Katrin Schuster

Blog von Katrin Schuster

19.07.2011 | 13:04

Unwillkommener Besuch

Man wollte gerade nicht in der Haut der Reporterin Güner Balcı stecken. Nicht nur, weil sie in der vergangenen Woche an der Seite jenes Thilo Sarrazin durch Kreuzberg spazierte, der vor einem Jahr ein Buch veröffentlichte, in dem er ausgerechnet ihrer „Rasse“ - Entschuldigung, ich meinte natürlich: ihrer„Ethnie“ eine „lange Tradition von Inzucht und entsprechend viele Behinderungen“ nachsagte, um in klassischer Verschwörungsrhetorik fortzufahren: „Es ist bekannt, dass der Anteil der angeborenen Behinderungen unter den türkischen und kurdischen Migranten weit überdurchschnittlich ist. Aber das Thema wird gern totgeschwiegen.“

Nein, ich beneide Güner Balcı auch deswegen nicht, weil sie daraus nun einen Beitrag für die Kultursendung Aspekte schneiden muss, der in jedem Fall den Vorwurf bekommen wird, unausgewogen zu sein: Sieht man nur, wie Sarrazin von den Kreuzbergern als Nazi und Rassist beschimpft wird (das Video führt die Junge Freiheit freilich stolz in ihrem Youtube-Kanal), dann werden sich zurecht diejenigen beschweren, die versucht haben, mit Sarrazin ein fast normales Gespräch zu führen. Und zeigt man nur diese fast normalen Gespräche, dann wird es Beschwerden hageln, dass hier eine sog. „Deutschen-Diskriminierung“ vertuscht würde.

Andererseits: Der Fehler liegt im System. Wer angeblich „ein ernsthaftes, tiefergehendes Gespräch zwischen Sarrazin und den Menschen, über die er in seinen Statistiken schreibt“, anstrebt (so zitiert der Focus Güner Balcı), der sollte es diesen Menschen auch möglich machen. Die Obst- und Gemüsehändler auf dem „Türkenmarkt“ hatten aber offensichtlich keine Ahnung, was da auf sie zukommt, Sarrazins Buch natürlich nicht gelesen, sondern nur die Stimmung vernommen, die es im Land erzeugte. Gerade dass Sarrazin nicht als Normalbürger, sondern mit Kamera und Reporterin auftauchte, dürfte die Erregung noch weiter geschürt haben: Die Öffentlichkeit stand unmissverständlich und von Anfang an auf seiner Seite. Oder anders gesagt: Ohne Sarrazin interessierte sich eine Kamera und eine Reporterin nun wirklich nicht für diesen Markt und dessen Händler.

Beinahe noch bitterer finde ich den anderen Termin, der auf der Liste stand, jenen Besuch im Restaurant Hasir, der zwar verabredet war, aber ebenfalls wegen der wütenden Menge vor der Tür scheiterte. Diese wütende Menge mag deutlich über die Stränge geschlagen haben, aber sie hat mithin besser als der Restaurant-Besitzer verstanden, dass Sarrazin und das Aspekte-Team ihn bloß als Parade-Beispiel für den brav arbeitenden und entsprechend erfolgreichen Migranten vorführen wollten. Wer sich nur ordentlich bemüht, der schafft es auch …

Der wohl wichtigste Grund, warum das Projekt misslingen musste, ist allerdings: Bereits durch den Versuch, „ein ernsthaftes, tiefergehendes Gespräch zwischen Sarrazin und den Menschen, über die er in seinen Statistiken schreibt“, herbeizuführen, hat Güner Balcı dem Autor Sarrazin und seinen Thesen recht gegeben. Denn diese Menschen sind leider genauso erfunden, wie jene angeblich allüberall bekannten, obwohl zugleich ja total totgeschwiegenen Behinderungen unter türkischen und kurdischen Migranten. Und genau dieser Erfindung ihrer Identität galt schließlich der Protest der wütenden Menge, deshalb auch die Beschimpfung Sarrazins als „Rassist“. Ehrlich: Mir fällt für einen Mann, der Menschen auf ihr genetisches Material reduziert und Behinderte ganz selbstverständlich als minderwertig begreift, leider auch kein anderes Wort ein. Dem Protagonisten geht es freilich anders: Der tituliert sich in der Bildzeitung als „verdienter ehemaliger Senator, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, außer ein Buch mit unwillkommenen Zahlen und deren Analysen zu schreiben“. Na dann.

 
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Kommentare
Nietzsche 2011 schrieb am 19.07.2011 um 13:17
Frau Schuster, ich nehme nicht an, dass Sie einen sachlichen Bericht schreiben wollten. Dafür sind die Hasstiraden auf Sarrazin, in die Sie leider auch Frau Balci einbeziehen, zu ausgeprägt. Ich wage zu bezweifeln, dass Sie Kreuzberg wirklich kennen - außer vielleicht aus Restaurantbesuchen.
Sonst wüßten Sie, dass der Begriff "Deutschenfeindlichkeit" nicht von böswilligen Menschen erfunden wurde, sondern eine Realität widerspiegelt, die zwar noch marginal ist, aber wächst. Und zu der Leute wie Kenan Kolat und auch Journalisten beitragen. Sarrazin ist der Fokus, aber getroffen werden mit dieser Unterstellung der Integrationsverhinderung viele "normale" Berliner Bürger.
Katrin Schuster schrieb am 19.07.2011 um 13:32
Zum Glück habe ich ja nirgends behauptet, dass der Begriff "Deutschenfeindlichkeit" von "böswilligen Menschen erfunden wurde". Überhaupt scheinen Sie zu übersehen, dass mich die Wirklichkeit hinter den Fernsehaufnahmen eher wenig interessiert, da die nunmal für jeden anders aussieht.
goedzak schrieb am 19.07.2011 um 13:37
Na, na, Hasstiraden?!! - Der Mann ist nunmal ein Rassist, eine ganz sachliche Feststellung. Er ist, nebenbei gesagt, auch 'Klassist', was ihn anscheinend besonders qualifiziert, SPD-Mitglied zu sein und zu bleiben.

Und Deutschenfeindlichkeit? Das ist ein alter Hut, gibt es schon seit Jahrzehnten, in England, Frankreich, Polen usw. - seit, äh, na!, ach ja, seit 1945 spätestens. Und das, obwohl 'wir' und 'unsere' Vorfahren doch nie jemand ein Leid angetan haben, geschweige denn 'uns' als was besseres gefühlt hätten...
Jan Jasper Kosok schrieb am 19.07.2011 um 13:44
@Nietzsche 2011

Ich wohne in Kreuzberg. Ich kann ihre marginale [sic!] Realität beim besten Willen nicht bestätigen, schon gar nicht ihr Wachstum. Ganz im Gegenteil: Kreuzberg empfinde ich als einen von der Stimmung her wärmsten Stadtteile Berlins. Hands the Question: Kennen Sie Kreuzberg?

Des Weiteren kann ich das Sachlichkeitsargument im Bezug auf Sarrazin nicht mehr hören. Es mag ja sein, dass Sarrazin in seinem Buch – ich habe es nicht gelesen – "nur mit Fakten" jongliert, Profit aber zieht er aus der Nische des Rechtspopulisten, in die man ihn/er sich gesetzt hat. Das ist für ihn mehr als ein "positiver" Nebeneffekt. Wer dem auf den Leim gehen möchte, um seine Vorurteile zu pflegen, bitteschön.

Dass an Sarrazin etwas faul ist, hat man im Kiez gottseidank bemerkt. Bei den Öffentlich-rechtlichen scheint man allerdings kein Problem mit Gammelfleisch zu haben. Das wiederum ist ernüchternd.
dame.von.welt schrieb am 19.07.2011 um 13:58
Hüstel - ich kenne Kreuzberg von mehr als Restaurantbesuchen, ich wohne nämlich hier, als 'normaler Bürger'.
Die 'Realität Deutschenfeindlichkeit', über kleine, bescheuerte und mit etwas Zivilcourage leicht beizulegende Auseinandersetzungen hinaus, ist mir noch nie begegnet. Integration ist eine Anstrengung von ZWEI Seiten - es gibt Versäumnisse auf beiden.

Sarrazin ist der Erlaubnisgeber für die Integrationsversäumler auf der deutschen Seite zu ihrem feigen und pauschalen Gepöbel. Wald>reinrufen>rausschallen - das gilt auch für Sarrazin. Was für eine bescheuerte Idee, mit Fernsehteam und Entourage in Kreuzberg und Neukölln 'das ernsthafte Gespräch' suchen zu wollen.
Nietzsche 2011 schrieb am 19.07.2011 um 20:59
@Jan Jasper Kosok um 13.44
Die Frage "Kennen Sie Kreuzberg?" ist mit ja oder nein schwer zu beantworten. Nicht nur, dass man sein Leben dort verbracht haben sollte - ich unterscheide auch zwischen Bergmannstraßenkiez und die Gegend um den Kotti. Und ich gebe auch zu, "nur" in Nord-Neukölln gewohnt zu haben. Dies Umstände berücksichtigt, beantworte ich Ihr Frage mit Ja.
"in die man ihn/er sich gesetzt hat" - Sarrazin hat sich gewehrt gegen die Vereinnahmung (!); vielleicht halbherzig.

Abschließend aus dem Buch "S. 62: Bei den Migranten aus dem Nahen Osten erwerben 55 Prozent der zweiten Generation die Hochschulreife, 22 Prozent schließen allerdings weder eine Schule noch eine Lehre ab. . . . Aus Afrika stammende Migranten haben zu 25 Prozent keinen Bildungsabschluss. Nur 20 Prozent der afrikanischstämmigen Schüler besuchen die gymnasiale Oberstufe." Was ist daran falsch? Eben kein Rundumschlag gegen Migranten!
Siehe auch Berliner Zeitung 26.01.2009 „Türken sind am schlechtesten integriert“
Nietzsche 2011 schrieb am 19.07.2011 um 21:01
@dame.von.welt um 13.58
So haben Sie Ihre Erfahrungen und ich die meinigen gemacht.
keiner schrieb am 19.05.2012 um 10:25
@ Jan Jasper Kosok schrieb am 19.07.2011 um 13:44:

Ganz guter Kommentar zu einem ausgezeichneten Beitrag (nicht Nietzsche mit der Nummers, sondern Katrin Schusters, um Missverständnisse zu vermeiden)

Dieser medial begleitete Kreuzberg-Besuch Sarrazins sollte nur eins erreichen: dass er zum Opfer stilisiert wird und seine Agenda, Muslime aus Deutschland zu vertreiben, ein Stück weit befördert wird.

Eine Provokation in der Hoffnung, dann 'zeigen' zu können, wie inkompatibel 'der Islam' mit vom Grundgesetz geschützten Werten wie der Meinungsfreiheit sei.

Sie durchschauen dieses miese Spiel offenbar, und das ist gut so.

Warum erkennen Sie aber das selbe Muster nicht, wenn Sie hier im Forum als Ordnungshüter missbraucht werden?

www.freitag.de/community/blogs/jan-jasper-kosok/irgendwie-schweigen

In Chaplins 'Diktator' gibt es eine Szene, in der er sich, fassungslos über die Vandalisierung seines Ladens, an den Schupo an der Ecke wendet, und diese Szene wird so entlarvend, weil der schlicht mit den Achseln zuckt.

Ausschluss als Mittel der Selbstvergewisserung einer Gemeinschaft: das ist eine sehr bedenkliche Strategie.

Und diesem Forum hier tut es nicht gut.

Nehmen Sie einen Beitrag wie diesen hier

www.freitag.de/community/blogs/gerard-monsees/die-normative-kraft-des-faktischen-islam-deutschland

- wenn Sie ihn genau lesen, finden Sie, philosophisch verbrämt, z.B. die Beschwerde von Neonazis wieder, dass sie schlicht nicht genug ficken können, weil 'die Muslime' ihnen die Frauen wegschnappen, diese angeblich wie Dreck behandeln und ihnen, den Nazis, auch noch verbieten, an diesen heimlich als paradiesisch empfundenen Zuständen (die mit der Realität nichts zu tun haben) teilzuhaben. (dass die Attraktivität von völkischen Dumpfbacken so eingeschränkt ist, dass hierin die Ursachen für die beklagten Umstände zu suchen wären, dringt in diese hermetische Sichtweise - die auch gerne und oft auf 'deren' angeblich längere Schwänze reduziert ist - nicht ein)

Oder die Aufregung neulich: da erklärt ein greiser Literat, der jüdische Staat Israel treffe Vorkehrungen, ein ganzes Volk - das iranische - 'auszulöschen' und er könne dazu nicht mehr schweigen, als Deutscher sei ihm die Vorstellung, unter dieser Voraussetzung zum 'Überlebenden' zu werden, schrecklich - er konnte aber 60 Jahre lang verschweigen, dass er als Jugendlicher Mitglied der SS war, einer Organisation, die beim systematischen Mord an den Juden Europas - und das ist nicht herbeiphantasiert, sondern historisch gesichert - eine Schlüsselrolle gespielt hat, und den Umstand, dass es in Israel tatsächlich Menschen gibt, die man als Überlebende bezeichnen kann, ist ihm keine Silbe wert.

Wie mir auch nicht bekannt ist, dass er den Weltfrieden für besonders bedroht hielte, weil, wie kürzlich geschehen, Indien eine atomwaffenfähige Langstreckenrakete testet. (Erstschlagswaffe, die Peking erreichen kann).

Sind halt keine Juden, die Inder, also werden sie schon keinen Weltkrieg anzetteln...

(Aus nationalsozialistischer Sicht liest sich das so: Hitler hatte die Welt gewarnt, sich seinen Plänen nicht in den Weg zu stellen und vorausschauend - er war sich des Einfluss des Weltjudentums gerade in den USA bewusst (heute heisst das 'jüdische Lobby') - die Juden im Reich in Geiselhaft genommen. Dass er - und mit ihm die Deutschen - sich bei Kriegseintritt der USA wehren mussten, ist heute noch jedem Nazi klar (und so wurde auch der kleine Blechtrommler zum Opfer)).

Und DerFreitag? Augstein schreibt beim Spiegel dumme Kommentare a la 'musste mal gesagt werden'

www.spiegel.de/politik/deutschland/jakob-augstein-ueber-guenter-grass-israel-gedicht-a-826163.html

Sarrazin lässt grüssen, und 'Kollege von Grote' (JA über GvG) stellt hier ungehindert 'Deutschland erwache' Artikel ein

www.freitag.de/community/blogs/georg-von-grote/guenter-grass---nachgedanken

Stellen Sie Ihre Ordnungsliebe mal für einen Moment hintan und reflektieren, ausgehend von Ihrem eigenen Kommentar oben, welche Wirkungen Ihr Handeln, z.B. die Sperrung Rahabs, tatsächlich hat: wenn Sie ihn ernst gemeint haben, ist das in Ihrem eigenen Interesse!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 19.07.2011 um 14:15
Sarrazin geht nach Kreuzberg um mit Menschen mit Migrationshintergrund ins Gespräch zu kommen. Er wird aufs übelste beschimpft, verleumdet und ihm wird die Gastfreundschaft verweigert. Ein beschämendes Schauspiel das für sich spricht.
goedzak schrieb am 19.07.2011 um 14:20
Gut, dass Du das noch mal gesagt hast.

Ruf den guten Mann an und stelle Dich ihm zum Trost als Gesprächspartner zur Verfügung!
Jacob Jung schrieb am 19.07.2011 um 14:46
@Mandelbrot

Sarrazin beschimpft Menschen mit Migrationshintergrund aufs Übelste und verleumdet sie. Danach zieht er nach Kreuzberg, um seine PR- und Verkaufs-Tour fortzusetzen und wundert sich, dass ihm dort die "Gastfreundschaft" verweigert wird.

Du verwechselst eindeutig Ursache und Wirkung.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 19.07.2011 um 15:13
Sarrazin hat niemanden beschimpft, sondern lediglich unangenehme Wahrheiten ausgesprochen und diese durchgehend mit Quellen unterlegt.
dame.von.welt schrieb am 19.07.2011 um 15:29
Ach Mandelbrot - wo bitte liegt denn eine Wahrheit z.B. im vorenthaltenen Respekt für 'Kochtuchmädchenproduzentinnen'?
Es ist müßig, die 'Quellen' von Sarrazin erneut zu diskutieren, ist flüssig gekaut.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 19.07.2011 um 15:45
@ Dame.von.Welt

Nun, wenn sie im Gegensatz zu den bisherigen, allesamt gescheiterten Versuchen (auch in dieser Zeitung) Sarrazin Quellen zu widerligen wissen, lohnt durchaus eine Diskussion, ansonsten können wir das überspringen.
Wo die Wahrheit in der "Kopftuchmädchen"-Äußerung liegt?
Ganz einfach, das man den Menschen die sich bewusst abgrenzen und unzureichend etwas zum Gemeinwohl beitragen, keinen Respekt zollen muss. Das ist eine simple Wahrheit.
Jacob Jung schrieb am 19.07.2011 um 16:05
@Mandelbrot

Wer sich bewusst abgrenzt und nichts zum Gemeinwohl beiträgt, der verdient keinen Respekt? Das ist keine "simple Wahrheit" sondern ein Angriff auf die Unantastbarkeit der Menschenwürde. In der Verfassung steht zumindest nicht, dass der Respekt vor Menschen durch deren Beitrag zum Gemeinwohl konditioniert ist.

Dieses Statement bezieht sich übrigens nicht auf Menschen mit Migrationshintergrund. Ich will damit nur zum Ausdruck bringen, dass der Respekt vor jedem Menschen unverbrüchlich sein muss, unabhängig davon, wie er sich zur Gesellschaft stellt oder ob er bereit oder in der Lage ist, dem Gemeinwohl zu dienen.

Wenn Du die "bisherigen Versuche" Sarrazin zu widerlegen als gescheitert betrachtest, dann sollte man vielleicht eher die Diskussion mit Dir überspringen.

Die von Sarrazin zitierten Experten haben sich selber doch bereits von seinen Äußerungen und Thesen distanziert und deutlich gemacht, dass er sie unvollständig, unrichtig oder in einem verkehrten Zusammenhang wiedergegeben hat. Hinzu kommt, dass die meisten Aussagen in Sarrazins Buch gar nicht erst durch Quellen belegt werden. Er postuliert stattdessen seine subjektiven Standpunkte. Es handelt sich doch bei Weitem nicht um eine wissenschaftliche Arbeit.

Du schreibst: "Sarrazin hat niemanden beschimpft, sondern lediglich unangenehme Wahrheiten ausgesprochen..."

Erkläre doch bitte noch, was an "Wahrheiten", die es auf den Amazon-Verkaufsrang 32 in der Kategorie Bücher gebracht haben, so "unangenehm" sein soll. Die damit verbundenen Einnahmen sind Sarrazin ganz bestimmt nicht unangenehm. Und selbst wenn er aus Kreuzberg verjagt wurde: An deutschen Stammtischen ist er dafür umso willkommener. Beides war ihm m.E. vorher bewusst und gehörte somit zum Vertriebskonzept. Dass Leute wie Du in seinen Thesen mehr sehen, als eine populistische Masche zum Geldverdienen, dürfte selbst Sarrazin ein Griemeln abringen.
Kunibert Hurtig schrieb am 19.07.2011 um 18:51
Jacob Jung schrieb am 19.07.2011 um 16:05

Ich empfinde den Begriff Schweinefleischfresser für mich durchaus als respekteinflößend und meiner Menschenwürde angemessen ... bin allerdings kein Migrant.
miauxx schrieb am 19.07.2011 um 23:30
@Mandelbrot

"Sarrazin hat niemanden beschimpft, sondern lediglich unangenehme Wahrheiten ausgesprochen und diese durchgehend mit Quellen unterlegt."

Es ist natürlich hervorragend, auf "Quellenbelege" verweisen zu können, wenn es um "unangenehme Wahrheiten" geht. Man kann sich so wunderbar dissident fühlen, wenn man zu untermauern vermag, dass die "unangenehme Wahrheit" nunmal die Wahrheit sei.

Wenn Sarrazin auf mögliche Fakten zum niedrigeren Bildungsniveau oder Integrationsverweigerung seitens Ausländer verweist, ist das eine Sache. Damit könnte er seinem postulierten Anspruch, die "unangenehme Wahrheit" über verfehlte Integration auszusprechen, ja vielleicht noch nachkommen.
Doch dabei bleibt es bei ihm ja aber nicht.
Er verkennt, oder will verkennen, dass diese Probleme in der hiesigen sozialen Realität bestehen und gründen. Und dabei ist zunächst keiner Seite - Migranten und Deutschen - ein einwandfreier Schwarzer Peter zuzuschieben.
Um das Problem auf eine möglichst einfache Formel zu bringen, den Leser also nicht allzu ratlos zurückzulassen, verschiebt Sarrazin die Angelegenheit auf vermeintliche genetische Defizite seitens betreffender Ausländergruppen oder Ethnien. Noch schlimmer ist dann sein suggestives Drohszenario, dass diese Defizite die Wohlgestalteten, das wären "wir", überwuchern werden, weil sich dieses ganze Malaise freilich weitervererbt. Hierfür ist dann Darwin Sarrazins Zeuge.
Sarrazin hausiert in diesem Fall mit einer spekulativen 'Wahrheit', die vor über 100 Jahren geprägt wurde und schon damals den Untergang des Bürgertums durch eine Schwemme dämlichen Pöbels befürchtete. Genau wie bei Darwin liegt die Motivation wohl auch bei Sarrazin in genau dieser Angst. Genauso wird die soziale Realität unter den Teppich gekehrt.
"Quellen" sind eine Sache. Sie belegen aber noch lange keine Wahrheit. Wer so etwas von sich als Autor oder über einen Autor bzw. ein Schriftwerk behauptet, hat immer unrecht. Dabei ist egal, worum es geht. Wichtig ist zunächst festzustellen, worüber ein Autor sprechen will. Dann kann man die Quellen diskutieren.

Ich weiß, die Diskussion über Sarrazins Quellen und seine Absichten, ist hier nicht ganz das Thema.
Den Artikel versteh' ich auch eher als Medienkritik. Wenn der aspekte-Beitrag schließlich so läuft, wie hier beschrieben, dient er wohl am besten als weitere Werbung für Sarrazins Buch.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.07.2011 um 10:23
Die Sarrazin-Debatte wurde ja hier schon mehrmals geführt und im Grunde sind die Positionen ausgetauscht.

Deshalb recht kurz:

@ Jakob Jung
Ja die Versuche Sarrazin zu widerlegen, sind größtenteils gescheitert und seine Kernkritik das sich bestimmte Migrantengruppen unzureichend integrieren, konnte niemand wirklich schlüssig entkräften. Solche Leute wie Foroutan und Co haben sich dabei teilweise sogar ziemlich blamiert, weil sie nichtmal die Grundlagen der Prozentrechnung beherschten.

Wie es endet wenn man versucht Sarrazin argumentativ im vorbeigehen zu besiegen, zeigt ja weiter unten sehr anschaulich der Beitrag von gweberbv.

Das Thema Gene macht lediglich einen kleinen Teil des Buches aus, auch wenn das in den Medien immer anders rüberkam. Hier hat er sich sicher ein wenig vergaloppiert, nur das ist nicht das Kernthema des Buches!

Das sind die Quellen und damit kommen wir zur Interpretation der Quellen und zu miauxx:

Ja mag sein, das die Ursachen für die mangelne Integration und mangelnen Bildungserfolg im System liegen. Das Migranten und Kindern aus sozialschwachen Familien zig Steine in den Weg gelegt und ihnen Chancen vorenthalten werden.
Dann muss es aber immer noch eine Erklärung dafür geben, warum manche Migrantengruppen besser mit diesen Hürden klar kommen, als andere. Warum manche schneller deutsch lernen und höhere Bildungsabschlüsse erzielen.
Und damit sind wir wieder bei Sarrazin, denn der liefert dafür Erklärungen während sie halt nur vage auf "das System" verweisen. Das ist halt nen bißchen billig.
dame.von.welt schrieb am 20.07.2011 um 11:34
Apropos 'zig Steine in den Weg legen', 'Chancen vorenthalten' und 'Sarrazin ... liefert ... Erklärungen': vielleicht können Sie @Mandelbrot mir ja erklären, warum Herr Sarrazin mangelnde Bildung bei Türken und Arabern beklagt und sich in seinem Buch wortreich für Investitionen in die Bildung ausspricht, in seiner Amtszeit als Berliner Finanzsenator (neben seinen 46 Nebentätigkeiten) aber einen Personalschlüssel von einer (1) Erzieherin für sechzehn (16) Kinder einführte - um nur ein Beispiel aus seiner teuren Zersparpolitik zu nennen.

Das finde ich in der Kombination 'halt nen bißchen billig'.
miauxx schrieb am 20.07.2011 um 20:08
@Mandelbrot

"Und damit sind wir wieder bei Sarrazin, denn der liefert dafür Erklärungen während sie halt nur vage auf "das System" verweisen. Das ist halt nen bißchen billig."

Er liefert eben keine Erklärungen, die bei der Situation, auf der speziellen hier in D, bleiben. Er projeziert lediglich die hiesige unbehagliche Situation auf bestimmte Volksgruppen und folgert daraus vermeintlich allgemeingültige Schlüsse.
Dass allein die hiesigen sozialen Umstände, der 'böse' Kapitalismus oder was weiß ich allein schuld wären, es darauf zu schieben wäre, habe ich so nicht gesagt.
Sarrazins Thesen enden in nichts anderem als rassistischen Aussagen. Seine Ausflüge in die Genetik kann man nicht als "vergaloppieren" abtun, da sie für ihn den "Ausweg" aus der Integrationsproblemtik darstellen. Das ist mein Punkt. Wenn man das, was Sarrazin anbietet konsequent zu Ende denkt, kommt man bei nichts geringerem als den Forderungen der NPD raus. Der einzige Unterschied wäre, dass Sarrazin nicht von einer geschlossenen Volksgemeinschaft fabuliert, sondern etwas feiner nach "genetischen" Merkmalen sondiert. Juden und Polen etwa dürften gerne bleiben.
miauxx schrieb am 20.07.2011 um 20:17
Ach ja, Mandelbrot, da Sie auf den Kommentar von gweberbv abheben - lesen Sie mal die Replik von Columbus (schrieb am 20.07.2011 um 13:02) darauf!
glamorama schrieb am 19.07.2011 um 16:10
Ach, der Sarrazin … nimmt den tatsächlich noch irgendjemand ernst?! Kaum zu glauben. Immerhin haben sich die zentralen "wissenschaftlichen Fakten" seines Machwerks schon vor sechs Monaten als unwahr herausgestellt. Wo war das bloß? Ach ja - hier im "Freitag":

www.freitag.de/community/blogs/jaugstein/sarrazin-und-luegen-zu-weihnachten--nachtrag
ed2murrow schrieb am 19.07.2011 um 16:37
Kurz vor Erscheinen seines Buches gab Herr S. der WAS ein Interview unter dem Subtitel: „Ich bin kein Rassist.“ Mit der Aussage sowie einigen aus dem anderen, früheren Interview bei Lettre International habe ich mich auseinander gesetzt.

Die Interviews sind deswegen bezeichnend, als Herr S. darin nicht den Raum hatte, das Material auszubreiten, das angeblich die Wissenschaftlichkeit seiner Exkurse belegt, sondern er sich auf seine eigenen politischen Ansichten reduzieren musste.
Seit dem Erscheinen des Buches ist dieser politische Diskurs der Ausgrenzung, Verächtlichmachung, des Rassismus und des gespiegelten Antisemitismus völlig in den Hintergrund getreten. Weil angeblich statistisch untermauert, seien es nun „notwendige Wahrheiten“, die Herr S. verkünde. Keine Spur mehr von dem gleichen Duktus, den Treitschke angeschlagen hatte, als es um die nationale Findung des Deutschen Kaiserreiches ging, so wie heute um das Selbstverständnis der allseits verkündeten „Großmacht Deutschland“; kein Bedauern, wieder eine „Gruppe“ ausfindig gemacht zu haben, der man des Wehe (eigentlich die Wehen) einer Zentrumsmacht anhängen kann; keine Scham davor, in die tiefe Kiste der Entmenschlichung zu greifen, indem danach gefragt wird, ob und inwieweit mehr oder weniger dienliche Veranlagungen vorhanden seien.

Dieser Herr S. und seine wahnwitzigen Gefolgsleute haben nur eines nicht begriffen: Indem sie den nichtsnutzen Fremden als (O-Ton WAS-Interview) „muslimischen Migranten“ konnotiert haben, haben sie sich eine Gegnerschaft aufgebaut, die ein gutes Drittel der Menschheit umfasst. Und deren Provenienzstaaten. Das ist ein fundamentaler Unterschied zu jenen Menschen, die „Objekt“ Treitschkes und in der Diaspora jeglicher Willkür ausgeliefert waren. Oder sie haben es sehr wohl begriffen und legen es fundamental darauf an, tatsächlich jenen „Clash of Civilisations“ herbeizuführen, um Huntington doch noch als Prophet der westlichen Suprematie zu missbrauchen.

Das Umherschubsen, das sich Herr S. und seine Gefolgschaften gegenüber anderen leisten, ist ihm nun selbst widerfahren. Das ist gut so. Denn es zeigt, dass in der heutigen Zeit nicht lediglich die Verkaufserfolge eines obskuren Traktats das Bewusstsein bestimmen, sondern die „Objekte“ ihre Subjektsqualität erkannt haben und bereit sind, das nachhaltig zu artikulieren. Auch das ist Teil der heutigen Wirklichkeit. Dass ihr Sendeanstalten (und nicht nur die öffentlich-rechtlichen, nota bene) hinterher hinken, ist keine Neuigkeit. Aber dass kulturell offene Stadtviertel den eigenen Totengräbern den Zutritt schwer machen, das ist eine. Eine sehr gute sogar.
nil schrieb am 19.07.2011 um 17:00
Herr Sarrazin ist ein Mann der über viel Halbwissen verfügt und diese angereichert mit persönlichen Vorlieben und Abneigungen in einem Buch zusammenfaßt, und dafür tatsächlich auch noch einen Gewinn erwirtschaftet. Genau so wird er auch in die Geschichte eingehen. Nicht der Rede wert. Schließlich hat er sich selbst in diese peinliche Lage manövriert und jetzt ist das alles nicht mehr rückgängig zu machen. So ist das mit der Ursache und den Wirkungen.
ed2murrow schrieb am 19.07.2011 um 17:17
nil schrieb am 19.07.2011 um 17:00

"Nicht der Rede wert."
Ich bin mir nicht so ganz sicher, ob Sie sich darüber im Klaren sind, wo und wie überall genau darüber gesprochen wird. Damit hat Herr S. mehr als "einen Gewinn erwirtschaftet" - er hat einen Diskurs gesellschaftsfähig gemacht, bei dem aufgeklärte Menschen besonders hellhörig werden sollten.

Gegenüber jenen, die dieser Herr S. verächtlich macht, ist das "Nichtdarüberreden" zudem ein Zynismus. Vielleicht hätte er sein Büchlein ein wenig in Richtung Esoterik statt Religion ausdehnen sollen, um auch bei Ihnen die geneigte Aufmerksamkeit zu erheischen.
nil schrieb am 19.07.2011 um 18:07
@ed2murrow

Ich verstehe Ihren Einwand.

Vielleicht hätte er sein Büchlein ein wenig in Richtung Esoterik statt Religion ausdehnen sollen, um auch bei Ihnen die geneigte Aufmerksamkeit zu erheischen.

Aber auch dann hätte mich Herr S. nicht interessiert. Ich bin von Natur aus so. Ich gebe lieber Menschen die es in meinen Augen verdienen meine Aufmerksamkeit. Das ist besser. Ich sehe natürlich auch ein wann man eingreifen sollte um einem Elend ein Ende zu bereiten. Aber bis jetzt schlägt sein kosmisches Karma doch zurück, und entlockt mir ein innerliches grinsen:) wenn ich davon höre...
Die Kreuzberger haben alles gut geregelt mit ihm. Ein tolles Beispiel für Ursache und Wirkung.
miauxx schrieb am 19.07.2011 um 23:47
@nil

"angereichert mit persönlichen Vorlieben und Abneigungen"

Das ist eine treffende Aussage, wenn auch nicht weiter argumentiert.
Da seine vermeintlichen Quellen so viel diskutiert wurden bzw. werden: Sarrazin argumentiert seine Quellen nicht oder stellt mögliche Gegenauffassungen zu Diskussion. Er ist offensichtlich geleitet von der persönlichen Emotion und wohl auch einer wohlkalkulierten Wirkung seiner Thesen. Er macht sich seine Quellenauswahl passend.
Hätte er grundsätzlich anders gehandelt, hätte er wohl auch keinen Gewinn erwirtschaftet.
Das Anführen wissenschaftlicher Quellen ergibt leicht den Anschein von Wissenschaftlichkeit. Sarrazin selbst versucht(e) immer, sich auf eine solche zurückzuziehen.
"Halbwissen" hin oder her: Man sollte sich nicht täuschen lassen - "Deutschland schafft sich ab" ist in erster Linie ein subjektives Bedürfnis. Es ist in erster Linie ein Lamento mit Ansätzen zum Jähzorn.
Columbus schrieb am 19.07.2011 um 18:01
Notwendige Betrachtung zu dem Versuch, mit dem Skandalautor durch Kreuzberg zu ziehen und daraus einen Kulturbeitrag machen zu wollen. Danke Frau Schuster.

Es gibt bei unseren westlichen Nachbarn ein prominentes Beispiel. Sarkozy wollte erst kräftig kärchern (2005), dann wollte er auch reden (2007). Als das auch nicht recht klappte, riefen seine Mannen und Frauen im TV, sehet, so sind sie, der Abschaum.

Schade, dass das ö.r. Medium "Aspekte", hat da im Hintergrund der sowieso in diesen Fragen eingenordete Helmut Herles (Redaktion und Moderation) das Weisungsrecht genutzt, da mitmacht. Frau Balcis Motive und ihre Einbindung in die Vorbereitung dessen, was man da macht, kenne ich nicht. Aber naiv wirkt das schon, Sarrazin mit denen zu konfrontieren, die er beleidigt und kollektiv abschreibt, die aber auch sein Buch nicht lesen.

Sarrazin im Medium, das ist wie Broder auf Dienstfahrt mit dem ARD-Auto. Da wird es manches Mal sogar dem Beifahrer fast übel, der vrschämt in die andere Richtung schaut und die Klappe hält.

Warum diese Art Journalismus nicht auch einmal ein paar interne Fernsehleute kotzen lässt, weiß ich nicht. Wahrscheinlich, weil die Sender zu gut bezahlen und sich ihrer Schafe letzlich auch sicher sind.

Das wird nun ein Sommerlochfüller und Aufreger erster Güte, und Sarrazin kann öffentlich weiter machen, mit neuer Aufmerksamkeit und einer zumindest leichtfertigen, medial herbeigeführten Skandalisierung.

Scheußlich.

LG
Christoph Leusch

PS: Wissen Sie, ob Frau Balci an der Planung der Reportage beteiligt war, ob das ihre Idee war, welche Zeit sie auf diesen Beitrag aufgewendet hat? Ansonsten, wenn sie nur mitlief, dann ist das auch nur ein Suchen nach Öffentlichkeit ohne allzu viel Nachdenken.
Katrin Schuster schrieb am 19.07.2011 um 20:12
@Columbus: Die Frage, die Sie im P.S. stellen, kann ich leider nicht beantworten, aber hier gibt es seit heute ein Interview mit der Autorin: aspekte.zdf.de/ZDFde/inhalt/10/0,1872,8284586,00.html, da erklärt sie ein bisschen was (soweit ich es grad gesehen habe).
dame.von.welt schrieb am 19.07.2011 um 21:31
Hier das Video hstreaming.zdf.de/zdf/300/110718_balci_i_f21.mov , in dem Güner Balci den Hintergrund, Ablauf und ihre Absicht erklärt.

Von ihr und Nicola Graef stammt auch der Film 'Kampf im Klassenzimmer: Deutsche Schüler in der Minderheit' mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/799280_reportage---dokumentation/5288502_kampf-im-klassenzimmer--deutsche-sch-ler-in-der-min

Aus der Welt von ihr 'Nutznießer der Parallelwelt' www.welt.de/print/die_welt/kultur/article10366834/Nutzniesser-der-Parallelwelt.html und - auf das 'Manifest der Vielen' www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1397225/ ihr Artikel 'Das unsägliche Manifest der beleidigten Muslime' www.welt.de/debatte/kommentare/article13172763/Das-unsaegliche-Manifest-der-beleidigten-Muslime.html

Hier ein Video über die Filmerei in Kreuzberg www.youtube.com/watch?v=gxwFgomFR9o&feature=player_embedded#at=127 und ein Artikel vom aggromigrant www.aggromigrant.com/2011/07/18/sarrazin-und-balci-mussen-weg-aus-kreuzberg/
Alien59 schrieb am 19.07.2011 um 18:02
@Katrin Schuster: Mein Mitleid mit Frau Balci hält sich doch sehr in Grenzen. Dass gerade sie sich dazu hergibt, einen solchen groben Unfug zu veranstalten, wundert mich nicht. Und nun die Reaktion? Tja, wer Dreck anfasst, besudelt sich. Aber dieses Sprichwort kennt sie vielleicht trotz ihrer hervorragenden Integration nicht ....
GeroSteiner schrieb am 19.07.2011 um 21:48
Sarrazin interessiert mich nicht.
Fernsehen interessiert mich zwar auch nicht, aber das kann man wenigstens ausschalten. Ganz legal.
hadie schrieb am 20.07.2011 um 00:20
Zustimmung, ich muss nicht immer auf Ballhöhe mit der "BILD, BamS und Glotze" sein.
merdeister schrieb am 19.07.2011 um 22:10
"Guten Tag! Ich bin gekommen um zu fragen, was Sie von dem Haufen halten, den ich Ihnen letztes Jahr vor die Tür gekackt habe."
Katrin Schuster schrieb am 20.07.2011 um 16:26
merdeister schrieb am 20.07.2011 um 22:56
Typisch Unterschicht, die können sich nur mit Fäkalien wehren!
gweberbv schrieb am 19.07.2011 um 23:47
@Katrin Schuster

So unscharf wie Sarrazin sich ausdrückt bzw. wie er in dem Beitrag zitiert wird, kann er kaum widerlegt werden. Versucht es dann jemand in heiligem Eifer doch, so endet das leider weniger in der Entzauberung Sarrazins als vielmehr in einem klassischen Eigentor. So auch hier.

Man lese und staune (oder auch nicht): www.faz.net/artikel/C30190/verwandtenehen-darueber-spricht-und-forscht-man-nicht-30431938.html

Eine Umfrage unter 800 türkischstämmigen, in Deutschland lebenden Frauen ergab also eine Anteil von "Verwandtenehen" von 25%. Gleichzeitig wird angegeben, dass Kinder aus diesen Verbindung eine doppelt so hohe Chance auf angeborene Krankheiten haben. Leider fehlt in beiden Fällen eine Angabe zum Grad der Verwandtschaft, aber sei's drum.

Falls beide Informationen nicht erstunken & erlogen sind, ergibt sich daraus zwangsläufig, dass der türkischstämmige Teil der Bevölkerung (bzw. jede andere Gruppe, in welcher überdurchschnittlich oft innerhalb der engeren Verwandtschaft geheiratet wird) eine erhöhte Rate an angeborenen Krankheiten aufweist.

Zu fragen wäre nun, ob diese Rate tatsächlich als "weit überdurchschnittlich" oder nur "überdurchschnittlich" zu bezeichnen ist - und ob das Thema "totgeschwiegen" wird oder lediglich nicht von herausragendem Interesse ist und folglich auch nicht intensiv debattiert wird. Insbesondere stellt sich angesichts des alarmistisch-pessimistischen Tonfalls von S. die Frage, ob eine um ein paar Prozent höher liegende Zahl von Krankheitsfällen - außer für die Betroffenen - irgendein existentielles Proble darstellt. Geht Deutschland tatsächlich daran zugrunde, dass ein paar Türken und Kurden bevorzugt mit ihren Cousinen schnackseln?

Aber diese Fragen kann man nicht mehr stellen, wenn vorher schon S. Aussagen mehr oder weniger explizit als totaler Humbug deklariert wurden. Dann kann man nur noch hoffen, dass wirklich kein Körnchen Wahrheit dran ist. Ansonsten steht sie nämlich dumm da, die Frau Schuster.

"Ehrlich: Mir fällt für einen Mann, der Menschen auf ihr genetisches Material reduziert und Behinderte ganz selbstverständlich als minderwertig begreift, leider auch kein anderes Wort ein."

Das Verfassungsgericht dieses Landes hat neulich die Aufrechterhaltung des Inzestverbots (unter anderem) genau damit begründet: keine behinderten Menschen in die Welt zu setzen.

Und jetzt? S. könnte sich demnach also auf das BVG berufen.

So läßt sich das Spiel nicht gewinnen, sorry.
Columbus schrieb am 20.07.2011 um 13:02
ad gweberbv schrieb am 19.07.2011 um 23:47

Lieber Gweberbv,

Auch wenn Sie es letztlich nicht glauben mögen. Auch allgemeinste Blödsinnigkeiten, wenn sie in der Zeitung oder in Büchern stehen, seien sie noch so renommiert oder populär, lassen sich leicht als falsche und faule Eier entlarven.

So geht es mit dem Thema Verwandtenehe. Tatsächlich besteht ein deutlich höhreres Risiko für Heiraten unter Verwandten ersten Grades. Es liegt dreifach höher, als im Bevölkerungsdurchschnitt. Immer bezogen, auf das doch niedrige, allgemeine Risiko der Bevölkerung.

Das muss dann, um die Größe des Problems überhaupt einschätzen zu können, in absoluten und relativen Angaben, vergleichend genannt werden.

Bei Cousinen und Cousins 1.Grades, liegt das Risiko für schwere Mißbildungen etwa doppelt so hoch, wie für den Bevölkerungsdurchschnitt (bei ausreichender Beratung und Schwangerschaftsplanung, fast auf dem Niveau des Durchschnitts, weshalb der "Fall" im FAZ-Artikel lehrreich ist), bei Verwandten 2.Grades sinkt das Risiko fast auf den Durchschnittswert.

Das gilt bei einfach vererblichen, schweren Erkrankungen, bei denen ein Gen oder sehr wenige, gekoppelte Gene verantwortlich sind. Aber niemals reicht diese Risiko bei den geringen Fallzahlen aus, eine ganze Bevölkerung zu schädigen und bestünde sie nur aus Cousins und Cousinen 2. Grades! (Das ist jetzt reichlich ein Bild, keine real verwirklichbare Biologie mehr, ;-)))

Die meisten Krankheiten und auch Intelligenzminderungen sind aber nicht einfach vererbt, zudem sehr häufig durch Umwelteinflüsse bedingt und meist entstehen schwere Mißbildungen durch spontane Mutationen, stellen also ein allgemeines Risiko dar.

Verwandte mit bekannten, schweren genetischen Krankheiten, bei denen tatsächlich ein deutlich höheres Risiko für Mißbildungen oder Erkrankungen der Kinder besteht, bekommen auf der ganzen Welt eher selten Kinder. Auch nicht in der Türkei oder am persischen Golf!

Worauf dieser FAS-Artikel anspielt, es aber nicht genau quantifiziert, das ist z.B. eine Häufung von Erbkrankheiten unter den Verwandten der Führungsschicht in den Golfstaaten, oder z.B. in bestimmten ethnischen Communities Europas oder Amerikas, auch in bestimmten Gegenden der Türkei, bei denen tatsächlich, durch den starken Wunsch in nächster Verwandtschaft Vermögen und Besitz weiter zu geben, immer wieder in einem sehr engen Kreis geheiatet wird.

Da steigt das Risiko tatsächlich, aber auch nicht so, dass davon eine ganze Population massiv betroffen ist. - Der Islam, das ist die wichtige Zusatzinformation, fördert Verwandtschaftsehen nicht!

Das Risiko für überhaupt eine feststellbare Fehlbildung (das sagt zunächst nichts über die Schwere und die Folgewirkungen für den betroffen Menschen) liegt im Bevölkerungsschnitt bei 2%-4%. Spontane Mutationen, Einwirkungen in der (Früh-)Schwangerschaft und eben einfach vererbliche und komplexe Gendefekte schon zusammen gerechnet!

Schwere Mißbildungen werden in der Regel in überhaupt keiner Kultur durch Ehen oder Partnerschaften regelmäßig weiter vererbt. Eher schon Stoffwechseldefekte, die sich erst nach der Geburt manifestieren oder sogar erst einige Jahre oder Jahrzehnte später als Syndrom in Erscheinung treten, oder aber beim Genträger unentdeckt bleiben, weil sie sich nicht phänotypisch ausprägen! Diese Menschen haben meist keine Kinder oder aber, werden für die wichtigsten und häufigsten Erkrankungen in ihrer Community ärztlich beraten, wie man denn, trotz der Genetik, so chancenreich wie der Durchschnitt, gesunde Kinder bekommt, sofern man es sich leisten kann.

Sie können aber davon ausgehen, dass massiver Alkoholkonsum durchschnittlich auf Embryos und Föten einen viel größeren Einfluss hat, als das erhöhte Erbrisiko aus Verwandtenehen türkischer, kurdischer oder arabischer Mitbürger und der Gäste unseres Landes.

Die Alkoholembryo(-feto-)pathie ist mit die häufigste vorgeburtlich gesetzte Kindsschädigung in unserer Zivilisation, zumal viele Fälle, die sich nur als eine leichte Intelligenzminderung oder Störung der motorischen Fähigkeiten, oder einer verringerten Aufmerksamkeitsspanne äußern, gar nicht daraufhin bekannt werden. Dieses Risiko, und jenes für ein Down Syndrom (Trisomie 21), tatsächlich eine schwere chromosomale Störung, deren Träger aber häufig gut leben, auch wenn es mehr Krebsfälle und eine verkürzte Lebenserwartung gibt, machen die Hauptzahlen.

So sieht es aus. Trotzdem lebt ein Teil der Deutschen, ohne sich den ganzen Tag Gedanken um den Niedergang der Kultur und ihre allgemein verbreitete, fortschreitende Verblödung zu machen, die tatsächlich aus kulturellen Gründen und zuviel Boulevard-Medienkonsum täglich wächst, lieber Vorurteile kruder Art aus.

Thilo S. Buch war in dieser Beziehung ein Höhepunkt. Sein Unsinn gilt nun als neue rote Bibel der durch Vorurteile und Unwissen leicht zu ködernden Angstgesellschaft.

Kommen Sie Geweberbv, geben Sie sich einen Ruck, schmeißen sie Thilo S. - Buch ins Altpapier oder begraben Sie es im Wald. Der Mann denkt tatsächlich und schrieb es, Intelligenz vererbe sich nach Mendelschen Gesetzen! Was soll ich dazu noch sagen. Vielleicht hat er diese Stelle in den Neuauflagen tilgen lassen, wer weiß? Es bleibt immer noch genügend Mist übrig, der hier in der dFC und im dF, aber glücklicherweise auch in manchen anderen Qualitätszeitungen und von den, von ihm vereinnahmten Wissenschaftlern, sowie vom Bundesamt für Migration, gehörig widerlegt wurde.

Das lasen nur die Boulevard-Verblödeten und die sekundären Analphabeten Germaniens nicht.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
gweberbv schrieb am 20.07.2011 um 17:13
@Christoph Leusch

Glückwunsch. Alles richtig gemacht, was Frau Schuster unterlassen hat.

Wären alle Kritiker dem guten Thilo so ruhig-argumentativ gegenübergetreten, dann hätte es diesen ganzen Hype nie gegeben.
Columbus schrieb am 20.07.2011 um 18:42
Freut mich.

Aber Frau Schuster arbeitete sich ja an einer anderen Baustelle ab. Da ging es um die Chancen und Möglichkeiten eines solchen Reportageformates und das Risiko, es hätte im Vorfeld schon diskutiert werden können, dass dabei gar keine Gespräche, sondern einfach nur Meinungen aufgezeichnet werden. Am Ende sicherlich solche, die geschmacklos, dumm und unüberlegt waren. Aber in dieser Richtung hatte ja Thilo S. bereits kräftig vorgelegt.

Frau Balci (Reporterin?, Redakteurin?, Werkvertraglerin?) ging im Auftrag von Aspekte (H.Herles), mit Thilo Sarrazin im Kiez spazieren und, -ich habe mit ihre Stellungnahme in dem Podcast (Danke Dame v.Welt und Danke Fr.Schuster) angehört und angesehen-, wollte ein vertieftes Gespräch führen. Sarrazin sollte mit Migranten konfrontiert sein, die er pauschal in seinem Buch angriff, die sich von ihm abgewertet und beschimpft fühlen durften, die sich dazu vorher bereit erklärten. Dazu sollte die ZDF-Kamera, als Reportagekamera laufen.

Das ist ein einigermaßen einfaches, milde gesprochen, wenig anspruchsvolles Reportage-Konzept. Zumal Frau Balci in dem TV-Interview nun betont, sie sei davon ausgegangen, es komme über Lamacun, Kebab, Kürbissen und Zucchini hinweg, tatsächlich zu einem ernsthaften Gedankenaustausch.

Wenn dazu aber ein Gesprächspartner, Herr Sarrazin, mitläuft, der erstens bekundet, die Situation vor Ort, das Gespräch vor der redaktionellen Gestaltung seines Buches, dort nicht gesucht zu haben, er wolle nun nur einmal nachschauen, wie die Realität ist, die er glaubt, mit pseudoexakter Empirie am Schreibtisch und mit ein paar beratenden Ghosts eingefangen zu haben.

Zweitens, dieser vorher, auf allen Kanälen und in seinem Bestseller postulierte, dass den inkriminierten Unterschichten und Migranten schlicht die Denkfähigkeit abgehe, sie mit ihm gar nicht ernsthaft unterhalten könnten und sie daher aus erlernter oder angeborener Unfähigkeit, nicht westlich-logisch-sachlich zu denken in der Lage wären, also gewissermaßen natürlich, religiös und sozial behindert seien (Da hat er bei Giordano und Frau Kelek von den Lippen abgelesen).

Dann darf man sich nicht wundern, was passiert.

Trotzdem ging Frau Balci prompt mit ihm zu den typischen Gemüsehändlern und zum Gastro-Betreiber, über die Thilo S. ja schon in "Lettre" sein Urteil fällte (E2m erinnert daran).

Ich weiß nicht, was Frau Balci trieb, aber wirklich große Gedanken hat sich ihr Team und Aspekte-ZDF da nicht gemacht. Das lief wohl eher als Konkurrenz zu ähnlichen Veranstaltungen, z.B. mit Broder aus dem fahrenden Wagen, den man so quer durch Germanien schickte.

Was einmal eine Untersuchung, journalistisch und wissenschaftlich wert wäre, warum sich die personalen medialen Muster bei Reizthemen mittlerweile so ähneln!

Denn, was Broder, Sarrazin und Kelek z.B. für diese Debatte sind, das sind z.B. Maxeiner und Mirsch für die Debatte um Verbraucher und Umweltschutz, oder Udo Pollmer für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Dazu gehörte vor Zeiten auch noch Björn Lomborg, etc....

Wenn es ums nationale und politische Geschäft geht, ist dann die Stunde der Poltergreise und Altaufreger angebrochen, die jede Debatte monopolisieren, und, auch hier eine Parallele zu Thilo S., ganz flink darin sind grundsätzlich allen anderen Teilnehmern Denkunfähigkeit zu attestieren.

Man könnte das fortsetzen für Wirtschaftsthemen, Renten, die Medien an und für sich, die Politikbetrachtung nach Beliebtheit, Umfragen und Persönlichkeitswerten.

Kinder, Kinder, Kinder. Auf solch´ ein Personaltableau setzen unsere besten aufklärenden Sender und Stationen, ja sogar Qualitätszeitungen, die diesem seltsamen Potpurri an Exzellenz regelmäßig Kolumnen, Reportagen und Zeilenwüsten zur Selbstdarstellung gestatten, Sendeplätze und Talkzeiten einräumen, sie wieder einladen, wenn man sie fast schon vergessen hatte.

Das kommt immer dann, wenn die Quote hoch geprügelt werden soll, oder wieder einmal zu wenige Kommentare verfasst wurden, die signalisieren, das Medium ist wichtig genug und steckt gerade im Sommerloch.

LG
Christoph Leusch
nil schrieb am 20.07.2011 um 20:14
@Columbus

Lieber Herr Leuch,

das haben Sie alles wahr, schön und gut zusammengefasst. Es war mir eine Freude Ihnen zuzuhören.

Herzliche Grüße
Nil
miauxx schrieb am 20.07.2011 um 20:20
@Columbus

Danke für den fachlichen Kommentar (schrieb am 20.07.2011 um 13:02)!
Neobe schrieb am 20.07.2011 um 10:18
Ich kenne keine behinderten "Türken" oder "Kurden" ich kenne aber behinderte Deutsche...Das gibt mir zu denken..!

Wie z.b diese hir:

www.pro-sarrazin.net/category/allgemein

Deutschen diskriminierung ist das mit abstand dümmste was ich in letzter Zeit gehört habe. Wer auf Ausländer und der unbedingten angabe von: Migrationshintergrund besteht brauch sich nich wundern. Der eine hat FOX-News der andere die Bild
M.Philipp schrieb am 20.07.2011 um 17:56
Der Rassismus grosser Anteile der schwer gläubigen Moslems und die Volksverhetzung von Seiten ihrer Einpeitscher ist das Problem-nicht die Reaktion darauf ; abgesehen von der ökonomischen Belastung, die dem Volk selbstgerechterweise von Links aufgedrückt wird. Wenn vor Allem Linke nur zur Selbst-Ironie fähig sind (arm aber sexy , auf deutsch :Nach mir die Sintflut`), und die sozusagen Rechts-Radikalität vieler Moslems ignorieren, dann sind wir natürlich nicht mehr im `grünen Bereich`!!
dame.von.welt schrieb am 22.07.2011 um 08:46
Özlem Topcu zum Thema: 'Essen und essen lassen. Warum es besser gewesen wäre, Thilo Sarrazin einen leckeren Döner zu servieren.' www.zeit.de/2011/30/Sarrazin/komplettansicht in dem und an dessen Fuß man bestens beobachten kann, 'wo und wie überall genau darüber gesprochen wird. Damit hat Herr S. mehr als "einen Gewinn erwirtschaftet" - er hat einen Diskurs gesellschaftsfähig gemacht, bei dem aufgeklärte Menschen besonders hellhörig werden sollten.'

Frau Topcu vertritt die Ansicht, man hätte Sarrazin mit größter Gastfreundschaft empfangen, sich bei dieser Gelegenheit endlich einmal mit seinen Thesen auseinandersetzen und ihn von seinen Vorurteilen befreien sollen. So aber habe man (Migranten-Yuppies, Schreihälse etc.) ihm 'die Tendenz zum Beleidigtsein' serviert.

In der Diskussion war vom 'Mob auf der Straße' die Rede, der 'im Stechschritt' die Grundrechte abschaffe, die kurzfristige Ausladung der alevitischen Gemeinde wurde unter 'Affengeklatsche' gefaßt, es wurden die Kürzungen von Transferleistungen, Ausweisungen etc.etc. wegen der Reaktionen auf Sarrazins Auftritt gefordert - kurz: es wurde einmal mehr 'Die Wahrheit' unterdrückt.

Zu meinem Amüsement am Rande des ganzen Galamas trug ein weiteres Mal Henryk Modest Broder bei, der den Journalistenpreis des Deutschen Kulturrates für 'Entweder Broder' gern zurückgeben möchte - als Reaktion auf Olaf Zimmermanns Kritik an aspekte 'Es ist wirklich mehr als peinlich, wenn ein renommiertes Kulturmagazin es offensichtlich nötig hat, einen solch vorhersehbaren Eklat zu inszenieren.' Dumm daran ist nur, daß der Preis gar nicht an Herrn Broder, sondern an den Hessischen Rundfunk ging, der ihn wiederum lieber behalten möchte.

Wär's nicht so blöd und so bitter, wär's wirklich allerbestes Sommertheater. Kaum noch gespannt bin ich darauf, was Güner Balci heute abend ab 23h15 in aspekte servieren wird.

Positivistisch betrachtet wird das womöglich sogar Vorteile für die Kreuzberger haben: je mehr Kreuzberg als rechtsfreier und intoleranter Raum dargestellt wird, in dem die einzig aufrechte, einsame, autochthon deutsche Bürgermeinung 'wie ein geprügelter Hund' vor die Tür gejagt wird, desto eher sehen vielleicht junge Erben aus kleinen Städten Westdeutschlands vom Umzug nach hier ab.

Es wird nämlich allmählich reichlich eng und unbezahlbar hier.
j-ap schrieb am 23.07.2011 um 16:13
»Positivistisch betrachtet wird das womöglich sogar Vorteile für die Kreuzberger haben: je mehr Kreuzberg als rechtsfreier und intoleranter Raum dargestellt wird, in dem die einzig aufrechte, einsame, autochthon deutsche Bürgermeinung 'wie ein geprügelter Hund' vor die Tür gejagt wird, desto eher sehen vielleicht junge Erben aus kleinen Städten Westdeutschlands vom Umzug nach hier ab.«

Eine grandiose Dialektiker sind Sie schon, liebe dame!

Damit der autochthone Kreuzberger (m/w), zu dessen Autochthonsein gehört, jedes Autochthonsein als Bedingung der Möglichkeit des Kreuzbergerseins an sich zu bestreiten, autochthon bleiben kann, begrüßt es der autochthone Kreuzberger (m/w) ausdrücklich, daß Kreuzberg als rechtsfreie, intolerante Sonderzone gewähnt wird.

Nur dann kann nämlich die seltsame Kreuzberger Toleranz autochthon bleiben: Zu der gehört es nämlich, sich selbst als den tolerantesten Teil der Republik zu wähnen, weshalb jeder, aber wirklich jeder dort willkommen ist — zumindest, wenn es sich dabei nicht um junge Wessi-Erben, FDP- oder CDU-Wähler, Schwaben, Touristen, Mercedes-Fahrer, Bänkster, McDonalds-Besucher oder Schwule handelt. ;-)
j-ap schrieb am 23.07.2011 um 16:16
Pardon: Dialektikerin, por favor!
dame.von.welt schrieb am 23.07.2011 um 16:49
Eigens für Ihre Augen, verehrter j-ap, klöppele ich das nächste Mal, bevor ich Ihrer geschätzten Aufmerksamkeit teilhaftig werden sollte (wann wird das sein, in etwa?) einen hübschen kleinen Ironie-Spitzenvorhang, einverstanden? Von im Beisein der Bezugsperson gewonnener, von zarter Kinderhand versponnener Seide, wenn es beliebt - da es Sie durch die etwas gröbere Webart ja offenbar sehr blendete.

Eigentlich vermute ich aber, Ihnen war einfach ein wenig langweilig und Kreuzberg, Toleranz, Sonderzone, die dame einfach mal wieder dranne. Oder Sie haben womöglich Kleinstadtblues, dann gebührt Ihnen natürlich all mein Mitgefühl.

Oops, beinahe vergessen: ...;-)...

.....................................................................

Da ich jetzt aber sowieso schon hier rumlungere, kann ich auch gleich ein bißchen Abbitte bei Güner Balci leisten. Den aspekte-Beitrag www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/500#/beitrag/video/1392892/Darf-man-das?-Mit-Sarrazin-in-Kreuzberg hatte ich mir nämlich (anhand der am 19.07.2011, 21h31 verlinkten Beispiele) viel schlimmer vorgestellt. Dabei hat sie Sarrazin eigentlich ganz realistisch aussehen lassen. Und das 'autochthone Kreuzbergersein' auch.
j-ap schrieb am 23.07.2011 um 17:06
Ach es ist viel banaler, Madame: Ich bin ein früh verbiesterter Schwabinger, der das Placet zur Restwelt an deren Fähigkeit abmißt, sich je als eine weitere Schwabing-Variante zu entpuppen. ;-)

Aber sehr gerne dürfen Sie mir eine Schondecke stricken, bevor Sie mich auf den Balkon des Sanatoriums begleiten, chère Madame Chauchat.

Dem allfälligen Kleinstadtblues, den ich aparterweise in eine Mittelstadt verlegt habe, entgehe ich in absehbarer Zeit durch einen wie ich finde lange fälligen, sich aber leider immer wieder verzögernden Umzug, über den ich Sie gern auf dem Laufenden halte, wenn Sie mir dann die Steppdecken nachsenden wollen.

Ich grüße Sie!

PS. Wer ist dieser Sarrazin, über den hier alle faseln?
Rahab schrieb am 22.07.2011 um 17:19
Katrin Schuster schrieb am 23.07.2011 um 16:20
Tobi-Eiki schrieb am 15.08.2011 um 17:00
Bei aller Liebe: Ich finde es unverantwortlich und mehr als verwerflich, dass das ZDF in die gleiche populistische Kerbe wie Thilo Sarrazin schlägt und die Thematik entsprechend für das sensationslüsterne Publikum aufbereitet. Eine solche "Reportage" hätte ich von RTL und Konsorten erwartet, aber nicht von einem öffentlich rechtlichen Sender wie dem Zweiten! Wenn ich "Clash of cultures" im TV sehen will, schaue ich "Frauentausch" oder ähnliches ;) Eine Schande, wenn man bedenkt, dass dafür Rundfunkgebühren ausgegeben werden...
Katrin Schuster
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