Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

29.11.2011 | 03:47

Eurobonds für Jedermann, Privathaushalte als EZB Partner

Vergeßt das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE)! Jetzt kommen die Eurobonds für Jedermann!"

"Ist die Euro- Not am größten, so naht auch schon die Rettung" (Friedrich Hölderlin 1770- 1843)
"Ist die Euro- Not am größten, so naht auch schon die Rettung" (Friedrich Hölderlin 1770- 1843)

Ein Gepenst geht im Euroraum. Das Gespenst heißt Kommunalobligation im hellen Gewande von Eurobonds.

Eine eilige Allianz der Finanzaristokraten aller Länder im Euroraum hat einen Heiligen Eid geschworen, mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen und sei es durch das vorauseilende Instrument der Schuldenbremse, den Kommunen im Euroraum zu untersagen, selber zur Finanzierung kommunaler Angelegenheiten, Kommunalobligationen (zukünftig Eurobonds) an den Finanzmärkten in Euro aufzulegen und diese gar in Euro- Staatsanleihen anderer EU- Länder umzuschichten.
 
Warum diese Hast, dieses Krisengerede der Finanzaristokratie um die angeblich im freien Fall befindlichen Staatsanleihen von Eurostaaten, die angeblich kein Investor in der Welt mehr ohne Weiteren Wertverfall  zeichnnen, geschweige denn in den Depots halten will?

Die Erklärung ist ziemlich einfach.
Das Spektrum und Feld der Investoren hat sich an den Anleihemärkten der Welt dramatisch umstrukturiert.
Waren es früher vornehmlich Banken, Versicherungen als sogenannte institutionelle Anleger, neben Privatanlegern, die Staatsanleihen in bestimmten Währungen zeichneten, um aus patriotischen oder aus Gründen der Vorsorge für die Alterssicherung, Verstetigung der Vermögensbildung,  Staatsanleihen, Kommunaloligationen nicht nur zeichneten, sondern, werterhaltend, in ihren Depots hielten.

Inzwischen besteht der größte Anteil der Investoren an den deregulierten  Finanzmärkten der Welt aus Pensionsfonds, Staatsfonds wohlhabender Länder (G- 20- Staaten), die darüber entscheiden, welche Staatsaneihen an den Finanzmärkten sofort, später oder gar keine Käufer finden, wenn ja, zu welchen Zins- Konditionen.

Angeblich setzen dabei Rating Agenturen unanfechtbare Maßstäbe für Kaufentscheidungen.
Dabei verfügen die Großen Pensionsfonds, Staatsfonds selber über eigene institutionelle Rating Tanks.

Dass wir in einer zyklischen Welt- Finanzkrise stecken, ist das Eine. Das Neue ist, dass Staaten, Nationen, Kommunen  nur noch mit abnehmender Tendenz  eine patriotische Bindungskraft Richtung eigener nationaler, privater, institutioneller  Investoren, entfalten können.
Das Ergebnis ist die zunehmende Unterfinanzierung ganzer Staaten, Kommunen, Städte.

So wichtig das Reden über den Abbau von Staatsschulden auch ist, so verbirgt sich hinter dem Krisengerede über Staatsschulden als des allgemeinen Übels Kern aber nur ein Teil der Wahrheit.
Die andere Hälfte der Wahrheit ist, dass die Notenbanken, die EZB, FED sich auf ihre bisherigen Partner, die Banken und Versicherungen nicht mehr in Fragen der Stabilität des staatlichen, wie währungsbezogenen Geldkreislaufes verlassen können, indem sie diesen billiges Notengeld zu einem Zinssatz von gegenwärtig 1. 25 % im Euroraum zur Verfügung stellen, mit dem diese EZB Partner bisher gehalten waren, Staatsanleihen im Euroraum zu Zinssätzen ab ca. 2. 4 % und mehr zu zeichnen.

Die bisherigen Partner der Zentral- und Notenbanken, die sogenannten institutionellen Anleger, die Banken, Versicherungen, samt den Pensions- , Staatsfonds, sind weltweit, trotz und wg. ihrer vermeintlichen Systemrelevanz, in einen Käuferstreik von Staatanleihen getreten, weil diese Globalplayer lieber in eigens kontruierte, patentierte Finanzprodukte investieren, die seit der Deregulierung des Weltfinanzmarktes täglich, wie giftige Pilze, als Grauer Markt, außebörslich, aus dem  Boden schießen.

Inzwischen gehen europäische Staatsmänner/-frauen, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, engagiert  auf Werbe- Tour  in andere Länder, darunter in China, Indien, Japan, Brasilien, Russland, damit diese Länder aus ihren Handelsbilanz- und Devisenüberschüssen Euroanleihen zeichnen und die Vermögenden, Reichen Investoren im Lande veranlassen, Gleiches zutun..

Den öffentlichen  Mut an die Vermögenden, die Reichen Investoren im Euroraum selber werbend heranzutreten, dass diese , wie früher, Staatsanleihen ihrer eigenen Staaten verlässlich zeichnen und halten, bringen dieselben Staatsmänner/-frauen merkwürdigerweise nicht auf.
Selbst dei Notenbanken, wie die EZB sind bereits dazu genötigt, die Banken, Versicherungen als institutionelle Anleger daran zu erinnern, dass mit dem billgen Geld der Notenbanken, nicht nur Staatsanleihen zu kaufen, sondern auch in den  Depots als mittelfristige Anlage  zu halten sind, damit die Kurse der Staatsanleihen hinreichend ihr Niveau halten können.

Stattdessen wird mutlos ein unselig halbherziger Debatten Spannungsbogen in den Medien, zwischen der Frage  kleiner Steuererhöhungen hier, etlicher  Steuersenkungen da,  inszeniert, gezogen.

Darauf liegt kein Segen, der den Staaten, Kommunen im Euroraum aus ihrer Unterfinanzierung verhilft.

Es sieht fast so aus, als ob wir gar keine Währungskrisen an sich, wo auch immer, sondern allerorten Staatsfinanzierungskrisen haben.

"Gefahr erkannt! Gefahr gebannt!"

Dabei liegt die Rettung aus dieser Not, womöglich naheliegend, in der Partnerschaft zwischen der EZB mit den Privathaushalten als Partner für die Stabilität des Geldkreislaufs im Euroraum.

Was die sogenannten systemrelevanten Finanzinstitute, aus welchen Gründen auch immer, neben dem allgemeinen Käuferstreik, nicht mehr zu leisten bereit sind, die Privathaushalte im Eurroraum sind es allemal. Sie garantieren  Geld, das im Geldkreislauf unserer  realen Wirtschaft bleibt.

Wie ist das nun vorstellbar, Privathaushalte im Euroraum als Partner der EZB, die den Euro Rettungsfond überflüssig, wie einen Kropf, Lügen strafen, ohne auf das währungspolitische Instrument der Eurobonds zu verzichten?

Das, was weiter mit den vorherigen Partnern geschieht, geschieht nun auch mit den neuen Partnern der EZB, beim Nachweis von Sicherheiten, mit vermögensnahen Privathaushalten, die durch die EZB Zugang zu billigem Notengeld erhalten, sagen wir zum gegenwärtigen Zinssatz der EZB von 1. 25 % mit der Auflage erhalten, dafür Staatsanleihen, Kommunalobligationen in Euro zu zeichnen, die gesichert einen höheren Zinssatz ab ca,. 2. 4 %, je nach Euroland, erbringen.

Vermögensferne Schichten erhalten  europaweit, gleich welcher Staatsangehörigkeit, gleich in welchem Euro- Staat sie leben, ebenso als verlässliche Geldkreislaufpartner der EZB, ohne den Nachweis von Sicherheiten, Zugang zu billigem Notengeld, um sich selber durch die Zinsdifferenz zwischen billigem Zins des Notengeldes und dem höheren Zins der Euro Staatsanleihen in Höhe des unpfändbaren Einkommens von gegenwärtig 986.- €/Monat/Person (s. BVG- Urteil)  oder , von Fall zu Fall, von Konjunkturlage zu Konjunkturlage, angepasst, Kaufkraft zu finanzieren.

JP


 
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Kommentare
blog1 schrieb am 01.12.2011 um 15:00
Lieber Joachim Petrick,

mal abgesehen davon, dass Ihr Beitrag sehr gut die Gesamtsituation beschreibt, insbesondere darüber aufklärt, welche Zielgrupe Staatsanleihen kauft, finde ich Ihren letzten Absatz "erste Sahne".

Eine kleine Ergänzung hätte ich noch zu machen. Alle Kleinsparer heben zu einem festgelegten Zeitpunkt 50% (wir müssen ja nicht gleich übertreiben) ihrer sofort verfügbaren Einlagen (Guthaben auf dem Girokonto, Tagesfestgeld etc.) bei der Bank ab. An den Auszahlungsautomaten dauert es keine Stunde und es kommt die Meldung "außer Betrieb" und der Bankangestellte geht nach einer halben Stunde zu seinem Chef und fragt nach, wie viel Bargeld noch im Tresor vorhanden ist, weil die Kasse leer ist. Der Filialleiter rennt sofort los, aber nicht in den Tresorraum, nein, er sucht das Schild "vorübergehend geschlossen". Ab diesem Moment wird auf Onlinebanking umgestellt.

Mit den vorhanden Bar- und Buchgeldreserven, meinetwegen noch mit geliehenem Geld der EZB gründen wir eine neue Bank mit dem Namen "Prekariatsbank", noch besser "von der Hand in den Mund Bank". Um den Gründungsprozess zu beschleunigen, wird der Regierung zugesagt, dass praktisch 100% der Vermögensmasse in Staatsanleihen fließt. Das Motto könnte lauten "Enteignen sie ihre Banken, bevor sie über die Inflation selbst enteignet werden“. Der Begriff Eurobonds oder Elitebonds wird durch Everybody Bonds ersetzt.

Für was haben wir eigentlich die Occupy-Bewegung? Entschuldigung, ich ziehe diese Frage wieder zurück.

Das wär`s doch für den Anfang.
Joachim Petrick schrieb am 02.12.2011 um 01:20
@blog1

"Mit den vorhanden Bar- und Buchgeldreserven, meinetwegen noch mit geliehenem Geld der EZB gründen wir eine neue Bank mit dem Namen "Prekariatsbank", noch besser "von der Hand in den Mund Bank". Um den Gründungsprozess zu beschleunigen, wird der Regierung zugesagt, dass praktisch 100% der Vermögensmasse in Staatsanleihen fließt. Das Motto könnte lauten "Enteignen sie ihre Banken, bevor sie über die Inflation selbst enteignet werden“. Der Begriff Eurobonds oder Elitebonds wird durch Everybody Bonds ersetzt."

Bei solchen genialen Ideen könnte ich ja glatt neidisch werden, hoffentlich lassen Sie sich Ihre Idee nicht als neuen Bank Buisnessplan gebührenplichtig patentieren.

Eines wäre noch zu erwähnen, über kurz oder lang, wären Reiche, Vermögenden gefühlt der teil des Prekariat, der am meisten klagt.

Finanzkonflikte stimmen uns heiter, endlich geht es weiter, weiter.....
Joachim Petrick
Hamburger, begeistert vom Theater Stadtgefluester, 66-71 in Westberlin gelebt, 1982-89 Beliner Maueröffner, Sympathisant"Tanzender Lachoffensive", bin fuer spontane Humortests im Oeffentlichen Nahverkehr.
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