Jakob Augstein

der Freitag

16.03.2010 | 21:32

Freitag Salon - Berlin und Leipzig

Liebe Leser,

am Freitag, 19.3. findet der nächste Freitag-Salon statt, und zwar in Leipzig und am Samstag, 20.3., gleich der übernächste, und zwar in Berlin. (Und wer sich richtig die Kante geben will, so wie ich, der kann mich am Samstag um 1400 auch noch im Ballhaus Ost über Identität im Netzwerk vortragen hören. Oje!)

 

Gut. Frisch an Werk!
In Leipzig wird es um das geteilte Land und die Medien gehen: Warum gucken und lesen die Ossis immer noch anders als die Wessis. Zwanzig Jahre später. Ist das schlimm? Oder gut? Oder egal? Es gibt nicht viele Medien, die eine annähernd gleiche - oder auch nur proportionale - Verteilung in Ost und West haben. Der Freitag ist so ein Medium, aber es kann sein, dass wir - noch ! - so klein sind, dass unsere Zahlen keine statistische Aussagekraft haben. (Das würde ich natürlich zurückweisen!)

Ich werde mit der Chefredakteurin des Leizpziger Magazins Kreuzer, Claudia Euen, dem Freitag-Herausgeber Friedrich Schorlemmer und dem stv Chefredakteur der Leipziger Volkszeitung, Michael Schneider, reden. (Und zwar erst um 2100, in der Alten Nikolaischule) Kommt! Alle! Gern!

 

Für Hinweise auf notwendige Fragen, Wünsche ans Thema und Aufforderungen an Gäste und Moderator bin ich, wie immer, an dieser Stelle sehr dankbar. Mir hat die Debatte über das Frauen-Thema für den Abend sehr geholfen, und ich hoffe, der eine oder andere hatte Gelegenheit nachher den Abdruck des Gesprächs in der Zeitung zu lesen. Es hat sich gelohnt!

 

Am Samstag geht es in Berlin dann um die Frage: Wer zahlt für die Kulturarbeit von morgen! Wir reden über staatliche Förderung, privates Sponsorentum und die Hoffnung auf das Grundeinkommen. Gäste sind Adrienne Göhler, Kuratorin, Autorin, Politikerin. Eine spannende Frau! Und die Performance Künstlerin Rahel Savoldelli. Ich kümmere mich gerade noch um einen anderen sehr interessanten Gast. Mal sehen, ob es gelingt.

Auch hier gilt meine Frage: Was wollen Sie wissen? Trauen Sie dem Staat auf Dauer die Auswahl der zu fördernden Kunst zu? Wenn ich die Filmförderung sehe, habe ich da so meine Zweifel. Aber wie soll es ohne öffentliches Geld gehen? Wie stehen wir zu privaten Initiativen wie der Volkswagen Stiftung, die mit ihrem Geld wunderbare Sachen unterstützt - ich denke nur an das Tanzfestival in Wolfsburg - die diese Mittel aber jederzeit ohne Angaben von Gründen auch zurückziehen könnte. Keine Sicherheit für Künstler! Oder soll es die gar nicht geben?

Wir beginnen im Ballhaus Ost um 21.30 Uhr und ich freue mich über rege Beteiligung.

Ihr JA

Die Uhrzeit der Veranstaltung im Ballhaus Ost wurde vom Community Management korrigiert. (mh)

 

 

 

 

 

 

 

 

 
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Kommentare
jayne schrieb am 16.03.2010 um 21:55
Der titel des freitag-salons in leipzig verspricht eigentlich mehr als Ihre darstellung hier, und ich hoffe, daß es auch dabei bleibt: "Leerstellen - der Osten, die Medien und die deutsch-deutsche Öffentlichkeit". Denn leerstellen gibt es in der widerspiegelung der realitäten (nicht nur bezogen auf ost und west) etliche, ich denke da beispielsweise an eine differenziertere auseinandersetzung mit und darstellung der ddr-geschichte in den medien, was in den jahren deutsch-deutscher jubiläen eher eine mangelerscheinung ... Wichtig finde ich es, daß klischees und gegenseitige vorurteile nicht weiter befördert werden. Wenn es nur um selbstbespiegelung im rahmen der buchmesse gehen sollte, würde ich lieber zuhause bleiben.
Magda schrieb am 16.03.2010 um 22:09
Lieber Jakob Augstein,
Sie schreiben am Sonnabend, dem 20. März beginnt der Salon um 20:00 Uhr.

Alle Vorankündigungen setzen ihn aber um 21:30 an. Sie schaffen reichlich Verwirrung mit den so unterschiedlichen Ankündigungen, die auch noch an dritter Stelle ein bisschen verkehrt waren.

An allen Stellen habe ich meine Sympathie für die herrliche Konfusion bekundet, die sich hier Bahn bricht. Aber, irgendwann müsst Ihr Euch alle einigen, wanns denn nun beginnt in Berlin.

Mit Gruß
und leicht kicherndem Abgang...
kay.kloetzer schrieb am 16.03.2010 um 22:10
Lieber JA,
als Leipzigerin habe ich ein paar Anmerkungen/Fragen zum Medien-Salon. Ich kenne Claudia Euen nicht persönlich, sehe nur für den Kreuzer als Stadtmagazin die Ost/West-Differenzierung als nicht so wesentlich. Das mag natürlich ein Irrtum sein. Und eigentlich kann ich mich selbst schon widerlegen, wenn ich an die forcierten Kinder-Seiten dort denke, die in etwa der Bio-Laden-Sozialisierung entsprechen, die ich eher dem Nachwuchs zugereister Mitbürger zuschreibe. Erfunden wurden diese Seiten allerdings, glaube ich, vom Ex-Chefredakteur, Ost. Da Claudia Euen aber für die Sachsen-Seiten der ZEIT schreibt,interessiert mich, was diese Ghetto-Seiten dort bringen sollen, wo die Themen ohnehin meist vertraut sind. Wäre es nicht sinnvoller, die Brüder und Schwestern im gesamten Bundesgebiet damit vertraut zu machen?
Ganz gleich ob ZEIT, SPIEGEL, SÜDDEUTSCHE oder FAZ, der Blick über die ehemalige Grenze hängt meines Erachtens allein von der Herkunft der Redakteure ab. Der Osten ist dann gern auch gleich ihr Fachgebiet. Als hätten sie ein heimliches Lager Knusperflocken im Schreibtisch und immer einen Stasi-Witz auf den Lippen.

Bei der Leipziger Volkszeitung liegt das Problem woanders. Ihr als einziger Tageszeitung in der Stadt (plus BILD) ist bereits Ende 1991 die belebenden Konkurrenz abhanden gekommen. Geblieben ist ein Leserstamm, ganz klar von ostdeutschen Sichtweisen geprägt. Die ihm aber wegen der redaktionellen Zusammensetzung nicht immer gegeben werden. Dass die LVZ ein Bezirksorgan der SED war, macht die Schublade noch enger. Bei der Freien Presse (Chemnitz) gab oder gibt es meines Wissens eine Art Quotierung, dass soundso viel Prozent der Redakteure pro Ressort aus dem Osten sein sollten. Das klingt albern, so 20Jahre danach und so, scheint mir aber sinnvoll. Es geht ja bei diesen Lokalzeitungen nicht nur darum, die lokalen Größen und deren Werdegang zu kennen. Deren Bedeutung einschätzen zu können. Das spielt auch bei der Auswahl der Themen durchaus eine Rolle, bei Bezügen auf Denkweisen, Theorien, Erlebnisse, Erfahrungen. Die Ahnungslosigkeit westdeutscher Autoren über das Umfeld, in dem sie sich bewegen, ist leider immer wieder nachzulesen. Nicht immer liegt die Ursache für ein Befremden auf der Hand. Kennt man den persönlichen Hintergrund, wird es plötzlich klar.
Ich halte Ostdeutsche in diesem Sinn für zweisprachig, sie haben immer schon besser gewusst, was im Westen wie abläuft, als das umgekehrt der Fall war. Wie immer gibt es Ausnahmen.
Vielleicht kann man das von überregionalen Blättern nur bedingt erwarten. Bei Lokalzeitungen aber ist das regelrecht gefährlich - zumindest für die Auflage.

Ich sehe das Problem, dass Leser, die sich in ihren Heimatblättern nicht gespiegelt sehen, lieber gar nicht mehr lesen. Eine Gefahr für die Demokratie?

Herzlich
kk
lausemädchen schrieb am 16.03.2010 um 23:20
ein berg von problemen ...nu machen se mal!
Joachim Petrick schrieb am 17.03.2010 um 00:09
Lieber JA,,
Sie schreiben:
"...In Leipzig wird es um das geteilte Land und die Medien gehen: Warum gucken und lesen die Ossis immer noch anders als die Wessis. Zwanzig Jahre später. Ist das schlimm? Oder gut? Oder egal?..."

da fehlt mir die Frage an den Ossi in uns allen:
"Was ist, wenn der Ossi an der der Elbe, Oder, Saale, Unstrut, schwarzer, weisser Elster, Havel, Spree, Elde schon immer anders geguckt, gelesen hat als die Wessis der Main- Rheinkultur?

War der Osten nicht immer eine Leerstelle für den katholischen Westen, der sich bei näherer Betrachtug und Beachtung noch stets als Lehrtselle entpuppt?

tschüss
JP
goedzak schrieb am 17.03.2010 um 07:59
Diese Erinnerung an andere unüberbrückbare, nur heute weniger beachtete Ost-West-Differenzen ist verdienstvoll! Und wenn man dann noch an das Nord-Süd-Gefälle (auf beiden Seiten!) denkt...
Magda schrieb am 19.03.2010 um 11:07
@ JP - "Was ist, wenn der Ossi an der der Elbe, Oder, Saale, Unstrut, schwarzer, weisser Elster, Havel, Spree, Elde schon immer anders geguckt, gelesen hat als die Wessis der Main- Rheinkultur?"

Ich weiß nicht, was da ist, aber ich weiß, dass das so ist und immer schon so war. Die Ossis haben mit Begeisterung "Westen" geguckt, nichts anderes, wenn sie nicht müssen. Erst jetzt - bei den MDR-Wiederholungen - gucken wir uns die alten Krimifolgen immer wieder an. Und warum? Aus einer merkwürdig-ironisch-gebrochenen Nostalagie.

Die Fixierung zu DDR-Zeiten auf den Westen trieb herrliche Blüten. Ich kann mich gut erinnern, wie ein junger Mann in der Straßenbahn seinem Kumpel erklärte: Nächste Woche muss ich zum Bund. Er meinte natürlich die NVA. Unglaublicher Glaube herrschte bei den Leuten. Was die alles durften, die Fernsehleute. Nur, wenn man beruflich oder auch politisch interessiert, näher hinguckte, sah man die "Schere im Kopf", die es auch dort gab. Und - es gab darüber auch öffentlich-mediale Debatten. Heute ganz selten geworden.

Wenn es um die Gegenwart geht, dann fällt mir auf, dass die Ossis noch immer das Fernsehen viel zu ernst nehmen, vor allem, weil viele ja auch das Privatfernsehen mögen und da hat das seine problematischen Seiten.
Magda schrieb am 17.03.2010 um 09:37
Sie fragen: "Warum gucken und lesen die Ossis immer noch anders als die Wessis. Zwanzig Jahre später. Ist das schlimm? "

Schlimm nicht, aber dieser Satz legt ja auch schon fest, wass "normal" ist und was "das Andere" ist. Es geht vielleicht gar nicht anders...aber ist doch verwunderlich.

Mal ein Link:
www.freitag.de/community/blogs/magda/ex-oriente-lux?searchterm=Ex+oriente+lux
Da habe ich aus einem aktuellen Anlass heraus mal drüber gewitzelt.

In dem Scherzbeitrag sind einige andere ganz gute Links, zum Beispiel über eine Studie des "rheingold-instituts über die Ostdeutschen mit sehr beeindruckenden Sätzen.

www.neues-deutschland.de/artikel/158319.unbeugsame-erfahrungsueberlegenheit.html

Da findet sich auch allerlei Bedenkenswertes.

Mal sehen ob mir noch was einfällt.

@ kay.kloetzer - Als hätten sie ein heimliches Lager Knusperflocken im Schreibtisch und immer einen Stasi-Witz auf den Lippen.

Huch...herrlich.
Joachim Petrick schrieb am 18.03.2010 um 22:20
Hinschaukultur!
da gucke ich hin.
Danke!

tschüss
JP
Lee Berthine schrieb am 17.03.2010 um 10:35
Hallo Herr Augstein, lieber JA,
danke für die Infos und die Einladung an die Comm. Also wenn meine Infrastruktur es zulässt würde ich trotzdem gerne am Samstag dabeisein, ab 20.00h.
Maike Hank schrieb am 17.03.2010 um 11:48
Liebe Lee Berthine,
die Veranstaltung im Ballhaus Ost findet dieses Mal um 21:30 Uhr statt. Ich hoffe, Sie kommen trotz veränderter Uhrzeit.

Herzliche Grüße
Maike
goedzak schrieb am 17.03.2010 um 11:51
Lee Be., warum kommst Du dies- und kamst nicht letztesmal, nun können wir uns wieder nicht kennenlernen.
Lee Berthine schrieb am 17.03.2010 um 12:21
@ Maike Hank,
alles klar, mal schauen obs klappt.

@goedzak, na das weißt du doch, mach ich alles mit Absicht ;),
nee, keine Ahnung, ich überlass das meiste dem Zufall, wenn so sein soll, werden wir uns mal übern Weg laufen...:)
Lee Berthine schrieb am 17.03.2010 um 13:09
@ goedzak, zu oben, bitte entschuldige meine flapsige Art, ich bin allgemein oft ziemlich unverbindlich mit festen Verarbredungen oder Zusagen. Da ich aus Erfahrung weiß, dass es dann doch nicht so klappt, wie ich wollte, und ich so manchen Termin, so manche Veranstaltung verpasse, weil kurz vorher... und... auch noch... oder eben...
Aber ich fände es auch mal nett, dich persönlich kennenzulernen, trotz oder gerade wegen der Frisur (meine ist ganz ähnlich) und hoffe, das lässt sich bei einem späteren Freitagsalon mal realisieren! LG Lee
ed2murrow schrieb am 17.03.2010 um 11:52
Wer zahlt für die Kulturarbeit von morgen ...die Hoffnung auf das Grundeinkommen

Wenn ich diese Schnipsel nebeneinander setze, fällt mir unwillkürlich ein: Kunstbeamtentum und Beamtentum der Künstler. Und: Hat Kunst das nötig?
ich schrieb am 17.03.2010 um 14:46
Hallo Herr Augstein,

am Samstag werde ich wohl, zumindest am Abend, leider leider keine Zeit haben. Da das Thema mich aber sehr interessiert, hoffe ich dass tontechnisch mitgeschnitten wird und Magda wieder als Schriftführerin der Community agiert.

Was die selektive Kunstförderung von staatlicher Seite aus anbelangt bin ich da eher skeptisch, denn alle Kommissionen werden eben von Menschen besetzt, wodurch die Förderauswahl bei einem so subjektiven Thema wie Kunst auch immer verzerrt wird. Da kommt es dann nicht selten dazu, dass es eine größere Rolle spielt, welche Beziehung man zum Fördergremium hat, bzw. welcher Proporz sich zwischen den Geförderten ergibt. Selbst konnte ich schon Beobachtungen machen, dass zum Beispiel eine Arbeit einer Ex-Freundin eines Jurypräsidenten ausgezeichnet wurde, wobei die Arbeit auch noch durch dessen Vermittlung überhaupt erst zu Stande kam. Da stellt sich dann die Frage, ob man solche Verhältnisse noch befördern möchte.

Gleichzeitig finde ich es auch nicht schön in einer Gesellschaft zu leben, in der jene, die Relevante Themen behandeln jenseits des Existenzminimums leben, während eine andere Schicht etablierte Werke nur noch als Spekulationsobjekt betrachtet. Wenn man die ganzen Auktionserlöse die sich aus Kunst als Statusobjekt ergeben halbierte und das Geld für richtige Kunstförderung nutzte sähe die Sache wieder anders aus. Jetzt wo ich dies schreibe fällt mir da eine Kunstauktionssteuer ein. Das ist zwar etwas idealistisch, aber mal ein spontaner Debattenbeitrag. Dies wäre vor allem auch interessant, da bei Kunst der Gewinn wohl oft recht lange auf sich warten lässt (siehe auch nachfolgendes You-Tube-Interview). In einer der letzten Freitag-Ausgaben war in einem Text über Thomas Bernhard zu lesen:

»Wenn man bedenkt, dass Thomas Bernhard etwa für Ungenach 1968 pro verkauftes Exemplar 20 Pfennig bekam, für 15.000 Exemplare also ein Garantiehonorar von 3.000 DM – rund 1.500 Euro –, so fragt man sich, wovon sich ein Schriftsteller ernähren soll. Zum Vergleich: Das monatliche Durchschnittseinkommen eines Deutschen betrug damals knapp 1.000 DM (500 Euro). Demnach hätte Thomas Bernhard alle drei Monate ein Buch veröffentlichen müssen, um dieses Durchschnittseinkommen zu erreichen. Andererseits erfährt der Leser aus einem Brief Unselds, dass zum Beispiel von Samuel Becketts Molloy zwischen 1954 und 1968 gerade 2554 Exemplare verkauft wurden.«

Insofern würde die Aufgabe eben auch darin bestehen die zeitliche Verzerrung die durch die langfristige Verwertung von Kunst zu durch Kunstförderung entzerren. Wenn schon Van-Gogh nicht mehr von seinen Rekorderlösen profitieren kann, warum dann nicht zeitgenössische Künstler mittels eines entsprechenden Fonds, für den Auktionserlöse abgeschöpft werden?

Um mal eine konkretere Perspektive zu eröffnen, ein Beispiel aus einem Bereich der fast gar keine Förderung erfährt, der Comic-Kunst. Da könnte man im Vergleich zu Theater oder Film mit sehr wenig Geld echte Förderung betreiben, vor allem weil sich dort eine recht überschaubare Szene etabliert. Als Beispiel ein Interview mit der Berliner Comic-Zeichnerin Ulli Lust:



Da sehr viele Kunstschaffenden sowieso vom Staat indirekt gefördert werden (Künstlersozialkasse, ALG-II-Aufstocker) wären dort klarere Verhältnisse für die Künstler selbst produktiver. Grundsätzlich sollten die Förderinstrumente aber frei sein von den oben geschilderten politischen und subjektiven Einflüssen und möglichst breite Auswahlkriterien gestatten, die aber nicht völlig losgelöst von sonstigen gesellschaftlichen Legitimationskriterien (z.B. entsprechendes Studium, Vita oder auch Gemeinnützigkeit) sein müssen. Das Kapitel Sponsoring von großen Firmen blende ich jetzt mal aus, da es sich meiner Meinung mehr um ein Feigenblatt handelt, bei dem Kunstgewerbe schnell zum Gunstgewerbe wird.

Zum Thema staatlicher Kunstförderung durch ein defacto Grundeinkommen gab es in der Community auch schon einen Blogbeitrag der sich auf die Niederlande bezog: »Ein Grundeinkommen für Künstler im weitesten Sinne gibt es schon!« Falls Sie noch genügend Zeit für die Recherche haben sollten, wäre dies bestimmt ein interessanter Aspekt den man in die Debatte einführen könnte.

Ein weiterer Möglichkeit der Kunstförderung könnte auch der Long-Tail im Internet sein. Hier scheinen die Erfahrungen, zumindest in Bezug auf freiwillige Spenden im Bereich der Online-Comics jedoch nicht unbedingt in eine positive Richtung zu weisen. Dort ist eher der Trend zu beobachten, dass sich Künstler kommerzialisieren, also dem Massengeschmack entsprechen oder sich über Merchandising refinanzieren müssen.

MfG.
ich
goedzak schrieb am 17.03.2010 um 15:12
Da berührst Du ein paar wunde Punkte. Wichtiges Thema, exemplarisch über den Bereich der 'Kultur' hinaus.

Leider werde ich auch nicht hinfahren können.
ich schrieb am 17.03.2010 um 15:21
Du hattest einiges ja gestern schon im Blog von Magda angerissen, mit dem Satz: »Ihr könnt Euch ja gerne über diese Künstler aufregen, da gibt es solche und solche. Aber der weitaus größere Beschiss findet auf anderen Gebieten statt.«

Aber gerade deswegen sollte vielleicht eher in der Breite statt selektiv gefördert werden.
jayne schrieb am 17.03.2010 um 15:43
im bundestag wird gerade der aktuelle haushalt verhandelt, und in diesem zusammenhang hörte ich die glocken läuten, daß wohl mit kürzungen in bezug auf die stipendienprogramme für künstlerinnen und künstler zu rechnen ist, was die prekäre situation weiter verschärft. Zum andern wird es in den kommenden jahren mit der ausstattung der kommunen u.a. infolge von wachstumsbeschleunigungsgesetz und steuergeschenken an vermögende und wirtschaft deutlich schlechter bestellt sein - in verschiedenen städten wird schon nach praktikablen lösungen gesucht, um trotzdem die "freiwillige pflichtaufgabe kultur" wahrzunehmen: städte wie köln oder weimar erheben dafür beispielsweise touristikabgaben auf hotelübernachten, eintrittsgelder und dergleichen, andere kommunen denken über solche modelle nach ...
ich schrieb am 17.03.2010 um 19:20
Übrigens Herr Augstein, so wie Sie Ihre Zeitangaben ohne Punkt und Komma schreiben, da fühlt man sich glatt militärisch angesprochen. Wenn ich um Einundzwanzigdreißig nicht kann, trete ich vielleicht um Vierzehnhundert an. Jawohl Sir.

;-)
Jakob Augstein
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