29.10.2010 | 10:50

Betonwinkel und Plakate - Schlichtungsrunde 2 zu S 21

Seit 10.00 Uhr läuft die zweite Runde, doch bevor man in den Themenkatalog einsteigen konnte (in Runde 2 und 3 wird es um die Planungen gehen, ab Runde 4 dann um die Kosten), mußten zuvor einige Irritationen seitens des Bündnisses K21 ausgeräumt werden.

Denn weiterhin werden vorbereitende Arbeiten für das Projekt ausgeführt, so etwa das Einbringen von Betonwinkeln in den Baugrund, die zur Auffüllung und Verdichtung des Unterbodens benötigt werden. Zum Andern war aus dem Südflügel des Hbf Baulärm (Preßlufthammer) zu vernehmen.

Bahnvorstand Kefer verteidigte das Installieren der Betonwinkel als in der Schlichtungsphase zulässige Arbeit, die auch vorher angezeigt worden sei. Im Südflügel wiederum würden Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, Elektrik, Heizungs- und Wasserleitungen sowie die Fenster betreffend, da man vor Beginn der Schlichtung mit der Entkernung begonnen hätte. Diese würde nun nicht weiter vorangetrieben.

Stocker vom Bündnis machte den Vorschlag, die Betonwinkel bis kommenden Donnerstag einzubringen und dann alle Arbeiten ruhen zu lassen, und für den Südflügel sollte für Samstag eine Begehung vereinbart werden. Die Bahnvertreter gingen auf diesen Vorschlag ein.

Bei mehr Transparenz seitens Bahn und Auftragnehmer wären diese Irritationen sicher erst gar nicht aufgetaucht, aber das scheinen die Betreffenden nur zögerlich zu realisieren.

Heiner Geißler mahnte im Anschluß zur Friedenspflicht, auf Seiten der Protestierenden monierte er insbesondere ein Plakat am Bauzaun, das Mappus und einen Sarg zeigt, auf Seiten der S21-Befürworter die Worte des Pfarrers Johannes Bräuchle vom letzten Wochenende, der die Aktivisten der Protestbewegung in unerträglicher Weise diffamierte. Zudem, so Geißler, stehe man hier im Fokus der Öffentlichkeit, so hätte die Übertragung der Schlichtungsrunde durch Phoenix am letzten Freitag die zweithöchste Einschaltquote aufgewiesen ...

P.S. Der Tübinger OBM Palmer ging in seinem anschließenden Vortrag nochmals dezidiert auf die Leistungsfähigkeit des künftigen Bahnhofs S21 ein, verglich sie mit der des jetzigen Kopfbahnhofs und eines denkbaren modernisierten Kopfbahnhofes 21 und kam zu dem Schluß, daß S21 etwa dieselbe Leistungsfähigkeit aufweisen wird wie der bestehende Kopfbahnhof und deutlich hinter die eines modernisierten K21 zurückfallen würde. Zudem verlängerten sich für die Reisenden die Wartezeiten, gäbe es oft keine Anschlüsse, weil mehr Züge in kurzer Zeit die Bahnsteige passieren müßten und zuviele Zwangspunkte in Ein- und Ausgangsbereich laut Planungsunterlagen der Bahn existierten.

Sogar Kefer hat in seinem Eingangsstatement mit seiner Aussage, 16 Bahnsteige Kopfbahnhof entsprächen den 8 Bahnsteigen für den Durchgangsbahnhof, indirekt signalisiert, daß S21 also über die gleiche Leistungsfähigkeit wie der status quo verfügen wird, und das kostet uns aber Milliarden ...

In der Runde kristallisierte sich gerade heraus, daß den Projektkritikern von der Bahn ein nur unvollständiges Fahrplankonzept übergeben worden ist, so fehlte die Konzeption zu sogen. Verdichtungszügen im Nahverkehr, die nun nachgereicht werden muß ... Leider kann ich diese Schlichtungssitzung ab jetzt (12.25h) nicht weiter live verfolgen ...

Auf der website "Bei Abriß Aufstand" wird auch diese Schlichtungsrunde in Stichworten mitprotokolliert.

 
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Kommentare
mcmac schrieb am 29.10.2010 um 11:48
Besagtes Plakat zeigt einen geschlossenen Sarg in einer Gruft mit der Aufschrift (etwa): "Wenn Mappus unter die Erde will, bringen wir ihn hin".
Geschmackssache. Bestimmt aber keine, wie von den Medien hochstilisiert, Morddrohung. -Ist ja so (k)eine Sache mit dem schwarzen Humor, besonders angesichts des veröffentlichten, als üblich geltenden deutschen Humors. Und ganz besonders trifft das zu, wenn man sich über Gewaltige lustig macht. Die dürfen in der Tat zwar regelmäßig Geschmacklosigkeiten absondern und sogar verwirklichen, fordern jedoch umgedreht mit permanent gekränktem Unterton Stil (oder: was sie dafür halten). Was an sich schon ein Witz ist.
Bräuchles Einlassungen hingegen waren tatsächlich platte Hetze.(Streifzug berichtete)

Das eine soll das andere nicht entschuldigen oder rechtfertigen; es soll differenzieren helfen. (Und vielleicht darüber hinaus zeigen, dass Deutsche gemeinhin nicht so fad und humorlos sind, wie oben erwähnte Veröffentlichungen in einschlägigen Spaß-Veranstaltungen suggerieren - obwohl das jetzt möglicherweise nicht mehr ganz zum Thema gehört...)
mcmac schrieb am 29.10.2010 um 11:48
Besagtes Plakat zeigt einen geschlossenen Sarg in einer Gruft mit der Aufschrift (etwa): "Wenn Mappus unter die Erde will, bringen wir ihn hin".
Geschmackssache. Bestimmt aber keine, wie von den Medien hochstilisiert, Morddrohung. -Ist ja so (k)eine Sache mit dem schwarzen Humor, besonders angesichts des veröffentlichten, als üblich geltenden deutschen Humors. Und ganz besonders trifft das zu, wenn man sich über Gewaltige lustig macht. Die dürfen in der Tat zwar regelmäßig Geschmacklosigkeiten absondern und sogar verwirklichen, fordern jedoch umgedreht mit permanent gekränktem Unterton Stil (oder: was sie dafür halten). Was an sich schon ein Witz ist.
Bräuchles Einlassungen hingegen waren tatsächlich platte Hetze.(Streifzug berichtete)

Das eine soll das andere nicht entschuldigen oder rechtfertigen; es soll differenzieren helfen. (Und vielleicht darüber hinaus zeigen, dass Deutsche gemeinhin nicht so fad und humorlos sind, wie oben erwähnte Veröffentlichungen in einschlägigen Spaß-Veranstaltungen suggerieren - obwohl das jetzt möglicherweise nicht mehr ganz zum Thema gehört...)
mcmac schrieb am 29.10.2010 um 13:42
Hier kann man beim Live-Chat der inzwischen über 31.000 registrierten Parkschützer reinschauen (und sieht somit auch, was beim Aktionsbündins u.a. während der Schlichtung über die Schirme flimmert).

Wer sich die Live-Übertragung nicht allein von Phoenix übertragen ansehen möchte, kann auch beim unabhängigen Stuttgarter Bürgerfernsehen "Flügel-TV" zuschauen.
mcmac schrieb am 29.10.2010 um 13:52
Wasserwerferopfer, die Klage beim Stuttgarter Verwaltungsgericht gegen den Polizeieinsatz am 30. September, dem Schwarzen Donnerstag, einreichten, werden durch die Stuttgart Polizei unter Druck Gesetz und bedroht, berichtet die taz in ihrer heutigen Ausgabe.

Fefes Blog äußert sich ebenfalls dazu.
mcmac schrieb am 29.10.2010 um 13:55
Korrektur: ...unter Druck gesetzt...- das "Druck Gesetz" war wohl ein 'Freud'scher'
mcmac schrieb am 29.10.2010 um 13:55
Korrektur: ...unter Druck gesetzt...- das "Druck Gesetz" war wohl ein 'Freud'scher'
poor on ruhr schrieb am 29.10.2010 um 22:36
Danke. Ich war auf Schicht und hatte den Informationsstand bis jetzt noch nicht. Irgendwie auch eine merklwürdige Diskussion, die fast das ganze Schwabenländle und den Rest der Republik irgendwie zu Eisenbahnexperten macht. Ich bin auch seit frühester Jugend eigentlich ein Eisenbahn-Fan. In Studienbzeiten habe ich Postkarten von den einzelnen Baureihen gesammelt. Als dann die Vereinigung mit der Deutschen Reichsbahn kan, habe ich irgendwie den Überblick verloren.
Der strenge Stil von Geißler gefällt mir eigentlich sehr. Er passt auf , dass die Disputanten bei der Sache bleiben.
jayne
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