Jakob Augstein

der Freitag

17.10.2011 | 15:28

Freitag Salon: Europa und die Finanzkrise

Liebe Leser,

 

am 20. Oktober findet im Berliner Gorki Theater der nächste Freitag Salon statt.

Es geht um Europa und die Finanzkrise.

Meine Gäste sind der Finanzwissenschaftler Giacomo Corneo und der Literaturwissenschaftler Joseph Vogl, Autor des Buches "Das Gespenst des Kapitals".


Wir fangen um 1930 Uhr an. Kommen Sie gerne alle - und wenn Sie mir vorher noch mit auf den Weg geben, was ich die Herren fragen soll, freue ich mich um so mehr.

 

Ihr JA

 
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Kommentare
Gold Star For Robot Boy schrieb am 17.10.2011 um 16:03
Was spricht gegen eine Abtrennung des Investmentbankings vom klassischen Filial- und Kreditgeschäft ?

Was spricht gegen eine satte Finanztransaktionssteuer ?

Warum wird Spekulation mit Lebensmitteln nicht verboten ?

Wie kann wirkungsvoller gegen Steuerflucht und missbräuchliche Steuervermeidung vorgegangen werden ?

Wer erklärt den Bürgern Credit Default Swaps ?

Wer stoppt die Wetten auf Staatspleiten ?

Warum darf Joe Ackermann seinen Geburtstag im Kanzleramt feiern ?
FOXEL schrieb am 17.10.2011 um 22:55
Ergänzung: Wieso kann "Werbung" nicht abgeschafft werden (oder besteuert werden) in Zeiten, die jedem die technologischen Möglichkeiten bieten, sich zu jeder Zeit über das Angebot auf den Märkten zu informieren?
Gerhatd Klefenz schrieb am 21.10.2011 um 16:45
Es gibt keine Finanzkrise, alle sind pleite.
Gemäß Zentralbanken , IWF, Ratingagenturen, Lehre und Gefolgschaft, genügt es zum Erhalt des Währungssystems offensichtlich dass man bestimmtes Papier bedruckt.
Unterschlagen wird in der Lehreund bei den Zentralbanken, welchen Einfluss die Gesamtverschuldung auf die in Umlauf gebrachte Geldmenge haben muß. Die Gemsamtverschuldung ist nirgendwo festzustellen, die Rechnungsprüfung wird offensichtlich nirgendwo durchgeführt. Wenn es nachden Besitzverhältnissen ginge, müssten Chinesen und Japaner den Präsidenten der USA wählen.
Alle Demokratien haben nach dem Vorbild der USA den Staatserhalt in der Verfassung stehen und auch das Widerstandsrecht für die BRD s.GG 20
Geldermann schrieb am 17.10.2011 um 16:30
Gibts denn eine Übertragung - stream, podcast?
Meine Frage: Wie kann man einem Brunnenfrosch das Meer erklären?
Anders gefragt: Können Sie sich das Leben ohne Geld vorstellen? Und kann es sein, dass Geldschöpfung an sich, das Dilemma ist, wenn es in die Hände von Einzelnen abgegeben wird?
Also: Gehört Geldschöpfung in die Hände des Volkes und Zinswucher verboten?
j-ap schrieb am 17.10.2011 um 16:41
Frage: Warum heißt das Ding bis heut' »Finanzkrise«?

Antwortversuch: Damit es sich besser verdrängen läßt, daß die »Finanzkrise« gar keine Krise der Finanzen, sondern der Kapitalakkumulation ist. Aber an der habt ihr Winkelreformer ja auch gar nichts auszusetzen, weshalb ihr gezwungen seid, euch die Krisenhaftigkeit als alleiniges Phänomen der Zirkulationssphäre zurecht zu konstruieren — wozu dann auch die entsprechenden Demo-Slogans vom getrigen Tage passen, die sich konsequent in der ideellen Umgebung der »Brechung der Zinsknechtschaft« und sonstigem Gesellianer-Scheiß bewegen.
Giuseppe Navetta schrieb am 17.10.2011 um 17:39
@j-ap

Ist ja alles richtig, aber unter den Protestierenden sind mehrheitlich doch nicht nur überwiegend Gesell-Jünger zu finden, deren Ansichten ich ebenfalls für recht problematisch empfinde!
Giuseppe Navetta schrieb am 17.10.2011 um 17:39
@j-ap

Ist ja alles richtig, aber unter den Protestierenden sind mehrheitlich doch nicht nur überwiegend Gesell-Jünger zu finden, deren Ansichten ich ebenfalls recht problematisch empfinde!
Giuseppe Navetta schrieb am 17.10.2011 um 17:40
@j-ap

Ist ja alles richtig, aber unter den Protestierenden sind mehrheitlich doch nicht nur überwiegend Gesell-Jünger zu finden, deren Ansichten ich ebenfalls recht problematisch finde!
j-ap schrieb am 17.10.2011 um 22:42
Ich frage mich ja zunehmend, auf welchem Planeten ich lebe, Herr Navetta.

Soweit ich das erkennen kann, hat der Protest mittlerweile seine Generallinie in Bezug auf die ökonomische Minimalforderung gefunden, auf die sich allemal jeder einigen könne: die »Finanzwirtschaft« soll wieder (!) zur Dienstleisterin der berühmten »Realwirtschaft« werden; und damit die Finanzer gar nicht erst in Versuchung kommen, wieder mit dem Teufel namens »fiktives Kapital« (das Schindluder, das mit dem Begriff mittlerweile getrieben wird, verursacht nur mehr Hautausschlag) zu buhlen, soll ihnen der Souverän alle Wege bis auf den gewünschten in die »Real«wirtschaft durch ein Machtwort ohne Kassationsmöglichkeit (die würde nämlich wieder nur »Lobbyisten« verleiten, die volontée générale zu unterminieren) abschneiden.

Jetzt mal von allen theoretischen Feinheiten abgesehen nur aufs Gröbste gesehen: wo haben diese lustigen Leut' die letzten mindestens fünfzig Jahre (so ungefähr post-Keynes/Sraffa) gelebt? Hinterm Uranus?

Das, was da gefordert wird, ist seit mindestens einem halben Jahrhundert durch mancherlei notwendiges Auf und Ab hindurch passiert und war auch schon im 19. Jahrhundert usus — so wie unter kapitalistischer Ägide ein Milliardenheer an billiger Surplusbevölkerung in die Welt gesetzt, leidlich ausstaffiert und ernährt wurde und ihren jeweiligen Nationen als willkommenes Mittel ihrer Konkurrenz gedient hat, so ist seit Anfang der 1980er-Jahre jede noch so abenteuerlich anmutende Aufblähung fungibler Kredittitel mittelbar in die Produktionsausweitung geflossen, die genau die ganz reale Überproduktion erzeugt hat, die jetzt — aber auch erst jetzt, in der Krise! — die Kapitalrenditen gefährdet.

Und da erweist sich der globale Volksaufstand fürs Zurück zum »echten Geld«, zur »realen Wirtschaft«, zum »nachhaltigen Wachstum«, gegen den »Zinswucher« und so weiter als originäres Krisen-Nachrüstungsprogramm, das auch der Bundesverband der deutschen Industrie mit Wohlwollen begleiten kann, denn einen realen Fabrikherrn hat noch nie mehr interessiert, als auch weiterhin ohne Gefährdung des Geschäftsgangs ganz real soviele Leute ausbeuten zu können, daß die Bilanz stimmt — und eben die Gefährdung stünde in Aussicht, wenn diejenigen, die ihm den Kredit für seine schöne Fabrik gewährt haben, fallieren.

Die Frage ist also: Wie verdienen die realsten Fabrikdespoten aller Zeiten wieder so viel Geld, daß die Ausbeutung wenigstens einen »gerechten« Lohn abwirft? Na zum Beispiel, indem die Couponabschneider und Zinsparasiten erledigt werden, mit denen man die schönen Profite teilen muss!

Und die theoretische Begleitmusik zu diesem grandiosen Regreß liefern Leute wie der Gorkitheater-Debütant Joseph Vogel, der in seinem jüngsten Buch kurzerhand an seinem Gegenstand bestreitet, was er erklären müßte, indem er dem Leser versichert, daß an der Börse ohnehin nichts anderes zusammenkracht als bloße Einbildungen von Brokern und Bankern.

Ist die Sache erstmal dergestalt auf den Hund gekommen, liegt auf der Hand, warum anschließend die üblichen Inflationsheiligen mit den entsprechenden »Lösungen« aufwarten, die, man weiß es wohl, sowieso nur wieder auf Verstaatlichung hinauslaufen werden.
Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 01:49
@j-ap
Ich fürchte, Sie haben in vollem Umfang Recht, dass an der Börse mehr zusammenkracht als bloße Einbildungen von Brokern und Bankern.
Ich fürchte weiter, die global aufgestellte Finanzaristokratie mit ihrem politisch bisher unangefochtenen Geschäftsmodell der undurchsichtigen Vereinigung von Privatkunden- und Investmentbanking- Geschäft schickt sich an, den Staaten der Welt, voran den Staaten der Eurozone, deren bisherige jahrhundertlange Art der Refinanzierung durch die Ausgabe von Staatsanleihen mit dem Ziel zu vermasseln, in die Verwertung des ungeheuer riesig hochgestapelten Vermögens der Sozial- , Gesundheits- , Vorsorgesysteme dieser entwickelten Staaten zu schreiten..
Wolfram Heinrich schrieb am 18.10.2011 um 08:58
@j-ap
Ich frage mich ja zunehmend, auf welchem Planeten ich lebe, Herr Navetta.

Schönen Dank für das Aussprechen einiger Selbstverständlichkeiten, die aber anscheinend kaum einer noch wahrnehmen will. Es treibt einem die Tränen in die Augen, wenn Linke den guten Kapitalismus gegen den bösen verteidigen, ganz so, als sei zwischen beiden kein innerer Zusammenhang.

Ciao
Wolfram
Giuseppe Navetta schrieb am 18.10.2011 um 13:57
@j-ap

Die Systemimmanenz der erwähnten "ökonomischen Minimalforderungen", Reformen oder Reregulierungen sollte einen ja nicht wirklich verwundern, ist sie so doch selbstredend. Dennoch kann man die Forderungen nach Reregulierung, strengerer Regulierung oder gar Verstaatlichung der Finanzwirtschaft innerhalb des Systems als gerechtfertigt oder sinnvoll nachvollziehen - allerdings in diesem systemimmanenten Zusammenhang eben. Das dies dann weder oder nur sehr vermittelt/bedingt etwas mit einer neuen gesellschaftlichen Utopie oder gar mit einem großen Neuentwurf der politischen Ordnung zutun hat, bedarf ja keiner großen Diskussion. Das man aber mehr als genervt/gelangweilt davon sein kann, dass einem Marktversagen versus Staatsversagen als alleiniges Gedankengebäude oder einzig existierende Alternative vorgegaukelt wird, kann ich sehr gut nachvollziehen. Überhaupt erscheint es mir problematisch oder eben auch natürlich, dass eine sich dem Machtphänomen entziehende systemkonforme politische Ökonomie privatwirtschaftliche und staatliche Sphäre so strikt zu trennen vermag - würde sie das nicht tun und würde sie "machtbewußt" die Eigentumsverhältnisse hinterfragen, würde sie sich in ihre eigenen normativen Widersprüche verwickeln bzw. sie offen legen müssen.

Die Deregulierung der Finanzwirtschaft sollte immer nur im Zusammenhang der neoliberalen Hegemonie analysiert werden, ansonsten wird der privaten Finanzwirtschaft lediglich der schwarze Peter zugeschoben, um weiter dem sogenannten "Muddling Through", denn zu nichts weiterem führt neoliberale Wirtschaftspolitik mit all ihrem Privatisierungs- und Deregulierungswahn mittelfristig und in Zeit finanzwirtschaftlicher Dominanz auch kurzfristig.

Mit besten Grüßen
Giuseppe Navetta
Giuseppe Navetta schrieb am 18.10.2011 um 14:08
"...um weiter dem sogenannten "Muddling Through" Vorzug zu geben..."
Gerhatd Klefenz schrieb am 21.10.2011 um 16:13
Frage, gibt es in der community einen RA mit Zulassung zum BGH ?
Gruß
Gerhard Klefenz
iDog schrieb am 21.10.2011 um 22:35
hallo j-ap, die "Krise der Kapitalakkumulation" ist das Problem - sehe ich auch so. Vielleicht meine ich es anders als du - das weiss ich nicht so genau. Bei mir heisst das Ding "Guthabenkrise" ... das Ende der berüchtigten Exponenten. Faites vos jeux - Rien ne va plus - und das mit System.

Wie nun angehen diesen offensichtlichen Systemfehler? Gesellschaft ohne Geld oder Geld ohne Gesellschaft?
Gibt es kreative Ansätze oder dramatisieren wir die systematische Destruktion nur unnötig?
Achtermann schrieb am 17.10.2011 um 17:40
Die Verursacher dieser Kapitalismuskrise sind die Politiker, die die Banken in die Lage versetzten, sich vom üblichen Kreditmarkt ab- und den Spekulationsgeschäften zuzuwenden. Im Jahre 2003 wurde auf gemeinsame Initiative der Bundesregierung (ROT-GRÜN) und 13 der bedeutendsten dt. Banken vereinbart, das Verbriefungsrecht einzuführen. Den Banken wurde damit der Freibrief über den Tresen geschoben, seriöse und faule Kredite bündeln und verhökern zu können. Die Geldhäuser gingen dazu über, Kredit auf Kredit zu vermitteln. Sie mussten sich kaum noch um deren Rückzahlung kümmern. Die Abschlussgebühren waren jedenfalls sicher. Dumme gab es zuhauf, die solches Zeug kauften. Darauf konnte man noch Termingeschäfte legen, also vereinbaren, zu einem bestimmten Zeitpunkt das Bündel zu einem bestimmten Wert zurückzukaufen. Dem Karussell der Spekulationen und der Wetten wurde das Tor sperrangelweit geöffnet und dazu noch der rot-grüne Teppich ausgerollt.

Die Politiker wollen nun keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Keiner geht ans Mikrofon und bekennt:

Wir haben Scheiße gebaut.
Wir haben unsere Wähler belogen und betrogen.
Wir haben die Parität beim Krankenversicherungsbeitrag aufgehoben.
Wir haben die Renten teilprivatisiert.
Wir haben den Weg zum Lohndumping freigemacht.
Wir haben den Menschen vorgegaukelt, diese Maßnahmen dienten der Standortsicherung.
Wir haben den Spekulationsmarkt angeheizt, weil die "Investoren" nicht mehr wussten, wohin mit dem Geld.

Stattdessen heucheln sie, gerade SPD und Grüne, Solidarität mit den Demonstrierenden. Es ist zum Kotzen.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 17.10.2011 um 19:56
Und alle im Chor: ES IST ZUM KOTZEN !
Achtermann schrieb am 17.10.2011 um 22:08
@ Gold Star For Robot Boy

Niemand braucht für diesen verbalen Spontanauswurf einen künstlerisch-musikalischen Leiter. Eine Orchestrierung meines Wehrufs ist entbehrlich.
blog1 schrieb am 17.10.2011 um 23:37
Die Heuchelei gehört zum politischen Geschäft. Wenn sich jemand der führenden Politiker morgen hinstellen würde und den Leuten reinen Wein einschenken würde, wäre er morgen seinen Job los. Die Wähler in ihrer Mehrheit erwarten zwar eine glaubwürdige Politik, strafen aber diejenigen ab, die eine solche vertreten, ergo bekommen sie solche Personen geliefert, die sie besonders eloquent belügen. Man könnte auch behaupten, wir haben genau die Politiker, die wir verdienen.
Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 02:02
AchtermannDie Politiker wollen nun keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Keiner geht ans Mikrofon und bekennt:

Wir haben Scheiße gebaut.
Wir haben unsere Wähler belogen und betrogen.
Wir haben die Parität beim Krankenversicherungsbeitrag aufgehoben.
Wir haben die Renten teilprivatisiert.
Wir haben den Weg zum Lohndumping freigemacht.
Wir haben den Menschen vorgegaukelt, diese Maßnahmen dienten der Standortsicherung.
Wir haben den Spekulationsmarkt angeheizt, weil die "Investoren" nicht mehr wussten, wohin mit dem Geld.

Stattdessen heucheln sie, gerade SPD und Grüne, Solidarität mit den Demonstrierenden. Es ist zum Kotzen.“

Genau so ist es und noch viel schlimmer.
Sarah Wagenknecht spricht im gesunden Zorn von der Finanzmafia.
Ihrem Zorn tret ich bei, ihrer Analyse dagegen nicht, weil die Politik die weltweit agierend vagabundierende Finanzmafia in der hier beschrieben Form über eine Art politisch gesetzgeberischer Waschanlage wundersam in den Adelsstand der Finanzaristokratie gehoben hat.
Wer hat uns verraten?, es waren nicht holländische Tomaten, es waren die Finanzaristokraten!“

Wer will uns weiter beraten und verladen?
Jetzt alle!

FINANZARISTOKRATEN!!“

Demokratie geht nicht mit Leiharbeitspersonal!“
Demokratie geht nur?
Jetzt alle!

„Mit STAMMPERSONAL!

Wer ist das STAMMPERSONAL?
Das VOLK
Wer ist das VOLK?
Jetzt alle!
„Wir sind das VOLK!“

„Weg mit dem Überhang an Leiharbeiter Qual!
claudia schrieb am 18.10.2011 um 07:37
>>Die Verursacher dieser Kapitalismuskrise sind die Politiker,...<<
So bewegen wir uns im Kreis herum:
Schuld sind die Politiker. Die sind schuld, weil sie mit "Parteispenden" von Firmen/Wirtschaftsverbänden und "Beraterveträgen" sanktionsbewehrte Transferleistungen annehmen. Sankionsbewerhrt, weil eine jährliche Spende, wie auch die "Beraterveträge" jederzeit beendet werden können, wenn die Partei/der/die Abgeordnete nicht spurt.
Also sollten wir die Lobbyisten abwählen. Die sind aber nicht wählbar, denn wir würden sie ja gar nicht wählen, wenn sie zur Wahl stünden. Also appellieren wir an "die Politik", doch einfach mal nicht der kapitalistischen Lobby zu gehorchen, um den Kapitalismus nicht in die Krise zu treiben, worauf sie natürlich nicht hören, weil sie auf das Geld von Kapitalisten scharf sind.

Jetzt habe nicht gezählt, wieviele Katzen sich da wieder in wieviele Schwänze gebissen haben.
Aber so wie oben beschrieben nehme die zikularen Diskussionen wahr.
claudia schrieb am 18.10.2011 um 07:50
bescheiden wie ich bin hab ich wieder mal das "ich" weggelassen:

>>Jetzt habe nicht gezählt, wieviele Katzen sich da wieder in wieviele Schwänze gebissen haben.
Aber so wie oben beschrieben nehme die zikularen Diskussionen wahr.<<
=
Jetzt habe ich nicht gezählt, wieviele Katzen sich da wieder in wieviele Schwänze gebissen haben.
Aber so wie oben beschrieben nehme ich die zikularen Diskussionen wahr.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 19.10.2011 um 22:19
Das sollte bloß eine ironische Anspielung auf das sog. multi-voice repeat der occupy Demonstranten sein.
pleifel schrieb am 17.10.2011 um 18:27
Nichts bei den Banken und Versicherungen läuft außerhalb der Bücher. Selbst internationale Niederlassungen, Fillialen oder jedwede Beteiligung muss in der konsolidierten Bilanz erscheinen. Die Frage ist nur, wie Bewegungen deklariert werden!

Worauf will ich hinaus? Eigentlich auf nichts Neues.
Meine Forderung (Fragen) lautet(en), Geldströme nur noch an Waren und Dienstleistungsgeschäfte zu binden. Jede Transaktion muss sich daraufhin überprüfen lassen.

Natürlich muss es weiterhin Export/ Import Währungsabsicherung geben. Bürgschaften, Garantien und Versicherungen gegen Ausfall und Untergang ebenfalls. Aber hier müssen diese Geschäfte in den Büchern des Originärs verbleiben. Ein Weiterverkauf zwecks Hebelgeschäfte wird verhindert.

Sämtliche nichtöffentlichen Geldvermehrungs,- verwaltungs,- und spekulationseinheiten werden stillgelegt, abgewickelt, bzw. in öffentliches Eigentum überführt.

Als Endergebnis wird es nur noch eine "langweilige Finanzwirtschaft" geben, die zu nichts anderem da ist, als Geld zu verwalten, zu buchen und an die Stellen zu bringen, wo die Realwirtschaft es braucht.

Soviel zum Einstieg.
blog1 schrieb am 17.10.2011 um 21:22
Ihr gedanklicher Ansatz ist richtig. Sie werden nur schnell merken, dass die ausschließliche Kopplung von Finanzgeschäften an die Realwirtschaft schwierig umzusetzen sein wird. Auch die Finanzindustrie behauptet, Teil der Realwirtschaft zu sein. Dennoch sollte man daran arbeiten.
Dass das aktuelle Finanzsystem zusammenbrechen muss, ist aus meiner Sicht unausweichlich. Die Frage stellt sich, wie erfolgt der Zusammenbruch und wie geht es danach weiter. Derzeit laufen so genannte Rettungsversuche, dass jetzige System mit leichten Modifikationen zu erhalten. Aufgescheucht durch die weltweiten Proteste, mögen sie auch noch dilettantisch sein, versuchen die Politiker jetzt den schwarzen Peter auf die Banken abzuwälzen, nachdem sie vorher versucht haben, einen Rettungsschirm nach dem anderen aufzuspannen, um etwas zu retten, was man gar nicht mehr retten kann. Der Point if no return ist längst überschritten. Nur daran glauben die Herrschaften nicht. Das Zauberwort heißt Inflation. Die Notenpressen laufen auf Hochtouren. Noch haben die Besitzstandswahrer das Sagen und sie werden ihren „Chefsessel“ nicht freiwillig räumen.
Der Geldadel, d.h. die reichsten 10% hat im vergangenen Jahr massiv Geldvermögen in Sachwerte umgeschichtet. In München ist der Immobilienmarkt praktisch leergefegt.
pleifel schrieb am 17.10.2011 um 23:10
@blog1
Die Finanzindustrie behauptet viel. Im Übrigen gibt es keine Finanzindustrie. Das Wort ist in sich ein Widerspruch (Oxymoron?). Hier wird ja nichts produziert!
Die Problematik und die Manipulation der öffentlichen Meinung (führend die Bild, ich vermeide bewusst das Wort Zeitung), besteht darin, dass man uns immer einredet, die Bankenrettungen wären für uns Normalbüger.

Wenn es aber darum geht festzustellen, um welche Gläubiger es sich bei den Banken denn handelt, dann beginnt das große Schweigen.
Und die Entscheidungen zur Stütze werden quasi außerdemokratisch in kleinen Gremien gefällt.

Hier ist mir die letzte Aussage von JA sympathisch, der sich auf Sarah Wagenknecht bezieht und von der Finanzmafia spricht.
wmkommentar schrieb am 18.10.2011 um 07:18
Mit
www.lust-auf-neues-geld.de
geht es danch weiter
Streifzug schrieb am 17.10.2011 um 19:29
...das Gespenst des Kapitals ist universell auffindbar...

pleifel schrieb am 17.10.2011 um 19:47
schöne Analogie!
blog1 schrieb am 17.10.2011 um 23:12
So ist das. Jeder denkt an sich, nur ich denke an mich. Und immer sind die Frauen mit im Spiel.
Thomas K schrieb am 18.10.2011 um 03:15
Tja, was tut Mann nich für die Frauen ;-)
lucubro schrieb am 17.10.2011 um 21:02
warum redet niemand von finanzwirtschaftskrise, woher die verkürzung auf finanzkrise und schon bald wirtschaftskrise?

einen kahn auf den eisberg fahren können müsste man, um sich sogleich als neuer kapitän anzubieten.
EnidanH schrieb am 17.10.2011 um 21:18
Ich sehe das ähnlich radikal wie Vogl, ich sollte aber besser realistisch statt radikal sagen, es handelt sich nicht um eine Ausnahmeerscheinung (die Häufung der Ereignisse spricht auch gegen die These der Ausnahmen), es ist schlichtweg das System selbst. "Finanzkrise der EU" ist ein Teil der Spitze des Eisberges. Da nun so ein System nicht aus Maschinen besteht, sondern aus Menschen, muss gefragt werden "Was kann man tun?", da wir das imgrunde wissen lautet die Frage "Warum tun wir es nicht bzw. warum tun wir etwas gegen Räson und Vernunft und Ethik?". Warum kaufen wir bis wir umfallen, warum konnte ein Monster namens Kapitalwesen entstehen, warum rennen wir den Märkten hinterher anstatt sie sinnvoll zu nutzen? Ich will darauf hinaus, dass an diesen Punkt DAX-Zahlen usw. nicht viel nutzen, sondern die Psychologie des Menschen, wieso beispielsweise glauben wir an ein stetes Wachstum, obwohl der Verstand etwas anderes sagt? Und was muss noch geschehen, dass wir aus dieser "Illusion" erwachen?
Popkontext schrieb am 17.10.2011 um 22:12
@EnidanH
"wieso beispielsweise glauben wir an ein stetes Wachstum," Weil es uns so erzählt wurde, dass das die einzige Wahheit ist. Ein Bauer im Mittelalter hatte andere "Wahrheiten", weil seine Lebensrealtät anders war. Dafür ist er anderen ideologien aufgesessen, die er für "normal" hielt.
EnidanH schrieb am 17.10.2011 um 22:32
Wir aber leben in einer Informationsgesellschaft mit Presseberichten, das lässt sich schlecht vergleichen mit einem Bauern des Mittelalters. Wer in der Schule aufgepasst hat wird wissen, dass Ressourcen endlich sind und einem Geldschein ein Wert gegenüberstehen sollte.
j-ap schrieb am 18.10.2011 um 08:39
@ Popkontext schrieb am 17.10.2011 um 22:12

Wäre das so simpel, wie Sie schreiben, und hinge die ganze Chose der gesellschaftlichen Synthesis an einer bloß irgendwie blöden »Vorstellung«, die sich die Leut' von ihr machen, dann bestünde die Revolution ja schlicht in einem didaktischen Hinweis der Art: Hallo ihr da, aufwachen!

So ist es aber leider nicht.

Jeder Staat (ja, jeder!) setzt gewaltsam eine Eigentumsordnung in die Welt. Durch diese gewaltsame Setzung sind all die nützlichen Dinge überhaupt erst Waren (statt bloße Gebrauchsgegenstände, die man sich halt nimmt, wenn man sie braucht), die gesellschaftliche Zugriffsmacht auf sich ziehen, um den Anschluß, der durch die Eigentumsordnung gesetzt wird, überwinden zu können: Wer ein Ding als Ware haben will, der kann eben nicht sagen »ich will, weil ich brauche«, sondern der muß Geld auf den Tisch legen, um dafür zu bezahlen. Kein Geld —keine Ware, ein angemeldetes Bedürfnis nach einem nützlichen Ding jedenfalls reicht keineswegs hin, um an es zu kommen.

Und das bringt uns auch zur Frage, weshalb alle daran so willig mitmachen:

Weil alle den bürgerlichen Staat, seine Institutionen, die Ordnung, die er in die Welt setzt, das Geld, die Arbeit, den Arbeitslohn usw. usf. nutzen müssen, machen sie den verkehrten Übergang, sich zu diesen Dingen so zu stellen, als wären es tatsächlich ihre Lebens-Mittel!

Und weil das so ist, verzichten sie beispielsweise mal auf Lohn(erhöhungen), um ihren Arbeitsplatz zu »sichern«; denunzieren »faule« Kollegen; regen sich über nichtsnutzige Chefs auf, die der Firma nicht genug Gewinne erwirtschaften; fordern Politiker auf, sich etwas mehr um den Kapitalstandort zu kümmern und so weiter — eben weil sie etwa die Lohnarbeit als ihr Mittel behandeln wollen, soll ihr »Arbeitgeber« und die Nation den kapitalistischen Erfolg haben, der dafür Bedingung (aber keineswegs Garantie) ist, daß sie auch weiter Lohnarbeit haben!

Daher kommt die historisch ungebrochene Staatstreue insbesondere der Arbeiterklasse.
Magda schrieb am 18.10.2011 um 10:37
Lieber j-ap - auch Sie machen es sich zu einfach mit Ihrer pauschalen Menschenverachtung.
EnidanH schrieb am 18.10.2011 um 11:12
"ERST KOMMT DAS FRESSEN, DANN DIE MORAL."

Das war lediglich mein Ansatz in dieser "Brainstorming-Runde".
Kann man teilen, muss man nicht. Ich finde nur, wenn man sich gründlich mit dem Thema beschäftigt dann stößt man früher oder später auch auf die psychologischen Motive der Menschen (neben den Formalien der Gesellschaft). Der Menschen die spekulieren, weil ihnen das den Kick gibt und sie frei von jeglichem Staatseingriffen diesen Kick betreiben, und man findet auch die konsumierende Seite, die alle 3 Jahre ein neues Auto haben will, weil der Nachbar auch eines hat. Das gehört alles dazu. Auch ich muss mich fragen ob ich Dinge kaufe, weil ich sie brauche oder meine sie brauchen zu müssen, und ich muss mich fragen wo ich diese Dinge kaufe. Das ist meine Verantwortung und gleichzeitig meine Macht, denn das Finanzsystem zu regulieren kann ich als Normalbürger nicht, das müssten eigentlich die Politiker tun.

Um auf obiges Zitat zu kommen, ich denke wir haben genug gefressen und anderen auch die Ressourcen vom Teller gegessen, es wird Zeit für Moral.
j-ap schrieb am 18.10.2011 um 14:08
Hallo Magda,

wo genau haben Sie denn hier »Menschenverachtung« erkannt?

Habe übrigens bei meinen Erläuterungen noch etwas vergessen, nämlich: die Politiker. Warum machen die bei diesem Zinnober so berechenbar wie zuverlässig mit?

Die platte, landläufige und falsche Antwort: Weil sie »gekauft« worden sind. Dabei machen Politiker das, was sie machen, sogar dann so, wie es machen, wenn man sie überhaupt nicht bezahlt.

Politiker sind nämlich dem »Wohl des Volkes« verpflichtet und das ist keine Lüge, denn sie meinen es damit völlig ernst: »das Wohl des Volkes« ist eine ganz allgemeine Bestimmung, d.h. eine, die von jedem konkreten Interesse absieht; gemeint ist daher auch nie das konkrete Wohlergehen eines konkreten Gattunsexemplars Mensch, das da im Land zufällig herumlebt, sondern das Wohl der Nation.

Praktisch besteht die Aufgabe der Politiker darin, das ganze schöne Land von hinten bis vorne, von oben bis unten zu einem möglichst tauglichen und attraktiven Kapitalstandort herzurichten und aufzumöbeln, mithin also den Kapitalstock der Nation zu hegen und zu pflegen, aufdaß er in den Himmel wachse. Es ist Politikern nie darum zu tun, daß es konkreten Menschen konkret gut geht, sondern das daß BIP zunimmt, also der addierte wealth of nation es zu neuen Höhen bringt: das ist das Kriterium, das sich ihre Tätigkeit als Maßstab gefallen lassen muß.

Diese Verwechslung über die tatsächlichen Aufgaben eines Politikers gibt auch meist den Anlaß zu bitteren Auseinandersetzungen: während die Regierten glauben, es ginge um ihr je eigenes Wohl, wenn vom »Wohl des Volkes« und der Verpflichtung der Politik darauf die Rede ist und die Politik dieser gewähnten Pflicht wieder einmal nicht nachkommt, wittert das politische Personal nicht völlig zu Unrecht allüberall Undank und Ressentiment, wenn es sich zwar Jahr und Tag den Arsch aufreißt, um das Land »gut aufzustellen« und »wettbewerbsfähig« zu machen, aber dafür am End wieder nur zu hören bekommt, daß »die da oben« die Regierten gar nicht mehr ernst nehmen.
Wolfram Heinrich schrieb am 18.10.2011 um 14:12
@Magda
Lieber j-ap - auch Sie machen es sich zu einfach mit Ihrer pauschalen Menschenverachtung.

Wo siehst du in j-aps Beitrag Menschenverachtung, gar pauschale?
www.freitag.de/community/blogs/wolfram-heinrich/pauschal

Ciao
Wolfram
Phineas Freek schrieb am 18.10.2011 um 15:27
„WEIL alle den bürgerlichen Staat, seine Institutionen, die Ordnung, die er in die Welt setzt, das Geld, die Arbeit, den Arbeitslohn usw. usf. nutzen MÜSSEN, machen sie den verkehrten Übergang, sich zu diesen Dingen so zu stellen, als WÄREN es tatsächlich IHRE Lebens-Mittel!“

Hallo Josef,

Und genau da sind wir wieder bei diesem vertrackten Übergang „bürgerlicher Köpfe“, dem gesetzten Zwang und SEINE notwendige Lebenspraxis nicht nur ALS die einzigen tauglichen und nützlichen Werkzeuge eigener Interessenverfolgung (verkehrt) zu DENKEN, sondern diese dann auch noch offensiv und praktisch einzufordern.

Der gewaltsam durchgesetzt Zwang, nämlich alles „gesellschaftliche Treiben“ der Erfüllung fremder (Eigentums)Interessen JEDERMAN zur unausweichlichen Voraussetzung zu machen, ist doch die Crux moderner Herrschaft und einziger Inhalt demokratischer Sklavenpraxis!

Grüsse
Phineas
shalako schrieb am 18.10.2011 um 15:35
EnidanH schrieb am 17.10.2011 um 21:18

"...wieso beispielsweise glauben wir an ein stetes Wachstum,..."

Weil wir uns vermutlich nicht genügend mit der Frage der Grenzen des Wachstums befasst haben.

de.wikipedia.org/wiki/Die_Grenzen_des_Wachstums
Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 16:18
@

"Praktisch besteht die Aufgabe der Politiker darin, das ganze schöne Land von hinten bis vorne, von oben bis unten zu einem möglichst tauglichen und attraktiven Kapitalstandort herzurichten und aufzumöbeln, mithin also den Kapitalstock der Nation zu hegen und zu pflegen, aufdaß er in den Himmel wachse. Es ist Politikern nie darum zu tun, daß es konkreten Menschen konkret gut geht, sondern das daß BIP zunimmt, also der addierte wealth of nation es zu neuen Höhen bringt: das ist das Kriterium, das sich ihre Tätigkeit als Maßstab gefallen lassen muß."

Sie präsentieren hier Ihre Mutma0ung in einem Furor, als ob Sie die Wirklichkeiter der Poltiker/innen abbilden.

Woher nehmen Sie den Optimismus, dass die Politiker/innen hierzulande und andernorts nicht in Teilen ganz anderen Zusammnehängen, ganz anderen damen/Herren dienen, als der Vostellung, dem Ziel, z. B. den Standort Griechenland, Deutchland, den Euro Raum nicht nur zu schützen, sondern als Braut, die sich traut, der Weltwirtschaft anzuhübschen?
Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 16:19
@j-ap

"Praktisch besteht die Aufgabe der Politiker darin, das ganze schöne Land von hinten bis vorne, von oben bis unten zu einem möglichst tauglichen und attraktiven Kapitalstandort herzurichten und aufzumöbeln, mithin also den Kapitalstock der Nation zu hegen und zu pflegen, aufdaß er in den Himmel wachse. Es ist Politikern nie darum zu tun, daß es konkreten Menschen konkret gut geht, sondern das daß BIP zunimmt, also der addierte wealth of nation es zu neuen Höhen bringt: das ist das Kriterium, das sich ihre Tätigkeit als Maßstab gefallen lassen muß."

Sie präsentieren hier Ihre Mutma0ung in einem Furor, als ob Sie die Wirklichkeiter der Poltiker/innen abbilden.

Woher nehmen Sie den Optimismus, dass die Politiker/innen hierzulande und andernorts nicht in Teilen ganz anderen Zusammnehängen, ganz anderen damen/Herren dienen, als der Vostellung, dem Ziel, z. B. den Standort Griechenland, Deutchland, den Euro Raum nicht nur zu schützen, sondern als Braut, die sich traut, der Weltwirtschaft anzuhübschen?
j-ap schrieb am 18.10.2011 um 18:15
@ Phineas Freek schrieb am 18.10.2011 um 15:27

»Der gewaltsam durchgesetzt Zwang, nämlich alles „gesellschaftliche Treiben“ der Erfüllung fremder (Eigentums)Interessen JEDERMAN zur unausweichlichen Voraussetzung zu machen, ist doch die Crux moderner Herrschaft und einziger Inhalt demokratischer Sklavenpraxis!«

Exakt, Phineas.

Und dies Verhältnis hat in den entfalteten, entwickelten kapitalistischen Gesellschaften zwischenzeitlich gar eine Eskalationsstufe erreicht, daß es unter »zivilisierten« Staatsbürgern erst gar keine anderen Interessen mehr gibt als solche, auf die die öffentliche Gewalt des Souveräns sich längst bezogen und zur unhintergehbaren Voraussetzung gemacht hat, weshalb die davon Betroffenen dann die totale Staatsgewalt untereinander als »Schiedsrichter« tatsächlich brauchen — weil sie sich andere Zustände als diese noch nicht einmal mehr vorstellen können!

Und wer darauf hinweist, daß es sehr wohl ganz anders ginge, der kann von Glück reden, wenn man ihn bloß als Spinner, Träumer, Utopisten, Eskapisten, Schizophrenen, Misanthropen, Spalter oder was auch immer abwimmelt, denn sollte sich jemand erdreisten, den Übergang von schönen Worten zur Praxis wirklich zu vollziehen, dann wird er schlagartig mit berühtem Gewaltfrage konfrontiert — gerade so, als wäre der größte Leichenberg von allen nicht der blutigen Durchsetzung eben der Zustände zu verdanken, die man abschaffen will.

Grüße!

@ Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 16:19

Ich schreibe hier völlig gelassen und ohne jeden Furor, Herr Petrick. Aber es gibt halt Leute, die sich für die Sache selbst interessieren und nicht zwanghaft nach Gründen fahnden, sie einmal mehr zu verhimmeln, so wie Sie das tun.
Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 21:23
@j-ap

"Ich schreibe hier völlig gelassen und ohne jeden Furor, Herr Petrick. Aber es gibt halt Leute, die sich für die Sache selbst interessieren und nicht zwanghaft nach Gründen fahnden, sie einmal mehr zu verhimmeln, so wie Sie das tun."

Ist Ihnen jeder Furor in einer Sache , einem Thema fremd. Ihr Stil hier läßt mich eher das gegenteil vermuten?

Beispiel:

Wie kommen Sie denn mit Ihrem
"Kriechkritiker Furor"
pauschla darauf, dass ich zwanghaft nach Gründen fahnde, um einmal mehr jemanden zu verhimmeln?"
Wie wäre es mit einer Erläuterung, wie Sie das meinen, auch wenn es mir lieber wäre, Sie würden sich hier zur disklutierten Sache einbringen.
j-ap schrieb am 18.10.2011 um 22:41
Ja aber freilich kann ich Ihnen erläutern, was ich damit sagen will.

Wie Sie sich gewiß dunkel erinnern werden — so einfach ist das bei der sagenhaften Menge Text, die Sie im Laufe eines Tages produzieren, nämlich gar nicht —, haben Sie weiter oben (heute, 16:19 Uhr) geschrieben bzw. gefragt:
»Woher nehmen Sie den Optimismus, dass die Politiker/innen ... nicht ... ganz anderen Zusammnehängen, ganz anderen damen/Herren dienen, als der Vostellung, dem Ziel ...«
Haben Sie die Grundlage, von der ausgehend Sie Ihre Frage formuliert haben? Sie lautet so: die Demokratie könnte so schön sein und rund laufen, wenn da nicht einige Teile des sie bedienenden Personals im Verdacht stünden, gar nicht auftragsgemäß zu handeln, sondern sich Untreue und Parteiverrat leisten!

Sie haben sich neben und über der real existierenden Demokratie noch eine zweite, ideelle Demokratie erfunden und sich dies Ideal zum Kriterium zurechtgelegt, an dem gemessen sich die Realität umso offensichtlicher blamieren muß.

Fein raus ist hier nur die Sache namens Demokratie selber, denn egal, wie mies es den Leuten in ihr auch immer gehen mag, als Ursache der Misere kommen Sie nie auf etwas anderes als die Verletzung des Ideals, das Sie sich zu diesem Zweck eigens konstruiert haben: Ihr himmlisches »Reich der Freiheit« übersteht solche Anfechtungen völlig schadlos, denn für den Schaden verantwortlich kann nur mehr seine schlechte Verwirklichung sein.

Guten Abend.
Joachim Petrick schrieb am 19.10.2011 um 11:00
@

Jetzt sind wir, will mir scheinen, uns gerade ziemlich heillos zu verhaken.

waren Sie es nicht, der mit dem folgenden Text(s.o.) in, wenn auch unscharfes Bild, vom Ideal des Standortes pries und die Möglichkeit der Käuflichkeit von Politikern/innen weg in alle Ferne verwies, damit der Deutsche Bundestag noch immer nicht die UNO Charta gegen Korruption und Abgeordnetenbestechung zu ratifizieren braucht?

"Politiker sind nämlich dem »Wohl des Volkes« verpflichtet und das ist keine Lüge, denn sie meinen es damit völlig ernst: »das Wohl des Volkes« ist eine ganz allgemeine Bestimmung, d.h. eine, die von jedem konkreten Interesse absieht; gemeint ist daher auch nie das konkrete Wohlergehen eines konkreten Gattunsexemplars Mensch, das da im Land zufällig herumlebt, sondern das Wohl der Nation."
Phineas Freek schrieb am 19.10.2011 um 16:56
Ja Josef,
…die durchgesetzte Gewalt der stockenden „Akkumulationsmaschine“ westlichen Kapitals befindet sich darüberhinaus ja mittlerweile wieder auf der Stufe unmittelbar-militärischer Rückeroberung und Aneignung fremden Reichtums.
Während an der europäischen Peripherie wie aktuell gerade in Griechenland, der Krieg der „Zivilgesellschaft“ gegen das für die „marktwirtschaftliche Verwertung“ überflüssige Menschenmaterial NOCH nicht offen geführt wird, ist DIESER andernorts schon in vollem Gang – wie in Libyen,
wo der offenen Raub fremden Reichtums und der koloniale UNMITTELBARE Zugriff auf die Rohstoffe, nun auch zum faschistischen und genozidalen Vernichtungsfeldzug gegen die zukünftig wertlose und sowieso nur störende Bevölkerung mutiert ist.
Und zu den ideellen Supportern dieser barbarischen Massenabschlachtungen muss man wohl auch leider dieses, vermutlich vollständig unter NATO-Kuratel gestellte, Blatt Freitag rechnen.

WARUM SOLLTE DIESE VERSCHISSENE, QUASIFASCHISTISCHE UND KORRUPTE „ZIVILGESELLSCHAFT EIGENTLICH NICHT “ZUGRUNDE GEHEN!

j-ap schrieb am 19.10.2011 um 22:25
Zu Deiner Frage am Schluß, Phineas:

Ich weiß es auch auch nicht. Und nicht nur ich weiß es nicht, sondern die »Zivilgesellschaft« selbst hat es hinsichtlich ihrer eigenen triftigen Existenzbegründung noch nie weiter gebracht als bis zu einer Negativlegitimation à la »Ja wollt ihr vielleicht den nackten Kampf aller gegen alle?« — ganz so, als wäre der jetzige Zustand der allgemeinen und totalen Konkurrenz (die durch dessen hoheitliche Indienstnahme ihren Charakter keineswegs verliert, sondern im Gegenteil dadurch erst dauerhaft gemacht wird!) etwas ganz anderes.

Es ist schon was dran an der Formulierung von Marx, daß die Abschaffung dieser Zustände den Punkt markiert, an dem der Mensch aus seiner archaischen Vorgeschichte aus- und in die Geschichte überhaupt eintritt.
Magda schrieb am 20.10.2011 um 11:25
@ j-ap - Praktisch besteht die Aufgabe der Politiker darin, das ganze schöne Land von hinten bis vorne, von oben bis unten zu einem möglichst tauglichen und attraktiven Kapitalstandort herzurichten und aufzumöbeln, mithin also den Kapitalstock der Nation zu hegen und zu pflegen, aufdaß er in den Himmel wachse. Es ist Politikern nie darum zu tun, daß es konkreten Menschen konkret gut geht, sondern das daß BIP zunimmt, also der addierte wealth of nation es zu neuen Höhen bringt: das ist das Kriterium, das sich ihre Tätigkeit als Maßstab gefallen lassen muß. "

Tatsache? Das ist ja ein Ding. Danke danke.

@ Wolfgang Heinrich - ich sehe diese Menschenverachtung in der theoretischen Belehrungswut, die j-ap an den Tag legt. Damit zensiert er dauernd die sicherlich hin und wieder theoretisch unkorrekten Protestteilnehmer.
Mich berührt das sehr, sehr unangenehm. Dazu gehört noch die allgemeine Unterschätzung des Wissensstandes anderer Leute. Das nervt mich hin und wieder.
j-ap schrieb am 20.10.2011 um 13:37
PS an Phineas:

BREAKING NEWS: Gaddafi 'captured' as rebel forces take control of Sirte (Daily Mail)

(Gefunden via Reuters vor zehn Minuten.)
Phineas Freek schrieb am 20.10.2011 um 15:47
…habe leider nicht so viel Zeit, um alles notwendige hier berücksichtigen zu können…nur soviel: die libysche Résistance hat vor knapp 2 Wochen schon selber angekündigt, dass das Natopack und ihre bevorzugten PR-Agenturen wie Reuters (einer der übelsten Dreckschleudern), AP oder AFP mit diesen„Knüller“ kommen werden MÜSSEN –nämlich dann, wenn alle Stricke reißen!
Wir erleben doch schon seit einigen Monaten eine bisher beispiellose und fast lückenlose Indienstnahme so gut wie aller westlichen „Medien“ und Abteilungen der „Zivilgesellschaft“ für diesen Krieg.

Nicht nur als parteiliche Speerspitze und Propagandist dieses Vernichtungsfeldzuges, dessen Bevölkerungsschützende Maßnahmen mittlerweile 2% !! der Gesamtbevölkerung ausgerottet und mittlerweile dass ganze Land in die Steinzeit gebombt haben.
Sondern auch als WILLIGE Produzenten künstlicher „Wirklichkeiten“.

Das Ausbleiben des wesentlichen Kriegszieles (die Vernichtung der störenden Souveränität zwecks Ersetzung einer Genehmen), wurde und wird DURCH mediale Inszenierung UND Kontrolle aller westlichen Nachrichtenagenturen in den Rang unumstößlicher Wahrheit GESETZT!
(Das davon auszugehen ist, dass die mehrheitliche Anerkennung (in der UNO) dieser neuen Souveränität - die unter Aussetzung aller formalrechtlichen Voraussetzungen durchgepeitscht wurde - NICHT durch diese plumpen Fälschungen und Täuschungen vonstatten gegangen ist, stellt den (für mich) und von keiner „Öffentlichkeit“ in Frage gestellten klärungsbedürftigen Gegenstand dar!).

Der aus allen Teilen der Welt zu Tausenden eingeflogene Abschaum (entschuldige bitte meine emotionale Ausdrucksweise) aus professionellen Mördern, Islamisten- und Al Kaida-Fraktionen aller Schattierungen, konnte außer den mittlerweile apokalyptischen Zerstörungen noch nicht einmal ansatzweise die Kontrolle über dass Land gewinnen.
Dieses GANZE Land befindet sich im Krieg und in über 80-90% des Landes regieren die Stämme und der verbündete grüne Widerstand – das gilt übrigens auch für Tripolis!

Außerdem sind diese Schlachter und „Rebellen“ untereinander so heillos zerstritten im Kampf um die erplünderte Beute, dass man sich bis heute noch nicht einmal auf eine „Regierung“ einigen konnte!

Diese „Rebellen“ erleiden eine Niederlage nach der Anderen, ihre gesamte ehemalige Struktur versinkt immer mehr in blutige Kämpfe um Anteile und zukünftige „Beteiligungen“.

Und fast unmittelbar nach dem 3000!! Marines für Clintons PR-Auftritt und Mordaufruf gegen Gaddafi ein kleines Areal irgendwo in Libyen(?) freimachen und sichern mussten, wird heute der Tod des bösen Potentaten verkündet!

Und dass alles nachdem sich nachweisbar so gut wie ALLE Erfolgsmeldungen, Fernsehbilder und angebliche Reportagen an Originalschauplätzen, von den westlichen Agenturen und „Medien“ als Fake und billigstes Hollywood herausgestellt haben!
Darüber kann man sich auch ausführlicher im unten verlinkten Blog informieren!

hinter-der-fichte.blogspot.com/
silvio spottiswoode schrieb am 17.10.2011 um 22:41
Kann man sagen Vogl macht da weiter wo Marx aufgehört hat? Der Titel seines Buches "Das Gespenst des Kapitals" – in Anlehnung an "Das Gespenst des Kommunismus" (Marx) – ist jedenfalls gelinde gesagt ein grosser Wurf. Definitiv eines der spannendsten Bücher des Jahres.

Vogl sagt ganz klar, dass mit dem Glauben an die sich selbst-regulierenden Märkte ein gesellschaftlicher Religionsersatz verbunden ist, er nennt das «Oikodizee». (Die ökonomische Form der alten Kirchendoktrin der "Theodizee" – Leben-in-der-besten-aller-Welten, im Angesicht des Bösen.)
Vogl kritisiert die Durchdringung aller Gesellschafts- und Kultur-Bereiche mit Markt- und Wettbewerbsprinzipien; ablesbar beispielsweise an Begriffen wie "Human-Kapital".

Hier meine Fragen an Joseph Vogl:
An dem Punkt an dem wir jetzt sind, den ja auch Marx schon beschrieben hat, wo es zur "Selbstsozialisierung des Kapitals" kommt, (nach Marx und Rudolf Hilferding):
1///_ Warum sieht Vogl hier keine andere Alternative als "das System mit hohen Kosten zu RE-PRIVATISIEREN"?
Warum sieht er keine Möglichkeit in der Stabilisierung durch kollektive, staatliche Prozesse, in der Zerschlagung und Verstaatlichung der Bankenkartelle beispielsweise?

2///_Am Ende seines Buches spricht er vom "Überraschungsraum" in den wir uns hinein manoevriert haben. Wie kommen wir da wieder raus?
blog1 schrieb am 17.10.2011 um 22:55
Lieber Herr Augstein,
hier meine Fragen.
- Hat die Finanzkrise systemische Ursachen? Brauchen wir also ein komplett neu strukturiertes Finanzsystem oder genügen Korrekturen am bestehenden System?
- Bringen die Rettungsschirme wirklich etwas oder nur Zeitgewinn oder verschlimmern sie gar die Krise?
- Wer profitiert von der Krise und wer wird benachteiligt?
-Werden die Lasten aus der Schuldenkrise gerecht verteilt?
- Ist es ein Versagen ausschließlich der politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen oder trägt praktisch jeder Normalbürger dazu bei?
- Wie entlädt sich die Finanzkrise, über Inflation, Deflation, Rezession oder gar Depression?
- Wird dadurch ein Krieg wahrscheinlicher?
- Sind die Banken und andere Finanzdienstleister die Auslöser der Finanzkrise oder nur die Handlanger bzw. Erfüllungsgehilfen.
- Inwieweit begünstigt das bestehende Steuersystem das weitere Auseinanderdriften zwischen Arm und Reich?
- Hat die Einführung des Euro die Finanzkrise erst ermöglicht, begünstigt oder besteht kein innerer Zusammenhang?
- Brauchen wir einen Euro-Nord und Euro-Süd oder gar eine gemeinsame Wirtschaftsregierung?
- Hat die Finanzbranche noch einen realwirtschaftlichen Bezug oder hat sich hier etwas verselbständigt?
- Gibt es einen finanzwissenschaftlichen Ansatz, der unter Wissenschaftlern konsensfähig ist und dafür sorgt, dass solche Krisen künftig unwahrscheinlicher werden?
Ich hoffe, das genügt fürs Erste.
DeutscheDemokratischeMitte schrieb am 17.10.2011 um 23:47
Sehr geehrter Herr Augstein,
Ihre Bemerkung ( 3:50 ), die Finanzprobleme seien nur lösbar durch eine Entkoppelung der Spekulationsmärkte von den Realmärkten der Staaten und der Wirschaft stellt die einzige Möglichkeit dar, um die unerträgliche Verquickung Politik / Großkapital dauerhaft zu unterbinden. Ich habe dies in aller Ausführlichkeit ausgearbeitet im Beitrag "Finanzpolitik" unter www.ddm-009.de.
Das zentrale Problem ist, dass alle Erkenntnisse zu dieser Problematik allgemein bekannt sind ( insbesondere natürlich bei den agierenden Politikern ), sich aber niemand traut, konkrete Schritte zur Durchsetzung dieser Trennung zu unternehmen.
Mit freundlichen Grüßen,
bis zum 20.,
Hans Jochen Kittel.
Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 01:25
Lieber Jakob Augstein,
vielen Dank für Ihr Angebot, Fragen zum kommenden Freitags Salon zu hinterlegen,

Meine Fragen:

Warum ist die EZB, darin mit Bankern, wie Josef Ackermann einig, gegen die Einführung von Eurobonds?, wenn ja, seit wann und warum?

Könnte ein Grund sein, dass sich die EZB als Agentur der politischen Euro Akteure und deren Druck, vom reinen Beobachter des Weltfinanzmarktes, zum Akteur im Weltfinanzmarkt gewendet hat, weil die EZB nun selber Staatsanleihen von Eurostaaten und anderen Staaten? ankauft, verkauft, wieder ankauft, und damit versucht, sich durch Zinsunterschiede der Staatsanleihen im Euroraum über das Tagesgeschäft am Weltfinanzmarkt zu refinanzieren?

Mit Einführung des Eurobonds wäre dieses Zins Arbitrage Geschäft mit Staatsanleihen im Euroraum für die EZB beendet.

Droht den Staaten der Welt, voran in den Euro Staaten, beim Versuch der Refinanzierung über die Ausgabe von Staatsanleihen ein Käuferstreik durch die nationalen und internationalen Bank- Versicherungsinstitute, Pensionsfonds, Staatsfonds, wenn den Käufern dieser Staatsanleihen neuerdings vom Gesetzgeber die Hinterlegung von Haftungskapital im Wege einer zwangsweisen Aufstockung des Eigenkapitals aufgenötigt wird?

Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble betont verklausuliert auf Sicht die Notwendigkeit, der zwangsweisen Aufstockung des Eigenkapitals der Banken, Versicherungen.
Dass Bundesminister Dr. Wolfgang Schäuble damit meint, nun sei es mit dem Verzicht des Bankenaufsichtsamtes, den Käufern von Staatsanleihen, egal von welchem Staat, die Hinterlegung von haftungskapital zu ersparen, zu Ende, sagt er nicht.
Was den Banken in deren Handels- und Kreditvolumen Löcher ins Kontor Löcher haut, allerdings auch den Staaten deren Refinanzierung verteuert.

Josef Ackermann hat schon mal, ungefragt, erklärt, dass er grundsätzlich gegen eine zwangsweise Aufstockung des Eigenkapitals der Deutschen Bank ist.
Warum?,
weil das u. a. die gegenwärtigen Renditeversprechungen der Deutschen Bank in ihren Prospekten dementieren würde.

Wäre damit die jahrhundertlang bisherige Refinanzierungsgeschichte der Staaten der Welt ein für alle Mal Vergangenheit?

Werden die Staaten womöglich vom Weltfinanzmarkt gezwungen, sich in Elend und Wohlstand spaltend, schlicht und ergreifend als Sozial- und Vorsorgesystem aufzulösen?

Dagegen verblasst meine vorläufig letzte Frage zum Freitags Salon:

„Warum dürfen Banken ihr Eigenkapital mehr und mehr auflösen, niedrig veranlgen, um, wie die Deutsche Bank, den Anschein von hohen Renditen bis zu 25 % den Märkten vorzutäuschen, und auf dieser Renditebasis, steuerbefreit, Boni als Betriebskosten getarnt, für Manager auszuschütten?“

JP

Siehe:
www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/fragen-zum-freitag-salon-donnerstag-20102011-

Fragen zum Freitag Salon, Donnerstag 20/10/2011

18.10.2011 | 01:19

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/ackermann--schaeuble-im-kampf-der-finanz-giganten?

17.10.2011 | 13:48
Ackermann & Schäuble im „Kampf der Finanz Giganten”?
Haben wir eine Staatsschulden- oder eine Staaten Refinanzierungskrise?
Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 01:30
siehe auch:

www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/aktionstag-15oktober-2011-jochens-hamburger-rede

16.10.2011 | 00:35
Aktionstag 15.Oktober 2011 „Jochens Hamburger Rede!“
"Occupy Hamburg“
Joachim Petrick schrieb am 19.10.2011 um 01:22
"Occupy Hamburg" Video, Veranstaltung 15.10.2011

www.youtube.com/watch?v=FFLqAYgwdL4&feature=related

MInutenstand 24.03 "Jochens Hamburger Rede" in Auszügen zu hören
wmkommentar schrieb am 18.10.2011 um 07:04
Wenn die Böesenkurse fallen,
Regt sich Kummer fast bei allen.
Aber manche blühen auf,
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben
Treten selbst den Absturz los.
Den sie brauchen ganz famos.
Leichter noch bei diesen Taten
Tun sie sich mit Derivaten.
Wenn Papier den Wert frisiert,
Wird die Wirkung potenziert
Wenn in Folgen Banken krachen
Haben Sparer nichts zu lachen.
Und die Hypothek aufs Haus heißt:
Die Bewohner müssen raus
Triffts hingegen große Banken,
Kommt die ganze Welt ins Wanken.
Auch die Sekulantenbrut,
Zittert jetzt um Hab und Gut.
Soll man das System gefährden?
Nein, da muß eingeschritten werden.
Der Gewinn, der bleibt privat.
Die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite
Und das bringt erneut Profite.
Hat man doch in jenem Land
Die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
Hat der kleine Mann zu blechen.
Und das ist das feine ja
Nicht nur in Amerika.
Und wenn die Kurse wieder steigen,
Fängt von vorne an der Reigen.
Ist halt Umverteilung pur.
Stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
Das mal nicht mehr bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht.
Dann wird ein bisschen Krieg gemacht.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.10.2011 um 15:24
@ wmkommentar: witzig!!!!!!
Doris Brandt schrieb am 18.10.2011 um 09:35
Lieber Herr Augstein,

1. Sind Großbanken wirklich systemrelevant?

2, Wird der Begriff "Markt" gerade von der Politik richtig, also im passenden Kontext, genutzt?
(Ich habe oft den Eindruck, dass der Begriff absichtlich falsch anstelle von "Banken, Konzernen, etc." genutzt wird, um den Bürgern das Gefühl zu geben, es ginge um sie....)

Wäre hätte natürlich gern persönlich teilgenommen. Leider sprechen ca. 300 km dagegen.
Gruß aus HH!
Streifzug schrieb am 18.10.2011 um 09:48
Dran denken, damit die Frauenbrigade nichts zu meckern hat:
Die Ware will richtig verpackt sein.

Magda schrieb am 18.10.2011 um 10:12
Es gibt einen Hang zur sehr einseitigen Schuldzuweisungen:
Politik - Bänker - und zurück. Das ist sicherlich zu einfach.

Heute war ein ganz interessanter, auch ärgerlicher, Kommentar von Ursula Weidenfeld: zu diesem Hin - und Her zwischen Politik und Wirtschaft.

www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/1581434/

Aufgeregt hat mich daran, dass im Zuge dieser allgemeinen Schwarzen-Peter-Übung ständig die Rede ist vom "Über die Verhältnisse" leben, vom Schulden machen der Staaten. Kredite sind doch auch oft ein legitimes Mittel der Vorfinanzierung - auch für Staaten. Gemeint sind ja im Grunde immer nur die Sozialausgaben.

Die Wirtschaft ist - so liest man - im ständigen Wachstum. Deutschland kann überhaupt nicht klagen, hört man.
Die Schulden aber steigen ebenfalls ständig. Wieso eigentlich?
Wenn dieses Wachstum, wenn der Gewinn nicht allein in die Hände von "Shareholders" flösse, wenn die - konsequent regulierten - Finanztransaktionen auch ordentlich besteuert würden, dann gäbe es diese ständige Schuldenproblem gar nicht.

Ständig wird nur über die Ausgabenseite gemault. Die Staaten gäben zu viel aus. Wenn man aber auch die "Einnahmen" reden würde, also jene besteuert, die bis jetzt kaum etwas zum Etat eines Staates beitragen, dann wäre das Problem schon weniger brisant.

@ j-ap - Es ist sicherlich löblich, sich dem ganzen "System" analytisch zuzuwenden, nur damit bringt man keinen Hund hinterm Ofen hervor. So ist nun mal die Welt, in der auch Sie leben. Also: Aushalten.

www.freitag.de/community/blogs/magda/laute-aufklaerung-gegen-den-silent-coup

Hier ist noch was "Schlichtes" von vor über einem Jahr.

Und hier hat der olle Eppler, der sich mit einem Buch von seinen temporären Zeitgeistsünden freikauft, in der FES geäußert.

www.freitag.de/community/blogs/magda/eine-bildungsreise-zu-erhard-eppler

Auch das ist recht zusammenfassend.
shalako schrieb am 18.10.2011 um 15:54
Lieber Herr Augstein,

ich hätte gern gewusst, weshalb man so gar nichts mehr von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die HSH-Nordbank hört, und ob in der Geschäftsleitung der Firma Prevent (seinerzeit in Security-Angelegenheiten für die HSH tätig) immer noch ehemalige hochkarätige Hamburger Polizeibeamte - u.a. spezialisiert auf organisierte Kriminalität - sitzen?
Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 16:27
@shalako

"ich hätte gern gewusst, weshalb man so gar nichts mehr von den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen die HSH-Nordbank hört, und ob in der Geschäftsleitung der Firma Prevent (seinerzeit in Security-Angelegenheiten für die HSH tätig) immer noch ehemalige hochkarätige Hamburger Polizeibeamte - u.a. spezialisiert auf organisierte Kriminalität - sitzen?"

Danke für diese Frage!

Wie sieht es aus auf dem Gerhardt Hauptmann Platz zu Hamburg vor der HSH Nordbank Zentrale?

siehe:

occupyhamburg.wordpress.com/
OCCUPY HSH Nordbank

occupyhamburg.wordpress.com/medienberichte/

Jochens Hamburger Rede . Min 5.18 Min
Joachim Petrick schrieb am 18.10.2011 um 16:43
ganz genauer Link:

www.youtube.com/watch?v=I8CgZ0iwL30

siehe Jochens Rede in kurzem Auschnitt, Minutenstand ab 5. 18 Min
Gerhatd Klefenz schrieb am 19.10.2011 um 11:01
Heute wird an den Universitäten der westlichen Welt die Lehre der Volkswirtschaft nach den Regeln des Wettbewerbs gelehrt, die Lehre der Volkswirtschaft muss den Erhalt des Staates zur Grundlage haben.
Erreicht wird dies, indem die Wissenschaft bei den Darstellungen, Berechnungen und Publikationen einen wesentlichen Faktor weglässt .
Die Lehre der Volkswirtschaft geht z.B. grundsätzlich von Vollbeschäftigung aus.
Bei dem Gutachten eines amerikanischen Professors einer amerikanischen Eliteuniversität, wurde ein Marktgesetz unterschlagen : „ Alles was im Überfluss existiert, verliert an Wert „, so ist es auch mit der Arbeitskraft.

Der Gesetzgeber hat natürlich die Aufgabe die Kräfte zu regulieren, dafür wird er gewählt.

Die Abhängigkeiten verhalten sich konträr zur Lehre. Grundsätzlich leben Staat und Wirtschaft
in einer Symbiose, was die Abhängigkeiten betrifft, ist der Staat für die heimische Wirtschaft in der Regel nicht nur größter Absatzmarkt, sondern als Institution, Armee, Öffentlicher Dienst und Gesundheitswesen etc. auch größter Auftraggeber. Was wären in der BRD Firmen wie Siemens, Daimler, MAN,VW, die Pharma – und Energieunternehmen ohne den Saat und was haben Wirtschaft, Wissenschaft und Politik aus allem gemacht. In der BRD sitzen die Lobbyisten in den Parlamenten von Bund und Länder und die Parlamentarier und Professoren in den Aufsichtsräten.

Diese Lehre ist verfassungswidrig und verletzt GG Artikel 5 Absatz 3.

Was die Wirtschaft unterstützt von Wissenschaft und Politik treibt, ist absoluter Irrsinn.
Man vernichtet nicht nur das gesetzliche Sozialversicherungssystem, sondern auch die eigenen Absatzmärkte.

Gerhard Klefenz

PS.: Anbei Fakten konträr zur Lehre:
Um etwas in die Soziaversicherungen einzahlen zu können, benötigt man einen Arbeitsplatz. Seit dem Zeitpunkt seit dem die Zahl der realen Arbeitslosen höher ist als die Zahl der offenen Stellen, hat der Demographische Faktor keinen Einfluss auf die Finazierung der Sozialversicherungen. Die Höhe der Einkommen stehen im direkten Verhältnis zu zu Erhalt.
Immer weniger Beitragszahler und immer geringere Einkommen führen zum Kollaps.
shalako schrieb am 19.10.2011 um 14:51
"Immer weniger Beitragszahler und immer geringere Einkommen führen zum Kollaps."

Und dieser Kollaps ist beabsichtigt.

Siehe hierzu:

>Mit dem Sozialstaat stirbt die Demokratie

Eine Erinnerung an die Weimarer Republik - Unterschiede und Gemeinsamkeiten mit der
Situation Heute / Von Christoph Butterwegge
In der Weimarer Republik erlebte der Sozialstaat zuerst einen bis dahin nicht gekannten
Aufschwung. Während der Weltwirtschaftskrise gegen Ende der 20er-/Anfang der 30er-Jahre
wurden er und mit ihm die Demokratie aber schrittweise zerstört. Wie die steigende
Massenarbeitslosigkeit, mehr noch jedoch der Abbau des Sozialstaates die junge Republik
untergruben, stellt ein Lehrstück historisch-politischer Bildung dar.>

Quelle:
www.tadema.de/thesen/butterwegge.pdf
claudia schrieb am 19.10.2011 um 20:08
>>Um etwas in die Soziaversicherungen einzahlen zu können, benötigt man einen Arbeitsplatz.<<
Der Begriff "Arbeitsplatz" ist irreführend, auch dann, wenn man davon ausgeht, dass der kapitalistische Staat aus der "Krise" befreit werden solle um noch für längerer Zeit existieren zu können.
Für Binnenmarkt, beitragsfinanzierte Krankenkassen und Rentenversicherung werden Einkommen benötigt. Eine hohe Zahl an Leiharbeitsplätzen z.B. schönt zwar die "Arbeitslosenstatistik", kann aber die Insolvenz der sozialen Sicherungssysteme und den Zusammenbruch des Binnenmarktes nicht verhindern. Der Hauptanteil des Arbeitseinkommens verbleibt bei Leiharbeit bei den besitzern/Aktionären der Leihfirmen ist weder für KK/RV noch für den Binnemarkt verfügbar. Dieses Prinzip der Armutsarbeit heizt übrigens die Spekutalionen an: Einerseits steigende Privatprofite, andererseits permanent sinkende Massenkaufkraft sind eine der wesentlichen Ursachen der "Krise". Um wieder Geld auf den Warenmarkt Markt, müssen die Einkommen steigen.

Auch ein bedingungsloses Grundeinkommen ohne Beschneidung der Privatprofite zugunsten des volksverfügbaren Mehrwertes könnte daran nichts ändern. Der erzeugte Mehrwert ist nur einmal da, mehr Geld drucken vermehrt ihm nicht.
claudia schrieb am 19.10.2011 um 20:49
Bitte um Entschuldigung für die Tippfehler.
Gerhatd Klefenz schrieb am 21.10.2011 um 16:18
Die Demokratie ist schon lange gestorben.
Fro schrieb am 19.10.2011 um 16:01
Ich hoffe, dass man endlich einmal allgemein erkennt, dass es sich bei diesem Riesenrettungsschirm um ein Bestandteil eines Geschäftsmodells einiger Finanzmarktakteure handelt. Die Europäischen Bürger sollen ausgenommen, die Staatshaushalte geschwächt werden, damit man den Ländern bequemer die Produktions-und Handelsbedingungen diktieren kann – und günstig an die Ressourcen kommt.

Die Gläubiger sollen ihre selbst verschuldeten Probleme mit den Schuldnern selber lösen. Sollten „systemrelevante“ Banken zu stützen sein, so bitte aus den Taschen derjenigen, die das System wollten und davon profitiert haben.
Ein bürgerfinanzierter Rettungsschirm sollte ausschließlich den Bürgern (z.B. denen in Griechenland) dienen - nicht den Spekulanten!
Fro schrieb am 19.10.2011 um 16:16
Ebenso wie andere Grundversorgungssysteme, wie z.B. Wasser- und Energieversorgung, sollte auch das Geldversorgungssystem der Bürger nicht Gegenstand von Spekulation werden dürfen.

Es braucht einen demokratisch kontrollierten, spekulationsfreien, innovationsfördernden Geldkreislauf. Idealerweise ein bürgereigenes Bankensystem.

Wer wetten will, geht ins von der Realwirtschaft abgeschottete Casino.
Fro schrieb am 19.10.2011 um 17:16
Ach ja, die Frage: Wie kriegen "wir" ein bürgerdienliches spekulationsfreies Finanzsystem hin?

Hier noch ein sehr bemerkenswerter Artikel zu den Hintergründen der Krise - und Tipps, wie "Europa" reagieren könnte:
Den Kampf der mehr oder weniger angeschlagenen Kapital Giganten analysiert der US-amerikanische PolitÖkonom Dr. Webster G. Tarpley
j-ap schrieb am 19.10.2011 um 20:46
Die Worte von Webster Tarpley sollte man nicht immer auf die Goldwaage legen — oder sie halt ganz gezielt auf die allerfeinste Goldwaage legen, je nachdem.
Fro schrieb am 19.10.2011 um 21:14
Danke für den Hinweis.
Lieber mit Goldwaage lesen, oder gar nicht. Ich fand vieles aber plausibel - das Problem ist natürlich, dass man als Nichtfachmann mögliche Manipulationen nicht herausfiltern kann - insofern sollte man es nach dem Lesen vergessen.
Joachim Petrick schrieb am 19.10.2011 um 17:16
Noch eine Frage mit Anlauf:

Der Deutsche Bankenverband weist mit seinen Mitgliedern, voran der Deutschen Bank, der Allianz Versicherung einig, den Vorschlag der Bundesregierung u. a. Regierungen in Europa, dass zukünftig Käufer , darunter Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, Staatsfonds, beim Erwerb von Staatsanleihen, gleich welcher Herkunft, entsprechendes Haftungskapital in Form der Aufstockung ihres Eigenkapitals zu hinterlegen haben, in aller Entschiedenheit seit Jahren wiederholt zurück.

Allein aus diesem tiefen Grunde verfielen die Regierungen der Eurostaaten seit der Weltfinanzkrise im Jahre 2008 auf die nur scheinbar befreiende Idee einer Mogelpackung unter dem sinnigen Namen Rettungsschirm, Rettungsfond einen Kapitalstock von nahezu 800 Milliarden € aus Steuermitteln der Bürger/innen der EU zu bilden, um das nicht hinterlgte Haftungskapital privater und staatlicher Käufer von Staatsanleihen zu ersetzen.

Warum sind die Käufer nicht bereit, Haftungskaiptal beim Kauf von Staatsanleihen zu hinterlegen, wie es nach Basel II für alle anderen Banken- , Versicherungsgeschäfte im Privatkundenbereich von der Bankenaufsicht vorgeschrieben ist?

Weil Haftungskapital in den Bilanzen der Käufer, als Eigenkapital hinterlegt, nicht für das normale Bank- , Versicherungsgeschäft zur Verfügung steht.

Das Ungeheuerliche ist, die Käufer von Staatsanleihen wollen, anders als die Akteure in der deutschen Exportwirtschaft für die Absicherungen ihrer Exportgeschäfte bei der Hermes Kreditanstalt, nicht einmal entpsrechende Gebühren an den "Rettungsfond" entrichten.

Frage an den Freitag Salon am 20/10/2011:

Warum wir diese Ungeheuerlichkeit, die zum Proleten Moneten Himmel schreit, nicht alarmierend in den Medien aufgegriffen?
Meyko schrieb am 19.10.2011 um 20:19
Vieles lässt sich vermutlich leichter verstehen, wenn man das Finale vor Augen hat.

"Unser Finanzsystem ist am Ende. Aus meiner Sicht – das klingt jetzt aggressiv –, sind Staatspleiten seit Jahrhunderten Teil des Systems. Wobei ich sie eher Reset nennen würde."

www.capital.de/finanzen/:Boersenstar-im-Interview--Dirk-Mueller-sieht-das-Finanzsystem-am-Ende/100042385.html
Fro schrieb am 19.10.2011 um 20:36
Auch interessant:
GeroSteiner schrieb am 20.10.2011 um 00:15
Wie kann es sein, dass wir immer noch ein Finanzsystem haben, dessen nicht mehr hinterfragte Grundlage eine Zinseszinsrechnung mit exponentiellem Wachstum ist?
Die Katastrophe ist systemimmanent!
Durch Zinseszinsen steigen Vermögen und Schulden exponentiell, da der Zuwachs pro Zinsperiode immer größer wird. Wir kommen also recht schnell in einen Zustand, in dem Kapitalerträge und Schuldendienste ein Ausmaß annehmen, dass das System instabil wird, weil es instabil werden muss. Dieser instabile Zustand wird nach den Regeln der Finanzmathematik etwa zwischen 25 und 50 Jahren erreicht.

Wenn sich das Geldvermögen in Deutschland hinter den Kulissen in über 50 Jahren auf über 6 Billionen Euro (!) vermehrt hat, und diese Kapitalerträge immer noch exponentiell im Mittel um etwa
10% pro Jahr wachsen und von diesem Kapital nur etwa 5 bis maximal 10% der Bundesbürger profitieren, während gleichzeitig das Wirtschaftswachstum aber nur etwa 40 Milliarden Euro pro Jahr beträgt, und sich auch dann nur linear vermehrt, findet mit der Zeit eine alle Grenzen sprengende Umverteilung von Arbeitserträgen zu Kapitalerträgen statt.

Wie also soll dieses System dauerhaft funktionieren, wenn das Fundament schon so angelegt ist, dass das System nach einer Induktionsperiode von 25 Jahren zum Scheitern verurteilt ist?

Der Irrsinn wird offenbar, wenn man die Zinseszins-Rechnung exemplarisch an einem (!) Cent durchführt - und zwar bei einer jährlichen Verzinsung bis zum heutigen Tag bei einem moderaten Zinssatz von 5%.

Hier ist der passende Zinseszinsrechner:
www.offerio.de/zinseszins-rechner.php

Aufgabe 1:
Einfach die obigen Werte eingeben (0,01 € und 5,00% Verzinsung mit 2.000 Zinsperioden bei jährlicher Verzinsung)

Aufgabe 2:
Die Geldmenge in Gold umrechnen (zum aktuellen Goldpreis).

Aufgabe 3:
Wie oft wäre das die Masse der Erde?
(Die Erde hat eine Masse von 5,974 · 10exp(24) kg)
Meyko schrieb am 20.10.2011 um 07:36
Was angeblich jeder weiss, aber gern vergisst - systembedingte Krötenwanderung ;-)

Dirk Müller (Mr.DAX) über das Zinseszinsproblem

www.youtube.com/watch?v=i0o3vFx5DKE&feature=related
Meyko schrieb am 20.10.2011 um 08:09
Für später:
Der Nobelpreisträger und Informationsökonom Joseph E. Stiglitz lässt keinen Zweifel daran, dass eine kritische Presse dem Herdentrieb entgegenwirken könnte, der Spekulationsblasen entstehen lässt. Der Journalismus könnte für die nötigen «checks and balances» sorgen und «zur Gesundung von Märkten beitragen, die den Bezug zur Realität verloren» haben.

www.nzz.ch/nachrichten/kultur/medien/mitschuld_an_der_finanzkrise_1.13034830.html
silvio spottiswoode schrieb am 20.10.2011 um 12:45
"Wer zahlt die Zeche?" Die Zeche zahlt natürlich immer der Steuerzahler, was ja auch nicht weiter schlimm wäre, wenn es durch Konstrukte wie den Eurorettungsschirm keine massive gesellschaftliche UMVERTEILUNG-VON-UNTEN-NACH-OBEN, in nie dagewesenem Ausmaß, auf Kosten der Schwächeren gäbe.

Hier meine Frage an Finanzwissenschaftler Giacomo Corneo:
Wenn wir davon ausgehen, dass die momentanen Finanzprobleme keine Anomalien sind, sondern im Gegenteil, systemimmanent
3///_ Wäre ein Wirtschaftssystem ohne Zinsen möglich? Wie könnte das auf EU-Ebene aussehen?

Außerdem noch ein paar wichtige grundsätzliche Fragen, aber eher Deutschland betreffend:
4///_ Die Commerzbank gehört zu rund einem Viertel dem deutschen Steuerzahler, aber er/sie hat kein Mitspracherecht, und also auch keine Möglichkeit, das Finanzsystem neu zu ordnen. Warum werden bis heute keine Stimmrechte bei der Bankenrettung eingefordert?

5///_ Weniger als 4% der Bilanzsumme der Deutschen Bank werden für Kreditvergabe verwendet; mehr als 96% des Geldes fliessen also nicht in volkswirtschaftliche Wertschöpfungsprozesse. Darf das sein? Warum?
Warum dürfen Banken sich als "Nicht dem Allgemeinwohl verpflichtet" sehen – wo in einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung sie das doch ganz eindeutig sind? Zumal ihre Rettung ja mit "systemrelevanz" begründet wird.

6///_ Warum stützt die Politik indirekt das Geschäftsmodell von Banken, durch Regelungen bei der Kreditvergabe, beispielsweise in dem Unternehmer Kredite "nur über ihre Hausbank" abwickeln dürfen, die staatliche KfW-Mittelstandsbank aber diese vorher mit 80%-iger Haftung verbürgen muss? (Die restlichen 20% müssen dann in der Regel entweder durch Eigenkapital abgesichert werden, oder durch ebenfalls staatliche Bürgschaftsbanken.) Was für ein risikoloses Geschäftsmodell ist das denn? Warum darf die KfW nicht direkt mit Endkreditnehmern arbeiten zumal sie das inderekt, beratend ja die ganze Zeit schon tut?
xtnberlin schrieb am 21.10.2011 um 11:45
In einer arbeitsteiligen Gesellschaft sind wir alle aufeinander angewiesen. Der Chirurg braucht den Fabrikarbeiter genauso wie den Bäcker und den Bauunternehmer und umgekehrt. Der Austausch von Waren und Dienstleistungen beruht also darauf, das Tauschmittel Geld so einzusetzen, dass das gegenseitige Überleben gesichert ist. Darüberhinaus sollte die Bezahlung einer Dienstleistung oder eines Produktes durchaus als Wertschätzung und Würdigung(Honorar) für den Leistungserbringer betrachtet werden. Schlechtbezahlte Leistungen sind entwürdigend. Das Kapital, das wir daraus schöpfen und akkumulieren können besteht also aus „einbehaltener Menschenwürde“, im Grunde genommen besteht alles Kapital der Welt daraus.
Marx hat das erkannt, Gesell hat das erkannt, doch die scheinen „verbrannt“ zu sein, obwohl es überhaupt nichts mit Kommunismus oder Gleichmacherei zu tun hat, dem Geld seinen Kapitalbildungsanteil wieder zu nehmen. Das ist durchaus mit Demokratie und Marktwirtschaft zu vereinbaren. Nicht das Geld ist unser Problem, sondern unsere Einstellung dazu. Jeder gesparte Cent ist auch ein Cent gesparter Menschenwürde.
Technixer schrieb am 21.10.2011 um 11:48
Der Freitag Salon war echt mau. Ein VWL Professi der nicht wusste was ein Kredithebel ist bzw. nicht wissen wollte. Ein Journalist der einmütig den Kanon mitsang, das dass Kapital welches auf dem Finanzmarkt zirkuliert sich ja nicht von der Realwirtschaft abgekoppelt hat und der nette Geschichtenonkel Professi Vogel der mehr Ahnung von der Materie zu haben schien als J.A. und Herr Corneo zusammen.

Die Überschrift "Europa und die Finanzkrise" suggerierte eigentlich Informationen, Diskussionen, Erklärung. Stattdessen gabs geschichtliche Erklärungen warum Europa kein einheitlicher Staat ist und sein kann und woher die Krise angeblich kommt (Vogel nannte nur die Subprimekrise aus den Staaten).

Es fehlte der kurze Verweis auf Bauboom in Spanien und Portugal oder der 'keltische Tiger' usw. Die daraus entstandenen Defizite hatten nichts mit der Hypothekenkrise in den USA zu tun.

Und übrigens, wenn ein Unternehmen die Gewinne lieber nutzt um diese am Finanzmarkt zu nutzen statt diese in Innovationen und Forschung zu stecken so fehlt dieses Geld in der REALWIRTSCHAFT denn dort ist es nicht verfügbar bspw. bei der Entwicklung neuer Antibiotika.
Es liegen also beide Fälle vor, sowohl eine Abkopplung als auch eine Verflechtung der Finanzmärkte um zu rekapitalisieren.
Popkontext schrieb am 21.10.2011 um 16:33
Ich glaube, der Grund, dass das ganze etwas unrund wirkte, ist die enorme Komplexität des Themas und das kaum jemand vom Fach ist. Aber da alle den "Massenkurs in Ökonomie" genommen haben, wie Herr Augtein so schön sagte, fühlten sich alle ein bisschen als Experten. Als Herr Corneo dann hin und wieder in richtige fachliche Details ging, konnte ihm keiner mehr folgen, was er offenbar auch nicht so richtig abschätzen konnte, weil ihm das ja sonnenklar ist wovon er redet. Kenne ich als Soziologin auch ein wenig.

Man in so einer Diskussionsrunde ja auch keinen kurz zusammengefassten Grundlagenkurs in Ökonomie geben und zudem noch konkret die diversen Ursachen benennen und einen bunten Strauss Lösungen aus verschiedenen Schulen anbieten. Das haben offenbar einige erwartet und fanden es deshalb unbefriedigen. Ein bisschen strukturierter in die Richtung hätte es allerdings sein können. Ich fand es trotzdem sehr interessant und anregend
Doris Brandt schrieb am 22.10.2011 um 09:56
Wäre generell ein Podcast des Freitag-Salons möglich? Muss ja keine super professionelle Aufnahme sein. Audio reicht auch. Wäre ein toller Service für die FC-Mitglieder, die nicht in Berlin wohnen.
(Gab es doch schon mal, oder?)
Gruß
Doris Brandt
Popkontext schrieb am 22.10.2011 um 12:09
Da ist was in der Mache (extern). Von Augstein haben wir das ok, der Rest muss noch geklärt werden. Deshalb Genaueres dazu später.
Doris Brandt schrieb am 22.10.2011 um 12:22
Ich bin begeistert!
Popkontext schrieb am 22.10.2011 um 12:26
Ich würde mich auch freuen, wenn das alles so klappt, aber erstmal abwarten.
shalako schrieb am 22.10.2011 um 17:54
shalako schrieb am 22.10.2011 um 16:09
"Im Zuge der Weltwirtschaftskrise von 2007/2008 wurde die These vertreten, dass diese Krise das
ökonomische Denken tief greifend verändern werde. Ökonomen und Politiker, so die Annahme, würden
ihre wirtschaftspolitischen Konzepte grundsätzlich revidieren. Hat sich ein solcher Wandel im
ökonomischen Denken vollzogen? Führen ökonomische Krisen zu einem wirtschaftspolitischen
Umdenken? Die vorliegende Studie widmet sich dieser Frage mittels der Untersuchung zweier
prominenter Wirtschaftsgutachten: der Gemeinschaftsdiagnose und des Jahresgutachtens des
Sachverständigenrates. Die beiden Gutachten werden anhand der drei letzten Wirtschaftskrisen in
Deutschland untersucht: der ersten Wirtschaftskrise nach der Wiedervereinigung im Jahr 1993, der langen
wirtschaftlichen Schwächephase von 2002 bis 2005, und der Weltwirtschaftskrise von 2007/2008. Eine
Analyse der wirtschaftspolitischen Empfehlungen der beiden Gutachten ermöglicht es festzustellen, ob
ein signifikanter Wandel im ökonomischen Diskurs stattgefunden hat. Hierbei zeigt die empirische
Analyse, dass sich im Untersuchungszeitraum kein Paradigmenwechsel der ökonomischen Diskurse
vollzogen hat."

Quelle:
www.boeckler.de/pdf/p_imk_study_2_2011.pdf
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.10.2011 um 15:13
Ich fand den Freitag Salon mit Herrn Prof. Corneo und Herrn Prof. Vogl erhellend.

Die Einlassungen und Gedanken von Herrn Corneo waren für mich so interessant, dass ich mir bereits ein Buch von ihm gekauft habe. Dagegen habe ich Herrn Vogel, bei allem Interesse für seine Thesen, als wenig geneigt erlebt, sich einem breiteren Publikum zu stellen. Da war es schon wichtig, dass J. Augstein Herrn Vogel „gezwungen hat“ , sich allgemeinverständlich auszudrücken.

Die These von Prof. Vogel, moderne Staaten verhielten sich zur Finanzwirtschaft "wie blinde Spiegel", fand ich abstrus. Bedenkt man, dass Vogl tief in die Geschichte gegriffen hat, läßt sich doch erwidern, dass bereits der Absolutismus und Merkantilismus zwei Seiten einer Medaille waren, von heutigen Verhältnissen ganz zu schweigen.

Sicherlich waren die Zwischenrufe von Seiten der Gäste, nicht besonders hilfreich sich durchgängig wohl zu fühlen.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 24.10.2011 um 15:15
@ peinlich: Der Mann heißt durchgängig Vogl!
Jakob Augstein
Journalist und Gärtner in Berlin
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Berlin
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Logbuch
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Schachnerin hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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ideefix hat gerade einen Kommentar geschrieben.
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Georg von Grote hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

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Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
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