Die fortgesetzte Feigheit vor den verbündeten Freunden?
So unterhaltsam, im Detail literarisch unterfüttert, manche Artikel zum Them "Grass Gedicht" auch daherkommen, so stellen diese doch für mich eine Zumutung dar, wie für jene, die angesichts eines dräunenden Tsunamis am Horrizont herzlich eingeladen sind, über das, vom Winde verweht, gekräuselte Oberflächenwasser eines Ententeichs tiefschürfend zu debattieren.
Zugegeben, Günter Grass hat mit seiner, ihm eigen, unnachahmlichen Methode, seine Leser/inen. Zuhörer- , Anhängerschaft, zunächst mit einem Blechtrommelschlag als, glasbrechend, stillen stummen Oskar Schrei zu entgeistern, deren Aufmerksamkeitsdefizite aufdeckend, um diese sodann auf absehbare Sicht für sich, eine Sache oder beides zu so nie zuvor dagewesenen Begeisterungsstürmen zu erwecken, ein Alleinstelungsmerkmal in der blühenden deutschen Poeten Landschaft erlangt.
Und doch:
Hat Günter Grass nicht eher, wie andere, seit Jahren jede Gelegenheit verpasst, der politschen Ungeheuerlichkeit des Staates Israel, wie Pakistans, Indiens, Süd- Afrikas, Nord- Koreas sich, unter dem Schirm der Atommächte USA, Russland, China, England, Frankreich, als heimlichen oder bekennenden Atommacht den Status der Immunität vor Internationalen Strafgerichtshöfen anmaßen zu wollen, eine poetische Ungheuerlichkeit gegenüberzustellen, die diesen Namen in einem System des Gleichgegwichts der gegenseitigen Abschreckung verdient?
Günter Grass hat schon oft auf der Klaiviatur vermeintlicher und wirklicher Ängste vor aufkeimenden Antisemitismus zu spielen gewußt, um seine mediale Wirkung als Öffentliche Person zu befeuern.
Die Wirklichkeit tritt uns als eine andere gegenüber:
Bis in die Achtziger Jahre des Zwanzigsten Jahrhunderts hat Günter Grass unter bekennenden SS- Chargen als Verräter gegolten, weil er sich nicht täglich sichtbar zu seiner angeblich heroischen Waffen SS Zeit bekannte. Weil Grass sich mit jenen nicht gemein machen wollte, wie er es als alter Kamerad sollte?, ging er auch nicht mit seiner Rekrutierung durch die Waffen SS hausieren. Sein aufdeckendes Zwiebelwerk, das im Grunde keines war; denn in dieser Angelegenheit seiner Waffen SS Zugehörigkeit gab er im Jahr 1962, soweit ich weiß, gegenüber Max Frisch, in der Schweiz ein veröffentlichtes Interview.
Da heute in den Redaktionen aber Finanzressourcen für Recherhche gegen Null heruntergefahren wurden und gleichzeitig zunehmend nur Volontäre, Praktikanten auf den begleitenden Teil eines Themas angesetzt werden, ist klar, was am Ende dabei herauskommt. nämlich das, was Günter Grass listenreich braucht, um seine mediale Wirkung nach Belieben zu potenzieren.
Interessant ist dabei der historische Hinweis von Alfred Grosser, dass die SS nach dem gescheiterten Attentat gegen Adolf Hitler am 20. Juli 1944 das Rekrutierungsmonopol der Deutschen Wehrmacht gebrochen hatte ud in der Zeit von August 1944 bis zum Mai 1945 in aller Hast und Eile etwa 900.000 Soldaten für das Heimatersatzheer als Lückenbüßer an allen Frontabschnitten rekruiert hat, ohne dass diese auf Bund der eigentlichen SS orden vereidigt und vergattert wurden.
Als unmündiger 17jähriger Haudegen strebte Günter Grass eigentlich, von Danzig aus, freiwillig, entgegen dem Willen seiner Familie, in die Todes- und Himmelfahrtskommandos der U- Boot Flotten Waffe des Großadmirals Karl Dönitz und landete, von den Häschern der SS auf dem Danziger Rathaus kassiert, ohne "Schwarzrock Glanz & Gloria" als gemeiner 08/15 Pionier Soldat im zerfleddert schäbigen Grauen Rock in der Waffen SS.
Ich hoffe, dass die eigentliche Debatte jetzt hochfährt
Offizielle israelische Stellen haben jahrzehntelang Nachfragen hinisichtlich eines isrealischen Atomwaffensystems durchweg mit dem Satz beantwortet "Kein Kommentar".
Nachdem nun vor einem Jahrzehnt ein israelischer Atomwissenschaftler in London der Welt offenbart hat, dass Israel seit Jahrzehnten über ein Atomwaffenarsenal verfügt, vom Staat Israel als Spion verurteilt, immer noch in einem israelischen Zuchthaus einsitzt, bequehmen sich israelische Stellen auf diesbezügliche Nachfragen zu verlautbaen:
"Bekanntermaßen verfügt Israel seit Jahrzehnten über ein Atomwaffenarsenal, von dem noch niemals eine atomare Gefahr ausgegangen ist und ausgehen wird!"
Das Problem ist nur, seit den letztem Jahrzehnten radikalisiert sich die israeliche Sicherheitspolitik in der Region soweit, dass der israelische Staat die Lizenz zum Töten von iranischen Atomwissenschafftern verleiht, ohne sagen zu können, in welche autoritäre oder demokratische Entwicklung das läuft?
Was mich interessiert, ist, ob den atomaren Waffensystemen Isreals demokratische Legitimationen zugrunde liegen, vermutlich nicht, weil hier selbst Informationen über Entscheidungen in Geheimen Räten dem Parlament, der Knesset, vorenthalten bleiben, oder, ob es sich dabei eklatant um demokratisch unlegitimierte Entscheidungen von israelisch- amerikanische Geheimräten handelt?
Wenn ja, ob darin der prufunde Grund zu finden ist, warum Israel, von befreundeten Staaten, wie den USA, der EU nicht definitiv aufgefordert wird, den Atomsperrvertrag von 1957 wenigstens im Nacherein zu unterzeichnen und zu ratifizieren?
Schluss mit der fortgesetzten Feigheit vor den direkt oder indirekt verbündeten Freunden, USA, Frankreich, England, Israel, Südafrika, Russland, China, Pakistan, Indien in Sachen Erfüllung des Atomsperrvertrages von 1957 und der fortbestehenden Anmaßung, sich als Atommacht in den Status der Immuntät vor Internationalen Strafgerichtshöfen versetzen zu wollen.
JP
siehe:
www.freitag.de/kultur/1215-grass-die-dreifache-persona-non-grata
Zeitgeschichte | 14.04.2012 12:00 | Konstantin Ulmer
Grass, die dreifache Persona non grata
Für Birma, DDR und Israel war und ist der Schriftsteller eine unerwünschte Person. Sanktioniert wurde er auch von der SED-Diktatur wegen eines literarischen Textes
www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,826163,00.html
Debattenbeitrag zu Günter Grass
Es musste gesagt werden
Ein Debattenbeitrag von Jakob Augstein