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Manchmal gibt es schöne, sinnreiche – nein, nicht Zufälle – sondern Zusammenfälle von Phänomenen und Ereignissen.
Also – ich habe mir so einen E-Book-Reader gekauft und probiere alles – wie immer bei solchen Einkäufen – glücklich verspielt aus. Allein der Gedanke, dass ich Hunderte von Klassikerwerken so auf mein Gerät laden kann, macht mich ganz wuschig. Eine völlig unangebrachte „Gier“ hat mich befallen – jedenfalls kurzfristig. Gelandet sind auf dem Reader allerdings bisher Sachen, die ich eigentlich schon kenne. Ich will jetzt wissen, ob ein neues Medium meine Sicht auf Literatur verändert.
Große Euphorie
des Neuen
Große Euphorie des Neuen. Und doch, und doch – es hat auch was Brüchiges, das ganze virtuelle Literaturwesen, nämlich was Treuebrüchiges. Bücher sind doch so etwa Anfechtbares, jeder Rezensent kann sie „erledigen“ und jetzt sind sie auch noch virtuell. Bedenklich, das alles.
Vielleicht hängen meine leise genährten Skrupel damit zusammen, dass ich ohnehin ein „Verhältnis“ zur alten Druckereitechnik habe. Hier habe ich – vor Jahr und Tag – mal darüber einen kleinen Beitrag geschrieben. Bleisatz und Umbruch
Und Zeichen der
Erinnerung
Nun also diese E-Book-Leidenschaft. Wie ein „Zeichen“ schien es mir, dass ich beim ersten Kapitel des ersten Buches, das ich erfreut auf mein Kindle geladen hatte, an die Treulosigkeit und das Vergessen erinnert wurde. Denn ich las die folgenden Sätze:
"In der Zeit, in der diese Geschichte spielt, waren die Stanhopepresse und die Walzen zur Verteilung der Druckerschwärze in den kleinen Provinzdruckereien noch nicht zur Anwendung gelangt. Trotz der Spezialität, die Angouleme zum Pariser Druckereigewerbe in Beziehungen bringt, bediente man sich dort noch immer der Holzpressen. Die rückständige Druckerei verwendete dort noch die Lederbälle, die mit der Druckerschwärze bestrichen waren und mit denen einer der Drucker leicht über die Lettern fuhr. Die bewegliche Platte, auf der die Form mit den Lettern sich befindet, worauf der Papierbogen gelegt wird, war noch aus Stein und rechtfertigte somit ihre Bezeichnung."
So also beginnt ein sehr bekannter französischer Roman. Und er erinnert an eine Zeit der Drucktechnik, die zwar nicht mehr ganz alt, aber doch noch sehr altväterlich und konkret war.
Es ist, als wollte dieser Zufall mir sagen: Vergiss die Anfänge nicht!!!
Werde ich nicht, aber – ich gebe zu – ohne diesen E-Book-Kauf hätte ich das klassische Werk – ein Zeit- und Gesellschaftspanorama – vielleicht nie wieder gelesen.
Frage: Weiß wer, wie das Buch heißt. Ich kann aber keinen E-Book-Reader verlosen.
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Genau :-))
Und wie versprochen, danke ich für die Auflösung und teile mit, dass Sie nichts gewonnen haben. Haben Sie denn einen E-Book-Reader schon mal ausprobiert? |
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Nein, nie. Ich bleibe lieber analog. Aber Ihnen viel Glück mit dem Ding!
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Ich kann mir vorstellen, dass so ein Reader vor allem auf Reisen brauchbar ist. Da kann man eine größere Auswahl an Büchern mitnehmen. Der Haken dürfte sein, dass man ja leider seine Papierbücher aus dem heimischen Regal nicht so einfach da reinziehen kann wie etwa seine CD's auf den iPod. (500 Seiten scannen oder einlesen?!!!) Also heißt es, Balzac nochmal kaufen...
Ich habe neulich auf eine längere Bahnreise mal mein Laptop mitgenommen, um mir eine gerade erworbene russischee 450minütige Verfilmung von 'Der Meister und Margarita' anzusehen. Das war eine seltsame Erfahrung. Man konzentriert sich auf den Film und ist plötzlich auf einer ganz anderen Reise, erlebt die, die man eigentlich gerade unternimmt, überhaupt nicht mehr. Ist eher wie Fliegen in diesem hermetischen Flugzeug mit dem Bildschirm vor der Nase... |
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Und ich dachte bisher ich sei vielleicht die einzige deutsche, die diese DVD-Sammlung hat... :)
Auf langen Fahrten lasse ich mich besonders gern über die Ohren entführen. Dann kann der Blick noch nebenher schweifen. |
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Ich werde die 3 DVDs zu Weihnachten nochmal verschenken. Dann sind wir schon zu dritt! :)
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Für Fach- und Sachliteratur wohl am besten brauchbar. Aber für Belletristik? Pfui Deibel!
Ich erinnere mich, dass wir an der Uni in einem Seminar mal eine Pro- und Contra Gesprächsrunde zum E-Book inszeniert haben. Mit allein praktischen Erwägungen konnte ich meinem Gegenpart, überzeugter E-Book-Anhänger, nur recht geben. Handlich, geringes Gewicht, man kann markieren und anmerken, im Vergleich zum Rechner-Bildschirm auch relativ angenehm zu lesen usw. Aber die kulturellen Bedeutung eines Buches, das haptische und optische Erlebnis, das Aufschlagen und Blättern, der Geruch, die Satztype, die auch ein Verhältnis zum Text aufbaut, das, wenn's gut war, erfüllte Zuklappen des Buches und auch das Gefühl, ein, das, Werk in Händen zu halten oder in's Regal zu stellen - - das alles war diesem Menschen schlicht fremd! Naja, und außerdem kann man auch Laub und Gräser in einem Buch pressen, Bücher stapeln und die Stapel als Tischbeine verwenden und notfalls auch Feuer damit machen ... |
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schrieb am
07.10.2011 um 00:41
"notfalls auch Feuer damit machen ..."
...sag, dass Du es nicht geschrieben hast. |
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schrieb am
07.10.2011 um 15:21
"Aber die kulturellen Bedeutung eines Buches, das haptische und optische Erlebnis, das Aufschlagen und Blättern, der Geruch, die Satztype, die auch ein Verhältnis zum Text aufbaut, das, wenn's gut war, erfüllte Zuklappen des Buches und auch das Gefühl, ein, das, Werk in Händen zu halten oder in's Regal zu stellen - - das alles war diesem Menschen schlicht fremd!"
All das kenne und liebe ich auch. Aber ich habe seit ich meinen Sony ebookreader habe (PRS505) nicht ein einziges normales Buc mehr gekauft, ja mehr noch auch nicht ein einziges normales Buch mehr gelesen! Warum: Die Vorteile überweigen einfach, ich kann 1500 Bücher zu Hause haben, auf einem Chip, ich kann sogar "Krieg und Frieden" entspannt in der Badewanne lesen (ist egal wie dick das Buch ist), ich kann alle Bücher die ich besitze mit in den Urlaub nehmen+++ Ich bin eine Leseratte und das ist schlicht mein wahrgewordener Traum Deswegen werden die klassischen Bücher den Weg der Langspielplatten aus Vinyl gehen. Ein paar Liebhaber die sie noch sammeln, ein Laden pro größerer Stadt und das wars. Und ich finde es auch nicht schlimm. |
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Die "kulturelle Bedeutung eines Buches" wandelt sich, hat sich gewandelt, und wie: Das Paperback-Taschenbuch hat mit dem zentnerschweren, in Holz, Leder und Metall geschlagenen Blockbuch des 15. Jahrhunderts nicht mehr viel gemein. Und das betrifft nicht nur den stofflichen Corpus, sondern auch den sozialen Gebrauchszusammenhang.
Das Geld etwa ist jetzt nach der quasi Überwindung seiner stofflich gebundenen Erscheinungsform bei sich selbst angekommen. Warum kann man nicht auch sagen, der Text hat sich von dem schweren Papierklotz emanzipiert? Visuelle Gestaltung, Layout, Schrift, Illustration, all das ist nach wie vor nötig und möglich. Da können sich die Grafiker in dem neuen Medium noch ausprobieren und seine Besonderheiten erkunden. JEDE Entwicklung bedeutet Gewinn UND Verlust. Aufzuhalten ist sie nicht. Zum Trost: Nichts, was mal war, verschwindet ganz, und kann immer wieder kommen (siehe Analogfotografie, Vinyl, usw. usf.) |
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Liebe Magda,
Glückwunsch zu deinem Neuerwerb, aber reden wir nicht heute über den, gar im Rausch des Neuen. Ich wünsche mir, Du berichtetest heute in einem Jahr, wieviele Seiten/Bücher Du bis dahin auf Deinem E-Bock gelesen hast, wieviele auf althergbrachte Weise. Keine Moral, kein Urteil, keine Inhalte, nur die Bilanz des Gelesenen überhaupt. - Von Kosten sei auch nicht die Rede. ok? Gruß Uwe |
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Zeitung lesen finde ich z.B. toll auf dem Ereader. Hat neben dem Frühstück Platz und ist auch unterwegs bei mir.
Außerdem habe ich mir (ich mußte beim lesen des Beitrages grinsen) auch Klassiker geholt und lese jetzt z.B. gerade "Bleak House" von Charles Dickens... Den Wälzer hätte ich sonst wohl eher gelassen, weil es mir haptisch zu schwer in der Hand liegt... |
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Ach wie hässlich sähe unser Wohnzimmer aus, statt deckenhohem Bücherregal so ein Elektrodings...
Nicht alles was geht muss auch sein. Aber wer's mag! |
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Hallo, hat sich ja doch allerlei gesammelt.
@ Koslowski - Danke, danke. @ goedzak - Nee, Papierbücher kann man nicht wandeln, aber mein Verhältnis zum Buchbesitz ist gar nicht so gefühlsbesetzt. Und - den Balzac kriegste kostenlos. Die Erfahrung, dass man "ganz woanders" ist, kann man schon machen, wenn man entweder selbst telefoniert auf der Straße oder Leute beobachtet, die das tun. Die sind auch alle "ganz woanders". Mehrere Welten, in denen man sich da bewegt. Und gleich auf den zweiten Kommentar. Dieser Wandel wird auch wieder von Gestaltung begleitet. Man hat ja - auf dem Schirm - auch ein Cover und all solche Sachen. @ mathegudrun- Ich finde neuerdings auch gehörte Literatur oder auch Musik auf dem Ohr sehr reizvoll. Und weiter unten: Das mit dem Zeitungslesen habe ich noch gar nicht ausprobiert. Meiner hat ja auch so ein Angebot. Ja und das Ding mit den Klassikern ist so eine Verlockung. :-)) Auch wieder eine andere Welt. @ miauxx - nee, ich bin nicht so haptisch und optisch gepolt. Meine Bücher sehen auch immer saumäßig aus. Für mich ist so ein "kulturloses" Teil genau richtig. @ rheinhold2000 "Die Vorteile überwiegen einfach, ich kann 1500 Bücher zu Hause haben, auf einem Chip, ich kann sogar "Krieg und Frieden" entspannt in der Badewanne lesen (ist egal wie dick das Buch ist), ich kann alle Bücher die ich besitze mit in den Urlaub nehmen+++" Ich denke auch. Mir wird das Freude machen, dieses kleine Literaturkästchen. Hat doch auch was Preziöses. @ Uwe Theel - Jaja, warten wir mal ab. Ich habe jetzt aber - kostenlos - schon mindestens 20 Klassiker aufm Gerät. @ rioges - Ja, ich mags und paar Bücher sehen bei mir auch noch rum. Danke für die Kommentare |
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"paar Bücher sehen bei mir auch noch rum. "
Das nenn ich doch mal eine interessante Vorstellung, wie die Bücher mir zusehen... ;) |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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