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Liebe Leser,
am 16. Februar spreche ich im Freitag-Salon mit Egon Bahr. Mich interessiert besonders die Frage, ob Deutschland ein Land und eine Gesellschaft der Mitte bleiben kann. Oder zwingen uns Globalisierung, Euro-Krise und die zunehmende soziale Ungleichheit ein Land der Extreme zu werden – politisch, sozial und atmosphärisch?
Und was möchten Sie gerne von Herrn Bar wissen?
Über Anregungen und Fragen freue ich mich, wie immer sehr!
Ihr JA
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Diese Fragestellung ist schon brisant. Sie einem 'weisen, alten Mann' zu stellen, der, jedenfalls aus meiner Sicht, eher durch außenpolitisches strategisches Denken auffiel (das deutsch-deutsche rechne ich einfach mal darunter), kann sicher interessant werden.
Darum wäre mein Wunsch, die Frage als Thema auch tatsächlich durchzuhalten, sie noch zuzuspitzen. In den letzten Salons, die ich besucht habe, fiel mir auf, dass die Gespräche mehr so 'mäanderten'. Was natürlich auch seinen Reiz hat. |
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Wirklich interessant; zumal hier ja schon Titel auftauchten wie "Dreht die Mittelschicht durch?!"; die Mitte ist also nicht nur gefährdet, sie wird auch angefeindet.
Den Wegfall der Mitte muss man nicht nur an solchen großen Themen wie Euro-Krise festmachen, der ist auch schon im Kleineren spürbar, etwa wenn es um Arbeitsplätze geht: Mittelständler haben es schwerer Kredite zu bekommen, sie haben es schwerer sich gegen die Großen durchzusetzen und sie werden generell gerne übersehen. Was folgt ist das Extremerwerden, das Politische folgt dem Finanziellen. Das ist nicht gerecht, aber so ist das eben. |
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Ich möchte von Egon wissen (den ich so nennen darf, weil meine Mutter ihn Egon nennt, eine "Genossin" aus seinem Wahlkreis Flensburg):
- hast Du wirklich geweint, als Willy Brandt gehen musste, und wenn ja, warum? - sind die Grünen mit ihrem späteren Versuch, mehr Demokratie zu wagen, gescheitert und vom System absorbiert worden und wenn ja, woran? - ist die Demokratie-Bewegung der Ex-DDR gescheitert ein weiteres Jahrzehnt ebenfalls gescheitert und wenn ja, woran? - könnten die Piraten oder die digitale Generation im nächsten Anlauf mehr Demokratie erreichen oder droht der digitale Überwachungsstaat und wovon hängt das eine oder andere ggf. ab? Wenn das nicht zu weit weg ist vom Thema - aber das glaube ich nicht. LG CB |
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Sehr geehrter Herr Augstein
eigentlich ist Ihre Frage für Herrn Bahr doch einfach zu beantworten. Man muss sich nur mal ansehen in welches politische und wirtschaftliche Konzept wir genötigt werden. Und dieses Überstülpen des angloamerikanischen Konzepts mit seinen antidemokratischen weil plotokratischen Zügen hat m.E natürlich Auswirkungen auf alle Teile der Gesellschaft. Insbesondere auf die Mitte. Man muss nur einen Blick nach GB, weiten Teilen Lateinamerikas oder den USA werfen, um zu realisieren wie sich Deutschland, ja vielleicht ganz Europa entwickeln wird, wenn wir diese Entwicklung zulassen. Und das Zulassen oder nicht ist m.E. auch nicht nur der Punkt sondern die entscheidende Frage, wollen wir diese Entwicklung zulassen? Lassen wir sie zu, wird die Mittelschicht allen empirischen Beobachtungen zufolge mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kernschmelzen. freundliche Grüße Angelia |
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Das die Mittelschicht dahin schmelzen wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Es sei denn, das Geldsystem crasht vorher. Dann hätten wir die Möglichkeit, ein vollkommen, ideologiefreies System zu errichten. Nur fürchte ich, die Menschen werden dazu nicht fähig sein.
Alternativen zu den Ideologien gibts jedenfalls genug! |
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"Alternativen zu den Ideologien gibts jedenfalls genug!"
jo, so lange es nicht wieder irgendwelche anderen Ideologien die uns aufgedrängt werden sollen.... |
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Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt. Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte, der sich im allerkleinsten Kreise dreht, ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht. Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein, geht durch der Glieder angespannte Stille - und hört im Herzen auf zu sein. |
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Welche Frage ich noch spannend finde ist, ob die Mitte sich aus dem politischen Prozess entnervt zurückzieht oder ob sie hinaus gedrängt wird.
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Obwohl das sicherlich zum mäandern führen könnte, würde ich gerne wissen:
Wie steht Herr Bahr (oder Egon, was immer beliebt) zur rüstungsindustriellen Entwicklung in Deutschland und zu der neuerdings auch militärisch aktiven Position. Wenn ich mich recht erinnere hat er lange Jahre genau gegen derartige Sachen gearbeitet. Hat er Vorstellungen davon wie dieser Militarismus wieder abzubauen wäre usw. |
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@ abghoul - da hänge ich mich dran.
Und meine Anfrage wäre: Gehörte zur "Mitte" nicht das, was Egon Bahr immer und ausdauernd gepflegt hat: Verhandeln, Reden, Ausgleichen, Kompromiss suchen und "back channeling". "Wandel durch Annäherung" - diese Formel stammt von ihm und er hat sie strikt mit durchgesetzt. Es gab hinterher dafür auch Anwürfe und Kritik, aber ist nicht alles, aber auch alles besser, als diese neue Kriegsrhetorik und neue Kriegs-Begründungen. Gehört zur einer Gesellschaft in ihrer Mitte nicht besonders die Option für den Ausgleich - was geschieht mit einer Gesellschaft,wenn sie den Kompromiss verachtet und die Konfrontation verehrt. |
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Danke Magda,
sorum gesehen verliert sich die Anfrage wegen der Haltung zum Krieg garnicht mit dem Grundthema. "Was geschieht mit einer Gesellschaft, wenn sie den Kompromiss verachtet und die Konfrontation verehrt" Finsteres Bild Magda, die Farben braucht man nicht um sich das auszumalen, das wird wohl in Schwarz/Weiß enden. Und viel Weiße Farbe wird man da auch nicht brauchen... |
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Die Vorredner haben es schon gut beschrieben. Nicht das OB scheint die Frage zu sein, sondern man kann (dem Empfinden nach) tatsächlich schon dazu übergehen, es zu behaupten und dann die Frage direkt zuspitzen, wie diese anrollende Lawine noch abgemildert und ausgebremst werden kann. Die Mitte verliert sich. Atomisiert in ihre Bestandteile, weil ihr von beiden Seiten der Boden entzogen wird. Natürlich geht es nicht gut. Aber die Frage ist dabei, wie lange und umfassend muss es denn schlecht gehen. Da wäre ja vielleicht noch etwas zu retten, wenn man Lawinensperrzäume gegen die Unvernunft aufbaut.
Die Frage an Herrn Bahr würde für mich lauten: Herr Bahr, die (bürgerliche und finanzielle) Mitte zerstäubt, alle fühlen es, alle wissen es - alle reden, warnen, jammern, aber nichts ändert sich!... Welche Art von Politiker braucht es, die mit welcher Macht ausgestattet sein müssten, um vom Reden in eine so umfassende konkrete Richtungsänderung zu kommen, dass man dem Ganzen wenigstens die Spitze nimmt und Hoffnung keimen lässt: Es richtet sich wieder! ? Können Sie diese Hoffnung schenken? Haben Sie Vorstellungen dazu, gar passende Namen? |
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"Welche Art von Politiker braucht es... "
genau, ich finde diesen Ansatz gut. Würde aber konkret nach der Art der Spitzen-Politiker fragen. Was mich interessiert ist, ob ein Spitzenpolitiker, der sich weder mit der Idee von Europa noch mit europäischen Gesellschaftsideen ( Verfassungen wie das GG, Demokratie, sozialer Marktwirtschaft) identifieren kann, überhaupt adäquate Lösungen finden kann. Mein Eindruck seit langem ( genau seit dem Spanferkelessen mit Bush im July 2006) ist z.B., dass Frau Merkel sich mit Amerika, konkret mit den Republikanern identifiziert. Und deren Politik steht ja nun mal diametral zur europäischen. Ich meine, wenn man hysterische Anfälle bekommt, sobald das Wort sozial vorkommt, muss man sich vielleicht nicht wundern, dass sich die Schere zwischen Arm und Reich in D immer weiter öffnet. Was ja auch viel mit der Verteilung von Chancen und Risiken zu tun hat. |
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Wer zu sehr auf die Mitte schielt, verliert die Ränder aus dem Blick. Zunächst wäre einmal zu definieren, wer zur Mitte gehört.
- Sind die Mitte diejenigen, die in einem bestimmten Korridor liegen, was ihr Familieneinkommen betrifft? - Ist die Mitte das sogenannte Bürgertum, gut ausgebildet, apolitisch, angepasst, Eigenheimbesitzer, liberal bis spießig, mehr grün als Schwarz/Rot - Zielt die SPD auf die Mitte, also bleibt sie auf Schröder-Kurs? - Ist die Mitte nicht schon besetzt, entweder durch die CDU bzw. die Grünen? - Zerfasert die Mitte in einer pluralistischen Gesellschaft in ein kleinteiliges, nicht mehr identifizierbares Gebilde? - Repräsentieren die Linken nicht die neue Mitte, weil sie zumindest die richtigen Fragen stellen? - Ist der Wutbürger ein verzweifelter „Mittelständler“, der sich zumindest dann organisiert, wenn es um Großprojekte vor seiner Haustür geht? - Warum wehrt sich die Mitte nicht gegen die soziale Ungerechtigkeit, obwohl sie mit am stärksten betroffen ist? - Spiegeln unsere Politiker die Mitte wider oder sind sie von der Mitte gar enttäuscht, weil sie für ihre Arbeit nicht wertgeschätzt werden. - Wird die Mitte von den Politikern immer dann ins Spiel gebracht, wenn sie nicht mehr weiter wissen? |
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schrieb am
07.02.2012 um 13:27
Was ist Mitte? Was ist rechts?
Wenn man einen Kreis zeichnet, in die Mitte einen Punkt setzt,welcher fix ist - und dann zieht man den Kreis nach rechts: Wo ist dann der Punkt? Nach heutigem politischem Begriffverständnis war die NSDAP eine Partei der damaligen "Mitte", weil sie "mainstream" war. Ich glaube, sie hatte über 5Mio. Mitglieder (SPD und CDU zusammen derzeit noch nicht einmal eine Million). Sicherlich sind im Osten ganze Landstriche braun. (Erst Obrigkeitsstaat, denn NS-, dann DDR-Diktatur, jetzt jung und arbeitslos. Wundert man sich?) Aufgrund dessen, daß gezielt vor ein paar Jahren der Sozialdarwinismus gefördert wurde ("Es gibt kein Recht auf Faulheit" - G. Schröder bzw. "Wer nicht arbeitet, soll auch nichts essen" - F. Müntefering) hat sich auch rechtsextremistisches Denken im Westen breit gemacht. Ich darf vielleicht auch erinnern, daß schon kurz nach Beginn des sog. Neoliberalismus in der alten Bundesrepublik die "Republikaner" sich gründeten und 1989 ins Berliner Abgeordnetenhaus einzogen wie sie auch in den 90er Jahren mit über 10% Stimmenanteil zwei Legislaturperioden im Stuttgarter Landtag saßen. |
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"Oder zwingen uns Globalisierung, Euro-Krise und die zunehmende soziale Ungleichheit ein Land der Extreme zu werden – politisch, sozial und atmosphärisch?"
ist ja ein frage, wie sich die konstrukte: deutschland, europa (in westen, osten, süden, norden), globalisierung in welchem zeitraum angleichen in sachen soziale ungleichheit. deshalb würde mich interessieren was eben der stratege denkt, wie lange es (noch?) braucht, damit sich die verhältnisse angleichen, um a: den sozialen wettbewerb nach unten zu beenden und b. was man politisch strategisch tun muss, um diesen prozess zu beschleunigen? |
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www.berliner-zeitung.de/politik/egon-bahr-im-interview-egon-bahr-warnt-spd-vor-grosser-koalition,10808018,11604946.html
Das fand ich interessant, weil es ja weniger die Sorge um die Mitte ist, die ihn vielleicht umtreibt, sondern mehr, dass Merkel der SPD die linken Themen wegnimmt. |
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Abgesehen von den schoenen Anekdoten ist das tolle an so gestandenen Grand Senioren ja immer auch die unmittelbare Zeitzeugenschaft; die sich daraus ergebenden Vergleiche, die daraus gezogen werden koennen.
Egon Bahrs Meinung zu der zunehmenden personellen "Professionalisierung" in der Politik wuerde mich interessieren. Was hat sich am Politischen Betrieb veraendert, dass er zum Sprungbrett fuer Managerpositionen in die Wirtschaft werden konnte? Der Staat als Beute, wie konnte das passieren? Wie nimmt er die momentane Position Deutschlands in der EU – dieses tumbe "Wir sprechen alle Deutsch" der Parrerstochter aus der Brandenburgischen Steppe – wahr? Welche Weichenstellung waere jetzt notwendig, um noch Schlimmeres zu verhindern; bzw. wo koennte angesetzt werden um einer zunehmenden, allseitigen Verrohung entgegenzuwirken? |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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