Nicht jeder, der sich von "Freunden" einladen lässt, ist ein Berlusconi.

Das war ganz und gar schwach. Wie viele gedanliche Leistungen bringt man denn in einem Artikel? Ich sag sowas nicht gern, aber irgendwie weiß ich auch nicht mehr, wie man es wirksam anders sagen soll. Wenn jemand über 300 Gesamtantworten und einige Blogs durch einen schlechten Artikel provoziert und irgendwie nix ankommt... was hilft dann noch? vielleicht zuhören?

Sie zementieren die gesamte Aufmerksamkeit der vielschlichtigen und schwierigen Angelegenheit mit ihrer platten Sicht auf zwei dichotome Ansichten: Entweder Wulf hat Fehler gemacht und Bild ist daher zumindest in dieser Sache gut (Ihre Ansicht) oder die Bild ist schlecht und Wulff hat kaum Fehler gemacht (die Gegenansicht, die Sie neuronal noch bereit sind zu verarbeiten). Mehr wächst hier nicht mehr. Jede differenzierte Sicht, neuer Impuls ist Ihnen offenbar zu feinsinnig. Ich hoff nicht, dass das der Horizont ihrer Fähigkeit zum Denken, Bewerten und Differenzieren ist.

Das klingt böse, ist es aber nicht, nur hilflos. Die Leute haben schon sehr ausführlich Ihnen auf nette und sachliche Art zu sagen versucht: Hallo?! Das war nix. Und ich überleg mir grade auch, ob ich das Posting nicht löschen soll. Mir bringt das nichts. Ihnen wäre eine nette Antwort vermutlich auch lieber. Ich fühl mich irgendwie missbraucht, wenn ich mit dem Knüppel auf Sie einschlage anstatt zu diskutieren. Weil für das was mich an der Wulff-Geschichte interessiert, keine Luft mehr ist. Ich finde SIE haben die Luft abgezogen mit einer Stellungnahme, die an sich keiner Diskussion wert ist, zumindest für mich nicht, die war einfach schlecht. Und wenn Ihnen fünf Leute sagen: Das war nix, müsste es auch reichen. Irgendwie wird das hier eine Augstein-Show.

Kein Mensch hat etwas davon, wenn er Ihnen negatives Feedback gibt. Es ist viel erfreulicher, sich mit Themen zu beschäftigen, die einen interessieren und bei denen man etwas Neues (er)schaffen kann. Nehmen Sie die Leute und Stellungnahmen gefälligst ernst.
Streifzug schrieb am 10.01.2012 um 11:45
Journalismus ist eh keine ernsthafte Beschäftigung für echte Männer.
DandelionWine schrieb am 10.01.2012 um 12:02
Sondern?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 19:05
@ Angele @ Augstein

@ Angele @ Augstein
Sprachgeplänkel, Sprachgefühl?

Was ist das Ziel der Kampagne? Wohl kaum eine Menschenjagd. Das hieße nämlich, von der Meute ist nur einer abgeschossen worden. Das System schließt wieder fröhlich die Lücken und das Rudel zieht weiter als wäre nichts geschehen.
Was wäre der Nachweis dafür, dass die Medien - hier insbesondere die Springer-Presse- zu einer echten Gefahr für alle undurchsichtigen Politiker werden? Nun, die Springer-Pressen sollte aus der "Causa Wulff" eine Forderung nach lückenloser Transparenz für alle Politiker formulieren.
Herr Augstein, zeigt die Springer-Presse hier schon Zähne, wird sie in all ihren Medien diese Forderung stellen? Werden Sie dazu Herrn Blome auf Phönix auffordern, dürfen wir hier auf eine Antwort gespannt sein?
Calvani schrieb am 10.01.2012 um 19:18
Ach so, eine "Menschenjagd" darf Augstein in seinen Texten eröffnen, für den satirischen Tod eines Menschen in meinen Texten gibt's für mich eine Verwarnung.

Wie darf ich das verstehen?

Meiner Meinung nach gehört dieses Messen mit zweierlei Maß auch zu den Gründen, dass Medien an Glaubwürdigkeit verlieren.
brefcourte schrieb am 09.01.2012 um 16:51
"Woher kommt dieser Glaubwürdigkeitsverlust der Medien?"
Ja, seltsam.
Vielleicht besitzen manche Menschen eine Art von Gedächtniss.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2012 um 17:28
"Warum glaubt man überhaupt, nicht gegen Wulff sein zu könenn und gleichzeitig die eigene Kritik an der Bild Zeitung aufrecht erhalten zu können? Was ist das für eine Haltung, dass man die Kritik am Bundespräsidenten schon darum verdammt, weil nach ihm nur ein anderer Präsident im gleichen System käme - aber kein Wechsel des Systems? "

Richtig, Herr Augstein. Das eine muss das andere nicht ausschließen. Letzlich soll diese ganze Medienaffäre eh nur von den wichtigen Fragen in der Causa Wulff ablenken:
Wulff 's Unternehmerkontakte im Überblick

Diese plötzliche Empörung über Bild und Spiegel ist doch Heuchelei. Alle gehen mit Bild ins Bett, wenn der Champagner fließt:
Image and video hosting by TinyPic
brefcourte schrieb am 09.01.2012 um 19:27
Das ist eindeutig Pils, kein Champagner.
Ich war noch nie mit Bild im Bett...nichtmal mit der unteren Titelseite.
antares56 schrieb am 10.01.2012 um 09:07
Das sehe ich auch so!
13rh07 schrieb am 09.01.2012 um 16:58
Als ich am Sonntagabend bei dem von Günther Jauch begleiteten Versuch einer Talkrunde in der ARD die angespannte Haltung des 'Spiegel' Chefredakteurs sah, ging mir schlagartig auf, wer in diesem Spiel eigentlich die Fäden in der Hand hält. Herr Blome von der 'Bild' saß nämlich äußerst gelassen daneben.

Wulff hat sich persönlich mehr als dumm angestellt, als er solchen Leuten wie dem Chefredateur der 'Bild' auf die Mailbox sprach, statt das persönliche Gespräch zu suchen. Menschlich ist das verständlich – dem Amt bestenfalls unangemessen. Das ist aber Vergangenheit und da muss auch mal ein Strich drunter.

Deshalb sollte die Bild den Wortlaut des Mailbox-Anrufes endlich abdrucken (juristisch ist das wohl möglich) und fertig.

Dann darf Wulff sich nochmal entschuldigen oder meinetwegen auch zurücktreten und gut. Nicht daß ich mit Wulff sympathisiere – weit gefehlt – aber das Ansehen der seit Schwarz-Gelb ohnehin kränkelnden deutschen Demokratie wird hier auf der Schlachtbank der Medien geopfert. Das darf nicht sein!

Gestern sagte ein Kommentator in ‘ZDF Berlin direkt’ sinngemäß: “… die Bild hat Wulff einst auf die Bühne gehoben und jetzt läßt sie ihn nicht mehr herunter.”
Ist es schon so weit?
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 18:49
"Herr Blome von der 'Bild' saß nämlich äußerst gelassen daneben."
Naja, Blome ist aber auch einer, der einem mit der unschuldigsten Miene der Welt einen vom Pferd erzählt. Solche Leute mache die Bild aus meiner Sicht gefährlicher - weil sie eben nicht so ekelige Unsympathen sind wie Schmalzlocke Diekmann, sondern seriös wirken.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 02:41
P.S. Hier noch was schönes zum "Dackelblick" von Herrn Blome und auch sonst: www.stefan-niggemeier.de/blog/vom-glueck-bild-zu-sein/
antares56 schrieb am 10.01.2012 um 09:11
Das Ansehen der kränkelnden deutschen Demokratie wird nicht auf der Schlachtbank der Medien geopfert! Es ist durch schwarz-gelb und Wulff zerstört!
Calvani schrieb am 09.01.2012 um 16:58
"Woher kommt dieser Glaubwürdigkeitsverlust der Medien? Warum genügt es dem Leser nicht, dass die Fakten stimmen, die er liest? Warum ist die Quelle der Fakten wichtiger als die Fakten selber?"

Was sind denn die Fakten?
born2bmild schrieb am 09.01.2012 um 17:57
Richtig, wenn der Verleger über den Glaubwürdigkeitsverlust der Medien staunt, warum zählt er nicht sachlich,
1.
2.
3.
einmal, erstmals(?), die harten Tatsachen auf und erspart sich und uns seine wunderliche Verwunderung.
Kaum jemand hier hat Bundespräsident W. verteidigt. Ihn aber mit Berlusconi auch nur annähernd gleichzusetzen, ist horrender Unfug.

Muss man wirklich an's Sprichwort erinnern: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht!
BILD, der x-mal Lügen nachgewiesen wurde, darf, gerichtlich genehmigt, als Lügenblatt bezeichnet werden, Hans Esser (Wallraff & Gremliza) sei Dank. Wer sich mit einem solchen Drecksblatt näher einlässt, wie Wulff, darf sich nicht wundern, wenn er Schmutz abbekommt.
Bedenklich nur, dass sogenannte seriöse Medien wie FAZ & SZ sich mit BILD gemein machen. Das macht BILD nicht seriös, zieht das Blut- & Tittenblatt nicht hinauf, sondern ehemals bürgerliche Qualitätsblätter herunter.
Den "Spiegel" kann man spätestens seit Austs Zeit als Chefredakteur nicht mehr als einigermaßen seriös bezeichnen.
SuzieQ schrieb am 09.01.2012 um 17:03
"Ich bin verunsichert: eigentlich dachte ich, die Sache sei klar. Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken - soweit das Publikum nicht aus politischen Gründen auf seiner Seite ist. Ich dachte also, kritische Medien und kritische Öffentlichkeit müssten einer Meinung sein."

Die kritische Öffentlichkeit mag sich vielleicht nicht an dieser 'Jagd' beteiligen, bei der jedes Mittel recht zu sein scheint. Man muss nicht auf Herrn Wulffs Seite sein, um die Vorgehensweise der Presse zu kritisieren, wenn ein Mensch 'zur Jagd freigegeben' wird.

"Woher kommt dieser Glaubwürdigkeitsverlust der Medien? Warum genügt es dem Leser nicht, dass die Fakten stimmen, die er liest? Warum ist die Quelle der Fakten wichtiger als die Fakten selber?"

Sind die Medien unglaubwürdig, weil sie alle ins BILD-Horn blasen?
Stimmen die Fakten, die zu lesen sind? Warum muss man nach Belegen suchen, oft ohne fündig zu werden?
Dann sind Fakten nur Behauptungen. Und das ist nicht genug.

Die Presse könnte auch mal so tun, als sei Bundespräsident so etwas wie Staatsoberhaupt und eine gewisse, humane Verhältnismäßigkeit walten lassen.
Dann wäre es seriös und so zu betrachten.
blog1 schrieb am 09.01.2012 um 18:36
@ suzieQ

Dem ist nichts hinzuzufügen, nur folgendes: Es gibt ca. 12 Millionen Bild-Leser, die aber nicht alle diese menschenverachtende Vorgehensweise unterstützen bzw. durchschauen. Dieser Personenkreis bevorzugt die plakativen Überschriften und eine Schnellinfo, was so alles auf der Welt los ist. Es gibt aber auch andere Leser, die sich genau an diesen Schlagzeilen ergötzen, insbesondere dann, wenn ein "Promi" auf die mediale Schlachtbank geführt wird. Diese Mischung macht u. a. die "Gefährlichkeit" der Bild aus.

Was der Bild richtig weh tun würde, wäre ein Rückgang ihrer Auflage. Darauf sollte man hinarbeiten.
memyselfandi schrieb am 09.01.2012 um 18:46
Richtig!

Aber was machen denn die Medien, wenn sie der Sache bzw. der "Recherche und Seriösität" der BILD soviel Beachtung schenken? Sie wickeln die BILD, ein zähnefletschendes Etwas, in Watte. Kann der BILD etwas besseres passieren? Kann etwas noch absurder sein zugleich?

Sind denn alle noch vom Silvesterfeiern trunken und merken nicht, was da abgeht. Im Kleide der Wahrheit kommt der Wolf mit Wulff daher, und nur, weil es den anderen Medien dient, machen sie mit ohne Weitsicht und Tiefgang.

Aber genau das, Weitsicht und Tiefgang, würde den Freitag hier unterscheiden, aber er tut genau das Gegenteil, er haut ordentlich mit drauf. Komisch, dass Journalisten da einen gewissen Ruf haben, sehr komisch.
SuzieQ schrieb am 09.01.2012 um 19:04
"Am Ende kann sich einer wie Wulff über solche Linke freuen, weil sie ihm den Rücken von Kritik von dieser Seite freihalten. Zwar aus Gründen, die ihm nicht passen mögen - aber das muss ihn ja nicht kümmern."

ich bau ein wenig um:

Am Ende sollte sich einer wie Augstein über solche Linke freuen, die zeigen, dass sie nicht mainstreamen. Anscheinend aus Gründen, die ihn verwundern - aber das muss ihn ja nicht kümmern.

und

auch einem Verleger geht es um Auflage-
-aber auflegen um jeden Preis sollte verlegen machen.
(Das steht in keiner BILD.)
SuzieQ schrieb am 09.01.2012 um 21:17
(nach der Fortsetzung, begonnen nach 20:10 von JA)

Eindruck: Die Presse ist ein Netz. Darin kann man einfangen, daraus kann man fallen lassen, alle Fäden laufen zusammen, in der Mitte sitzt ...
Mainstream ist zuweilen unseriös, weil mit dem Strom schwimmend, die Grenzen verschwimmen ...

"Was hätte der Freitag mit dem Fall machen sollen? Weniger? Mehr? Anders?"
Courage ist gefragt, wenn man gegen den Strom schwimmen will, ... wenn man gegen den Strom schwimmen will ..., mitschwimmen ist schwärmen!

"... und ein waches Gefühl für die eigene Rolle und Verstrickung ..."---???---Erklärung bitte.

Zu den genannten Fakten: die Telefonate sind nicht veröffentlicht, sind Hören-Sagen, also für uns Leser, nicht für so einige Journalisten (?), aber das gilt nicht. Und das 'Nicht für sich behalten können' des Herrn Diekmann macht ihn nicht seriös(er).

"Gibt es einen unabhängigen Bericht?"

Schon möglich, wenn man auf einer sachlichen Ebene vergleicht und aufstellt;
wie es sich liest, hängt vom Schreiber ab, man müsste eine unsachliche Intention vermeiden, ebenso wie das herumfuchtelnde, mit-dem-Finger-zeigende 'Seht her, da ist er, der Schuft'. Positionieren als fair, human, der Situation gewachsen, ohne Sensationslüsternheit.
Gefunden habe ich einen perfekten, unabhängigen Bericht noch nicht.

'Medien-Affäre'? Ja, da hat die BILD nicht weit genug gedacht oder war zu sicher, dass Dreck schmeißen allein schon genügt. Und da sich so viele 'Blätter' dran schaukeln, färbt es ab.

"Auch ungeklärte Rätsel wirken wie Fakten wenn es um die Glaubwürdigkeit eines Bundespräsidenten geht. Es genügt nicht, dass er nicht strafrechtlich verurteilt ist. Das genügt bei Ihnen und mir. Aber nicht bei einem Bundespräsidenten. Ist jedenfalls mein Maßstab an das Amt"

Man muss aber nicht jeden Tag neue 'Rätsel' aus dem Hut zaubern, die am nächsten Tag schon keinen Bestand mehr haben/haben können. (Das nennt sich dann Rufmord?)
Wenn die eine Zeitung die andere zitiert und wieder die nächste mitmacht, usw., dann lesen sich Vermutungen irgendwann wie Fakten, sind es aber nicht.
Diese Verwechseln zwischen Amt und Amtsinhaber machen viele.
luzieh.fair schrieb am 09.01.2012 um 17:04
Ich zitiere mich selbst: "ist doch egal..."

"Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken - soweit das Publikum nicht aus politischen Gründen auf seiner Seite ist." in Zusammenhang mit: "Warum ist die Quelle der Fakten wichtiger als die Fakten selber?"
wirft die Frage auf, ob es vielleicht damit zu tun haben könnte, dass gerade die Bildzeitung in der Verganheit vielerlei Jagden veranstaltet hat, ohne Rücksicht auf Verluste, nur mit Blick auf die Auflage und sich jetzt als Opfer stilisiert...

Klar muss einer, der Mist gemacht hat dafür gerade stehen. Und klar geht es nicht, dass ein Bundespräsident die Pressefreiheit mit Füßen tritt.
Und trotzdem: ist das ganze so wichtig, dass gefühlte 1000 Beiträge zum Wulff und den Sieben Geis-äh-Presslein die Gemüter erhitzen?
@dllxllb schrieb am 09.01.2012 um 17:05
Niemand ist wirklich objektiv. Aber allein den Versuch scheuen schon die meisten Menschen. Das ist meine These. Cognitive Bias.

Wer sowieso etwas gegen die BILD hat, und nicht weiter nachdenkt, dem ist dieser ganze Skandal ein gefundenes Fressen. Irgendwie witzig wie das dann den Verfall in Muster bedeutet, die man der BILD so gerne vorwirft. Ich würde das Projektion nennen.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 17:10
@@dllxllb
Es geht nicht um ein billiges "was gegen die BILD" (und Springer) haben (aus Prinzip), sondern auch sehr gute faktische *Gründe* dafür. Nachdenken sollten mal diejenigen, die deren Rolle in der Affäre völlig unkritisch sehen...
@dllxllb schrieb am 09.01.2012 um 17:17
@Popkontext "Nachdenken sollten mal diejenigen, die deren Rolle in der Affäre völlig unkritisch sehen..." Ich gehe davon aus, dass Sie damit mich meinen? Da ich für ein Nachdenken plädiere, wie man meinem Kommentar entnehmen kann, bin ich offensichtlich für kritisches Hinterfragen.
In diesem Sinne: um welche faktischen Gründe geht es Ihnen denn?
memyselfandi schrieb am 09.01.2012 um 17:17
@dllxllb:

Es ist genau anders herum, die denkenden, nachfragenden Menschen merken schon, dass Wulff nicht der allerbeste Kandidat ist, die merken aber auch, nennen Sie es Erfahrung, dass die BILD damit ein Haufengeld macht und nicht nur um der lieben Wahrheit halber so einen zirkus veranstaltet. Die differenzierenden Menschen merken das und hätten gerne differenzierende Medien, die nicht nur auf den BILD-Zug springen, sondern die BILD infrage stellen. Vor allem wären linke Medien hier gefordert, das würden deren Leser wohl lieber sehen als dieses BILD-Kuschen.

Das mag komplex sein, aber so ist das Leben.
@dllxllb schrieb am 09.01.2012 um 17:43
Sie drehen etwas herum, das ich nicht gesagt habe. Sei's drum.

Die Menschen merken schon, dass er nicht der beste Kandidat ist? Wie denn.

Von den ihm vorgeworfenen Verfehlungen und dem Umgang mit der Krise haben die Menschen von der BILD erfahren. Und nun? Nun ist die BILD die böse Zeitung. Sehr differenzierte Sichtweise. Aber durchaus opprotun, wenn man gern instrumentalisiert.

ALs Randbemerkung: Ich finde es auch bedenklich wenn man BILD's Leserschaft als leicht lenkbare Meute empfindet, sich selbst dann aber als Teil des intellektuellen linken Bürgertums als über den Dingen schwebend sieht. Erinnert an gewisse Ämter.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 19:08
@@dllxllb
"um welche faktischen Gründe geht es Ihnen denn?"
Dass Springer-Verlag, speziell Bild, nicht seriös arbeiten ist wohl hinreichend belegt. Und in dem Fall (und bitte: OHNE Wulffs Verhalten verteidigen zu wollen!): Zunächst macht die Welt Wulff scharf, indem sie schmerzhafte Sachen aus seinem Privatleben berichtet, die nicht politikrelevant sind (das Verhältnis zu seiner Schwester), und wenn das mit seiner Frau stimmt, wird ihm das noch mehr Angst gemacht haben. Und dann die Sache mit dem Kredit, die politikrelevant ist und in anderem Kontext in der Tat gute, seriöse Recherche gewesen wäre (wobei er deshalb nicht gleich Berlusconi ist).

Richtig diskreditiert hat sich Wulff aus meiner Sicht mit den Anrufen, nicht nur mit dme Angriff auf die Pressefreiheit, die in seinen Formulierungen, wie sie bekannt wurden, steckt, sondern auch die mangelnde Sachlichkeit - aber auch WIE diese ans Licht gekommen sind, ist extrem unseriös gewesen, von Bild- / Springerseite. Und zudem ist offensichtlich, dass es Bild um die Person Wulff ging, und nicht darum, generell Korruption in der Politik aufzudecken. Da würden sie nämlich noch ganz andere Sachen finden und die Reihen würden sich lichten. Für seriös (wenn auch möglicherweise ebenso wenig ohne Eigeninteresse und auch Teil eines Machtspiels) halte ich z.B. diesen Artikel, den ich immer wieder gern hervorkrame: www.faz.net/aktuell/politik/inland/netzwerke-in-hannover-ein-nachmittag-im-steintorviertel-1576317.html
@dllxllb schrieb am 09.01.2012 um 19:09
Nachtrag, der sich mir bei Fragen nach den Hintergründen und Kampagnenzielen der BILD aufdrängt. Etwa ob der BP gestürzt werden soll damit er gewisse Gesetze nicht unterschreibt...

Leschs Kosmos von gestern: "Verschwörungstheorien auf dem Prüfstand", verfügbar in der zdf mediathek.

Ich gehe davon aus, dass BILD, wie alle Medien ein Ziel hat: Reichweite, Quote. Dieses ist existenziell. Selbst die ÖR schielen auf die Quoten.

Der Weg zur Quote ist was die einzelnen Medien unterscheidet.
@dllxllb schrieb am 09.01.2012 um 19:19
@Popkontext

Was ich da lese sind Mutmaßungen, keine Fakten. Die sind Ihnen zuzugestehen, aber es macht sie nicht zu Fakten.

Und meine Meinung zur BILD und Wulff sieht so aus, dass wer sich den Medien andient, mit einem Verriss bei einem Fehltritt rechnen muss. Das ist thematische Ausgewogenheit. Gerade beim Boulevard. Das weiss jeder noch so seriös wirkende Berufspolitiker.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 19:29
@@dllxllb

Was sind bitte Mutmassungen? Dass da irgenwelche Interessen dahinter stecken, die bisher noch nicht klar sind, richtig. Die Vorgehensweise ist faktisch ebenso belegt wie das generell unseriöse Verhalten der Bild.

"Und meine Meinung zur BILD und Wulff sieht so aus, dass wer sich den Medien andient, mit einem Verriss bei einem Fehltritt rechnen muss."
Richtig. Ich weiß nicht, warum es so schwer ist das zu vermitteln: Es geht mir an keiner Stelle irgendwie darum, Wulff in Schutz zu nehmen!
@dllxllb schrieb am 09.01.2012 um 19:46
"Die Vorgehensweise ist faktisch ebenso belegt wie das generell unseriöse Verhalten der Bild."

Von welcher Vorgehensweise schreiben Sie denn bitte. Sie schaffen hier mutmaßliche Kontexte. Das ist Sippenhaft. Und das ist das Problem worum es geht -- die Fakten die Wulff selbst geschaffen hat mit Hilfe des Mediums welches sie kolportiert hat zu relativieren.

Und damit nehmen Sie Wulff in Schutz, auch wenn sie das nicht wollen, nur um die BILD per se anzuprangern.

Wenn Sie mir jetzt Fakten nennen können, die ein unseriöses Vorgehen der BILD im Fall Wulff belegen, dann bitte immer her damit. Und dazu auch gleich noch die Gegebeispiele vermeintlich seriöser Medienorgane.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 19:57
@@dllxllb
Von der in allen Blättern auch nachzulesenden Vorgehensweise spreche ich. Wen nehme ich in Sippenhaft? Wo schaffe ich mutmaßliche Kontexte?

Ich rede auch nicht von den Fakten, die Wulff geschaffen hat, sondern von denen, die Bild und Springer geschaffen haben.

"Und damit nehmen Sie Wulff in Schutz, auch wenn sie das nicht wollen, nur um die BILD per se anzuprangern."
Das ist eine unbelegte Behauptung. Nur weil man nicht in "Gut" und "Böse" einteilt, sondern beide seiten kritisch beurteilt nimmt man nicht automatisch eine Seite in Schutz und greift die andere grundlos einfach per se an. Das halte ich sogar für eine sehr gefährliche Sichtweise, die auch Augstein vertritt.

"Wenn Sie mir jetzt Fakten nennen können, die ein unseriöses Vorgehen der BILD im Fall Wulff belegen, dann bitte immer her damit."
Wenn Sie vorziehen, die oben genannten ignorieren, erübrigt sich eine weitere Diskussion.
@dllxllb schrieb am 09.01.2012 um 20:13
Hier erübrigt sich gar nichts. Sie verweisen doch auf Fakten, die ich nicht sehe. Noch nicht. Denn sobald sie die Fakten auf den Tisch gelegt haben, sieht das sicher ganz anders aus.

Ihre -- nennen wir es mal Argumentationsweise -- ist übrigens ein hervorragendes Beispiel meiner im ersten Kommentar geäußerten These.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 20:22
"Sie verweisen doch auf Fakten, die ich nicht sehe."
Was soll ich machen, wenn Sie die Fakten, die ich aufgeführt habe, nicht sehen und anerkennen wollen? Die Geschichte mit der Welt ist ein Fakt, und das dadurch (spätestens) entstandene gespannte Verhältnis zum Springer-Verlag. Dass die Bild mit der Tatsache, dass Wulff Diekmann auf den Anrufbeantworter gesprochen hat, unseriös umgegangen ist ein Fakt, die Tatsache, dass andere Politker nicht so genau unter die Lupe genommen werden wie jetzt gerade Wulff ist ein Fakt, dass der Bild allgemein häufig unseriös berichtet ist auch ausreichend belegt. Wo fehlen Ihnen die Fakten?

Wenn Sie das alles nicht anerkennen wollen, können Sie natürlich weiter behaupten, ich bin ja nur aus Prinzip gegen die Bild.
@dllxllb schrieb am 09.01.2012 um 20:34
"Was soll ich machen, wenn Sie die Fakten, die ich aufgeführt habe, nicht sehen und anerkennen wollen?" Klingt wie die Antwort von Verschwörungstheoretikern wenn man Ihre abstrusen Theorien anzweifelt.

Was sollen denn nun die Fakten und Mutmaßungen, die Sie aufgezählt haben, beweisen?

Ich habe eine Ahnung. Aber ich lasse doch lieber Sie die Fakten schaffen.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 20:39
@@dllxllb
"Klingt wie die Antwort von Verschwörungstheoretikern wenn man Ihre abstrusen Theorien anzweifelt."
Nur sind die von mir genannten Fakten im Gegensatz dazu belegt und nicht aus diversen Kontexten zusammengezerrt, sondern stehen ganz klar in einer Linie. Aber ich glaube, Sie wollten von Anfang an nicht zuhören und es ging Ihnen darum, einfach ihre These bestätigt zu sehen, dass es bisher keinen Grund gibt, an den seriösen Absichten der Bild-zeitung in der Causa Wulff zu zweifeln. Deshalb ist eine weitere Diskussion wie gesagt irrelevant, weil Sie auch weiterhin behaupten werden, dass es so ist.
@dllxllb schrieb am 09.01.2012 um 20:48
Was wollen Sie denn mit Ihren Fakten und Linien aufzeigen? Ich bin mit meiner These gleich im allerersten Kommentar rausgerückt. Wo ist Ihre?

Mehr als Andeutungen und Unterstellungen in alle Richtungen kommen da nicht. Das ist auch alles worum sich unsere Diskussion dreht. Ja, warum sie überhaupt noch lebt. Wenn sie es beenden wollen, bitte, was wollen Sie denn eigentlich? Ausser sich nach -- was auch immer -- groß Auftischen aus der Misere stehlen?
anna T. schrieb am 09.01.2012 um 17:08
Meine Abneigung zur Bild ist ziemlich groß! Wenn diese Mailboxgeschichte weiter so behandelt wird wie bisher,halte ich das für Kontraproduktiv.Im Zweifel für den (oder die) Schwachen ,so siehts dann aus.Das Volk bekommt Mitleid mit einem der gehetzt wird.Die Medien sollten sich lieber an andere Schwachpunkte Wulffs konzentrieren ,da gibt es genügende.So oder so, der Mann ist als Bundespräsident untragbar geworden.
In der Schweiz ist gerade der Notenbankchef zurückgetreten.Der wollte auch nicht und mußte dann doch.Abwarten wie lange es hier noch dauert.
Vaustein schrieb am 09.01.2012 um 17:08
Die Medien werden u.a. aus folgendem Grund vom kritischen Publikum deswegen kritisch gesehen, weil sie in der Vergangenheit mit den Vorgängen in der Politik zu gnädig umgegangen sind. Jeder, der mal älter als 30 geworden ist, konnte diese Erfahrungen machen, sei es regional, landesweit oder bundesweit.

Nehmen Sie nur als Beispiel den Umgang mit dem unsäglichen Fall Pofalla/Bosbach.
Gesagt hat Kanzleramtsminister Pofalla demnach zu Bosbach: "Ich kann deine Fresse nicht mehr sehen", "Du machst mit Deiner Scheiße alle Leute verrückt" und "Lass mich mit so einer Scheiße in Ruhe".

Darüber wurde zwar berichtet. Konsequenzen für Pofalla forderte aber niemand energisch und dauerhaft ein.

Die Öffentlichkeit erwartete hier aber von der Presse, dass sie Druck auf die Kanzlerin ausübt, den Pofalla zumindest öffentlich zu rügen oder zu entlassen.

Nichts dergleichen geschah.
Leider.
Alien59 schrieb am 09.01.2012 um 17:28
Ja, so ungefähr geht es mir auch.
Ich war bei der großen Schlacht hier zwischen Wulff und Gauck nicht bei den Wulff-Anhängern.
Zwischenzeitlich gewann er bei mir, während Gauck mit seinen Sprüchen über Sarrazin und Occupy sich bei mir unmöglich machte.

Wulffs Verhalten jetzt, und das, was im Zusammenhang mit dem Kredit etc. aufkommt, finde ich vorwerfbar, unmöglich und was noch alles.
Die Behandlung durch die Presse aber, mit Bild ganz vorne weg, finde ich aber auch fragwürdig: einerseits gab es wohl etliches, was über Wulff und sein Verhalten bereits früher bekannt war - darüber wurde nicht oder kaum berichtet. Jetzt auf einmal wird jede Menge Druck aufgebaut, man will ihn anscheinend mit Gewalt loswerden. Warum?

Andererseits, wie Vaustein anmerkt, es gibt etliche Mißstände, die auffallen, aber nicht in gleichem Maße verfolgt werden. Man denke an Schäuble und die 100 000 DM - und der ist heute noch Finanzminister.
Das erweckt bei mir den Eindruck, dass mit zweierlei Maß gemessen wird bei den Medien. Und das ist es, was mich dazu treibt, dieser Hetzjagd, denn wie eine solche sieht es für mich inzwischen aus, sehr skeptisch zu betrachten.

Wulff verteidigen will ich dabei gar nicht - mir missfällt das Ausmaß der Berichterstattung (von den Auswüchsen gegen seine Frau ganz abgesehen).

Auch schlimm: dabei bleiben wichtige Themenfelder unbearbeitet, weil ja alle mit Wulff beschäftigt sind. Gerade auch hier im Freitag: ich mag wirklich keinen neuen Wulff-blog mehr lesen. Schon aus Trotz gibt es daher keinen von mir.
Jan Rymon schrieb am 09.01.2012 um 17:38
Mich nervt vor allem die Hybris einzelner Redakteure, persönlich den Präsidenten stürzen zu wollen. Das Urteil wird verkündet – bevor aufgeklärt wurde. Macht doch erst einmal euren Job und findet heraus, was tatsächlich gelaufen ist! Meine Empörung basiert nicht auf einem Ausraster oder mehr oder weniger üblicher Boni, sondern wird begründet durch den Eindruck von Korrumpierbarkeit, planmäßiger Vertuschung und Machtdrohung. Aber genau diese Fragen sind bisher nicht überzeugend beantwortet. Rücktrittsforderungen und das Konsequenzenziehen überhaupt dürften von mir aus gern den Verantwortlichen überlassen werden, wenn die Fakten tatsächlich zu bewerten sind.
memyselfandi schrieb am 09.01.2012 um 17:46
Ich wundere mich über diese Verwunderung.

Ist es nicht auch Augstein, der die Medien wegen ihrer Motive oft angreift oder Motive sieht, die vielleicht andere sind. Und nun ist es alles anders und Motive spielen keine Rolle, es gibt sie nicht einmal. War das überhauot jemals so beim Journalismus? Und welche Triebfeder hat die BILD als meistgelesene Zeitung noch außer der Machtdemonstration und der Finanz? Ich wette, die BILD hat nioch mehr solcher Aufnahmen, jetzt lässt sie es bei Wulff knallen, weil das deutsche Volk und leider auch die kritischen Medien es knallen hören wollen.

Aber dieser Kontext wird nirgendwo erkannt. Die BILD ist plötzlich gut, alles schwarz-weiß, solange es dient, und dann fragen Sie noch woher der Glaubwürdigkeitsdefizit stammt.

Ih hab das Gefühl, nach diesem Text, man müsste nochmal ganz von vorne beim ABC anfangen, was denn Presse sein sollte, machen sollte usw., was ein linkes Medium so ausmacht, aber wo der Empfänger fehlt, die Antenne, da kann man sich die Nachricht sparen.
Achtermann schrieb am 09.01.2012 um 17:46
Augstein schreibt:

Ist der Abscheu gegen die Bild-Zeitung so groß, dass man sich lieber von Bild distanziert, als ihr Recht zu geben, wenn sie Recht hat?

Das ist eben das Problem mit der Springerpresse. Sie pflegte - gerade die Bildzeitung - eine jahrzehntelange Tradition des Journalismus, die viele Opfer forderte. Die Opfer waren oft kleine Leute, die bloßgestellt wurden, die sich deswegen auch das Leben genommen haben. Ich erinnere an den Tod Rudi Dutschkes, der von einem aufgehetzten Bild-Leser zum Attentatsopfer wurde und Jahre später daran starb. (Bild-Zitat vom Februar 1968 zu den Demonstrationen: „Man darf auch nicht die ganze Dreckarbeit der Polizei und ihren Wasserwerfern überlassen.“) Es fällt sichtlich nicht wenigen schwer, sich mit diesem Blatt auch nur punktuell gemein zu machen, auch wenn es um einen etablierten Politiker geht, der zwar kritisiert wird, doch zuvor mit Homestories und anderen Geschichten aus seinem prominenten Feierleben sich hat huldigen lassen. Jeder von uns weiß, dass zur gleichen Zeit die Boulevard-Tradition fortgesetzt wird und neue Opfer produziert werden.

Wir alle wissen, dass die Bildzeitung und die Politiker eine besondere Verbindung pflegen. Jeder Sozialdemokrat, jeder Grüne, jeder, der sich links der Mitte wähnt und diesem Blatt für Interviews zur Verfügung steht, weiß, dass er Kumpanei gegen seine Wähler betreibt. Mit sechs oder sieben abgedruckten Kurzsätzen ist die politische Wirklichkeit auch ansatzweise nicht zu erklären. Da die Presse, insbesondere die konservative, und die Politiker mittlerweile Beziehungen eingegangen sind, die die Personalisierung auf die Spitze treiben und damit die politischen Sachverhalte zu Petitessen schrumpfen lassen, bleibt einfach eine kritische bis abwehrende Distanz zur sogenannten 4. Gewalt.
GeroSteiner schrieb am 09.01.2012 um 17:49
Manches fällt erst aus dem Rahmen und passt dann ins Bild.
Auch bei Wulff: Fällt mit seiner widersprüchlichen Auffassung zur Pressefreiheit aus dem Rahmen und kommt dann in die BILD.

Glaubwürdigkeitsverlust und Gedächtnis sind unzertrennlich.
BILD war vor der Causa Wulff bereits unglaubwürdig (Was liegt auf der Treppe und lügt?) und Wulf ist mit seiner Salamitaktik der unvollständigen und verdrehten Offenlegung der Fakten erst nach und nach unglaubwürdig geworden.

Zur Zeit gibt es keinen Grund irgendwem irgendwas zu glauben oder davon auszugehen, dass Fakten auch Fakten sind.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2012 um 17:52
Woher kommt dieser Glaubwürdigkeitsverlust der Medien?

Gegenfrage: Seit wann und von wem wird Medien denn Glaubwürdigkeit unterstellt? Von Journalisten vielleicht - aber doch nicht vom Leser!
cuchulainn schrieb am 09.01.2012 um 18:00
"Ist der Abscheu gegen die Bild-Zeitung so groß, dass man sich lieber von Bild distanziert, als ihr Recht zu geben, wenn sie Recht hat?"

spielen wir mal mein persönlich lieblingsspiel: fragen umdrehen. da sie der verleger sind und ich nur ein kleiner leser ihres blattes, eredige ich das umdrehen mal für sie:

warum sind sie, der sie sich sowohl beim spiegel als auch beim freitag grundsätzlich in publizistischer KONKURRENZ zu den publikationen des springer-verlags befinden und von daher jedes nur erdenkliche interesse daran haben müssten, die bild-zeitung möglichst dumm aus der wäsche schauen zu lassen, auf einmal dazu bereit, sachen zu sagen wie '... wo die bild-zeitung recht hat'? geht es ihnen tatsächlich nur "um die sache" oder ist es nicht vielmehr so, dass ausnahmsweise die politischen kalküle des hauses springer, denen seine blätter folgen, sich mit den ihren decken?

"Warum glaubt man überhaupt, nicht gegen Wulff sein zu könenn und gleichzeitig die eigene Kritik an der Bild Zeitung aufrecht erhalten zu können?"

es gibt richtige und es gibt falsche gründe, gegen die bild-zeitung zu sein.

1) nicht wenige haben ihre jeweilige "haltung" zu dieser frage schlicht - geerbt. motto: mein ur-grossvater hat in der redaktion des "vorwärts" mal die heizung repariert, mein grossvater hat zusammen mit ulrike meinhof mal einen pullover gestrickt und von meinem vater habe ich die prägenden ersten dreissig jahre meines lebens nie was anderes am frühstückstisch gehört als "diese verdammte springerpresse", also halte ich es auch so. das ist ein falscher grund.

2) ein noch viel falscherer grund ist diejenige spielart von RASSISMUS, die sich nicht wenige linke erstaunlich gelassen und selbstgerecht leisten und auch noch gegenseitig durchgehen lassen. dieser rassismus betrifft nicht hautfarbe, ethnische zugehörigkeit oder dergleichen, sondern lautet: die bild-zeitung ist in wahrheit die BLÖD-zeitung, weil sie nur von dummen unterschichtlern, depperten prekariern und bildungsfernen prolos gelesen wird, bei denen hirnmässig sowieso längst ende im gelände ist, zu denen ich aber nicht gehöre (lies: gezählt werden MÖCHTE) und daher die bild nicht lese.

(diese liste ist nicht abschliessend.)

"Was ist das für eine Haltung, dass man die Kritik am Bundespräsidenten schon darum verdammt, weil nach ihm nur ein anderer Präsident im gleichen System käme - aber kein Wechsel des Systems?"

eine "kritik" am bundespräsidenten, heisst eine ge- und be-wusste auskunft über ziele und zwecke des bundespräsidenten als staatsamt habe ich noch nirgendwo gelesen. ich lese immer und überall nur konstruktiv gemeinte empörung über die PERSON christian wulff, die geständig wird in sittenpolizeilichen ermittlungen der art "sowas darf man dem nicht durchgehen lassen!" oder, und das ist sogar noch dümmer, "der beschädigt das amt".
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 21:48
@cuchulainn,

Ihre Aussage...

2) ein noch viel falscherer grund ist diejenige spielart von RASSISMUS, die sich nicht wenige linke erstaunlich gelassen und selbstgerecht leisten und auch noch gegenseitig durchgehen lassen. dieser rassismus betrifft nicht hautfarbe, ethnische zugehörigkeit oder dergleichen, sondern lautet: die bild-zeitung ist in wahrheit die BLÖD-zeitung, weil sie nur von dummen unterschichtlern, depperten prekariern und bildungsfernen prolos gelesen wird, bei denen hirnmässig sowieso längst ende im gelände ist, zu denen ich aber nicht gehöre (lies: gezählt werden MÖCHTE) und daher die bild nicht lese.

Jetzt haben SIE aber einen Rassismus vom ALLERFEINSTEN hingelegt!!

Das war ein totales Eigentor! Merken Sie das nicht?!
cuchulainn schrieb am 10.01.2012 um 09:13
nein, ich merke das nicht, habe aber andererseits auch gar kein problem, zur dummen unterschicht zu gehören, die nur darauf wartet, von leuchten wie dir erhellt zu werden.
SchmidtH. schrieb am 09.01.2012 um 18:03
Kann ihrem Beitrag nur zustimmen Jakob Augstein. Eigentlich wiederholt sich die "Affäre Guttenberg".

Doch warum ist die Glaubwürdigkeit, die Überzeugungskraft derart am Nullpunkt angelangt?
Nun, betrachtet man die nun seit mehr als einem Jahrzehnt andauernde mediale Begleitung des neoliberalen "Putsches", dürfte doch klar hervortreten warum es so ist.

Dennoch offenbart sich speziell in diesem Fall eine so typische Eigenart der deutschen Leserschaft, insbesondere der sich links Fühlenden.
Egal wie, egal was. sein Feindbild läßt er sich nicht nehmen. "Bild", Springer-Verlag. Ohne wenn und aber. Selbst die vermeintlich seriöse Flankierung ändert daran nichts.

Dabei ließe sich diese Affäre ganz einfach lösen und diese Lösung, den Schlüssel dafür hält das vermeintliche Opfer in der Hand. Das Opfer hat es in der Hand. Es muß den Trumpf, den nur das Opfer in Hand haben kann, ausspielen.

Der Trumpf ist die Wahrheit, die absolute Wahrheit. Ohne wenn und aber. Also nicht die "Wulffsche Wahrheit"!


Doch genau diesen Weg beschreitet Christian Wulff nicht und er wird wissen warum
Doch das interessiert die sonst so kritische Leserschaft nicht, sie verfällt wie immer in diesem Lande in eine Haltung, die eigentlich rational nicht begründbar ist, sie stellt sich schützend vor das "starke Opfer" und bringt ein gewisses Mitleid zum Ausdruck. Es muß vor "Bild", Springer geschützt werden, um jeden Preis. Selbst wenn es sich mit diesen Presseorganen gemein gemacht hat.

Jenes Mitleid, welches den wirklichen Opfern dieses Systems, den Armen, den Gestrauchelten, den Verlierern, den Geschlagenen versagt bleibt.
Konservative genießen in diesem Lande Artenschutz, ihnen wird auch verziehen, sollte es tatsächlich "schiefgehen". Linke, vermeintlich Linke dürfen auf solch menschliche Reaktionen ebenfalls nicht hoffen.
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 21:24
@H.Schmidt,

also ich finde Ihren Beitrag völlig daneben. Und der Vergleich mit Guttenberg hinkt gewaltig!

Sie verwechseln hier aber Äpfel mit Birnen!!

Sie meinen wirklich das BILD jetzt plötzlich so sozial geworden ist und an den Bürger denkt? Für mich ist das jetzt lächerlich. Der Bürger soll manipuliert und benutzt werden, so sehe ich das.
SchmidtH. schrieb am 10.01.2012 um 10:36
@ KarinL.

1. Wulff/Guttenberg war in dem Sinne gemeint, wie Teile der Öffentlichkeit darauf reagieren und meinen, auch hier sei wieder eine Medienkampagne im Gange und wieder sind die Verteidiger im Gewand der Verharmloser, Relativierer unterwegs und kämpfen gegen die Medien. Auch damals spielte die "FAZ" eine sehr positive Rolle, wie in der Causa "Wulff"!

2. Wo habe ich auch nur mit einem Wort erkennen lassen, dass ich "Bild" für sozial ansehe, einschätze und als Bürgersprachrohr verstehe?

3. Es steht ihnen allerdings frei meinen Beitrag weiterhin als "völlig daneben" zu bewerten. Offensichtlich eine bevorzugte Bewertung von ihnen.

Aber noch einmal zurück zum eigentlichen Thema:
Viel wichtiger wäre zu klären, warum jetzt, warum Wulff und wer dürfte das eigentliche Ziel der "Kampagne" sein?
Wenn innerhalb kürzester Zeit zwei Bundespräsidenten von der Fahne gehen, gehen müssen, müßten, dann stellt sich die Frage wer diese beiden Herren installiert hat.

Eine andere Variante wäre die Verbindung Diekmann/Helmut Kohl und dessen Sorge um sein europäische Idee, die er bei Frau Merkel nicht in guten Händen sieht.
Also es gäbe genug Stoff, um weiter zu spekulieren.

Übrigens, auch die Polizei z.B. benötigt Durchstecker, Informanten etc. um irgendwelchen Personen etwas nachweisen, ihrer "gerechten Strafe" zuführen zu können. Sie bringt diesen keine Hochachtung entgegen, dennoch wird sie deren Informationen verwerten. So einfach ist das manchmal im Leben.

Ach noch einen Nachsatz.
Der Bürger wird/kann/soll auch durch das Verschweigen manipuliert und benutzt/werden.

So sehe ich das!
abghoul schrieb am 09.01.2012 um 18:07
Sicherlich mag das ein Vorurteil sein, aber
Ich mag keine Pflastersteine werfen auf denen "Bild dir deine Meinung" aufgedruckt ist und die Richtung auch noch vorbestimmt.
Es laufen gerade soviel schäbigere Dinge ab, die in dem "Auf den Wulff gekommenen" Geschrei der Menschen und Medien untergehen.
Ich kann es niemandem Vorwerfen dem unwürdigen Kerl im Präsidentenamt zürnig zu sein, aber ich finde es traurig das sich die generellen Interessen derart polarisiert lassen.
luzieh.fair schrieb am 09.01.2012 um 18:49
!!!
Columbus schrieb am 09.01.2012 um 18:07
Um einmal von dem Thema Wulff weg zu kommen, -der hat fertig und müsste eigentlich gehen, klebt aber furchtbar-, hin zu diesem Zwiespalt der viele Leser, eines Teils der Journalisten, weitläufiger auch irgendwie linker Autoren, umtreibt und sie abhält, der BILD oder eben Springer, allzu viel Applaus zu zollen.

Dass BILD Macht hat, -jenes Fahrstuhlzitat Döpfners ist die prägnanteste Formel, neben der des Altkanzlers Schröders von Bild, Bams und Glotze-, dass BILD und andere auflagenstarke Medien (zuletzt sogar die ZEIT) selbsttätig Kampagnen führten, um, mit zumindest fragwürdigen Methoden, Personen in der Politik durchzusetzen, schreckt doch!

Es erklärt bei manchen kritischen Geistern die Zurückhaltung, gerade im Bezug auf BILD. - Sie wissen es doch selbst und schrieben ausführlich dazu.

Eine Bloggerin die häufig hier schreibt (Kay Kloetzer), antwortete nun in ihrem letzten Beitrag, Wulff und v.Guttenberg gerieten bei ihr, in einer Art Freudscher Fehlleistung, schon völlig in ein Pastiche zusammen. Beide waren bereitwillige Nutzer dieses ominösen Aufzugs und nicht nur da, wo real ein solches Gefährt zur Verfügung stand. - Die Art des Ekels vor dieser Politik und dieser Art Medienmacht, die so geschmiert, rauf und runter, im Zusammenspiel funktioniert, erklärt doch viel und erklärt auch das Misstrauen einer breiterern Öffentlichkeit.

Interessant ist, dass die tiefgründigsten und treffendsten Analysen dieser Personenpolitik, die doch immer mehr Bürger verstört, von eher konservativen Zeitungen kommen. Mein Paradebeispiel ist Volker Zastrows Analyse zu v. Guttenberg, „Ein gefährlicher Mann“ (FAS). Bei allen, eher auch sehr seltsamen Postionierungen dieses Journalisten in anderen politischen Fragen, hier, wie auch in der Frage der vier Abweichler gegen Andrea Ypsilantis Versuch, in Hessen den eigentlich unwürdigen Roland Koch abzulösen, wird wenigstens spürbar, um was es bei der Abwehr solcher Politiker eigentlich geht und was da wirklich auf dem Spiele steht, wenn sie sich mit Hilfe der Presse einmal durchsetzen.

Die vorbildliche Berichterstattung der Frankfurter Rundschau, ihr ganzer investigativer Elan in der Sache Woelki, im Steuerfahnderskandal, in den Polizeiaffären des Landes, getragen von Herrn Thieme, Herrn von Bebenburg, u.a., die die wirklich haarsträubende Zustände in der Verwaltung und in der Politik aufdeckten, hatte bisher deutlich weniger notwendigen Erfolg, als diese Art des Fahrstuhl- und Mitfahrgelegenheitenjournalismus aus dem Hause Springer-Bild. Heute ist der langjährige Katschmarek und selbst verwickelte Partner Roland Kochs der neue MP. - Dazu gibt es Medialisten und einfach gestrickte Kritiker, auch Blogger, die nun die FR-Redaktion als Anhängsel der Absichten ihres neuen Verlegers betrachten, was defintiv nicht der Fall ist.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Phineas Freek schrieb am 09.01.2012 um 18:14
„…Warum genügt es dem Leser nicht, dass die Fakten stimmen, die er liest...“

Welche Fakten? Dass Politiker käuflich sind und manchmal lügen?!

Potzblitz!

„Die Treibjagd gegen Bundespräsident Wulff geht weiter. Tag für Tag erscheinen in den Monopol-Medien neue Anwürfe. Die Politikaster der parlamentarischen "Opposition" von SPD und Grünen und die Heckenschützen aus der Regierungskoalition, der Wulff seine Wahl zu verdanken hat, hecheln genüsslich durch, wer sein Nachfolger werden soll, obwohl es kaum ein legales Procedere gibt, mit dem Wulff zum Rücktritt gezwungen werden könnte, wenn er nicht selbst entnervt aufgibt. Sie beklagen scheinheilig, dass Wulff "das Amt beschädiget", während sie im selben Atemzug eben genau dies selber tun.

Bei den missgelaunten Bürgerinnen und Bürgern ist die Freude immer groß, wenn einer "von denen da oben" aufgemischt wird. Der Missmut, dass "da oben" selbstherrlich gegen die Interessen der Masse der Bürger regiert wird, dass dort gelogen wird, dass sich die Balken biegen und nie darauf vertraut werden kann, dass ein Wort ein Wort ist, hat gute Gründe. Viele vergessen aber gern, dass sie selbst es bei den letzten Wahlen waren, die der Bande von Schwarz über Rosarot bis Olivgrün ihre Stimme gegeben haben und sich wieder einmal mit dem Argument des "kleineren Übels" haben an der Nase herumführen lassen.

Wir sind gut beraten, wenn wir genau hinsehen, was da läuft. Die Kampagne gegen Wulff ist keine Kampagne von unten. Es handelt sich um eine Kampagne von oben, um einen Hickhack zwischen "denen da oben". Das von BLÖD und der übrigen Meute herbei geschriebene und -geredete "gesunde Volksempfinden", das Aufhetzen gibt diesem Hickhack nur die Deckung, instrumentalisiert die schwelende Wut, verschweigt aber beharrlich die wirklichen Gründe und Ziele der Kampagne. Mit Springer gegen Wulff ? - Nein danke! Jagt die Jäger!“

kritische-massen.over-blog.de/
lulu morgenstern schrieb am 09.01.2012 um 18:24
Sie haben schon recht, wenn Sie sagen, dass es widersprüchlich erscheint für eine kritische Presse zu sein, aber jetzt zu meckern, dass sie kritisch ist. Ich kann das nur aus meiner Sicht schildern und vielleicht geht es anderen auch so.
Ich denke, dass Wulff untragbar geworden ist nach seinem Anruf und dem Interview (in dem er offensichtlich gelogen hat). Und es ärgert mich maßlos, dass er uns alle: Politiker, Medien und Bürger, in einer solchen Zeit der Krise mit diesem Mist beschäftigt und aufhält, während er bis jetzt nicht einmal in der Lage war auch nur ein nützliches Wort an das Volk zu richten und sich irgendwie zu dieser unglaublich bewegten Zeit zu äußern. Nach der Hauskredit Geschichte, war ich dennoch gewillt ihn weiter im Amt zu akzeptieren, wenn er denn deutlich Stellung bezogen hätte und einfach mal zugegeben hätte einen gravierenden Fehler begangen zu haben. Aber nein! Wulff übt sich in guttenbergischer Salamitaktik und macht dann einen noch viel größeren Fehler: Er beginnt panisch zu telefonieren! (Was mich dabei wundert ist, dass keiner darüber spricht, dass diese Panik vermutlich daher rührte, dass Wulff davon ausging, dass die Bild die Gunst der Stunde nutzen würde, um Dinge über seine Frau zu veröffentlichen. Davon gehe ich fest aus!)
Interessant ist, dass die Bild (und alle anderen von Springer, die Anrufe bekommen haben) zwei Wochen zunächst dicht hält bis die Nachricht sich dann doch ihren Weg in die Öffentlichkeit bahnt. Jetzt beginnt die Kampagne und man möchte der Bild das erste Mal recht geben! Doch dann kommt dieses furchtbare Interview und am nächsten Tag dieser heuchlerische Brief von Diekmann an Wulff, wo man sich die Frage stellen muss…Seit wann schert sich die Bildzeitung eigentlich um Persönlichkeitsrechte zumal es juristisch vermutlich nicht zu beanstanden ist, die Nachricht auf der Mailbox zu veröffentlichen?...und es geht weiter mit Artikeln zu Wulffs Frau und wo sie ihre Kleider her hat. (Als wäre es eine Neuigkeit, dass Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, Kleider geschenkt bekommen. Sie bieten schließlich eine tolle Werbefläche und ich vermute schwer, sie ist nicht einzige Präsidentengattin bzw. Politikerin oder Politikergattin, die ihr neues Louis Vuitton Täschchen …oder was auch immer….nicht für wohltätige Zwecke spendet!) Und so nimmt diese ganze „Berichterstattung“ die Form einer absurden Hetzkampagne an und man bekommt selbst das Gefühl von der Bildzeitung vor den Karren gespannt zu werden.
Jetzt geht es nicht mehr darum Kritik an einem Bundespräsidenten zu üben, der offensichtlich weder eine Gefühl dafür hat, was als Politiker geht und was nicht, noch in der Lage ist verantwortungsvoll mit der Presse(freiheit) und seinem Amt umzugehen! Sondern es geht um Machtspiele zwischen insbesondere einem mächtigen Medienkonzern und der Politik und man bekommt das Gefühl Springer wolle den Präsidenten stürzen. So machen Medien Politik und das kann nicht sein! Schlimm ist nur, dass es dazu kommen konnte, weil die Politik es versäumt hat rechtzeitig zu reagieren. Wir haben eine Kanzlerin, die sich ja im Zweifel auch schon hinter Lügner und Betrüger wie Guttenberg gestellt hat, und mit der SPD beispielsweise eine Opposition, die sich gerade selbst nicht zu schade ist an der Parteispitze zwei widersprüchliche Aussagen zu tätigen und so einfach nur peinlich erscheint!
So möchte man diesen Bundespräsidenten eigentlich nur loswerden, aber der fiese Beigeschmack bleibt, dass wenn er geht, die Bildzeitung ihn gestürzt hat und uns mal wieder ihre Macht demonstriert hat!
lulu morgenstern schrieb am 09.01.2012 um 18:24
Sie haben schon recht, wenn Sie sagen, dass es widersprüchlich erscheint für eine kritische Presse zu sein, aber jetzt zu meckern, dass sie kritisch ist. Ich kann das nur aus meiner Sicht schildern und vielleicht geht es anderen auch so.
Ich denke, dass Wulff untragbar geworden ist nach seinem Anruf und dem Interview (in dem er offensichtlich gelogen hat). Und es ärgert mich maßlos, dass er uns alle: Politiker, Medien und Bürger, in einer solchen Zeit der Krise mit diesem Mist beschäftigt und aufhält, während er bis jetzt nicht einmal in der Lage war auch nur ein nützliches Wort an das Volk zu richten und sich irgendwie zu dieser unglaublich bewegten Zeit zu äußern. Nach der Hauskredit Geschichte, war ich dennoch gewillt ihn weiter im Amt zu akzeptieren, wenn er denn deutlich Stellung bezogen hätte und einfach mal zugegeben hätte einen gravierenden Fehler begangen zu haben. Aber nein! Wulff übt sich in guttenbergischer Salamitaktik und macht dann einen noch viel größeren Fehler: Er beginnt panisch zu telefonieren! (Was mich dabei wundert ist, dass keiner darüber spricht, dass diese Panik vermutlich daher rührte, dass Wulff davon ausging, dass die Bild die Gunst der Stunde nutzen würde, um Dinge über seine Frau zu veröffentlichen. Davon gehe ich fest aus!)
Interessant ist, dass die Bild (und alle anderen von Springer, die Anrufe bekommen haben) zwei Wochen zunächst dicht hält bis die Nachricht sich dann doch ihren Weg in die Öffentlichkeit bahnt. Jetzt beginnt die Kampagne und man möchte der Bild das erste Mal recht geben! Doch dann kommt dieses furchtbare Interview und am nächsten Tag dieser heuchlerische Brief von Diekmann an Wulff, wo man sich die Frage stellen muss…Seit wann schert sich die Bildzeitung eigentlich um Persönlichkeitsrechte zumal es juristisch vermutlich nicht zu beanstanden ist, die Nachricht auf der Mailbox zu veröffentlichen?...und es geht weiter mit Artikeln zu Wulffs Frau und wo sie ihre Kleider her hat. (Als wäre es eine Neuigkeit, dass Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, Kleider geschenkt bekommen. Sie bieten schließlich eine tolle Werbefläche und ich vermute schwer, sie ist nicht einzige Präsidentengattin bzw. Politikerin oder Politikergattin, die ihr neues Louis Vuitton Täschchen …oder was auch immer….nicht für wohltätige Zwecke spendet!) Und so nimmt diese ganze „Berichterstattung“ die Form einer absurden Hetzkampagne an und man bekommt selbst das Gefühl von der Bildzeitung vor den Karren gespannt zu werden.
Jetzt geht es nicht mehr darum Kritik an einem Bundespräsidenten zu üben, der offensichtlich weder eine Gefühl dafür hat, was als Politiker geht und was nicht, noch in der Lage ist verantwortungsvoll mit der Presse(freiheit) und seinem Amt umzugehen! Sondern es geht um Machtspiele zwischen insbesondere einem mächtigen Medienkonzern und der Politik und man bekommt das Gefühl Springer wolle den Präsidenten stürzen. So machen Medien Politik und das kann nicht sein! Schlimm ist nur, dass es dazu kommen konnte, weil die Politik es versäumt hat rechtzeitig zu reagieren. Wir haben eine Kanzlerin, die sich ja im Zweifel auch schon hinter Lügner und Betrüger wie Guttenberg gestellt hat, und mit der SPD beispielsweise eine Opposition, die sich gerade selbst nicht zu schade ist an der Parteispitze zwei widersprüchliche Aussagen zu tätigen und so einfach nur peinlich erscheint!
So möchte man diesen Bundespräsidenten eigentlich nur loswerden, aber der fiese Beigeschmack bleibt, dass wenn er geht, die Bildzeitung ihn gestürzt hat und uns mal wieder ihre Macht demonstriert hat!
lulu morgenstern schrieb am 09.01.2012 um 18:28
Sorry, ich glaub ich hab einen falschen zeitlichen Ablauf geschildert. Er hat vor der Veröffentlichung angerufen....richtig...ändert allerdings nichts an der zentralen Aussage!
mcmac schrieb am 09.01.2012 um 18:32
„Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“. - Möglicherweise diese Wahrnehmung stellt sich beim Zuschauer der gegenwärtigen Staats- und Medienfarce ein.

„Kritische Medien“? „Kritische Öffentlichkeit“? Aber, nun mal wirklich: Gesellschaftlich relevant gibt es das doch gar nicht. Trotzdem oder gerade weil dies mit so viel Aufwand simuliert wird. Menno, ehrlich, sonst wär's doch längst verboten...

Wäre ich ein kritisch-öffentlicher Dingsbums-Irgendwas, der das richtig kann, würde mich wahnsinnig interessieren, warum Wulff anscheinend der ideale Bundespräsident derer ist, die das Stimmvieh augenblicklich mit dieser schlechten Show sedieren. Hab' vorhin mal einen Anfang, so in dieser Richtung, ziemlich platt & plakativ, versucht...
merdeister schrieb am 09.01.2012 um 18:44
Wenn mir jemand seit Jahren kumpelhaft die Hand um die Schulter legt, um mir dann ein paar Schritte später ein Bein zu stellen, so dass ich ordentlich auf der Fresse liege und dieser jemand mir eines Tages freundlich eine Zigarette anbietet, gehe ich davon, dass er hofft, ich bekomme Lungenkrebs.

Die Bild, so unterstelle ich, hat immer eine Agenda. Diese Agenda ist nie transparent.

Der Bild unterstelle ich weiter einen Publication-Bias. Sie wird Informationen nur veröffentlichen, wenn diese die Agenda nach Vorne bringen. Vermutlich gibt es in den heiligen Mauern noch andere Infos, die man bei Gelegenheit auspacken kann.

Wenn das so ist, sind Politiker, die WIR gewählt haben, erpressbar.

Mein Vertrauen in die Bild ist so gering, dass ich mich selber anhöre, wie ein Verschwörungstheoretiker. Ich bin jedoch lernfähig.
Achtermann schrieb am 09.01.2012 um 19:44
@merdeister

Wenn das so ist, sind Politiker, die WIR gewählt haben, erpressbar.

Die Causa Wulff ist auch als Drohung an alle anderen Politiker zu verstehen. An ihm wird aufgezeigt, dass vorauseilender Gehorsam und Gefügigkeit verlangt werden (können).
Magda schrieb am 09.01.2012 um 20:26
@merdeister - BILD hat für mich auch diese merkwürdige "wir wissen alles" Haltung. Woran mich das erinnert, will ich lieber nicht sagen.
merdeister schrieb am 09.01.2012 um 23:09
Magda schrieb am 09.01.2012 um 20:26

Ne! Wenn rauskommt, dass jemand in der FC die BILD mit der STASI vergleicht, darf der kleine Blome nicht mehr mit JA spielen.

Achtermann schrieb am 09.01.2012 um 19:44

Auch gruselig!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2012 um 19:07
Hallo Jakob Augstein,

Ich schrieb am 04.01. den Beitrag "Christian Was? Was ist Trumpff?". Also bevor Ihre Artikel Wulff hat seine Ehre verspielt und Der böse Wulff veröffentlicht wurden.

"Ich frage mich, wie es zu so unterschiedlichen Sichtweisen kommt."

Ich fragte mich nach der Lektüre Ihrer Texte, warum mir Ihre Argumentation so klar und richtig erschien, obwohl Sie vermutlich meine Sichtweise in "Der böse Wulff" mit dem Ausdruck "Meta-Debatten" beiseite zu wischen versuchten.

Die Sache ist so unübersichtlich, weil wir es mittlerweile mit zwei vollwertigen Debatten zu tun haben, die zeitgleich ablaufen: "die Sache Wulff" und "die Sache BILD". Wegen der Gleichzeitigkeit und der strukturellen Verzahnung dieser beiden "Sachen" zu einer Gemengelage, ist es leider fast unmöglich, Aussagen über eine der beiden Sachen zu tätigen, ohne dabei auch eine Aussage über die andere zu treffen. Das ist das Problem, unter dem wir hier leiden.

"Ebenso wie mich die Kritik an den Medien überhaupt wundert in diesem Zusammenhang."

Damit bringen Sie genau dieses Problem zum Ausdruck: Kritik an den Medien ist generell O.K., aber bitte nicht in "diesem Zusammenhang". Sie ordnen das Thema "BILD" dem Thema "Wulff, Geerkens, BW-Bank, etc." klar unter. Sie haben für sich selbst somit eine Prioritätenliste erstellt. Vermutlich ist das eine Leistung, die sogar notwendig ist, um hierbei nicht gänzlich den Überblick zu verlieren. Allerdings machen Sie keinen Hehl daraus, dass Sie diese Prioritäten explizit so gesetzt sehen wollen, weil Sie sich in der "Sache Wulff" daraus 'bessere Karten' erhoffen.

Für mich - ganz persönlich - kommt diese, explizite Zweck-Rangfolge nicht in Frage. Ganz einfach weil ich es als beschämend empfinden würde, dem Präsidenten und seinen Machenschaften nur beizukommen, indem man sich darauf einlässt, der BILD-Zeitung Integrität zu bescheinigen. Und sei es auch nur in diesem einen Fall.

Ja, das fällt mir in der Tat schwerer, als einen Präsidenten Christian Wulff weiterhin im Amt zu akzeptieren. Weil ich denke, dass (der 'entwürdigte') Herr Wulff in diesem (!) Amt nicht in der Lage sein wird, den Schaden anzurichten, den die BILD bis zur nächsten BT-Wahl 2013 - aller Voraussicht nach - anzurichten plant.

Ich selbst verfüge über keinerlei Einsicht ins große, mediale oder politische Geschäft - und den unbekannten Bereich, in dem sich beide Geschäfte schneiden. Aber - und das sage ich unbedingt unabhängig von der "Sache Wulff" - so zu tun, wie in den letzten Tagen häufig gehört oder gelesen, dass der Versuch eines Politikers, die Berichterstattung auf die eine oder andere Weise zu beeinflussen (oder umgekehrt), eine solch ungeheuerliche Ausnahme darstellen soll, als die sie derzeit dargestellt wird, kann ich nur schwer verkraften.

Deshalb sage ich: Wenn es schon ein Skandal sein soll, dann auch bitteschön der richtige. Denn einer, bei dem "nur" der "machtloseste Politiker des Universums" (der Bundespräsident) seinen Job in der bangen Hoffnung verliert, die Kanzlerin damit schwächen zu können, kann mir gestohlen bleiben. Links hin, rechts her.

So lange es in dieser Geschichte nicht einzig und ausdrücklich um die demokratieaushöhlende Gemengelage zwischen Politik, privatwirtschaftlichen Einzel-Interessen und den einschlägigen (!) Medien geht, werde ich weiterhin versuchen, die Sachen "Wulff" und "Springer" zumindest auf Augenhöhe zu behandeln. Sollte diese Herangehensweise dazu führen, dass der Präsident nicht fällt, so müsste ich das hinnehmen. (Hört sich gut an, fast so, als hinge es von mir ab. :o)

Allerdings keinesfalls aus dem Grunde, dass ich das Amt nicht neubesetzt, sondern abgeschafft sehen will. Oder gar ein anderes System herbeiwünsche. So ist es ganz und gar nicht! Ich kann momentan nur den übergeordneten "linken" Nutzen nicht erkennen. Schon allein SpiegelOnline Titel wie "Gabriel bietet Merkel Große Koalition bei bla bla bla an" sind Gift für meine Augen und Ohren.

Ich will nicht Einfachheit, ich verlange endlich mal Tacheles! Dazu gehört aber die Erkenntnis, dass nicht dieser Wulff, dieser Geerkens und dieser Diekmann komische Sachen machen, sondern vielmehr, dass da draußen Heerscharen anderer Wulffs und Geerkens rumlaufen. Wenn ich in diesem Zusammenhang den Begriff "Große Koalition" schon höre, weiß ich schon wieder ungefähr, was aufzuarbeiten man nicht plant.

So gesehen verfüge ich auch über eine gedankliche Prioritätenliste. Vielleicht ist sie naiv, das gebe ich gerne zu. Vielleicht ist das Thema nicht geeignet, um "Transpareny International" die Weltherrschaft zu übertragen. Aber wann hatten wir in der letzten Zeit eine solche Möglichkeit, den demokratiefeindlichen, außerparlamentarischen Sumpf aus Geld- und Machtinteressen so gut mit einem einzigen Griff bei den Ei**n zu kriegen? Genau. Kommt so schnell wahrscheinlich auch nicht wieder.

Wo ich gerade beim Thema war, versuche ich folgendes Schlusswort: Ja, ein blindes Huhn findet auch mal ein Ei. Aber nur, weil man es lobt, mal eins gefunden zu haben, findet es zukünftig nicht mehr. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall. Wenn man dem Huhn und der Sache dienlich sein wollte, sollte man einen Termin zum Augenlasern für es vereinbaren oder ihm eine Brille schenken. Oder einen Anrufbeantworter, der nicht nur eine Nachricht speichert, sondern alle. Aber ich seh's schon, das führ tatsächlich zu weit.

Liebe Grüße von
Herrn Katzer
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 19:17
Zitat von J. Augstein

"Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken - soweit das Publikum nicht aus politischen Gründen auf seiner Seite ist. Ich dachte also, kritische Medien und kritische Öffentlichkeit müssten einer Meinung sein."

Ist Wulff denn so ein Schuft? Er ist doch "nur" normal wie alle Politiker/Parteien.

Wenn das ganze System im Prinzip doch so ist? Welcher Politiker in der Spitzenposition hat denn nicht auch solche Vergünstigungen einmal genutzt? Vorallem was ist passiert, als die Wahrheit raus kam? Wurde einer je mal ernsthaft zur Rechenschaft gezogen und abgestraft?!

Lieber Herr Augstein,

wir leben auch immer noch in einem Rechtsstaat und wenn Herr Wulff gegen Recht und Gesetz verstoßen hat, so soll er gehen. Bis jetzt sind es aber nur Vorwürfe und keine belegbaren Fakten für mich. Oder wurde hier mal irgend etwas dergleichen ins Netz gestellt, damit jeder es einsehen kann?

Auch geht es um Anstand und Respekt. Schon Ihre Wortwahl verstehe ich nicht....sind Sie Jäger?? Sind die Medien Jäger und wir alle anderen die Gejagten?

Wenn ein Mensch, egal wie falsch er sich verhalten hat, nur noch von den Medien gejagt wird, frage ich mich wo diese Gesellschaft steht?!

Warum zeigt BILD Wulff nicht einfach an, wenn BILD Beweise hat und meint Wulff habe gegen das Gesetz verstossen?! Das, und nur das wäre für mich seriös. Alles andere ist Auflagenhascherei, Meinungsmache und Manipulation vom feinsten!!

Herr Küppersbusch hat dies schon richtig auf der Taz interpretiert.

Zitat: "Muss Wulff die Schuhe als geldwerten Vorteil versteuern ? Diekmann … fass!"

und vorallem dieser Satz hat es in sich.

"An dem Tag, an dem Politiker sich nicht mehr gegen Bild wehren dürfen, ist Bild Verfassungsorgan. Ein Chefredakteur, ein Verleger bekommt sein Gehalt unter anderem dafür, Druck auszuhalten - dass Diekmann sich zum Stauffenberg der Pressefreiheit hochjuxt, ist bereits sein Sieg und Wulff sein nützlicher Depp. "

Wenn Sie das so wollen, Herr Augstein, dann können wir das GG gleich abschaffen.

Und nochmal...Hier gehts um Recht und Gesetz, um Anstand und Menschenwürde! Jeder Mensch hat ein Recht auf anständige Verurteilung entsprechend den Gesetzen.

Eine Frage an Sie Herr Augstein, und ich erwarte darauf keine Antwort.

Wie würden Sie reagieren, wenn man Ihnen einen derartigen Kredit anbieten würde? Wenn Sie in solch einem Umfeld, mit solchen Freunden, agieren würden? Wenn BILD Ihnen einen günstigen Kredit geben würde?

Und zu den angeblichen Vorfällen als Ministerpräsident Wulff, frage ich mich, warum BILD nicht schon viel früher gegen ihn so losgetreten ist?!

Ich denke es ist einfach die unseriöse Art und Weise, wie BILD mit Wulff umgegangen ist. Und das eben auch BILD Wulff einstmal so angepriesen hatte.
Zitat Küppersbusch:

"Bild hat Wulff hochgeschrieben, als möglichen Kanzler apostrophiert. Vor der Affäre war er Merkels letzter Rivale. Jetzt nicht mehr. "

Nachzulesen in der Taz

www.taz.de/Die-Woche/!85200/

Welches Spiel wird hier eigentlich wirklich gespielt? Sagen Sie mir es, Herr Augstein. BILD kungelt doch genauso mit den Politikern und der Wirtschaft. Wo ist da ein Unterschied?

Ich glaube auch, dass die meißten Wulff moralisch verurteilen. Mich eingeschlossen. So hatte ich es jedenfalls in den Kommentaren, nicht nur auf dem Freitag, heraus gelesen. Und warum die Linke sich nicht gegen Wulff stellt, kann man sich doch denken. Es liegt am System in dem wir leben. Für mich ist eben auch die Linke nicht viel besser. Politiker auf einer bestimmten Ebene sind doch alle gleich. Wir leben in einem korrumpierten Betrugssystem, wo der Bürger eigentlich nichts mehr zählt und sich von der Politik distanziert hat. Das Vertrauen in den Medien ist genauso verloren gegangen.

Ausserdem geht es hier doch gar nicht um Ideologien, sondern um Moral! Und die ist in dem Land schon lange verkommen. Anscheinend hat man sich daran schon gewöhnt und resigniert(?)

Und Ihre Aussage, dass die Linke jetzt Wulff den "Rücken" stärkt finde ich stark. Wie kommen Sie zu so einer Aussage?

Es geht um BILD und Wulff. Nicht mehr und nicht weniger.
wwalkie schrieb am 09.01.2012 um 19:33
"Ich bin verunsichert: eigentlich dachte ich, die Sache sei klar. Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken - soweit das Publikum nicht aus politischen Gründen auf seiner Seite ist. Ich dachte also, kritische Medien und kritische Öffentlichkeit müssten einer Meinung sein", schreiben Sie, Herr Augstein - und sagen damit gleichzeitig, warum so viele "irgendwie Linke" verunsichert sind, sein müssen.

Ich bin nun wahrlich nicht auf der Seite Wulffs - und empfinde dennoch so etwas wie Solidarität einem Menschen gegenüber, der für mich immer das Muster des an die Verhältnisse angepassten Politikers (aus, wie man so sagt, "einfachen Verhältissen") war. Kaum einer hat(te) das "Realitätsprinzip" so verinnerlicht wie Wulff. Der typische Politrepräsentant, der schon als Postpubertant "Männchen macht in der Schülerunion" (Degenhardt), der als junger Jurastudent und RCDS-Mitglied eiskalt den Radikalenerlass rechtfertigte und und und.

Und dennoch. Ist Wulff "ein Schuft", wie Sie schreiben, einer, der Böses tut, ohne dies zu erkennen und ohne Chance sich zu verändern? Natürlich nicht! Er ist ein Opportunist. Er geht - wie tausend Andere - über Leichen (was ihm, wenn er's merkt, vielleicht sogar leid tut), aber ein Schuft? Und wenn er einer wäre, darf er dann von der Presse, wie Sie schreiben, "gejagt werden" - als menschliche Beute einer medialen Meute? Was ist, wenn er als "Strecke" vor den stulten Jägern liegt? Die sich den Korn in den Hals schütten und schon Ausschau halten nach dem nächsten "Schuft". Denn das "Publikum" will mehr.

Das "kritische" Publikum ist - hoffentlich - so kritisch, die Jäger, die sich kritisch nennen, als das zu erkennen, was sie waren und sind: Auflagen- und Profitjäger. Und wenn sie solche Schufte nicht SIND, dann MÜSSEN sie's sein. Da sollte Kritik ansetzen. An den Verhältnissen, die Menschen, die gefehlt haben, weil sie fehlen müssen, zur Beute machen für Jäger, die jagen müssen, um nicht selber Beute zu werden.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2012 um 19:34
@Jakob Augstein

Ich bin verunsichert: eigentlich dachte ich, die Sache sei klar. Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken

In meinem letzten Blog zum Thema bin ich auch aus dieser Warte kritisiert worden - und das zum Teil sehr persönlich.

Kann das daran liegen, dass unsere Leser wie Menschen denken und nicht wie Journalisten?

LG christian
Achtermann schrieb am 09.01.2012 um 19:53
@ ChristianBerlin

In meinem letzten Blog zum Thema bin ich auch aus dieser Warte kritisiert worden - und das zum Teil sehr persönlich.

Kann das daran liegen, dass unsere Leser wie Menschen denken und nicht wie Journalisten?


Kann es sein, dass du gerade Podest und Kanzel verwechselst? Im Bloggerwesen gibt's nur die Ebene, und auf der sind wir alle gleich.
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 19:54
@ChristianBerlin,

Kann es sein, dass Journalisten auch nicht mehr auf der Höhe der Zeit leben und sich überschätzen?

Wie kommen Journalisten nur darauf, sich als "Jäger" des mündigen Bürgers hinzustellen?

Hat man sich ev. eine völlig falsche Sichtweise zu eigen gemacht?

Und warum sollen die Bürger sich für einen Disput zwischen BILD und BP denn benutzen lassen? Hier gehts doch gar nicht um die Belange des Bürgers. Problem noch nicht erkannt?
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 19:58
@Achtermann,

Ihr Aussage:
"Im Bloggerwesen gibt`s nur die Ebene, und auf der sind wir alle gleich"

...nee sind wir eben nicht. Sonst würden nicht solche Äusserungen kommen! Ausserdem merkt man das doch auch an den Diskussionen hier.
Achtermann schrieb am 09.01.2012 um 20:08
@KarinL.

...nee sind wir eben nicht.

Gerade deshalb muss daran immer mal wieder erinnert werden, wenn manche meinen, abheben und sich über die Community stellen zu müssen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2012 um 20:12
@alle hier drunter

"Kann das daran liegen, dass unsere Leser wie Menschen denken und nicht wie Journalisten?"

Verstehe die Aufregung um diesen Satz nicht ganz, geht er doch eher mit journalistischem Denken ins Gericht, als mit 'Menschsein'.

Ich finde die Frage berechtigt. Denn so wie ich in meinem Kommentar (weiter oben) meine Sichtweise um "Wulff/Springer" als "villeicht naiv" bezeichnet habe, so dürfte sie aus journalistischer Sicht vielleicht als "all zu menschlich" beschrieben werden können.

Rein journalistisch gesehen kann ich das Bestreben, nun zunächst Wulff - und zwar nur Wulff - abhandeln zu wollen und sich die BILD ein anderes Mal vorzunehmen, gut verstehen.

Denn letztlich drückt Jakob Augsteins Unverständnis über die "BILD-Debatte" die professionelle, journalistische Erkenntnis aus, dass gegen BILD in der jetzigen Form erstmal nichts zu machen ist - gegen Wulff allerdings schon. Das in dieser Form nicht akzeptieren zu wollen, ist eben "menschlich" :o)
abghoul schrieb am 09.01.2012 um 20:17
Umgedreht wird dem Christian sein Satz ja auch irgendwie richtig fies wegen den Journalisten:
Journalisten denken nicht wie Menschen
Columbus schrieb am 09.01.2012 um 20:24
Herr Berlin,

Können Sie eigentlich, rein physisch, noch den Spagat? Heinrich v. Kleist würde sagen, man müsse, um zwischen Mensch/Leser und Journalist/Mensch trennen zu können, entweder Tanzbär sein oder aber Primaballerina auf einem Marionettentheater.
Das wäre dann ein mühsamer Weg zu geistiger Grazie.

LG
Christoph Leusch
SuzieQ schrieb am 09.01.2012 um 20:27
@ ChristianBerlin

Ach, hier bist Du, ich hab Dich schon in Deinem Blog vermisst, bisher hattest Du von meinen "Unterstellungen" nur die "naivste Frage" beantwortet.
Komm mal rüber, wir machen fertich ...

LG
SuzieQ
SuzieQ schrieb am 09.01.2012 um 20:39
"Kann das daran liegen, dass unsere Leser wie Menschen denken und nicht wie Journalisten?"

Wir sollten doch froh sein, wenn 'unsere' Leser noch denken und nach allem was hier steht, besser als Mensch denn als Journalist denn gar nicht.

Ungenauigkeit und Unsachlichkeit gehören bei manchen Journalisten einfach zum Handwerk, das ist keine Anspielung, sondern Fakt.
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 20:55
@Herr Katzer,

Sind Journalisten also doch keine Menschen? Diese Aussage ist für mich völlig daneben. Man kann doch Beruf und Menschsein nicht voneinander trennen. Oder sind Sie im Beruf nicht auch Mensch, sondern funktionieren nur?

Herr Augstein sieht das sicherlich aus seiner Journalistischen Sicht heraus. Das mag wohl sein. Nur sollte er eben mal die menschliche Seite dabei auch nicht aus den Augen verlieren! Das BILD nicht menschlich ist, ist mir schon lange klar :-)

Auf das vorgehen gegen BILD bin ich aber mal gespannt :O)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2012 um 21:57
@KatrinL

Selbstverständlich sind Journalisten Menschen!!
Es sind halt Menschen, deren Beruf es ist, klar, nüchtern und strukturiert zu denken und zu schreiben - und sich nicht zu verzetteln.

Emotion darf sich jeder Journalist erlauben - aber die muss hinter einer gut begründbaren Meinung versteckt weren. Das ist Jakob Augstein im Artikel "Der böse Wulff" hervorragend gelungen. Darin leitet er die Notwendigkeit eines Rücktritts Wulffs her, ohne sich dabei auf Mutmaßungen berufen zu müssen.

Die sinnvolle Frage, warum der ausgewiesene Politprofi Wulff überhaupt der Meinung war, mit seinen Anrufen bei BILD etwas bewirken zu können - und was allein diese Tatsache über das Verhältnis von Hauptstadtpolitik und Springerpresse aussagt, dürfen wir Nicht-Journalisten uns gerne stellen.

Für Journalisten münden Suggestivfragen allerdings im Problem, im Zweifel handfeste Beweise liefern zu müssen. Allein die Tatsache, dass die interdiszilinäre Elite total gut miteinander befreundet ist und jeder mit jedem zu Mittag isst, ist aber leider, leider erstmal Beweis für gar nichts.

Man sieht es doch. Die kennen sich angeblich alle aus dem Sandkasten und haben zufällig alle die Büros im Umkreis von 450 Metern rund um den Pariser Platz. Politiker, einschlägige Presse und versammelte Wirtschaftslobby. Was will man denn machen, wenn der Zufall das alles so will? Machste erstmal nix dran. Schade.
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2012 um 01:07
@all

Danke für das kritische Aufgreifen meines Impuls, auch wenn JA meine Spitze nicht in den Olymp seines Nachtrags befördert hat.

Tatsächlich wollte ich in zwei Richtungen austeilen.

Einmal gegen die Journalisten, deren Job von JA selbst als der einer Meute dargestellt wird:

Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken

Ein wenig Mensch bleiben tut in so einer Hatz ganz gut und kann vor allem auch die Objektivität des Blickes schärfen, die man im Jagdeifer gerne verliert.

Umgekehrt wünsche ich mir in religiösen Kontexten oft, meine Geschwister brächten nicht nur die Herzensgüte Christi mit, sondern in Gegenwartsfragen auch ein wenig journalistisches Urteilsvermögen, wie oben bei @Herr Katzer, der Journalisten nicht als Meute, sondern im Gegenteil als besonnene Menschen definiert:

Es sind halt Menschen, deren Beruf es ist, klar, nüchtern und strukturiert zu denken und zu schreiben - und sich nicht zu verzetteln.

Emotion darf sich jeder Journalist erlauben - aber die muss hinter einer gut begründbaren Meinung versteckt weren


Wenn sich die Herzensgüte der Wulff-Beschützer mit etwas mehr von diesen Tugenden kombinieren ließe, wäre deren Anliegen vielleicht sogar an diejenigen kommunizierbar, die ihn so einfach nicht davonkommen lassen wollen.

Leider kommen beide Seiten oder beide Anliegen nirgends recht zusammen. Auch in dieser Diskussion ist es schwer, sind vernünftig zu einigen.

Das liegt nach meiner Einschätzung an diesem Ent-oder-Weder des Menschlichen vs. dem Journalistischen.

LG CB
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2012 um 01:17
Vor wenigen Tagen bekam ich zur Wulff-Affäre ebenfalls einen Leserbrief, weniger angriffslustig als der von JA wiedergegebene, aber mit demselben Anliegen. Das ist ein Text, in dem ich deutlich menschliche Herzensgüte spüre, aber einen ausreichenden Bezug zur Nachrichtenlage und zum Diskussionsstand vermisse.

Die Verfasserin - wieder eine Frau - hatte mein Kamerastatement gut gefunden, das ich am Anfang der Affäre gegenüber ntv abgegeben hatte (Wer ohne Sünde ist werfe den ersten Stein!) und versucht mit ihren Überlegungen den Zusammenhang dieses Satzes mit der Affäre auszudrücken:

Was soll man dazu sagen ? Jeden Tag neue Nachrichten. Was wird aus Bundespräsident Wulff. Was sagt er zu den Vorwürfen. Meldungen, Vermutungen, rufe der deutschen Bevölkerung: Wulff sollte zurücktreten !

Warum das alles, frage ich mich? Warum gerade jetzt, ist meine nächste Frage? Kann man überhaupt noch glauben was man in den Nachrichten hört, oder steckt vielleicht etwas anderes dahinter?

Wie lange ist Bundespräsident Christian Wulff schon im Amt? Warum werden jetzt plötzlich sein Privatkredit von seinem Haus oder seine Urlaube bei Freunden so in der Presse breitgetreten ? Hat ein Bundespräsident keine Privatsphäre? Was geht das der Öffentlichkeit an, wo und wie der Bundespräsident seinen Urlaub verbringt, oder wie er einen Kredit bekommt ? Warum wird das gleich in der Presse als Verbrechen geahndet?

Nein,nein, ich bin der Meinung da steckt etwas ganz anderes dahinter. Ich denke das es Menschen gibt die Bundespräsident Wulff unglaubwürdig in der Öffentlichkeit machen wollen und ihn dann dazu zu bringen zurückzutreten.

Und warum das Ganze? Kann es nicht sein das Bundespräsident Wulff etwas befürwortet bzw. ablehnt . Ist nicht der Bundespräsident der 1. Mann in Deutschland und kann Gesetze bewilligen bzw. ablehnen?

Hat nicht jeder Mensch so seine Geheimnisse die er nicht so unbedingt in der Öffentlichkeit preisgeben will ? Mag es die arme Familie oder der angesehene Politiker sein, bei jedem kann man etwas finden, wenn man will. Und ich denke das ist bei Bundespräsident Christian Wulff passiert, aus dem einfachen Grund ihn in der Öffentlichkeit unglaubwürdig zu machen und dadurch zum Rücktritt zu zwingen.

Wie armselig und intrigant ist das doch!


Wie der von JA zitierte Leserbrief - sehr menschlich gedacht und menschlich sicher in Ordnung, aber aus journalistischer Sicht irrig und deshalb irrelevant.

LG Christian
SuzieQ schrieb am 10.01.2012 um 01:25
@ Christian

Für die ersten beiden Sätze könnte ich in Versuchung geraten, Dich von jedem Olymp runterschubsen, sachichmal so.

Auch wenn der Olymp eines Nachtrag(en)s passend wäre.

Das Menschliche, das in Deinem letzten Blog an Dich herangetragen wurde, hat Dich nur sanft gestreift.
Denn: Nein, keine Hatz, nein, kein Jagdfieber und wer sich für dieses Nein ausspricht ist kein Wulff-Beschützer mit Herzensgüte,
der ist einfach nur nicht auf einem imaginären HÖHENFLUG, sondern der guckt sich auch mal um und hört zu, wenn andere reden.

"Das liegt nach meiner Einschätzung an diesem Ent-oder-Weder des Menschlichen vs. dem Journalistischen."

Langsam streifst Du meine Geduld, Du Journalist. ;)

Gruß
SuzieQ
SuzieQ schrieb am 10.01.2012 um 01:26
war zu ChristianBerlin schrieb um 01:07 @ all
SuzieQ schrieb am 10.01.2012 um 01:37
@ Christian 01:17

Wo lernt man dieses fiese Pieksen, dieses mal eben kurz nen Pfeil abschießen, wenn man so nah dran ist, dass man treffen müsste?

Und wie kommt man auf die Idee, einen Leserbrief ("die Verfasserin- wieder eine Frau", welch bloße Aussage!?) einzustellen, indem Dein Kamerastatement gut gefunden wurde, der zwar menschlich in Ordnung geht, aber aus journalistischer Sicht irrig und deshalb irrelevant?
Der lässt doch nur Dich gut aussehen.
Zumindest bis Du ihn hier vorführst.

Wer austeilt, sollte auch lernen, einzustecken.
SuzieQ schrieb am 11.01.2012 um 00:47
Lieber Christian,

ich fände es schade, wenn Du die Kommunikation mit mir hier wie in Deinem Blog abbrichst.

Wenn jemand darauf besteht, dass Journalist zu sein im Widerspruch zu Mensch sein steht, sollte man darüber reden.
Wenn Du bemerkst, dass gerade Frauen diese Menschlichkeit nicht beiseite lassen und somit unterstellst, diese Herzensgüte steht einer neutralen Recherche im Weg, sollte man darüber reden.
Solltest Du mit Deinen statements ausdrücken wollen, dass Du nicht gewillt bist, Dich auf diese Ebene (herab-) zu begeben, müsste man darüber reden.
Solltest Du zu einem Gespräch nicht bereit sein, wäre eine Überlegung angesagt, in Zukunft 'nur' noch herzensunguter Journalist zu sein, das mit dem Pastor würde ich dann canceln.

LG
SuzieQ
GEBE schrieb am 09.01.2012 um 19:38
Sehr geehrter Herr Augstein,

dieser Artikel ist eines alphabetisierten, wachen erwachsenen Menschen, der zudem Journalist ist und der deshalb insbesondere, und zudem als kritischer Zeitgenosse im allgemeinen, die utilitaristische Eigennützigkeit von Medien kennen sollte, unwürdig.

Sie stellen Prämissen mit Nonsenscharakter auf, die im Grunde nur geeignet sind, sich ihrer eigenen Absurdität selbst zu überführen. Genauso gut wie Sie fragen: “ Ist der Abscheu gegen die Bild-Zeitung so groß, dass man sich lieber von Bild distanziert, als ihr Recht zu geben, wenn sie Recht hat? Warum glaubt man überhaupt, nicht gegen Wulff sein zu könenn und gleichzeitig die eigene Kritik an der Bild Zeitung aufrecht erhalten zu können?“ -, könnte man fragen, warum man wohl berechtigten Argwohn gegen die vorgeblich regelrecht erstellte Bilanz einer Blutspendebank hegen könne, deren Chef ein Vampir ist und der wegen Bilanzfälschung mehrfach öffentlich schon aufgefallen ist!

Sie schreiben von Fakten: “ Warum genügt es dem Leser nicht, dass die Fakten stimmen, die er liest? Warum ist die Quelle der Fakten wichtiger als die Fakten selber?“
Bitte, großer Meister Jakob Augstein, bitte liefern Sie sie doch eindeutige Fakten - und dann reden wir weiter, denn das einzige tatsächliche Faktum hier ist, daß es an Fakten mangelt.
Ohne aber solche Fakten, können Sie sich ein „ to be continued ...“ getrost ersparen, denn es hat den albernen Beigeschmack einer Journalisten-Attitüde.

ES MÖGE NÜTZEN!

Herzlichst Ihr
GEBE
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 19:50
"dieser Artikel ist eines alphabetisierten, wachen erwachsenen Menschen, der zudem Journalist ist und der deshalb insbesondere, und zudem als kritischer Zeitgenosse im allgemeinen, die utilitaristische Eigennützigkeit von Medien kennen sollte, unwürdig."

Ich bin sonst selten bis nie Ihrer Meinung, aber genau das war auch mein Gedanke.
Zeitleser schrieb am 09.01.2012 um 20:03
Ich stimme Ihnen ganz zu. Den Naivling zu spielen, d.h. zu behaupten, es gehe hier um Wahrheit, Aufrichtigkeit, richtiges Verhalten in einem politischen Amt usw. und nicht um Politikmache einer Zeitung, die IMMER aus dieser Motivation gehandelt hat, ist schon erstaunlich, entweder anpassungsbereit oder dämlich vermutlich beides.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2012 um 20:26
@ GEBE

Ich fühle mich regelrecht gewungen, mal zu bedauern, dass es Ihnen nicht einmal gelingt, den aggressiven Drive in einer Antwort herauszunehmen, den Sie dem Gastgeber dieser ganzen Veranstaltung hier widmen. Für mein Empfinden gehen Ihnen bei diesem Ton die Argumente unterwegs verloren..

Inhaltlich stehe ich Ihnen recht nahe.
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 21:01
@Zeitleser,

es soll aber doch tatsächlich noch Menschen geben, die naiv sind und vertrauensseelig :-) Also nicht immer so negativ denken. Und als dämlich würde ich Herrn Augstein auch nicht bezeichnen.
GEBE schrieb am 09.01.2012 um 21:07
@ Herr Katzer

Sehen Sie, Herr Katzer,

wer als Gastgeber faden Brei serviert und seine Gäste zudem zur Abgabe eines Geschmacksurteils darüber befragt, sollte mit offenen und ehrlichen Antworten umgehen können.

Und sehen sie doch mal weiter, Herr Katzer,: wenn der Gastgeber dann noch nachgeschoben erklärt: “Ich denke hier laut. Das ist jetzt so eine Art Meta-Selbstgespräch.“ - hier auf das Blog angewandt, sich zu so einer Art „ich-wollte-nur-mal-gucken-wie-ihr-guckt-Haltung“ ausspricht, oder so wie: er habe halt nur mal spielen wollen, ist nicht besonders ernst zu nehmen. Da frage ich mich eher, warum er derart gering schätzend mit Gästen spielt?

Ansonsten, Herr Katzer, hat mich Ihre Kritik sehrwohl konstruktiv erreicht.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2012 um 22:06
@GEBE

Danke.

Ich empfinde Jakob Augsteins Versuch eines "Meta-Selbstgesprächs" als ziemlich sympathisch. Es klingt in meinen Ohren eher wie ein kleines "Hilfe, ich verstehe nicht, warum wir so unterschiedlicher Meinung sind". Das ist aber doch wertschätzend, oder nicht? Klingt für mich jedenfalls verzweifelt genug, um ehrlich zu wirken :o)

Grüße
SiebzehnterJuni schrieb am 09.01.2012 um 23:18
GEBE

Fakt ist, Wulff hat die Pressefreiheit bedroht, mehrfach -> BILD/Diekmann und Döpfner/Springer.

Das reicht, damit dieser Mann zurücktreten muss!

Und der BP hat ja noch mehrmals an anderer Stelle Druck auf die Presse azsgeübt! Mehrfach belegt und dokumentiert in der FAZ.

Das genügt!
silvio spottiswoode schrieb am 09.01.2012 um 19:41
Warum ist die Quelle der Fakten wichtiger als die Fakten selber? Ist sie nicht.

Aber dennoch, ein Versuch: Am ende verhält es sich hier vielleicht ein bisschen so, wie das alte Problem mit dem Huhn und dem Ei: Was war zuerst da?
Die kritische Öffentlichkeit mag sich fragen, "wer" profitiert von der Arbeit der kritischen Medien? Welche Geschichte wird bewusst nicht erzählt, welche Fakten bleiben verborgen? Kurz: Sind Wulffs Verfehlungen tatsächlich schwerwiegend genug, oder wird hier eine Hetzkampagne mit "hidden Agenda" betrieben?

Jedoch alle, die sich mit der Sachlage etwas genauer auseinander setzen, kommen immer zu dem Schluss, dass es Wulff betreffend erheblichen Anlass zu Verdacht auf Begünstigung und Korruption – also Rechtsverstössen, gibt. BILD hin oder her.

Meine vage Vermutung ist, dass kritische Öffentlichkeit eher gegen etwas ist, als dafür. Eine – wie immer auch geartete – Übereinstimmung kritischer Medien und kritischer Öffentlichkeit wäre von daher einigermassen unwahrscheinlich. Dies sag ich jetzt mal so lapidar, aus dem Reflex heraus "immer klar gegen Alles" zu sein.
Fro schrieb am 09.01.2012 um 19:43
Die bisherige Berichterstattung von BILD-Online fand ich in der Causa Wulff soweit ganz sachlich. Mein Problem, das besonders zu würdigen - und das vieler anderer wahrscheinlich auch – ist ein tief sitzendes Misstrauen. Der allgemeine Verdacht besteht – und das wahrscheinlich seit es BILD gibt -, dass BILD große Politik machen will und an Politiker unterschiedliche Maßstäbe ansetzt: Guttenbergs Betrug und Täuschung der Öffentlichkeit wurde sehr viel milder beurteilt, als die Vertuschung der Hausfinanzierung eines offensichtlichen Geizknüppels und Freund von „Wirtschaftsgrößen“ der Provinz. Der viel exklusivere an Macht und Profit interessierte Freundeskreis Guttenbergs und auch seine Lobbyarbeit für die Rüstungsindustrie auf Kosten der Steuerzahler rief keine mediale Empörung hervor - da schwärmten keine Rechercheure aus...
Und dieses Bild wird noch schiefer, wenn man bedenkt, dass Wulff kaum Machtbefugnisse hat und in seinem Amt nicht besonders viel Schaden anrichten kann. Das sieht einfach etwas unverhältnismäßig aus und macht misstrauisch.
Ich fände es trotzdem gut, wenn alle die an Wulff „dran“ sind, weiterhin seine „Geschäftsbeziehungen“ recherchieren und darüber berichten. Da lernt man einiges über das wahrscheinlich durchschnittliches Politikverständnis eines Politikers.

Wäre schön, wenn es der Beginn einer medialen Aufklärungs-Serie wäre, in der alle „unsere“ politischen Amtsträger auf Einhaltung ihres Arbeitsvertrages, Vernetzungen und Abhängigkeiten überprüft und durchleuchtet würden...
Reihenfolge: Merkel, Minister, Abgeordnete...
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 20:11
"Wäre schön, wenn es der Beginn einer medialen Aufklärungs-Serie wäre, in der alle „unsere“ politischen Amtsträger auf Einhaltung ihres Arbeitsvertrages, Vernetzungen und Abhängigkeiten überprüft und durchleuchtet würden...
Reihenfolge: Merkel, Minister, Abgeordnete..."

Ganz genau der Punkt: Wenn sie sich über alle unsere Politiker / Beamte in zentraleren Positionen mit der gleichen Intensität hermachen würde wie bei Wulff, würde ich in Augsteins Lobgesang auf die Bild-Zeitung sofort einstimmen und jegliche Verschwörungstheorien, die sich langsam in meinem Kopf sammeln, weil alles so bizarr ist, sofort verwerfen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2012 um 20:34
@Fro

"Die bisherige Berichterstattung von BILD-Online fand ich in der Causa Wulff soweit ganz sachlich. Mein Problem, das besonders zu würdigen - und das vieler anderer wahrscheinlich auch – ist ein tief sitzendes Misstrauen.

Das stimmt. Zynisch gesprochen könnte man sogar sagen, dass das offensichtliche Bemühen um Sachlichkeit bei BILD in dieser ganzen Sache schon allein aufhorchen lässt :o)

"Wäre schön, wenn es der Beginn einer medialen Aufklärungs-Serie wäre, in der alle „unsere“ politischen Amtsträger auf Einhaltung ihres Arbeitsvertrages, Vernetzungen und Abhängigkeiten überprüft und durchleuchtet würden...
Reihenfolge: Merkel, Minister, Abgeordnete..."


Genau. Und noch zynischer würde ich dem am liebsten hinzufügen, dass BILD - wo sie doch gerade so gut damit angefangen hat - zu dieser ehrenvollen Aufgabe verdonnert werden sollte. (Unter Kontrollaufsicht der Freitag FC versteht sich) :o)
Magda schrieb am 09.01.2012 um 19:45
Lieber Herr Augstein,
Sie haben - in dem "Böser Wulff-Blog" Parallelen Wulff-Berlusconi aufgemacht.

Dazu aus meiner Kalauerkiste: Der Vergleich Berlusconi-Wulff hinkt mit Riesenschritten. Aber er hat trotzdem bedenkenswerte Elemente. Nur in anderer Richtung.

Deutschland ist - Gottseidank oder hoffentlich - in vielen Dingen (noch) von Berlusconi entfernt, aber - gerade die gegenwärtigen Entwicklungen wecken Befürchtungen.

Das Herrschen mittels Medium und die Grenzüberschreitungen zur Politik, die man angeblich und eigentlich immer nur kontrollieren will, das sind auch "berlusconesce" Züge.

Man muss befürchten, dass die deutsche Variante dieser Medienmacht-Variante - mit seriösem Anstrich - zunehmend attraktiver wird. Und dann kann er kommen - der Übersprung zur Politik - eine Art von antidemokratischem Elmsfeuer.

Und haben Sie, Herr Augstein, nicht kürzlich auch mal gesagt oder geschrieben, dass man gegen BILD nicht ankann? Das kann doch auch so verstanden werden, dass es eigentlich wurscht ist, ob die Aufdecken oder nur Behaupten.

Außerdem: Zum Hause Springer gehörte nie nur das Aufdecken, sondern auch das Verschweigen, Ignorieren. Oder spätes Einräumen auf hinteren Seiten.
Wenn die jemanden nicht im Visier haben wollen, dann eben nicht. Die zu Guttenberg-Geschichte hat das eine ganze Weile bewiesen.

Um noch ihren, mir so sauren, Ausspruch aus dem anderen Blog erneut aufzugreifen: Entscheidend ist, dass die Medien ihre Kontrollfunktion ausüben. Nicht warum sie das tun

Nochmal nein. Wenn sie das tun, um damit auch wieder Politik zu betreiben - in wessen Interesse bleibt im Dunkeln - dann muss man das nicht bejubeln. Dann ist das auch ein trauriges Beispiel für den Stand der Dinge hierzulande. Es scheint mir ganz deutlich, dass Springer und BILD sich in einer Entwickung, die ganz deutlich zu spüren ist, an die Spitze setzen wollen, Flaggschiff einer Meinungsindustrie in der postdemokratischen Zeit sein wollen.

Sie fragen: Warum stellt sich die linke Öffentlichkeit nicht eindeutiger gegen diesen Präsidenten? Ist der Abscheu gegen die Bild-Zeitung so groß, dass man sich lieber von Bild distanziert, als ihr Recht zu geben, wenn sie Recht hat?

BILD hat auch in anderen Fällen Recht gehabt. Das ist nicht der Kern. BILD behält auch oft Recht, wenn sie Unrecht hatten. BILD bestimmt in vielen Fällen auch wer Recht hat. Ich halte es für ein Zeichen durchaus wachsamen Bürgersinnes, wenn die Leute von BILD nicht gern aufgeklärt werden. Sie fragen sofort: Was steckt dahinter? Die Menschen haben dafür einen Riecher, manchmal gar nicht theoretisch so abgesichert.

mit @Calvani frage ich mich auch: Was sind denn jetzt die Fakten?
Täglich werden neue generiert. Jetzt - ganz perfide - gehts auch in den Bereich der Vermutungen. Das ist doch mit Händen zu greifen. Streckenweisei werden Nuancen aufgegriffen, um nochmal ne Anti-Wuflf-Meldung zu produzieren. Sie haben - heute beim DLF - fast wegwerfend und abwiegelnd auf die Hauskaufgeschichte verwiesen und den BILD-Anruf noch einmal energisch in den Vordergrund gestellt. Anderswo hat Friedrich Küppersbusch auf durchaus häufige Anrufe von Politikern bei öffentlich-rechtlichen Redaktionen verwiesen. Das ist doch überhaupt nichts Besonderes, sondern eine Entgleisung, die man satirisch aufgreifen kann und ihr entsprechend entgegnen. Nicht mit dem hysterischen Diekmann-Geheul.

Hier äußert sich der Medientheoretiker Prof. Stephan Weichert noch einmal über einen speziellen Aspekt.

meedia.de/print/liebesentzug-von-medien-und-politikern/2012/01/08.html
Zitat daraus.

"Man spürt an der teils flatterhaften, teils alarmistischen Politikberichterstattung der letzten Tage, wie sich die Medienmeute förmlich daran ergötzt, Gott zu spielen und darüber zu richten, ob der Bundespräsident im Amt bleiben darf. Diese Spirale der Entrüstung wird von der Eigendynamik und Meinungsfreudigkeit der Netzgemeinde noch beschleunigt - die Hauptstadtjournalisten haben sichtlich Angst, den Kürzeren zu ziehen und ihre Deutungshoheit an die Internet-Community zu verlieren - warum auch sonst wird in den klassischen Medien andauernd auf die Stimmungslage bei sozialen Medien, Facebook und Blogs verwiesen?"

Durchaus auch bedenkenswert.
Zeitleser schrieb am 09.01.2012 um 20:14
Es war für mich schon ein Schock zu lesen, wie JA diese Angelegenheit sieht. Auch lehrreich wie flexibel die linke Standfestigkeit ist, nun ja man kann ja reagieren.
Jakob Augstein schrieb am 09.01.2012 um 20:36
Anmerkung: Ich habe den oben stehenden Text um eine Ergänzung erweitert, die den bisherigen Thread (Stand 20:00) aufgreift.
Jakob Augstein schrieb am 09.01.2012 um 20:38
Ach so - und noch zur hier ein paar mal gestellten Frage, was denn die "Fakten" seien: Das muss ich doch hier nicht noch mal zusammenfassen. Ich dachte, das sei bekannt -

Kredit / Zinsen / Buchwerbung / Anruf bei Diekmann und Döpfner. Reicht das nicht?

(Auch ungeklärte Rätsel wirken wie Fakten wenn es um die Glaubwürdigkeit eines Bundespräsidenten geht. Es genügt nicht, dass er nicht strafrechtlich verurteilt ist. Das genügt bei Ihnen und mir. Aber nicht bei einem Bundespräsidenten. Ist jedenfalls mein Maßstab an das Amt.)
Columbus schrieb am 09.01.2012 um 20:59
Ach, Herr Augstein, ihre Aktualisierung tut gut.

Vielleicht streuen Sie sich selbst und den Lesern/Kommentatoren und Bloggern hier beim dF auch zu viel Asche aufs Haupt. -So differenzierte Threads und eine so differenzierte Berichtung von Seiten der dF-Journalisten müssen Sie bei anderen Blättern der Republik mit dem Vergrößerungsglas suchen oder noch viel sensiblere Entdeckerinstrumente einsetzen.

Die Kluft, die Trennung, das Fremde, sich fremd bleiben, da ist sie wieder, die frische Luft für guten Journalismus.

Es darf keine Verhältnisse, keine Kutschfahrten und Abreden auf Gegenseitigkeit geben, das höbe und hebt, -letzteres ist ja der springende Punkt in 2011 gewesen-, die informelle Gewaltenteilung auf.

Ich ärgert mich, dass so viele gute Journalisten, die sich daran im Prinzip halten, mit all´ den Mühen keine höhere Auflage erzielen, als die mit dem Fahrstuhl und dem Hotelséparée. Das ist das Elend, auf Deutsch, die Scheiße.

Grüße
Christoph Leusch
GEBE schrieb am 09.01.2012 um 21:11
Herr Augstein,

"Kredit / Zinsen / Buchwerbung / Anruf bei Diekmann und Döpfner. Reicht das nicht?" - sind keine Fakten, sondern Schlagworte!
memyselfandi schrieb am 09.01.2012 um 21:40
Herr Augstein, vielleicht sind die Medien da Opfer ihres eigenen Mechanismus geworden und wissen selbst nicht mehr, was sie wissen. Was wissen wir denn genau? Was ist genau das fehlbare Verhalten?

Das ist das eine.

Das andere ist diese Ekelhaftigekti, mit der die BILD nun versucht einen auf Wahrhaftigkeits-Journslismus zu machen, zu der Sie leider beitragen. Wie kann man denn nun so schwarz-weiß dahergehen und sagen die BILD ist gut, weil der Wulff böse ist, in welchem Larifari-Land leben wir denn? Oder wie groß ist der berechtigte Zorn über ein gewisses Politikerverhalten, dass man nun blind auf dem linken Auge vergisst wer hier was tut. Seit wann ist die BILD die gute Fee?

Kritischer Journalismus besteht in der Infragestellung der Obrigkeit, dieser Ausdruck stammt von Ihnen. Und jetzt will eine obrige Zeitung ihre Muskeln spielen lassen, und keiner schaut dahin, weil alle auf den Wulff schauen.
Das ist für mich eine neue Form der Perversion, ja genau, so drastisch.

Bei aller verständlichen Aufregung um Wulff oder die Verschiebung von Zorn in Richtung Wulff, wir reden hier von einer gewaltigen und gefährlichen Medien-Maschine, die die Dummheit nutzt und ausnutzt und damit hohe Auflagen macht.
Wer wenn nicht solche Medien wie Der Freitag haben die Pflicht das anzuprangern?
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 21:41
@GEBE
Das sind schon Fakten, die auch belegt sind. Und sicher eines Bundespräsidenten unwürdig. Nur für "seriösen Recherchejournalismus" gehört a) eben nicht nur *ein* Bundespräsident unter die Lupe genommen, sondern eben alle hochrangigen Politiker und Beamte und b) kommt es immer auf die Form an, wie man das macht.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2012 um 21:51
Die Presselandschaft in Deutschland besteht nicht nur aus Bild und Spon und die haben nicht nur über Schlagworte berichtet. Leute, vergesst doch mal die Bild für einen Moment. Wenn der Bundespräsident mit diesen Geschichten durchkommt werden Lobbykratie und Korruption endgültig als gesellschaftlicher Konsens akzeptiert sein. Wulff belügt die Öffentlichkeit zur besten Sendezeit und zeigt Millionen Menschen, die am Rande des Existenzminimums leben und unter ständigem Verdacht des Leistungsmissbrauchs (Hartz 4) stehen die ARSCHKARTE.
Der Spin, der momentan fleißig verbreitet wird, dass Wulff ein harmloses, dummes Opfer sei und vor den bösen Medien geschützt werden muss, ist evident.
ARD/Infratest Dimap: Die 60% Lüge von der zweiten Chance für Wulff

Wulff Kreditgeber Egon Geerkens: Immobiliengeschäfte auf Staatskosten ?
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 22:04
@GEBE,

Sehr wohl richtig...und wir kritischen Menschen wollen eben nur kritische Fakten...Worte sind nämlich Schall und Rauch :-)
GEBE schrieb am 09.01.2012 um 22:06
@ Popkontext

Lieber/liebe Popkontext,

wenn die Fakten, also die Anrufe "bei Diekmann und Döpfner" auch inhaltlich so belegt sind, daß nicht nur Anrufe als solche belegt sind, sondern auch der tatsächliche, in Rede stehenden Inhalt belegt ist, so seien Sie doch so gut und helfen Sie mir auf die Sprünge, indem Sie die Anrufinhalte hier bitte im Wortlaut offenlegen. Ich mu0 gestehen, ich bin bis zur Stunde nicht in Kenntnis des jeweiligen Wortlautes.
Oder kann ich den Wortlaut irgendwo runterladen und/oder nachlesen?

Vielen Dank im Voraus!
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 23:00
@GEBE
Wie Sie wissen, ist der Inhalt der Anrufe, soweit sie - interessanter Weise auch nur als Abschrift - vorliegen, nicht öffentlich.

Aber Wulff hat eingeräumt, dass sie nicht in Ordnung waren und somit die grundsätzliche Tatsache bestätigt. Also Fakt - dass es diese Anrufe gab und dass sie "problematisch" waren streitet niemand der Beteiligten ab. Ich wüßte nicht mal, dass Wulff irgendwelche *Details* inhaltlich abgestritten hat.

Ich weiß auch nicht, warum man entweder die eine oder die andere Seite verteidigen muss. Ich verteidige hier niemanden, weder Wulff noch die Springer-Presse.
GEBE schrieb am 09.01.2012 um 23:13
@ Popkontext

Sooo weit sind wir ja anscheinend auch nicht auseinander.

Nur ging es eben oben hierum:

“Jakob Augstein schrieb am 09.01.2012 um 20:38 / Ach so - und noch zur hier ein paar mal gestellten Frage, was denn die "Fakten" seien: Das muss ich doch hier nicht noch mal zusammenfassen. Ich dachte, das sei bekannt - Kredit / Zinsen / Buchwerbung / Anruf bei Diekmann und Döpfner. Reicht das nicht? (…)“

Und da ist eben in Bezug auf die Anrufe bei Diekmann und Döpfner nichts bekannt. Herr Augstein verfügt da anscheinend über gleichsam journalistisches Herrschaft- und/oder Insiderswissen. Jedenfalls ist es töricht, wie er argumentiert, nämlich zu behaupten, alles sei bekannt – und zu schließen mit: „Reicht das nicht?“
SiebzehnterJuni schrieb am 09.01.2012 um 23:25
GEBE

Was sind denn für Sie Fakten, d.h.Tatsachen?

Der Anruf bei Diekmann und Döpfner ist belegt. Und das, was bisher aus diesen Mailboxinhalten bekannt geworden ist, ist ein Druckmachen, um die Veröffentlichung der Kreditfakten zu verhindern.
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 00:30
Gegenfrage:

Ist Ihnen vom Hörensagen, also etwas aus den Erzählungen anderer und nicht aus eigener Erfahrung zu kennen resp. zu wissen etwa Faktum - d.h.Tatsache genug?

Na denn, BILD Dir Deine Meinung!
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 00:39
@GEBE
(hier ist gerade was verschütt gegangen im System, also nochmal:)
Natürlich gibt es ganz viele Sachen, die bekannt sind und NICHT veröffentlicht werden. Dass hat nichts speziell mit dem Freitag zu tun. Angeblich liegt die Abschrift (warum nicht die viel "authentischere" Audioversion???) des Interviews allen Redaktionen vor. Angeblich waren viele der Sachen, die Wulff jetzt vorgeworfen werden schon viel länger bekannt, teilweise schon bevor er Bundespräsident wurde.

Deshalb bin ich ja so irritiert, dass die gesamte deutsche Medienlandschaft zumindest zum Großteil in den Anti-Wulff / Pro-Medien-Chor so einstimmt. Nur Schutz der eigenen Zunft? Gibt es brisante Fakten, die bisher noch nicht - auch nicht andeutungsweise - öffentlich sind? Warum wird die Rolle der Medien nirgendwo richtig analysiert?
Magda schrieb am 09.01.2012 um 20:55
www.evangelisch.de/themen/medien/wulff-auf-bild-reise-von-wolke-7-ab-in-die-w%C3%BCste55953

Noch ein guter Link. Es gibt so kluge Leute. Der Storz hat doch auch mal für den Freitag gearbeitet.
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2012 um 00:42
@Magda

Schön, dass evangelisch.de hier so oft zitiert wird. Die Seite hat es nötig, sie ist noch im Aufbau, die EKD steckt seit ca. 2 Jahren aber schon viel Geld rein, ohne bislang die ersehnte Resonanz zu kriegen. Das nur nebenbei.

Der verlinkte Beitrag, genauer gesagt sein Schlussatz, ist für mich der Beweis, dass JA Recht hat und die Fragen dieses Blogs trotz des suggestiven Charakters berechtigt sind.

Dass die Qualitätsmedien nicht kritisieren, sondern mitmachen, wenn "Bild" sich Personen und Ereignisse für seine Selbstvermarktung zu Recht legt, schadet der Demokratie mehr als das Geschnorre des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten.

Das ist ein Argument von der Art:

Die Steuerverschwendung des Staates, die Jahr für Jahr der Bundesrechnungshof in seinem Bericht oder Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch nachweist, schadet der Allgemeinheit mehr als die paar Euro, die ich an Steuern hinterziehe.

Das klingt zwar logisch, weil es eine große Summe gegen eine kleine korrekt abzuwägen scheint, übersieht aber, dass das eine legal und das andere illegal ist. Und eine Verletzung des Legalitätsprinzips ist ebenfalls ein Schaden für die Allgemeinheit, auch wenn sich die Folgen nicht so eindeutig beziffern lassen.

Das ist beim Trugschluss auf evangelisch.de genauso. Das Schnorren eines Armen bei reichen Gönnern kann verboten sein und unter Strafe stehen, wenn es sich um einen Beamten oder politischen Amtsträger handelt. Die Zeitungen und Sender tun etwas, was ihnen das Gesetz erlaubt. Wird mit dem "Geschnorre" das Legalitätsprinzip verletzt, dann ist der Schaden für die Demokratie erheblicher als der von legalem Geschreibsel - schon allein deshalb, weil das demokratisch legitimierte Gesetz nicht respektiert wird und wir den Weg von der Demokratie zur Anarchie beschreiten oder zum Faustrecht des Stärkeren, wenn es nicht für alle gleichermaßen gelten soll.

Natürlich muss so genau wie möglich geprüft und unterschieden werden, ob das Recht vom Staatsoberhaupt verletzt wurde oder nicht, bevor das behauptet wird. Dafür, dass die Grenze zur Falschberichterstattung nicht überschritten wird, sorgt schon das Presserecht - außer bei den Wehrlosen, die sich keinen Medienanwalt leisten können, zu denen das Staatsoberhaupt aber nicht gehört.

Bei allem Respekt:

So klug scheinen mir die verehrten Kollegen nun wirklich zu sein, wenn sie mit solchen Trugschlüssen zu argumentieren.

LG Christian
poor on ruhr schrieb am 09.01.2012 um 21:00
Wulff sollte zurücktreten.

JA hat nichts Falsches zu dem Thema geschrieben.

Wenn man sich als Linker nicht mehr gegen einen Präsidenten stellen darf, der derart unsouverän mit den Vorwürfen umgeht, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

Sicher ist BILD in die Sache involviert, aber das ist eben so und auch einen Folge der Kontakte solcher Menschen wie Wulff zu Bild.

Wulff dachte, er hat Bild in der Tasche.

Ich mag Bild nicht , aber mit Moralisieren kommt man da trotzdem nicht weiter.

Bild will ganz viele Zeitungen verkaufen und Herr Wulff hat da -vorsichtig ausgedrückt- mit seiner ungeschickten Provinzfürstenmanier der Bild dieses Absatztor ganz weit aufgemacht.

Herr Wulff hat sich selbst in diese Lage gebracht.

Dies ist ein anderer Fall als die anderen Leute die von Bild in Schlagzeilen verheizt werden und in der Regel wirkliche Opfer sind.

Bild benutzt unbekleidetete Frauen oft in perversen sexuell aufreizenden Posen, Soeißbürger-Moral, Hetze gegen Ausländer und Hartz-IV- Empfänger um Zeitungen zu verkaufen.

Der Bundespräsident hat sich durch sein haarsträubebendes Verhalten mit den Anrufbeabtworter selbst in diese Lage gebracht.

Sicher hat Herr Wulff eine menschliche Würde, die ich ihm natürlich nicht nehmen möchte, aber er hat auch ein würdevolles Amt, das er seiner Würde beraubt hat. (z.B. Siegel , Titelbild von heute)

Da dürfen untern anderem auch die Linken wie die Hartz-IV-Empfänger auch mal nachfragen, wie es der Bundespräsident denn so mit der Würde seines Amtes hält?

Der berechtigte Anschein von Kungelei , Filz und Gefälligkeitsgeschäften rechtfertigt solche Fragen!!!

Es ist gut wenn die Presse wach ist und das dem Hernn Wulff nicht durchgehen lässt.

Was lässt man denn in dieser Gesellschaft dem Hartz-IV-empfänger oder der Verkäuferin , die sich beim Pfand um 1 € vertan hat, durchgehen?

Bei aller Achtung vor Herrn Wulff als Menschen und wie selbstverständlich bei jedem anderen Menschen auch:

Er sollte zurücktreten!
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 21:19
@poor on rohr,

es hat doch keiner behauptet JA hat etwas falsches gesagt. Es geht da eher um das wie - Stichwort jagen.

Sie solidarisieren sich also mit der BILD ohne die genaueren Hintergründe zu kennen. Das finde ich wiederum naiv. Dann lesen Sie doch mal hierzu mehr

Krysmanski, Wem gehört die EU, darunter Punkt 2.3
Friede Springer wird da auch erwähnt! Schon deswegen alleine bin ich gegen die Hetze von BILD!

www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/eu-23.htm

Sie wissen nicht warum an Wulff jetzt so rumgesägt wird und auch nicht was die wahren Interessen dahinter sind!
poor on ruhr schrieb am 09.01.2012 um 21:34
@KarinL.

Ich habe geschrieben, dass ich Bild nicht mag.

Wier kommen Sie denn da auf eine Solidarisierung mit Bild?

Ich finde es nicht o.K. so was aus einem Kommentar zu lesen, der ganz klar sagt, dass Bild daneben ist.

Bild verdienbt mit Zeitungen Geld. Ich habe doch nicht behaupet, dass die Mittel dazu wie unbekleidete Frauen in perversen Posen deshalb o.k sind!

Wulff lässt Bild Geld durch seine Ungeschicklichkeit, seinen Größenwahn mit gleichzeitiiger Naivität verdienen. Er hat sich selbst in diese Lage gebracht.

Das ist keine Solidarisierung sondern Tatsachenbeschreibung.

Ich hasse Bild.

Dennoich muss der Bundespräsident in seinem Amt sauber bleiben.

Es ist ein berechtigter Anschein entstanden, dass er das nicht ist.

Dazui hat Wulff mit seinem Verhalten beigetragen.

Die Presse und vor allem die linke Presse ;) muss und sollte das unbedingt aufklären.

Das ist ihre Rolle und ich solidarisiere mich deshalb nicht mit Bild.

Ich habe nur geschrieben, was ist!

Bitte bleiben Sie bei den Fakten!

Herzliche Grüße

por
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2012 um 21:55
Schlimm was man sich hier anhören muss.
Solidarisierung mit der Bild.

LG

GSFRB
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 22:12
@por,

ok, dann sol er zurück treten und was würde sich nach dem Abgang von Wulff für Hartz4 Empfänger ändern? Oder überhaupt an diesem korrupten, verlogenen System?

Das der BP sauber bleiben muß sehen wohl doch alle so, oder?
poor on ruhr schrieb am 11.01.2012 um 10:38
@GSFRB

Danke. ;)

LG

por
poor on ruhr schrieb am 11.01.2012 um 11:06
@KarinL.

"ok, dann sol er zurück treten und was würde sich nach dem Abgang von Wulff für Hartz4 Empfänger ändern? Oder überhaupt an diesem korrupten, verlogenen System?"

Für den Hartz-IV-Empfänger würde sich sicher nichts ändern, aber das ist doch kein Argument dafür , dass der BP im Amt bleiben sollte, wenn ihm wirklich Verfehlungen nachgewiesen werden.

Nicht nur der BP sondern alle sollten in diesem System sauber bleiben.

Nun bin ich wirklich nicht so naiv zu denken, dass das so ist.

Aber gerade beim BP kommt doch eher unangenehm daher, dass er bei Anderen denen Ähnliches naachgesagt oder bewiesen wurde, doch recht gnadenlos, die Prinzipien von recht und Anstand vertreten hat. (z.B. BP Rau)

Jetzt redet der BP unter anderem von Jesus und wer den ersten Stein wirft?

Doch selbst Jesus hat zu der Ehebrecherin gesagt , dass sie nicht mehr sündigen soll als er sie fortschickte, wobei Ehebruch zu Jesus Zeiten als todwürdiges Verbrechen galt und wobei es selbstverständlich sehr, sehr gut ist, dass die Zeiten moderner und humaner geworden sind und wir heute zum Glück ein liberales modernes Scheidungsrecht haben.

Ich gehe nicht in die Kirche und bin wohl kein Christ, aber ich will auch keinen Stein auf den BP werfen.

Aber das tue ich doch auch nicht, wenn ich meine , dass er zurücktreten soll!!!

Ein Stein ist ein Stein und eine
Rücktrittsforderung ist eine Rücktrittsforderung.

Wir müssen im Alltag alle mit den Konsequenzen unseres Handelns und Unterlassens leben.

Die Kassiererin der eine Unterschlagung von ca. 1€ Pfand vorgeworfen wird , bekommt sie zu spüren und ist nach vielen Dienstjahren ihren Job los , aber der BP darf nach der Annahme geldwerter Vorteile, die ihm leider noch nicht einmal strafrechtlich angelastet werden können, darüber rumeiern und die Fakten so verdrehen , wie es ihm passt.

Und hinterher redet er dann Weihnachten über Noral und Ethik in der Welt.

Tut mir leid. Ich kann das dann nicht mehr richtig ernst nehmen.

Der BP hat auch Sachen im Amt gesagt, die gut waren. Seine realistische Bestandsaufnahme, dass der Islam zu Deutschland gehört, finde ich richtig.
L.Berit schrieb am 09.01.2012 um 21:02
Lieber Herr Augstein,

„Warum genügt es dem Leser nicht, dass die Fakten stimmen, die er liest?“

ich fürchte die Diskussion um die Bildzeitung hat derart irrationale Züge, dass viele für die Fakten gar nicht zugänglich sind, sprich, der „Ruch der Korruption“ , siehe FAZ:
www.faz.net/aktuell/feuilleton/wulff-debatte-der-einbruch-des-halbseidenen-in-die-politik-11597750.html )
für viele nicht erkennbar bleibt.
Die Sensibilität für Recht und Unrecht hat sich offenbar so verflüchtigt, dass man den „Schurken“ nicht mehr von dem „Nicht-Schurken“ unterscheiden kann (weil plötzlich irgendwie alle zu Schurken geworden sind). Einige der Beiträge hier in der Community scheinen diesen Eindruck zu vermitteln, nicht wenige bringen für Wulffs Handeln sogar Verständnis auf.

Ich persönlich bin den Medien für ihre gute Recherchearbeit wirklich dankbar, weil die Aufdeckung dieses Falles zeigt, dass die Demokratie in Deutschland eben doch nicht ganz verloren zu sein scheint (das hoffe ich jedenfalls).

„dass man die Kritik am Bundespräsidenten schon darum verdammt, weil nach ihm nur ein anderer Präsident im gleichen System käme - aber kein Wechsel des Systems?“

Ich finde es richtig, wenn man den BP als Teil eines Systems begreift. Man sollte ihn aber nicht zu einem Opfer des Systems machen. Denn:

„Am Ende kann sich einer wie Wulff über solche Linke freuen, weil sie ihm den Rücken von Kritik von dieser Seite freihalten.“

So ist es.

Beste Grüße,
L.B.
Magda schrieb am 09.01.2012 um 21:05
poor on ruhr schrieb am 09.01.2012 um 21:14
@Magda

Das müssen wir durch.
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 22:15
@Magda,

schon wieder so eine Politshow...nichts sagend, nur Selbstdarsteller...und Narzissten. Besonders Frau Nahles.
Magda schrieb am 09.01.2012 um 22:28
@ KarinL - ich gucke sowas mit Interesse. Nahles war ganz schlecht. Aber Pleitgen, der ist ja ein Journalist, hat mir gefallen.

Weiter unten habe ich was dazu geschrieben.
koslowski schrieb am 09.01.2012 um 21:08
Dass Teile der Linken geneigt sind, in Wulff eher das Opfer der finsteren Mächte um BILD zu sehen als den Täter, der als MP das Parlament in die Irre geführt und als BP die Öffentlichkeit ( den Souverän ) desinformiert hat, ist nicht klug, aber nicht so staunenswert, wie Herr Augstein glaubt: Sie fand schon vor anderthalb Jahren Gauck schlimmer als Wulff, sie kann mit einem Präsidenten, der das korrupte politische System inkarniert, gut leben, und sie findet, wenn ich die Kommentare lese, den Irgendwie-Linken Augstein irgendwie nicht besser als Döpfner, Diekmann, Blome.
Wulff hat mit seiner Strategie, den Stahlhelm anzulegen und auf die Solidarisierung der Leute mit dem Fehler zugebenden und lernwilligen Opfer einer machtgeilen Journaille zu setzen, Aussicht auf Erfolg. Leider.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 21:18
@koslowski
Ich sehe es langsam als Polemik oder denkunfähigkewit an, wenn Leute immer behaupten, weil man die Bild-kritisiert sei man für Wulff. Es gibt nicht nur die "gute" und die "böse" Seite, wie ich hier mehrfach schon schrieb.

Und das mit Gauck war doch auch alles nur eine Inszenierung, politisch nehemen sich doch Wulff und Gauck nichts. Und ob der Gauck nicht auch komische Häusle-Kredite, ob er nicht auch am Rad dreht, wenn es zu privat wird, oder sowas hat wird man nie erfahren, weil er medial nicht so in der Schusslinie steht. Ich glaube zwar nicht, dass *alle* Politiker so sind, aber Wulff ist sicher (leider) kein Einzelfall.

Das ist auch eine der wenigen guten Dinge, die ich in der Affäre sehe: Dass jetzt ein paar andere ebenso korrupte Politker mal ein bisschen Schiss kriegen und zumindest in nächster Zeit ein bisschen vorsichtiger sein werden.
KarinL. schrieb am 09.01.2012 um 22:19
@koslowski,

wo sehen denn linke in Wulff das Opfer? Es geht um das WIE, nicht um die Sache an sich! Und wenn man einen Menschen dermaßen primitiv jagt, finde ich das pervers.
L.Berit schrieb am 09.01.2012 um 22:49
@KarinL.

"Es geht um das WIE, nicht um die Sache an sich!"

Eben nicht. Es geht um beides. Aber hauptsächlich um die Sache an sich.
koslowski schrieb am 10.01.2012 um 20:03
@Popkontext
Ich finde es peinlich, dass Wulff die Republik repräsentiert und ausgerechnet BILD die Mittelmäßigkeit dieses Präsidenten und sein taktisches Verhältnis zur Wahrheit aufgedeckt hat. Über die Absichten und Interessen BILDs mache ich mir keine Illusionen. Aber ich lehne es ab, mich von BILD abhängig zu machen, indem ich das Gegenteil von dem, was BILD berichtet, für wahr und richtig halte.
Im Übrigen: Machen Sie sich um meine Denkfähigkeit keine Sorgen. Ich denke nur anders als Sie. Zum Beispiel denke ich, dass Ihre Bereitschaft, fast allen Politikern Korruption zu unterstellen, sehr an einen Topos der antidemokratischen Rechten in der Weimarer Republik erinnert.
Sie sollten versuchen, ihrem Appell, zu differenzieren, selbst nachzukommen.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 20:18
@koslowski
ich mache mir doch sorgen um Ihre Denkfahigkeit, denn sie stellen es schon wieder so dar, als ob es nur das eine oder das andere gibt:
"Aber ich lehne es ab, mich von BILD abhängig zu machen, indem ich das Gegenteil von dem, was BILD berichtet, für wahr und richtig halte."
Wer macht den sowas? Das ist wohl eher ein Phantasma. Ich denke mal, die meisten Leute sind in der Lage, Dinge differenzierter zu sehen - und dabei trotzdem aus gutem grund kritisch gegenüber der Bild-Zeitung zu sein.

Ich habe übrigens auch nicht "fast allen" Politkern Korruption unterstellt, aber je nachdem wo man ansetzt, was moralisch nicht mehr tragbar ist (Flugmeilen? Günstige Kredite? Übernachtung bei reichen Freunden?) dürfte man vielen irgendwas nachweisen können, was nicht in Ordnung ist. Und dass sie dazu verleitet werden, ja bestimmte Privilegien und Vorteile, die halt auch mal in s semi- bis illegale gehen, wenn man nicht aufpasst, ganz normal finden oder gar deshalb Politiker werden, steckt im System.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 21:10
@Jakob Augstein
"Mein Problem ist nur, als Journalist: Was hätte der Freitag mit dem Fall machen sollen?"
Das, was ich von Strohschneider gelesen habe (der meinte, in diesem System würde der eine Wulff nur durch den nächsten Wulff ersetzt, es sei das System, was geändert werden muss) und Raab (ökonomische Medienkritik) fand ich sehr interessant, nur bei Ihnen bin ich schwer erschüttert, dass Sie das so einseitig betrachten und alle, die *auch* Medienkritik, die mE. absolut angebracht ist, üben, schwer verdammen, die Tatsache, auch die Medienseite zu betrachten, gar als "irre" bezeichnet haben.

Vom Freitag - eben auch von Ihnen - hätte ich mir eine differenziertere Sichtweise gewünscht, die eben neben Wulffs Verfehlungen auch die mediale Inszenierung und den medialen Umgang mit der Sache beleuchtet und die Frage stellt: "Was ist kritischer Journalismus?". Das haben Sie auch ein bisschen gemacht, indem Sie sagten, die Motive, warum dieser kritische Journalismus betreiben wird, seien egal, und auch die Quelle der Fakten...über sowas sollte man diskutieren.
Joachim Petrick schrieb am 09.01.2012 um 21:12
@Jakob Augstein

"Woher kommt dieser Glaubwürdigkeitsverlust der Medien? "

Diesen Glaubwürdigkeitsverlust der Medien kann ich beileibe nicht erkennen?
Ist es nicht eher so, dass die Medien gerade dabei sind, sich ein Stück Glaubwürdigkeit zurück zu erobern?, nachdem die Medien seit Nine Eleven, embeded, darauf versessen waren, alle gesellschaftspolitischen Ereignisse, lokal & global, wie die Erklärung des Ernstfalles durch die NATO am 12. September 2001, samt folgendem Krieg gegen den sogenannten Internationalen Terrorismus als verdeckten Weltfinanzkrieg mit der Folge ungedeckter Staatsschulden allerorten, die Einführung der Agenda2010/Hartz IV, regierungsnah zu kommentieren?

Warum schrecken die Medien denn jetzt vor nachhakenden Recherchen zurück, die übliche Praxis von Spitzenpolitikern in Bund, Ländern aufzudecken, in Redaktionen von Öffentlich- Rechtlichen Anstalten drohend anzurufen, wenn ihnen eine Sendung oder die Besetzung einer Talkrunde nicht ausgewogene genug erscheint, oder einfach nicht gefällt?
Oder von Unternehmen zu berichten, die das Gleiche mit der Drohung bei privaten Medien tun, bereits geschaltete Anzeigen für den Fall stornieren zu lassen, wenn ein bestimmter investigativer Artikel gedruckt wird?

Warum also diese merkwürdig verhaltene "Selbstzenzur" der Medien, , gepaart mit der anschwellend larmoyanten Selbsbweiräucherung, dem Seltstmitleid nicht mehr vom Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin, dem Bundestagspräsidenten geliebt zu sein, wie die Maus auf die Schlange, nur noch auf die "Wulffschanze" zu starren, statt die "Wulffschanze" als Sprungbrett zu viel weitergehenden Recherchen zu nutzen, u. a, , was mit dem atomaren Müll aus miltärischen und zivilen Anlagen in Deutschland, Europa passiert? Was mit der Frage passiert, wann die NATO, voran die USA endlich ihre atomaren Waffen, samt atomarem Müll kontrolliert aus Deutschland abziehen?, damit endlich der Atomsperrvertrag von 1957 halbwegs erfüllt wird?

Der Fall "Wulffschanze" bleibt uns ja erhalten.

"Warum stellt sich die linke Öffentlichkeit nicht eindeutiger gegen diesen Präsidenten?"

Das ist eine, wie ich finde, überaus interessante Frage. Liegt es vielleicht daran, dass das Personal der organisierten Linken politisch "vorsitzendhörig" sozialisiert ist?, dass das Thema Korruption, Abgeordnetenbestechung selbst die Linkspartei im Deutschen Bundestag nicht aus der mehrheitlichen Reserve lockt, endlich die von der rotgrünen Bundesregierung im Jahre 2001 unterzeichnete UNO- Konvention gegen Korruption und Abgeordnetenbestechung zu ratifizieren?

siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/wulffschanze-kurz-vor-der-erstuermung

09.01.2012 | 17:55
"Wulffschanze" kurz vor der Erstürmung?
wulffschanze christian_wulff wulff bundespräsident geldmarktdarlehn geldwäsche präsidialklage korruption spende maschmeyer geerken bundesbankcheck vw

"Wulffschanze" kurz vor der bedingungslosen Kapitulation?

"Breaking News" aus der "Wulffschanze".
anna T. schrieb am 09.01.2012 um 21:18
@ J.A.
"...dass aus der Affäre Wulff unversehens eine Medien Affäre zu werden droht."
Und gerade darauf wartet bzw.spekuliert Wulff. Er ist sauber raus aus der Affäre und kann mit Maschmeyer und Co auf die blöde Presse anstoßen,dies vermasselt hat...?!
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 21:44
@annT.
Wo bitte ist Wulff "sauber raus aus der Affäre"? Dass die Medien *auch* ins Kreuzfeuer geraten sind haben sie sich selbst zuzuschreiben.
anna T. schrieb am 09.01.2012 um 22:59
@Popkontext 21:44 h
die Bildzeitung und Diekmann werden es vermasseln.Nicht die Medien.Ich habe" hart aber fair" gesehen .Da wird den Zuschauern nochmal vor Augen gehalten WAS Wulff alles falsch gemacht hat.Es geht hier nicht nur um die Bild und die Mailbox von Diekmann.Aber den Anschein bekommt die Sache langsam.Andrea Nahles,mit der ich bestimmt nicht oft einer Meinung bin ,hat es richtig formuliert, sie meinte das ganze droht zu einer Komödie zu werden.
Dann wird es so sein wie Wulff sich geäußert haben soll.Er meinte, in einem Jahr ist alles vergessen und "da er sich nichts vorzuwerfen hat" ,O-Ton Wulff ,wird er sauber raus sein und kann mit Maschmeyer, der ja ähnliches erlebt hat,da weiter machen, wo sie vor dem "Pressesturm" stehen geblieben sind.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 00:27
Bildzeitung und Diekmann sind eine Sache, die Restmedien, die ihnen größtenteils unkritisch folgen (wie erschreckender Weise auch Augstein, obwohl er langsam offenbar doch zweifelt) eine andere.

Dass Wulff Dreck am stecken hat und in der jetzigen Situation eigentlich als Bundespräsident untragbar ist eine andere. Trotzdem darf man eben nicht vergessen, dass er nur genau den Regeln gefolgt ist, unter denen man es (nicht nur in Deutschland, noch viel mehr in den meisten anderen Ländern) zum Erfolg bringt. Und siehe da, er wurde auch erstmal Bundespräsident, während die "Ehrlichen", "Aufrichtigen" und bla zumeist schon im Ortsverein verlieren. Da hat Tom Strohschneider vor einiger Zeit hier schon völlig Recht gehabt: Auf diesen Wulff wird der nächste Wulff folgen, so lange sich das System ändert.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 01:16
...*nicht* ändert...soll es natürlich heißen. Und: Maschmeyer ist kein Politiker, sondern Unternehmer, dass darf man nicht vergessen. Denen billigt man unter der derzeitigen Moralvorstellungen noch zu, dass sie auch öffentlich Haifische und korrupt sein dürfen.
Joachim Petrick schrieb am 09.01.2012 um 21:19
@Jakob Augstein

"Woher kommt dieser Glaubwürdigkeitsverlust der Medien? "

Diesen Glaubwürdigkeitsverlust der Medien kann ich beileibe nicht erkennen?
Ist es nicht eher so, dass die Medien gerade dabei sind, sich ein Stück Glaubwürdigkeit zurück zu erobern?, nachdem die Medien seit Nine Eleven, embeded, darauf versessen waren, alle gesellschaftspolitischen Ereignisse, lokal & global, wie die Erklärung des Ernstfalles durch die NATO am 12. September 2001, samt folgendem Krieg gegen den sogenannten Internationalen Terrorismus als verdeckten Weltfinanzkrieg mit der Folge ungedeckter Staatsschulden allerorten, die Einführung der Agenda2010/Hartz IV, regierungsnah zu kommentieren?

Warum schrecken die Medien denn jetzt vor nachhakenden Recherchen zurück, die übliche Praxis von Spitzenpolitikern in Bund, Ländern aufzudecken, in Redaktionen von Öffentlich- Rechtlichen Anstalten drohend anzurufen, wenn ihnen eine Sendung oder die Besetzung einer Talkrunde nicht ausgewogene genug erscheint, oder einfach nicht gefällt?
Oder von Unternehmen zu berichten, die das Gleiche mit der Drohung bei privaten Medien tun, bereits geschaltete Anzeigen für den Fall stornieren zu lassen, wenn ein bestimmter investigativer Artikel gedruckt wird?

Warum also diese merkwürdig verhaltene "Selbstzenzur" der Medien, , gepaart mit der anschwellend larmoyanten Selbsbweiräucherung, dem Seltstmitleid nicht mehr vom Bundespräsidenten, der Bundeskanzlerin, dem Bundestagspräsidenten geliebt zu sein, wie die Maus auf die Schlange, nur noch auf die "Wulffschanze" zu starren, statt die "Wulffschanze" als Sprungbrett zu viel weitergehenden Recherchen zu nutzen, u. a, , was mit dem atomaren Müll aus miltärischen und zivilen Anlagen in Deutschland, Europa passiert? Was mit der Frage passiert, wann die NATO, voran die USA endlich ihre atomaren Waffen, samt atomarem Müll kontrolliert aus Deutschland abziehen?, damit endlich der Atomsperrvertrag von 1957 halbwegs erfüllt wird?

Der Fall "Wulffschanze" bleibt uns ja erhalten.

"Warum stellt sich die linke Öffentlichkeit nicht eindeutiger gegen diesen Präsidenten?"

Das ist eine, wie ich finde, überaus interessante Frage. Liegt es vielleicht daran, dass das Personal der organisierten Linken politisch "vorsitzendhörig" sozialisiert ist?, dass das Thema Korruption, Abgeordnetenbestechung selbst die Linkspartei im Deutschen Bundestag nicht aus der mehrheitlichen Reserve lockt, endlich die von der rotgrünen Bundesregierung im Jahre 2001 unterzeichnete UNO- Konvention gegen Korruption und Abgeordnetenbestechung zu ratifizieren?

Vielleicht liegt es aber auch an der natürlich eingefleischten Undudsamkeit der Linken, die es einfach nicht mag, wenn Dinge nicht einfach durch Revolutionen, eine Schub Wende an Fahrt aufnehmen und gesellschaftspolitische Zusammnehänge nicht nur aufdecken, sondern das Unterste zu Oberst kehren?
Für solcher Art Dauer Recherchen übr etliche Berichts- und Gerichtsinstanzen fehlt den Linken an sich von Haus aus mutmaßlich das notwendig belastbare Nervenkostüm.

siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/wulffschanze-kurz-vor-der-erstuermung

09.01.2012 | 17:55
"Wulffschanze" kurz vor der Erstürmung?
wulffschanze christian_wulff wulff bundespräsident geldmarktdarlehn geldwäsche präsidialklage korruption spende maschmeyer geerken bundesbankcheck vw

"Wulffschanze" kurz vor der bedingungslosen Kapitulation?

"Breaking News" aus der "Wulffschanze".
GeroSteiner schrieb am 09.01.2012 um 21:38
@JA
"Gibt es einen unabhängigen Bericht?"

Das genau ist es, was ich vom Freitag erwarte.
Unabhängigkeit in der Berichterstattung, Darlegung der nackten Fakten und ganz zuletzt eine davon unterscheidbare links zu verortende Bewertung und Meinung.

Dass genau DAS (Unabhängigkeit und Fakten ohne Bewertung) vom Springer-Konzern nicht erwartet werden, kann ist mir schon klar. Und das sich die Beurteilung auf "investigative" und daher implizit glaubwürdige Journalisten wie Hans Leyendecker beschränkt, wonach Wulff seiner Meinung nach "ein taktisches Verhältnis zur Wahrheit" habe, ist schon ein (rechtes) Armutszeugnis.
Magda schrieb am 09.01.2012 um 21:44
Fritz Pleitgen bei Plasberg amüsiert sich auch wieder über den Wulff-Anruf. Und den entsprechenden Hype.

Er sagt, es gehört zum Alltag eines Chefredakteurs, dass Politiker hin und wieder anrufen. Es sei auch das Recht eines Bundespräsidenten ,sich gegen einen Bericht zu verwahren. Sogar, zu drohen mit rechtlichen Schritten. Es sei nicht sehr klug.

Was BILD daraus gemacht hat, ist wirklich ein alberner Versuch, die Volksseele aufzukochen. Doch so blöde sind die nicht.
Magda schrieb am 09.01.2012 um 21:49
Leyendecker meint bei Plasberg, es störe ihn energisch, dass sich BILD-Diekmann in der Mailbox-Affäre wie ein Staatsmann aufführen durfte und Wulff wie ein dummer Schüler da stand. (auch durch eigenes Ungeschick)

Und da ist wieder die Berlusconi-Schiene. Der Übersprung. Ich bleibe dabei, auch andere haben diesen Riecher. BILD wird staatstragend und wann übernehmen die den Laden?
Columbus schrieb am 09.01.2012 um 22:40
Das ist ja alles ganz nett, da auf dem Blasiertenberg, aber z.B. hat die BILD gar nicht den Rücktritt des BP gefordert, sondern überlässt das dem TED, Infratest-Dimap, der Konkurrenzpresse, der fast schon wie eine Automate reagierenden SPD (Nahles, Gabriel), etc.

Wir, das Volk, sollen mit Zuruf entscheiden. Dabei ist das Faktum ganz einfach. Aufgrund seines Verhaltens ist der jetzige BP, -aus Gründen der Staatsräson-, das Amt muss unabhängig und fern einer Allianz oder eines "Krieges" mit der Presse geführt werden, untragbar.

Mögen auch, wie übrigens in der Staatsaffäre um "Gutti", während seiner Reanimation durch den Prächtigen vom Speersort, am Ende noch fast die Hälfte der Bürger und Journalisten, per TED oder Plasberg, für eine zweite Chance sprechen oder die böse BILD, bzw. andere Springer- Blätter, zum Ausgleich, mit Bettina auf dem Empfang aufmachen, jener tapferen und starken Ehefrau, knapp dahinter. Selbst wenn 99% dächten es ist verzeihlich, alles nur ein emotionaler und menschlicher Klitsch, es geht nicht. Sonst kann man gleich, wie Sie es sagen "BILD übernehmen Sie D.!" rufen, schreiben, singen. Ein Teil der Bürger würd´ es gut finden, ein anderer Teil egal und ein dritter Teil riefe die Revolution aus.

Zeitungen, übrigens auch Fernsehanstalten, dürfen, und das ist doch die Kernbotschaft, der "Gonzo des Tages", überhaupt nichts staatstragendes oder staatszerstörendes tun, sondern müssen sich, -was doch für sie selbst nur Ehre brächte-, immer eine Kluft denken lernen, zur Politik, zur Wirtschaft, zu allem worüber sie berichten. - Ganz banal, um einmal andere Gebiete zu nennen, reicht ja schon ein Blick auf die Autoseiten der Überregionalen, oder das Abfeiern der Chartsternchen aus der Musik, oder diese ewige Vorstellung von geigenden Wunderkindern oder best. Sopranistinnen, mehr oder minder nackt schaum- und applausbadend, um zu wissen, wo Klüfte fehlen.

Einziges Problem, ein Großteil der Menschheit steht aber auf diese Innigkeit der "Verhältnisse" und wünscht den schönen Schein, vom Mut Bambi-Burdas, bis zum Wölfchen im Schafspelz. Wir lieben es, wenn unsere Politiker und unsere Journalisten (TV+Print) so sind, geben jedenfalls für diese Art am meisten Geld aus , Vertrauen da lange und geben viel Zeit hin.

(Fritz Pleitgen, z.B., glaubt bis heute, er habe das Kulturhautstadtjahr an der Ruhr ganz bomfortionös gemanagt, dabei war das häufig nicht mehr als Gelegenheit ein paar Ehrenauftritte hinzulegen, die im Einkauf kräftig kosteten)

Ich bin froh, dass Augstein und der dF da Kante zeigen. An der BILD jedenfalls liegt es aktuell nicht, wenn dieser BP immer noch BP sein darf.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2012 um 21:56
„Der Speyerer Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim vermutet in der Kreditaffäre von Bundespräsident Christian Wulff einen Fall von Korruption. Das Interview vom Mittwoch sei sein Versuch gewesen, die Öffentlichkeit zu beschwichtigen. Entscheidende Fragen wurden laut von Arnim nicht gestellt. (…) Mit Blick auf den umstrittenen Privatkredit für Wulffs Hauskauf sagte von Arnim, „dass der 2008 weit unter Marktzins gewährte Kredit der Geerkens über 500.000 Euro in Höhe der Differenz rechtlich ein Geschenk an Wulff war“. Die Mitnahme von Egon Geerkens auf Dienstreisen in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang mit der Kreditgewährung müsse damit „als Dank Wulffs für den Kredit und damit als Korruption erscheinen“, sagte der Verfassungsrechtler aus Speyer. Von Arnim erinnerte daran, dass die Mitnahme von Personen auf Dienstreisen eines Politikers aus reiner Freundschaft „verbotene Vetternwirtschaft“ sei. Jeder kleine Beamte, der ein Geschenk von geringem Wert von jemandem annehme, mit dem er dienstlich zu tun habe, werde wegen dienst- und strafrechtlicher Korruption belangt.
Magda schrieb am 09.01.2012 um 22:02
Solche Überlegungen hat auch - ganz verhalten der Volker Zastrow von der FAZ - angestellt. Das muss man beweisen. Wenn nicht, ist es Rufmord .
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2012 um 22:16
Rufmord,huh! Das hat Wulff sich letztlich selber zuzuschreiben, er hätte ja auch nur einmal aufrichtig sein können.

Im Übrigen: Wo keine Kläger sind gibt's keine Ermittlungen und keine Beweise. Aber wenn Du dem Wulff die ganzen Geschichten abnimmst.Bitte.
Der 500.000 € Kredit von einer Verkäuferin namens Edith Geerkens

„Man darf einen Fehler machen, aber man darf ihn nicht zweimal machen.“ (Christian Wulff am 13.12.2011 kurz vor seinem Treffen mit der kuwaitischen Journalistenvereinigung, bei dem er Demokratie und Pressefreiheit predigte.)
GEBE schrieb am 09.01.2012 um 22:34
@ Magda schrieb am 09.01.2012 um 22:02:

RUFMORD?

Liebe Magda,

in Gold Star For Robot Boy's obigem Kommentar ist nicht ansatzweise eine Behauptung gegeben, sondern es sind legitime Überlegungen zur Sache durch von Arnim dargestellt. Und dieser hat keine Behauptungen aufgestellt, sondern Gesichtspunkte auf juristische Relevanz erwogen.
ChristianBerlin schrieb am 09.01.2012 um 23:17
@Magda

Lieb von Dir, dass Du nur Volker als Rufmörder angreifst und mal raushältst.

Ich bekenne mich trotzdem schuldig im Sinne Deiner Anklage, soweit es die Fakten betrifft.

Ich habe verlangt, dass diese am weitesten gehenden Vorwürfe zuerst aufgeklärt werden, und zwar durch Ermittlungen in beide Richtungen, entweder entlastend oder überführend, Hop oder Top.

Ich bin aber nicht bereit, diese Forderung unter "Rufmord" zu subsumieren. Rufmord wäre vielmehr, so etwas nicht aufzuklären, sondern als Gerücht unaufgeklärt schweben zu lassen. Da bleibt immer war hängen.

Weder sollte der Bundespräsident uns das antun, noch sollten die politisch dazu legitimierten die Möglichkeit auslassen, diese Untersuchung ergebnisoffen auch gegen seinen Willen zu einem Ergebnis zu führen, falls er tatsächlich so schlecht beraten ist bzw. bleibt, die recht simple Aufklärung nicht selbst zu leisten.

Ich habe auch konkretisiert, wie das geht, welche Dokumente er vorlegen müsste, wenn er denn will, bzw. welche Dokumente sich ein Untersuchungsausschuss vorlegen lassen muss, wenn er sie niemandem freiwillig zeigt. Danach wäre die Anschuldigung, die nun auch Hans Herbert von Armin ausspricht, entweder bewiesen oder widerlegt.

Würdest Du ein solches - ergebnisoffenes Prozedere - tatsächlich Rufmord nennen?

Oder ist es nicht der gebotene Weg, einzige Weg, wie der Ruf des Präsidenten von diesem Verdacht wieder befreit werden kann? Dessen Entstehung hätte der Präsident zwar auch bei seiner Entkräftung zu verantworten oder maßgeblich mit zu verantworten (wenn wir Hans Leyendeckers These folgen, dass erst durch sein Verschleiern-und-Unterdrücken-Wollen aus einem Nicht-mal-Dreizeiler eine Hyper-Skandal-Story werden konnte). Trotzdem kann er schlicht falsch sein - was dann aber gar einfach erweisbar wäre.

Für das, was er schon an Fehlern gemacht hat, kann ihm diese Zumutung, jetzt alles (wirklich) offenzulegen, selbst bei erweisbarer Unschuld abverlangt werden - auch um ihn vor sich selbst zu schützen. Mit der lückenlosen Aufklärung dieses schlimmsten Vorwurfes täte er uns (bzw., wenn er nicht will, wir ihm) den im Moment denkbar größten Gefallen. Meinst Du nicht?

LG Christian
Magda schrieb am 09.01.2012 um 23:20
"Meinst Du nicht?"

Nee, Christian
LG Magda
Magda schrieb am 09.01.2012 um 23:30
Wenn man sehen will, wie sich politische Korruption hierzulande "verbeispielen" lässt, dann guckt Euch die heutige "story" in der ARD an. Riester, Schröder, Maschmeyer, die private Säule - Albrecht Müller von den Nachdenkseiten nennt das ein klasse Beispiel von politischer Korruption.

DA sind sie die Sachen. Wer den Wulff da hinhängt, bitteschön. Wer ihm unterstellen will - auch wenn es nicht beweisbar ist - dass er korrumpierbar ist, bitteschön.

Aber dann wird hier ein Sündenbock kreiert, der jetzt plötzlich von allen Seiten für alles verantwortlich gemacht wird, was diesem ganzen System so anhängt. Davon ist Wulff ein Teil, mehr nicht.
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2012 um 02:38
@Magda

Hier ist irgendwie mein Kommentar verschwunden. Sehr ärgerlich.

Siehe dazu oben meinen Kommentar zu Deinem Link auf evangelisch.de und meine Antwort auf @keiner.

LG Christian
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2012 um 22:00
Der Gröhe lügt bei Plasberg.
Natürlich war Geerkens noch Unternehmer als Wulff seinen "Kredit" bekam: Geerkens, zweifacher Trauzeuge von Wulff, lud diesen nach Spanien und die USA ein und reiste zum Zeitpunkt der Kreditvergabe als „Familienunternehmer“ und "Private Investor" mehrfach in der Wirtschaftsdelegation des damaligen Ministerpräsidenten, obwohl er längst nicht mehr in Niedersachsen lebte. Geerkes betont heute er sei zum Zeitpunkt der Kreditvergabe kein Unternehmer mehr gewesen. Laut Niedersächsischer Staatskanzlei dürfen bei Reisen der Staatskanzlei „diejenigen Vertreter von Unternehmen mitreisen, welche sich von den Zielen einer bestimmten Delegationsreise positive Auswirkungen auf die weitere eigene Arbeit versprechen“. Was versprach sich Geerkens ? Im März 2009 reiste neben Geerkens auch der Hannoveraner Rohrleitungsspezialist Eginhard Vietz mit Wulff nach Japan. Vietz begleitete Wulff zudem im Juni 2010 bei seinen Dienstreisen in die Vereinigten Arabischen Emirate und nach Katar. Im August 2010 bekam der Hannoveraner Unternehmer, der Pipeline-Equipment in die Ölländer der Welt exportiert schließlich Besuch von der Staatsanwaltschaft, da er sich öffentlich zur Zahlung von Schmiergeldern im Ausland bekannte.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2012 um 22:04
"Ich finde, wenn jemand zehntausend Jobs sichert und Millionen an Steuern zahlt, gegen den darf man keine Pogromstimmung verbreiten". (C.Wulff)
L.Berit schrieb am 09.01.2012 um 22:19
@Gold Star For Robot Boy

"Ich finde, wenn jemand zehntausend Jobs sichert und Millionen an Steuern zahlt, gegen den darf man keine Pogromstimmung verbreiten". (C.Wulff)

Ferdinand von Schirach hat in der gestrigen Günther Jauch Sendung etwas sehr eindringliches gesagt. Wulff habe in seinem Interview vor allem folgende Botschaft transportiert:

"Ich bin nicht euer Vorbild, ich bin euer Abbild."

- ich fürchte, Ferdinand von Schirach hat recht.
GEBE schrieb am 09.01.2012 um 22:36
Ein treffender Satz!
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2012 um 22:44
"Ich bin nicht euer Vorbild, ich bin euer Abbild."

Meine Rente wird etwas bescheidener bemessen sein. Und einen Kredit für's Eigenheim..hmm,schwierig.
L.Berit schrieb am 09.01.2012 um 23:06
@Gold Star Robot Boy
"Meine Rente wird etwas bescheidener bemessen sein. Und einen Kredit für's Eigenheim..hmm,schwierig."

Ja, aber wenn du nun z.b. einen maschmeyer oder einen Geerkens, dann würdest du doch auch, weil machen doch eh alle, weil der ist doch sooo ein guuter, alter freund und schließlich will man doch ganz mensch sein. Und überhaupt, ist doch alles gar nicht so schlimm, da ist die blöd viel böser. Oder etwa nicht? ;-)
Horsti schrieb am 09.01.2012 um 22:27
Ich bin weniger verwundert.

Der Journalismus sieht sich immer mehr als Meinungsmacher oder zumindest als Meinungsdarsteller - leider viel zu wenig als Chronist.

Der Leser möchte sich nicht seine Meinung BILDen. Der Leser möchte seine Meinung lesen. Das tut doch sooo gut und ist eine wundervolle Gemeinsamkeit von Bild- und Freitag-Lesern.:-))

Das ist dem Bild-Leser völlig egal. Der Freitagleser quiekt schockiert.

Also kann er auch schlecht damit umgehen, wenn sich plötzlich Schnittmengen zwischen Bild- und Freitags-Meinung ergeben. Er stolpert förmlich über seine eigene intellektuelle Fessel.

Was das Ganze mit links zu tun hat, erschließt sich mir eh nicht.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 09.01.2012 um 22:36
Als ich Anja Kohl gerade in den Börsennachrichten gesehen habe, ist mir noch eine total irrwitzige Frage eingefallen:

Schützt Wulff mit seinem dickköpfigen Nicht-Rücktritt Springer nun davor, die aus dem Ruder gelaufene Debatte um BILD nicht in Ruhe analysieren zu können?

Super Idee, oder?
Ich sollte weniger Börsennachrichten gucken..
GEBE schrieb am 09.01.2012 um 22:37
Sie Schelm!
Gold Star For Robot Boy schrieb am 09.01.2012 um 22:48
"Für mehr als die Hälfte der Deutschen ist es durchaus in Ordnung, dass Bundespräsident Wulff freundschaftliche Gefälligkeiten angenommen hat. 52 Prozent teilen die Auffassung Wulffs, dass man sich von Freunden ohne Probleme Geld leihen können müsse. Gut repräsentiert fühlen sich die Menschen in Deutschland von ihrem Staatsoberhaupt aber nicht mehr, ergab eine am Montag veröffentlichte YouGov-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa. Nur 28 Prozent bejahten die Frage, ob sie sich von Wulff gut repräsentiert fühlten. 55 Prozent antworteten mit Nein."
www.weser-kurier.de/Artikel/News/Politik/Inland/513534/%22Bild%22-beharrt%3A-Wulff-wollte-Story-verhindern.html
SuzieQ schrieb am 09.01.2012 um 22:51
Die Presse guckt einfach zu viele Krimis.
Popkontext schrieb am 09.01.2012 um 23:15
Und tut deshalb alles als Verschwörungstheorie ab, obwohl doch bei so vielen "Mutmaßungen" die Fakten mehr oder weniger auf der Hand liegen und man nur ein bisschen recherchieren müßte? Aber da könnte man sich ja in ein Wespennest setzen.
68er schrieb am 09.01.2012 um 23:19
Bild ist deswegen nicht zu loben, weil die Leute dort nicht an Aufklärung interessiert sind, sondern an Macht und Auflagen.

Wenn es bei Springer wirklich um die Pressefreiheit gehen würde, hätte die "Welt" bzw. Herr Döpfner schon bei dem Stiefschwesterartikel Alarm schlagen müssen. Spätestens jedoch am 13.12.2011, als Wulff seinen Mailbox-Amoklauf erledigt hatte.

Stattdessen diskutiert man bei Springer in der großen Redaktionskonferenz und hofft darauf, dass die anderen Medien ihnen die ganz dreckige Arbeit abnehmen. Als das zu lange dauert, hakt man noch einmal nach, liefert weitere Details etc. pp. Wir kennen alle die Geschichte der Salamitaktiken, die hier von beiden Seiten betrieben wurden.

Auch wenn Herr Blome persönlich ein ganz nettes Kerlchen sein mag darf man nicht so blauäugig sein und glauben, die Bild-Zeitung hätte sich grundlegend verändert.

Schauen Sie sich doch einmal die Bilder von Diekmann an, die die Welt in den letzten Tagen veröffentlicht hat. Es geht hier, wenn man einmal die vulgärsprachige Ikonographie der Macht bemüht, um "Eier zeigen":

www.welt.de/politik/deutschland/article13799572/Bild-will-Wulffs-Mailbox-Nachricht-veroeffentlichen.html

www.welt.de/politik/deutschland/article13800133/Eine-Mailbox-Veroeffentlichung-ist-nicht-strafbar.html

Herr Diekmann macht sich über Herrn Wulff lustig und glaubt, die Regeln des Spiels bestimmen zu können. Das ist unwürdig.

Dann ist es auch lächerlich, wie SPRINGER so tut, als hätte man mit der Veröffentlichung des Inhalts der Mailboxnachricht nichts zu tun. Man schaue sich nur einmal diese verlogenen Artikel der “Welt” an:

www.welt.de/politik/deutschland/article13793634/Wulff-soll-Springer-mit-Bruch-gedroht-haben.html

www.welt.de/politik/deutschland/article13803543/Wulff-sprach-auch-dem-Springer-Chef-auf-die-Mailbox.html

Man tus so, als habe die “Welt” von den “Drohanrufen” bei Diekmann und Doepfner nur durch die Lektüre fremder Zeitungen erfahren. Grotesk ist das. Herr Döpfner hätte doch einfach am 13.12.2011 einen geharnischten Leitartikel für die Pressefreiheit schreiben können, denn sonst benutzt er die Titelseite der “Welt” doch auch gerne mal, um uns seine Erkenntnisse und Meinungen kundzutun:

www.welt.de/debatte/article11148187/Der-Westen-und-das-hoehnische-Lachen-der-Islamisten.html

Zum Schluss möchte ich noch fragen, wie hätte sich Deutschland aufgeregt, wenn Herr Wulff in seinem Fernsehinterview auf die Frage, ob er der Bild Zeitung gedroht hat, ähnlich absurd geschwurbelt hätte, wie die Springersche "Welt".

Wulff hätte dann wohl sinngemäß folgendes geantwortet:

“Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet hat, soll der amtierende Bundespräsident bei seiner Mitteilung auf die Mailbox von Herrn Diekmann darum gebeten haben, die Berichterstattung um einen Tag zu verschieben. Dies wurde mir auch auf Nachfrage vom Bundespräsidialamt bestätigt.”

Wulff mag vielleicht mit seiner Mailbox-Atacke einen saudummen Fehler gemacht haben, so schizophren und verlogen wie die Leute im Hause SPRINGER ist er aber hoffentlich noch nicht.
keiner schrieb am 09.01.2012 um 23:25
@ J.A.:

>>Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken - soweit das Publikum nicht aus politischen Gründen auf seiner Seite ist. Ich dachte also, kritische Medien und kritische Öffentlichkeit müssten einer Meinung sein.<<

und: >>Warum genügt es dem Leser nicht, dass die Fakten stimmen, die er liest? Warum ist die Quelle der Fakten wichtiger als die Fakten selber?<<

schreiben Sie und z.B. Calvani stellt ganz schlicht die Frage in den Raum, was denn die Fakten seien.

Das ist doch das Problem: was eine seriöse Recherche der Medien sein könnte, ist zu einer Jagd, in der es auf das Stellen und Erlegen der Beute ankommt, verkommen, und dagegen lässt sich nur - aber eben auch entscheidend - einwenden, dass sich mit dieser Methode Fakten einfach nicht herausbringen lassen. Denn die ‘Schlagworte’ (Gebe), die Sie bringen, reichen wirklich nicht, das muss man glauben (oder nicht)

Nehmen wir z.B. den Kredit und seine Umschuldung: Bis blog1 in Ihrem Beitrag ‘Der böse Wulff’den Begriff ‘Euribor’ eingebracht und einige Kommentare später halbwegs klar war, dass die Verzinsung üblich ist, und es offenbar auch kein Privileg ist, sie so zu erhalten, waren mir in dieser Hinsicht keine Fakten klar, sondern es lag ene Behauptung vor.

Die Formel bleibt aber: ‘ungewöhnlich günstige Konditionen’. Sie muss, u.a. wegen eines konstruierbaren Zusammenhangs zur Porsche-Übernahme, stehen bleiben, weil sonst auch insgesamt der ‘Schuft’ bröckelt.

Weiter geht’s, u.a. Topnachricht beim Deutschlandfunk: Die Umschuldung (also auf ein Nicht-Euribordarlehen) erfolgte nicht im November, wie von Wulff behauptet, sondern erst im Dezember. Vorwurf: Wulff hat erst auf öffentlichen Druck hin agiert und somit reagiert.

Und das ist tatsächlich Desinformation vom Feinsten - aber nicht seitens des BP, sondern seiner ‘Jäger’: Formal wurde die Vereinbarung zwar erst im Dezember rechtskräftig (wahrscheinlich bedurfte es tatsächlich, im Gegensatz zur Einschätzung Wulffs, der sie schon vorher für bindend hielt, der Schriftform), aber für die Frage, ob er agiert oder reagiert hat, ist doch einzig und allein der Zeitpunkt, zu dem die Konditionen ausgehandelt wurden, entscheidend. Der soll aber auf Teufel (‘Pudels Kern’) komm raus, mit dieser fadenscheinigen formalen Begründung, auf Dezember geschoben werden.

Eisern bleibt aber stehen: Wulff hat auch im Fernsehinterview die Öffentlichkeit getäuscht.

Und die Bildzeitung: Das muss ich allerdings eingestehen - normalerweise nehme ich Meldungen, in denen steht, irgendjemandes Wort stehe gegen das von Bild, nur sehr am Rande wahr, und wäre dieses ganze Theater jetzt nicht gewesen, hätte ich vielleicht höchstens gegrinst und, automatischer Umkehrschluss, gedacht ‘Wie schön, dass wir einen ehrlichen Bundespräsidenten haben. Auch noch von der CDU, sieh an.’.

Vorurteil? Mag sein, aber angesichts dieser Farce sehe ich es nicht entkräftet: Wie kann eine Zeitung im digitalen Zeitalter, in dem eine Audioaufnahme genauso beweiskräftig ist wie ein Foto - nämlich gar nicht - einen Showdown um deren Veröffentlichung inszenieren, und dann noch unter dem Beifall aller anderen als seriös gelten? Wulff kennt den Anruf nur aus der Erinnerung - also im Grunde nicht mehr - und kann vermutlich noch nicht mal selbst beurteilen, ob Transkription oder Mitschnitt stimmen.

Trotzdem, der ‘Schuft’ (und folgt man Ihnen bei Spiegel-online, wird er dafür in der Hölle schmoren, ganz unten (Neein, NICHT Walraff!)) hat er einen Angriff auf die Pressefreiheit geritten, hinter dem Augstein Seniors Konfrontation mit Strauss seinerzeit locker verblasst: Er hat Diekmann und, wie sich später heraustellte, auch Döpfner gedroht!

Juristisch gesehen ist offenbar eine Nötigung gemeint, und die wäre dann gegeben, wenn Wulff die Formulierung ‘Krieg führen’ in irgendeiner Weise wörtlich gemeint hätte (findet das wirklich irgendjemand?) - aber nicht, wenn er eine Strafanzeige ankündigt.

Im Gegenteil, hätte er das nicht getan und es käme zum Prozess, dürfte er sich mit grösster Wahrscheinlichkeit dort fragen lassen, ob er es dem Angeklagten denn überhaupt im Vorfeld kommuniziert hätte, dass er sein Vorgehen für einen Eingriff in seine Rechte hält, und müsste er das verneinen, wäre das wohl als Pluspunkt für die Verteidigung zu verbuchen.

‘Drohung’ und ‘Strafanzeige’ bleiben aber im gleichen Satz stehen, und hier, finde ich, äussert sich die Selbstüberhebung der ’4. Gewalt’ am klarsten: Jeder Bürger darf hierzulande seine Meinung sagen, und auf diesem Grundrecht beruht auch die Pressefreiheit. Während sie aber für Sie und mich eingeschränkt ist - sehen Sie, da habe ich mich schon verschrieben: während sie aber für Lieschen Müller und mich z.B. durch die Beleidigungsparagraphen eingeschränkt ist - egal, was meine ehrliche Meinung auch sein mag: niemanden darf ich ein Arschloch nennen, meinen Nachbarn auch keinen Verbrecher (wenn er’s wäre, wäre es ‘üble Nachrede’ wenn er keiner ist, sogar Verleumdung) -, reklamiert die Bildzeitung einen Angriff auf die Pressefreiheit, sobald auch nur im Geringsten die Gefahr droht, sie müsse sich nach rechtsstaatlichen Kriterien vor einem ordentlichen Gericht verantworten (keine Gesellschafterversammlung).

Wullf, wenn man sich seine Sicht der Dinge vor der Verurteilung denn doch mal anhören will (in diesen Tagen läuft das allerdings eher unter ‘Unwahrheiten, die das Bundespräsidialamt auf Anweisung zu verbreiten hat’), hat bei Diekmann wohl angerufen, weil er der Meinung war, dass er mit BILD die Absprache hatte, sie dürfe seinen Kreditvertrag einsehen, wenn sie im Gegenzug darauf verzichte, den oder die Kreditgeber zu nennen, sofern es sich nicht um Maschmeyer oder einen sonstigen Grossunternehmer handle.

Muss man wirklich annehmen, bei den Geerkens handle es sich um lichtscheues Gesindel, wenn Wulff nicht wollte, dass seine Freunde (gelogen! alle korrupt, da reich!) mit Bild und deren Recherchemethoden konfrontiert würden?

Und dann gehen die Schmierlappen noch nicht mal ans Telefon, verreist auf ‘Dienstreise’ (Diekmann) - als wären wir wie früher bei Kojak, wenn’s keine Telefonzelle gab? Wenn der Bundespräsident anruft?

Aber was hat er sich überhaupt mit denen eingelassen, im ‘Fahrstuhl rauf’? Die Homestories, Bettina schwanger, der stolze Vater usw.?

Weil sie ihn sonst schon früher geschlachtet hätten. Wulff ist geschieden, wiederverheiratet und katholisch, und mich hat es nicht wirklich in Erstaunen gesetzt, dass es sich bei einem der ersten, der ihm vor Weihnachten den Rücktritt nahelegte, um Joachim Kardinal Meissner handelte, seines Zeichens Erzbischof von Köln. Und nicht nur von Kirchenfenstern angekotzt.

Tom Strohschneider weist in seinem Blog ‘Wulffs Demokratie’ auf die Verflechtung zwischen Politik und Wirtschaft als den eigentlichen Kern der Affäre hin. Meines Erachtens handelt es sich bei BILD, neben aller ideologischen Ausrichtung, in erster Linie um ein Wirtschaftsunternehmen, und Wulff halte ich, gerade in seiner Beziehung zur Presse, auch in dieser Hinsicht für einen Repräsentanten.

Mir ist das mal klar geworden, als ich im Radio hörte, dass die Pipelines, in denen das Öl von den Ölplattformen transportiert wird, nicht in den Händen der Plattformbetreiber, sondern anderer Firmen liegt, und dass es aus diesem Grund kein wirtschaftliches Interesse an Wartung und sicherer Instandhaltung der Pipelines gebe.

Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen, allerdings glaube ich nicht, dass wir den kalten Krieg gewonnen haben - Euro- und Schuldenkrise überzeugen mich nicht vom Gegenteil -, so dass ich die seinerzeitige Frage - Antwort: Erich - wer denn in der DDR das Licht ausmachen solle, sozusagen, so schief das Bild auch sein mag, mit Volldampf auf uns zukommen sehe.

Mich hat der Bericht des Club of Rome schon überzeugt, als er herauskam, die Grenzen des Wachstums scheinen erkennbar. Und wie wickeln wir Bayer ab, ohne die Wirtschaft? Wie sorgen wir für die Einhaltung von Umweltstandards? Holen das Zeug aus der Asse? Na, gar nicht.

In dieser Hinsicht, sich innerhalb des Systems befindlich, mag Wulff korrupt sein. So wie ich - und, Sie werden es nicht gerne hören, auch Sie selbst -, bis ins Mark, und zwar ohnmächtig ausgeliefert - selbst dann, wenn ich mit aller List und Tücke einen Ausweg suche: meine neueste Idee ist, auf Stromverbrauch zu verzichten, und deshalb stecke ich u.a LEDs - 0,3 Watt bei einem Vielfachen der Leuchtleistung einer Glühbirne - zusammen, fummel Widerstände dran und gehe früh schlafen.

Dass das geht, mit den LEDs, habe ich allerdings wahrscheinlich auch der Bundeswehr zu verdanken - Horst Köhler, der Vorgänger des jetzigen Bundespräsidenten, ist dann auch sofort zurückgetreten, nachdem er diesen Zusammenhang thematisiert hatte -, denn zu deren Produktion benötigt man sogenannte seltene Erden, und die gibt’s in Afghanistan. Braucht’s auch für Handies, Wullf-ist-böse-SMS aus dem Kindergarten und so.

Fairness: Ihre ‘linken’ Leser sind auch empört, wenn es nicht ihre eigene Mannschaft trifft, vermutlich auch aus der Erkenntnis heraus, dass Fussball völlig uninteressant ist, wenn dauernd nur foul gespielt wird (klar, das reicht für die Fifa und Wettbetrüger), und inzwischen ist es wahrscheinlich interessanter, Kindern beim Bolzen im Park oder auf der Strasse zuzusehen (sollte man sich aber unbedingt, vor allem, falls ein Aufklärer von BILD in der Nähe ist, anstrengen, nicht wie ein Sittenstrolch auszusehen).

Wissen Sie, man kann Politiker ja finden wie man will, aber es lässt sich doch nicht bestreiten, dass sie es in der gegenwärtigen Finanz- und/oder Schuldenkrise, die mir in ihrer Gefährlichkeit unterschätzt zu sein scheint, mit Gegenspielern zu tun haben, die das Realitätsbewusstsein und die Verantwortungsbereitschaft von Heroinsüchtigen haben. Wenn es sich nicht um Computer handelt, die mithilfe von Sprachprogrammen die Nachrichtenlage analysieren und anhand der Häufigkeit des Vorkommens bestimmter Schlüsselwörter ihre Kauf- bzw. Verkaufsorder innerhalb von Zehntelsekunden plazieren...

Ob Sie den Richtigen ‘jagen’? BILD jedenfalls erkämpft gerade das Recht, jeden abzuservieren, und sei es auf Verdacht.

Und die Forderung nach Transparenz? Einfach wirklich alles auf den Tisch zu legen? Das hatte Murdoch, Rupert in England schon fast durchgesetzt...

P.s., auch @ Magda: Der Berlusconi-Vergleich ist insofern klasse, als zwar vielleicht nur gemeint ist, ‘verhält sich unwürdig’ oder so, aber in Wirklichkeit daran klar werden kann, dass wir hier genau das Gegenteil haben - und Berlusconi in Italien auf hiesige Verhältnisse übertragen, zeitlich etwas verschoben, bedeuten würde, dass Springer hier Präsident wäre (und die Rudi-Dutschke Adresse würde sich auch keiner mehr gefallen lassen).

Diekmann und Blome seriös auf allen Kanälen: das hat wirklich etwas von den Auftritten des Cavaliere, etwa bei EU-Gipfeln.

P.p.s: Anders machen: die Fakten ausführlich, recherchieren, die Metaebene, die z.B. Angele schon angesprochen hatte, besser ins Auge fassen und die Wikisierung der Blogs (Andreas Kemper) (Recherche!) als Anregung auffassen und nach Umsetzungsmöglichkeiten suchen.

Sich Zeit nehmen - es bringt Ihnen nichts, das zu schreiben, was auch sonst überall steht, so haben ZEIT und Spiegel die Lücke eröffnet, die Sie nun wieder besetzen wollen.

Keine ‘normale Zeitung’ sein, d.h. auch, am besten auf den Knien rumrutschen und die ehemaligen Herausgeber (Korrektiv) zurückholen und sie anflehen, hier gelegentlich zu schreiben, Ihre Ordnungshüter dazu bewegen, Rahab auch zurückzuholen und sich was anderes zu überlegen, sich fragen, warum Strohschneider abhaut (und Winkelmann schon weg ist), sie fragen - und naiv bleiben!
SiebzehnterJuni schrieb am 09.01.2012 um 23:32
@keiner

Und es bleibt, was es ist:

Wulff hat die Pressefreiheit bedroht -mehrfach! Und das ist keine Hetze, keine Kampagne, sondern einfache Tatsache. Und weder links noch rechts.

Und das Drohen mit einem Krieg des Präsidialamtes gegen Springer etc. bis zur Ende seiner Amtszeit, ist schon mit Ernst nahe am Bereich des strafrechtlich Relevanten...
Jakob Augstein schrieb am 09.01.2012 um 23:45
@ keiner

Klasse Beitrag.
Danke! Toller Text!

Mal gucken, ich finde, wir sollten einen Titel machen, am Donnerstag: Darf BILD das?
Und dann einen Text von uns und lauter Texte aus der Com. Mal sehen, ob wir das noch hinbekommen :)

(nur zur Erklärung: das "normal" bezog sich auf Vorgänge in Redaktion und Verlag - nicht auf die Lichtung im Blätterwald, die wir um uns herum schlagen wollen.)

((und zum Korrektiv: Das waren die Hsrg leider nie. Aber wir brauchen eines, das sehe ich auch so... ))

(((und zu dem Kollegen, der geht: da kann ich natürlich nicht so viel öffentlich sagen - aber ich finde, es ist auch Teil einer "normalen" Zeitung, dass gute Leute abgeworben werden. Wir haben zum Start der taz eine ganze Reihe guter Leute abgeworben, auch Fr Winkelmann kam ja von der taz ... Es ist ein Austausch. Das tut uns gut und den Kollegen auch. Trotzdem schade - finde ich am meisten!)))
SuzieQ schrieb am 09.01.2012 um 23:56
Ja, ist schön, was so ein bisschen Recherche und Zusammenfassung ausmachen ... *****
SuzieQ schrieb am 10.01.2012 um 00:03
'Zensur', hier wurde Augenzwinkern durch Sternhagel ausgetauscht, wie geht denn das?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 00:24
Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Gesprächsverlauf bis zu Jakob Augsteins Kommentar um 23:45 richtig verstanden habe? Spielt BILD in diesem Spiel nun eine Rolle oder tut sie es nicht? Und was ist mit den "Fakten" passiert? Hat die keiner aus der Welt geschafft? :o) (ich liebe ja Wortspiele, woll)

"Darf BILD das?" fänd ich super. Auf Seite zwei die Artikel dazu und Seite drei als zweites "Titelblatt", das fragt: "Darf Wulff das?". Usw. Das wäre meine Idealvorstellung vom neuen Freitag :o)
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 00:46
"Darf BILD das?" ist wieder schön Bildzeitungsniveau und das Zusammenstoppeln der hier in der Community oft ja auch beiläufigen Kommentare schön oberflächlich...na, vielleicht täusche ich mich - ich bin gespannt!
tlacuache schrieb am 10.01.2012 um 00:51
@ Keiner:
Wo kann ich Ihre Zeitung kaufen?
:-))))) *****
Moment, ich muss gerade meinen Porsche Cayenne gegen einen VW Touareg umtauschen.
Neulich im Urlaub in einem italienischen Domizil sagte mir Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP), der im Aufsichtsrat des VW-Konzerns sitzt, bei kleinem Umtrunkswein ("Château Latour", 2004):
"Tausch' dein Ding um".
Die haben auch LED's, diese Sparwunder...
Fritz the Cat schrieb am 10.01.2012 um 01:27
Herrlich in welche Richtung diese ganze "Affaire" sich entwickelt.
Die Frage, ob BILD das darf, stellt sich doch gar nicht.
Natürlich darf BILD - zumindest rein juristisch betrachtet.
Ich denke mal, die entscheiden Passagen der Wulffschen Attacken auf den Diekmannschen AB dürfte durch Spiegel nun jeder kennen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da nun noch irgendetwas nachkommt, was brisanter wäre.
Meine Meinung zu Wulff als Präsi habe ich ja schon kund getan, aber rein juristisch betrachtet ist das, was BILD über Spiegel da im Moment veröffentlicht ein Witz. Und BILD weiß das auch, da bin ich mir sicher.
In diesen gesamten, bisher veröffentlichten Gesprächsprotokollen ist nichts justitiabeles zu finden, geschweige denn ein Angriff auf die Pressefreiheit.
Darf BILD das trotzdem? Ja, BILD darf, vor allem, wenn sich jetzt herausstellt, wie BILD die bisher souveränen Medien benutzt und vor sich her treibt, wie ein Haufen willfähriger dummer Schafe.

Wollen Sie auch eines dieser Schafe sein, Herr Augstein?
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 01:52
@keiner
Jetzt habe ich Ihren Text mal ganz gelesen - auch wenn Sie hin und wieder doch die Kirche im Dorf lassen sollten (u.a. beim Vergleich mit der Spiegel-Affäre und generell, dass Wulff das Unschuldslamm ist und Bild die einzig Bösen) ganz toll! Danke.
weinsztein schrieb am 10.01.2012 um 02:05
Was @keiner am 09.01.2012 um 23:25 so dankenswert ausführlich schrieb, teile ich komplett.
weinsztein schrieb am 10.01.2012 um 02:20
@Popkontext

man darf auch mal uneingeschränkt loben, in diesem Fall Herrn Keiner.
Woran erkennst du Keiners Bemühungen, die Kirche vom Dorf auf den Hegelplatz zu translozieren?
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2012 um 02:28
@keiner

Lieber keiner,

schließe mich der Anerkennung von JA an, kann auch vieles unterschreiben (vor allem das, was Du von mir abgeschrieben oder übernommen hast, mit ohne oder mit falscher Quellen-Benennung).

;)

In zwei Punkten möchte ich widersprechen:

niemanden darf ich ein Arschloch nennen, meinen Nachbarn auch keinen Verbrecher (wenn er’s wäre, wäre es ‘üble Nachrede’ wenn er keiner ist, sogar Verleumdung)

Nach meiner bisherigen Kenntnis - und ich hatte mit Presserecht schon zu tun - ist das anders.

1. Wenn Dein Nachbar ein Verbrecher ist und Du nennst ihn so, ist das einzige Problem, dass Du - wenn er damit ein Problem hat - dafür die Beweislast trägst (Beweislastumkehr bei sog. Beleidigungsdelikten, in meinem letzten Blog erörtert). Das ist am eindeutigsten, wenn Du z.B. schon ein rechtskräftiges Urteil gegen ihn kennst wegen eines Deliktes, das mit einem Jahr Mindeststrafe bedroht ist.

2. Nennst Du ihn so und er ist kein Verbrecher oder er ist einer, und Du kannst es nicht beweisen, kannst Du wegen "übler Nachrede" belangt werden, wenn Du das "gutgläubig" über ihn verbreitet hast, also Dich z.B. im guten Glauben auf andere verlassen hast, die von Deinem Nachbarn entsprechendes behaupteten, deren Behauptungen aber nicht beweisbar sind.

3. War Dir dagegen positiv bekannt, dass Dein Nachbar kein Verbrecher ist, hättest Du Dich sogar einer "Verleumdung" schuldig gemacht.

Überprüf das am besten noch mal vor Drucklegung des nächsten Freitag.

@Juristen_hier

Widersprecht mir, wenn ich Unsinn rede. Ich habe das unter anderem vor Jahren so in einem Kommentar zum StGB gelesen, ohne mich an den Verfassernamen noch zu erinnern.

II

Mein zweiter Widerspruch ergibt sich in der Korruptionsfrage. Da verharmlost Du m.E.:

In dieser Hinsicht, sich innerhalb des Systems befindlich, mag Wulff korrupt sein. So wie ich - und, Sie werden es nicht gerne hören, auch Sie selbst -, bis ins Mark, und zwar ohnmächtig ausgeliefert - selbst dann, wenn ich mit aller List und Tücke einen Ausweg suche

Wenn es nur das wäre, was in Rede steht, geschenkt.

Um was es geht, erkennt man noch, auch wenn Du es ebenfalls verharmlost:

weil er der Meinung war, dass er mit BILD die Absprache hatte, sie dürfe seinen Kreditvertrag einsehen, wenn sie im Gegenzug darauf verzichte, den oder die Kreditgeber zu nennen, sofern es sich nicht um Maschmeyer oder einen sonstigen Grossunternehmer handle.

Wir müssten die genaue Absprache kennen. Mit Strafverfolgungsbehörden sind solche Absprachen in dem Moment nichtig, wenn bei einer solchen Offenbarung unerwartet ein Vergehen entdeckt wird, das nicht verfolgt werden könnte, wenn sie eingehalten wird.

Wenn ein Polizist bei einer Verkehrskontrolle sagt: Zeigen Sie uns bitte noch ihr Warndreieck und Ihren Verbandskasten, dann können sie weiterfahren, ist er an diese Zusage nicht mehr gebunden, wenn er beim Blick in Deinen Kofferraum zufällig eine Waffe findet.

So etwas ist hier passiert, wenn Deine Prämisse stimmt. Es tauchte kein Name auf, der eine Vorteilsnahme bzw. einen "Bezug auf das Amt" bedeutet hätte, wohl aber einer, der eine Lüge gegenüber dem Parlament beweist !!!!

Der Einblick - egal ob in den Kofferraum oder in ein Kreditdokument - muss aber die komplette Unschuld beweisen, sonst gibt es keine Weiterfahrt.

Eine anderslautende Absprache, die darauf hinausliefe, einen Privatnamen auch dann zu schützen, wenn dadurch ein Politiker-Delikt unaufdeckbar würde, könnte zwar gutgläubig so geschlossen worden sein, wäre aber aufgrund eines Wissens- und Willensmangels auf Seiten der BILD-Zeitung nicht bindend, weil Wulff dann einen Wissensvorsprung ausgenutzt hätte, um BILD mit dieser Vereinbarung zu täuschen.

Wäre der Inhalt harmlos gewesen, würde ich Dir Recht geben, der Name wäre zu schützen (wenn eine entsprechende Vereinbarung existierte). Ist er brisant, sieht die Sache anders aus.

Wir wissen übrigens bislang nicht einmal mit letzter Sicherheit, wann Wulff den Fehler wirklich machte und "unvollständig" war bzw. log in Bezug auf die Wahrheit: War das, als er dementierte in einer geschäftlichen Beziehung zu den Geerkens zu stehen (und komm mir bitte nicht mit "war ja nicht der Mann, sondern die Frau", das ist widerlegt)? Oder sagte er dem Parlament die Wahrheit - dann hätte er die Journalisten belogen und eine gefälschten und rückdatierten Kreditvertrag vorgelegt.

Bei jemandem, der zugibt oder zugeben muss, mindestens einmal gelogen zu haben, lässt sich nie aufgrund seiner eigenen Auskünfte sicher sagen, ob er nicht jetzt gerade wieder lügt oder vielleicht auch erstmalig. Deshalb ist diese Frage völlig offen, solange nicht neutrale Dokumente und/oder Zeugen sie klären können (siehe dazu unten die Diskussion mit Magda bzw. meinen letzten Blog zum Thema).

Beides ist nicht von Pappe und nicht mit dem Kauf einer LED-Lampe vergleichbar, durch die man dem System nicht entkommt. Allerdings würde ein tatsächlicher Verstoß gegen das Ministergesetz durch Vorteilsannahme - sei es dass der Kreditbetrag von anderen Geldgebern kam und Geerkens nur ein provisionsbeteiligtes Zwischenglied waren, oder sei es, dass es sich gar nicht um einen Kredit handelte - wesentlich schwerer wiegen als eine bloße Lüge gegenüber einem Parlament.

Bei diversen Ministern in der Geschichte der Bundesrepublik reichte eine Lüge gegenüber dem Parlament in unserer bisherigen politischen Kultur allerdings schon aus, um einen Rücktritt oder eine Entlassung zu erzwingen - angefangen bei dem, der den geschätzten Adoptivvater unseres geschätzten Verlegers hinter Gitter brachte und dann sagte, er habe nichts damit zu tun, aber später behauptete, nie gesagt zu haben, nichts damit zu tun zu haben, bis hin zu jenem Meister, der später vom Himmel fiel - was irgendwie tragisch war und mir menschlich auch leid tat, trotz am Ende schlimmster politischer Faux-Pas und Verstrickungen.

Das sollte hier aber nicht den Blick trüben oder zu vorsorglichen Verharmlosungen aus falschem Mitleid führen.

LG Christian
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 03:15
@weinsztein
Ich lobe auch uneingeschränkt, wenn ich das so sehe, und versuche auch zumindest, keine Feindbilder zu haben (was natürlich nur bedingt funktioniert, und was @keiner schreibt habe ich generell bisher aber sowieso als recht gut - aus meiner Sicht - abgespeichert).

Aber: Alles kann ich in diesem tour de force Traktat, was er / sie da rausgerotzt hat nun einfach nicht alles unterschreiben, nur der Sache an sich und vielen Aussagen Beifall zollen.
L.Berit schrieb am 10.01.2012 um 09:31
@Keiner

"Nehmen wir z.B. den Kredit (...)"

Bitte, sehr gerne. Also:

man nehme einen anonymen Scheck über eine halbe Millionen Euro, hilfreiche "Freunde", die auf einen Eintrag im Grundbuch und einen notariellen Vertrag verzichten, ein Hirn , das denken kann, zähle eins und eins zusammen, und fertig ist der Hauskredit!

Auf die Rückzahlung des Darlehens wird verzichtet (diese ist zumindest noch nicht nachgewiesen worden) , mit Freundlichen Grüßen von den Geerkens.

HALLO?! Reicht das nicht?

Wenn das mal keine

"‘ungewöhnlich günstige Konditionen’",

sind (um in der Formel zu bleiben).

"Sie muss, u.a. wegen eines konstruierbaren Zusammenhangs zur Porsche-Übernahme, stehen bleiben, weil sonst auch insgesamt der ‘Schuft’ bröckelt."

Ach ja? Das finde ich gar nicht (siehe oben), allerdings stimmt es, dass dieser konstruierbare Zusammenhang das Bild sehr viel düsterer machen würde. Die Geschehnisse um die Porsche/VW im Herbst 2008 sind aber für sich genommen (!) schon düster genug (!).

"In dieser Hinsicht, sich innerhalb des Systems befindlich, mag Wulff korrupt sein. So wie ich - und, Sie werden es nicht gerne hören, auch Sie selbst -, bis ins Mark, und zwar ohnmächtig ausgeliefert - selbst dann, wenn ich mit aller List und Tücke einen Ausweg suche: meine neueste Idee ist, auf Stromverbrauch zu verzichten, und deshalb stecke ich u.a LEDs - 0,3 Watt bei einem Vielfachen der Leuchtleistung einer Glühbirne - zusammen, fummel Widerstände dran und gehe früh schlafen."

Der große Unterschied ist, dass Sie sich nicht strafbar machen, wenn Sie verzweifelt versuchen Ihren Stromverbrauch zu minimieren und früh schlafen gehen. Deswegen finde ich diesen Vergleich etwas schräg.
L.Berit schrieb am 10.01.2012 um 09:31
@Keiner

"Nehmen wir z.B. den Kredit (...)"

Bitte, sehr gerne. Also:

man nehme einen anonymen Scheck über eine halbe Millionen Euro, hilfreiche "Freunde", die auf einen Eintrag im Grundbuch und einen notariellen Vertrag verzichten, ein Hirn , das denken kann, zähle eins und eins zusammen, und fertig ist der Hauskredit!

Auf die Rückzahlung des Darlehens wird verzichtet (diese ist zumindest noch nicht nachgewiesen worden) , mit Freundlichen Grüßen von den Geerkens.

HALLO?! Reicht das nicht?

Wenn das mal keine

"‘ungewöhnlich günstige Konditionen’",

sind (um in der Formel zu bleiben).

"Sie muss, u.a. wegen eines konstruierbaren Zusammenhangs zur Porsche-Übernahme, stehen bleiben, weil sonst auch insgesamt der ‘Schuft’ bröckelt."

Ach ja? Das finde ich gar nicht (siehe oben), allerdings stimmt es, dass dieser konstruierbare Zusammenhang das Bild sehr viel düsterer machen würde. Die Geschehnisse um die Porsche/VW im Herbst 2008 sind aber für sich genommen (!) schon düster genug (!).

"In dieser Hinsicht, sich innerhalb des Systems befindlich, mag Wulff korrupt sein. So wie ich - und, Sie werden es nicht gerne hören, auch Sie selbst -, bis ins Mark, und zwar ohnmächtig ausgeliefert - selbst dann, wenn ich mit aller List und Tücke einen Ausweg suche: meine neueste Idee ist, auf Stromverbrauch zu verzichten, und deshalb stecke ich u.a LEDs - 0,3 Watt bei einem Vielfachen der Leuchtleistung einer Glühbirne - zusammen, fummel Widerstände dran und gehe früh schlafen."

Der große Unterschied ist, dass Sie sich nicht strafbar machen, wenn Sie verzweifelt versuchen Ihren Stromverbrauch zu minimieren und früh schlafen gehen. Deswegen finde ich diesen Vergleich etwas schräg.
L.Berit schrieb am 10.01.2012 um 09:31
@Keiner

"Nehmen wir z.B. den Kredit (...)"

Bitte, sehr gerne. Also:

man nehme einen anonymen Scheck über eine halbe Millionen Euro, hilfreiche "Freunde", die auf einen Eintrag im Grundbuch und einen notariellen Vertrag verzichten, ein Hirn , das denken kann, zähle eins und eins zusammen, und fertig ist der Hauskredit!

Auf die Rückzahlung des Darlehens wird verzichtet (diese ist zumindest noch nicht nachgewiesen worden) , mit Freundlichen Grüßen von den Geerkens.

HALLO?! Reicht das nicht?

Wenn das mal keine

"‘ungewöhnlich günstige Konditionen’",

sind (um in der Formel zu bleiben).

"Sie muss, u.a. wegen eines konstruierbaren Zusammenhangs zur Porsche-Übernahme, stehen bleiben, weil sonst auch insgesamt der ‘Schuft’ bröckelt."

Ach ja? Das finde ich gar nicht (siehe oben), allerdings stimmt es, dass dieser konstruierbare Zusammenhang das Bild sehr viel düsterer machen würde. Die Geschehnisse um die Porsche/VW im Herbst 2008 sind aber für sich genommen (!) schon düster genug (!).

"In dieser Hinsicht, sich innerhalb des Systems befindlich, mag Wulff korrupt sein. So wie ich - und, Sie werden es nicht gerne hören, auch Sie selbst -, bis ins Mark, und zwar ohnmächtig ausgeliefert - selbst dann, wenn ich mit aller List und Tücke einen Ausweg suche: meine neueste Idee ist, auf Stromverbrauch zu verzichten, und deshalb stecke ich u.a LEDs - 0,3 Watt bei einem Vielfachen der Leuchtleistung einer Glühbirne - zusammen, fummel Widerstände dran und gehe früh schlafen."

Der große Unterschied ist, dass Sie sich nicht strafbar machen, wenn Sie verzweifelt versuchen Ihren Stromverbrauch zu minimieren und früh schlafen gehen. Deswegen finde ich diesen Vergleich etwas schräg.
GeroSteiner schrieb am 10.01.2012 um 09:56
@keiner
Ein Text zum Einrahmen.
Chapeau.
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 14:32
@keiner

keiner schreibt:

"Wullf, wenn man sich seine Sicht der Dinge vor der Verurteilung denn doch mal anhören will (in diesen Tagen läuft das allerdings eher unter ‘Unwahrheiten, die das Bundespräsidialamt auf Anweisung zu verbreiten hat’), hat bei Diekmann wohl angerufen, weil er der Meinung war, dass er mit BILD die Absprache hatte, sie dürfe seinen Kreditvertrag einsehen, wenn sie im Gegenzug darauf verzichte, den oder die Kreditgeber zu nennen, sofern es sich nicht um Maschmeyer oder einen sonstigen Grossunternehmer handle."

Christian Wulff ist seit seiner niedersächsischen Zeit als Ministerpräsident, lt. Spiegel Bericht dieser Woche, berühmt berüchtigt für seine Angebote an Presseorgane zu prekären Tauschgegschäften.

BILD aufzuerlegen, den Kreditgeber, in diesem Fall Frau Edith Geerkens nicht zu nennen, hatte in zweierlei Hinsicht ein prekäres Geschmäckle. Einmal sollte dadurch mutmaßlich erreicht werden, dass weitere Recherchen Richtung Carsten Maschmeyer unterbleiben, zum Anderen sollte von BILD die Kröte geschluckt werden, dass eine eigentlich als vermögenslos geltende Gattin des Unternehmers Egon Geerken mit einem Mal in der wundersamen Lage ist, über 500. 000.- € , "mir nichts dir nichts" an Christian Wulff als Privat- Darlehn zu vergeben, ohne im Grundbuchregister von Großburgwedel als Kreditgberin für die Wullfsche Immobilie zu erscheinen. Gibt es hier womögliche einen Anfangsverdacht der Beiihlfe zur Steuerhinterziehung von Schenkungssteuern des Herrn Egon Geerkens an seine Gattin Edith. Gibt es hier womöglich einen Mutmaßungen, dass Christian Wulff andere kreditgebende Banken Hinweise auf dieses Privatdarlehn vorenthält (Anfangsverdacht von Kreditbetrug?), weil dieses Darlehn nicht als besicherte Grundschuld im Grundbuchregister von Großburgwedel für die Wulffsche Immobile ausgewiesen ist?
Macht Bundespräsident Christian Wullf also BILD Redakteure zu Mitwisssern, gar Komplizen seiner prekären Art in Geldangelegenheiten unterwegs zu sein?

Musste BILD, um sich selber vor Anfangsverdächten irgendwelcher Mitwisserschaft, gar Beihilfen zu schützen, den Namen der Kreditgeberin, Frau Edith Geerkens auf jeden Fall veröffentlichen?
Hat BILD aus fürsorglicher Umsicht gegenüber Christian Wulff die Idenifizierung und Veröffentlichung der Kreditgeberin als eigene Recherche ausgegeben?

Das will Christian Wulff bis heute anders sehen.
Das zumindest ist sein gutes Recht.

Ich empfehle Christian Wulff als Person.

"aufit altera pars"
tschüss
JP
cuchulainn schrieb am 10.01.2012 um 14:37
@keiner, 09.01.2012 um 23:25

mir ist völlig unbegreiflich, warum dieser kommentar in so seltener eintracht gelobt wird - er ist grottenschlecht formuliert, watet lieber durch fünftausend details hindurch statt auch nur ein einziges mal wirklich auf den punkt zu kommen, versteckt aussagen hinter fünf gedankenstrichen statt sie im hauptsatz zu lassen, wo sie hingehören ... um aus so einem epischen traktat mehr zu machen als das kommentarungetüm, das es jetzt ist, müsste man schon james joyce sein - der sie, "keiner", aber gewiss nicht sind.

auch wenn es ziemlich schwer war, unter dem verquasten haufen, den sie uns hier vorgesetzt haben, sowas wie eine belastbare aussage hervorzuziehen - eine habe ich dann doch gefunden:

"Und die Forderung nach Transparenz? Einfach wirklich alles auf den Tisch zu legen? Das hatte Murdoch, Rupert in England schon fast durchgesetzt..."

transparenz - ja, da lacht das bürgerherz, schon gar, wenn im nächsten satz auch noch murdoch, rupert als die nemesis aller meinungsmacher dieser welt auftaucht.

erinnert sich hier noch jemand an die interviews, die die bbc damals mit george w. bush führte? bei denen ALLES auf den tisch kam, von gitmo über die un-charta bis zu den wahlfälschungen in florida? die dann auch tatsächlich ausgestrahlt wurden, trotz der offiziellen proteste des weissen hauses, die jack straw damals ebenso kurz und grandios abbügelte wie dem hinweis "it's called freedom of the press, I suppose"?

jetzt vergleicht das mal mit typen wie deppendorf, die es in sendern wie dem "ersten" noch nicht einmal auf die reihe kriegen, dem EIGENEN staatsoberhaupt auch nur eine kritische frage zu servieren, und ihr wisst, dass ihr in puncto england lieber den rand haltet als mit den fingern zu zeigen.
keiner schrieb am 10.01.2012 um 14:42
@ Christianberlin et al.

Sie haben Recht mit Ihrer Darlegung zu Übler Nachrede:

§ 186
Üble Nachrede

Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

§ 188
Üble Nachrede und Verleumdung gegen Personen des politischen Lebens

(1) Wird gegen eine im politischen Leben des Volkes stehende Person öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) eine üble Nachrede (§ 186) aus Beweggründen begangen, die mit der Stellung des Beleidigten im öffentlichen Leben zusammenhängen, und ist die Tat geeignet, sein öffentliches Wirken erheblich zu erschweren, so ist die Strafe Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren.

(2) Eine Verleumdung (§ 187) wird unter den gleichen Voraussetzungen mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

Ihre juristische Einschätzung ist also, so weit ich das beurteilen kann, im Gegensatz zu dem, was ich oben geschrieben habe, völlig korrekt! Allerdings möchte ich Sie doch noch mal ausdrücklich auf die Einschränkung “wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist,” hinweisen, die Beweislast scheint mir bei demjenigen zu liegen, der die Tatsache behauptet.

(Drucklegung: Das machen die hier glaube ich nur, wenn sie meinen Klarnamen kennten, und damit ist das Thema vom Tisch. Da argumentiere ich intern - also ich & ich - genauso, wie ich es hier nicht leiden kann (Wulff kennt Maschmeyer, also thumbs down) und finde ganz eindeutig: Augstein kennt Blome, und damit wird’s gefährlich, BILD ermittelt und so. (Ist natürlich klar, dass ich Dreck am Stecken hab, der nicht rauskommen soll. Schafe ficken, z.B.. Oder auch mal ‘ne Ziege... Denn wer nichts zu verbergen hat, braucht auch, Transparenz usw.)

Und damit sind wir bei den Geerkens, und als erstes fällt mir auf, wie selbstverständlich Sie eine Absprache mit BILD mit der mit einer Strafverfolgungsbehörde vergleichen, und det ist doch nun wirklich Bock als Gärtner hoch drei, oder?

Und klar komme ich Ihnen mit ‘war die Frau’: Ich finde es ein ziemlich antiquiertes Rollenverständnis, wenn selbstverständlich sein soll, dass die eh nur das tut, was ihr Mann ihr sagt, und auch, dass der bei den Gesprächen dabei war, macht ihn nicht zum Vertragspartner (wird auch kein Anwalt, der berät).

Bleibt noch die Gütergemeinschaft: Meine Frau und ich haben neulich mal über einen Ehevertrag, also Gütertrennung nachgedacht und uns kundig gemacht: Wir könnten genauso gut das Geld in die Mülltonne stopfen, freuen sich wenigstens Müllmänner und nicht der Notar.

Trotzdem gibt es deins und meins (und auch unseres) bei uns. Viel wichtiger aber: Um den Landtag vorsätzlich belogen zu haben, müsste Wulff von der Gütergemeinschaft der Geerkens gewusst haben.

BILD hat im übrigen, soweit ich das beurteilen kann, nicht argumentiert, sie seien nicht mehr an die Zusage gebunden, weil sie ne Art MG (hallo?) im Kofferraum gefunden hätten, sondern es habe so eine Absprache nicht gegeben.

Usw. Ihr Irrtum - und der der Bildzeitung - besteht offensichtlich in deren Verwechslung mit der Staatsanwaltschaft, da würde die Sache hingehören, die könnten nachprüfen, ob es den Wulffschen Dauerauftrag wirklich gegeben hat, ob nicht Maschmeyer doch irgendwas mit dem Bundesbankscheck zu tun hat, wie Sie es hier permanent nahelegen.

So eine Anzeige oder Ermittlung scheint es aber nicht zu geben, sondern bisher ist nur klar, dass Wulff deshalb zurücktreten muss.

Und, @Popkontext, mich ätzt es selbst an, dass ich mich hier die ganze Zeit als Wulffverteidiger betätige. Wenn ich Ihnen auch noch mitteile, dass ich andernorts noch den amerikanischen Präsidenten gegen Formulierungen in Kommentaren verteidige, die offensichtlich nur ich alleine für rassistisch halte und es darüber hinaus mein Hobby ist, irgendwelche Gartenblogs zu sprengen, indem ich dort die ausuferndsten Betrachtungen über das unethische Fällen von alten Solitärbäumen anstelle, die in jedem Garten fehl am Platz sind, weil sie jegliches Wachstum unter sich ersticken, können Sie bestimmt verstehen, dass ich jetzt erst mal in mich gehen muss.

Der Vergleich zur Spiegel-Affäre sollte allerdings, genau wie Sie es auch sehen, die Relationen eher klarmachen und nicht verschleiern. Vielleicht hätte ich noch hinzufügen sollen: da tun sich ja Abjründe auf!

Aber bevor ich mich in meine Hütte ohne Netzanschluss und fliessendes Wasser zurückziehe (nochmal @ Christian: ich finde, Sie unterschätzen die Korruption per Lebensstandard. Es kann sein, dass es ganze Palmölplantagen in ehemaligem Regenwald gibt, die allein den Energiebedarf für ‘noch mal eben zur Tanke fahren und Zigaretten holen’ decken. Und die Fair-Trade Bewegung zeigt doch, dass es beim Hunger in der Welt nicht, wie im West(r)n, um ein paar schmutzige Dollar mehr, sondern um ein paar Cent weniger geht.)

Und dies noch, @ L.Berit (“man nehme einen anonymen Scheck über eine halbe Millionen Euro, hilfreiche "Freunde", die auf einen Eintrag im Grundbuch und einen notariellen Vertrag verzichten, ein Hirn , das denken kann, zähle eins und eins zusammen, und fertig ist der Hauskredit!” Auf die Rückzahlung des Darlehens wird verzichtet (diese ist zumindest noch nicht nachgewiesen worden) [...] Wenn das mal keine "‘ungewöhnlich günstige Konditionen’"sind (um in der Formel zu bleiben).”)

Nicht nachgewiesen (dass es den Dauerauftrag an Frau Geerkens gab) heisst nicht bewiesen, dass nicht, und mein Hirn meldet, dass es sich bei einem Kredit, der auf Grundbucheintrag und notariellen Vertrag verzichtet, nicht um einen Immobilienkredit handelt, bei dem solche Konditionen tatsächlich unüblich wären. Sie sind es aber weder bei einem Privatdarlehen noch bei einem Euriborkredit mit Zinsrisiko beim Kreditnehmer, und üblich ist wohl auch in beiden Fällen nicht, dass dem Kreditnehmer vorgeschrieben würde, er dürfe das geliehene Geld nicht so ausgeben, wie er es will, etwa keinesfalls zum Erwerb einer Immobilie. Ich finde das auch eine hermetische Argumentation: Es handelt sich offensichtlich nicht um einen Immobilienkredit, weil aber mit dem Geld kein Porsche gekauft wurde (dann wär wahrscheinlich endgültig Schluss), sondern ein Haus, ist es eine Schweinerei, dass die Konditionen gelten, die für einen Nicht-Immobilienkredit üblich sind..

Ausserordentlich interessant, finde ich Ihre Überlegungen, @ Freitagsblogger, und möchte ergänzend auf die Kommentierung der FAZ im Fall zu Guttenberg und aktuell zu Wulff hinweisen. Während sich zu Guttenberg schon mit den Plagiatsvorwürfen konfrontiert sah, durfte ihn einer der FAZ-Herausgeber, Bertold Kohler, exklusiv nach Afghanistan begleiten und von dort berichten.

m.faz.net/cmlink/mit-guttenberg-in-afghanistan-an-zwei-fronten-1594642.html

Von Jüngers ‘Stahlgewittern’ (gerade wieder (Wulff: ‘Ich auch!) aktuell) bis zu Dolchstosslegende: dieser noble Feldherr kann nur an der Heimatfront besiegt werden.

Und Wulff? Kohler: “Wulff hatte sich mit seinen Reden über „die bunte Republik“ und dem zu Deutschland gehörenden Islam einen Bonus bei den linken Parteien erworben. Doch selbst ihnen wurden Wulffs Windungen zuletzt zu bunt.”

hier:

www.faz.net/aktuell/politik/inland/debatte-ueber-den-bundespraesidenten-die-bunte-replik-11597595.html

@ JA: Danke für’s Lob, Sie haben, wie man bei Boxern sagen würde, Nehmerqualitäten, die beeindrucken.

Ihre Idee der Zusammenfassung liesse sich doch vielleicht auch anders umsetzen als in Druckerschwärze, etwa als Editierung der Debatte an neuem Ort innerhalb des Forums. Die Bewertungen (allerdings nicht als Durchschnitt) könnten dann mit zu einem Auswahlkriterium werden. Mein Eindruck ist nämlich auch, dass vielerorts der Freitag als Steinbruch genutzt wird, und das nützt Ihnen so auch nicht viel.

Und noch einmal: Ihre Ordnungsliebe setzt sich anscheinend in sehr fragwürdigen Moderationsentscheidungen fort, und wenn Sie tatsächlich an einem Korrektiv interessiert sind, können Sie es sich nicht leisten, Blogger wie etwa Dame von Welt zu vergrämen oder eine Rahab gar zu sperren!
keiner schrieb am 10.01.2012 um 15:09
@cuchulainn, hatte ich gerade noch nicht gelesen:

Ich finde Guantanamo, Un-Charta oder die Wahlfälschung in Florida nicht vergleichbar mit den Vorwürfen, die gegen Wulff im Raum stehen.

Insofern hinkt meiner Meinung nach auch der Vergleich zwischen dem Deppendorf/Schausten Interview und dem der BBC, und - nein, neuer Satz:

Ausserdem finde ich nicht, dass es die Boulevardpresse in England entlastet, wenn die BBC gute Arbeit leistet.

P.s. Auch wenn es sich bei meinem Kommentar oben also bestenfalls um einen stream of foolishness handelt, möchte ich für diesen Fall nicht die freedom of press in Anspruch nehmen, sondern beantrage hiermit eine jester's licence, bevor ich den 'Rand halte', vielen Dank!
cuchulainn schrieb am 10.01.2012 um 16:04
@keiner, 10.01.2012 um 15:09

grad hab ich geschimpft, jetzt lobe ich: dass sie es sportlich nehmen und jetzt nicht beleidigt sind, weil sie die sache auf sich und nicht auf das gesagte beziehen, finde ich gut. es zeichnet sie auch vor der mehrzahl der kommentaristen aus.

zum thema:

nichts läge mir ferner, als die bouleardpresse zu entlasten, indem ich der bbc einen kranz winde - allein, die sache so zu deuten, ist schon kurios, wie soll das auch gehen? aber gut, nehmen sie mal ein anderes beispiel: der spiegel hat seinerzeit über george bush getitelt: "barbar in zivil".

geht das bei ihnen in ordnung nach allem, was sie über das menschenjagen bei der presse oben geschrieben haben? und wenn ja, warum? weil der bush nunmal ein ... nunja, ein "schuft" ist und es ihm grad recht geschieht? will sagen: weil sie die STELLUNG zur PERSON george bush teilen und also über die eine oder andere entgleisung in der SACHE - hier: ausschluss aus der "zivilisierten" abteilung der menschheit - dann schonmal hinwegsehen, wenns der (im zweifel kompensatorische) zweck erfordert?

ich finde es halt einmal mehr höchst interessant, welche ansichten man in deutschland nach wie vor über die presse und "die medien" ganz generell pflegt. journalisten sind dem hierzulande üblichen ideal nach beamte, die von amts und berufs wegen der wahrheit verpflichtet sind.

dass die süddeutsche oder die FR (oder was es da sonst noch an heiligen linksliberalen kühen gibt) nicht weniger, sondern halt nur anders interessiert lügen als die bild, weil sie eine andere politische räson verfechten, und dass mediatisierte öffentlichkeit keine angelegenheit von richtig/falsch bzw. wahr/gelogen ist, sondern im diskurs erst verhandelt wird - wurst.

das ist genau die art extremistischer vernunft, die dann bei tat- und gewaltbereiteren naturen zu den ergebnissen führt, die dann dem verfassungsschutz, dem LKA oder einem anderen department der polente zur betreuung überantwortet werden.
L.Berit schrieb am 10.01.2012 um 17:27
@ Keiner

"Nicht nachgewiesen (dass es den Dauerauftrag an Frau Geerkens gab) heisst nicht bewiesen, dass nicht, und mein Hirn meldet, dass es sich bei einem Kredit, der auf Grundbucheintrag und notariellen Vertrag verzichtet, nicht um einen Immobilienkredit handelt, bei dem solche Konditionen tatsächlich unüblich wären. Sie sind es aber weder bei einem Privatdarlehen noch bei einem Euriborkredit mit Zinsrisiko beim Kreditnehmer, und üblich ist wohl auch in beiden Fällen nicht, dass dem Kreditnehmer vorgeschrieben würde, er dürfe das geliehene Geld nicht so ausgeben, wie er es will, etwa keinesfalls zum Erwerb einer Immobilie."

Ich frage mich gerade, was das für einen Unterschied macht? Ob nun Immobilienkredit oder Privatdarlehen: Gehen Sie doch mal zu der Bank Ihres Vertrauens und fragen mal nach, wie so die Chancen auf einen 500 000 Euro Kredit stehen - so ohne Sicherheiten.
Außerdem, wenn es von Anfang an um einen Privatkredit gegangen sein sollte, wieso ist Wulff dann nich gleich zu einer Bank gegangen, zur BW-Bank z.B., mit den besseren Zinskonditionen?

Weiters: warum hantiert Geerkens mit einem ominösen Bundesbank-Scheck rum, wo er doch als "Geschäftmann in Rente" seit Jahren in der Schweiz lebt? Ich nehme an, dass sich Geerkens Konton dann logischerweise auch in der Schweiz befinden. An einem Konto in Deutschland dürfte allein schon aus steuerlichen Gründen wohl kaum ein Interesse bestehen.

Überhaupt wirft der anonyme Scheck ein ganz unseriöses Licht auf diese Finanztransaktion.

Fragen über Fragen...

Nein, nein, viel wahrscheinlicher erscheint mir die folgende Theorie (siehe Beitrag #519):

forum.spiegel.de/f22/ankuendigung-im-tv-interview-wulff-bricht-sein-versprechen-51779-52.html#post9428059

-

Man muss sich hier mal klar machen, welcher Vorwurf hier im Raum steht. Jeder kleine Beamte muss bereits bei dem Anschein (!) einer Vorteilsnahme den Hut nehmen. Und diese dubiose Konstellation stinkt ja nun wirklich zum Himmel.

Und der Hauskredit ist ja nur einer von vielen Affären. Und jede einzelne ist einfach "too much"-zumindest für meinen Geschmack. Aber vielleicht bin ich auch nicht "links" genug und dann doch einbisschen zu "wertkonservativ", ich weiß es nicht...
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 18:14
@L.Berit

"Weiters: warum hantiert Geerkens mit einem ominösen Bundesbank-Scheck rum, wo er doch als "Geschäftmann in Rente" seit Jahren in der Schweiz lebt? Ich nehme an, dass sich Geerkens Konton dann logischerweise auch in der Schweiz befinden. An einem Konto in Deutschland dürfte allein schon aus steuerlichen Gründen wohl kaum ein Interesse bestehen"

Nicht nur das.
Wenn Cristian Wulff als Ministerpräsident von einem Herrn Geerkens Geld aus der Schweiz überwiesen bekommt, geht das gleich registriert über die Kontenaufsicht der Bundesbank, die über alle Ein- und Abgänge von Valutageld nach Deutchland die automatisierte Aufsicht wahrnimmt. Gilt Herr Geerekens womöglich bereits als Schweizer Staatsbürger, hätte Christian Wulff das Geld von einem Ausländer mit deutscher Herkunft erhalten.

Um all diese Vorgänge zu verschleiern, wurde der Deal mutmaßlich über einen namenlosen Bundesbankscheck abgewickelt.

Notwendig war das mutmaßlich erst, nachdem Der Spiegel auf dem Rechtsweg über mehrere Gerichtsinstanzen Einblick ins Grundbuch von Großburgwedel wg. Wulff eingeklagt hat.

Musste jetzt ein Weg konstruiert werden, der ein "Dankeschön- Geschenk" von namenlos Dritter Seite in Höhe von 520.000.- € über allerlei Umwege in ein Darlehn wandelte, das rechtlich uneinsehbar, wie unnfechtbar, womöglich letzendlich gar nicht zurückgezahlt wird?
L.Berit schrieb am 10.01.2012 um 20:00
"Notwendig war das mutmaßlich erst, nachdem Der Spiegel auf dem Rechtsweg über mehrere Gerichtsinstanzen Einblick ins Grundbuch von Großburgwedel wg. Wulff eingeklagt hat."

Und genau daran ist doch zu erkennen, wie wichtig die Arbeit der Presse in diesem Fall war und ist. Nicht selten werden Ermittlungsverfahren erst durch die Recherchearbeit von Journalisten und dem daraus resultierenden öffentlich Druck eingeleitet. Für die Klärung aller rechtlichen Fragen ist dann natürlich ein Gericht zuständig. Allein: Wulff geht wieder zum "Business as usual" über: 'Fragen der Journaille beantworten?! - Ich doch nicht!'

Ich frage mich, wie in dieser Sache genügend "öffentlicher Druck" aufgebaut werden kann, wenn sich jetzt ausgerechnet "Linke" derart vehement auf die Bildberichterstattung kaprizieren und im Gegenzug mit zT. hahnebüchenen Erklärunsversuchen Wulff zum Opfer stilisieren.

Am skandalösesten finde ich, dass Frau Merkel immernoch an diesem Präsidenten festhält.
Im Sozialismus soll man ja auch einen lockereren Umgang mit der Annahme von "Geschenken" gehabt haben - vielleicht liegt es daran.
Jedenfalls ist es sicher kein Zufall, dass die UN-Konvention gegen Korruption unter ihrer Regierungsführung immer noch nicht ratifiziert worden ist. Vielleicht gibt die Causa Wulff ja hier den nötigen Anstoß. Es wäre zu wünschen...
L.Berit schrieb am 10.01.2012 um 20:01
@Joachim Petrick
"Notwendig war das mutmaßlich erst, nachdem Der Spiegel auf dem Rechtsweg über mehrere Gerichtsinstanzen Einblick ins Grundbuch von Großburgwedel wg. Wulff eingeklagt hat."

Und genau daran ist doch zu erkennen, wie wichtig die Arbeit der Presse in diesem Fall war und ist. Nicht selten werden Ermittlungsverfahren erst durch die Recherchearbeit von Journalisten und dem daraus resultierenden öffentlich Druck eingeleitet. Für die Klärung aller rechtlichen Fragen ist dann natürlich ein Gericht zuständig. Allein: Wulff geht wieder zum "Business as usual" über: 'Fragen der Journaille beantworten?! - Ich doch nicht!'

Ich frage mich, wie in dieser Sache genügend "öffentlicher Druck" aufgebaut werden kann, wenn sich jetzt ausgerechnet "Linke" derart vehement auf die Bildberichterstattung kaprizieren und im Gegenzug mit zT. hahnebüchenen Erklärunsversuchen Wulff zum Opfer stilisieren.

Am skandalösesten finde ich, dass Frau Merkel immer noch an diesem Präsidenten festhält.
Im Sozialismus soll man ja auch einen lockereren Umgang mit der Annahme von "Geschenken" gehabt haben - vielleicht liegt es daran.
Jedenfalls ist es sicher kein Zufall, dass die UN-Konvention gegen Korruption unter ihrer Regierungsführung immer noch nicht ratifiziert worden ist. Vielleicht gibt die Causa Wulff ja hier den nötigen Anstoß. Es wäre zu wünschen...
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2012 um 12:15
@keiner

Lieber keiner,

danke für die ausführliche Antwort.

Usw. Ihr Irrtum - und der der Bildzeitung - besteht offensichtlich in deren Verwechslung mit der Staatsanwaltschaft, da würde die Sache hingehören, die könnten nachprüfen, ob es den Wulffschen Dauerauftrag wirklich gegeben hat, ob nicht Maschmeyer doch irgendwas mit dem Bundesbankscheck zu tun hat, wie Sie es hier permanent nahelegen.

So eine Anzeige oder Ermittlung scheint es aber nicht zu geben, sondern bisher ist nur klar, dass Wulff deshalb zurücktreten muss.


Dazu will ich noch mal klar sagen:

Im Unterschied zu @JA et alii fordere ich den Rücktritt, sondern so eine Ermittlung (oder die freiwillige schnelle Aufklärung durch Vorlage der entsprechenden Dokumente).

Wegen der sehr hohen Immunität des Präsidenten wäre das ganze eher ein Thema für einen U-Ausschuss als für die Staatsanwaltschaft. Dann liegt aber keine "Verwechslung" vor, denn U-Ausschüsse wurden sehr häufig von den Medien angeregt, und manchmal auch gezwungen, die Akten wieder zu öffnen, wenn sich durch neue Berichte herausstellte, dass gelogen wurde.

LG Christian
Miss Boner schrieb am 09.01.2012 um 23:36
Ich bin weder Freund der CDU, noch hätte ich als Abgeordneter den aktuellen Präsidenten gewählt.

Die Jauch Gesprächsrunde gestern empfand ich extrem lächerlich und scheinheilig.

Dieser Bibelkreis, angeführt von Bild-Chefredakteur Nikolaus Blome, daneben der Spiegel-Chefredakteur Georg Mascolo mit einer naiv übergöttlichen Vorstellung eines Präsidenten, flankiert von Rechtsanwalt und Schriftsteller von Schirach, der zuvor einen Mix von Poppers und Schlafmittel genommen haben muss - gab sich als eine Horde von verlogenen Moralaposteln. Ich war froh, dass Bernhard Vogel bei diesem Volksgericht wenigstens Contra geben durfte.

Blome, der vor wenigen Monaten noch Titelbetrüger KTG, ohne mit der Wimper zu zucken, in jeder sich anbietenden Talkrunde verteidigte, spielte sich zum Hüter der Moral auf. Vetrauliche Telefongespräche, die die BILD nicht ohne Zustimmung Wulffs veröffentlichen wollte, werden nun im neuen SPIEGEL zu sehen sein.

Und wie sie alle gekuscht haben, nur nichts kritisches gegen die BILD zu sagen, abgesehen von einem zahmen Jauch-Einspieler mit Döpfner Zitat. Katrin Göring-Eckardt war da ganz auf Linie mit dem feinen Herrn von BILD!

Überhaupt, welcher Prominente mit den Ausnahmen von Charlotte Roche und und wenigen Anderen, traut sich gegen die BILD anzugehen? Ein Schalk wer da Ängste sieht. So kommen wir dann zur Pressefreiheit.

Die Argumente gegen Wulff und seine Darstellung der Dinge im Fernsehen haben mir zumindest genügt um die Sache dahin zu sortieren, wo sie meiner Meinung hingehören: ins Archiv.

Was dessen Anruf bei Herrn Diekmann angeht: Auch in der Wortwahl nachvollziehbar. Dieses Blatt, welches zu 38% aus Sexismus, 42% Stammtischgeprolle und weiteren 20% Sportteil besteht - ist doch seit jeher im Krieg gegen eine halbwegs korrekte Berichtserstattung. BILD lügt und VERLETZT eben schon seit vielen Jahrzehnten und dabei vernichtet sie auch Existenzen. Da muss man tatsächlich nicht den Blom zum Gärtner machen.

Sicherlich ist es absolut dämlich von Wulff sich im Vorfeld derartig der Gelben Presse anzudienen, diesen Fehler machte auch KTG, der sich mit BILD und Kerner zum Kanzlerkandidaten küren lassen wollte.

Aber bitteschön: die Freiheit der Presse war mit diesem Anruf zu keinem Zeitpunkt bedroht. Das ist die größte Lächerlichkeit bei dieser Diskussion, insofern der Beschuldigte sich tags darauf persönlich wieder entschuldigt hat.

Ich empfinde es, gemessen am eigentlichen Vorwurf, eher bedenklich wie die BILD mit privaten Gesprächen umgeht.

Hier geht es am Ende doch vor allem nur um eins: die Auflage.
Manche sagen auch Kampagne dazu.

Fazit: Das künstliche Aufbrausen zeigt nur eins, wir scheinen keine dringlicheren Probleme zu haben. Die Dinge, die hier augenscheinlich unter den Teppich gekehrt werden sollten, erzürnen mich nicht.

Wo bleiben die Schlagzeilen, der Aufschrei und die penetrant nachdringlichen Fragen der Presse bei der Regierung zu den Themen:

• Deutschland Waffenimporte
• Rechtsextremismus, Umgang mit dem Fall des Zwickauer Trios

etc.

SPON schaue ich mir bis auf weiteres nicht mehr an. Der Wulffismus Virus scheint dort groteske Züge anzunehmen.

Ihre Chance Herr Augstein!
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 00:08
@Miss Boner
Ich finde zwar jetzt Ihre Sicht als Gegenpol auch zu einseitig, aber gerade als solcher auch wichtig. Danke!
Fritz the Cat schrieb am 09.01.2012 um 23:54
Lieber Herr Augstein,
ich bin erst seit ein paar Tagen hier angemeldet und sehr überrascht, dass Sie sich als Herausgeber an diversen Diskussionen beteiligen. Das bin ich von anderen Medienportalen nicht gewohnt, deshalb, sofern Sie selbst auf die Tasten hauen, zunächst mein Respekt!
Als jemand, der seit der Jugend mit BILD seine gewissen Probleme und auch keine Hemmungen in München eine Redaktion dieses Blattes zu verwüsten hatte, habe ich mit Interesse gelesen, wie Sie diese neue Position und Arbeitsweise dieser Zeitung beurteilen und beschrieben haben und vor allem, Sie haben Recht mit Ihrer Einschätzung dieser neuen "Strategie" dieser, von vielen noch als BLÖD eingestuften Publikation.
Letztlich, und das weiß ich aus eigener Erfahrung, arbeitet das Springersystem, egal ob BILD oder Welt, oder Abendblatt in Hamburg, Mopo in Berlin etc. immer auf der gleichen Welle.
Man schickt auch lieber den eloquenteren Blome statt den gegeelten Diekmann vor die Kameras, aber das gehört nun einmal zum Geschäft.
Das Problem liegt doch eigentlich ganz woanders.
Wenn Sie, zutreffend, feststellen, dass die BILD mittlerweile journalistisch in Bereiche vorstößt, die ihr bis dato verwehrt waren, dann muss man sich doch fragen, warum das passieren kann.
Das kann doch nur passieren, weil SZ, Spiegel, Zeit und einige andere dieses Terrain nicht mehr bedienen können, oder aber, was eine Kapitulation bedeuten würde, aus welchen Gründen auch immer nicht mehr bedienen wollen.

mfg
gvg
Thomas Maier schrieb am 10.01.2012 um 00:06
Lieber Herr Augstein, vielleicht vermag folgender Artikel Ihnen etwas näher zu kommen: thomasmaier.me/blog/2012/01/05/wulffburger/
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 00:48
Aus "Wulffbürger":
>>Nega­ti­vi­tät, das heißt, Feh­ler zu machen, all­ge­mei­ner gespro­chen auch Leid zuzu­las­sen, wird völ­lig aus­ge­blen­det.<<

Ich weiß, ich misch mich wieder ungefragt ein, aber die Tatsache, dass Augstein diesen Thread eröffnet hat, zeugt davon, dass er bereit war, viel Leid zuzulassen. :o)
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 00:58
@ Herr Katzer

Ich fühle mich regelrecht gewungen, mal zu bedauern, dass es Ihnen nicht einmal gelingt, den spöttischen Drive in einer Antwort herauszunehmen, den Sie dem Gastgeber dieser ganzen Veranstaltung hier widmen. Für mein Empfinden gehen Ihnen bei diesem Ton die Argumente unterwegs verloren..

Inhaltlich stehe ich Ihnen recht nahe.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 01:04
Chapeau!

Wir fühlen uns also beide "gewungen" - das wäre Guttenberg auch passiert - passiert also den Besten :o)
mcmac schrieb am 11.01.2012 um 09:06
Sehr geehrter Thomas Maier,

verlinken Sie Ihr Elaborat doch besser so:

www.freitag.de/community/blogs/thomasmaier/wir-wulffbuerger

Denn hier kommt der "liebe Herr Augstein" zudem in den Genuss einiger Kommentare zu Ihrer Seminararbeit.
freitagsblogger schrieb am 10.01.2012 um 01:13
Hallo Herr Augstein,

mich erstaunt die Naivität der Medien und leider auch Ihres Blattes immer wieder. Ich stelle mir die Frage, sind die alle wirklich so naiv oder tun sie nur so? Allein die Vorstellung, daß die Springer-Presse und dann noch die Bild-Zeitung aus auch nur halbwegs edlen Motiven handeln würde, ist absurd. Schauen wir doch einmal an, welche Fragen im Laufe der Zeit gestellt wurden:

Hat Wulff meldepflichtige Geschäftsbeziehungen zum Unternehmer Geerkens verschwiegen?
Waren das Geschäftsbeziehungen oder Privatkontakte?
Bekam Wulff ein Privatdarlehen von Geerkens oder doch nur von seiner Frau?
Hatte Wulff sich von Geerkens bei einem Immobiliengeschäft begünstigen lassen?
Hatte Wulff Geerkens während seiner Amtszeit in Niedersachsen begünstigt?

Letzten Endes zeigt sich wieder einmal: Ein korruptes System korrumpiert seine Vertreter. Wulff hatte genau dasselbe getan, was ein großer Teil der politischen Kaste schon immer tat und noch immer tut. Er zog persönliche Vorteile aus seinem Amt und erbrachte dafür Gegenleistungen. Das läßt sich mit einer sauberen und unabhängigen Amtsführung nicht vereinbaren, ist aber seit eh und je Praxis in diesem Staat.

Jetzt sehen wir wieder eine Medienkampagne gegen einen Bundespräsidenten. Der andere Bundespräsident, welcher aus dem Amt getrieben wurde, hieß Köhler. Zwei Fragen werden nicht gestellt:

1. Warum will man Wulff aus dem Amt entfernen?
2. Wer will Wulff aus dem Amt entfernen?

Es gab Zeiten, da hätten kritische Journalisten diese Fragen gestellt. Haben die heutigen Journalisten ihr Handwerk vergessen oder haben sie es niemals gelernt? Hintergrundrecherche? Was ist das?

Werden wir derzeit Zeugen eines weiteren Machtkampfes in der CDU?
Wulff hatte im August auf einer Tagung vor Nobelpreisträgern in Lindau den Aufkauf notleidend gewordener Staatsanleihen durch die EZB kritisiert. Wulff gehört der CDU-Seilschaft Anden-Pakt an. Zum Anden-Pakt gehören unter anderen auch Friedrich Merz und Roland Koch. Merkel, Merz, Koch: Da war doch mal was. Der Anden-Pakt opponierte mehrfach massiv gegen die Merkel und mag weder Frauen noch Ossies. Merkel ist Frau und Ossie. Kämpft der Anden-Pakt erneut gegen die Merkel-Fraktion? Worum kämfen die Seiten? Hatte Wulff das Pech in diesem Kampf auf der schwächeren Seite zu stehen? Ist die Bild-Zeitung das Sprachrohr der Merkel-Fraktion?

Erinnern wir uns an den Abschuß Köhlers. Köhler hatte bei einem Afghanistanbesuch die Wahrheit laut ausgesprochen. Er gestand ein, daß der Afghanistaneinsatz Beteiligung an einem Raubkrieg ist. Spiegel Online zitiert Köhler so:

"Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube, wir sind auf einem nicht so schlechten Weg."

Was wurde Köhler vorgeworfen? Zunächst Beschädigung des Amtes verbunden mit der Forderung nach Rücktritt. Nachdem er tat, wie ihm geheißen, nannten die gleichen Leute seinen Rücktritt eine Flucht. Niemand fragte, warum es denn so schlimm sei, wenn der Bundespräsident in Afghanistan die Wahrheit sagt. Hätte die Antwort lauten müssen, die Heimatfront wackelt und das Volk lehnt den Krieg ab? Hätte die Antwort lauten müssen, der Krieg war ein Fehler? Hätte die Antwort lauten müssen, den Krieg kann die NATO nicht gewinnen?

Das sind Themen, die ich im Freitag erwarten würde. Vom Spiegel nicht, von Bild schon gar nicht. Ich versichere Ihnen, hätten Sie und ihre Kollegen in den Qualitätsmedien ihre Pflicht erfüllt und solche Fragen gestellt, niemand würde dem Freitag oder einem anderen Medium verübeln, die gleiche Meinung wie Bild zu vertreten. So stehen Sie als Handlanger der Bild-Zeitung da.

Schönen Gruß
Freitagsblogger
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 01:35
Das sind die Fragen, die gestellt werden müssten.
Warum will BILD es so - und nicht anders? So schwer wie hierbei ist es mir die Beantwortung dieser Frage noch nie gefallen.

Bei Köhler ist es ja einfach. Der Direktor des IWF a.D. hatte nicht die Wahrheit gesprochen, sondern IWF-Interna ausgeplaudert. Wie hatte ihm das auch passieren können? Schlimm.

Bei Wulff? Keine Ahnung. Kommt noch. Vielleicht nahm alles diesen Lauf, weil Mr. Geerkens nicht ruhig zu stellen war? Hat der nicht das Ganze erst ins rollen gebracht? Weiß man schon gar nicht mehr, wonnich? Auch schlimm.
sisindi schrieb am 10.01.2012 um 01:54
@Freitagsblogger

1. Warum will man Wulff aus dem Amt entfernen?
2. Wer will Wulff aus dem Amt entfernen?"

Klar, nur auf diese beiden Fragen, die ich mir schon länger stelle, kommt es an.

Und ich bin mir sicher, an allerhöchster Stelle der einflussreichsten Medien kennt man auch die Antwort auf diese Fragen.
sisindi schrieb am 10.01.2012 um 02:01
Denn bei jedem ist etwas zu finden, es sei denn, er ist Eremit (und dann könnte er noch gegen das NaturschutzGesetz verstoßen haben:-))

Entscheidend ist nur, dass jemand auf der Abschussliste steht....Gründe lassen sich immer konstruieren....oder man stellt Fallen auf.

Nur zur Klarstellung: das soll keine Verteidigung für Wulff sein.
Charly.W schrieb am 10.01.2012 um 02:32
.....mich erstaunt die Naivität der Medien und leider auch Ihres Blattes immer wieder. Ich stelle mir die Frage, sind die alle wirklich so naiv oder tun sie nur so? ....

Hallo Freitagsblogger,

gestern gabs eine aus meiner Sicht sehr informative, aufklärende und erfrischenden TV Sendung zum Thema , die leider zu kurz war, um noch mehr von den vielen ins Volk gestreuten Verwirrspielchen zu enttarnen.
www.wdr.de/tv/hartaberfair/index.php5

Deshalb finde ich die ZDF " heute-show " sollte aus aktuellem Anlass ihren Winterschlaf für eine Sondersendung unterbrechen, um auch ihren Teil zur notwendigen aufklärenden Pressearbeit zu liefern – halt auf ihre ganz spezielle Art.

Ich denke da z.B. ans Nachstellen der für Kinder angekündigten "Micky Maus-Story” vom Hundepräsident Wuff und Kai Quiekmann ,dem Chefredakteur des "Enten-Kuriers", in einem Format für Erwachsene. www.welt.de/politik/deutschland/article13802248/Der-Hundepraesident-Wuff-bellt-in-Entenhausen.html

Ein Rededuell zwischen den selbsternannten Platzhirschen ”Wuff” und “Quiekmann” könnte sicher auch sehr aufschlussreich sein.

Ich möchte die Sache mit meinem Kommentar sicher nicht ins Lächerliche ziehen. Mir ist bewusst, dass es hier u.a. auch um den Erhalt unserer Demokratie geht in der es ganz wichtig ist, dass im Sinne der Allgemeinheit bestimmte Regeln eingehalten werden, was in unserer kapitalistischen Egogesellschaft leider immer weniger Beachtung findet.

Wenn schon der amtierender Bundespräsident zugeben muss, dass er besser vor Amtsantritt einen Kursus zum Thema demokratische Grundregeln belegt hätte, dann haben das sicher auch viele andere auch nötig.

Soweit ich das mitbekommen habe, heißt passenderweise das nächste Thema bei Frank Plasberg “ Demokratie” mit dem StudioGast Franz Lammert, unserem Bundestagspräsidenten.

Gruß Charly W.
weinsztein schrieb am 10.01.2012 um 03:11
@Freitagsblogger
Sie sind kein Blogger in der Freitag-Community, Sie deuten aber an, einer zu sein, hier, beim Qualitätsmedium.
Sie bedienen sich schnipselhaft der Argumente hiesiger Autorinnen und Autoren zu dieser spannenden und sehr angenehm kontroversen Diskussion in diversen Blogs zum Thema.
Und teilen am Ende mit, dass Ihr "Hallo Herr Augstein" als "Handlanger der Bild-Zeitung" dastehe. Dies auch der Naivität seines Blattes geschuldet.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 03:35
@weinsztein
Naja, der Hinweis darauf, warum die Fragen nicht gestellt werden ist schon richtig, nicht nur an den Freitag, der vielleicht gar nicht die entsprechenden Kapazitäten hat. Vom Spiegel dagegen würde ich schon die entsprechende Recherche erwarten, vom Freitag zumindets die Anerkennung der Tatsache, dass es diese Fragen gibt und eine Aufarbeitung / Diskussion, wie sie mit dem vorhandenen Pool an Mitarbeiter/innen und Finanzen möglich ist.

Oder (zumindest ergänzend) eben, wie es Augstein oben irgendwo im Überschwang vorgeschlagen hat, auch durch die Blogger/innen. Nur darf das dann nicht so ein spontanes Zusammengestoppel von Kommentaren sein, wie es das dann wenn überhaupt wird, sondern eine gezielte Textsammlung. Dafür ist der Zug jetzt aber zeitlich wahrscheinlich schon abgefahren. Da müsste man regelmäßig bei "heißen" Themen (oder auch Hintergrundgeschichten) zu Diskussionrunden, aus denen dann auch Artikel entstehen können, wenn was Substantielles dabei rumkommt, aufrufen.
SiebzehnterJuni schrieb am 10.01.2012 um 06:20
@Freitagsblogger

"...So stehen Sie als Handlanger der Bild-Zeitung da..."

Welcher Handlanger von wem sind Sie eigentlich?
claudia schrieb am 10.01.2012 um 09:50
>>Werden wir derzeit Zeugen eines weiteren Machtkampfes in der CDU?<<
Ich kann mir auch eine Intrige der CSU vorstellen.
Da soll es Leute geben, die allerbeste Beziehungen zum Hause Springer haben. Und Ambitionen.

---
Der "Fall Wulff" ist wieder mal eine Spitze des Eisberges, von dem wir ja eigentlich wissen, dass er existiert. Was sag ich, Spitze, ein kleines Kriställchen.

Der Brave Bürger ist so konfiguriert, dass BILD nur auf die Datei 'Empörung.exe' im Kopfe klicken muss und die Partialempörung nimmt ihren Lauf. Nicht über das Ganze, sondern halt nur über den von "BILD dir unsere Meinung" gewollten Einzelfall, und nur über den Vorteilsnehmer und nicht über seine Korrupteure.
Der von BLÖD empörte Bürger denkt nicht darüber nach, warum BLÖD ihn gerade über diesen "Fall" und zu dieser Zeit empört.
KarinL. schrieb am 10.01.2012 um 13:25
@Freitagsblogger,

sehr treffend formuliert. Genau darum geht es mir auch. Nämlich um die wahren Hintergründe und nicht nur an der Oberfläche kratzen!

Zum Thema Wulff und "Jagd" hatte ich auch einen Blog verfasst. Da kamen aber nur wenige Reaktionen seitens der Community. Ich gebe zu, er war sehr provokativ formuliert und richtete sich an das "Selbstbild" der Leser. Nun ja, ich kann nur "einfache" Worte formulieren, da ich eben kein studierter Journalist bin. Ich denke aber, dass jeder verstanden hatte worum es überhaupt geht.

Meine Annahme ist die, das eigentlich die meißten nicht wirklich an der Wahrheit interessiert sind. Sonst wären hier andere Kommentare aufgetaucht.

Und ich gebe Ihnen recht....in so fern hebt sich der Freitag nicht wirklich von den Mainstreammedien ab.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 05:28
Ein sehr guter Text von Niggemeier zum Thema, der so dem Freitag auch gut gestanden hätte:
www.stefan-niggemeier.de/blog/vom-glueck-bild-zu-sein/
ChristianBerlin schrieb am 10.01.2012 um 08:50
@JA

Mit Stefans BlogEintrag ist auch Ihre Frage beantwortet:

Warum glaubt man überhaupt, nicht gegen Wulff sein zu könenn und gleichzeitig die eigene Kritik an der Bild Zeitung aufrecht erhalten zu können?

Das kann ein Journalist vom Schlage Niggemeiers glauben und tun, weil die Sprachkompetenz und den analytsichen Blick hat, um überzeugend beides zu können. Ihre und meine Leserin möchten dasselbe tun, beiden fehlen aber die Schlüsselfertigkeiten, um über ein Urteil des Herzens treffsicher und unangreifbar hinauszukommen. Aber unmöglich ist das nicht, das hat Stefan wieder mal erstklassig unter Beweis gestellt.

Meine Gegenfrage @JA wäre:

Wenn Sie meinen, dass beides geht, und auch beides richtig ist und zusammengehört, warum tun Sie es nicht?

Wenn jetzt keine überzeugende Antwort kommt, werde ich Phoenix vorschlagen, in Zunkunft "Niggemeier & Blome" zu senden, das könnte spannender werden.

LG Christian

PS: Leider lässt auch Stefans Argumentation zumindest einen relevanten Gesichtspunkt außen vor. Seine stärkste Stelle ist m.E.

Das Dokument, mit dem “Bild” von der Verbindung zu den Geerkens erfuhr und die Frage aufwerfen konnte, ob Wulff das niedersächsische Parlament 2010 belogen hat, bekam das Blatt also vom Präsidentensprecher selbst. Strittig ist, unter welchen Voraussetzungen: Wulff sagt, Heidemanns habe versprochen, den Namen des Kreditgebers nicht zu nennen. Das erklärt vermutlich auch seinen Zorn und seine Drohung mit strafrechtlichen Schritten. Heidemanns sagt, er habe vor Ort diese Forderung ausdrücklich abgelehnt, und Glaesekers habe ihm das Dokument dann trotzdem gezeigt.
Ich weiß natürlich nicht, wer die Wahrheit sagt. Aber ich weiß, wer Martin Heidemanns ist. Er ist bei Menschen, die mit ihm zu tun haben mussten, ein besonders verhasster “Bild”-Mann. Seine Drohungen und auf die Betroffenen erpresserisch wirkenden Methoden sind berüchtigt.
Und auf diesen Mann glaubt der Bundespräsident seine Entlastungsstrategie aufbauen zu können? Ihm lässt er die entscheidenden Dokumente zeigen? Ich weiß nicht, ob Heidemanns Stillschweigen versprochen hat oder nicht. Es ist aber auch vollständig egal, da man schon außerordentlich blauäugig sein muss, um ihm zu trauen.


Es ist tatsächlich vollkommen egal, aber aus einem anderen Grund (s.o. meine Antwort an @keiner. Auch jede andere Redaktion hätte berichten müssen wenn mit dem Namen eine politische Verfehlung zum Vorschein kommt - auch wenn es eine andere ist, als die erwartete (hier: Statt einer Vorteilsannahme, die bei Maschmeyer vorgelegen hätte, eine Lüge vor dem Parlament).

In dieser entscheidenden Frage (für die Bewertung des Iniitial-Berichts) bin ich ganz bei Ihnen - und verstehe nicht, dass dieser Umstand für Stefan keine journalistische Relevanz hat, die ihm in seinem Beitrag die Auseinandersetzung wert gewesen wäre.

Wir sehen aber auch in der Story, die uns Stefan da erzählt, ein Entlastungsargument für Wulff, wenn wir sie mit seiner späteren Entschuldigung und der dann folgenden Entlassung von Olaf Glaeseker in Verbindung bringen. Das lässt nur einen Schluss zu: Zumindest Glaeseker scheint Wulff anfangs nicht die volle Wahrheit über die Vereinbarung mit Heidemanns gesagt. Zumindest muss Wulff bei seinem wütenden Anruf geglaubt haben, dass es einen Vereinbarungsbruch gab und dass er diesen würde beweisen können, was er dann später nicht mehr glaubte. Den Vertrauensbruch scheint er dann eher zwischen sich und Glaeseker gesehen zu haben. Sowas ist Alltag im Pressegeschehen - und darf, ich wiederhole - nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch ein Versprechen zur Diskretion nicht bindend sein kann, wenn der offenbarte Name statt des vermuteten Deliktes ein anderes offenbart.

LG Christian
Kunibert Hurtig schrieb am 10.01.2012 um 09:16
Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich denke hier laut. Das ist jetzt so eine Art Meta-Selbstgespräch. Das seinen Grund wirklich in der Verwunderung darüber hat, dass aus der Affäre Wulff unversehens eine Medien-Affäre zu werden droht.

Ja, laut denken ist immer gut, aber wie wäre es mit leise agieren???
Da steht noch ein Scheck über 500.000 € im Raum, 2008; wäre es nicht eine segensreiche Aufgabe, Herr Augstein, die Schleichpfade dieses Schecks einmal zu verfolgen? Oder nicht nur laut zu denken (das kommt in der lauten Metropole ohnehin nicht durch, sondern wird vom Gerüchterauschen überdeckt), sondern zu rufen?
Das stinkt doch Herr Augstein ... oder duftet dort Lavendel?
kgrunewald schrieb am 10.01.2012 um 09:40
Für mich steht außer Zweifel, dass die Bewertung der Wulff’schen Handlungsweise mit Fakten hinterlegt ist. Ebenso viel erfolgt sie jedoch mit Werten. Vielleicht heißt das Wort ja deshalb Bewertung. Und das in einer Zeit, in der allseits der Werteverfall in der Gesellschaft aufs Jämmerlichste beklagt wird. Da können wir doch Hoffnung schöpfen, dass sich allen Wehklagen zum Trotz noch Relikte von Werten in den Köpfen der Bürger (und Journalisten) gehalten haben.
Anhand von Fakten zu bewerten wird in einer globalisierten Welt immer schwieriger. Wer mag sich noch ein Urteil über den Euro, über Europa bilden, wenn nicht bloß die Zahl der potenziellen Meinungen, sondern auch die Zahl der realen Fakten völlig maßlos in Menge und Inhalt sind? Wer kann noch sagen, welches Schulsystem das richtige ist, wenn jedes Bundesland und inzwischen jede Kommune ihre eigenen Wege geht, während die Verantwortlichen sich statt an die Kinder verzweifelt an rudimentäre PISA-Fakten halten? Der Fakten-Tsunami lässt den Bürger hilfeschreiend nach Einfachheit rufen, nach Überschaubarkeit, nach der Chance, sich selbst eine Meinung bilden zu können.
Die Politiker setzen dem in erster Linie die Ergebnisse ihrer Rhetorik-Kurse entgegen. Die einen haben den Fortgeschrittenen-Kurs nicht belegt (Beispiel Brüderle), die anderen haben zu viele Fortgeschrittenen-Kurse belegt (siehe Guttenberg). Dafür wissen nach der Abstimmung über den Rettungsschirm viele nicht, worüber sie überhaupt abgestimmt haben.
Wer die Welt nicht mehr versteht, will wenigstens, dass der Mensch bleibt wie er sein soll. Früher brauchte es schon einen Spion für eine exzessive Presse zu einem Politiker. Heute reichen ein Kredit und viereinhalb Minuten auf einem Anrufbeantworter. Und dennoch: sie reichen! Für einen Bundespräsidenten sind sie sogar bereits zu viel. Nochmal: Seien wir doch froh, dass wir noch ein Werteverständnis haben, das nicht nur Fakten, sondern auch Bauchgefühl mit einbezieht! Wenn dies die Presse unterstützt, habe ich keinerlei Problem damit, wenn sich die Nebenflüsse der Zeitungslandschaft in diesem Falle in den Mainstream ergießen.
Letztendlich ist auch die hier von Jakob Augstein angeregte Debatte eine Wertedebatte. Provoziert durch Worte, die manchem nicht in sein Wertesystem passen wollen. Ohne Provokation keine Diskussion, kein Nachdenken, keine Meinungsbildung. Bravo! Dem Wulff sei Dank, dass wir wieder mal über Werte sprechen und nicht nur über Fakten, die viele kaum mehr verstehen.
Und zum Schluss: Selbst alteingesessene Bewertungen – wie die über die Bild-Zeitung – sollten keine Immunität gegen eine differenzierte Neubetrachtung erlangen. Wenn die BILD die Wulff-Story bringt, um Macht und Auflage zu erreichen, dann ist das zu kritisieren. DASS sie es bringt, hingegen nicht. Auch hier geht es – wie bei der Person Wulff – um das Wie und Warum und nicht nur um das Was.
kmv schrieb am 10.01.2012 um 09:45
@ JA
Gibt es einen unabhängigen Bericht?

Öffentlichkeit als "vierte Gewalt“? Das war sie ja nie. Es ist vielmehr so, dass die drei klassischen Gewalten
Legislative, Exekutive und Jurisdiktion durch Öffentlichkeit erst möglich wurden.

Als Kain den Abel erschlug, muss es irgendwen gegeben haben – Eltern, Geschwister, Kinder -, der der Untat Öffentlichkeit verschaffte. Jede Mitteilung stellt Öffentlichkeit her […]

Im großen Brockhaus steht der Satz [...] "Auch die These von der freien Presse und öffentlicher Meinung als "vierter Gewalt" kann als Erweiterung der klassischen Gewaltenteilung angesehen werden."

Nun wäre es ein Missverständnis, der vierten, der so genannten "öffentlichen“ Gewalt einen moralischen
Sonderstatus zuzuschreiben, so als seien die drei klassischen Gewalten dazu da, von der vierten kontrolliert
und zur Ordnung gerufen zu werden. Es ist vielmehr so, dass die vier öffentlichen Gewalten, nimmt man das
Schema einmal an, einander nicht nur kontrollieren, sondern auch durchdringen und korrumpieren.

Man darf auf die Weisheit der Binse verweisen, wenn man erklärt, dass Herstellung von Öffentlichkeit ohne Interessen und Rücksichtnahme auf Interessen nicht möglich ist. Die drei klassischen Gewalten entscheiden auch nicht im luftleeren Raum, sondern in jenem Raum, den man Öffentlichkeit nennt. Eine nicht von Interessen und Ideologien bestimmte Öffentlichkeit gibt es aber nicht, auch wenn der so oft beschworene
Gegensatz zwischen der öffentlichen und der veröffentlichten Meinung selbst schon wieder auf Ideologie und
Parteilichkeit beruht.“ […]
'Im höheren Dienst' Quelle: Rudolf Augstein Rede anlässlich seiner Ehrenpromotion , BUGHS Wuppertal 9/2/1987
H.Hesse schrieb am 10.01.2012 um 10:23
Lieber Jakob Augstein,
meine volle Zustimmung zu Ihrem obigen Beitrag, 5 Sterne! -:

"Mein Problem ist nur, als Journalist: Was hätte der Freitag mit dem Fall machen sollen? Weniger? Mehr? Anders? Ich sehe keinen anderen Weg als den, den wir eingeschlagen haben: Mehrere Berichte und Anaylsen von verschiedenen Autoren, die so unterschiedlich sind wie beispielsweise Tom Strohschneider, Klaus Raab und ich und ein waches Gefühl für die eigene Rolle und Verstrickung ..."
Das ist der Weg, mit der Angelegenheit umzugehen.
werner_k schrieb am 10.01.2012 um 10:31
Das einzige was in dieser Frage funktioniert hat ist die Presse, dass es ausgerechnet die Bild-Zeitung ist tut allerdings weh. Das Wort „Macht der Presse“ kann ich nicht mehr hören. Die Presse hat keine Macht. Ursache hat hier wie immer einen Grund. Die Presse stellt, ihrer Aufgabe gemäß, Öffentlichkeit her, und hier ist die Macht, in der Bewertung der Vorgänge durch die Leser! Die „Macht der Presse“ wird daher gerne von jenen kommuniziert, die sprichwörtlich „Dreck am Stecken“ haben um ihr eigenes Fehlverhalten zu relativieren, zu verniedlichen und verallgemeinern. Mächtig ist das Fehlverhalten nicht die Presse!
KarinL. schrieb am 10.01.2012 um 17:44
@werner_k,

dann sollten Sie sich mal mit dem Thema Macht, Rethorik, Psychologie befassen.

Die Presse hat sehr wohl Macht!! Sie ist die Vierte Gewalt in diesem Lande! (Kontrollfunktion)

Ein geschriebenes Wort, die Wortwahl alleine, ein verfassterText, beeinflusst den Leser sehr wohl. Das lernt man schon bei der Versicherung, wenn es um Kundengewinnng geht.

www.rhetorik.ch/Macht/Macht.html

www.hr-online.de/website/radio/hr2/index.jsp?rubrik=57633

Befassen Sie sich doch mal mit Kommunikations-Psychologie!
werner_k schrieb am 10.01.2012 um 21:46
Da haben Sie mich falsch verstanden Macht liegt in der Bewertung der Vorgänge durch den Leser. Zunächst ist der Verursacher des Vorganges Herr der Angelegenheit. Sein Verhalten bedingt ob er die Herrschaft behält. Verhält er sich falsch erst dann gibt er die Herrschaft, also die Macht ab. Setzt man die Manipulation mit Macht gleich, dann haben Sie recht! Dass Pressekomentare, Presseberichte und Werbebotschaften im Wesen nach manipulativ sind darüber besteht wohl Einigkeit. Macht entsteht dann, wenn die Manipulation siegt. Für mich ist Macht die Herrschaft über das Verfahren und dies hat die Presse nur dann, wenn ihr das, wie auch immer, ermöglicht wird - aber pauschal und von Grund auf hat sie diese eben nicht das meinte ich. Verschiebungen kann und wird die Presse natürlich nutzen, das ist ihr gutes Recht.
Die Umfragewerte (die übrigens auch Jakob Augstein erstaunen) in der Causa Wulff ist der beste Beweis. Die Presse muss aufpassen, dass sie die ihr zugewiesene sehr wichtige Aufgabe nicht versucht als "Macht" zu mißbrauchen. Macht kann aber muss nicht die Folge von Manipulation sein. (Manipulation kann dabei gut aber auch böse sein). Die Öffentlichkeitswirkung der Presse betrachte ich daher zunächst nicht als Macht, was nicht heißen will, dass sie daraus entsteht. Jetzt können wir uns natürlich über die Begrifflichkeit streiten.
SchmidtH. schrieb am 10.01.2012 um 10:51
Und nun gibt es wieder diese bekannte "Plattform":

de.wulffplag.wikia.com/wiki/Wulffplag_Wiki
Kristina Schmidt schrieb am 10.01.2012 um 11:21
@Jakob Augstein

Lieber Herr Augstein

Zu Beginn dieser ganzen Debatte konnte ich noch mithalten. Dann überflutete mich eine UNMENGE an Berichten, Sondersendungen, Ankündigungen, Meinungen usw. ...und alles was blieb, Wulff hin oder her, waren Bauchschmerzen und ein richtig schlechtes Gefühl. Es war einfach ungut und ich habe mich zunehmend unwohl gefühlt. Ich habe mich wirklich manipuliert und vorgeführt empfunden. Von wem?? ..tja , Tatsache ist, ich konnte es wirklich nicht mehr einordnen.

Von Haus aus habe ich vor etlichen Jahren mal ein wissenschaftliches Studium absolviert und Daten , Fakten und Zahlen faszinieren mich und bedeuten mir eine gewisse Bodenhaftung und Klarsicht.
Nur für mich (...und meinen Bauch :-) ) habe ich mir die Mühe gemacht und alles was ich gefunden habe an Veröffentlichungen sowohl in Print- als auch Audio/Video - Medien herausgesucht und Daten, Fakten, Personen und Medien chronologisch und im Konsens gegenübergestellt.

Das Ergebnis ist erschreckend einfach und teilweise in oben genannten Texten schon mehrfach angedeutet und beschrieben worden. Es ist aber auch erschreckend in dem Sinne, wie teils renomierte Journalisten und Medien geradezu überstürzt und Hals über Kopf auf den Zug aufspringen, als würde es keinen nächsten mehr geben. So entwertet sich die seriöse freie Presse quasi im Eilverfahren. Suggestive Fragen werden gestellt und vom "Volk" beantwortet... Phönix( ...der Sender) steigt aus der Asche und wir dürfen die Sternsinger vorm Schloss anschauen und davor die Medien in ungezählter Auflage ein Stirnrunzeln im Gesicht des BP interpretierend...usw.

Wie Sie, bzw. DF damit umgehen könnten? ...keine Ahnung aber vielleicht mal innehalten, Luft holen und das solide Handwerk Journalismus aus der Ecke holen. Ich weiß es wirklich nicht.
Vielleicht sind wir noch nicht wirklich bereit für die Schnelllebigkeit der heutigen Zeit, die Fülle und Vielfalt von Information und deren ( richtige und gute auf Menschenverstand und Lebenserfahrung beruhende) Verarbeitung..und damit angreifbar.

Mir hat es sehr geholfen mich mit Fakten zu beschäftigen und Vermutungen und "Meinungen" als wichtig aber erst mal als nicht belegbar anzunehmen und dementsprechend auch nicht zu bewerten.

Lieber Jakob Augstein!
...Ich wünsche mir für SIE, daß sie keine L..... im Keller vergraben haben, die Herr Bloome bei Gelegenheit genau dort "vermutet" und , und, und...... :-))

Liebe Grüße @all

Kristina
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 12:32
Liebe Kristina,
kann es sein, dass Sie die Boten der schlechten Nachricht, nämlich das Versagen der etabliert regierenden Parteien in Bund und Niedersachsen in Sachen "Wullfschanze" strafen, statt genau diese Parteien durch Bürgerempörung zum Handeln aufzufordern?

Wurde und wird nicht Joachim Gauck weiter um sein Amt als Bundespräsident durch diesen Christian Wulff mit mehr als unlauteren Mitteln fortgesetzt geprellt?

tschüss
JP
Kristina Schmidt schrieb am 10.01.2012 um 13:31
Lieber Joachim

Ich strafe niemanden, ich habe einfach nur versucht meiner Betroffenheit Ausdruck zu geben.
Es wird allerdings in letzter Zeit immer mühsamer, mir diese Meinung auf Grund von objektiver und sachlicher Berichterstattung zu bilden. Ich ertappe mich selbst in manchen Momenten bei polemischen, unsachlichen Argumentationen. Ich ertappe mich dabei medienhungrig alles in mich aufzusaugen, mitzumachen... Und das gefällt mir nicht! Ich gefalle mir dann nicht, fühle mich nicht gut, manipuliert und gesteuert...
Und ich glaube die Sehnsucht nach Wahrheit und Glaubwürdigkeit (...insbesondere in der Politik) ist immens groß geworden in letzter Zeit.
...na ja man könnte darüber philosophieren...
Betrachte meinen Beitrag einfach als ein Ausdruck von Wunsch und Gefühl...aber ich werde ernsthaft über Ihre Frage nachdenken..ich kann sie im Moment nicht beantworten, ich weiß die Antwort nicht.

lg Kristina
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 14:43
@Kristina

"Es wird allerdings in letzter Zeit immer mühsamer, mir diese Meinung auf Grund von objektiver und sachlicher Berichterstattung zu bilden. Ich ertappe mich selbst in manchen Momenten bei polemischen, unsachlichen Argumentationen. Ich ertappe mich dabei medienhungrig alles in mich aufzusaugen, mitzumachen... Und das gefällt mir nicht! Ich gefalle mir dann nicht, fühle mich nicht gut, manipuliert und gesteuert... "

Liebe Kristina,
das empfinde ich ebenso. meine Frau übrigens auch.

tschüss
JP
SchmidtH. schrieb am 10.01.2012 um 11:56
Egal ob "taktisches Verhältnis" zur Wahrheit oder die "Wulffsche Wahrheit", er kann offensichtlich nicht anders.

Neues aus der "Wulffschanze"
Beweis: Antworten werden doch nicht veröffentlicht!
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 12:01
www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/muenchner-runde/index.html

Müchner Runde, heute am 10. Januar 2012 um 20.15 Uhr im ARD- Sender "Bayern 3. Programm"

Thema: Christian Wulff
"Wulff unter Druck: Wie beschädigt ist der Präsident?"

Gäste:

Jakob Augstein (Verleger derFeitag)
Paul Nolte (Historiker)
Wilfried Scharnagel (Politikberater und ehemaliger Chefredakteur des Zentralorgans der CSU der Bayernkurier)

Moderation:
Ursula Heller
cuchulainn schrieb am 10.01.2012 um 12:53
paul nolte.
ich wiederhole: paul nolte.
und nochmal: PAUL NOLTE!
Magda schrieb am 10.01.2012 um 17:37
Da sehen Sie was JA für einen schweren Außendienst auf sich nimmt. :-))

Aber, sie verwechseln den Paul nicht mit dem Nolte vom "Historikerstreit". Es ist nämlich eine Altersfrage, wer einem da in den Sinn kommt - der eloquente Paul oder der alte Ernst.
cuchulainn schrieb am 10.01.2012 um 19:08
"Da sehen Sie was JA für einen schweren Außendienst auf sich nimmt. :-))"

meine gebete begleiten ihn ja, kann also nix schiefgehen. ausser natürlich alles.

"Aber, sie verwechseln den Paul nicht mit dem Nolte vom "Historikerstreit"."

nein nein. hätte sich unsere aller herausgeber mit dem nämlichen ERNST an einen tisch gesetzt, hätte ich statt blosser ungehaltenheit eine kofferbombe hier platziert.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 19:44
In der Runde wird der werte Verleger regelrecht linksradikal wirken. Aber ich glaube auf solche Diskussionen steht er ;)...
Rapanui schrieb am 11.01.2012 um 09:49
Beim im katholischen Besitz befindlichen Buchverramscher "Jokers" habe ich für einen eher symbolischen Betrag das Hörbuch von Paul Nolte "Riskante Moderne" aus dem Jahr 2006 erstanden.

Wie dort der 43 - jährige Professor im altväterlichen Stil politische Phrasen drischt, ist sehr sehr langweilig. Stilistisch bewegt er sich auf dem Niveau eines lebenslänglichen Professors einer SED-Bezirksparteischule. Ich war erstaunt, dass dieser dröge Sohnematz als ein brillianter Kopf gilt - so sagten das jedenfalls "FAZ" und "Zeit".
brefcourte schrieb am 10.01.2012 um 12:04
Ich hab gestern nochmal meditiert um herauszufinden, warum mich der "Wulff-Fall" überhaupt nicht reizt.

Ich unterstelle einfach mal: Den meisten Menschen, die am Arbeits- und Gesellschaftssystem teilnehmen, ist bewusst wie dieses funktioniert, und welche realen Probleme vorhanden sind, von denen sie teilweise selbst betroffen sind. Aus diversen Gründen greift "die Presse" diese Lebensrealistät nicht auf, und ist damit für viele mindestens uninteressant.
Den meisten Menschen ist auch bewusst, dass in diesem Land eine "Oberschicht" existiert, deren untereste Kaste wiederum die BUNDESpolitiker stellen. Die "Oberschicht" ist geschloßen und macht alles unter sich aus.
An der Stelle kommt der Journalist. Was macht der Journalist ?
Zunächst einmal versucht er Fakten zu verkaufen, und wenn Fakten nicht laufen dann eben Meinungen oder Geschichten.
Er interessiert sich immer für irgendwelche Meta-persönlichkeiten, den Papst, irgendwelche "schlimmen" Religionen, das Geld, die "Oberschicht" und König Fußball, Dinge die die Meisten nur indirekt betreffen. Und damit macht er sich für mich uninteressant, denn er bietet mir hier keine individuelle Dienstleistung mehr an, sondern versucht wie ein Herold im Mittelalter im Marktplatz, durch das aufgreifen von Metathemen seine Zielgruppe zu maximieren.
Das perfide an der Presselandschaft ist, dass sie einem suggeriert, all diese Themen seien permanent im Gespräch, aber in Wahrheit kommuniziert sie nur in Memen und Stereotypen.

Jetzt übertragen wir dieses Lebensgefühl mal auf den aktuellen Fall.
Ein Politiker auf einem repräsentativen Posten, schiebt Gelder mit Unternehmern hin und her.
- Skandal, sowas gab es noch nie!
Er ruft die Chefs der großen Medienkonzerne an um die Berichterstattung zu verhindern. Dieser Mensch bedroht ganz offensichtlich die Pressefreiheit.
-Hmhmhm, so gut wie alles was beim Spiegel steht ist mindestens merkwürdig, dort wo ich sachkundig bin würde ich behaupten sogar falsch. Focus ist so ähnlich. Bild ist keine Zeitung. Alle 3 Blätter würde ich im Regal zur "Bunte" sortieren. Ich denke, dass die Pressefreiheit in solchen Konzernen bereits aufhört, wenn der Berufsanfänger dort seinen Schreibtisch besetzt. Im übrigen, würde Bild über mich berichten, würde ich vermutlich selbst dort anrufen und versuchen das zu verhindern.

Ich habe jetzt gelernt, dass unser Bundespräsident irgendwie psychisch labil zu sein scheint, ist das für mich relevant ? Eher nicht.

Zusammenfassend - Wenn der Journalist anfängt mich wieder ernst zu nehmen, kaufe ich vielleicht demnächst auch wieder seine Zeitung.
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 12:22
@brefcourte

"Ich habe jetzt gelernt, dass unser Bundespräsident irgendwie psychisch labil zu sein scheint, ist das für mich relevant ? Eher nicht.

Zusammenfassend - Wenn der Journalist anfängt mich wieder ernst zu nehmen, kaufe ich vielleicht demnächst auch wieder seine Zeitung."

Besteht die Referenz des Journalismus nicht darin, eine Person, eine Sache, über die berichtet wird, ernst zu nehmen?

Geschieht denn gerade nichts anderes als dass Christian Wulff als Person gesehen, in seinen Bestrebungen und Tendenzen, an denen er mit Anwälten arbeitet, ernst genommen wird?

Gerade kommt die Nachricht, Chistian Wulff dementiert seine versprochene Transparenz, alle 400 Fragen von Bürgern/inne an ihn direkt zu beantworten und diese Anworten ins Internet zu stellen.
brefcourte schrieb am 10.01.2012 um 12:35
Sie hätten meinen Aufsatz komplett lesen müssen :) Ich möchte als Kunde ernstgenommen werden. Das Handeln dieses Menschen ist wohl moralisch verwerflich, und juristisch fragwürdig und dennoch betrifft es mich, wenn überhaupt, nur indirekt.
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 14:40
@brefcourte
Danke für die Belehrung. Ich habe Ihren Text vollständig gelesen.

"Das Handeln dieses Menschen ist wohl moralisch verwerflich, und juristisch fragwürdig und dennoch betrifft es mich, wenn überhaupt, nur indirekt."

Leben Sie auf einer Insel der Seligen?

Was ist, wenn demnächst hierzulande die Mediengesetze wie in Ungarn geändert werden?

Selbst Oskar Lafontaine war als einstiger Ministerpräsident des Saarlandes nicht davor gefeit, eine Lex Lafontaine für das Saarland in Medienangelegenheiten durchzuregieren.
brefcourte schrieb am 10.01.2012 um 15:53
Sind Sie gelernter Journalist ? Machen Sie mich gerade zum Gegenstand Ihrer Kolumne

"Leben Sie auf einer Insel der Seligen?" - Erst diskreditieren wir unser Objekt.

"Was ist, wenn demnächst hierzulande die Mediengesetze wie in Ungarn geändert werden?" - Dann bringen wir das Objekt in Verbindung mit den Ängsten der übrigen Leserschaft, durch einen unangemessenen und fragwürdigen Vergleich.

"Selbst Oskar Lafontaine war als einstiger Ministerpräsident des Saarlandes nicht davor gefeit, eine Lex Lafontaine für das Saarland in Medienangelegenheiten durchzuregieren." - Schließlich erschießen wir unser Opfer in dem wir auf Präzedenzfälle zurückgreifen.
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 16:18
@brefcourte

"Schließlich erschießen wir unser Opfer in dem wir auf Präzedenzfälle zurückgreifen."

Diesen ekalierenden Satz verstehe ich nicht.

Wer ist hier Opfer, wer Täter, wer gefährdeter Zuschauer/in?
brefcourte schrieb am 10.01.2012 um 16:33
Nunja die Grenzen sind da natürlich fließend.
KarinL. schrieb am 10.01.2012 um 18:34
@Joachim Petrick,

Was ist, wenn demnächst hierzulande die Mediengesetze wie in Ungarn geändert werden?

Diese Frage müssten Sich eigentlich alleine beantworten können. Oder warum sind in Ungarn die Menschen wieder auf der Straße?

Wenn Wulff geht, kommt eine neuer "Wulff". Oder glauben Sie im ernst, dass dann die Korruption aufhört?!

Dieses System ist korrupt und verlogen. Das scheinen die meißten immer noch nicht verstanden zu haben. Und ich fürchte, um dies zu ändern, muß es eine Revolution geben. Aber nicht im Internet, sondern auf der Straße!
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 19:53
@KarinL.

"Diese Frage müssten Sich eigentlich alleine beantworten können. Oder warum sind in Ungarn die Menschen wieder auf der Straße?"

Mit Ihrem Optimismus lassen sich Pyramiden aber keine Demokratien aufbauen, die vertragen nämlick keinen Zustand "Permanter Revolution"!, oder?

"Dieses System ist korrupt und verlogen. Das scheinen die meißten immer noch nicht verstanden zu haben. Und ich fürchte, um dies zu ändern, muß es eine Revolution geben. Aber nicht im Internet, sondern auf der Straße!"

Freie Wahl eines/er Bundespräsidenten/in aus unserer Mitte, der im Fall des Amtsmissbrauchs durch ein Amtsenthebungsverfahren auch wieder abgesetzt werden kann
silvio spottiswoode schrieb am 10.01.2012 um 12:07
Es gibt in der FR von heute einen interessanten Vergleich der Staatsaffaire um BP Wulff mit der um Bill Clinton: Der Ausweg heisst Wahrhaftigkeit bit.ly/w8csMv

"Bill Clinton wurde nicht wegen einer Affäre angeklagt sondern wegen des Verdachts, gelogen und einen Meineid geschworen zu haben. "

"Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der Umgang von Christian Wulff mit der Wahrheit. Da mögen die Anlässe jeder für sich genommen klein und trivial sein. Die Frage der Wahrhaftigkeit aber ist eine große. Sie führt direkt in das Thema Glaubwürdigkeit der Politik. Die Schriftstellerin Monika Maron hat recht, wenn sie sagt, dass der Kampf, der um Christian Wulff tobt, ein Kampf um die politische Kultur im Lande ist. Dass er ausgerechnet von der Bild-Zeitung angeführt wird, die ernsthafte Politiker und das Politische seit jeher mit populistischem Unterton herabzusetzen pflegt, macht die Angelegenheit unübersichtlich, aber nicht falsch."
chepa schrieb am 10.01.2012 um 13:17
Das Traurige ist doch: Wann wird sich den anderen Parteien je wieder eine solche Chance bieten, wie Wulff sie eben liefert? Unter einer kühl taktierenden Machtpolitikerin, wie der Kanzlerin, sicher nicht mehr allzu oft. Diese, sehr wahrscheinlich einmalige, Möglichkeit, der politikmüden Öffentlichkeit endlich einmal das wahre Gesicht unserer Regierung vor Augen zu führen, wird einfach ungenutzt verstreichen, und diejenigen, die doch eigentlich nur unser verlängerter Arm sein sollten, werden ihr Souverän auch weiterhin ungestraft als Fussabtreter benutzen können. Aber wie sollten sie auch anders handeln, die anderen Parteien, so profillos, wie sie geworden sind? Immernoch wie CDUPraktikanten, haltlos rudernd und ohne sich untereinander zu stärken, geben sie sich selbst noch weniger vorzeigbar, als die eigentliche CDU. Die heutige, deutsche, politische Landschaft ist ohnehin kaum noch nach ihren Parteien oder deren Vertretern zu unterscheiden. Es sieht alles ein wenig nach dem "gutten", alten Ctrl+C, Ctrl+V aus. Neulich erst erzählte mir jemand; gebildet, Mitte 20, dass er, wenn er nochmal studieren könnte, am liebsten Politikwissenschaften studieren würde. Meinungen vertreten und diskutieren wäre einfach sein Ding. Auf die Frage, welche Meinung er denn vertreten wolle und welcher politischen Richtung er sich eigentlich zugehörig fühle, kam nur ein: "Och, eigentlich haben doch alle politischen Richtungen ihr Gutes...", wenn man dann noch nach öffentlicher Meinung oder gar Empörung hinsichtlich der Politik sucht, dann erstaunt es wenig, dass die meisten, einigermassen gebildeten Menschen, in der blossen Existenz der 'Bild' einen grösseren Skandal sehen, als in der eigentlichen politischen Apokalypse, die durch des Bürgers Desinteresse schliesslich ausgelöst wird.
Schade, Chance vertan
KarinL. schrieb am 10.01.2012 um 18:38
@chepa,

Die Frage ist doch, was wird sich durch andere Parteien denn ändern? Ich sag es Ihnen....gar nichts!

Es besitzen einige wenige zu viel Geld und haben demzufolge die Macht. Sie, und nur sie bestimmen die Politik! Der Mensch ist käuflich!!
Emma in Uniform schrieb am 10.01.2012 um 14:06
Tja, dank BILD wissen wir nun das was wir glauben sollen.

Sicher ist aber bereits,

dass wir nun gemeinsam die Jauche auslöffeln dürfen,

die uns der Bundespräsident damit beschert hat, dass
er ausgerechnet bei der Kloake der demokratiefeindlichen, korrupten Boulevardjournaille um Entschuldigung
bitten musste;

Ein besonders stressiger Terminplan an einem seiner schlechten Tage, uff, und da bricht unser höchster Repräsentant auch schon psychisch zusammen, irgendwelcher persönlichen Sorgen wegen macht er mit einem Anruf die verkommene Springerpresse, diesen Hofhund der Lobbyisten, zum Hüter der Pressewahrheit. Jetzt erwartet uns ein mit neuen Werten getränkter Frühling der Bauchgefühle, juhu. . Vielen Dank nochmal.

Abseits der moralischen Hetzjagd, fragt "man" sich wie Wulff mit einer schweren Naturkatastrophe, einem Akw- (hier oder bei unseren lieben Nachbarn) oder
Finanz-Super-Gau umgehen würde, Wirtschaftssicherstellungs- gesetz und so..

Auf das Erlebnis würde ich dann doch ganz gerne verzichten.

Wenn`s geht.
holunder schrieb am 10.01.2012 um 14:59
„Warum stellt sich die linke Öffentlichkeit nicht eindeutiger gegen diesen Präsidenten?

Am Ende kann sich einer wie Wulff über solche Linke freuen, weil sie ihm den Rücken von Kritik von dieser Seite freihalten. Zwar aus Gründen, die ihm nicht passen mögen - aber das muss ihn ja nicht kümmern.“

Ein sehr gelungener Beitrag, der das Thema für mich auf den Punkt bringt!
Wie so oft stellen sich „die Linken“ leider mal wieder etwas zu sehr als intellektuelle Individualisten dar, die vor allem gern beweisen, dass sie den jeweils größten Durchblick haben (siehe Leserbrief).
Hierbei verzettelt man sich in gegenseitigem Überbieten, wer z.B. das größere Hintergrundwissen hat, die jeweiligen Geschehnisse besser einschätzen kann. Die Geschehnisse selbst scheinen nur noch schmückendes Beiwerk zu sein.
Dabei verliert sich offenbar der Blick für das Wesentliche (im jetzigen Fall: Wulffs Verhalten geht gar nicht für einen Bundespräsidenten), ein gemeinsamer Nenner kann nicht dauerhaft gefunden werden. Wirklich ein tolles Geschenk an alle links-Kritiker. Bleibt die Frage, was diese intellektuelle Analysen-Battle bringen soll…
Und wie geht es darüber hinaus zusammen, auf der einen Seite politisch dafür einzustehen, dass jeder Mensch in diesem Land einen Wert hat, es keine klischeehafte, dumme Unterschicht (Hartz4 für Alkohol und Zigaretten) gibt – auf der anderen Seite aber diese zahlreichen Menschen als unmündigen Mob darzustellen, der sich von den Medien „vor den Karren spannen lässt“, unfähig, sich aus den zahlreichen Informationsquellen seine eigene Meinung zu bilden! was denn nun? Sind wir links und wollen eine gerechtere Gesellschaft oder sind wir einfach nur zu schlau und weitsichtig, haben schon längst alles und jeden durchschaut, leider aber im Grunde nur resigniert?
Geht sowieso alles nicht mehr (Medien und Politik – alles eine korrupte Soße… nach dem ersten Wulff kommt der zweite Wulff…) – das ist schön bequem, da kann man ordentlich meckern oder wahlweise alles besser wissen, aber handeln muss man nicht mehr. Eine Entscheidung treffen, was ändern oder mal mit jemandem, der einem nicht "ebenbürtig" erscheint, am gleichen Strang ziehen- das wäre vielleicht weniger einfach aber doch eine positive Option.
L.Berit schrieb am 10.01.2012 um 21:43
Danke, Holunder, Sie sprechen mir mit Ihrem Beitrag aus der Seele! Mit folgendem Satz bringen Sie auch meine Kritik wunderbar auf den Punkt:

"Geht sowieso alles nicht mehr (Medien und Politik – alles eine korrupte Soße… nach dem ersten Wulff kommt der zweite Wulff…) – das ist schön bequem, da kann man ordentlich meckern oder wahlweise alles besser wissen, aber handeln muss man nicht mehr. Eine Entscheidung treffen, was ändern oder mal mit jemandem, der einem nicht "ebenbürtig" erscheint, am gleichen Strang ziehen- das wäre vielleicht weniger einfach aber doch eine positive Option."

Richtig.
Hans Dirk schrieb am 10.01.2012 um 15:17
Werter Herr Augstein,
wer den amtierenden Bundespräsidenten öffentlich einen Schuft nennt, ohne das dieser juristisch verurteilt ist, disqualifiziert sich als Journalist und vor allem als Chefredakteur einer Zeitung.
***************
Dieser Kommentar wurde von der Moderation editiert. Der Nutzer wurde verwarnt. Bitte keine persönlichen Beleidigungen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 15:30
Lesen!

Da steht: "Ich bin verunsichert: eigentlich dachte ich, die Sache sei klar. Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken - soweit das Publikum nicht aus politischen Gründen auf seiner Seite ist."

Das einzige, das dabei grüßen lässt, ist ein sprachakrobatisches Kunststückchen, das wohl seinesgleichen und eine aufmerksame Leserschaft sucht.
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 15:30
Herr Dirk,

Kritik in Ehren - auch scharfe Kritik, aber Ihr Vergleich mit Göbbels ist unterste Schublade!
Sie sollten sich schämen und um Entschuldigung bitten. Der redaktion lege ich nahe, den Kommentar zu löschen und Ihnen die Gelbe Karte zu zeigen.
Streifzug schrieb am 10.01.2012 um 15:31
Hallo Hans Dirk,

vielleicht ist es noch nicht bis zu Ihnen vorgedrungen, aber der Alte Fritz ist tot. Ein amtierender Bundespräsident kann eine Pappnase, ein Dummschwätzer, ein Heimlichtuer, ein Schuft oder eine Gurke sein und auch so genannt werden.

Ach so, wer ist Göbbels? Der Schwippschwager von Sprinter?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 15:36
Der Fehler im Satz liegt da versteckt, dass das einzige, das an Bundespräsident Wulff aktuell noch parteipolitisch ist (besser: zu sein hat), die Tatsache ist, dass Merkel ihn dort wollte, wo er nun ist.

Aber gegen Wulff zu sein, weil Merkel ihn wollte, ist doch müßig. Die macht ja doch was sie will.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 15:55
Der Göbbels-Vergleich ist sowohl inhaltlich als auch vom Stil komplett daneben. Aber hier ist man nicht so speziell mit Nazi-Vergleichen, da werden schon mal unter feministische Texte Auschwitz-Bilder gepostet und das geht klar :(...
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 17:21
Ich sag's doch: Nazi-Vergleiche sind "persönliche Beleidigungen".
Hans Dirk schrieb am 10.01.2012 um 15:41
Herr GEBE,
ich kann das auch anders bezeichnen. Wenn Herr Augstein den amtierenden Bundespräsidenten als Schuft bezeichnet...., dann befindet er sich auf dem Niveau der BILD-Zeitung. Gefällt Ihnen das so besser?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 15:43
Ich bin zwar nicht gefragt, aber mir gefällt das fast noch schlechter. Schon allein, weil ich - wie oben angemerkt - nicht erkenne, wo Augstein den Präsidenten einen Schuft nennt. Tut mir leid.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 15:49
Augstein entschuldigt sich in nahezu ironischer Weise dafür, in Erwägung gezogen gehabt zu haben, dass...

Wenn's anders wär, müsste ich den Satz schon schwer falsch verstanden haben..
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 16:14
Herr Dirk,

es geht nicht darum, ob mir was besser gefällt!

Jeder Vergleich in der Art der primitiven Stoßrichtung, wie Sie ihn hier vorgenommen haben, in Bezug auf einen Menschen, ist eine impertinente Unverschämtheit!
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 16:21
P.S.:
Ich werde Ihren Kommentar entsprechend auch der Redaktion melden.

Ende der Durchsage!
Hans Dirk schrieb am 10.01.2012 um 15:52
Herr Katzer, soll ich den ganzen Absatz nochmal zitieren. Es spielt dabei keine Rolle, ob Herr Augstein nur denkt oder etwas sagt - es ist nun mal so geschrieben. Nachdenklich macht mich dabei, dass ein Chefredakteur einer Zeitung das schreibt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 16:34
Nein, bitte nicht. Ich bin mir nämlich noch nicht ganz sicher, ob es schlimmer ist, Nazi-Vergleiche zu ziehen, oder welche zu erkennen, wo gar keine sind. Ich sage Bescheid wenn ich soweit bin - dann bitte ich um Rezitierung. Danke.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 17:27
Fertig. Bin wieder lieb.
Fritz the Cat schrieb am 10.01.2012 um 17:52
Mir könnte der olle Goebbels langsam fast leid tun, angesichts der Vergleiche für die er immer wieder seinen Schädel hinhalten muss.

Aber Herr Dirk, es macht schon einen gewaltigen Unterschied, was ein Herr Augstein, sie oder auch ich denken und was der jeweilige schreibt. Denn nur letzteres kann ein Dritter beurteilen, was in meinem Kopf brodelt doch wohl eher nicht. Man sollte deshalb mit dem "Hineindeuten" eher vorsichtig sein.

Ich würde aber gerne die Zitierung der Passage, die Sie zu diesem Vergleich animierte, sehen, denn ehrlich gesagt, habe ich nichts gefunden, was mich an diesen Demagogen erinnern könnte.

Andererseits finde ich "Schuft" ist doch eine wirklich zärtliche Beschreibung für das, was man an anderer Stelle über das derzeitige Staatsoberhaupt lesen kann. Da stößt man eher schon auf Bezeichnungen wie Schwindler oder sogar Lügner.

Mich erinnert diese ganze Geschichte ganz fatal an die Causa zu Guttenberg. Zugegeben wird im Rahmen der Salamitaktik immer nur das, was man nicht mehr dementieren kann und jeden Tag kommt ein neues Scheibchen dazu. Wo es beim Plagiator geendet hat, wissen alle.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 19:50
@Herr Katzer
"Ich bin mir nämlich noch nicht ganz sicher, ob es schlimmer ist, Nazi-Vergleiche zu ziehen, oder welche zu erkennen, wo gar keine sind."
Herr Katzer - gegen Nazi-Vergleiche, wo sie WIRKLICH angebracht sind (und das ist ein geringer Prozentsatz) habe ich persönlich z.B. nichts.
Horsti schrieb am 10.01.2012 um 17:13
Wem noch nicht endgültig übel ist, der lese hier: www.sueddeutsche.de/panorama/prozess-in-lueneburg-mann-nahm-kekse-aus-muelltonne-1.1253894
Da wird einer wegen über Zaun klettern und Müll "klauen" zu 125€ Geldstrafe verdonnert!

Aber bei einem Bundespräsidenten, da kann man ja mal...

Wenn man da von Gerechtigkeit oder angemessenem Strafmaß sprechen wollte, was würde den feinen Herrn Wuff dann wohl erwarten, wenn er wieder Erwarten ;-) auch nur eines Bruchteiles überführt würde? Vierteilen, Aufsradflechten, Teeren und Federn...

Übler und verlogener Mist!

Und deshalb bin ich fast soweit, daß ich sage: Wuff muß bleiben!
Selten hat einer besser zu diesem Land gepasst.:-(
Magda schrieb am 10.01.2012 um 17:39
Tja. Die einen sagen so, die andern sagen so. (Alte sächsische Weisheit)
Horsti schrieb am 10.01.2012 um 17:45
Sehr schön, liebe Magda.

Ich hatte mir anfangs des ganzen Theaters gewünscht, daß Herr Wuff mit ebensolcher sächsischen Weisheit gesegnet gewesen wäre und gesagt hätte: "Dann macht doch Euern Mist alleene!"

Jetzt kann ich nur noch hoffen, daß es Menschen gibt, die sich künftig weigern, sich von dem ein BVK oder sowas umhängen zu lassen.

Viele Grüße
brefcourte schrieb am 10.01.2012 um 18:03
Tja Herr Köhler, aufgeflogen kann ich nur sagen.
Horsti schrieb am 10.01.2012 um 18:25
Hmm, das trifft zwar nicht ganz meinen Humor, nötigt mir aber doch ein Grinsen ab und lässt mich über einen neuen Nick nachdenken.:-)
Fro schrieb am 10.01.2012 um 17:51
Die Frage, die sich hier berechtigterweise bei vielen Kommentatoren aufdrängt, ist nicht, ob BILD diese Kampagne in dieser Weise führen dürfe, sondern: Warum Wulff? Warum zu diesem Zeitpunkt? Wem nützt das?
Einige Auffälligkeiten und Gedanken, die mir da in den Sinn kommen:
Wulff meint der Islam gehöre zu Deutschland. BILD hat gemeinsam mit Sarrazin eine antimuslimische Kampagne veranstaltet und mochte das gar nicht. Auch der Innenminister war nicht begeistert.
Wulff hat ( leider nur einmalig) ein kritisches Wort zur derzeitigen Politik in der Finanzkrise gesprochen – „Finanzmärkte regieren die Politik“. Auch das ist weder Springer-noch Regierungskurs. Merkel war nicht amused.
Hier werden Politikfelder berührt, in denen wir Bürger demnächst einige Unannehmlichkeiten zu befürchten haben und mit Bürgerprotesten zu rechnen ist: Es steht ein deftiges Sparprogramm zur Rettung gefährdeter Kreditgeschäfte und ein Krieg der "Verbündeten" gegen den (islamischen) Iran auf der Agenda!
Ein angeschlagener Präsident wird nicht in Versuchung kommen, sich in diesen Fragen gegen den (auch von BILD gestützten) Regierungskurs zu stellen.

Interessant auch eine Äußerung des Welt-Herausgebers: „Der Bundespräsident interveniert beim Vorstandschef und versucht über die Bundeskanzlerin, die Handynummer von Friede Springer zu bekommen.“ Was soviel heißt, dass Merkel den Springerleuten diesen Vorgang gesteckt haben muss! Oha - Kooperation?

….Und zufällig wartet im Hintergrund auch noch ein guter Freund der BILD, der sich freuen wird, im Schatten eines diskreditierten Spitzenpolitikers einen lichtvolleren Auftritt hinlegen zu könnte... Guttenberg wird uns schon im Januar mit seiner wahrscheinlich gut vorbereiteten Coming-Back-Light-Show „beglücken“...

Man sollte die Gesamtzusammenhänge unbedingt weiter eingehend untersuchen – unabhängig davon aber: Der Bundespräsident ist beschädigt und genießt kaum noch Vertrauen. Und er hat bisher leider auch für uns Bürger keine zufriedenstellende Arbeit geleistet: Zur schleichenden Entdemokratisierung – z.B. dem massiven Druck auf andersdenkende Abgeordnete, oder dem Trend, Souveränität zugunsten einer europäischen Funktionärsdiktatur aufzugeben – hat er nichts gesagt, und er hat auch die unsägliche Hetzkampagne gegen Griechen/land unkommentiert laufen lassen...

Bleibt Wulff im Amt, wird er aber schon wegen des Vertrauensverlustes und seines unsouveränen Auftretens kaum einen Nutzen für uns Bürger haben können – insofern würde ich es begrüßen, wenn die Medien dran blieben und ihn solange mit Fakten nerven, bis er das Richtige tut, und sich freundlich verabschiedet.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 18:10
"Warum Wulff? Warum zu diesem Zeitpunkt? Wem nützt das?"
Diese Frage habe ich mir (und haben andere sich) schon vor Tagen gestellt - die große Frage ist, warum haben sich die (zumindest öffentlich) die meisten Journalisten nicht gestellt?

"Darf Bild das?" ist in einer weniger bildzeitungsmäßigen Formulierung sicher eine gute Frage im Kontext einer allgemeinen Reflexion über kritischen Journalismus. Wäre mal ein Dossier wert!
Fro schrieb am 10.01.2012 um 18:32
„Darf BILD das?“ Da müsste man erst einmal recherchieren, was „das“ ist – welche Motivation oder gar strategischer Plan steckt dahinter. Dieses Geheimnis wird sich kaum lüften lassen.
Das was Bild zu Wulff recherchierte und schrieb wird niemand beanstanden. Unangenehm fällt allerdings auf, dass sie mit zweierlei Maß misst (Guttenberg).

Man könnte allerdings diskutieren: Was darf BILD bzw was darf eine Zeitung.
Darf sie die Politik und die personelle Zusammensetzung des politischen Personals bestimmen wollen? Wo hört investigativer Journalismus auf und wo fängt eine unzulässige politische Einmischung an?
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 18:45
"Dieses Geheimnis wird sich kaum lüften lassen."
Och naja, da gibt es einige wohl bekannte Verstrickungen mit der Politik - die gerichtsfest auszuarbeiten wäre doch mal eine Aufgabe für "seriösen Recherchejournalismus", aber da traut sich keiner ran ;)...

Aber dann geht es bei der Frage ja auch eher um die moralische Dimension, die du im zweiten Absatz beschreibst - was ist "kritischer Journalismus" und wie weit darf der gehen. JA hat ja die Frage für sich schon beantwortet: Der darf alles und deshalb ist auch keine Medienkritik nötig.

"Das was Bild zu Wulff recherchierte und schrieb wird niemand beanstanden."
Naja, wie mit der Anrufbeantworter-Geschichte gespielt wurde schon. Da hat sich nun Wulff schon in einem Anfall von Selbstüberschätzung die Brust für den Dolchstoß entblößt und hingehalten - und Bild geht damit um...wie Bild halt und hat damit dann doch den Anschein der "seriöseren" Recherche auch für die Blinderen zumindest angekratzt, außer bei den ganz Blinden wie..., ähmm, ja...
Fro schrieb am 10.01.2012 um 19:01
Die „Anrufbeantworter-Geschichte“ fand ich eher amüsant – und wenn Wulff da nicht mehr draus macht – er könnte sich ja offensiv an die Spitze der BILD-Kritiker stellen – hat er selber Schuld.

Mich interessiert da eher die Gesamtperformance. Die „Anrufbeantworter-Geschichte“ wird möglicherweise noch etwas gestreckt, damit Guttis Light-Show optimal platziert ist. Alle sind sie demnächst nur noch frustriert vom kleinkarierten Geizknüppel und Provinzpolitiker Wulff ….. peinlich sein jammerndes Gestammel auf den Anrufbeantworter, das demnächst möglicherweise jeder im Originalton hören können wird...
SchmidtH. schrieb am 10.01.2012 um 19:03
"Darf sie die Politik und die personelle Zusammensetzung des politischen Personals bestimmen wollen? Wo hört investigativer Journalismus auf und wo fängt eine unzulässige politische Einmischung an?"

Also als Rot/Grün über Jahre "weggeschrieben" wurde, der Barrikadenkämpfer "Bürger auf die Barrikaden" Arnuf Baring durch die Medien geisterte, dazu aufrief, Sabine Christiansen ihr Unwesen trieb, war die allgemeine Aufregung auch nicht immer auf dem absoluten Höhepunkt, wenn überhaupt.

Warum soll die Presse sich nicht einmischen, warum soll die Presse nicht Position beziehen? Bedenklich wird es allerdings, wenn wir eine gleichgeschaltete Presse bekommen. Nun werden einige einwenden, die hätten wir schon. Nun, so kann man es jedoch noch nicht benennen, denn auch wenn fast alle Leitmedien in der Regel eine Mainstreammeinung verbreiten, sagt das noch nicht von Gleichschaltung im eigentliche Sinne aus. Vorsicht dürfte jedoch geboten sein.

Geradezu kriminell wäre es aber, wenn die Medien am Wähler vorbei - und ich betone am Wähler vorbei - Regierungen, Mehrheiten organisieren, installieren könnten. Hessen dürfte schon solch einen Vorgeschmack geliefert haben.

Wenn diese Entwicklung zur Regel wird, dann sollten und könnten wir vom "Alarm im Hafen" sprechen.

Umso nachdenklicher sollte aber auch in der jetzigen Affäre das Verhalten stimmen, welches sich momentan nach der Einlassung des Rechtsanwaltes von Wulff abzeichnet.

Aus der Affäre wird meiner Ansicht nach ein Skandal und kaum eines Leitmedien erregt sich darüber wirklich.

Der Bundespräsident Wulff steht bei der deutschen Öffentlichkeit im WORT und lässt einfach mitteilen, er fühle sich daran nicht gebunden, weil.........
Fro schrieb am 10.01.2012 um 19:12
Ok, Popkontext, falls das so gewollt ist, ist es eine üble Geschichte - ich habe mir das gerade noch einmal bildlich vorgestellt - nur nachweisen können, dass es so gewollt ist, wird man es wohl nicht.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 19:24
@Fro
Man kann die Verstrickungen und Machtkonstellationen nachweisen - wenn man sich mit Bild anlegen will ;)...Ich bin übrigens ganz sicher, dass die Wulff an die Wäsche wollten, und ganz gezielt. Die kannten seine Schwachstellen ganz genau, wovon er einige hat, die ihn zumindest z.T. auch aus meiner Sicht als Bundespräsident disqualifizieren, und er hat prima mitgespielt (in deren Sinne). Das ist meine Sicht der Dinge.

Ich habe es schon von Anfang angesagt, dass er sich offenbar bei den falschen konservativen Machzirkeln unbeliebt gemacht hat - womit genau, ließe sich durch wirklichen "seriösen Recherchejournalismus" belegen. Einen kleinen Einblick über das Spielchen bietet ja schon der Niggemeier-Text, der mir sehr gut gefällt: www.stefan-niggemeier.de/blog/vom-glueck-bild-zu-sein/
Magda schrieb am 10.01.2012 um 20:48
"Geradezu kriminell wäre es aber, wenn die Medien am Wähler vorbei - und ich betone am Wähler vorbei - Regierungen, Mehrheiten organisieren, installieren könnten. Hessen dürfte schon solch einen Vorgeschmack geliefert haben."

Genau, davor habe ich weiter oben auch schon gewarnt, andere auch.

Und ich wundere mich sehr, dass Jakob Augstein das nicht sieht oder sehen will.

Eben sehe ich die Sendung auf BR. Da spult er alle gleichen Argumente ab wie gestern beim DLF.
Popkontext schrieb am 11.01.2012 um 02:43
"Und ich wundere mich sehr, dass Jakob Augstein das nicht sieht oder sehen will."
So gehts mir auch, mit Betonung auf dem *sehr*. In der - nur nebenbei gehörten - DLF-Sendung fand ich ihn als Gegenpol zu dem super-konsevativen Typ (whoever that was) noch relativ erfrischend, die BR-Sendung habe ich nicht gesehen. Das schien ja offenbar nicht so überzeugend insgesamt, oder? Langsam habe ich allerdings auch den Eindruck, dass das im Mainstream (inklusive Augstein) das Rückzugsgefecht einsetzt, weil Angela aussitz. Und wenn sie nicht will und er nicht will bleibt nur impeachment und das ist zu links für die...
ed2murrow schrieb am 10.01.2012 um 18:38
Ein Monat völlige Abstinenz von deutschen Medien führt unweigerlich zur Frage: Wer ist Wulff?
cuchulainn schrieb am 10.01.2012 um 18:56
der neue hereingeber beim "freitag".
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 19:13
Na das sind doch klar Diekmann und Blome, und die kennt @ed2murrow vielleicht auch noch ;)...
kgrunewald schrieb am 10.01.2012 um 18:53
Warum ist es so wichtig, warum die Bild die Story gebracht hat? Nahezu die komplette deutschsprachige Presse hat sich der Berichterstattung angeschlossen, und zwar eher nicht deshalb, weil sie routinemäßig von der Bild abschreibt. Vielleicht ist es schlicht Empörung. Empörung über Unwahrheiten und Verschleierung im höchsten Amt. Und ganz ehrlich: Reicht das nicht als Grund? So schwierig ist das doch alles nicht, dass es Verschwörungstheorien zur Erklärung braucht. Schwierig ist lediglich ein Bundespräsident, der dem Amt nicht gewachsen ist. Es wäre schade, wenn die Medien sich jetzt selbst in Frage stellen würden (was prinzipiell natürlich nie schadet) und ihre Recherchen und Berichterstattungen einstellen würden. Noch schlimmer wäre, würden sie sich auf einen neuen Mainstream "Jetzt ist aber mal gut, lassen wir den Mann seine Arbeit machen" einzuschwimmen. Also: Weiter so!
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 19:10
Damit bewegen Sie sich in der gleichen undifferenzierten Sichtweise wie Augstein, die ja hier ausführlichst kritisch diskutiert wurde. Nochmal: Wenn die Presse selbstkritisch ist, bedeutet das NICHT im logischen Umkehrschluss, dass sie Wulff zufrieden läßt und Politker/innen nicht mehr kritisch durchleuchtet. Im Idealfall würde eine Debatte darüber, was kritischer Journalismus ist und was er darf diese Berichterstattung sogar deutlich optimieren.
anna T. schrieb am 10.01.2012 um 19:30
Die PIRATEN verlangen Wulffs Rücktritt .Sie zeigen "Flagge".Auch gut, endlich kommt diese Forderung mal aus einer anderen Richtung. Mit der Transparenz die Wulff versprochen hat und jetzt verweigert ...Unwürdiges und peinliches Schauspiel ,Teil 2 oder 3 ?
SiebzehnterJuni schrieb am 10.01.2012 um 19:36
Ich glaube, Beate Klasfeld ist unterwegs nach Berlin zu einem der nächste Auftritte des Bundespräsidenten...
miauxx schrieb am 10.01.2012 um 20:14
Für meinen Geschmack konzentriert sich der ganze Fall Wulff nunmehr zu sehr auf die Frage "Hat BILD recht?".
Augstein hat ja weiter oben laut über einen gleichlautenden Titel im kommenden Freitag, in Verknüpfung mit hier zu lesenden Kommentaren, nachgedacht ... Seinen persönlichen Fokus darauf ("mein Beruf") kann ich verstehen.

Dennoch: Zu sehr tritt mir der eigentliche Fall Wulff in den Hintergrund. Und sehen wir doch zuersteinmal, dass immerhin durch die Medien das ganze erst eine berechtigte Aufwallung erfuhr und dass es eben immerhin möglich ist, eine zu vermeidende Verquickung von Politik und Privatinteressen zur Sprache zu bringen. Die Qualität, wie das dann im weiteren Fortgang geschieht, ist eine Frage für sich, die sich ja nun nicht erst exklusiv am Fall Wulff entzünden muss. Die Frage, "Hat BILD recht?" müsste eigentlich ständig gestellt werden. Ist das Blatt doch in so vielen Fällen, wenn es sich für es lohnt, das erste (eben wohl das meist zitierte).

Der eigentliche Kern sollte nun doch aber darin liegen, was Wulff denn nun ursächlich falsch gemacht hat. Der Anruf bei Diekmann ist doch "nur" ein Folgephänomen.
Z.B. hat Wulff in seinem TV-Interview erklärt, der Kredit von Geerkens bot sich eben an, weil die gute Frau in den Hochzeiten der Finanzkrise schlicht nicht wußte, wo sie eben mal eine halbe Million gut parken kann. Prompt wollte Wulff derzeit ein Eigenheim finanzieren ... hmm, tja ... Nun hat man das ganze dann doch in ein Bankdarlehen umgeschrieben, dessen, den Normalo-Häuslebauer vor Neid blass machende, Zinskonditionen eben in der Bonität des Kreditnehmers gründen und somit gar nicht erstaunlich seien. Warum also ging Wulff nicht gleich zu einer, dieser, Bank? Alles nur eine Sache der Freundschaft gewesen? Die arme Frau Geerkens mit ihren leider so lockeren € 500.000?

Somit möchte ich nur ein Beispiel dafür geben, was tatsächlich noch in der Tiefe zu hinterfragen ist. Auch wenn der ursprüngliche Privatkredit nicht unrechtens ist, so drängt sich doch die Frage nach Unredlichkeit auf. Im Zweifel sollte ein Politiker nämlich alles vermeiden, was den Eindruck der Vorteilnahme aus dem Amte heraus nur irgendwie befördern kann. Bewusst gewesen ist ihm ja durchaus, dass schräge Blicke folgen könnten - sonst hätte er das ganze auf vor dem niedersächsischen Parlament nicht verschwiegen.
Und: Im Zweifelsfalle muss Wulff dann vielleicht auch das auf sich ergehen lassen, was man der politischen Klasse als solche vorwerfen kann. Sie tun es alle! Aktuelle Beispiele haben wir dafür genug! Wenn man erstmal richtig anfängt zu graben ... au weia! Allein deshalb, so will mir scheinen, hat sich etwa auch die Opposition so vergleichbar zurückgehalten.

Also ist die ganze Fokussierung allein auf den 'Medienfall Wulff' der eigentlichen Aufklärung hinderlich. Darin steckt freilich eine Ironie: Die Medien, deren grundsätzliches Funktionieren als "vierte Gewalt" im Staate ich oben ja auch festgestellt habe, stellen diese, ihre, Funktion durch ihre Verwertungslogik eben wieder infrage.
Deswegen würde ich einen Freitag-Titel "Hat BILD recht?" auch nicht begrüßen. Vielmehr dagegen die gerade aus linker Perspektive entschieden passendere Fragestellung nach der Korrumpierbarkeit des politischen Betriebes überhaupt! Wäre dochmal was: Den Fall Wulff gerade aus der herrschenden medialen Enge heraus- und (wieder) in die eigentliche politische Dimension hineintragen.
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 20:17
miauxx schrieb am 10.01.2012 um 20:14

@ miauxx
Wie immer weitgehend schlüssig.
miauxx schrieb am 10.01.2012 um 20:19
Anmerkung zu meinem Kommentar vom 10.01.2012 um 20:14:

"Z.B. hat Wulff in seinem TV-Interview erklärt, der Kredit von Geerkens bot sich eben an, weil die gute Frau in den Hochzeiten der Finanzkrise schlicht nicht wußte, wo sie eben mal eine halbe Million gut parken kann."

"Hochzeiten" ist mit langem "o" zu lesen!
Die deutsche Sprache mit ihrem Wust an Homonymen ist schon nicht ohne ... :-)
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 20:34
Das lange 'O' ergab sich aus dem Kontext selbstredend.
Popkontext schrieb am 10.01.2012 um 20:42
Ich würde einen Themenschwerpunkt zur Korrumpierbarkeit von Politik ebenso begrüßen wie einen, der sich damit beschäftigt, was kritische Presse ist und welche Rolle sie spielen sollte. Finde ich beides sehr wichtig! Und dabei nochmal den Fakten nachzugehen, wo sich Wulff jetzt nachweislich schuldig gemacht hat.
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 20:44
Das unterstütze ich!
Uwe Theel schrieb am 10.01.2012 um 22:15
Ergänzung zu miaux am 10.01.2012 um 20:14:

Hat jemand das gesehen?:

BR, 10.01.2012, 20.15 bis 21.00 Uhr

Münchner Runde Wulff unter Druck:
- Wie beschädigt ist der Präsident?

Moderation: Ursula Heller

Zu Gast: Jakob Augstein, Paul Nolte, Wilfried Scharnagl

www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/programmkalender/sendung186642.html

Podcast: www.br-online.de/podcast/video-download/bayerisches-fernsehen/mp3-download-podcast-muenchner-runde_video.shtml

Fazit: Augstein, Nolte, Scharnagl sind sich "irgendwie" einig, dass Wulff wohl im Amt bleiben wird. Sonst sind "irgendwie" auch keine wirklichen Unterschiede im politischen Urteil zu hören, die was ausmachten und die Rolle von BILD wurde schon gar nicht hart diskutiert.

P.S.: Ja, es ist der Scharnagl gewesen.
blog1 schrieb am 10.01.2012 um 22:24
@ miauxx

Völlig zutreffend Ihre Einlassungen zu den Ungereimtheiten in der Affäre Wulff.

Sämtliche Recherchen gegen Wulff bezogen sich auf seine Tätigkeit vor seinem Amtsantritt als BP und die Anfragen der niedersächsischen Opposition, vornehmlich der Grünen waren ja öffentlich bekannt. Der Spiegel war an der Sache dran, ermittelte aber in die falsche Richtung, weil er vermutete, dass der Kredit grundschuldbesichert war. Dies stellte sich als falsch heraus, trotzdem wurde ein Darlehensverhältnis vermutet, sonst wäre die Einsichtnahme ins Grundbuch nicht vor Gericht erstritten worden. Als Wulff BP wurde, wurden die Ermittlungen gegen ihn quasi auf Eis gelegt. Dennoch wurde weiterermittelt, um zum gegebenen Zeitpunkt losschlagen zu können. Warum dann das Startzeichen konkret im Dezember erfolgte, lässt sich nur vermuten. An solchen Spekulationen möchte ich mich jedoch nicht beteiligen. Das überlasse ich anderen, investigativ orientierten Journalisten mit dem Hang zu einfachen Fragen und vor allem Antworten.

Wie Sie richtig schlussfolgern, hat Wulff letztendlich der Wutanruf bei Bild – vorläufig jedenfalls - gerettet, weil sich der Focus komplett verschoben hat. Das war zwar nicht beabsichtigt, weil ich Wulff nicht für so clever halte, aber das Ablenkungsmanöver hat bislang ganz gut funktioniert.

Wulff wird diese Affäre überstehen, weil er in den Augen vieler das Opfer ist, mit dem man Mitleid empfindet, weil er nahezu schutzlos der geballten Medienwelt ausgeliefert ist. Die komplette Medienlandschaft hat ihr Pulver verschossen und kommt – was die tatsächliche Faktenlage betrifft – nichts mehr Entscheidendes nach, ist Wulff gerettet.

Jetzt wird auch klar, warum Merkel und andere Spitzenpolitiker der Regierung sich vornehm zurückhalten. Wulff steht vermeintlich ganz allein auf weiter Flur. Es ist jetzt der Geschmähte, der Gejagte, den man, koste es was es wolle, zur Strecke bringen will.

Wer hätte das gedacht, dass die Bild sich mit ihren eigenen Waffen schlägt. Dies erfüllt mich zwar mit Genugtuung, zufriedenstellen tut es mich nicht.
Magda schrieb am 10.01.2012 um 22:42
Hallo Uwe Theel - weiter oben habe ich dazu schon mal Bemerkungen geschrieben.

Jakob Augstein hat da seinen Part gespielt. Er hat das Vorgehen der Medien verteidigt. usw.
Mir hat der Scharnagl ganz gut gefallen- durch die Jahre milder geworden.

Ich hatte das Gefühl, es ist ein allgemeines Rückszugsgefecht
Georg von Grote schrieb am 10.01.2012 um 23:39
Letztlich ist das Ergebnis dieser "Münchner Runde" gar nicht so verwunderlich. Haben doch beide Seiten mehr oder weniger auf ganzer Linie versagt.
Zum einen Wulff, der als Ministerpräsident seinen Landtag wegen einer wohl eher als dubios zu betrachtenden Eigenheimfinanzierung beschwindelt hat und sich als Bundespräsident nicht traute, diesen Fehltritt offen zuzugeben.
Zum anderen die Medien, weil sie mit dieser "Affaire" offenbar nicht umgehen konnten.
Letzteres macht mir persönlich mehr Sorgen als das Vergehen des BP.
Es ist in meinen Augen ein Desaster, wenn ich sehe, wie einstmals als honorig und federführend angesehene Medien plötzlich von BILD vorgeführt werden und willfährig ihrem Kurs folgen. Da wird auch plötzlich ein Scharnagl wieder aus der Versenkung geholt, der einst der Kampfdackel eines F.J.S. war.
Das Ergebnis dieser Münchner Runde überrascht nicht, mussten die Beteiligten doch zugeben, dass sie nichts in der Hand haben um Wulff zurücktreten zu können. letztlich ist das, zumindest momentan, eine Kapitulation der Medien.
Wulff hat seine Glaubwürdigkeit verloren und letztlich schadet er mit jedem Tag, den er im Amt, aus dem man ihn nicht jagen kann, bleibt dem Ansehen dieses Amtes. Aber das kann der nächste Präsident, wann auch immer der kommen mag, wieder zurechtrücken.
Schlimmer ist in meinen Augen der Verlust des Vertrauen des Lesers in gewisse Medien und dieser Vertrauensverlust lässt sich nicht einfach so durch Auswechseln des Chefredakteurs beheben.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2012 um 19:25
@ Magda
"Mir hat der Scharnagl ganz gut gefallen- durch die Jahre milder geworden. "

Also, ein Faible für alte Haudegen!

Scharnagel "der hat sich ein paar Narben geholt (gemeint war Wulf) und hat noch eine tolle Zeit vor sich - ist ja noch keinen Jahre!

I"ch hatte das Gefühl, es ist ein allgemeines Rückszugsgefecht"

So isses! Eine Sau durchs Dorf gejagt - das wars?

Interessant war die Frage, die Nolte aufwarf -ganz am Anfang - nach den Privatverbindungen von Politikern!
Und Augstein hat ein Problem in den Raum gestellt, das ich in der ganzen Angelegenheit für zentral halte und das auf alle Politikern ausgedehnt werden müsste, dann wäre würde die BILD-Kampagne auch etwas bringen: Die „Freundschaften“ von Politikern. Dannach zu fragen, ist eben nicht indiskret, sondern wichtig in Hinblick auf deren Glaubwürdigkeit! Der Hinweis Scharnagels, Wulff habe den Freundeskreis Schröders komplett übernommen, relativiert diese Forderung nicht, sondern untermauert sie.
Das Entsetzen JAugsteins über „die Leute“ und deren Mangel an Vertrauen in „die Medien“, resp über die Gleichung Wullf=Medien=BILD, musste er ja selber am Ende konterkarieren, nach dem Hinweis, Frau Wulff habe die Neujahrsfeier des Hamburger Abendblattes besucht, zu der Dr. Döpfner vom Springer-Verlag geladen hatten. Es sei gut möglich, räumte er ein, dass die Wulffs sich bald wieder auf ein Kooperation mit BILD einlassen könnte.
Nun, das macht ja die Kampagne so unerfreulich. Dass eben keine Forderung nach Transparenz für alle Politiker formuliert wird. Auf keinem Titel stand: Schluss, Basta – wir wollen nun endlich eure Kontoauszüge, Gehaltslisten etc. sehen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2012 um 19:31
ist ja noch keine 50 Jahre! Wulf ist über fünfzig. Es ist immer wieder interessant, wie lange die Adoleszenz von Männern andauert.
L.Berit schrieb am 11.01.2012 um 20:18
@Helena Neumann

"Dass eben keine Forderung nach Transparenz für alle Politiker formuliert wird. Auf keinem Titel stand: Schluss, Basta – wir wollen nun endlich eure Kontoauszüge, Gehaltslisten etc. sehen."

Aber ist das wirklich die Aufgabe eines Journalisten? Wäre das dann noch eine "unabhängige Berichterstattung"?
Ist es nicht vielmehr Aufgabe der Bürgerinnen und Bürger für sich die (durch die Medien kommunizierten) Fakten zu deuten und daraus Schlußfolgerungen zu ziehen (also ggf. Forderungen an die Politik zu formulieren)?

Mich stört an der Debatte, dass die Fakten offenbar gar nicht zur Kenntnis genommen werden und alles irgendwie in Nebendebatten (Bild) unterzugehen droht. Damit verändert man aber nichts.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 11.01.2012 um 23:59
@ L. Berit

Sorry, Sie belieben zu scherzen?

Die Fakten sind zu genüge breitgetreten worden insbesondere hier in den Threads worden: die Freundschaften, der Anruf etc.; oben wiederholt JAugstein sie detaillierter!

Das BILD daraus sein ihm eigenes Schlachtfest macht, geschenkt.

Äußerst fragwürdig und deshalb auch mit dem Geruch des reinen Kampagnenjournalismus umweht, ist meiner Meinung, dass der Fall Wulff eben nicht zum Anlass genommen wird, um die wichtigen Fragen und Forderungen zu stellen - nach mehr Transparenz bei allen Politikern! Nolte hat das mit einem Satz zu Beginn der Münchener Runde angerissen, die Bemerkungen von Augstein über „Freunde“ gingen in die Richtung.
….
Warum wollen Sie der Springer-Presse, den Medien hier einen Maulkorb verpassen, warum geht die Denke da nicht weiter? Vielleicht weil die auch abhängig sind, dass ihnen mal wieder‚ 'ne Home Story angeboten wird, weil die wissen, dass auch ein Schuh daraus werden kann, dass Politiker, wenn die Machtkonstellationen entsprechend sind, z.B. BILD Interviews verweigern! Alles schon vorgekommen! Und da wäre noch die Primasendezeit incl. Abo-Plätze in der ersten Reihe bei ARD und bei Jauch. Wer verspielt sowas leichtfertig durch mieses Insistieren! Wieso also der Bahai um Springer! Die machen nur ihren Job, eben. Wie gehabt und bloß nicht mehr!

Arbeiten Sie für die? Sie wirken so entspannt!
L.Berit schrieb am 12.01.2012 um 08:15
Liebe Frau Neumann,

da gehen unsere Vorstellungen von der Aufgabe der Presse ziemlich auseinander.
Nochmal: ich glaube nicht, dass es den Medien zusteht, Forderungen (an die Politik) zu stellen, dies ist Aufgabe der Öffentlichkeit, also der Bürger.

Fakten darlegen, Fragen aufwerfen, die Ereignisse analysen und kommentieren, ja, aber Forderungen stellen, nein.

Warum stellen wir, als Öffentlichkeit, diese Forderungen nicht?

Stattdessen verlieren wir uns in einer Mediendebatte. Toll.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2012 um 18:17
@ Liebe/r L. Berit,

Ja! Wir Bürger sollten diese Forderungen an alle Politiker stellen. Wir Bürger haben uns aber die Parlamentarier an den Hals gewählt, die – quer durch die Parteienlandschaft -„Seit‘ an Seit‘ stehen, wenn es um die Umgehung, Verhinderung und Behinderung von Transparenz geht. Denken Sie nur an die jahrelangen Endlosdiskussionen über Diäten, Offenlegung von Nebeneinkünften etc.
Nun, was die Mediendiskussion hier bei dFreitag anbelangt, bin ich recht froh darüber. Nicht nur dass JAugstein diese mit seinen programmatischen Leitartikeln über die Notwendigkeit des öffentlich-rechtliche Fernsehen für die Demokratie, die Problematik von poltischen Talk-Shows in diesem Sommer so angeschoben hat, dass andere Journalisten die Thematik mit weiteren sehr guten Artikeln hier bei dFreitag bereichert haben.

Wenn JAugstein den Medien eine enorme Kontrollfunktion in der Gesellschaft zuspricht, dann ist das, da haben Sie recht, aus mehreren Gründen problematisch, und deshalb ist seine damit einhergehende "Selbstkritik" an Medien enorm wichtig. Dass die Diskussion engagiert, heftig, langatmig, kontrovers, bunt, blauäugig, streitsüchtig geführt wird, finde ich wunderbar belebend!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2012 um 18:21
und Kritik an der Kritik
Georg von Grote schrieb am 10.01.2012 um 20:23
Lieber Herr Augstein,
gibt es denn eigentlich "böse" Medien?
War der "Völkische Beobachter" böse? Sind BILD böse, oder FAZ, Spiegel, taz? Medien per se können nicht böse sein, denn Medien werden von Menschen gemacht..........und ja, die könnten schon ab und zu böse sein.
Für Wulff mögen "die Medien" momentan als die Bösen erscheinen, sägen sie doch momentan fast unisono an seinem Stuhl.
In meinen Augen sogar zu Recht, leider aber extrem dilletantisch.
Man kann es sich ja auch gerne schön schreiben, aber Fakt ist, die hochnotpeinliche Befragung durch Deppendorf und Co in ARD/ZDF war ein Desaster. Nicht für Wulff, sondern für die Medien. Wer dieses Interview genau verfolgt und ein wenig Ahnung von der Materie hat, der merkte schnell, Deppendorf und Schausten hatten nichts in der Hand mit dem sie Wulff in Bedrängnis bringen konnten.
Auszüge der Diekmannschen Mailbox sind ja nun veröffentlicht. Als langjähriger Strafverteidiger kann ich über so etwas nur schmunzeln. Und ich denke mal, die Wulffschen Anwälte schmunzelten ebenso. Wenn da nicht mehr auf dem Band war, dann wirds peinlich. Nicht für Wulff, sondern für die Medien.

Was führen Sie, Herr Augstein und Ihre Kollegen hier eigentlich? Einen medialen Indizienprozess?
Als Journalist sage ich Ihnen, damit möchte ich nichts zu tun haben. So etwas ist unter meiner beruflichen Würde.
Hier fragte jemand, wo denn der investigative Journalismus geblieben ist.
Die Affaire Wulff zeigt deutlich, dass der zumindest versagt hat, denn verifizierbare und vor allem auch justitiable Fakten habe ich jedenfalls bisher weder gelesen, gehört noch gesehen.
Ich sage das obwohl ich Wulff nicht mag, aber um jemanden zu verurteilen, braucht man Fakten und nicht nur vage Gerüchte und Anschuldigen, man braucht Beweise.
Ich gehöre zu der Generation, die im Mai 68 in Paris angefangen hat, Barrikaden zu bauen, die in der Schellingstrasse in München mit Vergnügen die BILD-Redaktion demontierten, die sich mit Strauss anlegten, sich gegen Nazis wehrten, von Hubschraubern in Brockdorf gejagt wurden und sich in Wackersdorf mit Polizisten prügelten.
Aber was hier gerade unter der Ägide der BILD abläuft und an dem sich die sogenannten führenden meinungsbildenden Medien, ob sie SZ, Spiegel oder sonst wie heissen, ist ein Armutszeugnis. Ein Waterloo der anspruchsvollen Medienlandschaft.
KarinL. schrieb am 10.01.2012 um 22:49
Dem kann ich nur beipflichten.

JA scheint die Welt nicht mehr zu verstehen. So kam es jedenfalls in der Sendung um 20.15 auf BR heute rüber.

Journalisten müssen sich halt daran gewöhnen, dass der Bürger sich emanzipiert hat und sich seine eigene Meinung bildet. Das scheint in der Vergangenheit nicht immer so gewesen zu sein. Das Volk muß ja nicht immer die selbe Meinung der Journalisten vertreten. Zumal es langsam mit der ganzen Verdummung seitens der Politik und Medien reicht. Oder wie hat H.Lauterbach das richtig im ZDF bemerkt:

Das ist Heuchelei.
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 22:57
@ Georg von Grote

Erfrischend klares Statement!
koslowski schrieb am 11.01.2012 um 10:35
@Georg von Grote 20:23

Endlich mal ein Ex-68er, der sich zu seinem Springer-Trauma bekennt.
Georg von Grote schrieb am 11.01.2012 um 17:10
Nun, als Trauma würde ich es nicht unbedingt bezeichnen. Eher als eine Portion gehörige jugendliche Wut in den 60ern und 70ern, die sich dann in eine bis heute noch anhaltende Antipathie gewandelt hat.
Dabei ist es ja nicht so, dass jetzt bei BILD unfähigere Journalisten gearbeitet hätten und im Moment arbeiten. Da gehe ich mit Augstein völlig konform. Ein Blome zum Beispiel könnte auch durchaus Chefredakteur beim Tagesspiegel oder der Berliner Zeitung sein und wird es vielleicht auch irgendwann, oder landet sogar beim Spiegel.
Es geht um die sogenannte "corporate identity" der BILD und die ist mir persönlich derart zuwider, dass ich bis heute nicht bereue, gewisse Angebote aus dieser Ecke, abgelehnt zu haben.

Aber letztlich geht es momentan doch gar nicht um BILD, sondern um Wulff und dessen Fehltritte, die man so oder so bewerten kann. Was letztlich auch egal ist, denn das wertvollste Gut für ihn als Bundespräsident, die Glaubwürdigkeit, die hat er, aus welchen bisher nicht bekannten Gründen, verspielt. Ob er nun bleibt oder ober er geht, ist mir persönlich, gelinde gesagt, schiet egal.

Was mir allerdings nicht egal ist, ist die momentane Entwicklung der Medien, vor allem der Printmedien, die schon vor ein paar Jahren begonnen hat. Dort herrscht zur Zeit ein derartig brutaler Konkurrenzkampf, der dazu führt, dass der seriöse Journalismus in absehbarer Zeit vor dieser Entwicklung kapitulieren muss.
Und diese Sitiuation, sage ich ganz ehrlich, die macht mir Angst.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 12.01.2012 um 18:27
@ von Grote

Sehr geehrter Her von Grote
"War der "Völkische Beobachter" böse? Sind BILD böse, oder FAZ, Spiegel, taz? Medien per se können nicht böse sein, denn Medien werden von Menschen gemacht.........."

Was sollen die Haarspaltereien? Außerdem finde ich Ihre Aufzählung schon recht daneben insbesondere für jemanden der an der vordersten Front der 68ziger Bewegung gestanden haben will.
Georg von Grote schrieb am 13.01.2012 um 13:40
@ Neumann

Verehrte Frau Neumann,
ich hoffe, Sie erlauben mir ein Schmunzeln.

Was Sie als "Haarspalterei" bezeichnen, nennen andere eine differenzierte und selektive Betrachtungsweise.
Ich kann mich auch nicht erinnern, irgendwie damit hausieren gegangen zu sein "an vorderster Front der 68er Bewegung" gestanden zu sein. Das waren, wenn überhaupt Dutschke und Co.
Zumal ich auch nicht erkennen kann, was die Zeit mit der Auswahl, der von mir beispielhaft genannten Medien zu tun haben soll.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.01.2012 um 23:21
"Gibt es einen unabhängigen Bericht?" --

Zumindest gibt es einen Bericht, der sich nicht weiter um die vermurkste wulff´sche Moral oder das Medienkarussell dreht, sondern um das, worum es substantiell geht:

www.taz.de/Die-Rechtslage-in-der-Causa-Wulff/!85236/

Erstaunlich viele wissen gar nicht, worum es bei dieser Rechtslage geht und dass es ernsthaft und zu Recht um diese Rechtslage geht. Das Empörende ist nicht die schon nachtwandlerische wulff´sche Sicherheit, in jedes Fettnäpfchen zu treten, sondern Rechtsbruch mit Taktik und Kalkül!

(Und was macht die Linke? Bei der BP-Abstimmung lief Gysi wie Faust´s Pudel mehrmals zu Merkel....flüster...flüster.... und Wulff wurde BP. Und heute? Des Pudels Schweigen. Ist wohl in irgendeinem Akt steckengeblieben ...)
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 23:27
:-)
Magda schrieb am 11.01.2012 um 10:23
Der taz-Beitrag macht deutlich, wie wenig wirklich "justiziabel" ist von den erhobenen Vorwürfen. Von daher sehr interessant.

BeispieL "Ebenfalls 2008 nahm Wulff von der befreundeten Unternehmergattin Edith Geerkens ein zinsgünstiges Darlehen über 500.000 Euro an. Später flog ihr Mann Egon Geerkens drei Mal in Wulffs Delegation bei Auslandsreisen mit. Geerkens hat die Reisen allerdings bezahlt und ist schon lange mit Wulff persönlich befreundet."

Tja, also da kann man wenig gegen sagen. Es muss einem allerdings auch nicht gefallen. Und so sind eigentlich alle diese Sachverhalte gelagert. Nicht ohne Grund klammern sich ja alle an Diekmanns Mailbox und das schlechte Krisenmanagement. Oder setzten Gerüchte in die Welt wie der unsägliche Volker Zastrow von der FAZ.
ChristianBerlin schrieb am 11.01.2012 um 22:20
@Magda

Oder setzten Gerüchte in die Welt wie der unsägliche Volker Zastrow von der FAZ.

Oder wie die unsägliche Magda?

Deine Andeutung, dass Volker ein Verleumder sein soll, hab ich heute an anderer Stelle bestritten und nach Beweisen oder wenigstens nach einer Begründung gefragt, die verifizierbar oder falsifikabel sein sollte.

Da kam bisher leider keine Antwort, nur der Hinweis auf einen ganz anderen Artikel mit späterer Buchveröffentlichung zu "gender mainstreaming" - aber auch keine Antwort auf meine Rückfrage, wo in jenem Text denn von ihm eine Falschbehauptung aufgestellt wurde.

Handelt es sich bei Deiner Verleumder-Arie um ein nicht belegbares Lüftchen?

Du musst darauf nicht antworten, wenn Du nicht willst ;)

Ich fordere weder eine Vorverurteilung von Christian Wulff noch von Volker Zastrow, sondern eine faire Argumentation gegenüber beiden.

Auf die hat jeder einen Anspruch. Auch und gerade wenn es darum geht, jemanden wegen seiner eigenen Unfairness dingfest zu machen, muss man fair bleiben, sonst überführt man in Wahrheit nur sich selbst.

LG Christian
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.01.2012 um 19:07
Hallo Christian,

diesen kommentar lese ich erst jetzt. Sie schreiben:
"Auch und gerade wenn es darum geht, jemanden wegen seiner eigenen Unfairness dingfest zu machen, muss man fair bleiben, sonst überführt man in Wahrheit nur sich selbst."

Das ist vollkommen richtig, was Sie schreiben. Trotzdem überlege ich gerade.
Fair sein hat die Bedeutung von 'anständig sein, redlich sein', was grundsätzlich wichtig ist, bei Wulff aber nicht greift, weil er sich diesen Anforderungen und Forderungen 'entzieht' , da sie keine juristische Relevanz haben. Gesetzesbruch ist einklagbar, Anstand im engeren Sinne nicht.
Wulff kann nicht aufgrund von Unfairness dingfest gemacht werden, da er seine Unfairness vielfältig umdeutet und sich auch mit Hilfe seiner juristischen Kenntnisse entzieht. Wulff ist nur aufgrund von Gesetzesverstößen greifbar, alles andere perlt an ihm ab wie das Wasser an einer Ente.
Nichtsdestotrotz ist es wichtig, nicht selbst in dem wulff´schen Morast auszurutschen.
@dllxllb schrieb am 10.01.2012 um 23:26
Mir geht es auf den Keks, dass Augstein hier in einigen Beiträgen durch den Kakao gezogen wird. Wieso eigentlich? Wegen einer Meinung? Erinnert geradezu an eine BILD'sche Hetzjagd. Nur mal so nebenbei. Wer sich angesprochen fühlt, darf gern die Profilneurose auch mal an meiner Persona ausleben. Bisschen Abwechslung, sonst wird's langweilig :) Ich schreib auch nicht zurück.
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 23:34
@ @dllxllb
Hmmm? Welche Vorlieben haben Sie denn, sich an Ihnen auszuleben? Ich hätte da so eine spontane Idee: Ihnen den Keks stibitzen und ihn in den Kakao stippen?
@dllxllb schrieb am 10.01.2012 um 23:46
@GEBE

An sich ein guter Vorschlag, wie ich finde. Aber wie wär's mit Keks teilen? Um die Uhrzeit kann es von mir aus auch gern ein Stück Käse und Rotwein sein ;)
GEBE schrieb am 10.01.2012 um 23:56
Bis auf den Rotwein, bin ich enverstanden.
;-)
@dllxllb schrieb am 11.01.2012 um 00:18
Find ich gut. Da ich den Rotwein jetzt anscheinend alleine trinken muss, sein Sie doch bitte so gut und machen dann das Licht aus? ;)
GEBE schrieb am 11.01.2012 um 00:30
Mach ich, versprochen. Und ich lüfte vorher nochmal kurz durch.
@dllxllb schrieb am 11.01.2012 um 00:50
Ein Traum. Schlafen Sie gut, Sie Keksstibitzer :)
Georg von Grote schrieb am 11.01.2012 um 00:51
Ich sehe eigentlich momentan nicht, dass Augstein hier durch den Kakao gezogen wird, aber vielleicht habe ich auch nicht jeden Beitrag hier so genau gelesen um mir da ein abschliessendes Urteil bilden zu können.
Aber wer eine Meinung postuliert, muss auch eine Gegenmeinung akzeptieren können oder wie es Wecker einmal sagte: Wer sich nicht in Gefahr begibt, der kommt drin um.

Aber wenn jemand wie Augstein so einen Leserbrief zur Diskussion stellt, dann macht jemand wie er das ja nicht einfach so.
Aber auch wenn manchmal der Eindruck entstehen mag, dass der eine oder andere sich gerne profilieren möchte, denke ich, dass der Vorwurf der "Profilneurose" schon leicht überheblich wirkt, zumal sonst nichts Substantielles beigetragen wird.
Die Zeiten haben sich eben geändert. Früher diskutierte man in verräucherten Kneipen bei diversen Flaschen Rotwein über so etwas bis zum Morgengrauen. Heute sitzen die meisten einsam vor einem Bildschirm.
Auch wenn ich mich hier jetzt an einer Diskussion beteilige, die erste Variante war und ist mir immer noch lieber. Ich sehe einem "Gegner" lieber in die Augen.
Popkontext schrieb am 11.01.2012 um 02:09
"Mir geht es auf den Keks, dass Augstein hier in einigen Beiträgen durch den Kakao gezogen wird."
Jakob Augstein hat sich selbst mitten in den Kakao gesetzt.
SuzieQ schrieb am 11.01.2012 um 02:12
Ich bin froh, dass Herr Augstein nur einen Leserbrief bekommen hat, stellt Euch vor, es wären mehr gewesen ... ; )
Fro schrieb am 11.01.2012 um 03:24
„Mir geht es auf den Keks, dass Augstein hier in einigen Beiträgen durch den Kakao gezogen wird“

Kakao? Ich glaube Jakob Augstein und die Leser können zufrieden sein mit der Fülle an unterschiedlichen interessanten Ansichten zum Thema und zu den gestellten Fragen. Die wenigen üblichen unpassenden Fundamentalkritiken und Besserwissereien – gab's die überhaupt? - sollte man einfach ausblenden.
weinsztein schrieb am 11.01.2012 um 03:32
Geht auch knapper, ohne Gezeter:
Die FC kann zufrieden sein mit der Fülle an interessanten Ansichten zum Thema. Ich bin es.
weinsztein schrieb am 11.01.2012 um 03:32
Geht auch knapper, ohne Gezeter:
Die FC kann zufrieden sein mit der Fülle an interessanten Ansichten zum Thema. Ich bin es.
weinsztein schrieb am 11.01.2012 um 03:40
Und schön, dass junge Menschen wie JA hier mitmachen. Ist doch unsere Zielgruppe.
SuzieQ schrieb am 11.01.2012 um 03:45
@ weinsztein
Schrauben Sie an Ihren Ansprüchen, andere tuns auch.
Sowohl an Ihren als auch an den eigenen.
Manch einer hier hat die Plattform genutzt, um sich selbst zu erhöhen und andere zu erniedrigen, das blende ich nicht aus.
memyselfandi schrieb am 11.01.2012 um 17:40
Naja, vor diesem Beitrag gab es schon einen, der da hieß "Der böse Wulff", deswegen jetzt auch die bösen Medien, der nächste ist dann die böse Großmutter, wo es wieder einmal Augsteins Feindbildin Nr.1, der Merkel, an den Kragen geht.

Den Seitenhieb auf Merkel konnte er sich gestern auch nichr verkneifen. Anyway.

Laberrhabarber, Augstein hat sich in den Kakao gesetzt mit der ersten Serie, in der die BILD schon so gut wegkommen ließ, und nun hat er die Kakaobohnen selbst zerstampft für diesen zweiten Streich. Gestern konnte er es auch "echt überhaupt nicht fassen", dass es Menschen gibt, die Wulff und (UND) die BILD nicht mögen. Hier wundert er sich ja auch darüber, und wie SuzieQ schon sagte, er sollte froh sein über diese Allesnichtwoller, die weder für Wulff noch für die BILD sind. Tut er aber nicht, nein, er versteht es überhaupt nicht, wieso die Leute die BILD nicht wie Saulus zum Paulus feiern.

Da hört der Spass dann auch auf, wenn einer das so gar nicht versteht, der sonst so für Kritik ist.
Ganz objektiv schadet er damit seinem Amt wie Wulff dem des Präsidenten (komisch, diese Parallelen). Psychologisierungen lasse ich jetzt, wegen der Nettikette.

Fazit: Es gibt da Leute, die kennen nur eins oder das andere, die können nicht verzweigt und differenziert denken und werfen dann anderen Kleingeisterei vor und verstehen so gar nicht, wie man nicht pro-BILD ist, wo sie dem bösen Wulff doch so ans Bein pinkelt, die gleichen fanden die BILD vorher doof, nun ist sie toll. DAS MACHT ANGST, diese Art von Hinterhertrollen hat Dutschland, diese Art von Unverständnis und wirklicher Kleingeisterei muss einen an die Nazizeit denken lassen. Traurig!
memyselfandi schrieb am 11.01.2012 um 17:51
P.S. Die nächste Titelstory ist ja nun die Verwunderung über das Glaubwürdigkeitsdefizit der Medien, also der BILD speziell, das ist... nun wirklich nicht mehr zu fassen und alles andere als links; ja wie kommen die Menschen nur darauf der BILD zu misstrauen?
Da will einer Aufmerksamkeit und geht über.... linke Intelligenz. Gute Nacht.
Joachim Petrick schrieb am 10.01.2012 um 23:49
siehe:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/jakob-augstein-kopf-hoch-der-kampf-geht-weiter

10.01.2012 | 23:43
Jakob Augstein "Kopf hoch!", der Kampf geht weiter!
jakob_augstein bettina_wulff christian_ wulff medien bild dieckmann döpfner friede_springer demokratie bundespräsident münchner_runde hamburger_abendbaltt

Nicht verzagen, Blogger/innen, Leser/innen fragen!

Jakob Augstein macht mir heute als Gast in der Sendung"Münchner Runde" mit Ursula Heller als Moderatorin, den weiteren Gästen, Wilfried Scharnagel, Paul Nolte zum Thema
"Wulff unter Druck. Wie beschädigt ist der Präsident?"
einen eher matten Eindruck, auch wenn er engagiert mit seinen Argumenten punktete.
Angelia schrieb am 11.01.2012 um 01:34
Also ich bin voll und ganz mit Ihrer Arbeit im Fall Wulff zufrieden, Herr Augstein. Auch mit der Arbeit der Medien. Manches an der Berichterstattung war zwar vielleicht hart an der Grenze, aber als subjektiver Mensch darf ich sagen, mich hat das " endlich mal wieder Freche" der Berichterstattung stellenweise sogar amüsiert. Das liegt sicher auch daran, dass ich Herrn Wulff für die Verkörperung des Politikers halte, den die Welt nicht braucht. Aus diesem Grund lasse ich in Punkto Fairnesskontrolle gern auch mal stillschweigend 5 gerade sein.

Aber letzendlich wird Wulff aber nicht an den Medien scheitern, sonden an sich selbst.
KarinL. schrieb am 11.01.2012 um 01:57
Ich denke, dass JA sich da in etwas "hinein ziehen" lassen hat. JA als Journalist muß sich da auch nicht die Hose anziehen. Wir wissen eben auch alle, dass Presse und Politik/Wirtschaft alle bestens miteinander verbandelt sind. Und ich finde es unfair, wenn die Medien den Bürger zur Auflagensteigerung/ als Ouotentreiber benutzen. Ohne BILD wäre die Sache mit Sicherheit anders verlaufen!

Eigentlich hatte ich ihn nicht wirklich verstanden, so wie einige (wie ich wahrgenommen habe) von hier auch. Vielleicht sollte JA mal neben sich treten und versuchen die Sache aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten (ich weiß, leichter gesagt als getan)

Die BILD scheint ein ziemlich mieses Spiel mit Wulff zu spielen. Andere Medien für ihre Zwecke benutzt zu haben. Und ich denke, dass deswegen die Mehrheit noch zu Wulff "steht". Ich finde es auch erschreckend, wieviel Macht BILD doch so besitzt, wenn alle anderen Medien ihr aufgesessen sind. Vorallem aber dabie den Bürger vergessen!

Um das ganze mal für mich ab zu schliessen dazu auch diesen Beitrag von Michael Spreng. Dem ich mich anschließe.

www.sprengsatz.de/

Und nochmal, Wulff hat das Amt des BP beschädigt, keine Frage. Nur haben die Medien, allen voran die BILD, hier nicht sauber gearbeitet, sondern sich ein Eigentor verpasst.
claudia schrieb am 11.01.2012 um 10:24
>>Und nochmal, Wulff hat das Amt des BP beschädigt, keine Frage.<<
Das hat er. Und zwar bevor er wusste dass er mal Bundespräsident werden wird.
Auch sein Nachfolger wird das Präsidentenamt beschädigt haben, bevor die Bundesversammlung ihn zum Präsidenten macht.
Auch damit wird niemand ein Problem haben, solange BILD keine Kampagne fährt.
Warum BILD jetzt den Präsidenten ankackt, werden wir wahrscheinlich wissen, wenn Wulff zurückgetreten ist und sein Nachfolger feststeht.

Weil die Dramatik der Gauckomanie nicht wiederholt werden wird, bleibt die nächste Präsidentenwahl wahrscheinlich wieder ohne grosses Medienecho.
Die wenigen, die das dann trotzdem wahrnehmen, werden vermutlich sagen: "Ach dafür musste die Stelle freigemacht werden!"
Aber wie gesagt, ohne Dramatik. Die wird jetzt nur gebraucht, um die Präsidentenstelle freizumachen.

Ich sehe keinen Grund, Partei zu ergreifen für den Buprä oder irgendwelche Intriganten gegen ihn.
Pack schlägt sich und verträgt sich auch wieder.
Interessanter ist die Frage, wie das Volk für Palastintrigen intrumentalisiert wird. Nicht der Inhalt der aktuellen Kampagne, aber die Methode erinnert dann doch wieder an die Gauckomanie.
claudia schrieb am 11.01.2012 um 10:40
Korrektur:
>>Auch sein Nachfolger wird das Präsidentenamt beschädigt haben, bevor die Bundesversammlung ihn zum Präsidenten macht. <<
=
Auch sein/e Nachfolger/in wird das Präsidentenamt beschädigt haben, bevor die Bundesversammlung ihn/sie zum/zur Präsident/in macht.

Man sollte niemals niemals sagen, solange nicht bekannt ist, was dahinter steckt.
werner_k schrieb am 11.01.2012 um 12:08
Versuch einer Erklärung der Umfrageergebnisse in der Causa Wulff

Lieber Jakob Augstein,

ich habe gestern im Bayrischen Fernsehen den Beginn der Münchener Runde mir „reingezogen“ allerdings nur kurz. Sie äußerten sich überrascht über die „hohen“ Umfragewerte – ich bin der Meinung ein fifty/fifty ist für eine Person in diesem Amt mit diesem Anspruch, verdammt mies.
Für mich trägt jeder Artikel, jede Kommentierung den Keim der Manipulation in sich. Ist Ihr Erstaunen nicht darin begründet, dass die Presse „Macht“ anders definiert, dass sie bereits der Manipulation Macht zuweist? Macht entsteht, meiner Meinung nach, erst dann wenn die „Manipulation“ wirkt. Verwechselt die Presse nicht ihre Öffentlichkeitswirkung mit Macht? Erst die Öffentlichkeitswirkung ist für mich entscheidend ob Macht der Presse entsteht oder eben auch nicht! Die Presse hat die Aufgabe die Staatsmacht zu kontrollieren und daraus kann man noch keinen Machtanspruch herleiten. Macht entsteht allerdings dann, wenn der Verursacher der Meldung nicht mehr Herr der Angelegenheit ist, was er fast immer auch zu verantworten hat.
Im Falle Wulff ist was eigenartiges passiert. Ausgerechnet das Presseorgan, das nicht unbedingt für absolute Seriosität steht, hat die Affäre Wulff ans Licht gezerrt und damit, entgegen bisheriger Gepflogenheiten, ein doch sehr einheitliches durchweg positives Echo der Kollegen, denen Seriosität zugesprochen wird, auslöste. Solches verwirrt, denn „Na ja, das ist halt die Bild“ ist meist der Tenor.
Die Presse ist Teil der politischen Kultur dieser Gesellschaft und diese „Kultur“ ist in den letzten Jahren, bis ins Präsidialamt hinein, zum Machtgerangel der Protagonisten verkommen, auch der Presse – ironischer Weise gerade hauptsächlich jene, die die Causa Wulff öffentlich gemacht hat. Die Gesellschaft will und darf sich nicht von der Kontrolle der Staatsmacht regieren lassen. Der oberste Repräsentant der Gesellschaft hat nun die Macht des Wortes, das seinem Amt gegeben ist, an die Garderobe dieser Kontrolle gehängt, damit jegliche Integrationskraft verloren und das beängstigt. Ich meine die Schwarmintelligenz unserer Gesellschaft ist verunsichert und die Umfragewerte sind dann eben so wie die diese Werte: gespalten! Mich wundert’s nicht.
Angelia schrieb am 11.01.2012 um 13:02
"Ich meine die Schwarmintelligenz unserer Gesellschaft ist verunsichert und die Umfragewerte sind dann eben so wie die diese Werte: gespalten!"

Nietzsche schrieb mal sinngemäß, dass die Menschen nicht allergisch auf den Inhalt einer Aussage reagieren, sondern auf die Art und Weise, wie eine Aussage vorgebracht wird. Vielleicht kann die Hälfte der Bürger sich einfach nicht mit der Art und Weise der Berichterstattung anfreunden, obwohl sie inhaltlich nichts auszusetzen haben. Man müsste ja quasi sein eigenes Wertesystem relativieren, um aus dieser paradoxen Situation zu kommen. Das hieße natürlich auch klar Stellung zu beziehen. Z.B welcher Art soll ein Volksvertreter denn sein, dem ich meine Macht stellvertretend übertrage. Und welche Mittel kann ich noch akzeptieren, um Fehlverhalten zu sanktionieren?

Ich reibe mir im Fall Wulff zwar auch nach wie vor verwundert die Augen über die Aktivität und Art und Weise der BILD. Nichts desto trotz haben die anderen Medien m.E nichts weiter als ihren Job getan. Und dass Wulff nicht aus den Schlagzeilen kommt, liegt vor allem auch an seinem Umgang mit seinem Problem. Da fährt er m.E. eine ziemlich kluge Strategie - lenke von dir ab und mache deine Kritiker zum Problem - also die Medien. Sicher haben die Medien Angriffsfläche zu bieten. Was man mal separat erörtern sollte. Mir geht diese undifferenzierte Medienschelte ohnehin seit langem auf den Geist. Nur weil Noam Chomsky und andere sich berechtigterweise mal kritisch in einem Essay zu den amerikanischen Medien äußerten, muss man diese Kritik nicht 1 zu 1 unreflektiert übernehmen, nachplappern und verbreiten. Zumal die Medien immerhin eine Kontroll- und klar auch Machtposition haben und haben sollen.

Aber ich meine man sollte im Fall Wulff klar benennen, dass hier nicht die Medien das Problem sind, sondern Wulff und sein spezieller Umgang mit Transparenz, Wahrheit und seinem Selbstverständnis als Politiker. Kehren wir also zum Kern des Problems zurück.
L.Berit schrieb am 11.01.2012 um 14:17
@Angelia

"Nietzsche schrieb mal sinngemäß, dass die Menschen nicht allergisch auf den Inhalt einer Aussage reagieren, sondern auf die Art und Weise, wie eine Aussage vorgebracht wird. Vielleicht kann die Hälfte der Bürger sich einfach nicht mit der Art und Weise der Berichterstattung anfreunden, obwohl sie inhaltlich nichts auszusetzen haben."

Vielleicht liegt dieses Mißverhältnis innerhalb der Diskussion zwischen Form (Bild) und Inhalt (Fakten) darin begründet, dass viele den Inhalt gar nicht verstehen - das ist zumindest meine Befürchtung.
werner_k schrieb am 11.01.2012 um 18:44
Völlig richtig. Mein Kommentar soll auch absolut keine Medienschelte darstellen noch den eigentlichen Vorgang kommentieren. Ich suche nur eine Erklärung für die, für mich auch zunächst unverständlichen, Umfragewerte und da müssen eben die Medien miteinbezogen werden. Die Medien haben in diesem Falle sich weitestgehend völlig korrekt und richtig verhalten, für mich mit dem Wehmutstropfen, dass es von der BILD ausging. Neben der Person Wulff ist für mich auch zum Kern des Problems eine für mich merkwürdige Interpretation und Ausübung von Macht seitens der Protagonisten der Politik.
Andreas Kemper schrieb am 11.01.2012 um 14:31
Fro schrieb am 11.01.2012 um 17:01
Ja, lieber ein Null-Nutzen-Präsident, der keinerlei Schaden anrichten kann, als ein "volksnaher" Vermittler der herrschenden Regierungspolitik.

„Nicht die Kleidung der Ehefrau des Verteidigungsministers ist wichtig, sonder die Lage der Sozialsysteme oder die Notwendigkeit der Rente mit 67.
Umgekehrt müssten Regierung und Opposition ihre Politik umfassender und verständlicher erklären, sagte Gauck: „Politiker haben die Pflicht, ihre Positionen in aller Klarheit zu vertreten.“ Nur wer seine Entscheidungen ausführlich begründe, könne Ängste vor unpopulären, aber notwendigen Maßnahmen abbauen. Die Fachsprache und Expertenterminologie vieler politischer Tagesdebatten wirke auf die Wähler abschreckend: „Politiker müssen eine Sprache finden, die auch von den einfachen Menschen verstanden wird.“
Aus „Gauck attestiert Sarrazin "Mut"“

Eigentlich ein jämmerliches Armutszeugnis der Linken, dass sie so wenig Phantasie (und auch anarchischen Humor) hat, hier mal Personen als Alternativen ins Spiel zu bringen, die eindeutig auf der Bürger Seite stehen. Lieber warten sie auf die nächste Enthüllung vom Kaliber: Wulff hätte seine Gartenzwerge von der örtlichen Gärtnerei zu einem unüblichen Sonderpreis erworben...

Georg Schramm for President.
Fro schrieb am 11.01.2012 um 21:26
„Null-Nutzen-Präsident“ ist etwas fiese – nehme ich mal zurück.. Und Wulff hätte, sollte er aushalten, ja auch noch die Möglichkeit Georg Schramm als Redenschreiber zu engagieren... und mal ganz ungeniert aufzutreten – für die Bürger!
Phineas Freek schrieb am 11.01.2012 um 15:08
"Phineas Freek schrieb am 20.12.2011 um 23:08

Wem überhaupt solch eine unverschämte Frage (Was darf ein Ministerpräsident annehmen?, der Verf.)) ein Bedürfnis ist und nicht Anlass empörter Zurückweisung oder einfach nur ein Achselzucken, dem wird hier wohl genau der Fraß serviert, von dem sich das belämmerte Publikum offenbar seit Tagen und das pausenlos, nicht genug ins untertänige Maul stopfen kann.
Womit wir dann auch schon mitten in der Abteilung (staatsbürgerlicher) Vernunft angekommen sind:
wer sich so über Amtsträger echauffieren kann, wie auch in den vielen todtraurigen Blogs hier im Freitag, der will auch offenbar und wirklich rein GARNICHTS auf das heilige Staatsamt, seine Aufgaben und Zwecke kommen lassen!

Phineas Freek schrieb am 04.01.2012 um 16:30

@Wolfram Heinrich
…habe Deine Antwort erst jetzt gelesen – deswegen auch erst jetzt meine kurze Antwort auf Deine Worte, die leider nur das von mir Kritisierte zu bestätigen scheinen.
Wer den „Großen Herren und Damen“ ausgerechnet deren Verfehlungen und Verstöße gegen ihr eigenes (auch moralisches) Regelwerk unter die Nase reibt - auch mit der (verständlichen) Motivation einen dieser aufgeblasenen Affen mal die abgestandene Luft raus zu lassen – „handelt“ da trotzdem immer affirmativ und antikritisch.

Denn nur die Akzeptanz und Übernahme der Maßstäbe dieses amtlichen Regelwerkes (durch das „Volk“, der Verf.) als das allgemeingültig Gute, könnte da Empörung und Echauffierung auslösen. Und diesen Fehler folgend, wäre eben auch diese konstruktiv konnotierte Reaktion ebenso verkehrt: weil sie (die Herrschaften, der Verf.)) doch tatsächlich ihre eigenen Ideale nicht befolgen, “ benehmen sich die „Großen Herren und Damen“ unverschämt und unwertig.

Die für die meisten Menschen „ungemütlichen“ Aufgaben und Zwecke von „Amt und Regelwerk“ kommen dann mit dieser antikritischen Verfahrensweise auch noch ganz ohne Prüfung und Kritik in die Welt (vermutlich als ein Naturereignis) – und sind dann „gegessen“.
Und was neben aller Wissenshuberei und kritischer Distanz den allermeisten Menschen auch die Erfahrung lehren könnte ist: die Korruptesten und den „schönen Dingen des Lebens zugeneigten“ Staatsmänner und Herrschaften, waren meistens auch die unblutigsten und „verträglichsten“, was den Umgang mit ihren Staatsvolk anbelangte!

„Was Wulff betrifft“ interessiert da doch viel eher, warum überhaupt diese Hetzkampagne bestimmter „elitärer und herrschaftlicher Kreise“ (teilweise dieselben die Wulf lange Zeit protegierten!) mit solch einer Hartnäckigkeit und Penetranz durchexerziert wird, um ihn letztendlich zu stürzen.
Was stört diese Leute denn wirklich an einen (ehemaligen) ihrer eigenen „Seilschaften“?
Es ist doch nicht das ganz normale mal mehr oder weniger und überall vorkommende Korrumpel- und Gefälligkeitswesen, ohne die „vertikale Gesellschaften“ überhaupt nicht existieren könnten!

Genau diese Fragen gehen aber zielgerichtet unter, wenn das (untertänige, der Verf.) Einfordern keimfreier Moral (unter medialer Anleitung fast aller professionellen Simulations- und Matrixbastler, der Verf.) beim Herrschaftspersonal mit Kritik verwechselt wird."

www.freitag.de/community/blogs/wolfram-heinrich/was-darf-ein-ministerpraesident-annehmen---
paulart schrieb am 11.01.2012 um 21:20
Angenommen, Wulff hätte die SZ angerufen...

Wie wohl wäre die Diskussion - auch hier - verlaufen, wenn dieser Bellevue-Anruf Hans Leyendecker (Süddeutsche Zeitung) gegolten hätte? Oder wenn Wulff die taz oder die Frankfurter Rundschau angerufen hätte?
Ich glaube, die Positionen wären allesamt eindeutiger gewesen. Zu Ungunsten des Bundespräsidenten. Und zu Gunsten der Zeitungen.

Sind es also die großen Buchstaben der größten deutschen Boulevard-Zeitung, die uns die Sicht auf den "Tathergang" versperren?
Wulff hat, noch als niedersächsischer Ministerpräsident, verschleiert, dass er von Freunden einen günstigen Kredit erhalten hatte, dass er in Ferienwohnungen seiner "Freunde" Urlaub machte (so arm ist doch ein MP gar nicht!). Und als dies bekannt wurde - Wulff stieg inzwischen Dank Merkel zum Bundespräsident auf - versuchte Wulff diese Berichterstattung darüber zu verhindern (lt. Vize-Chefredakteur Nikolaus Blome).
www.zeit.de/politik/deutschland/2012-01/wulff-bild-anruf

Natürlich tue auch ich mich schwer, indirekt die Positon der BildZ zu stärken. Aber was der Bundespräsident getan hat - hat er das denn inzwischen begriffen? - ist eigentlich ungeheuerlich. Er hat versucht, seine "geballte Macht" gegen die Pressefreiheit einzusetzen. Er wähnte sich wohl zu lange - auch bei der BildZ "unter Freunden". Ein kapitaler Fehler! Es sind lediglich Zweckbündnisse (auf Zeit) zwischen Politik und Medien. Wulff hätte dies erkennen können. Zuerst qualmte Maschmeyer mit Schröder dicke Zigarren... und als Wulff ganz oben war, trank er mit ihm Orangensaft oder Campagner.

Bundespräsident Wulff sollte sich ein Beispiel am Schweizer Zentralbankchef Philipp Hildebrand nehmen.
www.zeit.de/wirtschaft/2012-01/hildebrand-ruecktritt
luisa schrieb am 11.01.2012 um 23:33
am Rande mal eine Anmerkung zur Betrachtung v. Schirachs über Wulff: "ich bin nicht euer Vorbild, ich bin euer Abbild".

@ Mr. President: Du bist bestimmt nicht mein Abbild, denn ich bin dein Souverän. Und wenn Du so sein willst wie ich, dann such Dir bitte einmal auf dem freien Arbeitsmarkt einen neuen Job. Mich hast Du verhöhnt, als der Gegenwert der von Dir "unwissend" angenommenen "Geschenke" größer wurde als mein jährliches Bruttoeinkommen.
cuchulainn schrieb am 12.01.2012 um 15:08
"Du bist bestimmt nicht mein Abbild, denn ich bin dein Souverän."

das ist die präziseste und auch noch zeit-gerechteste zusammenfassung all dessen, was "christlich" ist, die erhältlich sein dürfte.

herr augstein sollte diesen satz die nächsten zwölf monate (können aber auch jahre sein) in die zeitung setzen, mit sperrdruck und in den grossen lettern.
Rüdiger Grothues schrieb am 11.01.2012 um 23:52
Der ganze Fall ist ziemlich verfahren und zerzauselt, kein Zweifel, aber auf die Frage von Jakob Augstein, was der Freitag anders hätte machen können in der Behandlung, der Berichterstattung über Wulff, fallen mir zwei Dinge ein, und ich stelle sie auch deshalb hier in den Raum, weil mir unabdingbar erscheint, das die Erörterungen vom Konkreten ausgehen und von dort aus zum Abstrakten, zur Analyse fortschreiten, was mir mehr und mehr in den Hintergrund zu treten scheint.

Da gibt es zunächst den Medientagebuch-Bericht vom 3. Januar, der mich äußerst deprimiert hat, arbeitet er doch genau mit der Perfidie, derer sich sonst z.B. die Bild bedient. Es ging um die Frau des derzeitigen Bundespräsidenten. Und der Beitrag missbilligte zwar im Text da und dort die „Gerüchteküche“ um die Präsidentengattin und konstatierte: „Bei der Lektüre der Einträge ist schnell klar: auch im Internet schreiben die meisten von einander ab. Und: vor allem die üblichen Verdächtigen…“ Aber um diese Anklagen herum wurden die Gerüchte Satz für Satz in den Artikel eingefügt, ich vermeide in diesem Satz das Wort „genüsslich“. Ich hatte von diesen Dingen bislang nichts vernommen, und so wird es vielen Leserinnen ergangen sein.
Jedenfalls handelte es sich nach meinem Geschmack um eine Informationsweiterreichung mit mehr als einem Quantum Perfidie, fast so, wie die Boulevardpresse früher „Nacktdemo“-Protestaktionen von Schülern und Studenten anprangerte, diese aber unter höchstem Empörungsvorbehalt mittels Fotostrecken dokumentierte.

Der zweite Fall der Medien- und Artikeldurchreiche ist konkret politischer und damit komplizierterer Natur.
Hierbei geht es mir um den Artikel von ChristianBerlin vom 7. Januar, der erneut seinen Inhalt aus dem Bezug auf anderes Material schöpfte, diesmal einem Artikel von Volker Zastrow in der FAZ.
Zastrow bringt in seinem Beitrag relativ subtil den unter Journalisten offensichtlich schon länger schwelenden und recht brisanten Verdacht unter, dass der heiß diskutierte Kredit für den Hausgrundstückskauf Wulffs vielleicht eine Geldzuwendung anderer Art, nämlich ein Geschenk war. Der Artikel steht für sich, man mag ihn kommentieren, aber hier wird er dupliziert, und das mit einer problematischen Erweiterung, denn Berlin schreibt: „Dann würde vieles einen Sinn machen, was sonst keinen macht. Das ist zwar kein Argument, dass es deshalb so sein muss. Aber ist durch irgendetwas sicher bewiesen, dass es nicht so war?“
Das geht zu weit. Zastrow mag das Gerücht darlegen, das hat er getan, aber im bezugnehmenden Wiederaufbereitungsartikel wird dem Angeklagten auferlegt, das Gerücht zu widerlegen. Vom Rechtsstaatsgebot will ich hier nicht reden – allein Fairnessgründe reichen aus, finde ich, solche überspannten Exkulpationsforderungen zu unterlassen.

Um mich recht zu verstehen und zum Ausgangspunkt zurückzukehren: Die Vorwürfe müssen untersucht werden. Und die Presse muss am Ball bleiben. Aber wichtig scheint mir mehr denn je, vom Konkreten zum Allgemeinen und zur Analyse zu schreiten –das gilt z.B. auch für die sogenannte Eurokrise-, und darum haben mich die beiden von mir angesprochenen Beiträge geschmerzt – auch deshalb, weil mir die Community am Herzen liegt.
Viele Grüße von Rüdiger Grothues
Magda schrieb am 12.01.2012 um 08:49
Ich bin Ihrer Meinung, frage aber nach, ob Sie in den entsprechenden Blogs auch kommentiert haben?
Auch was den zweiten Aspekt betrifft: Ich habe dort - wie auch andere - meine Zweifel am Vorgehen Christians geäußert, mich aber auch gegen Zastrows "Subtilität" gewandt.
Warum haben Sie es nicht auch dort getan oder ist das geschehen?
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2012 um 11:54
@Magda

Ich bin Ihrer Meinung

Interessant - in allen Punkten?

Darf ich daran erinnern, dass Du die erste war, die noch vor dem 3. Januar auf freitag.de die Berichterstattung über Bettinas Vorleben kritisiert hat - wenn auch weniger ausführlich?

Man entgeht dem Vorwurf, den Rüdiger erhebt, nicht. Sobald man irgendetwas angreift, greift man es auch auf.

Es kann durchaus so sein, dass man es nur tut in der gegenteiligen Absicht und mit dem gegenteiligen Effekt, das muss aber deswegen nicht immer so sein.

Rüdiger argumentiert aber so, als wäre das per se der Fall (und deshalb beim Freitag keines Beweises bedürftig) - und dann trifft sein Argument auch Dich.

Und dem stimmst Du zu? Wars denn so?

LG Christian
cuchulainn schrieb am 12.01.2012 um 12:11
zwei schneiden haben deine worte bisweilen, christian - und deine ratschlüsse.

:)
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2012 um 12:47
@Rüdiger Grothues

Lieber Rüdiger,

willkommen beim Freitag, in der dFC auf freitag.de. Ich kritisiere den Freitag und andere Autorinnen und Autoren / Bloggerinnen und Blogger oft auch aus dem Motiv:

weil mir die Community am Herzen liegt.

und ich bin sicher, wir sind da nicht die einzigen.

Danke auch für die Herausstellung des Surplus meines Beitrages gegenüber dem von Volker

Zastrow bringt in seinem Beitrag relativ subtil den unter Journalisten offensichtlich schon länger schwelenden und recht brisanten Verdacht unter, dass der heiß diskutierte Kredit für den Hausgrundstückskauf Wulffs vielleicht eine Geldzuwendung anderer Art, nämlich ein Geschenk war. Der Artikel steht für sich, man mag ihn kommentieren, aber hier wird er dupliziert, und das mit einer problematischen Erweiterung

Das kann ich soweit unterschreiben.

Gegen mit der dann folgenden Argumentation habe ich mich schon in diversen Kommentaren in meinem Blog auseinandergesetzt:

Das geht zu weit. Zastrow mag das Gerücht darlegen, das hat er getan, aber im bezugnehmenden Wiederaufbereitungsartikel wird dem Angeklagten auferlegt, das Gerücht zu widerlegen.

Ich dazu hier nur wiederholen: Das ist nicht so. Was ich stattdessen verlangt habe, kannst Du im Blog unmittelbar hinter den von Dir zitierten Sätzen im Blog nachlesen.

Die Spur des Geldes müsste mit justiziellen Mitteln zurückverfolgt werden.

Es geht - rechtsförmlich - um einen sogenannten Anfangsverdacht. Der begründet noch keine Verurteilung des Verdächtigten, für den Fall, dass dieser ihn nicht widerlegen kann, das wäre in der Tat unrechtstaatlich und ist von mir nie behauptet oder gefordert worden.

Was aber rechtsstaatlich bei einem sogenannten Anfangsverdacht zu passieren hat, ist eine justizielle Ermittlung (die, ich wiederhole - erfolgen muss - aber noch keine Verurteilung bedeutet, selbst dann nicht, wenn der Verdächtige den Verdacht nicht auszuräumen oder zu widerlegen willens oder in der Lage ist).

Vom Rechtsstaatsgebot will ich hier nicht reden – allein Fairnessgründe reichen aus, finde ich, solche überspannten Exkulpationsforderungen zu unterlassen.

Ich wiederhole zum x-ten Mal: Das war nicht meine Forderung. Ich bitte meinerseits darum, sie mir nicht in den Mund zu legen, obwohl ich im Blog etwas anderes geschrieben habe.

Eine Ermittlung mit den Befugnissen eines Untersuchungsausschusses oder von Strafverfolgungsbehörden würde als ultima Ratio sehr einfach und schnell Licht in dieses Dunkel bringen, wenn es sich anders nicht sicher aufklären lässt.

Die schlüssige und zügige Aufklärung des einmal ausgesprochenen Verdachtes kann nur dem Schutz des Präsidenten und seines Amtes dienen.


Daraus folgt allenfalls eine Empfehlung an den Bundespräsidenten und seine Anwälte, die mögliche Aufklärung selbst zu leisten und die Dokumente, wie versprochen, ins Netz zu stellen. Es heißt nicht, dass er schuldig im Sinne des Verdachts ist, wenn er das nicht macht oder seine Anwälte - entgegen seiner Ankündigung - nicht von der Schweigepflicht entbindet. Vielleicht ist er dann schuldig im Sinne eines anderen Vorwurfs: Dass das politisch unklug ist, aber das ist nicht dasselbe.

Eine Forderung ist das nur im Hinblick auf das, was zu passieren hat, wenn der Präsident selbst diese Chance nicht nutzt: Dasselbe, was sonst bei jedem Anfangsverdacht passiert und zu passieren hat. Nur dass hier die besondere Immunität des Staatsoberhauptes eine einfache staatswaltschaftliche Ermittlung schwierig bis unmöglich macht. Deshalb bleibt eigentlich nur ein parlamentarischer Untersuchungs-Ausschuss, um dem Anfangs-Verdacht nachzugehen.

Ich weiß leider nicht, ob ich jetzt mit dem Künstler oder dem Anwalt spreche. Von letzterem würde ich zumindest erwarten, dass er meinen Text so differenziert nachvollziehen kann, dass die Kritik daran nicht auf einem sog. "Popanz" fußt (einer inhaltlich falschen Wiedergabe, deren Gehalt dann widerlegt wird).

LG Christian
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2012 um 13:03
@cuchulainn

zwei schneiden haben deine worte bisweilen, christian - und deine ratschlüsse.

:)


Spielst Du mit der Metapher auf Hebräer 4,12 oder Apocalypse 1,16 an oder geht es um die Frau aus Proverbia 5,3f???

;)
Magda schrieb am 12.01.2012 um 14:01
Christian - ich kann mich nur mit morschen Gliedern zu meiner Kalauerbox begeben und rausfischen:
Zuviel Rumeiern ist auch nicht das Gelbe vom Ei.

Das ist die Trivialvariante von den zwei Schneiden des Cuchulainn.

Wir werden uns da nicht einigen können.
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2012 um 14:30
@Magda

Wir werden uns da nicht einigen können.

Kann sein.

Ich (hinterdingsbums) hatte statt dessen aber gehofft, Du könntest mir wenigstens etwas Neues über Volker sagen, was Hand und Fuß hat und was ich ihm bei nächster Gelegenheit unter die Nase reiben kann.

Da kam nix. Schade.

LG Christian
Magda schrieb am 12.01.2012 um 17:22
@ Christian - das gehört hier nicht hin. Kann ich gern tun für die nächste Gelegenheit.
ChristianBerlin schrieb am 15.01.2012 um 09:50
@Magda

Gerne - gib mir Bescheid, wenn Du darüber bloggst.
ChristianBerlin schrieb am 15.01.2012 um 12:15
@Magda

Da fällt mir gerade ein: Die FAZ hat Dich ja auch schon mal zum Thema gemacht, Dich freundlich um ein Interview gebeten, sich in Deine Wohnung eingeladen um dann alles, was Du sagtest, im Artikel gegen Dich zu verwenden. Heute würdest Du denen ein solches Interview nicht mehr geben, sagtes Du mal.

Meintest Du das mit "hinterhältig"?

Der Artikel über Dich und Columbus erschien damals zwar nicht in Volkers Ressort. Dort gibt es ab und zu aber vergleichbare Texte, Porträts bunter Vögel, die man sonst nur von weitem wahrnimmt und bei denen mal hinter die Kulissen geschaut wird.

Besonders eindrücklich ist mir das Proträt von "Manni", dem Obdachlosen, im Gedächtnis geblieben, das zum Jahreswechsel 2007/08 erschien. Da kam bei der Gegenrecherche heraus, dass seine ganzen Geschichten nicht stimmten, was bei der Konfrontation zu einem sehr abrupten Gesprächsabbruch führte. Auf der Straße kann und muss man so seine Selbstachtung und die Legenden, an denen sie hängt, zu verteidigen - gegen ein solches Medium aber nicht.

Ein Meisterwerk dieser Art journalistischer "Hinterhältigkeit" ist das Dir bekannte Buch "Die Vier", das im ursprünglichen Ansatz vier aufrechten Superhelden galt, die Andrea Ypsilanti, den Bruch eines Wahlversprechens und ein Rot-Rot-Grünes Tolerierungsbündnis gemeinsam verhindert hatten. Von seinen vier Helden blieb nach der Recherche allein Dagmar Metzger übrig, die anderen drei wurden als Opportunisten und Intriganten bloßgestellt. Und das nicht, weil der Autor seine Tendenz während dem Schreiben geändert und Rot-Rot-Grün gut gefunden hätte. Beim Recherchieren zerbröselte vielmehr der Helden-Mythos, und an seiner Statt kam anderes zum Vorschein.

Ich würde diese Art Journalismus nicht als hinterhältig bezeichnen, sondern als redlich. Kann aber verstehen, wenn Manni, Tesch, Everts oder Walter das anders sehen.

Aber vielleicht meinst Du das ja gar nicht. Ich bin gespannt. Vergiss auf jeden Fall nicht, mir Bescheid zu sagen!

LG Christian
Rüdiger Grothues schrieb am 12.01.2012 um 12:25
@Magda
Nö.
Ausgangspunkt meines im Übrigen ersten Beitrags in dieser Zeitung überhaupt war die Überlegung Jakob Augsteins: „Mein Problem ist nur, als Journalist: Was hätte der Freitag mit dem Fall machen sollen? Weniger? Mehr? Anders?“
Daran ansetzend habe ich meine Überlegungen dargelegt.
Ich hoffe, dass diese „summarische“ Vorgehensweise nicht eine mir bislang unbekannte Vorschrift verletzt, angespochene Artikel unbedingt auch dort kommentieren zu müssen.

Viele Grüße von
Rüdiger Grothues

P.S.: Ansonsten stimme ich zu: Es gibt gute Gründe, auch die „Subtilität“ Zastrows in Frage zu stellen.
Magda schrieb am 12.01.2012 um 14:03
"Ich hoffe, dass diese „summarische“ Vorgehensweise nicht eine mir bislang unbekannte Vorschrift verletzt, angesprochene Artikel unbedingt auch dort kommentieren zu müssen."

Nö, war nur ein "subtiler" Wunsch von mir. Ich habe dann ein bisschen verlinkt.

Gruß Magda
Rüdiger Grothues schrieb am 12.01.2012 um 14:27
@ChristianBerlin

Lieber Christian,

bin der Jurist und auch der Künstler (obwohl das mit dem Künstlerbegriff schon wieder so eine Sache ist…), und darin zu weiten Teilen Musiker, aber nicht der gleichnamige Journalist und Autor, der z. B. die Hörspieltrilogie „Schock“ geschaffen hat.

Mit dem Anfangsverdacht kann ich natürlich etwas anfangen, und es ist auch nicht abwegig, vom Bundespräsidenten etwas mehr zu verlangen als vom Beschuldigten.
Ich hatte aber bei dem zitierten Passus den Eindruck, als wenn bei dem Gerücht (Maschmeyer-Geschenk) trotz des zugegeben seltsamen Bundesbankschecks etwas fehlt, um einen Erklärungsbedarf auszulösen. Auslöser meines Unbehagens war der Satz: „Aber ist durch irgendetwas sicher bewiesen, dass es nicht so war?“
Zugegebenermaßen geht es dann aber differenzierter weiter, auch im Blog, und jetzt in der Zusammenfassung hier. Von „Popanz“ würde ich aber nicht sprechen (s. Zitat o.)

Stellt sich für mich die weitere Frage, inwieweit, gerade hier, ein Artikel kommentiert werden kann, ohne sich zunächst die gesamte Kommentarlage angelesen zu haben. Das kann unter Umständen dauern…

Viele Grüße von
Rüdiger Grothues
ChristianBerlin schrieb am 12.01.2012 um 15:20
@Rüdiger Grothues

Lieber Rüdiger,

da hab ich vollstes Verständnis - obwohl ich mehrfach in den Kommentaren nach verständigen Juristen aus der Community gerufen habe - und es keinen gab, der da antwortete.

Mein Satz

„Aber ist durch irgendetwas sicher bewiesen, dass es nicht so war?“

klingt isoliert vielleicht wie eine Beweislastumkehr unter Urteilsandrohung - war aber eine nicht bloß rhetorische Frage an die Kommentatoren.

Ich wollte eine Diskussion darüber, ob bereits handfeste Entlastungsbeweise bekannt sind, die den von Volker für unwiderlegt gehaltenen Verdacht schon jetzt entkräften würden. Das geht aus den beiden Absätzen hervor, die diesem Satz folgen:

Aller Erfahrung nach würde die F.A.S. diese katastrophale Möglichkeit nicht in Erwägung ziehen, wenn bereits bekannte sichere Beweise existieren, die das klar widerlegen. Andererseits kann nicht ausgeschlossen werden, dass auch Top-Journalisten manchmal Kleinigkeiten übersehen.

Wenn jemand aus der Redaktion von der Freitag oder von unseren geschätzten MitBloggerinnen und MitBloggern deshalb ein Argument oder Dokument kennt, welches das worst-case Szenario der morgigen F.A.S. von vornherein logisch ausschließt, wäre ich ihm sehr dankbar für einen Kommentar mit einem entsprechenden Hinweis.


Vermeiden wollte ich eine Diskussion, in der es zu einer Art "Glaubensfrage" wird, ob der Präsident schuldig ist oder unschuldig im Sinne dieser Vorwürfe.

Man über Menschlichkeit, Moral und Anstand diskutieren, ebenso wie über Fakten, aber ich habe immer ein Problem, wenn beides so vermengt wird, dass die Moral über die Fakten entscheidet. Das passiert aber bei solchen Themen ständig, von der einen wie von der anderen Seite her.

Auch @Magda, die ich herzlich gern habe, versucht Volkers Argumentation mit der Moralkeule zu erledigen, und damit kriegt man sie nicht vom Tisch, nicht wirklich.

Meine Position, dass wir noch immer zu wenig wissen, um die Frage einer erheblichen Schuld dieses Präsidenten auf einer soliden Faktenlage klären zu können, bevor man über den Bundespräsidenten urteilt, findet hier keine Mehrheit.

Für die meisten anderen, JA eingeschlossen, ist diese Frage schon jetzt klar beantwortet, entweder positiv oder negativ, und alles andere ist "Rumeierei" (Magda).

Eine erhebliche Schuld beginnt für mich aber erst da, wo Wulff nachgewiesen wäre, dass er etwas anders gemacht hat als alle anderen Politiker es sonst tun und tun müssen. Wer ein solches Amt anstrebt oder bekleidet braucht Mitarbeiter und Berater oder Sprecher, die sich an ihrer Statt auch vertun können (Autoren oder der Beschäftigung von Redakteuren), und man benötigt üblicherweise auch potente Freunde und Förderer aus der Wirtschaft, die politischen Repräsentanten nie ganz ohne Eigennutz Unterstützung gewähren.

Eine erhebliche Schuld beginnt da, wo die Grenze vom Unschönen, aber Üblichen zum klar Verbotenen so eklatant überschritten wird, dass sich nur noch Personen finden, die das Gleiche getan haben, wenn die dafür ihren Hut nahmen oder nehmen mussten.

Dazwischen liegt ein Graubereich, der justiziabel oder auch nicht justiziabel zu sein scheint, aber nichts hergibt für eine klare Entscheidung. Es mag misslich sein, dass der Bundespräsident aus diesem Graubereich stammt, aber niemand soll sagen, er wäre der erste oder das hätte man nicht vor der Wahl wissen können. Konkret vielleicht nicht, aber vom Prinzip her schon.

Mit dem Anfangsverdacht kann ich natürlich etwas anfangen, und es ist auch nicht abwegig, vom Bundespräsidenten etwas mehr zu verlangen als vom Beschuldigten.

Einem solchen Verdacht ist vor allem dann nachzugehen, wenn es um handfeste, erhebliche Vorwürfe geht, die über das in der Politik Alltägliche hinausgehen. Und der von Volker thematisierte ist m.E. der bisher einzige, bei dem harte Konsequenzen unausweichlich werden und auch folgen müssen, wenn er sich im Erfolg einer Untersuchung beweisen lässt.

Die allerbesten Grüße an den Rhein von

Christian
Georg von Grote schrieb am 12.01.2012 um 16:38
Den letzten beiden Kommentaren, sprich Grothues und Berlin muss ich als Journalist, Jurist und stinknormaler Bürger, der, wie man in Bayern sagt, "ned auf der Brennsuppn dahergeschwommn is" schon ganz erheblich widersprechen.

Wenn ich so etwas lese:
"Eine erhebliche Schuld beginnt für mich aber erst da, wo Wulff nachgewiesen wäre, dass er etwas anders gemacht hat als alle anderen Politiker es sonst tun und tun müssen. Wer ein solches Amt anstrebt oder bekleidet braucht Mitarbeiter und Berater oder Sprecher, die sich an ihrer Statt auch vertun können (Autoren oder der Beschäftigung von Redakteuren), und man benötigt üblicherweise auch potente Freunde und Förderer aus der Wirtschaft, die politischen Repräsentanten nie ganz ohne Eigennutz Unterstützung gewähren.

Eine erhebliche Schuld beginnt da, wo die Grenze vom Unschönen, aber Üblichen zum klar Verbotenen so eklatant überschritten wird, dass sich nur noch Personen finden, die das Gleiche getan haben, wenn die dafür ihren Hut nahmen oder nehmen mussten.

Dazwischen liegt ein Graubereich, der justiziabel oder auch nicht justiziabel zu sein scheint, aber nichts hergibt für eine klare Entscheidung. Es mag misslich sein, dass der Bundespräsident aus diesem Graubereich stammt, aber niemand soll sagen, er wäre der erste oder das hätte man nicht vor der Wahl wissen können. Konkret vielleicht nicht, aber vom Prinzip her schon. " (ChristianBerlin),

dann wird mir speiübel. Was da steht, ist nichts anderes als ein Freibrief zum Betrug und zur Korruption!
Um es mal ganz platt auszudrücken: "Was andere machen, ohne erwischt zu werden, das darf ich auch?" Interessante Rechtsauffassung.

Vielleicht sollte man einfach mal bei den knallharten Fakten bleiben, zumindest soweit sie bekannt sind.
Da gibt es einen Kredit eines, was auch immer für einen Freundes. Zunächst nichts, was anstößig ist, wäre der eine nicht ein Unternehmer in einem Bundesland, in dem der Begünstigte der Ministerpräsident ist. Aber selbst das, könnte man noch erklären, nur dann wird dieser Kredit verschleiert. Da wird der Name des Kreditgebers mittels anonymer Schecks erdeckt gehalten, da wird der Kredit mehrfach auf dubiose Weise umgeschuldet zu Konditionen, bei denen sich sogar Bankinsider wundern.
Da darf man dann schon langsam stutzig werden und sich denken, da ist was faul im Lande Niedersachsen und als Jurist von einem "Anfangsverdacht" sprechen.
Letzteres macht Wulff, den ehemaligen Ministerpräsidenten noch nicht zum Beschuldigten, Wulff, den Bundespräsidenten aber bringt es in eine Situation, die man sich in dieser Position nicht erlauben darf, zumal er alles daran setzt, die Angelegenheit zu verschleiern.

Vielleicht sollten die beiden Herren Vorkommentatoren sich einmal auf das Wesentliche, nämlich auf das Anforderungsprofil eines Bundespräsidenten dieses Landes konzentrieren.
Und dann muss ich mir als Jurist, Journalist und als Bürger nicht mehr die Frage stellen, ob Wulff gegen geltente gestze verstoßen hat und im Sinne des Gesetzes schuldig sein könnte, sondern ob sein Verhalten seit Anfang Dezember letzten Jahres geeignet ist, das Amt eines Bundespräsidenten auszuüben. Ich muss mir auch keine Gedanken über BILD, Diekmann und Co machen, oder darüber, wie sich andere Medien von BILD manipulieren lassen.
Die Antwort ist ganz einfach: Als Bundespräsident hat Wulff sich selbst demontiert und da ist es völlig egal, ob man ihm später einmal - und das kann Jahre daueren- irgendwelche Gesetzesverstöße vorwerfen kann.
Georg von Grote schrieb am 12.01.2012 um 16:50
Ich entschuldige mich mal für die vielen Tippfehler :-)
miauxx schrieb am 12.01.2012 um 20:02
Dem Kommentar Georg von Grote schrieb am 12.01.2012 um 16:38
muss ich mich unbedingt anschließen!
Ähnlich hatte ich mich oben auch geäußert.
Es liegt eigentlich bereits genug vor, was Wulff nicht nur als BuPrä, sondern auch bereits als MiPrä unmöglich macht(e).

Die Verderbtheit des gesamten Systems, so wie es sich offenbar undurchsichtig machen will in einem dichten Netz aus Politik, Wirtschaft und Medien, wird doch mehr als augenfällig, wenn nun im 'Wulffschen' gegraben wird oder werden soll, bis dem Präsidenten noch das letzte Überfahren einer roten Ampel nachgewiesen wird.

Warum reicht nicht, was vorliegt? Warum läßt sich das nicht auf der politischen Bühne, selbstregulatorisch, erledigen? Diese Fragen kann man wohl als rhetorische auffassen ... leider.
Insofern kann ich Christian schon auch ein bisschen verstehen, dass er hier mit dem Zastrow hausieren geht ...
ChristianBerlin schrieb am 13.01.2012 um 00:30
@miauxx

Dass hast Du richtig verstanden.

Die Argumentation von @Georg von Grote war hier und anderweitig sehr oft zu lesen oder zu hören - wie wird nur nix ausrichten und die Kanzlerin nicht beeindrucken.

In den Sarg eines Präsidenten kann man nur Nägel mit Köpfen schlagen.

Ich stimme ja @Georg von Grote zu, dass es "eigentlich" umgekehrt und das Amt besonders sensibel sein sollte - aber wenn es politisch gewollt ist, geht fast alles, was eigentlich nicht geht.

@Georg von Grote

Um es mal ganz platt auszudrücken: "Was andere machen, ohne erwischt zu werden, das darf ich auch?" Interessante Rechtsauffassung.

Das ist nicht nur platt ausgedrückt, sondern eine Fehlinterpretation meiner Worte.

Eine Paraphrase in meinem Sinne hätte gelautet: "Was alle anderen machen, ohne je deswegen belangt zu werden, darf nicht nur dann und deshalb rückwirkend bestraft werden, wenn und weil jemand später Bundespräsident wird (denn dann könnte keiner mehr Präsident werden, der vorher Politiker war)" (Drehtür-Argument).

LG Christian
SuzieQ schrieb am 13.01.2012 um 00:43
Und noch einmal plädiere ich dafür, dass sich nicht jedeR berufen fühlen möchte, über einen anderen ein Urteil zu fällen, wenn die Fakten nicht auf dem Tisch liegen.
Alles, ohne genaues Wissen, ist Vor-Verurteilung, Vermutung, Spekulation.

Lieber Christian,

gerade Dir als christlich sozialisiert, hätte ich mehr Neutralität gewünscht.
Du versteigst Dich hier, drehst und wendest Dich, Kritik an Deinen Äußerungen begegnest Du nicht einsichtig sondern trotzig.
Dieses Kleinklein würdest Du Dir bei Dir selbst verbitten,
komm mal ins real-life, weg von Christian is the one, who knows it all.
Das geht ... SQ
Magda schrieb am 13.01.2012 um 10:18
@ChristianBerlin - "In den Sarg eines Präsidenten kann man nur Nägel mit Köpfen schlagen. "

Christian - Das wäre eine prima Freitagsperle, allerdings keine "rote", sondern eine "rabenschwarze". Stil ist immer auch Selbstdarstellung.
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2012 um 22:02
@Magda

Du wirst mir verzeihen, liebe Magda, aber im Rahmen einer rabenschwarzen Komödie scheint das der einzig angemessene Stil zu sein.

;)
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2012 um 22:46
@SuzieQ

Und plädiere dafür, dass das permanente Wiederholen längst widerlegter Anwürfe langsam mal ein Ende hat, indem Du diese Gebetsmühle einfach anhältst.

Und jetzt bin ich gespannt, ob Du auf diese Kritik trotzig oder einsichtig reagierst.

;)

LG Christian
SuzieQ schrieb am 14.01.2012 um 23:08
@ ChristianBerlin

Weil Du die sog 'Anwürfe' auszusitzen pflegst, sind sie keineswegs widerlegt.

Du solltest Dein Profil erweitern:
selbsternannter (moralischer) Richter ohne Anklagevorschriften.

Selten habe ich eine solche Jagd erlebt, da kannst Du mal Dein eigenes Blog durchlesen.
Dann, wenn Du zur Rede gestellt wirst, kappst Du die Kommunikation ...

Du (!) möchtest mir (!) Einsicht nahe legen?!

Und nur zur kurzen Erklärung:
In keinem einem Punkt ist der Bundespräsident angeklagt.
Vorverurteilt ist er bei Dir schon seit letztem Jahr.
Ist das Trotz? Von Dir? Get real ...

Wenn Du nicht möchtest, dass ich mich über Dich lustig mache, mach Dich nicht über mich lustig.

SuzieQ
weinsztein schrieb am 15.01.2012 um 04:41
@Magda
"In den Sarg eines Präsidenten kann man nur Nägel mit Köpfen schlagen" ist eine Perle eine Perle eine Perle.
Rabenschwarze Perlen finde ich sowieso viel schöner als rote.
weinsztein schrieb am 15.01.2012 um 04:41
@Magda
"In den Sarg eines Präsidenten kann man nur Nägel mit Köpfen schlagen" ist eine Perle eine Perle eine Perle.
Rabenschwarze Perlen finde ich sowieso viel schöner als rote.
ChristianBerlin schrieb am 15.01.2012 um 14:50
@SuzieQ

Dann, wenn Du zur Rede gestellt wirst, kappst Du die Kommunikation

Dem Passiv-Satz fehlt das sog. logische Subjekt, in dieser Allgemeinheit trifft er nicht zu. Anderen antworte ich in aller Regel.

Dass ich Dir auf Anwürfe nicht mehr antworte, hat mit dem zu tun, was Du "zur Rede stellen" nennst. Anschuldigungen, die unter Beweislastumkehr vorgebracht werden, soll man nicht widerlegen, sondern ignorieren (don't feed). Sonst gibt man ihnen nur Futter und gerät in Endlosschleifen.

Du solltest Dein Profil erweitern:
selbsternannter (moralischer) Richter ohne Anklagevorschriften.


dto.

Sieh Dir Deine beiden letzten Posts an:

Du lieferst für Deine harten und klaren Urteile weder Beweise noch Zitate, sondern verweist nur pauschal auf meinen "Blog", wo angeblich drinsteht, was Du darin gelesen haben willst:

Selten habe ich eine solche Jagd erlebt, da kannst Du mal Dein eigenes Blog durchlesen.

In keinem einem Punkt ist der Bundespräsident angeklagt.
Vorverurteilt ist er bei Dir schon seit letztem Jahr.


Muss ich das widerlegen - oder müsstest Du diese Anklage gegen mich nicht erst mal beweisen?

Negativ-Beweise sind prinzipiell nicht führbar, schon aus diesem logischen Grund geht es nur so herum, dass die Anklage zumindest ihre Vorwürfe konkretisieren muss, sonst sind sie unwiderlegbar.

Immerhin kann ich Dir als Anscheinsbeweis entgegenhalten, dass ich mir zumindest selbst widersprechen müsste, wenn das so wäre.

Mein unmittelbar vor Deinem Post geäußertes Resümee war:

In den Sarg eines Präsidenten kann man nur Nägel mit Köpfen schlagen.

Das besagt, wenn man es übersetzt, das glatte Gegenteil:

Der Präsident wird von vielen Seiten vielerlei amtsunwürdiger Vergehen verdächtigt oder angeschuldigt (was Du wohl schwer bezweifeln und mir nicht allein zuschreiben kannst), aber er ist (noch) keines einzigen überführt.

Wenn Du das statt dessen als Vorverurteilung liest, kann ich nur vermuten, dass Dir der Unterschied zwischen einem begründeten Anfangsverdacht und einem Urteil kennst.

Ein Anfangsverdacht, darf und muss geäußert werden, wenn er begründbar ist, auch vor einer Verurteilung, Anklage oder Ermittlung, sonst gäbe es die ja nie.

Was ich aber für problematisch halte und wogegen ich mich im Unterschied zu @JA wehre, ist, dass die Presse über dieses begründen des Anfangsverdachts hinaus (was ihre Rolle ist) auch noch die Aufgabe des Richters und Vollstreckers in Personalunion übernimmt. Lautstarkes Ermitteln suggeriert nämlich, seine Lautstärke aus einer feststehenden Prämisse ableiten zu können, wie der folgende Satz zeigt:

Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken - soweit das Publikum nicht aus politischen Gründen auf seiner Seite ist.

Dann enthält die Ermittlung, das "Jagen", bereits die Bestrafung. Da kommen mir ungute Erinnerungen hoch. Der Umkehrschluss am Ende, der jeden Widerspruch vom Tisch wischt, hieß früher: Wer einen Ketzer verteidigt, muss selber einer sein.

In den letzten Tagen wird zunehmend deutlich: Die Jagd-Meute wird nicht müde, den Wulff zur Strecke bringen zu wollen. Was sie aber an berichtenswerten Meldungen bringt, wird zunehmend dünner und zunehmend dümmer.

Das trifft aber nicht für alles zu, was bisher gesagt und gefragt wurde. Es waren - bislang unbewiesende - Verdächtigungen dabei, die so schlimm sind, dass sie selbst einen fest zum Bleiben entschlossenen Präsidenten zum Rücktritt zwingen werden, wenn sie klar bewiesen werden.

Deshalb tut Aufklärung Not - und dann Hopp oder Top, Entlasung oder Schuldspruch. Was rauskommt weiß ich nicht. Wäre aber alles besser als diese Unklarheit.

Das sag ich hier zum Xten mal, und ich bin sicher, Du hast es auch vorher jedesmal gelesen.

Wenn das für Dich eine Vorverurteilung des Präsidenten ist, erkläre es bitte, hier sind genug Juristen anwesend, die das gegenprüfen können, wenn die Dir folgen, will ich gerne daraus lernen. Aber die liefern dann auch Begründungen für solche Urteile, die ich bei Dir leider vermisse.

LG Christian
SuzieQ schrieb am 15.01.2012 um 23:17
@ ChristianBerlin schrieb um 14:50

Lieber Christian,

ich schalte jetzt mal einen Gang runter,

Du weißt, was ich meine, ich weiß, was Du meinst.

Ich bin nicht mal annähernd so geschult, mit Worten umzugehen wie Du, dennoch weiß ich, dass nicht ich sondern Du es warst, der aus meinen Fragen an Dich in Deinem Blog zuerst 'Unterstellungen', dann hier 'Anwürfe' bis hin zu 'Anklagen' machte.
Eine Verlagerung auf Nebenschauplätze, immer mit dem Ergebnis, nicht auf eine Frage antworten zu müssen.
Wenn ich schreibe, was ich zu kritisieren hatte (und Deine Reaktionen sind in Deinem Blog nachlesbar), warum sollte ich hier noch einmal alles auflisten?

Du weißt, dass ich nicht (!) dagegen bin aufzuklären, sondern ich mich, schon seit geraumer Zeit, daran störe, wie (!) es geschieht und mit (nicht stummem) Erstaunen registriere, wer sich auf welche Art berufen fühlt, voranzugehen oder auch nur mitzumachen.

Ich verstehe nicht, dass Du, wie viele andere eben auch, alle Behauptungen, die noch keine Fakten waren, nahmen, um Herrn Wulff den Boden unter den Füssen wegzuziehen, gleichzeitig einen Ansporn erkennend weiter zu suchen, ohne eine erkennbare Würde dem Menschen Wulff gegenüber an den Tag zu legen.
Es kann ja gut sein, dass Journalisten über andere Erkenntnisse verfügen als der 'gemeine' Leser, aber dann bitte ich um Aufklärung und zum xten Mal um Menschlichkeit in der 'Ermittlungsarbeit'. Und ab diesem Punkt hast Du die Kommunikation mit mir gekappt.

Ich urteile nicht, verurteile nicht, ich maße mir an, meinen Eindruck zu äußern, den Kommentare, im speziellen Deine Kommentare auf mich machen.
Ich mag es nicht, wenn man mir die Augen verbindet, mich im Kreis drehen lässt, dann fragt, wo bin ich? Und mich dann ohne Antwort stehen lässt ...
In Deinem letzten Kommentar, auf den ich hier antworte, distanzierst Du Dich "von der Jagdmeute". In Deinem Blog bist/warst Du Teil derselben.
Ich begrüße einen solchen Sinneswandel. ; )

Gruß SuzieQ
Echt Jetzt schrieb am 12.01.2012 um 17:47
Der Beitrag "Der Wulff & die bösen Medien" ist endlich ein gesunder Ansatz zu dem Debakel, das hier abläuft, auch wenn ich die "Verwunderung darüber (...), dass aus der Affäre Wulff unversehens eine Medien-Affäre zu werden droht" nicht nachvollziehen kann.
Der SPIEGEL recherchiert seit Jahren in der Kreditsache, hat vor Gericht gegen Herrn Wulff zwecks Einsicht in Unterlagen geklagt. Auch der STERN ist schon lange an der Geschichte dran. War Herrn Wulff das nicht bekannt? (Rhetorische Frage.) War er zu sehr beschäftigt, mit der Boulevard-Presse hübsche Home-Stories auszukaspern, in denen er bereitwillig Intimstes preisgibt? Und was ist mit der Bundeskanzlerin und der Bundesversammlung, als Herr Wulff ins Rennen um den Präsidenten-Posten gehen sollte? Wie lässt es sich erklären, dass der Kandidat fürs höchste Amt im Staat nicht vor der Nominierung alles, was an Leichen im Keller hätte ans Licht gezerrt werden können, vorab intern klären lassen musste? Gibt es da keine Sorgfaltspflicht, keine Verantwortung der Bundesversammlung gegenüber der Bevölkerung? Wird man die Vehemenz, mit der vorhersehbares Unheil ignoriert wird, künftig in der Maßeinheit GBW (Großburgwedel) auf dem nach unten offenen Skandalometer deutscher Politiker messen können?
Von was reden wir eigentlich? Da ist ein mittelmäßiger Politiker, der in der Midlife-Krise seine unspektakuläre alte Frau gegen ein neueres, flotteres Modell ausgetauscht hat. Der will er einen Lebensstil bieten, den er (damals) nur auf Pump bekommen kann. Bis hierhin ist die Geschichte ungefähr so spannend wie Hannover. Interessanter ist da schon die Bemerkung des STERN Chefredakteurs, Hinweise auf das Affären-Potential seien von Wulffs niedersächsischen Parteifreunden gekommen. Aber ein echter Brüller ist das immer noch nicht.
Zeitsprung in den Dezember 2012: nachdem Wulffs Kredit-Story von zahlreichen Medien und dem niedersächsischen Parlament lauwarm vorgekaut und halbverdaut worden war und weiterhin nicht zündete, hat sich die BILD der Geschichte angenommen, sechs Fragen an Herrn Wulff geschickt, sechs Antworten von Herrn Wulff erhalten … und kurze Zeit später geht in diesem Land die Luzie ab, dass es einem die Socken auszieht, ohne dass die Schuhe es merken.
Was fürchtet Herr Wulff, dass er durchdreht, wie Nachbars Lumpi zur Brunstzeit? Da muss es doch noch weitere Leichen im Keller geben. Was bisher ans Licht kam, ist unschön, wäre aber unter „typisch Politiker“ spätestens mit dem Weihnachtsbraten geschluckt, verdaut und exkrementiert worden. Da war nix Pikantes, nix Privates,nichts wirklich Spektakuläres. Warum also Kriegserklärungen (von denen nur die an Herr Diekmann als Fehler eingestanden wurde)? Warum das Sich-Verweigern gegenüber der gesamten Presse? Was soll das, dass Journalisten ihr Fragen nur noch schriftlich einreichen dürfen und die Antworten von Wulffs Anwälten kommen? Inzwischen verschanzt sich Herr Wulff in Schloss Bellevue und kommuniziert mit der Öffentlichkeit über seine Anwälte? Ja bitte, geht’s noch? Hier fehlen ein Ufo und ein sprechendes Reh, dann ist der Plot für ein wirklich schlechtes B-Movie komplett, für das Pro7 den Deutschen Fernsehpreis erhalten könnte.
Die Wulff-Affäre wird nicht unversehens eine Medien-Affäre werden. Sie ist es bereits und wir haben zugelassen, dass Wulff sie dazu machen konnte. Wer ihm stümperhaftes Krisenmanagement vorwirft, übersieht, wie effektiv es bislang gewesen ist. Der Krieg, den er telefonisch angekündigt hat, ist in vollem Gange. Letzte Zweifel räumt der denkwürdige TV-Auftritt aus. Wer seinen Würgereiz unterdrücken kann und sich Wulffs Gejammer aufmerksam anhört, bekommt tiefe Einblicke in eine beängstigend gestörte Seele. In der Schule war er bestimmt immer der, der als letzter in ein Team gewählt wurde. Was soll so einer mit Würde, wenn er Macht haben kann?
Außerhalb von Wulffis Welt – in der Realität – läuft derweil alles nach Plan: Gegner gegen Anhänger, Anhänger gegen Presse, Gegner gegen Presse, Presse gegen Presse – jeder schießt gegen jeden und Herr Wulff schaut zu, verlieren kann er nicht. Ab und zu gießen seine Anwälte mit irgendeiner Erklärung noch etwas Öl ins Feuer. Irgendwann werden alle des Kämpfens müde sein, dann ist die Sache vorbei und Herr Wulff kann Schloss Bellevue verlassen, ist nicht mehr Opfer sondern Sieger. Wer will dann noch über Ediths Kredit reden?
Die Machtlosigkeit gegenüber dem Amt des Bundespräsidenten zeigt sich jetzt in den diffusen Forderungen: Rücktritt? Was sollte ihn dazu motivieren? Reue? Was ihm dazu einfällt, hat uns im Fernsehen vorgejammert, bis es uns die Fußnägel hochgerollt hat. „Klärung“? Was könnten die Antworten auf die Vorwürfe der Kredit-Affäre momentan zur Klärung einer Debatte beitragen, deren Fokus sich auf Fragen wie „Darf die BILD zu Deutschlands Moralhüter mutieren?“ oder – einfacher ausgedrückt – „BILD oder Wulff?“ oder „Wieweit dürfen die Medien gehen?“ etc. verschoben hat?
Immer wieder taucht das Wort „Staatskrise“ auf. Die werden wir zu spüren bekommen, falls Herr Wulff nicht sehr bald von den Verantwortlichen dieses Landes dazu gebracht wird, seine Einstellung zum Amt, zu Verantwortung und den verfassungsmäßigen Grundrechten, inklusiver Presse- und Meinungsfreiheit, zu überdenken und zu ändern. Aufgabe der Medien ist es, die Wichtigkeit dieses Schrittes klarer herauszustellen.
Und das Ganze ausgelöst vom richtigen Artikel in der falschen Zeitung…
Georg von Grote schrieb am 12.01.2012 um 18:25
Gut gebrüllt, Herr Löwe.
Was sagte der Niedersachse? "Ich bin nicht Euer Vorbild, ich bin Euer Abbbild." Auch ein Wulff findet einmal ein Korn und treffender könnte es gar nicht sein, den letztlich heißt das nichts anderes, als das Volk bekommt die Politiker und so auch ihren Bundespräsidenten, die sie verdient. Lamentieren also sinnlos.

Wir haben auch keine Staatskrise. So korrupt kann einer dieser Politiker gar nicht sein, um die auszulösen.
Allerdings kriselt es ganz gewaltig in der Medienlandschaft.......und das Schlimme dabei ist, die Verantwortlichen merken es nicht einmal.
Magda schrieb am 12.01.2012 um 20:57
"Der SPIEGEL recherchiert seit Jahren in der Kreditsache, hat vor Gericht gegen Herrn Wulff zwecks Einsicht in Unterlagen geklagt. Auch der STERN ist schon lange an der Geschichte dran. War Herrn Wulff das nicht bekannt? "

Wieso denn er war doch auch vor einem Untersuchungsausschuss im Landtag von Hannover.
Wenn die Medien so lange recherchieren, warum bringen sie dann nichts zutage außer Peinlichkeiten, aber keine handfesten Fakten, dann ist das auch nicht recht verständlich.
s0cialliberalism schrieb am 12.01.2012 um 18:04
Herr Augstein, Sie fragen:
"Warum stellt sich die linke Öffentlichkeit nicht eindeutiger gegen diesen Präsidenten? Ist der Abscheu gegen die Bild-Zeitung so groß, dass man sich lieber von Bild distanziert, als ihr Recht zu geben, wenn sie Recht hat? Warum glaubt man überhaupt, nicht gegen Wulff sein zu könenn und gleichzeitig die eigene Kritik an der Bild Zeitung aufrecht erhalten zu können?"

Sie fragen das absolut zurecht. Aber es ist eben eine seltene Stärke, dass Menschen zwei Gedanken, die sich (hier nur: scheinbar) widersprechen, gleichzeitig im Geist halten können: Nämlich, dass die Bildzeitung Wulff enttarnt (erfreulich) und die Bildzeitung selbst im Allgemeinen doch höchst unerfreulich ist, ein Schandblatt, um es beim Namen zu nennen. Wie kann ein Schandblatt etwas Gutes tun? Viele Menschen KÖNNEN das nicht denken.

PS: Sie sehen schon, für mich bleibt die Bild ein Schandblatt - von daher ist die Reaktion mancher Menschen nicht zuletzt vielleicht gar eine Reaktion auf Ihre Aussage, die Bildzeitung könne jetzt auch seriös (mich schaudert's wenn ich das schreibe).
SiebzehnterJuni schrieb am 12.01.2012 um 20:52
Der Verlauf der Kommentare - insbesondere der sehr kritischen gegenüber BILD - haben mir doch zu schaffen gemacht.

Ich habe mich gefragt, welches Interesse könnten die rechten Medien an der Entfernung von Wulff haben?

Manchmal scheint es mir so, als hätten wir gerade dann wunderbare Präsidenten mit wunderbaren Reden gehabt, als gleichzeitig knallharte Politik gegen die arbeitenden Menschen gemacht wurde, Privat vor Staat begann unter Kohl und Weizsäcker, HARZTZ IV unter Schröder und Rau usw. Also die Bundespräsidenten zum Ablenken von den Problemen der Gesellschaft.

D.h.: man merkt, dass Wulff nicht von den realen Problemen ablenken kann, sondern selbst das wundersamste Beispiel für das ist, wogegen er eigentlich reden sollte.

Könnte das irgendwie so in der Richtung sein?
GEBE schrieb am 12.01.2012 um 20:54
Pfiffig!
Georg von Grote schrieb am 13.01.2012 um 00:18
@ Magda

Natürlich war es ihm bekannt. Aber, und das ist nur eine Vermutung meinerseits, merkte er damals, dass Spiegel, Stern und wohl andere an der völlig falschen Stelle buddelten und fühlte sich soweit sicher.
Wenn Sie nun sagen, im Moment gäbe es keine Fakten, dann ist das so nicht ganz richtig. Es gibt Übernachtungen bei Maschmeyer, dem er zuvor die Laudatio auf eine von der niedersächsischen Regierung initierten Ehrendoktorwürde widmete und anderen niedersächsischen Wirtschaftsbossen, für die er zumindest nicht den für diese Herbergen üblichen Obolus entrichten musste.
Und es gibt diesen "Kredit", zunächst als "Geschenk" eines alten Freundes, dann umgewandelt in einen Bankkredit zu Konditionen, die ein Privatbürger so nie bekommen würde.
Das sind Fakten, von Wulff selbst auch eingeräumt.
Alles andere sind zunächst einmal Vermutungen. Da kann man natürlich schön Überlegungen anstellen, warum das Geld per anonymen Scheck übermittelt wurde und ob damit möglicherweise die Herkunft verschleiert werden sollte. Ich will da gar nicht den Verdacht der Geldwäsche aufgreifen.
Letztlich reichen auch die bisherigen unumstößlichen Fakten aus, denn das niedersächsische Ministergesetz ist da gnadenlos. Und es müsste schon sehr viel gemauschelt werden, wenn er da wieder heil herauskäme.
Dieses Gesetz gibt es auch nicht umsonst, denn politische Machtpositionen ziehen "neue Freunde" aus der Wirtschaft magisch an. Gehrkens und die nette Dame mit iherer Confiserie auf Norderney mögen alte Freunde sein und bei denen darf man natürlich auch übernachten, bei Maschmeyer und einigen anderen sieht die Sache schon anders aus.
Dass er diese "Geschenke" nicht annehmen darf, hätte Wulff nicht nur wissen können, er hat es gewußt und sie trotzdem angenommen. Ein Fehlverhalten, dass zuvor einigen anderen Ministerpräsidenten schon den Stuhl gekostet hat. Ich nenne da nur Streibl oder Lothar Späth.

Wenn nun die Presse und egal ob BILD oder alle anderen diese Fehltritte aufdecken, dann ist es ihre Aufgabe. Zumal dieser Mann mittlerweil das sogenannte "höchste Amt" bekleidet, an das noch mehr moralische Anforderungen gestellt werden.

Ich denke auch, wenn das ganze in einem Leitartikel der SZ öffentlich gemacht worden wäre, hätten wir diese Diskussion heute zumindest nicht in dieser Form. Aber es war nun einmal BILD und was völlig neu ist, die anderen machen sich zum Handlanger. Und wenn wir nicht die Augen verschließßen, dann geht es den Redaktionen nur um eins, ums Geschäft. Die Auflagen gehen in den Keller, die Anzeigen werden immer dünner, da kommt so eine Geschichte genau richtig.

Im Prinzip, so zumindest meine Meinung, hat sich Wulff als ungegeignet für dieses Amt geoutet und ist letztlich zum Spielball der Parteienpolitik tgeworden. Tritt er zurück, haben die Parteien 30 Tage Zeit einen Nachfolger zu wählen. Die SPD hat keinen, die CDU/CSU nicht mehr die komfortable Mehrheit um ganz sicher einen eigenen Kandidaten durchzuboxen.
Letztlich haben weder SPD, noch CDU Interesse daran, dass Wulff das Handtuch wirft. Problem ist nur, je länger er im Amt bleibt, desto größer wird die Chance, dass die medialen Trüffelschweine etwas ausbuddeln, was zum wirklichen Eklat führt und das wird sein Nachfolger ausbaden müsssen, denn der muss das Vertrauen wiedergewinnen, das Wulff längst verspielt hat.

Für mich, und das habe ich schon ein paar mal geäußert, ist nicht die Krise in Bellevue wesentlich.
Ich sehe eher, dass die Medien versagen und das ist eine Entwicklung, die mir persönlich mehr Kopfzerbrechen bereitet, als ein möglicherweise korrupter Bewohner eines Schlößchens in Berlin, der irgendwann in der Versenkung verschwindet.
luisa schrieb am 14.01.2012 um 18:42
"Ich habe mich gefragt, welches Interesse könnten die rechten Medien an der Entfernung von Wulff haben?"

Den Begriff "rechte" Medien möchte ich persönlich nicht verwenden, ich würde hier trennen zwischen "rechts" und "rechtskonservativ", aber genau an dieser Fragestellung bin auch ich sehr interessiert.

Folgendes Gedankenspiel:

Ich stelle mich vor, ich wäre an prädestinierter Position bei der Bildzeitung. Mein Ego wächst gerade merklich wo ich diese Zeilen schreibe, fast wollte ich schon schreiben: "ich stelle mich vor, ich wäre die Bildzeitung".
Wie geil wäre es, einen Präsidenten stürzen zu können?
Und man kann mir nicht einmal vorwerfen, ich würde das nur tun, weil der Präsident aus dem "anderen" Lager ist.
Ausserdem hat er wirklich Dreck am Stecken. Allein die Vorstellung....
(liebe TAZ-Redaktion, schaut bitte einmal kurz auf das Gemälde von Diekmann mit dem Riesen-P**** an Euerer Hausfassade, ob da nicht auch grad was wächst!).

Muss so etwas wie Größenwahn sein, wer sollte Bild auch daran hindern, wo Wulff sich so dämlich/vermessen/daneben (to be continued) verhalten hat/verhält, dass selbst das traditionell anti-Bild eingestellte Lager eher dem Inhalt der vier Buchstaben glaubt als dem Präsidenten.

Heisst meiner Ansicht nach nicht, dass man jetzt für Wulff sein muss. Berichterstattung dazu kann beides leisten:
in Sachen Wulff recherchieren und Stellung beziehen, und in Sachen Motivation Bildzeitung ebenso.
lyrith schrieb am 12.01.2012 um 21:12
"Ich bin verunsichert: eigentlich dachte ich, die Sache sei klar. Wenn Wulff ein Schuft ist, muss die Presse ihn jagen und das Publikum wird es ihr danken - soweit das Publikum nicht aus politischen Gründen auf seiner Seite ist. Ich dachte also, kritische Medien und kritische Öffentlichkeit müssten einer Meinung sein."

Die Sache war aber nicht klar und die ganze Pressemeute ist unreflektiert der Bildzeitung hinterhergerannt. Der Spiegel entblödet sich ja nicht einmal sich zum Erfüllungsgehilfen der Bildzeitung zu machen, die auf diese Weise scheinbar die Weste rein halten konnte und den Wortlaut des Wulff-Telefonats nicht selbst veröffenlichen musste.

Sie, lieber Augstein, waren doch gar nicht kritisch im Sinne eigenständigen Nach-Denkens. Die Gleichsetzung Wulff-Berlusconi kann man nur als sprachliche Verwilderung bezeichnen und nicht als ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Problem. Es ging gegen einen rechten Präsidenten, und dass der der Schuft ist war Ihnen einfach zu schnell klar. Tja, da haben Sie jetzt die Reflexe der angeblichen kritischen Öffentlichkeit unterschätzt. Für die ist eben die Bildzeitung der Schuft. Da haben sich kritische Medien und kritische Öffentlichkeit wohl gegenseitig patt gesetzt.
GEBE schrieb am 12.01.2012 um 21:15
Noch pfiffiger!
LiPa schrieb am 13.01.2012 um 00:56
Da habe ich sofort schlucken, dann aufstoßen müssen:
Zitat: ...Vielleicht ist das übrigens die wichtigste Lehre aus diesem Skandal: Die Bild-Zeitung erweitert ihr Repertoire. Sie kann jetzt auch seriös, wenn sie will. Es steht ihr frei, jederzeit vom populistischen ins politische Fach zu wechseln, vom boulevardesken ins investigative. Das macht die Zeitung noch gefährlicher... Zitatende
Mit dem öffentlichen Briefwechsel Wulff/Diekmann zeigte sich doch schon wieder - gleich nach dem ich besagten Freitag im Briefkasten hatte - die Bild-Zeitung gekonnt manipulativ.

Was mir zu denken gibt, ist der Irrtum, dass die Bild-Zeitung mit ihrer Art des investigativen Journalismus in den Augen von Herrn Augstein als "serös" wirkt. Noch ärgerlicher wird es, wenn nun andere als Springerblätter veröffentlichen, was in den Mailboxen bei Springer im Zuge geistiger Umnachtung aufgequatscht wurde. Wie blöd ist das denn, den Springer-Strategen so auf den Leim zu gehen!? Berechtigt die Verteidigung der Pressefreiheit zu solchen Koalitionen?

Scheinbar ist es nicht nur der Irrglaube von Augstein, dass das Investigative bei der Bildzeitung seriös gemeint sein könnte.

Investigativ war die Bild schon immer, siehe die Berichte des Mannes, der bei der BILD Hans Esser war.
Aber seriös?
GEBE schrieb am 13.01.2012 um 01:02
Am pfiffigsten.
Till Kellerhoff schrieb am 13.01.2012 um 01:30
„Wenn sie [BILD] schreiben würde: DIE ROSEN BLÜHEN WIEDER, würden mich Zweifel befallen, auch wenn ich vor einem blühenden Rosenbeet stünde“, so Böll einst über die Bildzeitung.
Umso verwunderlicher ist es, dass ebendiese Zeitung in jüngster Zeit zur moralischen Instanz höchsten Grades avanciert – und dies wohlwollend begleitet von der Großzahl der anderen etablierten Medien.
Die Machenschaften des Boulevardblattes sind die gleichen wie eh und je: Ein Opfer wird auserkoren und mit aller Macht, die in diesem Falle aus den naiven und fügsamen Lesern besteht, heruntergedrückt.
Ich möchte Wulff hierbei nicht in Schutz nehmen. Doch dass er als Präsident ungeeignet ist, hätte man auch schon vor 1 ½ Jahren feststellen können. Dass ein Politiker Ämter und Beziehungen ausnutzt ist zwar absolut kein gutes Verhalten, aber leider weder neu noch ein Einzelfall. Törichte Anrufe bei Herrn Diekmann, der wohl der letzte ist der um wahrhafte Aufklärung im Sinne der Moral bemüht ist, sind etwas, auf das die Medien durchaus hinzuweisen haben. Eine Wochenlange Kampagne unter Verdrängung aller anderen Probleme von Wirtschaftskrise zu Bundeswehrskandalen lässt sich jedoch auch nicht durch hohe Quoten rechtfertigen, die man durch den Wulff- Skandal sicherlich erzielen wird.
claudia schrieb am 13.01.2012 um 04:27
>>„Wenn sie [BILD] schreiben würde: DIE ROSEN BLÜHEN WIEDER, würden mich Zweifel befallen, auch wenn ich vor einem blühenden Rosenbeet stünde“, so Böll einst über die Bildzeitung.<<
Ein vielschichtiger Satz, der zu Gedanken anregt (wie bei Böll üblich).

Nach allem, was ich über Bild weiss, zweifle ich grundsätzlich am Ziel einer objektiven Berichterstattung: Die Leute bei BILD machen ganz eindeutig einen anderen Job.
Es gibt viele Gelegenheiten, das Blatt immer wieder mal anzuschauen. Früher, als ausgelesene Exemplare im Betrieb herum lagen. Auch in S-Bahn findet man ab und zu mal eine, auch wenn in München „TZ“ und „AZ“ beliebter sind als „Bild“.
Und bei solchen Inspektionen stellte ich fest: Am Wetterbericht gibt es niemals was auszusetzen: Die von Meteorologen stammenden Informationen werden unverfälscht weiter gegeben.
Es gibt also durchaus Bereiche, in denen das blinde Agitationshuhn „BILD dir unsere Meinung“ regelmässig reale Körner findet.

Anders liefen zum Beispiel in der Vergangenheit die Berichte über die steigende Arbeitslosigkeit: Während die Mehrheit angesichts dieser Entwicklung besorgt war, erzählte BILD Geschichten vom „faulsten Arbeitslosen Deutschlands“ und vom „faulsten Lehrling“. So wurden die Menschen von ihren Sorgen über die ökonomische Entwicklung abgelenkt und mental auf die kommende Hatz per Hartz vorbereitet. Als eine Bundesregierung die Agenda 2010 umsetzte, waren grosse Teile der Bevölkerung schon auf die „BILD-Meinung eingeschworen, dass nicht die Arbeitslosigkeit das Problem sei, sondern die „Faulheit“ derjenigen, die nach der Ausbildung keinen Arbeitsvertrag finden oder die aus einem Vertrag hinausgekündigt werden, und vor allem im Alter über 50, keinen Arbeitsvertrag mehr finden. So war ein grösserer Widerstand schon geblockt, bevor die Agendregierung zuschlug.
An dem Beispiel wird deutlich, welche Aufgabe BILD vorwiegend hat: Die politische Agitation.

Ich fragte öfter mal Leute, warum sie dieses Revolverblättchen lesen. Die Antwort, vorwiegend von männlichen Betriebskollegen: „Der Sportteil ist gut. Den Rest kann man natürlich vergessen“
Trotzdem fand der „Rest“ natürlich immer wieder den Eingang in die Köpfe. Er ist so beschaffen, dass die Agitation nahezu unbewusst im Kopfe speichert wird, wo sie bei Bedarf getriggert werden kann.

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Das politische System, das unter der Bezeichnung „repräsentative Demokratie“ bekannt ist, ist untrennbar mit einem Prinzip verbunden, das „Lobbyismus“ genannt wird. Der Begriff stammt vom ersten britischen Parlament: Im Vorraum, der „Lobby“, versammelten sich Interessenvertreter, die versuchten, Abgeordnete für bestimmte Einscheidungen zu beeinflussen. Gewinner ist, wer die attraktivsten Angebote machen kann. Eine Binsenweisheit, ich weiss. Wer über viel Geld verfügt, wäre dumm, wenn er diese Möglichkeit nicht nutzen würde. Es ist schlicht und ergreifend allzu profitabel, sich gewählte Entscheider zu kaufen.
Allerdings dient so das „Eigentum“ eben nicht dem „Wohle der Allgemeinheit“, wie es in GG Art. 14.2 steht, sondern dem Partialinteresse einer zahlungskräftigen Minderheit. Eine Binsenweisheit, wenn man es so sagt. Und daraus folgt auch, dass es niemand wirklich vom Hocker reisst, zu lesen, ein niedersächsischer Ministerpräsident halt auch mal Angebote annahm.
Bevor er Bundespräsident wurde: Das ist das eigentlich Interessante an der „Beschädigung des Präsidentenamtes“.
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Wie könnte ein investigativer Journalismus damit dem „Phänomen Lobbyismus“ umgehen?
Wer tatsächlich die Zusammenhänge zwischen politischen Entscheidungen und finanziell attraktiven Angeboten an „Entscheidungsträger“ aufdecken will, hätte über Jahre hinaus zu tun. Die Detektivarbeit könnte viele Schlagzeilen produzieren und immer Menschen würden allmählich sehr grundsätzliche Fragen stellen.
Will „BILD“ das erreichen. Darauf deutet nichts hin: E s wurde eine Einzelperson, der Bundespräsident herausgegriffen und seine Vorteilsnahmen während seiner Ministerpräsidentenzeit offen gelegt. Ist das Grundproblem der Anbieter oder der Annehmer der Angebote? Wie gross ist die Gefahr, dass ein eventueller Nachfolger nicht auch wieder das „Präsidentenamt beschädigt“ haben wird, bevor ihn eine Mehrheit der Bundesversammlung zu ihrem Präsidenten erwählt?

Das sind Fragen, die BLID nicht stellt und deswegen auch nicht beantworten muss? Wenn BILD nichts drüber schreibt, wird der/die Nachfolger/in von Wulff bis zum unbehelligt bleiben und aller Ehre in den Ruhestand verabschiedet.

Die nahe liegende Frage haben Einige hier gestellt: Aus welchem Grund benützt der Springerverlag eine allbekannte Eigenschaft der „repräsentativen Demokratie“, um eine bestimmte Person anzugreifen?
Soll der Platz frei gemacht werden?
Falls ja, zu welchem Zweck?
Kann eine parteiinterne Intrige der CDU dahinter stecken?
Oder ein Machtkampf zwischen CDU und CSU?
Oder doch einfach wieder mal eine Beschäftigungstherapie, um von akuten Schweinereien abzulenken?
Man kann ein bisserl spekulieren, Wahrscheinliches von weniger wahrscheinlichen Möglichkeiten trennen. Aber es bleibt natürlich die Erkenntnis, dass wir die Hintergründe nicht wirklich kennen. Wahrscheinlich werden wir „Aha“ sagen, wenn die Aktion bis zum Ende abgelaufen ist.

Wichtiger ist die Erkenntnis: BILD hatte nie vor, das Prinzip des „Lobbyismus“, das man uneuphemisch auch „Korruption“ nennen kann, in Frage zu stellen. Die Korrupteure kommen ja ganz gut weg. Das Problem ist für „BILD dir unsere Meinung“ lediglich ein einzelner Annehmer der Angebote, nicht die Anbieter.
Was hat es politisch zu bedeuten, wenn der Fokus nicht auf Anbieter gerichtet wird, die ihre Angebote selbstverständlich auch an alle Nachfolger richten? Schutz des Eigentums vor Kritik an seiner Anwendung?

Es könnte wieder mal einer der Zweifelsfälle sein, in denen „im Zweifel links“ sein Wollende mal an die Grundsatzfragen herangehen. Jenseits des aktuellen Events.

Und last but not least: Was sagt es über das politische Bewusstsein der FC-Mehrheit aus, wenn von einigen Wenigen immer wieder mal in die Diskussion gebrachten Grundsatzfragen von der Mehrheit so hartnäckig ignoriert werden? Und stattdessen brav auf Details der "Causa Wulff" herumgekaut. Und eventuell den Untergang der guten alten BRD befürchtet, weil das Bekanntwerden eines vorteilhaften Kredites usw. das Präsidentenamt beschädigt. (Wir einnern uns: Im vergangenen Jahr ging die BRD unter, weil die Linke nicht den Agenda2010-Fan und Sarrazinfreund Gauck unterstützen wollte.)
claudia schrieb am 13.01.2012 um 08:33
Korrektur:

>>Wenn BILD nichts drüber schreibt, wird der/die Nachfolger/in von Wulff bis zum Ende der Amtszeit unbehelligt bleiben und aller Ehre in den Ruhestand verabschiedet werden.<<
KarinL. schrieb am 13.01.2012 um 11:03
Die BILD hat das Amt des Bundespräsidenten beschädigt. In dem es eine Hetzkampagne vom feinsten betreibt.

BILD gehört mit zur Machtstruktur des Großkapitals!

Zitat aus Krysmanski`s Studie - Wem gehört die EU

"....bildet es eine zentrale - wenngleich nicht unbedingt die wichtigste - Stütze des Geldmachtapparats....." (Albrecht Müller hat dies mal sehr gut beschrieben)

www.uni-muenster.de/PeaCon/wemgehoertdieeu/eu-23.htm

Und Wulff scheint nicht mehr die Interessen des Kapitals vollständig zu vertreten und ist ev. "abtrünnig" geworden?! Wulff ist Ablenkung von den eigentlichen Problemen! Steigert zu dem noch die Auflagen. Denn die Medien haben ja auch einen Rückgang im Papierprint zu verzeichnen.

Alles andere, was man über Wulff aufgedeckt hat sind doch Peanuts und dürften jedem Bürger eigentlich bekannt sein. Bekannt in dem Sinne, wie Politiker ihre Vorteile nutzen und sich damit Privelegien sichern. Wer das heute immer noch nicht weiß und sich darüber echauffiert, hat die Welt nicht verstanden.

Ehrlich gesagt widert mich diese ganze Heuchelei seitens der ach so ehrlichen Politiker, Journalisten und den anderen, die jetzt über Wulff so herziehen, an.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der eigentlich fast jeder nur noch nach "oben" will und die sich über Status und Geld definiert. Und eben nicht über einen Menschen, der ehrlich und anständig ist. Wer hier ehrlich ist, bleibt zwangsläufig auf der Strecke und würde niemals zu so einer Position wie des BP gelangen! So ist nunmal das System in dem wir uns alle bewegen. Machen wir uns doch nichts vor!
gerhard monsees schrieb am 13.01.2012 um 20:58
Was hätte der Freitag mit dem Fall machen sollen?

"Anders?"

Und ich dachte schon, das wär der Anspruch.

Übersetze es mit Mut zu mehr Durchschnittlichkeit, so wie der Amtsinhaber von Anfang an, inklusive seine ganze Affäre in nicht mehr einzuholender kleinteiliger Spießigkeit.

Ich sehe auch "keinen anderen Weg" als tagelang ekstatisch über den vollgekotzten Boulevard zu springen. Ach ja: "Mehrere Berichte und Anaylsen von verschiedenen Autoren". Das funktioniert genauso hilflos wie "seriös", als hätte man sich an die Macht des Boulevards nicht schon längst angekoppelt.

Hoffentlich wird es wenigstens eine etwas weniger talentfreie "Medien-Affäre".
hanuta schrieb am 14.01.2012 um 00:32
Es geht doch wohl nicht darum, ob die Bild Recht hat. Mit ihr in den polemischen Stil einzustimmen, macht das unangenehme Gefühl.

Mit dem Amt des Bundespräsidenten verbindet man ein Stück das Bild Deutschlands. Und ein solch schlechtes Bild, wie es derzeit abgegeben wird, schmerzt viele und daher die vielen Stimmen zum Thema. Damit nicht genug: Wenn es zu einer Verfassungskrise käme, ist der Bundespräsident, der sonst nur repräsentive Aufgaben hat, plötzlich mit sehr vielen Rechten ausgestattet. Für diesen allerhöchten Notstand darf jeder Bürger ein Maximum an Integrität erwarten, was man von diesem Präsidenten nicht mehr erhoffen kann. Insoweit kann und darf man natürlich Bild Recht geben.

Aber es kommt auf die Art und Weise an, wie man es tut. Es geht hier nicht um die Glaubwürdigkeit der Medien. Das ist doch keine Glaubensangelegenheit. Es geht darum, möglichst viele Stimmen zu hören, um dann zu seiner eigenen Meinung zu finden. Wenn man dann in Teilen, quasi zufällig, mit Bild übereinstimmt, ist das keine Schande. Auch ein Nazi kann, - wenn er es geschickt anstellt - zu einem bestimmten Thema eine progressive Einstellung haben. Darf ich diese nicht teilen, weil ein Nazi sie auch hat? Oder geht es nicht vielmehr darum, nicht in die gleiche Polemik zu verfallen, dagegen argumentativ anspruchsvoll zu bleiben und vor allem deutlich zu machen, dass die Übereinstimmung nur für einen sehr eingegrenzten Bereich gilt?

Handelt es sich um eine Hetzkampagne der Bild? Cui bono? Was will Sie damit erreichen? PR in eigener Sache, wie man lesen kann, halte ich für eine gute Idee. Aber hätte sie das nicht einfacher haben können? Warum versteifen sich alle auf Bild? Schon sehr früh in der Causa Wulff hat Jauch im Dezember seinen ersten Talk zu diesem Thema gemacht. Er hat gar in abgeschmackter Weise gleich mal das Publikum über Wulff abstimmen lassen. (Schon da hätte Wulff aus Respekt vor dem Amt zurücktreten sollen, da er den Anlass und damit die Möglichkeit zu solcher Sudelei gab.) Ist er ein Handlanger der Bild? Verfolgt er auch eigene Interessen, hat er Frau Hamm-Brücher, auch so eine Art Bild Deutschlands, die zum Talk geladen war, instrumentalisiert? Oder wollte er die Stimme einer "grande dame" der bundesrepublikanischen Demokratie wirklich zu Wort kommen lassen. Mittlerweile gibt es soviele Meinungen und Stellungnahmen, darunter sehr viele sehr kluge oder auch unterhaltsame wie der Beitrag von Klaus Raab (toll und amüsant der Verweis auf die 9live-Sendungen), die sich mit allen möglichen Aspekten, die sich um die Angelegenheit ranken, beschäftigen und die man natürlich auch diskutieren kann, wie die Macht der Medien. Aber es verstellt den Blick auf die essentielle Frage. Möchte ich von diesem Präsidenten weiterhin repräsentiert werden?
claudia schrieb am 14.01.2012 um 04:15
>>Möchte ich von diesem Präsidenten weiterhin repräsentiert werden?<<
Werden Sie von seinem Nachfolger repräsentiert? Wurden Sie von seinem Vorgänger repräsentiert? Hat Wulff Sie bis November 2011 besser repräsentiert als im Januar 2012?
Vorschlag:
Wenn Sie einen Repräsentanten brauchen, suchen Sie jemand, der Ihnen geeignet scheint, Ihre Interessen zu vertreten. Bieten Sie ein Gehalt, für das der Bewerber zur Loyalität bereit sein wird.
Schreiben Sie in seinen/ihren Arbeitsvertrag, dass Tätigkeit für Andere nur mit Ihrer ausdrücklichen Zustimmung erlaubt ist und Zuwiderhandlung eine fristlose Kündigung des Arbeitsvertrages und Erlöschen aller vereinbarten Ansprüche Ihres Repräsentanten zur Folge hat.*
Zum Beispiel steht es Ihnen natürlich frei, Ihren Angestellten nach nur 4 Jahren Tätigkeit einen beitragsfreien Pensionsanspruch zu gewähren, auch wenn das unüblich ist. Diese Zusage erlischt aber, wenn der/die Angestellte gegen den Arbeitsvertrag verstösst und nicht Ihre, sondern Fremdinteressen vertritt.

Oder die „Volksangestellten“ sind an Weisungen gebunden, die durch Volksabstimmungsmehrheiten ermittelt werden. Auch dafür müssen im Arbeitsvertrag bestimmte Pflichten definiert werden.

Um einem Vorurteil vorzubeugen: Natürlich können Angestellte gegen Kündigungen, die mit falschen Beschuldigungen begründet werden, klagen. Das könnte ein/e „Volksangestellte/r“ natürlich auch, wenn das Arbeitsrecht und nicht Sonderrechte gölten. Dann eventuell sogar mit gewerkschaftlichem Rechtsschutz.

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>>Wenn es zu einer Verfassungskrise käme, ist der Bundespräsident, der sonst nur repräsentative Aufgaben hat, plötzlich mit sehr vielen Rechten ausgestattet.<<
Dann ist es doch praktisch, wenn der Buprä aus seinem früheren Leben noch ein paar Beziehungen denen hat, die über Inhalte von „Krisen“ und den Umgang mit ihnen bestimmen. Das heisst: „Gute Beziehungen zur „Wirtschaft“ sind eine wichtige Voraussetzung für ein eine Entscheiderposition im kapitalistischen Staat. Haben wir das nicht so gelernt?

Oder wollen wir andere Machtverhältnisse? Die werden wir nicht erreichen, indem wir mit BILD fordern, es sollen irgendwelche Leute irgendeinen einen neuen Präsidentschaftskandidaten nach den bislang üblichen Kriterien aufstellen. Und eine neue Bundesversammlung solle den halt wählen, so wie sie den Wulff halt auch gewählt hat.
Wenn Sie mehr wollen als das, liebe/r hanuta, dann werden Sie BILD nicht mehr auf Ihrer Seite haben, sondern gegen sich.

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* Natürlich kämen wir auf eine Macke des Systems „Wir stellen unsere Repräsentanten per Arbeitsvertrag ein“. Es hat mit dem Gehalt zu tun, das alle Korruptionsangebote überschreiten müsste und die Lohnkosten für „Volksangestellte“ in schwindelnde die Höhen treiben könnte. Und wenn wir die Macke beseitigen wollten müssten wir unsere Art der Regelung unserer Angelegenheiten durch bestimmte Massnahmen weiter optimieren.
Wer versucht, in der Richtung ein bisserl mitzudenken, dem/der spreche ich vorab mal mein Vertrauen aus. Aussergewöhnlich günstige 500 000er Kredite oder Beraterverträge für 100 000 € p.a. kann ich leider nicht vergeben, auch wenn das zweifellos motivierender wirken würde.
KarinL. schrieb am 15.01.2012 um 10:30
@claudia,

Zitat: "Bieten Sie ein Gehalt, für das der Bewerber zur Loyalität bereit sein wird. "

Seid der Erfindung des Geldes wird es immer Menschen geben, die käuflich sind. Und es gibt genug Menschen, die süchtig danach werden.

Ich glaube nicht, dass man mit einem entsprechend hohen Gehalt einen Menschen zur Ehrlichkeit "erzieht". Entweder man ist von Natur aus ehrlich oder eben nicht.
claudia schrieb am 15.01.2012 um 18:34
>>Ich glaube nicht, dass man mit einem entsprechend hohen Gehalt einen Menschen zur Ehrlichkeit "erzieht". <<
Ich auch nicht. Deswegen habe im Anhang gleich über die "Macke" geschrieben: Ein Gehalt, das mögliche Korruptionsangebote überschreitet, erreicht monströse Höhen.
Wie teuer Loyalität ist, sieht man ja an Konzernvorständen.

Der nächste Schritt wäre also die Überlegung, wie man Korrupteuren das "Handwerk legen kann.
So kommt man auch vom "Fall Wulff" wieder zu den Grundfragen des Wirtschaftssystems.
Man kommt immer wieder darauf, wenn man ankonditionierte Denkblockaden nicht akzeptiert.
niclas quinten schrieb am 14.01.2012 um 14:16
Die Medien, ja,ja...
Ursache und Wirkung und Auswirkung werden in der Meinungsbildung der so genannten Öffentlichkeit durcheinander geworfen. Emotionen wie Mitleid und was machen die denn mit ihm, dem sehr geehrten Herrn Wulff spielen eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Dabei ist diesmal den Medien kein Vorwurf zu machen. Es ist ihre Aufgabe aufzudecken. Vielleicht haben sie in der Vergangenheit dabei manchmal versagt. Das mag so sein, aber in der Causa Wulff haben sie ihrem Auftrag entsprechend gehandelt.

Wulff schafft es bis heute nicht, die Fakten auf den Tisch zu legen.
Ich wundere mich, dass er noch nicht den § 90 StGB gezogen hat: "Verunglimpfung des Bundespräsidenten". Dieser Paragraph zeigt die herausragende Stellung des Bundespräsidenten in unserem Gesellschaftssystem. Dieser besonderen Anforderung wird dieser Bundespräsident nicht gerecht.
L.Berit schrieb am 14.01.2012 um 16:24
@ll

Obwohl sich bereits viele Experten zu den einzelnen Vorwürfen betreff Wulff geäußert haben, dürften sich wohl alle darin sein, dass in der Causa rund um die Kreditvergabe ein staker Anfangsverdacht vorliegt. Trotz dieses Anfangsverdachts hat die Staatsanwalt Hannover bisher kein Ermittlungsverfahren gegen Wulff eingeleitet, wohl aber gegen dessen früheren Sprecher Glesaeker, und zwar wegen eines vergleichsweise "harmloseren" Vergehens, nämlich diverser Gratisurlaube bei "Geschäftsfreunden".

Weiter hat Wulff sein Versprechen gegenüber der Bevölkerung, in dieser Sache Transparenz herzustellen, nicht eingehalten. In diesem Verhalten der Intransparenz liegt mMn übrigens die gravierendste Verletzung der Würde des Amtes, weil es die Würde der Bürger verletzt.

Ich möchte mich bei meinen Überlegungen auf´zwei Kommentare von Tom Strohschneider beziehen, weil diese mE die Ambivalenz der "Linken" im Umgang mit dieser Affäre am besten zu Ausdruck bringen:

Wenn Wulff das System ist (siehe hierzu den Kommentar von "Die Würde und andere Konjunktive"), müsste man dann nicht Wulff als Repäsentanten dieses Systems bekämpfen, wenn man das System verändern will?
Wie kann man einerseits sagen "Wulff ist Teil des Systems", sich andererseits aber schützend vor stellen und ihn zum Opfer einer Medienkampagne machen? Sorry, aber ich finde das schon etwas schizophren.

Wenn Tom Strohschneider in seinem neuesten Artikel "Jenseits des Schlosses" konstatiert, angesichts der viel größeren Probleme (Armut, Finanzkrise) könne man die Causa Wulff getrost ad acta legen (und mit dieser Argumentation liegt TS ja auf der Linie der Com), dann frage ich mich, ob jemand überhaupt mal darüber nachgedacht hat, dass viele eben dieser Probleme ihre Ursache in der Korrumpierbarkeit der Politik haben (Stichwort "Lobbying")? - Oder hat sich Frau Merkel bei der Eurorettung etwa nicht durch die Finanz- und Versicherungswirtschaft korrumpieren lassen?!

Indem man diesen Fall klein redet, rekurriert man gleichzeitig aufs große Ganze, nur: irgendwo muss man ja mal anfangen.

Aber nein, man hat ja schön längst den "Klassenfeind" ausfindig gemacht: Friede Springer.
Nun muss die Bildzeitung für alles herhalten und sei es noch so irrational. Ergo drängt sich mir folgender Verdacht auf: es geht gar nicht um das System und dessen Veränderung, sondern um so etwas wie einen "Klassenkampf" (damit korrenspondiert die eigenartige Vorstellung der Com von denen "da oben", von denen häufig recht kryptisch die Rede ist und ich frage mich dann immer, wer eigentlich damit gemeint ist?!) oder vielleicht ganz schlicht: einfach nur um den Kampf gegen Springer.

Haben die Linken in ihrer ideologischen Verbohrtheit jetzt etwa jeden Sinn für Gerechtigkeit verloren?!

Sorry, aber angesichts der Tatsache, dass uns mit der Causa Wulff die Pathologie des Systems sozusagen figurativ entgegenspringt, kann ich diese "schizophrene" Einstellung der "Linken" echt nicht nachvollziehen.

Nun denn, viel Spass noch beim Medienbashing!
lebowski schrieb am 14.01.2012 um 20:12
Angesichts der Tatsache, dass das halbe Schröder Kabinett direkt von der Regierung in die freie Wirtschaft gewechselt ist, wobei man zuvor die Unternehmen, in die man wechselte, mit politischen Entscheidungen begünstigt hat, kann man angesichts der Verfehlungen von Wulff, sollten sie tatsächlich in dem beschriebenen Rahmen bleiben, nur müde abwinken.

Das schöne für Politiker ist, dass diese Form der Korruption völlig legal ist.
Da ist man mittlerweile einiges gewöhnt.

Und mich interessiert auch nicht, ob Wulff bei Multimillionär Maschmeyer residiert hat, sondern wie jmd wie Maschmeyer überhaupt Multimillionär werden konnte.
Dazu musste man erst mit gütiger Mithilfe von Wulff und Co. die gesetzliche Rente schreddern und dann die Sparer scharenweise den Maschmeyers dieser Republik zutreiben.
Nennenswerten Widerstand der Medien konnte ich nicht feststellen.
Galas im Zweiten moderiert von Gottschalk mit Maschmeyer als Stargast. Die Medien haben bei der neoliberalen Zurichtung der Gesellschaft eine erbärmliche Rolle gespielt.
Und noch heute steht in jeder Tageszeitung, wieviel Schaden der deutschen Wirtschaft durch das Kranksein von Arbeitern entsteht. Eine Schlagzeile, in der der Schaden beziffert ist, den die deutsche Wirtschaft dadurch anrichtet, dass sie Arbeiter nötigt, krank zur Arbeit zu kommen, sucht man vergeblich.
claudia schrieb am 15.01.2012 um 06:17
>>Angesichts der Tatsache, dass das halbe Schröder Kabinett direkt von der Regierung in die freie Wirtschaft gewechselt ist,…<<
Die Firma BRD-Regierung hat das wirklich vorbildlich geregelt: Den Angestellten wird erlaubt, während ihrer Dienstzeiten Kontakte zu anderen Unternehmen aufzubauen und zu pflegen, sodass sie im Falle einer Kündigung bruchlos ihre dortigen Jobs weiter betreiben können. Darüber hinaus erhalten die Angestellten der Firma BRD-Regierung nach 4 Jahren Tätigkeit beitragsfrei einen unverfallbaren Anspruch auf eine Betriebspension, die Altersarmut zuverlässig verhindert.
Man sollte mal darüber diskutieren, warum nicht längst alle Firmen dieses vorbildliche Modell übernommen haben.

>>Dazu musste man erst mit gütiger Mithilfe von Wulff und Co. die gesetzliche Rente schreddern und dann die Sparer scharenweise den Maschmeyers dieser Republik zutreiben.<<
Das war ja einer der Jobs der SPD/Grün-Regierung. Man kann nicht sagen, dass sie schlechte Arbeit geleistet haben: Ihr Arbeitgeber Maschmeyer ist zufrieden.
Selbstverständlich ist Matschmeyer auch mit Wulff zufrieden, auch wenn der mittlerweile einen anderen Job angenommen hat. BILD hätte sicher berichtet, wenn Wulff den Maschmeyer irgendwie über den Tisch gezogen hätte, oder? Deswegen mache ich mir auch um den Wulff keine Sorgen: Seine Zukunft

>>Nennenswerten Widerstand der Medien konnte ich nicht feststellen.<<
Zeitungen/Rundfunk-/Fernsehsender dürfen ja nicht ihren Werbekunden in die Suppe spucken. Aber nachdem alle Beteiligten ihre Schäflein im Trockenen hatten, durften wir schon mal was darüber lesen/hören.

>>Und noch heute steht in jeder Tageszeitung, wieviel Schaden der deutschen Wirtschaft durch das Kranksein von Arbeitern entsteht.<<
Leiharbeitsfirmen stellen heute Ersatzarbeitskräfte mit allen gewünschten Qualifikationen, auch mit Berufserfahrung zur Verfügung. Ein Problem haben die Firmen mit der Lohnfortzahlung im Krankheitsfalle und eventuellem Kündigungsschutz bei sehr langjährig Beschäftigten. Wir können davon ausgehen, dass die CDU/SPD/CSU- oder SPD/Grün-Regierung ab 2013 im Rahmen der Agenda 2020 diese mit dem ökonomischen Fortschritt nicht länger kompatiblen Regelungen beseitigen wird. Zuvor müssen nur noch die in der letzten Zeit etwas mutiger geworden Gewerkschaften wieder eingefangen werden. Darin hat die SPD ja Erfahrung.

>>Eine Schlagzeile, in der der Schaden beziffert ist, den die deutsche Wirtschaft dadurch anrichtet, dass sie Arbeiter nötigt, krank zur Arbeit zu kommen, sucht man vergeblich.<<
Das schmälert die Rendite der Investoren nicht, im Gegenteil, kommt ihr zugute. Ausserdem fördert die Angst vor einer Kündigung den Absatz von rezeptfreien Medikamenten: Wer 30 Jahre lang das komplette Gehalt in Pharma-Aktien investiert, wird danach die segensreiche Wirkung des zunehmenden Druckes auf Arbeitskraftverkäufer erkennen.
KarinL. schrieb am 15.01.2012 um 15:33
@lebowski,

Zitat: "Nennenswerten Widerstand der Medien konnte ich nicht feststellen."

Genau darum geht es nämlich. Wenn die Medien, einschl. der BILD seriös sein wollen und dem Bürger "dienen", dann hätten sie sich den wahren Problemen in dem System zugewandt. Die wahren Machenschaften der Politik aufgedeckt. Und das nicht nur an einzelnen Personen. Die Medien sind aber nur die Erfüllungsgehilfen der Politik. Und die Politiker wiederum des Kapitals. So funktioniert heute Kapitalismus!

Wulff ist ein lauwarmer Politiker, der des Amtes des BP nicht wirklich würdig ist. Nur welcher Politiker wäre es denn dann?

Und es ist wahr. Es ist ein "Klassenkampf" entbrannt zwischen denen da "Oben" und denen "Unten".
@dllxllb schrieb am 14.01.2012 um 22:19
Der Spiegel hat einen Artikel zur rechtlichen EInschätzung online gestellt. Es gibt ein Gutachten des Staatsrechtlers von Arnim zum Hauskredit usw. Ganz interessant zu lesen. www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809037,00.html

@lebowski

"Das schöne für Politiker ist, dass diese Form der Korruption völlig legal ist." Das ist die Frage. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.Wenn keiner ermittelt, oder auf Untersuchung drängt (Stichwort Mediendruck), fällt, wie es scheint, das ein oder andere mehr oder weniger leise unter den Tisch.
Popkontext schrieb am 14.01.2012 um 23:02
Danke für den Link. Aus meiner Sicht ist es in moralischen Sinne eigentlich egal, ob das jetzt gerade noch im Graubreich oder strafbar ist. Aber es ist formal nicht egal.

Mir stellt sich da - und eigentlich schon von Anfang an - die Frage, warum das die Aufdecker des Skandals nicht sofort, noch VOR der Veröffentlichung, geprüft haben.
@dllxllb schrieb am 14.01.2012 um 23:22
Warum nicht vor der Veröffentlichung geprüft wurde?

Da kann ich, wieder einmal, nur spekulieren. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das Ganze von der Rechtsabteilung unter diversen Gesichtspunkten geprüft wurde bevor man damit aufmachte.

Es vorher von einem außerhäusigen Staatsrechtler (nebst peer review) begutachten zu lassen dauert sicher eine Weile, kostet evtl auch, und dann war da ja noch die Konkurrenz, die auch versuchte die Story zu knacken...
Popkontext schrieb am 14.01.2012 um 23:29
"Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass das Ganze von der Rechtsabteilung unter diversen Gesichtspunkten geprüft wurde bevor man damit aufmachte."
Dann gehört sowas bei "seriösem Recherchejournalismus" gleich aber doch in die erste Geschichte der Aufdeckung - einen anständigen Juristen wird man doch im Hause Springer, aber auch bei jenen, die die Geschichte übernommen haben - also die großen Verlage - zur Verfügung haben!
@dllxllb schrieb am 15.01.2012 um 00:19
Diese Sicht kann ich zwar nachvollziehen, Juristerei fußt jedoch auf einer Auslegung von Gesetzen. Und im vorliegenden Fall gibt es wohl, soweit mir ersichtlich und wieder Spekulation (z.B. daraus www.welt.de/politik/deutschland/article13812449/Die-Welt-veroeffentlicht-alle-Fragen-zur-Causa-Wulff.html), Anhaltspunkte (wohl vor Allem aufgrund der Kürze der Antworten), aber nichts was man so einfach als definitive Bewertung heranziehen könnte, schon gar nicht ohne eine sich über mehre Seiten ausdehnende Argumentationskette zu benötigen (siehe Link bei SpOn). Und unter der Headline und dem großen Bild ist dann doch nicht mehr so viel Platz ;)
Abgesehen davon: Die Entscheidung über Recht und Unrecht liegt bei den Gerichten. Da kann man keine Festlegungen von Anwälten der 'Gegenseite' (was sie im Übrigen auch nicht ist!) verlangen. Daher, und nur am Rande, verwunderte mich auch dass sich eine EInschätzung der Anwälte in dem 6-seitigen Dokument, das nach dem Interview veröffentlicht wurde, befand.
Außerdem gehe ich davon aus, dass sich rennomierte Staatsrechtler nicht unbedingt in Verlagshäusern verdingen. Wohl eher Fachanwälte für Medienrecht...
claudia schrieb am 15.01.2012 um 03:54
>>Aus meiner Sicht ist es in moralischen Sinne eigentlich egal, ob das jetzt gerade noch im Graubreich oder strafbar ist. <<
Es gibt auch eine Perspektive, aus der Wulff moralisch nichts vorzuwerfen ist:
Ausgehend von der These, dass ein Gewählter seine Wähler repräsentieren solle, repäsentiert ein Bundespräsident die Mehrheit der Bundesversammlung, die ihn gewählt hat. Für nicht Wenige davon ist das Abgeordnetensälar ein unbedeutender Zuverdienst, weil sie ihr wesentliches Einkommen aus innigen Kontakten zu privatwirtschaftlichen Auftraggebern beziehen.
Ein von der Bundesversammlung Gewählter, der in seiner Zeit als "Entscheidungsträger" ebenfalls derartige lukrative Kontakte hatte, ist also ein durchaus geeigneter Repräsentant seiner Wähler und vor allem ihrer Sponsoren. Man kann ihm schwerlich vorwerfen, dass er seine Wähler irgendwie hintergangen hätte. Und das trifft nur auf wenige Gewählte zu. Sodass Wulff sehr gut als vorbildlicher Wählerrepräsentant gelten kann.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 04:05
@claudia
Nun ja, ich gehöre ja nicht zu der Fraktion, denen es allein um Wulff geht. Ich war ja da voll auf der von Augstein so kritisierten Strohschneider-Linie (auf diesen Wulff folgt der nächste Wulff, solange sich das System nicht ändert) und verstehe auch nicht, wieso man das NICHT sehen kann.
@dllxllb schrieb am 15.01.2012 um 04:47
@claudia Was völlig anderes, mich würde interessieren wie Sie sich unsichtbar gemacht haben. Das kann nur an Profileinstellungen liegen, die ich noch nicht gefunden habe... Reines Interesse.
lebowski schrieb am 15.01.2012 um 11:55
"Wenn keiner ermittelt, oder auf Untersuchung drängt (Stichwort Mediendruck), fällt, wie es scheint, das ein oder andere mehr oder weniger leise unter den Tisch."

Das Ganze wurde schon untersucht, bspw. die Beraterverträge eines Laurenz Meyers mit der Energiewirtschaft. Da das Ganze aber nicht justiziabel ist, bleibt es bei einem kurzen Aufschrei und danach gibt es Business as usual.
Meyer sitzt inzwischen wieder bei Maischberger und schwadroniert über Gott und die Welt.
Pack schlägt sich, Pack verträgt sich.
claudia schrieb am 15.01.2012 um 17:18
@Popkontext:
>>Nun ja, ich gehöre ja nicht zu der Fraktion, denen es allein um Wulff geht.<<
Schon klar. Darin stimmen wir überein.
Ich habe nur das Stichwort "Moral" benützt, um noch mal in vereinfachter Form den konservativen Kommentaren den anderen Standpunkt gegenüber zu stellen:
Wenn der "Fall Wulff" als "Normalfall BRD" identifiziert werden kann, dann ist der Weg frei für die Frage nach der Macht der Korrumpeure. Dass die Korrumpierten in beliebiger Zahl nachrücken, wenn ein Einzelner zum Rücktritt gezwungen wird, das dürfte den Kommentatoren, die der Forderung der Mainstreammedien nachkommen, alles auf den "Einzelfall Wulff" zu fokussieren, ja auch klar sein.
Sie begründen aber nicht, warum sie das für richtig halten und eine Konzentration der Kritik auf die privatwirtschaftlichen Anbieter von finanziellen Privilegien für "Entscheidungsträger" für falsch halten.
Damit entsteht bei mir der Eindruck, dass Einige hier sich nicht einfach persönlich eine Meinung geBILDet haben, sondern im Sinne von BILD & INSM manipulieren wollen.

Wer einfach nur persönlich der Meinung ist: "Wenn die Bundesversammlung einen Wulff-Nachfolger wählt, über den BILD nichts Negatives berichtet, dann fühle ich mich vom Bundespräsidenten repräsentiert und meine Welt wäre wieder in Ordnung", dann sollte der/diejenige doch auch mal sagen können, was am Standpunkt, dass der "moralische Einzelfall Wulff" irrelevant ist, weil es um ein sehr grundsätzliches Problem des Wirtschaftssystems geht, falsch ist.
Oder der Widerspruch bleibt unaufgelöst, dass alle, die Abgeordneten/Ministern/Ministerpräsidenten finanzielle Vorteile anbieten richtig handeln und dass nur jemand falsch gehandelt hat, über den bekannt wird, dass er solche Angebote annahm.

Ich würde das Thema gerne von der Detailverliebtheit, mit die "Causa Wulff" diskutiert, auf die Grundsatzfragen reduzieren. Wenn man davon aus wieder in Details geht, kann wahrscheinlich auch eher die Frage diskutiert werden, warum Mainstreammedien an die grundsätzliche Problematik nicht heran gehen können, sondern immer nur Einzelfälle in salamitaktischen Detailberichten bringen.

---
@dIIxIIb:
Es war nicht meine Absicht.
Mein Versuch, ein blog zu erstellen, ging aus mir unbekannten Gründen schief und wurde softwareseitig vorzeitig abgebrochen. Seitdem ist das so.
@dllxllb schrieb am 16.01.2012 um 00:20
@lebowski

Nun, ich denke es müssen Gesetze her, die die Politik, oder vielmehr Politiker, von der Wirtschaft entkoppeln. Und zwar zeitlich (Thema 'Jobwechsel') als auch räumlich ('Nebeneinkünfte und -posten'). Der Politiker an sich muss, was sein Amt angeht, transparent sein. Dieses Gedöns von wegen die Politik braucht Einblicke in die Wirtschaft kann ich mir unter Anbetracht der Postenvergabe und Leihangestellten im Ministerium auch nur schwer anhören.

@claudia Merci.
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2012 um 22:27
UND NUN DAS LETZTE

Die Bild-Zeitung jetzt hat jede Menge neue Werbeträger:

Auf Seite 3 werden heute Zitate 12 von Journalisten und einer Politikberaterin abgedruckt, die die Rolle von BILD in der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff thematisieren. Mit dabei sind die in diesem Blog schon erwähnten Kollegen Zastrow, Niggemeier und Augstein.

Von letzterem wurde ein Ausschnitt aus "Der böse Wulff" ausgewählt:

Die Bild-Zeitung mag sonst Springers Sturmgeschütz der Demagogie sein, aber hier hat sie die Arbeit geleistet, die man von der investigativen Presse erwartet. Vielleicht ist das übrigens die wichtigste Lehre aus diesem Skandal: Die Bild-Zeitung erweitert ihr Repertoire. Sie kann jetzt auch seriös, wenn sie will. Es steht ihr frei, jederzeit vom populistischen ins politische Fach zu wechseln, vom boulevardesken ins investigative. Das macht die Zeitung noch gefährlicher.

Denkbar, dass das demnächst an allen Bushaltestellen und Litfasssäulen zu lesen - neben dem Konterfei von JA.

Von nun an wirkt jeder Fernsehauftritt Freitag-Verlegers als Werbung für die Konkurrenz.
@dllxllb schrieb am 14.01.2012 um 22:33
@ChristianBerlin

Da sollte man sich das mit dem Leistungsschutzrecht nochmal überlegen ;)

Das mit dem Werben geht meiner Ansicht nach aber nicht ohne Zustimmung.
thinktankgirl schrieb am 14.01.2012 um 22:35

ChristianBerlin schrieb am 14.01.2012 um 22:27
UND NUN DAS LETZTE

Die Bild-Zeitung jetzt hat jede Menge neue Werbeträger:

Auf Seite 3 werden heute Zitate 12 von Journalisten und einer Politikberaterin abgedruckt, die die Rolle von BILD in der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff thematisieren. Mit dabei sind die in diesem Blog schon erwähnten Kollegen Zastrow, Niggemeier und Augstein.


Meine schlimmsten Befürchtungen bewahrheiten sich: Ganz grosses Kino :-(
Popkontext schrieb am 14.01.2012 um 22:50
Man kann die Einstellung haben: Jede Erwähnung ist gute Werbung, oder man kann sehen, dass Augstein Bild im adelt und ihr plötzliche Seriosität unterstellt, während Niggemeier in einem aus meiner Sicht sehr gelungenen Text ihre Rolle kritisch beleuchtet. Es ist allerdings noch eine andere Ebeben, ob man sich für die Werbung bezahlen läßt oder nicht...
Magda schrieb am 14.01.2012 um 22:53
Das ist schlimm, muss einen aber nicht mehr verwundern. Seit er mit Blome die Sendung macht, weiß man doch, was läuft.

Hier ist trotzdem noch ein guter Link zu Wulff und ein Zitat aus dem NZZ-Beitrag.

www.nzz.ch/nachrichten/politik/international/ein_deutsches_trauerspiel_1.14266378.html

"An der Basis hat man das Gefühl für die Proportionen noch nicht ganz verloren. Ihr Bundespräsident, das wissen die Deutschen, ist kein Verbrecher. Er hat sich schlecht benommen, er hat Fehler gemacht und eine enttäuschend mediokre Gesinnung offenbart. Er ist für den Rest seiner Amtszeit diskreditiert. Aber er ist kein Schuft, und die Bürger mögen es nicht, wenn ihn die Medien wider besseres Wissen zu einem solchen machen wollen.
Wenn Wulff bleiben will und sich die politische Klasse, die dafür zuständig ist, nicht zu einer Amtsenthebung aufraffen kann, sollte man ihn eben erdulden. Aufklärung ist stets gefragt. Hexenjagden braucht das Land aber keine."
Georg von Grote schrieb am 14.01.2012 um 23:02
Lieber ChristianBerlin.

ich hoffe, die Entrüstung ist nur gespielt.
Denn das, was BILD da macht, war doch absehbar. Augstein hat ja nun mit seinem Aufmacher nichts anderes vorgemacht. Und wenn man die TV-Werbung der BILD im letzten Jahr beobachtet hat, vor allem auch gesehen hat, wer sich für diese Werbespots aus finanziellen Gründen, aber auch aus Publicity angebiedert hat, dann müsste einem eigentlich längst gedämmert haben, dass da eine neue Masche läuft.
Eine Masche, die aber nur funktionieren kann, weil sich in den letzten Jahren die Medienlandschaft auf eine Ebene nivelliert hat.
Leider auf die gemeinsam möglichst unterste Ebene.
Im TV-Bereich setzen die Offentlichrechtlichen mehr und mehr auf die gleichen Formate wie die zuvor verpönten Privaten und versuchen sie zu kopieren, wo es nur geht.
Ähnlich bei den Printmedien. Nur da hat dieser Prozess schon wesentlich früher begonnen.
Das sogenannte "Dschungelcamp" wird beim Spiegel dem leser mittlerweile unter dem Begriff Kultur verkauft und SZ, FAZ, Zeit handeln auch nicht mehr anders.
In den Zeiten der Auflagen- und Anzeigenkrise ist man eng zusammengerückt und lebt mittlerweile nach dem Motto: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
Schließlich weiß ja keiner der jetzigen Redakteure und auch Chefredakteure, wo er vielleicht morgen "Meinung bilden" soll, weil sein jetziger Stuhl weggesägt worden ist.
Das schlimme Ende wird sein, die Medien sind beliebig austauschbar, so wie es die Parteien schon vorgemacht haben.
Vielleicht sind es mein Alter, meine Erfahrung oder vielleicht ist es einfach auch nur mein "Revoluzzer-Gen",
was mir sagt: Bevor ich bei diesem Spiel der Selbstdemontage mitmache, da riskiere ich lieber auf der Straße zu enden. MIt nem hungrigen Bauch, mit kalten Fingern, aber mit Achtung vor mir selbst!
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2012 um 23:26
@Georg von Grote

Bevor ich bei diesem Spiel der Selbstdemontage mitmache, da riskiere ich lieber auf der Straße zu enden.

Na dann, willkommen beim Straßenchor!

;)

@Popkontext

Von Stefan Niggemeier haben die pfiggen BILD-Redakteure ein Zitat rausgesucht, BILD-Leser nur als Kompliment verstehen können. Wenn Stefan schreibt:

Wir haben in den vergangenen Wochen einiges Neues über den Charakter von Christian Wulff gelernt. Und nichts Neues über den Charakter der 'Bild'-Zeitung

werden zu letzterem BILD-Lesern nur die Gründe einfallen, aus denen sie sich BILD kaufen.

Die Leser des Niggemeier-Blogs haben bei dem Satz natürlich andere Assoziationen, die wissen, was der Autor selbst meint. Aber BILD-Leser sind in der Regel keine Niggemeier-Leser (oder sie verstehen ihn nicht, was auf dasselbe hinausläuft), und so darf selbst der größte BILD-Kritiker hier unfreiwillig als Werbeträger herhalten.

LG Christian
Georg von Grote schrieb am 14.01.2012 um 23:53
@ ChristianBerlin,

Ihr Lächeln war nicht zu übersehen. :-)

Es mag Sie vielleicht überraschen, aber ich schreibe so etwas nicht, ohne zu wissen was es bedeutet.
Sie dürfen davon ausgehen, dass ich die oberen, wie auch die unteren Stockwerke des Lebens kenne und der Vorteil ganz unten zu sein, ist der, dass es von dort nur noch einen Weg nach oben gibt.
Und ich kann Ihnen sagen, auch wenn Sie es nicht glauben wollen, da unten auf der Strasse sind die Menschen oft ehrlicher und authentischer als in den oberen Stockwerken.
Aber um das beurteilen zu können, muss man erstmal mit diesen Menschen leben und ihre Schicksale aber auch ihre Motivationen kennen.

Und nachdem ich das kennengelernt haben durfte, aus welchen Gründen auch immer, habe ich auch kein Problem, das so frei und offen zu äußern.
Aber vielleicht mag sich das der vermeintlich abgesichert empfindende Bildungsbürger nicht vorstellen können oder wollen.
Ich habe auf Hamburgs Strassen zum beispeiel einen gestandenen ehemaligen Bariton kennengelernt. Der hatte auch nie damit gerechnet, dass er da jemals landen würde nach seinen Erfolgen auf den Bühnen der Welt. Aber trotz alledem, eines hat er nicht abgelegt, seine Würde und seine Selbstachtung.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 00:42
@Christian

Nun ja, dann bedienen sich hier Freitag und Bild-Zeitung der gleichen unsauberen Boulevard-Methoden, um Auflage zu machen: Sie reißen Aussagen aus einem Kontext, um ein bestimmtes Bild zu erzeugen, sei es von der Meinung der Blogger/innen zur Wulff-Bild-Debatte (die ja auf den Artikel von Augstein reagiert haben, nicht auf die Wulff-Bild-Debatte insgesamt) , oder der anderen Journalist/innen von Bild in der Debatte.

Wir haben in den vergangenen Wochen einiges Neues über den Charakter des Freitag (oder sollen wir Jakob Augstein sagen?) gelernt. Und nichts Neues über den Charakter der 'Bild'-Zeitung.
Georg von Grote schrieb am 15.01.2012 um 01:14
So ist es.

Ich denke, irgendwann wäre es einmal Zeit, dass jemand einmal über die Interna spricht, Sprich, wie Artikel innerhalb von Redaktionen zustandekommen, bearbeitet und letztlich veröffentlicht werden. Hat Wallraff mal in Bezug auf BILD einmal gemacht. Nur das war noch eine andere BILD und vor allem war damals die Medienlandschaft, besonders in Bezug auf Printmedien noch anders. Auch kontroverser.
Heute - und ich bedauere das sagen zu müssen - wäre es völlig egal, für welches Medium man sich entscheidet zu schreiben. Sie arbeiten alle nach der gleichen Methode.
Insoweit steht für mich längst nicht mehr Wulff am Pranger, denn der hat sich längst selbst disqualifiziert.
Die Medien haben sich dabei selbst, ohne es zu merken, an den Pranger gestellt und sind dabei, sich übergreifend zu disqualifizieren.
Man kann eigentlich nur noch hoffen, dass wenigstens ein paar wenige Herausgeber, Chefredakteure den Mut aufbringen aus diesem Teufelskreis auszuscheren. Allerdings bräuchcten Sie damit nicht nur eine Menge Mut. sondern auch Kreativität und vor allem wieder unangepasste Mitarbeiter.
Aber ehrlich gesagt, in dieser Hinsicht sehe ich schwarz.
Georg von Grote schrieb am 15.01.2012 um 01:14
So ist es.

Ich denke, irgendwann wäre es einmal Zeit, dass jemand einmal über die Interna spricht, Sprich, wie Artikel innerhalb von Redaktionen zustandekommen, bearbeitet und letztlich veröffentlicht werden. Hat Wallraff mal in Bezug auf BILD einmal gemacht. Nur das war noch eine andere BILD und vor allem war damals die Medienlandschaft, besonders in Bezug auf Printmedien noch anders. Auch kontroverser.
Heute - und ich bedauere das sagen zu müssen - wäre es völlig egal, für welches Medium man sich entscheidet zu schreiben. Sie arbeiten alle nach der gleichen Methode.
Insoweit steht für mich längst nicht mehr Wulff am Pranger, denn der hat sich längst selbst disqualifiziert.
Die Medien haben sich dabei selbst, ohne es zu merken, an den Pranger gestellt und sind dabei, sich übergreifend zu disqualifizieren.
Man kann eigentlich nur noch hoffen, dass wenigstens ein paar wenige Herausgeber, Chefredakteure den Mut aufbringen aus diesem Teufelskreis auszuscheren. Allerdings bräuchten Sie damit nicht nur eine Menge Mut, sondern auch Kreativität und vor allem wieder unangepasste Mitarbeiter.
Aber ehrlich gesagt, in dieser Hinsicht sehe ich schwarz.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 01:39
Ja, es liegt in der Hand der Verleger/innen / Herausgeber/innen / Chefredakteur/innen, den Kurs zu bestimmen und sich auch die Mitarbeiter/innen zu suchen, mit denen sie diesen Kurs verfolgen wollen. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopfe.

Journalist/innen gibt es wie Sand am Meer, und die aus meiner Sicht guten - die kreativen, engagierten, mutigen, ehrlichen, unbestechlichen, im Zweifel auch mal widerspenstigen - sitzen nicht notwendiger Weise in den profiliertesten Stellen, oder sie werden dort verheizt und stehen unter Druck, weil sie sonst ihren Job verlieren. Wenn sie nicht sowieso schon Taxi fahren.

Was nicht heißt, dass auch mal richtig gute Journalist/innen in exponierten Positionen zu finden sind - und da auch länger, aber das ist leider zu selten. Das liegt genau wie in der Politik am System.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 01:56
P.S. Und beim Freitag fehlt ganz eindeutig ein starker Chefredakteur. Ich habe Herrn Grassmann mal kurz kennen gelernt und ihn als sehr angenehm und klug empfunden. Aber er geht im Schatten von Augstein von allem, was ich mitkriege, völlig unter. Und so fehlt dem Blatt aus meiner Wahnehmung (als jemand, der nur hin und wieder die Prinausgabe kauft und auch im Netz nicht alles minutiös verfolgt) völlig die Linie: Es gibt ein Wochenthema, aber ansonsten erscheinen mir die Artikel alle recht wahllos, nach dem Motto: Ach das kam gerade rein, das können wir mal nehmen. Es werden keine Themen gesetzt, keine wichtigen aktuellen Entwicklungen systematisch bearbeitet und gegen den Strich gebürstet. Natürlich ist das mit einem kleinen Budget auch schwer, aber mE. zumindest machbarer als es mir derzeit erscheint.
@dllxllb schrieb am 15.01.2012 um 02:07
@Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 00:42

Unter dem Artikel/Blog aus Seite 6:

'Gekürzte Auszüge aus der fortlaufenden Debatte [...] Die ganze Diskussion auf "freitag.de"' (Freitag, S.6)

Was haben wir denn in den vergangenen Wochen neues über den Charakter des Freitag (oder gar Augstein) gelernt? Sie können sich sicher denken, dass das eine rhetorische Frage ist...

Den Niggemeier Beitrag finde ich, unter anderem, und witzigerweise, zu lang.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 02:32
Ich habe ja leider die aktuelle Ausgabe des Freitag als Kiosk-Käuferin nicht mehr bekommen - zumindets heute war er an allen drei Kiosken in meinem "Einzugsgebiet", die ihn - zumindest in geringer Stückzahl - führen, ausverkauft. Da ist Augsteins Konzept zumindest kurzfristig aufgegangen. Der Grund, warum ich mich noch richtig bemüht habe, ihn zu bekommen war eben, dass mir jemand erzählte, dass die ganzen Kommentare rausgerupft mehrseitig unter dem Logo "Bild Dir Deine Meinung" unter der Überschrift Wulff-Bild-Debatte standen, ohne Hinweis darauf, worauf sie sich eigentlich bezogen.

Und ja, es kann sein, dass viele - wie ich - Augsteins Bekenntnisse zum Boulevard und seine Zuneigung zu Bild / Springer zu gern ignoriert haben, weil sie es nicht wissen wollten und hofften, es sind launige Anmerkungen / Spielereien am Rande. Offenbar nicht.

Ich finde Niggermeiers Artikel nicht zu lang, auch wenn es sicher etwas kürzer ginge. Aber auch nur beim Anlesen / Überfliegen kommt ja der Punkt raus und er ist allgemein gut lesbar.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 02:34
Ups, Niggemeier natürlich ;)...
blog1 schrieb am 15.01.2012 um 02:53
@ ChristianBerlin

In der Tat zeigt die Bildzeitung ihre Wandlungsfähigkeit, in dem sie ein Zitat von JA für ihre Zwecke nutzt.

Mit diesem Zitat meldet sie ihren absoluten Führungsanspruch bei den Printmedien an, weil sie sozusagen die gesamte Palette eines modernen Journalismus verkörpert. Omnipotenz per Akklamation der Konkurrenz. Und sie lässt noch nicht einmal den letzten Satz des Zitates weg, in dem es um ihre Gefährlichkeit geht. Nein, im Gegenteil, ihr alle da draußen müsst euch fürchten, weil wir gefährlich sind. An der Bild kommt keiner vorbei, die Bild als das eigentliche Machtzentrum im Staat. Niemand ist vor ihr sicher.

Ich frage mich schon, wer die Bild so aufgepumpt hat, aber vor allem, wer die Luft wieder rauslässt.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 03:02
"In der Tat zeigt die Bildzeitung ihre Wandlungsfähigkeit, in dem sie ein Zitat von JA für ihre Zwecke nutzt."

Während ich deiner folgenden Analyse zumindest im Grundlegenden folge, ist der Satz nicht ganz richtig aus meiner Sicht. Während sich JA freudvoll in das riesig offene A***loch gestürzt hat, hat ja Niggemeier schon gesagt: Hier stinkts. Beide werden inkorporiert - aber in der Bild-Republik wird JA das Pöstchen bekommen, Niggemeier ist draußen, solange er nicht klein bei gibt und nachkriecht.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 03:04
P.S. Sorry, wenn das Bild jetzt etwas drastisch ist, aber drängte sich mir gerade auf...
@dllxllb schrieb am 15.01.2012 um 03:45
@Popkontext

Ich beschreibe mal: Die Auszüge finden sich auf Seite 6 und 7. Im oberen Drittel der Seite 6 links der Blog, rechts ein Störer (sagt man das so?) "Die Community diskutiert über die Rolle von Bild im Fall Wulff. Bild uns deine Meinung! [...]"

Im unteren Drittel der Doppelseite findet sich mittig der Artikel "Mitten in der Schneekugel". Die Auszüge füllen den Rest der Doppelseite.

Ist das verständlich? Zum Glück hat man die Fotografie erfunden ;)

Auch wenn das aus meiner Rhetorik oben wohl so verstanden wurde, die Zuneigung zum Boulevard oder BILD hab ich jetzt noch nicht festgestellt. Man soll ja niemals nie sagen, aber ich denke dass der Freitag sowas von nicht BILD ist und unterstelle jetzt einfach mal Augstein und der Redaktion (ohne mich über Charakterfragen auszulassen ;), dass sie keine Ambitionen haben ihn dazu zu machen. Wär ja auch irgendwie an der Sache vorbei.

Und auch wenn ich mich jetzt in die Nesseln setze, ich bin BILD für diese ganze Wulff-Sache dankbar. Das wär ich auch dem nächsten Käseblatt. Nicht zu vergessen den anderen, die da noch dran waren.

Um nochmal auf die Bilderisierung des Freitag zurückzukommen... Und nicht direkt an Sie gerichtet... Nur weil man versucht die Zeitung zu vermarkten, was eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist, ist man nicht gleich BILD. Ich finde es besser wenn der Verleger oder Chefredakteur oder Ressortleiter etc. beim Presseclub oder Phoenix oder DLF Profil zeigt als eine nichtssagende Werbekampagne zu fahren. Davon gibt's für meinen Geschmack eh zu viel.

Sie schrieben in einem Kommentar weiter oben vom Mangel an Themen setzen... Ich weiß jetzt nicht worauf sie das beziehen. Wenn Sie ein Themen setzen bei der Leserschaft meinen, bin ich mir da nicht so sicher. Die Anzahl der Kommentare zu diesem Posting zum Beispiel sagen gegenteiliges?

Was eine eklektische Themewahl angeht, empfinde ich das als Vorteil gegenüber der Suppe, die andernorts gekocht wird. Und es ist doch eher Crowdsource-/Community-gemäß. Und auch irgendwie anarchisch links ;)

PS: Was Rechtschreibfehler usw. angeht, das knan ihc onhe weiterse igonreirne, ohne den Sinn aus den Augen zu verlieren.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 04:31
@@dllxllb
"Zum Glück hat man die Fotografie erfunden ;)"
Und noch besser: das Scannen! Anyone?

"die Zuneigung zum Boulevard oder BILD hab ich jetzt noch nicht festgestellt."
Nun ja, die betont Augstein ständig selbst.

"dass sie keine Ambitionen haben ihn dazu zu machen."
Na, diese kindlich-simple dichotome Sichtweise und dazu das billige kritiklose Anbiedern bei Springer geht aus meiner Sicht schon jenseits des Akzeptablen. Zu sagen - und das als Vollblutjournalist! -, die Quelle ist egal und die Motive der Medien auch grenzt für mich schon fast an Volkverdummung. Spricht er demnächt auch dem KOPP-Verlag "seriösen Recherchejournalismus" zu?

"Wär ja auch irgendwie an der Sache vorbei."
Allerdings. Aber sieht das auch Herr Augstein so? Da kommen mit langsam Zweifel.

"und auch wenn ich mich jetzt in die Nesseln setze, ich bin BILD für diese ganze Wulff-Sache dankbar. Das wär ich auch dem nächsten Käseblatt. Nicht zu vergessen den anderen, die da noch dran waren."
Da sind Sie voll auf Augstein-Linie, der sagt, die Quelle ist egal und auch die Motive für die Aufdeckung. Das sehe ich wie schon dargestellt komplett anders.

"Nur weil man versucht die Zeitung zu vermarkten, was eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist, ist man nicht gleich BILD."
Nein, aber wenn man versucht, die Auflage mit den selben Mitteln wie Bild zu erzielen (Vereinfachung bis zum Kindlichen, Verkürzung, Kampagnenjournalismus...etc.) schon.

"Ich finde es besser wenn der Verleger oder Chefredakteur oder Ressortleiter etc. beim Presseclub oder Phoenix oder DLF Profil zeigt als eine nichtssagende Werbekampagne zu fahren."
Das ist auch aus meiner Sicht ohne Frage Augsteins Stärke, da ist er in seinem Element und macht das größtenteils echt Klasse. Aber wenn er dann auch gleichzeitig noch Verleger, Quasi-Chefredakteur, Geschäftsführer, Autor etc. ist, ist das ein bisschen viel, für ihn und für das Blatt.

"Sie schrieben in einem Kommentar weiter oben vom Mangel an Themen setzen... Ich weiß jetzt nicht worauf sie das beziehen."
Auf die Zeitung - da scheint mir wie gesagt die Themenwahl eher zufällig. Da kommt sicher immer mal wieder das eine oder andere interessante Thema, aber viele Sachen, die man aufgreifen könnte unter dem Anspruch, den das Blatt bisher hat, und die auf der Hand liegen kommen nicht - und erst recht nicht mal so richtig gegen den Strich gebürstet und kritisch dahinter geschaut.

"Die Anzahl der Kommentare zu diesem Posting zum Beispiel sagen gegenteiliges?"
Die Anzahl der Kommentare hier kommt mE. vor allem daher, dass Augstein ziemlich peinlichen Strunz geschrieben hat - sorry - und es eh ein Thema ist, was polarisiert.

"irgendwie anarchisch links ;)"
...kann es mE. in der Community zugehen, aber im Blatt muss es mE. schon etwas straffer sein, um ein Profil zu entwickeln.
@dllxllb schrieb am 15.01.2012 um 05:09
@Popkontext

Scannen? Ich fotografiere. Das geht schneller.

Die Betonung einer Zuneigung zum Boulevard, vor allem was der Freitag angeht...
Source?

"kindlich-simple dichotome Sichtweise und dazu das billige kritiklose Anbiedern bei Springer" ist harter Tobak, und wie kommen Sie darauf?

Ich muss wohl dumm sein ;) denn selbst wenn der KOPP-Verlag etwas aufdecken würde, hätte ich damit kein Problem, da es für mich um den Gegenstand geht, nicht um das Transportmittel. Dankbarkeit diesbezüglich bleibt genauso an dem Gegenstand kleben, und revisioniert nicht das ganze Bild. Ich bezweifle aber dass der KOPP-Verlag aufdeckt. Ich fürchte er verdeckt.

"Vereinfachung bis zum Kindlichen, Verkürzung, Kampagnenjournalismus...etc" generell wohl ja, aber hier: wo?

Ist es möglich von Enschätzungen die Person betreffend wegzukommen? Woher wollen SIe wissen was zu viel für einen Menschen ist. Wieso glauben Sie sich Pauschalurteile erlauben zu dürfen wie jemand etwas macht? Das finde ich schon sehr gönnerhaft.

Was eine Diskussion über Einheit von Verleger/Chefred./Autor angeht ist das eine andere Ebene, die sachlich diskutiert werden kann. Dieser Chefredakteur/Autor/Verleger - Satz, entstammt der irgendwie einem Interview aus der taz?

Welche Themen vermissen Sie denn?

Augstein hat kurz die Lage eingeschätzt ohne sich komplett festzulegen, und gefragt was der geneigte Leser so denkt. Das als Strunz abzutun... nun gut, wenn Sie meinen.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 12:23
"Scannen? Ich fotografiere. Das geht schneller."
Ja, bitte, egal, Hauptsache, ich kann es mir mal anschauen ;)!

"Die Betonung einer Zuneigung zum Boulevard, vor allem was der Freitag angeht...
Source?"
Das sagt Augstein andauernd, z.B. hier gut zusammengefasst, wie er das sieht. Und z.B. sich in die Aussage versteigt, dass bei Qualitätszeitungen die ersten Seiten "nur für Parteien, für Verbände und für andere Journalisten" geschrieben seien, und absurder weise impliziert, der Boulevard (und er nennt explizit Bild) habe keine andere Absicht, als "nah beim Bürger" zu sein. Und natürlich das ganze in Bezug auf den Freitag - das ist das Blatt, was er gestalten will / kann.

""kindlich-simple dichotome Sichtweise und dazu das billige kritiklose Anbiedern bei Springer" ist harter Tobak, und wie kommen Sie darauf?"
Aufgrund des Artikels, auf den sich obiger Blogbeitrag bezieht: Und der böse Wulff und der Weiterführung daraus hier oben. Dass er das als Räuber- und Genderm-Spiel darstellt, das System dahinter ignoriert, und auch jede kritische Betrachtung der Rolle der Medien als "irre" abtut, und das als jemand, der da mitten drin steckt, und das quasi schon seit Kindertagen mitgekriegt hat, was da auch hinter der Kulissen abgeht. Ich habe Probleme, ihm zu glauben, dass er das selber glaubt, was er da schreibt - und auch das wäre erschreckend in seiner Naivität.

"selbst wenn der KOPP-Verlag etwas aufdecken würde, hätte ich damit kein Problem, da es für mich um den Gegenstand geht, nicht um das Transportmittel."
Nun ja, das halte ich eben für ausgesprochen naiv, weil natürlich selbst Qualitätsmedien, wie Augstein ja selbst sagt, bestimmte politische Spektren bedienen und das die vermeintiche Objektivität einschränkt, und erst recht so ein Blatt wie Bild / Springer, deren manipulative Berichterstattung ja hinlänglich nachgewiesen ist. Sonst würde sich Herr Böll nicht über absurd erscheinende aussagen über Rosen hinreissen lassen und es gäbe keinen Bildblog. Nach Ansicht Augsteins - und Ihrer - wäre ja letzterer völlig unnötig.

""Vereinfachung bis zum Kindlichen, Verkürzung, Kampagnenjournalismus...etc" generell wohl ja, aber hier: wo?"
Eben oben in dieser undifferenzierten Räuber- und Genderm / Gut-Böse darstellung.

"Ist es möglich von Enschätzungen die Person betreffend wegzukommen? Woher wollen SIe wissen was zu viel für einen Menschen ist. Wieso glauben Sie sich Pauschalurteile erlauben zu dürfen wie jemand etwas macht? Das finde ich schon sehr gönnerhaft."
Können Sie das genauer erläutern? meinen Sie das in Bezug auf Augstein? Nun ja, er ist da nun mal als Person sehr entscheidend, weil es an seinem persönlichen Urteil liegt, wie sich der Freitag inhaltlich entwickelt. Das ist nicht persönlich im Sinne von Boulevard, sondern einfach ein Fakt - so wie Führungskräfte, noch mehr Besitzer, IMMER wichtig sind für die Geschicke eines Unternehmens.

"Was eine Diskussion über Einheit von Verleger/Chefred./Autor angeht ist das eine andere Ebene, die sachlich diskutiert werden kann. Dieser Chefredakteur/Autor/Verleger - Satz, entstammt der irgendwie einem Interview aus der taz?"
Das war meine persönliche Wahrnehmung, das habe ich doch so geschrieben. Was soll man dazu in einem Interview sagen? Das ist einfach, wie jemand nach außen wahrnehmbar agiert. Dass ich natürlich Interna nich tbeurteilen kann (und will) habe ich ja dadurch betont, dass ich sage, dass ist mein Eindruck.

"Welche Themen vermissen Sie denn?"
Ich vermisse generell eine stringentere, systematischere Linie an Reaktion auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, wie schon beschrieben. Und zudem, wie mir gerade nach Lektüre des FR-Interviews auffällt: Wo sind unter "Alltag" die Geschichten, die wirklich an den Menschen dran sind? Porträts, Alltagsgeschichten? (ohne dass dabei der / die "Normalbürger/in" grundsätzlich mit der Boulevard-Zielgruppe übereinstimmen muss, das finde ich wieder "gönnerhaft" und ärgert mich gewaltig).

"Augstein hat kurz die Lage eingeschätzt ohne sich komplett festzulegen, und gefragt was der geneigte Leser so denkt. Das als Strunz abzutun..."
Er hat dabei eben eine extrem simple, undifferenzierte Sichtweise an den Tag gelegt, die sich meiner Meinung nicht mit seiner Position - Alter, Bildungsgrad, Erfahrung, Tätigkeit - vereinbaren läßt, außer man schreibt bewußt so, weil man glaubt, die Leser/innen sind intellektuell nicht in der Lage, mehr zu begreifen. Wie es z.B. Bild-Journalist/innen tun. Oder ich habe eine bestimmte politische Absicht, und will die Rolle der Medien verschleiern und Kritik am System unterbinden...Wie es Bild-Journalist/innen auch tun. Das will ich Augstein jetzt nicht unterstellen, aber leise Zweifel entwickele ich langsam.
@dllxllb schrieb am 16.01.2012 um 01:50
Den Eindruck dass 'Qualitätszeitungen' an mir vorbeigeschrieben werden habe ich allerdings auch. Das kommt daher weil ich mich schon des öfteren mal frage ob ich da gerade eine Pressemitteilung lese. Das Problem ist diesbezüglich sicherlich auch der viel beschriebene News-Cycle und der Online-Druck.

Boulevard: Ich denke auch, dass der Boulevardjournalismus nah am Bürger sein will. Nur was der Boulevard selbst für ein Bild vom Bürger hat und auf diesen zurückwirft, und damit lebendig werden lässt ist zweitens.

Den Eindruck einer wie von Ihnen beschriebenen Implikation hatte beim Lesen des Interviews ich nicht.

Die "kindlich-simple dichotome Sichtweise und das dazu billige kritiklose anbiedern bei Springer" kann ich im bösen Wulff Blog nicht erkennen. Wahrscheinlich weil ich ihm in meiner Naivität kritiklos zustimme? ;)

Was die Manipulation und so weiter durch Medien angeht, denke ich dass es an der Zeit ist sich davon zu emanzipieren, und sich tatsächlich selbst die Meinung zu bilden. Dass der Mensch unter Umständen dazu neigt seine Meinungen bestätigt sehen zu wollen steht außer Frage. Und natürlich erfährt man alles, was man nicht direkt selbst erlebt, direkt oder indirekt über die Umwege der Medien. Das weiß ich und das können auch andere wissen. Mir fällt da Kant ein, der über den Mut sprach sich seinen eigenen Verstandes zu bedienen.
Emanzipation in diesem Sinne darf dann aber nicht bedeuten, dass man sich in vermeintliche Motive (die nicht direkt belegbar sind) anderer versteigt. Natürlich spielen die bei einer Bewertung eine Rolle, aber eben nicht beim Gegenstand an sich. Diesen selbst herauszulesen ist die Leistung die der aufgeklärte Bürger erbringen muss.

Dass Führungskräfte Einfluss haben liegt in der Natur der Sache. Es gibt einen HRB Podcast der mir da einfällt, mit dem Titel Fire All The Managers. Aber das nur nebenbei.

Was Charakterfragen angeht... Ein Urteil ist ja nun immer persönlich. Ein Urteil über den Charakter einer anderen Person noch persönlicher.
Das mit dem Eindruck ist Semantik und kann durch andere Dinge manchmal auch mehr als aufgewogen werden.

Mit stringenten, systematischen Linien hab ichs nicht so gern wenn ich mich informiere. Erinnert zu sehr an militärischen Gehorsam. Und es langweilt auch irgendwie, wenn ich schon genau weiß was mich erwartet. Was die Alltagsgeschichten angeht, da las ich was von Dreierbeziehung. Inwieweit das dem Alltag der Leserschaft entspricht vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist auf jeden Fall aus dem Leben. Und für manche auch Alltag.

Die "extrem simple, undifferenzierte Sichtweise" kann ich auch hier nicht erkennen. Aber das überrascht jetzt nicht wirklich, oder ;)

Als Randbemerkung, wie das jetzt in meinen Kopf kommt weiß ich auch nicht... aber ich denke ja, dass man Positionen und Rollen auch verstärken kann indem man ihre Existenz immer wieder betont. Was auch mein Problem mit manchen FeministInnen ist. Aber das nur nebenbei. Wie gesagt...
@dllxllb schrieb am 16.01.2012 um 01:58
Den Eindruck dass 'Qualitätszeitungen' an mir vorbeigeschrieben werden habe ich allerdings auch. Das kommt daher weil ich mich schon des öfteren mal frage ob ich da gerade eine Pressemitteilung lese. Das Problem ist diesbezüglich sicherlich auch der viel beschriebene News-Cycle und der Online-Druck.

Boulevard: Ich denke auch, dass der Boulevardjournalismus nah am Bürger sein will. Nur was der Boulevard selbst für ein Bild vom Bürger hat und auf diesen zurückwirft, und damit lebendig werden lässt ist zweitens.

Den Eindruck einer wie von Ihnen beschriebenen Implikation hatte ich beim Lesen des Interviews ich nicht.

Die "kindlich-simple dichotome Sichtweise und das dazu billige kritiklose anbiedern bei Springer" kann ich im bösen Wulff Blog nicht erkennen. Wahrscheinlich weil ich ihm in meiner Naivität kritiklos zustimme? ;)

Was die Manipulation und so weiter durch Medien angeht, denke ich dass es an der Zeit ist sich davon zu emanzipieren, und sich tatsächlich selbst die Meinung zu bilden. Dass der Mensch unter Umständen dazu neigt seine Meinungen bestätigt sehen zu wollen ist unbestritten. Und natürlich erfährt man alles, was man nicht direkt selbst erlebt, direkt oder indirekt über die Umwege der Medien. Das weiß ich und das können auch andere wissen. Mir fällt da Kant ein, der über den Mut sprach sich seinen eigenen Verstandes zu bedienen.
Emanzipation in diesem Sinne darf dann aber nicht bedeuten, dass man sich in vermeintliche Motive (die nicht direkt belegbar sind, und ich bleibe dabei - auch nicht wichtiger als der Gegenstand der Berichterstattung) anderer versteigt. Natürlich spielen die bei einer Bewertung eine Rolle, aber eben nicht beim Gegenstand an sich. Diesen selbst herauszulesen und ihn selbst einzuordnen ist die Leistung die der aufgeklärte Bürger erbringen muss. Stichwort Medienkompetenz...

Dass Führungskräfte Einfluss haben liegt in der Natur der Sache. Es gibt einen HBR Podcast der mir da einfällt, mit dem Titel Fire All The Managers. Aber das nur nebenbei.

Was Charakterfragen angeht... Ein Urteil ist ja nun immer auch persönlich. Ein Urteil über den Charakter einer anderen Person noch persönlicher.
Das mit dem Eindruck ist Semantik und kann durch andere Dinge manchmal auch mehr als aufgewogen werden.

Mit stringenten, systematischen Linien hab ichs nicht so gern wenn ich mich informiere. Erinnert zu sehr an militärischen Gehorsam. Und es langweilt auch irgendwie, wenn ich schon genau weiß was mich erwartet. Was die Alltagsgeschichten angeht, da las ich was von Dreierbeziehung. Inwieweit das dem Alltag der Leserschaft entspricht vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist auf jeden Fall aus dem Leben. Und für manche auch Alltag.

Die "extrem simple, undifferenzierte Sichtweise" kann ich auch hier nicht erkennen. Aber das überrascht jetzt nicht wirklich, oder ;)

Als Randbemerkung, wie das jetzt in meinen Kopf kommt weiß ich auch nicht... aber ich denke ja, dass man Positionen und Rollen auch verstärken kann indem man ihre Existenz immer wieder betont. Was auch mein Problem in Bezug auf manche FeministInnen ist. Aber das nur nebenbei, wie gesagt...
@dllxllb schrieb am 16.01.2012 um 01:58
Den Eindruck dass 'Qualitätszeitungen' an mir vorbeigeschrieben werden habe ich allerdings auch. Das kommt daher weil ich mich schon des öfteren mal frage ob ich da gerade eine Pressemitteilung lese. Das Problem ist diesbezüglich sicherlich auch der viel beschriebene News-Cycle und der Online-Druck.

Boulevard: Ich denke auch, dass der Boulevardjournalismus nah am Bürger sein will. Nur was der Boulevard selbst für ein Bild vom Bürger hat und auf diesen zurückwirft, und damit lebendig werden lässt ist zweitens.

Den Eindruck einer wie von Ihnen beschriebenen Implikation hatte ich beim Lesen des Interviews ich nicht.

Die "kindlich-simple dichotome Sichtweise und das dazu billige kritiklose anbiedern bei Springer" kann ich im bösen Wulff Blog nicht erkennen. Wahrscheinlich weil ich ihm in meiner Naivität kritiklos zustimme? ;)

Was die Manipulation und so weiter durch Medien angeht, denke ich dass es an der Zeit ist sich davon zu emanzipieren, und sich tatsächlich selbst die Meinung zu bilden. Dass der Mensch unter Umständen dazu neigt seine Meinungen bestätigt sehen zu wollen ist unbestritten. Und natürlich erfährt man alles, was man nicht direkt selbst erlebt, direkt oder indirekt über die Umwege der Medien. Das weiß ich und das können auch andere wissen. Mir fällt da Kant ein, der über den Mut sprach sich seinen eigenen Verstandes zu bedienen.
Emanzipation in diesem Sinne darf dann aber nicht bedeuten, dass man sich in vermeintliche Motive (die nicht direkt belegbar sind, und ich bleibe dabei - auch nicht wichtiger als der Gegenstand der Berichterstattung) anderer versteigt. Natürlich spielen die bei einer Bewertung eine Rolle, aber eben nicht beim Gegenstand an sich. Diesen selbst herauszulesen und ihn selbst einzuordnen ist die Leistung die der aufgeklärte Bürger erbringen muss. Stichwort Medienkompetenz...

Dass Führungskräfte Einfluss haben liegt in der Natur der Sache. Es gibt einen HBR Podcast der mir da einfällt, mit dem Titel Fire All The Managers. Aber das nur nebenbei.

Was Charakterfragen angeht... Ein Urteil ist ja nun immer auch persönlich. Ein Urteil über den Charakter einer anderen Person noch persönlicher.
Das mit dem Eindruck ist Semantik und kann durch andere Dinge manchmal auch mehr als aufgewogen werden.

Mit stringenten, systematischen Linien hab ichs nicht so gern wenn ich mich informiere. Erinnert zu sehr an militärischen Gehorsam. Und es langweilt auch irgendwie, wenn ich schon genau weiß was mich erwartet. Was die Alltagsgeschichten angeht, da las ich was von Dreierbeziehung. Inwieweit das dem Alltag der Leserschaft entspricht vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist auf jeden Fall aus dem Leben. Und für manche auch Alltag.

Die "extrem simple, undifferenzierte Sichtweise" kann ich auch hier nicht erkennen. Aber das überrascht jetzt nicht wirklich, oder ;)

Als Randbemerkung, wie das jetzt in meinen Kopf kommt weiß ich auch nicht... aber ich denke ja, dass man Positionen und Rollen auch verstärken kann indem man ihre Existenz immer wieder betont. Was auch mein Problem in Bezug auf manche FeministInnen ist. Aber das nur nebenbei, wie gesagt...
@dllxllb schrieb am 16.01.2012 um 02:05
Ich denke ich habe meine Meinung dann jetzt wohl mehr als deutlich gemacht.

Sorry für das Dreifachposten. Technik die begeistert :)
Popkontext schrieb am 16.01.2012 um 03:15
"Den Eindruck dass 'Qualitätszeitungen' an mir vorbeigeschrieben werden habe ich allerdings auch."
Und von welchen Zeitungen fühlen Sie sich angesprochen? Bild? Gala? Ich lese die SZ und die Zeit (mit Abstrichen) sehr gern, letzterere zumeist alledings online. In Berlin auch der Tagesspiegel oder die Berliner Zeitung. Eine Zeitung, die noch nie (soweit ich mich erinnern kann) einen Artikel hatte, wo ich ernsthaft einen Hals gekriegt habe ist der Guardian - allerdings lese ich den zumeist auch nur online - und entsprechedn selektiv (was aber glaube ich inzwischen auch die immer normalere Nutzung wird). Und die NYT. Ganz genau: "Das Problem ist diesbezüglich sicherlich auch der viel beschriebene News-Cycle und der Online-Druck." Die Frage ist dann aber auch, wie man damit umgeht und dafür gibt es kein Patentrezept. Und in absehbarer Zeit wird Print halt nur noch ein Nischenmarkt sein.

"Ich denke auch, dass der Boulevardjournalismus nah am Bürger sein will. Nur was der Boulevard selbst für ein Bild vom Bürger hat und auf diesen zurückwirft, und damit lebendig werden lässt ist zweitens."
Eben. Und damit auch das latent oder auch offen politische des Boulevard.

"Wahrscheinlich weil ich ihm in meiner Naivität kritiklos zustimme? ;)"
Das sagen Sie ;)...Nur Herr Augstein ist vom Fach...

"Was die Manipulation und so weiter durch Medien angeht, denke ich dass es an der Zeit ist sich davon zu emanzipieren, und sich tatsächlich selbst die Meinung zu bilden...Mir fällt da Kant ein, der über den Mut sprach sich seinen eigenen Verstandes zu bedienen."
Mit fallen da als Soziologin nur Foucault und Butler ein, und diverse weniger bekannte Autorinnen: der Mensch wird nun mal sehr stark von dem bestimmt, was er als Norm um sich erlebt, auch wenn er glaubt, emanzipiert zu sein und frei zu denken.

"Emanzipation in diesem Sinne darf dann aber nicht bedeuten, dass man sich in vermeintliche Motive (die nicht direkt belegbar sind) anderer versteigt. Natürlich spielen die bei einer Bewertung eine Rolle, aber eben nicht beim Gegenstand an sich."
Der gegenstand an sich kommt ja nicht aus dem luftleeren Raum, sondern einem bestimmten Kontext - und wenn ich diesem kontext gegenüber aus belegbaren Gründen nicht traue (wie eben der Bild-Zeitung), dann bin ich auch beim "Gegenstand an sich" mitßtrauisch, auch wenn ich erstmal keine direkt belegbaren Beweise habe, weil ich auch nicht alle Informationen habe. Wenn man jemanden kennt, der sich schon als absolut skrupelloses A***loch profiliert hat, der einen schon tausendmal gelinkt hat, wäre man da nicht mißtrauisch, wenn der einem ein Angebot macht, wo der Haken erstmal nicht offensichtlich ist? Oder wenn sagen wir ein Waffenhändler, der seine Waffen an alle und jede verkauft einer gegen Unterdrückung kämpfenden Rebellenorganisation Waffen schenkt, erstmal ohne sichtbaren Haken? Wäre man da nicht mißtrauisch? Wäre man nicht gnadenlos naiv, wäre man das nicht? Und ist man das nicht, wenn man glaubt, die Bildzeitung hat sich spontan vom Saulus zum Paulus gewandelt, nur keiner hat's gemerkt? Oder spontan einmal keine Eigeninteressen vertritt?

"Diesen selbst herauszulesen ist die Leistung die der aufgeklärte Bürger erbringen muss."
Der "aufgeklärte Bürger" ist leider selten so aufgeklärt wie er vielleicht selbst glaubt (s.o.) - und selbst jemandem, der wirklich viel weiß und sehr reflektiert ist fehlen oft die Hintergrundinformationen.

"Ein Urteil ist ja nun immer persönlich. Ein Urteil über den Charakter einer anderen Person noch persönlicher.
Das mit dem Eindruck ist Semantik und kann durch andere Dinge manchmal auch mehr als aufgewogen werden."
Nun ja, hinter allen Entscheidungen stehen eben Menschen - manche mit mehr, andere mit weniger Einfluss. ich hört gerade ein Interview mit einer Frau, die ich sehr schätze. Die erzählte was von Geschichte und wieweit simple persönliche Moment von Entscheidungsträgern da eine Rolle gespielt haben, was unter aller Sachlichkeit - und auch der Vagheit und des Nicht-Genau-Wissens - verloren geht. Sie sagte: "Wie viele Könige oder Feldherren mögen einen Krieg angezettelt haben, um irgendeiner Frau zu beweisen, was sie für tolle Hechte sind." Genau so ist es. Bei immer noch real lebenden Personen weiß man vielleicht nicht, welche Probleme die mit Frauen / Männern haben, aber wie sie sich generell verhalten und handeln kann man schon ein bisschen beurteilen, wenn sie in der Öffentlichkeit stehen. Wird ja auch ständig gemacht, siehe z.B. Wulff. Da wird sogar über Probleme mit Frauen geredet ;)...

"Mit stringenten, systematischen Linien hab ichs nicht so gern wenn ich mich informiere. Erinnert zu sehr an militärischen Gehorsam."
Mit Verlaub, das ist Unfug. Das hat nichts mit Gehorsam zu tun, sondern mit der Fähigkeit, aktuelle Themen und Zusammenhänge als in einem bestimmten Kontext relevant wahrzunehmen, zusammenzuführen und für die Leser/innenschaft aufzuarbeiten. Da weiß man als Leser überhaupt nicht, was einen schon erwartet. Bunter Tüte bekomme ich übrigens auch beim Browsen im Internet, ohne Loyalität zu einem Blatt, was ich mir dann auch gleich noch kaufe.

"Inwieweit das dem Alltag der Leserschaft entspricht vermag ich nicht zu beurteilen. Es ist auf jeden Fall aus dem Leben. Und für manche auch Alltag."
„Dreiergeschichten“ wären sicher ein Alltagsthema. Kommt dann immer drauf an, wie man das aufbereitet, damit es nicht billigster Boulevard wird. Und leider ist die „Männer- / Frauenkolumne“ hier oft sehr billig, nicht unbedingt Boulevard, aber einfach Gefasel. Und ich habe nichts auch mal gegen eine „leichte“ Geschichte, aber das will erst recht gekonnt sein, dass sowas auch funktioniert. Was man unter einer "Alltags-Rubrik" machen könnte, auch so wie es Augstein beschreibt - „nah am Menschen zu sein"- wird meiner Meinung nach kaum bedient, oder schwach wie dieses "Mitgehört". Da könnte man ganz andere Sachen machen. und ich habe mich gefragt, wieso die beiden letzten Porträts von Musikerinnen z.B. unter Alltag fielen. Könnte man machen, wenn es deutlich mehr um die Person als um den Fakt geht, dass sie Musikerinnen sind, und wenn es regelmäßig Porträts von ganz verschiedenen Leuten unter dieser Rubrik gäbe - ist aber nicht, falls ich nichts entscheidendes verpasst habe.

".. aber ich denke ja, dass man Positionen und Rollen auch verstärken kann indem man ihre Existenz immer wieder betont. Was auch mein Problem mit manchen FeministInnen ist."
Da bist du bei der richtigen ;)...Aber man kann Positionen und Rollen nicht einfach "wegmachen", indem man sie ignoriert, wie es z.B. die Piraten in Bezug auf Gender machen. Könnte fortschrittlich sein, ist es aber nicht, weil es nur ein bequemer Weg ist, die Auseinandersetzung damit zu verhindern, und gesellschaftliche und soziale Realitäten zu ignorieren. Wie jemand, mit dem ich mal ein Interview gemacht habe der (völlig ernst) meinte: "Für mich haben Hautfarbe und Geschlecht einer Person nie eine Rolle gespielt, also gibt es keinen Rassismus oder Sexismus in der Welt."
@dllxllb schrieb am 16.01.2012 um 03:33
Ich finde es interessant, dass Sie Ihren akademischen Hintergrund benennen. Und ich, in meiner Naivität, dachte immer das Netz macht alle gleich :)

Nun gut, ich zitiere mich mal selbst: Für jedes Argument gibt es auch immer ein Gegenargument. Da kann man dann lange diskutieren.
Popkontext schrieb am 16.01.2012 um 04:16
Nirgendwo sind alle gleich, das ist totaler Quatsch, sorry. Und ich benenne meinen akademischen Hintergrund auch nur, wo es relevant ist, wie ind iesem Fall. Genau wie ein/e Automechaniker/in sagen würde, was er / sie beruflich machen, wenn es um Autos geht.

(P.S. Im übrigen bin ich zwar auf ein Studium hingelenkt erzogen worden, durfte es dann aber selber bezahlen - Ost / West und keine Einsicht der Eltern, warum sie mich aushalten sollten, und klagen wollte ich auch nicht - und es war so auch schön lang und ausführlich, weil ich fast die ganze Zeit nebenher meinen Lebensunterhalt verdient habe.)
SiebzehnterJuni schrieb am 15.01.2012 um 04:48
@Augstein

"...die bösen Medien..."

Genau dieser Titel macht für mich den FREITAG aus: es ist vieles nicht präzise genug, ohne Leidenschaft und Entschiedenheit!

Was ist denn böse? War das Kind wieder böse?

Bedeutung: schlecht

Bedeutung: ärgerlich

Bedeutung: gefährlich

Bedeutung: übellaunig

Bedeutung: bedrohlich

Bedeutung: schändlich

Bedeutung: erbarmungslos
[
Bedeutung: frech

Bedeutung: aggressiv

Bedeutung: strafbar

Bedeutung: widerlich

Bedeutung: übelgelaunt

Bedeutung: garstig

Bedeutung: gemein

Bedeutung: bissig

Bedeutung: erbärmlich

Bedeutung: arglistig

Bedeutung: abgeneigt

Bedeutung: gehässig

Bedeutung: streitbar

Bedeutung: unanständig

Bedeutung: gemeinschaftsfeindlich

Bedeutung: häßlich

Bedeutung: moralisch schlecht

Bedeutung: unhöflich

Bedeutung: ungehorsam

Bedeutung: verfeindet

Bedeutung: wütend

Bedeutung: hinterhältig

Bedeutung: niederträchtig

Bedeutung: sündig

Bedeutung: mürrisch

Bedeutung: verärgert

Bedeutung: boshaft

Bedeutung: schlecht gesinnt

Bedeutung: missgelaunt

Bedeutung: erzürnt

Bedeutung: ungünstig
SuzieQ schrieb am 15.01.2012 um 08:37
das liest sich wie 'irgendwie' ...
SuzieQ schrieb am 15.01.2012 um 08:44
@ Jakob Augstein

Ich bat am 09.01.12 um 21.17 schon einmal um eine nähere Erläuterung Ihrer Aussage:
": Mehrere Berichte und Anaylsen von verschiedenen Autoren, die so unterschiedlich sind wie beispielsweise Tom Strohschneider, Klaus Raab und ich und ein waches Gefühl für die eigene Rolle und Verstrickung ..."
speziell: 'ein waches Gefühl für die eigene Rolle und Verstrickung' bedarf (für mich) einer Erklärung.

Vielen Dank im voraus nach knapp einer Woche
SuzieQ grüßt
niclas quinten schrieb am 15.01.2012 um 13:53
.. es wird von Schnelllebigkeit und dem kurzen Gedächtnis der Medien und der Bevölkerung gesprochen. Darauf setzt Wulff und wie ich heute gelesen habe auch Merkel...
„in einem Jahr ist alles vergessen“.

Ich vertraue darauf, dass einige Menschen und die Medien das als Provokation begreifen und eben nicht vergessen...
niclas quinten
niclas quinten schrieb am 15.01.2012 um 13:58
Gibt es einen objektiven Bericht ist die Schlussfrage?

Die Fakten sprechen für sich, die Bewertung ist aus verschiedenen Blickwinkeln möglich ...

Was mich freuen würde:
Die Auflistung aller Vorwürfe und die Antworten darauf... vielleicht rafft sich ja ein gedrucktes Medium dazu auf ...
niclas quinten
Free World schrieb am 15.01.2012 um 15:21
um es zunächst von wulff auf eine abstrakte ebene zu holen aus meiner sicht, meinem eindruck, die ich übrigens im heutigen presseclub der ard wieder fand.

schlage ich die internetversionen von spiegel, zeit um nur zwei zu nennen (bild bleibt auch hier außen vor), so registriere ich dauernde wiederholungen von artikel mit neuen überschriften und neuen bildern mit kleinsten neuigkeiten ergänzt um das, was man in x-beliebig vielen artikeln auch schon schrieb. das heißt, die taktgeschwindigkeit mit der vermeintlich neue informationen mit neuen, schlagkräftigen headlines versieht nimmt ständig zu - der reale informationsgeahlt automatsich durchaus rapide ab. und das unterhalb vom stundentakt. aus quotendruck?

das missverhältnis daraus kann man als skandalisierung, künstliches aufregen oder eben - auch wenn nicht ausdrücklich abgesprochen - als kampangenjournalismus verstehen. bei sachthemen mag man ja noch irgendwann gelangweilt abdrehen und sich wichtigerem widmen bis sich das thema wegen substaniellem neuwert wieder lohnt / zu lohnen scheint.

geht es um konkrete personen ändert sich das verständnis womöglich. es könnte einen ja selber treffen, so in den fokus gerissen zu werden. quasi stündlich mit neuen artikeln ohne erheblichen substanzgewinn an den pranger genagelt zu werden. wirkt das vielleicht wie mobbing? ein langes jaaa scheint die antwort zu sein. ist jetzt krieg zwischen dem bp und den medien (bild, spiegel)? wieder ein langes jaaa scheint die antwort zu sein. will man das als bürger? nein!

der gedanke kommt erst recht, wenn eine fragwürdige institution, die selber nicht unbedingt als zimperlich gilt, bei einem anruf vom bp plötzlich verletzlich zeigt, als wäre man der hohe leuchturm der rücksichtsvollen pressearbeit - der pressefreiheit schlechthin. andersrum. wo es heißt, dass man mit bild im fahrstuhl ebenso nach oben wie nach unten fährt, der muss wissen, was einen erwartet. wohl wahr. aber was hat die fahrt nach oben wie nach unten mit pressefreiheit zu tun? nichts. es ist business. personen und themen werden vermarktet. liegt das businessmonopol wann es wohin geht bei der presse? bei dieser presse? offensichtlich. gefällt einem das als bürger? nein!

so hat man zwei ebenen. die eine ebene, die durch hektische artikelflut mit viel zu wenig inhaltlichem neuwert zumindest den eindruck vermittelt mehr stimmung als nötig zu machen und zum anderen durch das image des initiators auf der medienseite einen durchweg zweifelhaften ruf. das alles begründet durchaus den eindruck von kampange. wo immer, wann immer der eindruck von kampange sich breit macht, gerät das thema, die personen und seine verfehlungen in den hintergrund. entschuldigt vielleicht sogar die eine oder andere und das ist dann am ende fatal.

das alles entschuldigt aber das fehlverhalten, die zweifelhaften aktionen des bp in keinster weise, um auch das zu erwähnen. dieser bp sollte unabhängig von dem was er als mp so alles trieb den weg frei machen für einen neuen bp (m/w), die/der die moralische freiheit hat wieder (ruck-)reden an das volk und andere zu richten. die probleme, die wir haben brauchen viele ruckreden. auch solche, die der regierung/wirtschaft massiv auf die finger haut. dieser bp kann das nicht mehr.
Free World schrieb am 15.01.2012 um 15:21
um es zunächst von wulff auf eine abstrakte ebene zu holen aus meiner sicht, meinem eindruck, die ich übrigens im heutigen presseclub der ard wieder fand.

schlage ich die internetversionen von spiegel, zeit um nur zwei zu nennen (bild bleibt auch hier außen vor), so registriere ich dauernde wiederholungen von artikel mit neuen überschriften und neuen bildern mit kleinsten neuigkeiten ergänzt um das, was man in x-beliebig vielen artikeln auch schon schrieb. das heißt, die taktgeschwindigkeit mit der vermeintlich neue informationen mit neuen, schlagkräftigen headlines versieht nimmt ständig zu - der reale informationsgeahlt automatsich durchaus rapide ab. und das unterhalb vom stundentakt. aus quotendruck?

das missverhältnis daraus kann man als skandalisierung, künstliches aufregen oder eben - auch wenn nicht ausdrücklich abgesprochen - als kampangenjournalismus verstehen. bei sachthemen mag man ja noch irgendwann gelangweilt abdrehen und sich wichtigerem widmen bis sich das thema wegen substaniellem neuwert wieder lohnt / zu lohnen scheint.

geht es um konkrete personen ändert sich das verständnis womöglich. es könnte einen ja selber treffen, so in den fokus gerissen zu werden. quasi stündlich mit neuen artikeln ohne erheblichen substanzgewinn an den pranger genagelt zu werden. wirkt das vielleicht wie mobbing? ein langes jaaa scheint die antwort zu sein. ist jetzt krieg zwischen dem bp und den medien (bild, spiegel)? wieder ein langes jaaa scheint die antwort zu sein. will man das als bürger? nein!

der gedanke kommt erst recht, wenn eine fragwürdige institution, die selber nicht unbedingt als zimperlich gilt, bei einem anruf vom bp plötzlich verletzlich zeigt, als wäre man der hohe leuchturm der rücksichtsvollen pressearbeit - der pressefreiheit schlechthin. andersrum. wo es heißt, dass man mit bild im fahrstuhl ebenso nach oben wie nach unten fährt, der muss wissen, was einen erwartet. wohl wahr. aber was hat die fahrt nach oben wie nach unten mit pressefreiheit zu tun? nichts. es ist business. personen und themen werden vermarktet. liegt das businessmonopol wann es wohin geht bei der presse? bei dieser presse? offensichtlich. gefällt einem das als bürger? nein!

so hat man zwei ebenen. die eine ebene, die durch hektische artikelflut mit viel zu wenig inhaltlichem neuwert zumindest den eindruck vermittelt mehr stimmung als nötig zu machen und zum anderen durch das image des initiators auf der medienseite einen durchweg zweifelhaften ruf. das alles begründet durchaus den eindruck von kampange. wo immer, wann immer der eindruck von kampange sich breit macht, gerät das thema, die personen und seine verfehlungen in den hintergrund. entschuldigt vielleicht sogar die eine oder andere und das ist dann am ende fatal.

das alles entschuldigt aber das fehlverhalten, die zweifelhaften aktionen des bp in keinster weise, um auch das zu erwähnen. dieser bp sollte unabhängig von dem was er als mp so alles trieb den weg frei machen für einen neuen bp (m/w), die/der die moralische freiheit hat wieder (ruck-)reden an das volk und andere zu richten. die probleme, die wir haben brauchen viele ruckreden. auch solche, die der regierung/wirtschaft massiv auf die finger haut. dieser bp kann das nicht mehr.
memyselfandi schrieb am 15.01.2012 um 16:02
Schön, dass noch einer Presseclub schaut (@Free World).

Hmm, Herr Augstein, Ihre Irgendwiekollegin Frau Pohl von der taz hat ja wieder heute im Presseclub sehr Erhellendes gesagt, was die Aufgabe der Medien betrifft (ob Sie das immer so ausübt ist eine andere Frage):
Die Presse soll aufklären, darf aber nicht hinrichten (wollen).

Den Eindruck des Hinrichtenwollens könnte man aber schon gewinnen, wenn man das Blättertreiben so anschaut. Ob es der Sache dienlich ist, also der übergeordneten Sache der Aufklärung, nicht der Sache der Auflagensteigerung, ist fraglich. Eine weniger reißerische und hetzende Berichterstattung wäre vielleicht inzwischen soweit, dass Wulff eher an einen Rücktritt denkt. Da haben die Journalisten ihre Hausaufgaben gemacht, was die Lesesteigerung angeht, aber sie haben nichts dazu gelernt was ihre eigentliche Aufgabe und den Stand der Nation und der ganzen Welt betrifft. Daher verwundert es nicht, wenn das jetzt mal auf die Medien zurück fällt, die scheinen sich nämlich eher der Macht als der Verantwortung zuzuwenden und sind ziemlich beratungsresistent und einsichtsfrei (alles unschuldige Lämmer).

So, und nund was zur BILD, die zählt nicht wirklich zur Presse, für mich. Die bILD muss über Titel und Reißer verkaufen und das tut sie ganz ordentlich. Dass es die BILD überhaupt noch gibt im ach so intelligenten unf aufgeklärten Deutschland ist schon eine Schande. Dass Sie aber nicht um zwei Münzen weit denken, warum die BILD tut was sie tut und welche Wirkung das auf die Deutschen haben könnte, wenn die BILD plötzlich als seriöses Medium wahrgenommen und zu allem Überfluss von Ihnen auch noch so angepriesen wird.... hat Sie leider für mich als nicht mehr glaubwürdig abgehakt. (Für die Schmaldenker: ich mag weder Wulff noch die BILD, verschluckt euch nicht dran.)
claudia schrieb am 15.01.2012 um 18:13
>>Da haben die Journalisten ihre Hausaufgaben gemacht, was die Lesesteigerung angeht, aber sie haben nichts dazu gelernt was ihre eigentliche Aufgabe und den Stand der Nation und der ganzen Welt betrifft.<<
Na ja. Die Aufgaben definiert wer das Gehalt bezahlt.

Es ist durchaus bekannt, dass Werbekunden mehr Geld ins Haus bringen als Abonnenten und Käufer der Zeitung.
Und die Kunden, die das meiste Geld bringen, werden auch am besten bedient. Sagt die Betriebswirtschaft.
Georg von Grote schrieb am 15.01.2012 um 18:18
Augstein hatte ja mit der Überschrift dieses Blogbeitrags zumindest einen halbwegs richtigen Riecher.
Nur dann, Herr Augstein, hätte die Überschrift eigentlich "Wulf und die schwachen Medien" heissen müssen. Und dann hätten sie die Hosen herunterlassen müssen, eigentlich das, was diese schwachen Medien die ganze Zeit von ihrem derzeitigen Lieblingsgegner Wulff fordern, nämlich Transparenz und Ehrlichkeit.

Dann, aber auch nur dann, Herr Augstein, dann hätten Sie punkten können im Dschungelcamp der Presse.
So aber bleibt nur ein schlechter, ein übler Nachgeschmack im Munde übrig. Ich drücke es mal drastisch aus: Ich könnte kotzen, wenn ich tagtäglich lese was in den Gazetten der Republik geschrieben wird. Das ist nonsens, das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun.
Vielleicht haben Sie und Ihre Verleger-, Herausgeber- und Chefredakteurskollegen es noch nicht begriffen, aber das hier ist längst keine Affaire Wulff mehr - um den müsssen sich andere kümmern - das hier ist eine Presseaffaire.
Und in meinen Augen schlimmer als die Spiegelaffaire. Denn da versuchte ein Minister mit Hilfe eines Adenauer die Presse mundtot zu machen. Folge daraus war, dass die Pressefreiheit damals als Sieger herausging. Im Prinzip ein Sieg für die freie Meinungsäußerung.
Damals ein wichtiger Sieg, den Sie und ihre Kollegen gerade dabei sind, in Grund und Boden zu stampfen. Nicht weil der Druck von aussen so groß wäre, sondern weil Sie und Ihre Kollegen in diesem Fall all das mit Füssen treten, warum damals Conrad Ahlers und Rudolf Augstein in U-Haft sassen.

Die entscheidenden Ermittlungen, die zur Inhaftierung der genannten Personen und Durchsuchung der Spiegel-Redaktion führten, leitete damals übrigens ein gewisser Herr Siegfried Buback.
Im ersten Moment mag man denken, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Hat es aber doch. Denn im Moment geht es nicht mehr um Wulff, es geht daraum, welche Rolle künftig Medien, vor allem Printmedien noch spielen wollen und vor allem können.
Jakob Augstein schrieb am 15.01.2012 um 18:29
Es ist interessant, diesen thread zu lesen und überhaupt die gesamte Debatte zu verfolgen. Das ist nämlich sozusagen die Geschichte eines fortgesetzten Missverständnisses. Zwischen Lesern und Journalisten im Allgemeinen, im ganzen Land und auch hier bei uns.

Ich bin fest davon überzeugt, dass die Leser, die den Medien die Wulff-Geschichten übelnehmen, einem Irrtum aufsitzen. In der auch hier zitierten Stelle aus der NZZ übernimmt ein Kollege diesen Irrtum, wenn er sagt, die Leute wüssten schon, dass ihr Präsident kein Schwerverbrecher sei. Das Problem ist: darum geht es gar nicht. Aber das ist das Wesen des Missverständnisses, dass man aneinander vorbei redet. Ebenso geht es nicht um ein allgemeines Freisprechen der Bild-Zeitung oder gar eine Anbiederung an das Blatt.

Wer Reflexe hat, muss nicht nachdenken ...

Aber es gibt offenbar Missverständnisse, die werden auch in 450 Kommentaren nicht ausgeräumt.

Es wäre spannend, zu erforschen, woran das liegt. Ich vermute, es sind die unterschiedlichen Ansprüche an Text und Medium und Kommunikation.

(Und nur noch kurz zur Erinnerung: die Idee des Freitag liegt u.a. darin, die Leser zum Teil des Produktes zu machen. Das haben wir gemacht, indem wir den Titelkomplex in dieser Woche aus Leserbeiträgen aufgebaut haben. Stichwort Partizipation. Lustig, dass ausgerechnet die FC das vergessen hat ...

Es ist interessant, dass die Bild-Zeitung das gleiche am Wochenende gemacht hat, die S.2 und 3. bestanden aus lauter Kommentare zur Affäre und zur Debatte. Der kleinere Teil stützte sich auf Kommentare von Journalisten, darunter auch von mir. Es ist ein bisschen schräg, das in die Nähe von bezahlter Werbung zu bringen - aber das Netz ist bekanntlich voller schräger Ideen.

Aber was bedeutet es eigentlich, wenn die Bild das macht? Wird nicht nur der Freitag wie die Bild-Zeitung. Sondern gilt umgekehrt das selbe?
Georg von Grote schrieb am 15.01.2012 um 18:38
Herr Augstein, mit Verlaub, aber Sie weichen aus :-)
cuchulainn schrieb am 15.01.2012 um 18:43
"Wird nicht nur der Freitag wie die Bild-Zeitung. Sondern gilt umgekehrt das selbe?"

jawohl, herr augstein.

nennen wir es mal: verblender-mainstreaming. :)
GEBE schrieb am 15.01.2012 um 18:47
Herr Augstein,
kann es an der gleichsamen Schwammigkeit Ihres obigen Artikels liegen. Ich werde den Eindruck nicht los, als ob Sie dort als auch hier nun im Kommentar herumlavieren ohne eine eindeutig klare Position zu beziehen - die eben unmißverständlich ist.
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 18:51
@GEBE
Naja, die eigene Position in Frage zu stellen, weil man über die Kritik daran nachdenkt ist ja was Positives (aus meiner Sicht.) Aber man kann trotzdem konkreter werden.
Georg von Grote schrieb am 15.01.2012 um 19:00
Her Augstein, ich nehme einmal das heraus, denn das erscheint mir irgendwie als das Wesentliche:

"Es wäre spannend, zu erforschen, woran das liegt. Ich vermute, es sind die unterschiedlichen Ansprüche an Text und Medium und Kommunikation. "

Dem kann man eigentlich nicht widersprechen, nur fehlt mir da was, nämlich die genaue Definition des Standpunktes, den ein Medium vertreten möchte. Der Leser, und letztlich ist es ja der, der entscheidet, obe ein Medium überlebt, wünscht eine klare Linie. Zuminest ist das auch der Eindruck, den ich hier aus vielen Kommentaren gewonnen habe.
Und da kann man durchaus auch feststellen, dass diese von vielen verdammte BILD in ein neues, ihr bisher nicht zugestandenes journalistisches Terrain vorgestossen ist.
Nur habe ich das Gefühl - es mag mich auch trügen - dass Ihre Leser von Ihnen eine klare Abgrenzung wünschen. Und die vermissen sie wohl ganz entschieden hier.
memyselfandi schrieb am 15.01.2012 um 20:01
@Jakob Augstein:

Um gleich mal ein Missverständnis auszuräumen, ich denke es sind alles andere als Reflexe, wenn man sich eine gewisse Zeit die Berichterstattung über Wulff anschaut und nach einer gefühlten 100. Kommentierung er habe dies und das getan und die Pressefreiheit gefährdet als LESER sich irgendwann mal fragt, um was es eigentlich geht und wer hier was tut.
Das ist Nachdenken und das Gegenteil von Reflex.

Ich bin nicht glücklich über Wulffs Verhalten, über das Verhalten sein Verhalten betreffend, dass er sich da duckmäuserisch tut und nicht klar Stellung bezieht. Das ist das eine.

Aber, wie auch heute im Presseclub, geht es doch auch darum, wie die Medien agieren und wie sie wahrgenommen werden. Das muss nicht deckungsgleich sein, es gibt da sowas wie gefühlte Wahrheit. Jedoch, es geht doch auch um Verhältnismäßigkeiten. Stellen Sie sich vor ein Ausländer sieht die deutsche Presse, wo ein Mann, also Wulff, zum Unheiligen persönlich verschrieben wird, während es so dringende und wichtige Fragen gibt und es zudem nötiger wäre nicht auf Einzelpersonen loszugehen, sondern auf Systeme. Was denkt so ein Nichthiesiger, er denkt die Deutschen spinnen und uns geht es wohl zu gut.
Der Zorn auf die Medien mag schon länger gegärt haben und wird nun ausgedrückt, das kommt nicht von ungefähr. In einer Zeit, wo alle gefordert sind vernünftig und besonnen zu handeln muss der deutsche Leser so eine mediale Inszenierung erleben. Aber das allerschlimmste ist, dass die BILD da mitmischt. Die BILD, nicht der Kölner Stadtanzeiger oder die Lokalredaktion von Hintertupfingen.

Also, seien Sie froh über jeden, der die BILD auch weiterhin und jetzt erst recht kritisch betrachtet. Es lebt nicht jeder im Elfenbeinturm.
Jakob Augstein schrieb am 15.01.2012 um 20:35
Ich zitiere mich gerne mal selber: Die Bild-Zeitung ist durch diese Geschichte noch gefährlicher geworden, habe ich geschrieben.

Warum? Weil man sie ernst nehmen muss. Früher hat sie reinen Populismus betrieben, gegen Kriminelle, gegen Ausländer. Das war schon schlimm genug. Dann wurde sie entpolitisiert, stütze sich mehr auf Klatsch und Tratsch und Ratgeberjournalismus. Gleichzeitig hatte sie eine konservative, systemstabilisierende Wirkung. Das war die Zeit der Affären um Charlotte Roche und Sibyl Kekili und Otti Fischer...

Seit einiger Zeit hat sie das ausdrücklich Politische und das Investigative für sich entdeckt. Das meist zitierte Medium war sie (gemeinsam mit dem Spiegel) ohenhin schon. Jetzt muss man sie wegen ihrer Inhalten und Geschichten noch ernster nehmen - man kommt daran nicht vorbei. Es wäre irre das zu leugnen. Niggemeier bricht sich in seinen Texten zum Thema einen ab - anstatt das Offensichtliche einfach auszusprechen. (Hat auch was mit Glaubwürdigkeit eines Journalisten zu tun, die Welt so zu beschreiben, wie sie ist, nicht, wie man sie gerne hätte)

Was ist die Konsequenz?

Die Bild noch genauer zu überwachen, zu kontrollieren, vor ihr zu warnen, sie zu sezieren als vorher. Aber doch nicht, sie zu ignorieren. Man muss den Kampf aufnehmen und voll draufhalten.

Wer denkt, das Problem sei dadurch zu lösen, das man in eine andere Richtung guckt, Entschuldigung, aber der betreibt das Spiel der Bild und das Spiel der Macht.

Ich weiß nicht, ist das eine linke Spezialität die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen? Wie will man die Wirklichkeit ändern, wenn man das tut?

Douglas Adams hat da eine passende Geschichte parat: „Der gefräßige Plapperkäfer von Traal ist ein zum Verrücktwerden dämliches Vieh, es nimmt an, wenn du es nicht siehst, kann es dich auch nicht sehen – bescheuert wie eine Bürste, aber sehr, sehr gefräßig.“

Leider ist die Bild-Zeitung nicht so ein Käfer, Freunde. Wake up.
kmv schrieb am 15.01.2012 um 21:03
„Missverständnisse oder unterschiedlichen Ansprüche an Text und Medium und Kommunikation“

Wünschenswert wäre mehr Genauigkeit bei vielen Vertretern der journalistischen Zunft. Übernimmt der Schreiber, die Vermittlungsrolle, gleichgültig, ob in Form einer Nachricht, als beißender Kommentar, als Bericht, oder Glosse kann der Leser zumindest „den Plot“ nachvollziehen und Information und Meinung trennen. Bildlich gesprochen. Das ‚Schwarzes Quadrat auf weißem Grund‘ von Malevich ruft ein kopfschüttelndes Echo hervor (kann ja jedes Kind). Weist der Kunstgeschichtler darauf hin, dass diese Bild eine Zäsur in der Kunst darstellt ist das eine Info. Klar, kann immer noch gesagt werden, dass das Mist ist … vielleicht fängt einer auch an anders zu schauen an.

Sie hatten oben geschrieben Mein Problem ist nur, als Journalist: Was hätte der Freitag mit dem Fall machen sollen? Weniger? Mehr? Anders? Ich sehe keinen anderen Weg als den, den wir eingeschlagen haben: Mehrere Berichte und Anaylsen von verschiedenen Autoren, die so unterschiedlich sind wie beispielsweise Tom Strohschneider, Klaus Raab und ich und ein waches Gefühl für die eigene Rolle und Verstrickung ...
Und ich saß da und überlegte: Wie meint er das jetzt? Als Blattmacher???? Oder als Schreiber? Und wie vermittelt er dann z.B. die ‚Internas‘, (die einerseits vielleicht wichtig für das Verständnis des tatsächlich Außenstehenden* wären, aber auch zur Frage der Vertrauenswürdigkeit werden können)???? Wie geht er damit um, mit dem abverlangtes Stillschweigen über Informationen - die Bedingungen für den Job sind, um überhaupt an Infos und Beobachtungen zu kommen????

*Outsider eher statt mit ‚Fremder‘, mit Außenstehendem übersetzen??? (Talese lehnt so ja auch 'embedded' in der Kriegsberichterstattung ab).
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 21:18
"Man muss den Kampf aufnehmen und voll draufhalten."
Ach, Herr Augstein, Entschuldigung, wenn ich so direkt sein muss - aber Sie sind noch immer bei Räuber und Gendarm...:( Nur richten Sie Ihre Pistole jetzt auf den korrupten Polizeichef, dessen Arbeit bei der Jagd auf den Täter noch zuvor uneingeschränkt gelobt haben und meinten, die Motive würden keine Rolle spielen und wer sie hinterfrage sei "irre": "Entscheidend ist, dass die Medien ihre Kontrollfunktion ausüben. Nicht warum sie das tun. Die Bild-Zeitung mag sonst Springers Sturmgeschütz der Demagogie sein, aber hier hat sie die Arbeit geleistet, die man von der investigativen Presse erwartet."

Interessant finde ich Ihre jetzt detaillierten Einlassungen, was sich bei der Bild in den letzten Jahren geändert hat: Das würde ich als gut recherchierten und belegten Artikel, der dem anhand von Beispielen nachgeht, super interessant finden, da ich (und sicher viele andere) das auch nicht so genau verfolgt haben.
Fro schrieb am 15.01.2012 um 21:19
@Jakob Augstein

„Was ist die Konsequenz?

Die Bild noch genauer zu überwachen, zu kontrollieren, vor ihr zu warnen, sie zu sezieren als vorher. Aber doch nicht, sie zu ignorieren.“


Zustimmung. Und damit wären wohl auch viele Missverständnisse in der aktuellen Diskussion ausgeräumt.

„Man muss den Kampf aufnehmen und voll draufhalten.“

Aber fair bleiben! ;-)

„Aber was bedeutet es eigentlich, wenn die Bild das macht? Wird nicht nur der Freitag wie die Bild-Zeitung. Sondern gilt umgekehrt das selbe?“

Finde ich gut, dass Sie den Wettbewerb mit der BILD suchen. Wo derFreitag wie die BILD werden solle bzw schon sei, wäre natürlich eine hochinteressante Frage.
Georg von Grote schrieb am 15.01.2012 um 21:29
Herr Augstein, zum einen meinen Respekt davor, dass Sie sich hier so offen der Kritik Ihrer Leser stellen. In diesem Punkt haben Sie Ihren Kollegen einiges voraus, denn die würden sich das nicht trauen.
Andererseits habe ich das Gefühl, dass Ihre Sicht auf BILD eine andere ist, als meine.
Das mag zum einen Generationsbedingt sein. Für mich war und ist die BILD und nicht nur die, sondern das Ensemble der Springermedien immer gefährlich gewesen und ist es nach wie vor.
Die BILD ist eigentlich auch nie entpolitisiert worden. Wenn überhaupt, dann wurde BILD aus Verlagsinternen Überlegungen aus der Schusslinie genommen und hat sich eine Zeitlang mehr auf Gossip konzentriert.
Wenn ich nicht eine Zeitlang in diesem Umfeld gearbeitet hätte, dann wüsste ich auch nicht, dass genau die von Ihnen genannten Beispiele, Roche, Kikeli und Fischer, aber auch eine Menge anderer genau diese Nähe zu BILD gesucht haben. Wie auch viele Politiker.
2 von den genannten habe ich selbst interviewt und mehr möchte ich zu dem Ergebnis auch nicht öffentlich sagen, obwohl ich nie für Springer gearbeitet habe. Ich sage nur, es war ein Desaster und nicht immer kann ein Journalist "aus Sch.... Gold machen".
Ich glaube, und da geht es ihnen offenbar wie vielen Chefredakteuren, die ich erlebt habe, Sie haben keine Ahnung, was es bedeutet, was freie Journalisten, also quasi billige Lohnschreiber, alles so erleben, mitbekommen und ertragen müssen, damit Auftraggeber und Klient halbwegs auf einen Nenner kommen.
Ich sage das nicht aus Frustration, sondern aus einer Erfahrung heraus, die ich auch nicht missen möchte, denn sie hat mir auch die Augen geöffnet, über den Stellenwert des Journalismus.

Die BILD, auch wenn sie sich primär auf den yellow-Bereich konzentriert hat, war nie unpolitisch. Selbst bekannten US-Medien-Agenten wie Nancy Seltzer, eine Frau, die ich wegen ihrer Offenheit und ihrer Professionalität sehr schätze, musste ich bei bestimmten Interviews unterschreiben, dass diese nicht bei BILD landen dürfen.
Das zeigt, dass BILD - und da haben Sie recht - neben Spiegel als eines der wichtigsten Verbreitungsmedien auch in den USA galt, aber dass man selbst da in informierten Kreisen wusste, wie gefährlich dieses Medium ist.
Vielleicht, Herr Augstein, sollten Sie einmal auf das hören, oder sich zumindest anhören, was Ihnen die Journalisten zu sagen haben, die tatsächlich vor Ort operieren, sofern Sie überhaupt über solche verfügen.
Von oben herab soeht die Welt ganz anders aus als von unten :-)
sisindi schrieb am 15.01.2012 um 22:13
Also, mal ehrlich: An der Arbeits- und Wirkweise der BILD hat sich seit Walraff 1977 doch rein gar nichts geändert! Sie war schon immer gefährlich und manipulativ.
Ansonsten darf ich mich Schopenhauer anschließen: " Das Klappern der Mühle höre ich wohl, allein ich sehe das Mehl nicht."
Um nun den Mangel an wirklichen Gedanken zu verbergen, machen manche sich einen imponierenden Apparat von langen, zusammengesetzten Worten, intrikaten Floskeln, unabsehbaren Perioden, neuen und unerhörten Ausdrücken, welches (…) einen möglichst schwierigen und gelehrt klingenden Jargon abgibt. Man empfängt keine Gedanken, fühlt seine Einsicht nicht vermehrt, sondern muss aufseufzen: ‚Das Klappern der Mühle höre ich wohl, allein ich sehe das Mehl nicht.
ChristianBerlin schrieb am 16.01.2012 um 11:26
@Jakob Augstein

Lieber JA,

Was ist die Konsequenz?

Die Bild noch genauer zu überwachen,
zu kontrollieren,
vor ihr zu warnen,
sie zu sezieren als vorher.


Das hätten Sie bei diesem Thema schon mal vormachen können.

LG Christian
ch.paffen schrieb am 16.01.2012 um 14:05
@ JA

zum Kommentar vom 15.01.2012 um 18:29 + 15.01.2012 um 20:35

Reflexe sind aber ggf. kein guter Ratgeber. Denken bzw. mal nachdenken kann da weiterhelfen.
Zahlen, Daten, Fakten sollten geliefert werden. Hier greife ich mal in die öffentlich rechtliche Werbetrommel und behaupte mit Zahlen, Daten, Fakten kann man besser sehen, reflektieren und sich seine Meinung bilden. Ich schiebe mal den Satz: “ Man muss den Kampf aufnehmen und voll draufhalten.“ JA schrieb am 15.01.2012 um 20:35 in die Reflex-Ecke oder lieber in die Kuschelecke mit Blome? Ist kuscheln mit Blome eigentlich gefährlich?

N.m.E. ist der „Motor“ von der Freitag mehr das Z – D - F liefern und zwar mit pro bzw. contra aus der Redaktion und den Meinungen aus dFC. Der USP von der Freitag. (ketzerisch dem Reflex des Verlegerbashings folgend) Pfiffig ! (anerkennend, dem Reflex folgend, wenn ich eine Idee fein finde). Nix sprich gegen nen feinen USP, nur weil etwas erfolgreich ist ist es nicht gleich schlecht. Schlecht finde ich es erst wenn der eigene Anspruch dem ökonomischer Erfolg geopfert wird. Kann ich aber z. Zt. nicht so sehen.

Kommunikation ist immer auch Interpretation. Sich aktiv austauschen kann da weiterhelfen , muß aber nicht. Weil letztendlich sollte sich jeder seine Meinung bilden und wenn nicht gibt es ja auch noch andere Medien die mir meine Meinung liefern….. So nu ist aber auch genug gelobhuddelt.

Feinen Resttag noch
Christiane
ed2murrow schrieb am 15.01.2012 um 21:08
Die Diskussion habe ich bisher mit ziemlicher Fassungslosigkeit verfolgt. Die Frage ist: Liegt der Schwerpunkt darauf, zu überprüfen, ob jemand (u.a. rechtliche) Schranken eingehalten hat (im Falle des niedersächsischen Ministergesetzes sogar solche in Form einer Selbstbindung!) oder ob im Interesse (sic!), dass die Überprüfung unterbleibe, die Medienpluralität auf der Strecke bleibt? Im Ergebnis -ich finde, dass bei Journalismus immer noch und vor allem das zählt, was hängen bleibt- ist das hier nachlesbar die Linie von Norbert Lammert vertreten wird, der als erster im Politikbetrieb die Fragestellung im Sinne eines divide et impera aus Sicht des Establishments beantwortet hat. Ein Lammert im Übrigen, der durch und durch Machtmensch ist: Aus der rein protokollarischen Reihenfolge der Ämter im Staate hat er sein Amt zu dem des „Zweiten Mannes im Staat“ institutionalisiert.

Das moralinsaure Getuschel, zumal das des Filmkritikers, ansonsten publizistisch eher überforderten von Grote, ergibt dabei das Spiegelbild zum Zustand der Politik: Wo ein Ministergesetz erlassen wurde, um zumindest den Anschein von Käuflichkeit der Akteure abzuwehren, hat es ein Ministerpräsident nicht so genau genommen; gleichzeitig stimmt das geneigte Publikum in den Chor ein, dass Pressefreiheit nicht das Papier wert sei, auf dem die BILD gedruckt ist, weil das eben Springer ist. Ich frage mich ernsthaft, geht’s eigentlich noch? Gesetze gelten für alle, das Grundrecht, das die Pressefreiheit schützt, auch für BILD. Alles andere, und ich betone alles, ist rein opportunes Denken nach Gutsherrenart.

Ein Teil der hier gelesenen Kritik in Richtung Augstein kommt ferner erkennbar von jenen, die bis auf den heutigen Tag die Verabschiedung von Herausgebern des der Freitag nicht verwinden können. Es ist kein Zufall, dass praktisch parallel die Diskussion um „Herausgeber aus der Community“ durch die Foren geistert. Dieser Blogger kann sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass ein Gutteil der am hehren Prinzip des unabhängigen Journalismus (was sonderbarerweise als Forderung nach Abgrenzung daher kommt, als würde Unabhängigkeit sich im Verhältnis zu einem Feindbild definieren, was doch gerade erst die Abhängigkeit ausmacht) aufgehängten Kritik nichts anderes ist, als eine Positionierung in diesem Sinne, das Vorzeigen eigener Fähigkeiten, als politisches Korrektiv im Blatt fungieren zu können. Sancta simplicitas: Würden diese wenigstens so publizieren, dass es Leser anlockt, ließe sich vielleicht sogar darüber reden. Aber so … Wake up erscheint mir in der Tat die einzig richtige Antwort, und Aufforderung.

Und je mehr ich lese, desto mehr wird mir bewusst, wie und warum Leute wie Murdoch, Berlusconi oder Carlos Slim Herú derart Erfolg haben konnten und weiter Erfolg haben werden.
Georg von Grote schrieb am 15.01.2012 um 21:44
@ ed2..
Ich schmunzle schon und danke für die persönliche Erwähnung. :-)
Wenn Sie jetzt auch in der Lage wären, die "moralinsauren" Passagen zu zitieren, wäre ich fast schon glücklich :-)
Popkontext schrieb am 15.01.2012 um 21:55
Ach, @ed2murrow...
"Ein Teil der hier gelesenen Kritik in Richtung Augstein kommt ferner erkennbar von jenen, die bis auf den heutigen Tag die Verabschiedung von Herausgebern des der Freitag nicht verwinden können."
erkennbar Aha, woran?
bis auf den heutigen Tag
Nach noch nicht mal 14 Tagen noch nicht vergessen - iss'n Ding!
"Es ist kein Zufall, dass praktisch parallel die Diskussion um „Herausgeber aus der Community“ durch die Foren geistert."
Nee - denn es ist etwa gleichzeitig mit Erscheinen des Wulff-Artikels bekannt geworden ;)....
ed2murrow schrieb am 16.01.2012 um 07:16
Nicht dafür, Herr von Grote: Ihre Konstruktion, wie Presse "damals war" und Ihnen heute erscheint, um die leuchtenden Beispiele Ahlers und Augstein sen. hier einzuführen, ist nichts anderes als Lehrer Lempels Morallektion No. 1. Im Übrigen schauen Sie sich bei Gelegenheit die von Ihnen verwendeten Adjektive an.
ed2murrow schrieb am 16.01.2012 um 07:20
@ popkontext

"Ach" als Anrede ist offensichtlich Ihre Lieblingsattitüde geworden. Aber schön, dass Sie sich von dem kleinen Kommentar angesprochen gefühlt haben.
Magda schrieb am 16.01.2012 um 11:19
@ ed2murrow - Und je mehr ich lese, desto mehr wird mir bewusst, wie und warum Leute wie Murdoch, Berlusconi oder Carlos Slim Herú derart Erfolg haben konnten und weiter Erfolg haben werden.

Und mir wird nicht klar, wohin Ihr fleißiges Bemühen um kühle Analyse hingeraten ist. Und frage mich besorgt: Verschwindet es in klandestinen Ergebenheitsadressen oder rutscht es in die schiefen Metaphern hinein, hm? Oder versteckt es sich in selbst moralinsauren Gehässigkeitsausbrüchen nach Advokatenart, hä? Weilt es in diffusen allgemeinen Bezichtigungen anderer Blogger, hallo?

"Gebt uns Wulff, wir schicken Euch Berlusconi" - so eine hübsche Kopfzeile in einer vom Focus zusammengestellten internationalen Presseschau

Ganz interessant auch die sehr gemischten internationalen Stimmen, die Springers "Welt" heute zusammenträgt. Da sieht man wie "gespalten" die ansonsten reichlich Wulff-resistente Restwelt reagiert.
Da schnallen schon einige auch, dass es um Wulff-Würstchen nicht geht.

bit.ly/AFtWoM
Georg von Grote schrieb am 16.01.2012 um 17:24
Lächel, nun kein Problem.

Aber ab und zu sollte man vielleicht schon einmal daran erinnern dürfen, wer, oder in dem genannten Fall was das Institut der Pressefreiheit in unserem Rechtssystem gefestigt hat, zumal die Erben (und damit meine ich nicht Jakob Augstein) dabei sind, genau diese Freiheit, die ja auch Verantwortung voraussetzt, mit Füssen zu treten.
Nennen Sie mir doch einmal ein paar Adjektive, die Sie nicht goutieren. Vielleicht bin ich ja bereit, diese künftig - zumindest in Ihrem Dunstkreis - unliebsamen Adjektive zu vermeiden :-)
ed2murrow schrieb am 16.01.2012 um 19:22
@ Magda
Abgesehen davon, dass Sie offene Parteinahme anscheinend nicht mehr von „klandestinen Ergebenheitsadressen“ zu unterscheiden vermögen (alternativ: Sie mir damit ein Quantum Servilität oder Devotheit andichten wollen) und dabei in Selbstentkleidung noch ein treffendes Eigenporträt zeichnen („hä“, „hallo“), also abgesehen von diesem Schmarrn: Ist es nett, wie Sie die Welt zitieren und die wiederum Il Foglio des Herausgebers Giuliano Ferrara. Kein Wunder, dass der in Wulffs Verhalten keinen Makel sieht, ist Ferrara doch zusammen mit Vittorio Feltri Berlusconis publizistisches letztes Aufgebot. Wenn Sie also schon meinen, Auslandsstimmen der angeblichen Differenzierung wegen preisen zu können, sollten Sie sich ggfs. vorher informieren, vor welchem Hintergrund dies geschieht. Und dabei mit einbeziehen, was der Umstand offen zu Tage getretener Korruption und ihrer Nichtverfolgung in Italien bewirkt hat.
Im Übrigen gilt das zu Popkontext geschriebene - schön dass Sie sich angesprochen gefühlt haben.
Magda schrieb am 16.01.2012 um 19:48
Sie haben Recht, zur Selbstentkleidung gehört unbedingt auch ein "huhu", das hatte ich vergessen.

Ansonsten - oben ist ein Link zur NZZ, der ist auch in die Richtung, die die von Ihnen kritisierte Quelle angibt.
Magda schrieb am 16.01.2012 um 19:55
www.zeit.de/2012/03/Interview-Schorlemmer

Weil ich gerade hier bin und Sie immer auf die beendete Herausgeberschaft in Zusammenhang mit der Kritik an BILD herumreiten. Hier ein Interview mit Friedrich Schorlemmer, der auch Stellung nimmt zu seinem ehemaligen Amt beim Freitag. Das hat einfach sehr viel Staub aufgewirbelt.

Ich will aber nicht noch einen Blog aufmachen.

www.zeit.de/2012/03/Interview-Schorlemmer
kmv schrieb am 16.01.2012 um 11:17
„Pack schlägt sich, Pack verträgt sich?????“

„Seit einiger Zeit hat sie das ausdrücklich Politische und das Investigative für sich entdeckt. Das meist zitierte Medium war sie (gemeinsam mit dem Spiegel) ohenhin schon. Jetzt muss man sie wegen ihrer Inhalten und Geschichten noch ernster nehmen - man kommt daran nicht vorbei. „

„Wer denkt, das Problem* sei dadurch zu lösen, das man in eine andere Richtung guckt, Entschuldigung, aber der betreibt das Spiel der Bild und das Spiel der Macht“.

“(Und nur noch kurz zur Erinnerung: die Idee des Freitag liegt u.a. darin, die Leser zum Teil des Produktes zu machen. Das haben wir gemacht, indem wir den Titelkomplex in dieser Woche aus Leserbeiträgen aufgebaut haben. Stichwort Partizipation. Lustig, dass ausgerechnet die FC das vergessen hat ...“

„Aber was bedeutet es eigentlich, wenn die Bild das macht? Wird nicht nur der Freitag wie die Bild-Zeitung. Sondern gilt umgekehrt das selbe?“

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O.k. ein populistisches, häufig Presserecht und Anstand verletzendes, aber anscheinend ernst zunehmendes Presseorgan wird von einem gewählten, aber anscheinend der Vorteilsnahme erwischten Staatsträger anscheinend telefonisch bedroht, eventuell ein Straftatbestand der Nötigung.

In was werde ich da alles hineingezogen, denkt der außenstehende, eher unbeteiligte, sich (noch!) in einem Rechtstaat wähnenden Leser oder Medienbeobachter, und fragt sich:

Weshalb erstattete jenes Presseorgan nicht einfach Anzeige???

Weshalb ließen sich 'die Kollegen' so einfach in die Pflicht nehmen statt „jenen Kollegen“ die Strafanzeige nahe zu legen????

Was hätte dagegen gesprochen, (im Vorteilnahme-Verdacht am Ball bleibend), als Zeuge und potentiell Betroffener scharf, aber durchaus genüsslich zu beobachten, wie Staatsanwaltschaft, Politik und jenes Presseorgan den anscheinenden Angriff auf die Pressefreiheit bewältigen oder nicht bewältigen????
Free World schrieb am 16.01.2012 um 12:51
herr augstein.

ich denke, das missverständins liegt ganz wo anders.

wenn wulff ein schuft ist, so ist wulff ein schuft zu nennen und von den medien zu jagen - aber anders.

wenn das höchste gut der pressefreiheit zu schützen gilt, dann ist mut gefragt und nicht taktik. was man - ich habe beim zeitraum seit wann wulff "gejagt" wird den überblick verloren - seit gut zwei, drei wochen serviert bekommt ist hier ein happen info, der schneeball wird ins spielfeld von wulff geworfen und wartet der dinge, die da kommen. in der zwischenzeit gibt es fragmente vom band, deren inhalt man aber nicht ganz veröffentlichen will, weil der bp seine zustimmung geben soll. der nächste spielball bei wulff. wulff selbst handelt auch nur juristisch taktisch und so gibt es taktischen ping-pong mit schneebällen juristisch immer schön abgesichert. ist das noch aufklärender journalismus?

sorry, das ist bei so einem wichtigen gut wie der pressefreiheit, die da zur disposition steht oder vermeintlich steht ein etwas seltsamer umgang. seltsam unmutig. seltsam unmutig gerade für die bild oder im verbund mit bild und dem spiegel. da erwarte ich an sich einen anderen ansatz. den völligen tabubruch verbunden mit eigenem risiko von anwälten gejagt zu werden. schließlich geht es um die freiheit der presse in dieser demokratie. da erwarte ich die ungefragte veröffentlichung des bandabschrift ohne taktiererei, jagd oder schneeballspiele. zumindest erwarte ich das von einer mutigen presse, die ihr höchstes grundrecht in unserer demokratie verteidigen will. ein heißes eisen dieser güte gehört angepackt statt immer neue und ab da wird es dann etwas bizarr reisen und andere mitnahmen von (vermeintlichen) freunden aufs heiße rost - im vergleich zur pressefreiheit viel zu heiße rost zu legen.

um es ins rechte licht zu setzen, ich finde es schrecklich, dass nun auch im höchten amt offensichtlich oder scheinbar der ungeist des freundschaftlichen mitnehmens einzug gehalten hat. es entwertet dieses land ein stück weiter und wir leben wohl in der tat - hier paßt dann die bemerkung von einst von westerwelle - in einer art spätrömischen dekadenz kurz vorm untergang. es gefällt mir nicht aber es scheint wohl eben doch (immer noch) zeitgeist zu sein.

zurück zu hitze in der küche. meine wahrnehmung, die kann ja falsch sein, ist die, dass randthemen (relativ betrachtet) gerne völlig überhitzt durchgebraten werden bis auch die letzte faser leblos trocken nichts mehr hergibt und in der tat heiße eisen, so sie es denn wirklich sind, halberzig, taktisch also mutlos und mit spitzen fingern angefaßt werden. jemand der die pressefreiheit denkt verteidigen zu müssen und damit sogar recht haben sollte, der muss als held (nicht als märtyrer) agieren wollen. mein eindruck ist aber der, dass ich beim kampf ums heilige grundrecht nur taktierer erlebe. das reduziert - bei mir - den glauben an die hitze vom eisen.

der mögliche schufft hat noch ein anderes thema und das heißt hauskredit und in verbindung damit einen anonymen bundesbank scheck. ein wesentliches detail aus meiner sicht, um licht ins dunkel zu bringen und aus dem möglichen schufft einen echten zu machen oder ihn sogar zu entlasten. guter journalismus versucht genau das herauszufinden. wer steckt hinter der anonymität, die ja für die bundesbank keine ist? wer löst das hannoveransiche freundschaftsgeflecht auf, dass man in köln kurz klüngel nennen würde? stattdessen versucht man über kleine vorteile von vermeintlichen/echten freunden ein schuftiges persönlichkeitsbild zu zeichen. das kann stimmen löst aber die zwei kernfragen zu keiner zeit auf. die lauten - aus meiner sicht - anonymer bundesbankscheck und war es überhaupt ein kredit und wollte der bp tatsächlich massiv eingriff auf die pressefreiheit nehmen.

ein wort noch zu bild. wenn der spiegel mit der bild nach oben fährt im aufzug, um so der bild mehr seriösität zu spenden, der fährt auch mit bild nach unten, wenn es der boulevard verlangt. die gefahr bild als seröses blatt sehe ich nicht - wohl aber die gefahr der serlösen blätter mit der bild nach unten zu fahren. das ist dann ein selbstgemachtes problem.
paulart schrieb am 16.01.2012 um 15:27
Etwas Besseres konnte dem Auszubildenden im Schloss Bellevue ja gar nicht passieren: Viele, sehr viele, reden und schreiben nur noch über die BildZ und scheinen die kleinen und größeren Unwahrheiten des ehemaligen Ministerpräsidenten beinahe verdrängt zu haben. Ebenso die ca. vier Minuten Original-Ton-Wulff-Vorwürfe.

Nee - über dieses Stöckchen gehe ich nicht. Wer aus der FC ist denn wirklich ein Sympathiesant der BildZ? Wahrscheinlich doch niemand! Dann aber muss man sich doch auch nicht gegenseitig in Stellung bringen.

Ich würde aber in der Tat so etwas wie eine Befreiung verspüren, würde Christian Wulff demissionieren. Er hat jetzt zur Genüge bewiesen, dass das Peter-Prinzip eine durchaus taugliche Maßeinheit ist.
Lapis schrieb am 16.01.2012 um 16:12
Jakob Augstein im Freitag: „Vielleicht ist das übrigens die wichtigste Lehre aus diesem Skandal: Die Bild-Zeitung erweitert ihr Repertoire. Sie kann jetzt auch seriös, wenn sie will.“

Diese Aussage ist in der Tat an Naivität kaum zu toppen. Wer erwartet aber auch etwas anderes vom wöchentlichen Stichwortgeber für Blome?
Die Verfehlungen des BP und deren journalistische Aufarbeitung sind das Eine, die gefügige und unkritische Mitarbeit an einer Medienkampagne des Springer-Konzerns mit durchschaubarer Dramaturgie ist jedoch etwas Anderes.
Die mittlerweile offensichtliche Lächerlichkeit und Bigotterie der täglich neuen "Skandale" um Wulff hat die Titanic sehr schön herausgearbeitet:

Die Wulff-Enthüllungsvorschau

Dienstag: Bundespräsident Wulff soll sich in einem DM-Markt mit einem abgelaufenen Gutschein sechs Payback-Punkte erschwindelt haben.

Mittwoch: Wulffs Fahrer sagt aus, daß er auf Anweisung des Präsidenten ausschließlich Premium-Sprit tanken dürfe. Dabei könnte die Dienstlimousine genausogut mit E10 fahren.

Donnerstag: Christian Wulff soll den Hamster seiner Kinder mit Gras aus dem Bellevue-Garten gefüttert haben, obwohl das Anwesen nur für Dienstzwecke zur Verfügung steht.

Freitag: Die Brüste von Wulffs Frau Bettina geraten in den Verdacht, Billigware der Firma PIP zu sein. Christian Wulff: "Dieser Vorwurf ist zwar griffig, aber nicht justitiabel."

Samstag: Enthüllungspause (wg. Bundesliga)

Sonntag: Familie Wulff wird schon wieder nicht beim Gottesdienst gesehen. "So wahr mir Gott helfe" – war das ein Meineid?
brefcourte schrieb am 16.01.2012 um 22:01
Zivilisationsmüdigkeit
brefcourte schrieb am 16.01.2012 um 22:01
Zivilisationsmüdigkeit
Geierwally schrieb am 17.01.2012 um 00:18
www.nachdenkseiten.de/?p=11791

Der Glaubwürdigkeitszuwachs für Medien, die Merkel in allen Lebenslagen stützen und vor allem ihrer gesellschaftspolitischen, neoliberal geprägten Linie folgen.

Von gravierender und langfristig wirksamer Bedeutung wird es sein, dass gerade jene Medien, die in ihrer Gesamtheit Matadore der neoliberal geprägten Reformen/Agenda 2010 und auch der herrschenden Linie im Kampf gegen die Finanzkrise, von ihnen genannt: Staatsschuldenkrise, sind, an Glaubwürdigkeit gewonnen haben. An vorderer Front die Bild-Zeitung. Sie gilt jetzt in den Augen vieler Zeitgenossinnen und Zeitgenossen als ein kritisches Blatt, obwohl es über weite Strecken ein Kampagnenblatt ist. Auch Spiegel online, das Erste und das ZDF haben durch ihre vergleichsweise kritische Haltung gegenüber Wulff ihr Renommee gestärkt. Dahinter verschwindet ihre mehrheitlich unkritische Haltung zu Angela Merkels Politik der Krisenbewältigung und zur neoliberalen Ideologie. Somit können sie dann gestärkt weitermachen, wenn der Rauch des Kampfes um Wulff verweht ist.
Wenn man dieses Ergebnis betrachtet, dann könnte man fast vermuten, der Springer-Konzern oder zumindest einige in seinen Diensten tätige Journalisten und/oder PR Agenturen hätten den Vorgang Wulff geschaffen.

vieleicht sollte herr augstein auch mal die nachdenkseiten lesen.
KarinL. schrieb am 17.01.2012 um 12:55
Ich verstehe diese ganzen endlosen Diskussionen über Wulff und die Medien nicht. Gerade auch die FC ist damit nicht besser als der Mainstream und reiht sich somit dort ein. (Vielleicht sollte man mal einen anderen Blog aufmachen, wenn man schon so ausgiebig über den Journalismus, die Medien diskutieren will?) Es scheint sich nämlich hier ins endlose zu verlaufen.

Warum gibt man Wulff eigentlich sooo viel Aufmerksamkeit / PR, wenn er doch ein "Schuft" ist?! Ist es Neid oder sogar "Anerkennung", um mal provozierend zu hinterfragen. Bei den Medien gehts um Geld. Nur um was geht es hier in der FC?

Das Herr Augstein dies alles nutzt, um den Freitag auflagenmäßig zu steigern und damit auch für sich PR betreibt, ist wohl auch klar. JA ist ein Verleger und denkt somit wirtschaftlich im Eigeninteresse. Dabei wird er eine gezielte Strategie für die Zukunft des Freitags verfolgen. Das ist für mich klar. Ob sie aufgehen wird, ist eine andere Frage. Er macht sich die Diskussionen in der FC zu nutze um sie für seine "Zwecke" zu verwenden. Das hatte er ja im Artikel auch zugegeben. Das er aus egoistischem Interesse handele.

Im übrigen habe ich festgestellt, dass Autoren hier Aussagen von Kommentatoren, Bloggern nutzen, um einen eigenen Artikel zu gewissen Themen daraus zu machen. Ist so etwas nicht Diebstahl geistigen Eigentums im weitestgehenden Sinne? ;-) Wobei es völlig normal ist abzukupfern. Egal in welcher Branche auch immer. Vielleicht lässt sich aber auch eine Zeitung ganz einfach viel besser verkaufen, wenn man genau das schreibt, was Leser so bewegt. Das wäre dann der Unterschied zu BILD, die ja erst dem Leser seine Meinung/Ansichten suggeriert. Und damit manipuliert! Und nicht investigativ, seriös berichtet (Salamitaktik). Auch wenn JA das so nicht sehen mag.

Medien können nur an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn der Leser nicht alles für bare Münze nimmt und auch selbst kritisch hinterfragt. Das die Mehrheit der Bevölkerung leider dies nicht tut, kann man nicht ausblenden. Zumal die meißten Menschen eben auch sensationslüstern sind. Sich voller Gier auf jemanden stürzen, soll doch nur von den eigenen Problemen, der eigenen "Unfähigkeit" ablenken. Dafür braucht man halt immer ein Opfer (Thema). Deswegen gehören ja die Medien auch zur 4. Gewalt und unterstützen die Politik bei der Durchsetzung ihrer Interessen. Ab und an gibts natürlich auch mal eine Affäre an der Oberfläche. Denn gründeln ist streng verboten. Wo kämen wir denn dahin, dass Medien, sprich Journalisten z. Bsp. ihren Arbeitgeber bloß stellen und die Verbandelung mit der Wirtschaft seitens Politik-Wirtschaft-Medien aufdecken?! Und das man mit Hilfe von Wulff schon seid Wochen von den eigentlichen Problemen ablenkt, gehört mit zur Strategie.

Ähm...was hatten wir doch gleich nochmal für ein Problem in unserem Lande? Und war es nur eines? Oder gab es gar mehrere?!

Will man nämlich die Zusammenhänge verstehen, kann man das System immer nur im ganzen, einheitlich betrachten.

Die Nachdenkseiten sind für mich auch nur ein Teil der Meinung von den Linken. Nicht immer objektiv! Sie vertritt eben auch nur eine Ideologie. Und alles was die Linke so sagt, muß halt auch nicht stimmen. Man gibt ja oft nur seine eigene Meinung/Ansichten wieder, wenn man nicht mit Fakten belegt.

Alles auf Merkel zu schieben finde ich wiederum unseriös. Das wäre nämlich zu einfach. Ich könnte auch "Linkenbashing" (Bashing...was für ein Wort) dazu sagen. Merkel ist auch nur die "Erfüllungsgehilfin" der Reichen und Superreichen. Man befasse sich doch nur einmal mit den Machtsrukturen, die Krysmanski sehr gut dargestellt hat! Das will aber anscheinend dann doch keiner so wirklich. So in der Tiefe wühlen, könnte ja zu Depressionen führen. Weil einem doch eine gwisse Ohnmacht damit vor Augen geführt wird. Somit ist man dann eben auch nicht objektiv. Sondern lässt sich mitreißen im Strom der Massen.

Was die unkritische Haltung zu Merkels Ideologie angeht, so werden doch gerade die öffentlich-rechtlichen Medien sich nicht dagegen monieren. Und wenn, dann auch nur sehr moderate Kuschelkritik ausüben. Der aufgeklärte Bürger weiß wovon ich rede! Im ZDF Blog z.Bsp. wird man bei unliebsamen, kritischen Kommentaren einfach nach weiter oben verschoben. So das im Endeffekt es dann eh keiner mehr wirklich liest. Angeblich liegts an der Software ihres Systems. Allein nur daran fehlt mir der Glaube! Denn das die öffentl-rechtl. Medien sehr gut mit Technik ausgerüstet sind, kann man ja immer wieder im Fernsehen sehen.

Zur Staatsschuldenkrise nochmal....Wir haben zwar Staatsschulden, die aber zwangsläufig nur wegen dem bestehenden Geldsystem entstanden sind und das zuviele Firmen mit Steuergeldern gesponsert werden (Netzwerke). Man lese dazu auch Prof. Huber von der Uni Halle über das bestehende Geldsystem!

Es ist unglaublich wie viele Firmen/Vereine mittels Steuergelder am Leben gehalten werden. Das gehört alles mit zur Machtstruktur des Systems! Das wirtschaftliche Kapitalismussystem hat auch schon lange fertig. Jetzt geht es nur noch um den Aufbau eines total überwachten Machtsystems, um den Erhalt des Systems seitens einiger weniger Reichen mit einigen wenigen Konzernen (147), die alles steuern und kontrollieren. Und zwar global!

Ich denke auch, das Wulff`s Affäre erschaffen wurde, damit die Strategie der Politik aufgeht. (Alles nur Ablenkung.) Nämlich die Errichtung einer Wirtschaftsdiktatur, ein zentralistisches Europa und damit die Abschaffung der "Demokratie". Die sowieso vom Prinzip her egal ist, da Parteien alle gleichgeschaltet sind. Die Medien verdienen daran. Allen voran der Springer Verlag. Der ja laut Analyse von Krysmanski und A.Müller von den Nachdenkseiten unabdingbar wichtig für die Erhaltung der Machtstruktur ist. Also in soweit gefährlich!

Viel gefährlicher aber halte ich das, was ich heute in der Zeit online gelesen habe.

www.zeit.de/digital/datenschutz/2012-01/foebud-rfid-gerry-weber

Wie lange wird es eigentlich noch dauern, bis jedes Neugeborene einen Chip unter die Haut eingepflanzt bekommt um bestens überwacht zu werden?! Welche Mutter kann das denn nachvollziehen?! Gleichschaltung im Sinne von funktionieren und nicht aufmüpfig sein wäre doch im Interesse der Superreichen. An Science-Fiction Filmen war bis jetzt immer etwas dran!

Das sind für mich u.a. Themen, die es lohnt diskutiert zu werden. Und nicht die Marionette Wulff!

Lieber Herr Augstein...wann kann man dazu einen gut recherchierten Artikel im Freitag lesen? :-)

Und noch etwas lieber JA...wenn der Freitag eine andere Zeitung als der Mainstream werden soll, nämlich kritischer und aufklärender, in die Tiefe gehend, so wird dies glaube ich, nicht die breite Leserschaft finden. Denn die meißten wollen beschallt und abgelenkt werden. Eben Boulevard. Der Arbeitsalltag ist schon stressig genug. Für Politik interessieren sich immer weniger Menschen. Leider muß man sagen.

Zitat eines Kommentators von Zeit online:

"Bundesliga und DSDS laufen ja weiter, erst wenn es dort zu Versorgungslücken kommt, ist mit handfestem Protest der Bevölkerung zu rechnen."

Genauso sehe ich das auch. Sowas kann man auch zynisch Volksverblödung nennen. Und die ist in diesem Lande schon weit voran geschritten! Ich als Ossi kann das voll bestätigen! Denn in der DDR waren wir allemal kritischer und aufgeklärter. Wenn das System auch nur hinter vorgehaltener Hand kritisiert wurde. Was ich aber bei den Menschen im Westen gänzlich vermisse. (ich habe/hatte genug Kontakte) Hier wurde nämlich das System noch nie richtig in Frage gestellt. So ist das eben, wenn man auf unterschiedliche Werte geprägt wurde. Jetzt (im Westen) wertet man nur ab und tritt nach unten, anstatt das System mal zu verändern!

Will das der Freitag eigentlich wirklich? Sich vom Mainstream abheben? Das wäre dann ja wohl wirtschaftlich ein Zuschuß Geschäft, oder?

Lieber JA, vielleicht sollten Sie sich mal im klaren darüber werden, was Sie eigentlich mit dem Freitag wirklich bezwecken wollen. Mir scheint, da schwelt noch so ein Problem ganz tief im verborgenen in Ihnen drinn? Oder ist es nur meine Sichtweise auf die Dinge?

Zitat JA:

"(Hat auch was mit Glaubwürdigkeit eines Journalisten zu tun, die Welt so zu beschreiben, wie sie ist, nicht, wie man sie gerne hätte)"

Die Welt ist immer nur subjektiv. Jeder hat sein eigenes Weltbild und seine eigene Wahrnehmung. Es gibt keine absolute Wahrheit! Die wenigsten können über ihren Tellerand hinaus schauen.
Das war jetzt keine negative Kritik, sondern einfach nur mal zum nachdenken.

Und ja, ich bin voll und ganz bei Ihnen...die BILD ist ernst zu nehmen und nicht zu ignorieren! Sie zu sezieren im Sinne von tiefgründiger Recherche, mit der Aufwartung von Fakten! Nicht in eine andere Richtung schauend, sondern das große Ganze zu betrachten. Die Zusammenhänge und nicht nur einzelne Personen jagen. Der Bild aber auch nicht permanent, unangemessene Aufmerksamkeit zu kommen zu lassen. Und vorallem nicht ins gleiche Horn zu stoßen!
Es geht um seriöse Aufklärung. Kann man das eigentlich mit einer Zeitung betreiben, die wirtschaftlich vom Leser abhängig ist? Wir sind doch alle abhängig vom Geld. Abhängigkeit schafft Unfreiheit und damit Anpassung. Wer gegen den Strom schwimmt, treibt zurück. Oder anders herum...Wer zur Quelle will, muss gegen den Strom schwimmen. Und damit schliesst sich wieder der Kreis.

Ich denke auch, dass wir es mit dem Thema Wullf und seine Aufklärung durch die Medien es mit 2 Sichtweisen zu tun haben. Einmal die des Journalisten (Ihnen) und dann die des Lesers. Der wohl auch zum Teil ein kritischerer Bürger geworden ist?

Ach ja...Die Linke kocht auch nur mit Wasser...Und nicht alles was sich Links nennt muß zwangsläufig auch links beinhalten. Hier gehts um eine Verbreitung einer Ideologie. Die kann man auch zur Macht benutzen. Oder anders gefragt...was ist denn eigentlich Links? Bsp.: Warum solidarisiert sich die Linke nicht mit den Hartz 4 Empfängern?! (Meine Erfahrung)...Soviel zur Wirklichkeit der Linken und ihrer Wahrnehmung.
KarinL. schrieb am 17.01.2012 um 13:07
@Lapis,

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum so viele die CDU/CSU wählen?!

Ich lese im übrigen auch die Nachdenkseiten. Ich teile aber nicht immer deren Meinung.

Das Kapital wird lieber einen Rechten an die Spitze der Politik heben, als einen Linken. Das hat was mit Eigennutz und Wahrung der Interessen zu tun. Also gehts auch um die Erhaltung der Privelegien. Auch der Medien im öffentl.-rechtl. Wulff kommt da als Spielball gerade recht. Er scheint mir in gewisser Weise naiv zu sein, was Intrigen angeht. Ausserdem benutzt man sich doch gerne gegenseitig.

Und warum die CDU angeblich solch gute Umfragen (ich bezweifle dies) wieder erzielte, liegt doch auf der Hand! Es geht ums Geld der Sparer und um die Selbstständigen, die wohl immer schwarz bzw grün/gelb wählen. Warum hat eigentlich die CDU seid gut 60 jahren so lange die Macht, ausser einige kurze Unterbrechungen, halten können??
KarinL. schrieb am 17.01.2012 um 13:07
@Lapis,

Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum so viele die CDU/CSU wählen?!

Ich lese im übrigen auch die Nachdenkseiten. Ich teile aber nicht immer deren Meinung.

Das Kapital wird lieber einen Rechten an die Spitze der Politik heben, als einen Linken. Das hat was mit Eigennutz und Wahrung der Interessen zu tun. Also gehts auch um die Erhaltung der Privelegien. Auch der Medien im öffentl.-rechtl. Wulff kommt da als Spielball gerade recht. Er scheint mir in gewisser Weise naiv zu sein, was Intrigen angeht. Ausserdem benutzt man sich doch gerne gegenseitig.

Und warum die CDU angeblich solch gute Umfragen (ich bezweifle dies) wieder erzielte, liegt doch auf der Hand! Es geht ums Geld der Sparer und um die Selbstständigen, die wohl immer schwarz bzw grün/gelb wählen. Warum hat eigentlich die CDU seid gut 60 jahren so lange die Macht, ausser einige kurze Unterbrechungen, halten können??
@dllxllb schrieb am 17.01.2012 um 20:43
@KarinL "Im übrigen habe ich festgestellt, dass Autoren hier Aussagen von Kommentatoren, Bloggern nutzen, um einen eigenen Artikel zu gewissen Themen daraus zu machen. Ist so etwas nicht Diebstahl geistigen Eigentums im weitestgehenden Sinne? ;-)" Falls dem so ist, und überhaupt, empfehle ich einen Blick in die AGB. Da sind Inspirationen doch die Art der Verwertung, die am wenigsten an irgendwelche Diebstähle grenzt, deren Existenz man aber sowieso ausgeräumt hat ;)
Magda schrieb am 17.01.2012 um 21:38
@dllxllb - geht zwar nicht an mich, aber es ist manchmal so, dass jene, die alles nochmal "zusammenkehren" gute Beachtung finden.

Außerdem - bei solch einer Sache stützt sich jeder,der was schreibt auch auf andere.
@dllxllb schrieb am 17.01.2012 um 21:59
@Magda Nun, ich finde es unverschämt, wenn man Quellen nicht kenntlich macht. Guttenberg kann ein Lied davon singen. Oder lieber die Klappe halten? ;)

No man is an island und so weiter ist mir natürlich auch klar.
KarinL. schrieb am 18.01.2012 um 01:31
Hallo @dIIxIIb

Vielen Dank für den Hinweis auf die AGB.

Das mit dem Diebstahl hatte ich ja nicht wirklich ernst gemeint. Mir ist schon bewusst, dass Blog`s- und Kommentarbeiträge auch für Artikel genutzt werden. Ausserdem sind wir ja hier, um uns gegenseitig zu inspirieren :-)...
@dllxllb schrieb am 18.01.2012 um 02:19
@KarinL Gern geschehen. Das mit dem Diebstahl, auch wenn nicht ganz ernst gemeint (was ich auch so aufgefasst hatte), ist m.E. durchaus eine berechtigte Frage. Ich finde man muss sich schon bewusst sein, dass mit dem geistigen Eigentum, woran man mehr oder weniger umfangreich Rechte abgibt, Geld verdient werden kann und man (u.U.) nichts davon sieht. Aber das nur nebenbei.

Kann ja sein, dass Sie zum Inspirieren und inspiriert werden da sind. Ich bin hier um die Weltherrschaft an mich zu reißen :P
brefcourte schrieb am 17.01.2012 um 19:58
3 Wochen später bleibt von der vereinigten Presse nur das Faktenmagazin Titanic übrig.
Magda schrieb am 17.01.2012 um 21:36
Und hier noch ein ganz aktueller Link www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/aufklaerer_im_schlammbad_1.14373384.html

Zitat aus dem Beitrag von Heribert Seifert

"Investigatives Theater
Was im Selbstverständnis der tonangebenden Medien immer noch als Ausweis investigativen Journalismus gilt, wird andernorts als Skandalisierungstheater wahrgenommen, in dem die Massstäbe für besonnenes Urteil abhandengekommen sind. Nach Ansicht des Medienwissenschafters Stephan Weichert findet hier eine «bigotte Schlammschlacht» statt, die Stoff für das «Sittengemälde eines Metiers» liefert, «wie es in einem Schwarzbuch Journalismus nicht besser hätte erfunden werden können». Die medienkritischen Einwände artikulieren sich dabei vor allem im Internet, in den Blogs erfahrener Journalisten und auf einigen der Medienbeobachtung gewidmeten Plattformen, während selbstkritische Überlegungen im Fernsehen gar nicht und in der Presse bloss sehr vereinzelt laut werden."
@dllxllb schrieb am 17.01.2012 um 22:08
Es ist doch auch interessant zu lesen wie der Autor so schön über investigatives Theater schreibt und die fehlende Aufklärung bemängelt und dabei selbst mitmacht beim Medienzirkus. Da werden dann die vermeintlichen Hetzer gehetzt. Auf welche Meta-Ebenen will man das denn noch erheben. Ich bin ja mit diesem Kommentar auch schon dabei. Irgendwie lächerlich. Und jeder kämpft den Kampf der Gerechten. Und Wulff, der laut oben verlinkter Einschätzung von Arnim's doch überhaupt nich gut aussieht, was ist mit dem jetzt eigentlich?
Free World schrieb am 18.01.2012 um 09:14
mit arnim's meinen sie wahrscheinlich das gutachten über den hauskredit?!? ich nehme es mal an. die konsequenzen kliegen dann auf der hand. entzug der immunität und ein paar klagen.

das beispiel ist konkretes arbeiten am thema mit substanz und verdient journalistische beachtung. wenn ich aber heute dann wieder lese, das der bp einen VIP bonus beim karossenkauf hat ... ja mei, welche boni gibt es denn überall mit presseausweis?
Free World schrieb am 18.01.2012 um 09:38
ich habe mal google bemüht und kaum selbt geblättert. aber die liste scheint lang zu sein. pro tag ein meldung dazu...

www.pressekonditionen.de/

...viel spass beim wulffen...
@dllxllb schrieb am 18.01.2012 um 17:37
@Free World

Von Arnim sieht die Grenze zur Straftat überschritten. Er befürwortet eine Untersuchung durch die Staatsanwaltschaft.

Und da bis jetzt nichts passier ist, was soll man tun? Sich ausschweigen, die unterstellten Dinge ins Lächerliche ziehen und bagatellisieren? Genau wie eine im Grundgesetz garantierte Freiheit, die eventuell verletzt wurde. Aber es war ja nur die Bildzeitung. Da ist es sowieso nicht so schlimm. Und überhaupt sind die selber Schuld wenn die immer so einen kurzen Rock tragen.

Meinen Sie nicht ich finde es lächerlich von einem verschenkten Bobby-Car und einer darauf folgenden Einladung zum Sommerfest zu lesen? Oder einem Upgrade hier und da? Natürlich sind das Kleinigkeiten, die einzeln gesehen vielleicht keiner Pauschalverurteilung bedürfen.
Aber meiner Ansicht nach zeigt es eine Haltung zum Ja- und Nein-Sagen in bestimmten Situationen. Moralisch vertretbar ist das alles sowieso schon lange nicht mehr wie ich finde.

Sonderkonditionen für bestimmte Berufsgruppen sollten genau untersucht werden. Gewisse Sondertarife halte ich zum Beispiel für nicht vertretbar. Es ist allerdings zu beachten, dass diese Vergünstigungen legal sind und nicht gegen Gesetze verstoßen. Und das ist der Unterschied.
@dllxllb schrieb am 18.01.2012 um 17:49
PS: Auch wenn es lächerlich ist über diese Kleinigkeiten wie Geschenke und Konditionen zu lesen, trotzdem scheint es mehr mit der Position als der Person zu tun zu haben. Wie bei Königs. Nur ist die Monarchie abgeschafft und solche Dinge sind nicht legal.
Free World schrieb am 18.01.2012 um 21:56
@dllxllb

wenn ich das richtig im kopf habe ist ein vorbedingung für etwaige ermittlungen die aufhebung der immunität. kann mich aber irren.

ich habe auch nichts gegen ermittlungen und ggf. ein entsprechendes urteil. was ich zur form der aufklärung mit der bandsache denke und mutigem journalismus habe ich an sich umfassend hier beschrieben.

die frage mit dem anonymen bundesbank scheck wiederhole ich gerne. das schreit nach aufklärung. statt hier wiederholend druck zu machen deckt man halt lieber ein bobbycar - toll.

fasse ich das zusammen, ist ein allgemeines misstrauen in den journalismus kein wunderm sondern ein zeichen von sich entwicklende mündigkeit, auch wenn man bei hintergrundgesprächen zwischen politik und journalismus nicht dabei ist und i.d.r. auch nichts erfährt.

bei bonis geht es auch nicht immer um recht oder unrecht, sondern auch um die unabhängigkeit, die man durch nutzen verliert oder nicht.
Free World schrieb am 18.01.2012 um 22:58
nachtrag:

nun gibts reichlich antworten zu vielen details aus sicht/von seiten des BP. zeit, dass die bild die bandabschrift komplett veröffentlicht.

der rest sind zu klärende wesentliche widersprüche in wie von lethe unten gewünscht fakten und vermutungen ohne, das füge ich hinzu, überzogene hitze.

und wenn man damit durch ist, darf sich der journalismus mit seinen vergünstigungen befassen und wie das die eigene unabhängigkeit berührt...

wäre doch mal ein thema.
Georg von Grote schrieb am 18.01.2012 um 23:20
@free world,

habe ich schon versucht, hat aber keinen interessiert.

www.freitag.de/community/blogs/georg-von-grote/tango-korrupto

Und da bin ich noch gar nicht einmal auf die "legalen" Pressekonditionen eingegangen.
@dllxllb schrieb am 20.01.2012 um 00:48
@Free World
Laut von Arnim wäre der Verstoß gegen das Ministergesetz (wegen der Kreditannahme) keine durch Immunität geschützte Sache. Weil es sich bei einem Verstoß auf der Ebene nicht um eine Straftat in dem Sinne (also StGB nehm ich an) handeln würde. Steht aber alles in dem Aufsatz von Arnim's. Der hat das besser beschrieben als ich.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart will ja, wie Sie sicher bereits wissen, gegen die BW Bank und Wulff nicht ermitteln... Da die einen Anfangsverdacht als nicht gegeben sehen. Aber so ein Anfangsverdacht kann sich theoretisch jederzeit ergeben, sollte sich an der Fakten-/Indizienlage etc. etwas ändern.

Was die Vergünstigungen für Pressevertreter usw. angeht, da gibt es eigentlich, und ganz definitiv, den Pressekodex.

Don't bite the hand that feeds you...
Lethe schrieb am 18.01.2012 um 13:44
Journalismus beschränkte sich von den allerersten Zeitungen an niemals auf bloße Faktendarstellung sondern lieferte schon immer den seitens der Redaktion gewünschten Deutungshintergrund für diese Fakten mit, im Idealfall explizit, normalerweise implizit - sind es denn jetzt Schaulustige, Gaffer, Sensationsgeier, Zuschauer oder einfach nur Beobachter? Die zugrundeliegende Absicht der Darstellung entscheidet, nicht etwa die Faktizität.

Es mag den Berufsjournalisten verwundern, aber genau das nervt an seinem Beruf, und sogar an seinem Berufsethos. Viele seiner Leser begreifen sich mittlerweile als erwachsene, emanzipierte Menschen, die sich schon völlig losgelöst von ihm ein eigenständiges Bild von der Wirklichkeit gemacht haben, und ungehalten darauf reagieren, dass ihnen die Welt erklärt werden soll.

Ein Journalist, der seine Leser noch erreichen möchte, tut daher gut daran, sie nicht für dumm, sondern für klug zu verkaufen. Wie das geschehen kann, müsste in jedem neuen Einzelfall geprüft werden. Ich würde mir als Minima wünschen

  • deutliche Trennung der Fakten von Deutungen und Meinungen

  • Explizierung des Deutungshintergrundes

  • Verzicht auf semantische Manipulationstechniken (Wortwahl, tendentiöse Darstellung u.v.m.)


Wenn es dem Journalisten dann noch gelingt, seine Leser auf Aspekte der Faktenlage aufmerksam zu machen, die nicht ohnehin jedem normalkompetenten Lesenden auch ohne jede Lektüre des journalistischen Oeuvres bewusst sind, braucht er sich um seine Leser eigentlich keine Sorgen zu machen.
Georg von Grote schrieb am 18.01.2012 um 23:53
Völlig d'accord,
Heutzutage, nachdem dem Leser die Nachrichten durch die elektronischen Meden schon bekannt sind, bevor er sie am nächsten Tag schriftlich in der Hand hält, müsste eigentlich noch mehr daran gearbeitet werden, dass man ihm dann schriftlich die nötigen Hintergründe dazu liefert. Manche praktizieren das auch und schaffen es, andere, leider viel zu viele verzichten darauf aus welchen Gründen auch immer und wundern sich dann, dass die Auflage zusammenschrumpft.

Richtig ist auch, dass man seinen Leser nicht für dumm halten darf, nur ist das ist vielen Redaktionen von Boulevardmedien und kleineren regionalen Zeitungen leider teilweise usus.
Ich will nur ein Beispiel nennen: Wenn ein Redakteur aus einem Artikel über Robert McNamara die Passagen über die Domino-Theorie, die flexible response und den Zwischenfall im Golf von Tonkin herausstreicht mit der Begründung, das kennt und kapiert der Leser ja doch nicht und sich bei der Diskussion darüber herausstellt, dass er selbst davon null Ahnung hat, dann ist das höchst fatal. Denn auch der Leser einer Boulevardzeitung hat das Recht, nicht für doof gehalten zu werden. Und was ich da beschrieben habe, ist leider kein Einzelfall.
Jakob Augstein
Journalist und Gärtner in Berlin
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David Graeber Schulden. Die ersten 5000 Jahre Klett-Cotta 2012

536 Seiten. Gebunden.

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