Michael Angele

Angeldust

28.06.2011 | 10:38

Cem Özdemir und der Migrationshintergrund – Replik auf Deniz Utlu

Ich stimme Deniz Utlu zu, dass "Migrationshintergrund" ein problematischer Begriff ist. Er ist unscharf (in der Tat: ein Philipp Rösler hat keinen "Migrationshintergrund") und er meint in der Regel eine bestimmte Gruppe: jungen Männer, deren Eltern oder Grosseltern aus dem aus dem südosteuropäischen oder vorderasiatischen Raum (Türkei!) nach Deutschland eingewandert sind. Zudem wird er oft gebraucht, wenn es darum geht, soziale Probleme zu adressieren. Es wirkt dann verklemmt. Der Begriff ist ja überhaupt nur in Gebrauch gekommen, weil seine "Vorgänger" (Utlu): Gastarbeiter, Ausländer oder ausländischer Mitbürger nicht mehr akzeptabel waren. Er ist also, so sehe ich das, ein Werkzeug der politischen Korrektheit.
 
Nun muss das gar nicht schlecht sein. Würde sich der Begriff tatsächlich durchsetzen und in den alltäglichen Sprachgebrauch einwandern, würde zumindest ansatzweise eine historische Erfahrung mitgemeint. Aber auch darin gebe ich Deniz Utlu recht, dass der Begriff das "Migrantische von der Migrationserfahrung entkoppelt" und entzeitlicht, also quasi essentialisiert, zum Wesen einer Person macht. Was tun? Utlu ist pessimistisch: "So lange das Konstrukt des Anderen gebraucht wird und das Denken beherrscht, lassen sich beliebt viele andere Worte finden", ... die, so kann man schlussfolgern, alle auch nichts bringen.

Das "Konstrukt des Anderen": Heerscharen von sich progressiv dünkenden Studenten der Soziologie, Philosophie, Ethnologie usf. wurden damit verblendet. Ich kann es nicht mehr hören. Einerseits ist es eine Binse, dass "der Andere" ein Konstrukt ist, also schlicht von selbst nicht vorkommt, andererseits ist der Begriff bestens geeignet, dumm zu machen. Erfahrungen auszublenden, Wahrnehmungen zu leugnen, Differenzen zu unterschlagen. Ich möchte es an einem harmlosen Beispiel demonstrieren. Ich spiele Fußball in einer Freizeitgurkentruppe. Es gibt zwei große Blöcke: Ur-Deutsche und Türken, daneben Polen, Albaner, Slowaken, Schweizer. Man müsste natürlich zu jedem dieser Bezeichnungen Anführungszeichen setzten, denn der eine Türke hat einen deutschen Pass und der andere ist eigentlich ein Kurde. Usf. Aber bitte, machen wir es nicht zu kompliziert an dieser Stelle.

Nun ist es in der Tat so, dass noch der schlechteste unserer Türken technisch besser ist als der beste der Urdeutschen. Wahr ist aber auch, dass sie sehr oft einmal zu viel dribbeln, statt den sicheren Pass zu spielen, und hängen bleiben. Ganz wie es das Klischee will. Unabhängig davon, ob man diese Auffälligkeit nun den Genen meiner Mitspieler oder ihrer Sozialisation zuschreibt, ist das kein "Konstrukt" (oder doch nur in einem sehr, sehr allgemeinen und somit unnützen Sinn). Es ist eine Tatsache.
Nun ist es ja gar nicht so, dass alle Türken, die bei uns mitspielen oder mitgespielt haben, exzellente Techniker sind. Eine Regel bedeutet ja zugleich, dass es Ausnahmen gibt. Aber wahr ist auch, dass die Ausnahme ohne Regel nichts besagen könnte.

Für eine ironische Sprache

Ich kann mich sogar an einen verblüffend schlechten Techniker erinnern. Er spielte nur einmal bei uns. Keine Ahnung, wer in mitgeschleppt hat, er war einfach plötzlich da, "Hallo ich bin der Cem". Es war Cem Özedmir, und wir bemühten uns sehr, unsere Aufregung zu kaschieren und den Promi als normalen Mitspieler zu behandeln. Im übrigen kam er uns dabei schon sehr entgegen, war angenehm unprätentiös, gab gar nicht vor, gut zu spielen, stellte sich vielmehr nach einer Weile lächelnd ins zweite Glied und machte den Torhüter.

Nun mögen Spötter einwenden, dass seine bescheidenen technischen Fähigkeiten nur zeigen, wie sehr sich der Vorsitzende der Grünen schon der deutschen Mehrheitsgesellschaft angepasst hat. Für mich ist es einfach eine nette Anekdote, die ich bei passender Gelegenheit zum Besten geben kann. Eine kleine, je nach Rahmen ausbaufähige Erzählung, die etwas über meine, und bei größerem Ausbau vielleicht sogar etwas über unsere Wirklichkeit sagen könnte. Es gibt keine politische korrekte Sprache für diese Erzählung. Ich müsste sie, würde ich sie hier ausbauen, mit Behelfsbegriffen anreichern. Ich könnte diese Begriffe nur ironisch einsetzen. So wie das meine türkischen Mitspieler selbst tun, wenn sie auf ihren "Migrationshintergrund" verweisen. Vielleicht wird es in ein paar Jahren der Begriff "Zuwanderungsgeschichte" sein, wie Deniz Utlu meint. Auch nicht optimal. Aber unperfekte Begriffe in Gänsefüßchen zu setzen, ist mir allemal lieber, als mit der pseudosoziologischen Keule "Konstrukt des Anderen" zu kommen.

 
Senden Bookmarken Drucken
Kommentare
Baphomed schrieb am 28.06.2011 um 10:51
Hallo Michael,

im Pott ist das ganz einfach,

es gibt solche und so welche und alle müsse ma Kohle machen um Kohle zu machen.

Liebe Grüße
Baphomed
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.06.2011 um 10:58
Das Nichtintegrieren von Begriffen in den Alltag geht auch manchmal auf die Quelle des Begriffes zurück, in dem Fall liegt die Quelle in der Politik und Soziologie (nicht immer beliebt), und sie fordert zudem auf, soll heißen, der "Deutsche" soll mit dem Gebrauch des Wortes eine andere Einstellung zeigen. Nun kann man auch spekulieren, ob es auch an der Nichtakzeptanz/ Fremdheit liegt, die dazu kommt.

Vielleicht ist es auch eine Frage der Zeit, bis sich das einfleischt (die andere Einstellung sich also entwickelt hat), vielleicht aber auch nicht. Bei Slogans ist es so, dass sie über Jahre und Jahrzehnte aufgebaut werden und dann zum Alltag gehören.

Persönlich ist mir das Wort zu unrund und zu gestelzt. Ich habe es jedenfalls noch nie gebraucht. Die Erklärungen (Entzeitlichung) im Text finde ich anregend, aber ich denke in dem Falle ist die Psychologisierung viel einfacher (um im Bild zu bleiben: die Deutschen sind eben nicht die größten Techniker). Beim Gebrauch von Sprache spielen nämlich manchmal ganz andere Faktoren eine Rolle.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.06.2011 um 11:11
Ist das die Gurkenversion der Autoren-Nationalmannschaft?
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 11:35
Nein, Hallenfußball. Die Autoren-Nationalmannschaft hat, glaube ich, keinen einzigen Migrationshintergründler in ihren Reihen. Das sagt ja auch was.
Calvani schrieb am 28.06.2011 um 11:07
Mhm, Michael, mhm.
Was Menschen mit einem Migrationshintergrund kennzeichnet, haben Sie beschrieben - mit allen Unschärfen, die der Begriff mit sich bringt. Okay. Mir - als irgendwie Betroffene - stellt sich die Frage von der anderen Seite.
Was charakterisiert eine/n (Ur-)Deutsche/n?
KalleWirsch schrieb am 28.06.2011 um 11:16
Gute Frage. - Nichts.

Deutsche an sich gibt es ja schon mal noch nicht so lange. Und es gibt kaum ein Volk mit mehr Migrationshintergrund als die Deutschen (die US Amerkaner toppen das noch). Völkerwanderung, Hunnen, etc., etc.
Baphomed schrieb am 28.06.2011 um 11:21
Hallo Calvani,

ganz einfach, ein UR DEUTSCHER ist jemand der aus einem anderen Land im Laufe der Geschichte in bereich der Heutigen BRD Kleben gebliegben ist.

Auch hier hat die Ruhr Pott sprache eine lösung sie kennt nur das wort hiesige ein Wort für Fremde/Zuwanderer gibt es Ruhr Pott Plattdeutsch nicht!

Liebe Grüße
Baphomed
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 11:33
Ur-Deutschen ist in gewisser Weise auch ironisch zu verstehen (mit dem "Ur"). Aber es ist doch klar, was gemeint ist: Ein Mensch, dessen Großeltern aus Worms oder Landau stammen, und eben nicht aus Izmir oder Sarajewo.
Rahab schrieb am 28.06.2011 um 11:36
nö. ich find das überhaupt nicht klar.
sind aus Worms oder Landau stammende jüdische Großeltern Ur-Deutsche?
Calvani schrieb am 28.06.2011 um 11:42
Mir ist das leider auch nicht klar. Was bedeutet: aus Landau stammen? Dort geboren worden zu sein? Dort über einen längeren Zeitraum gelebt zu haben?
luzieh.fair schrieb am 28.06.2011 um 11:45
de.wiktionary.org/wiki/stammen

ich tendiere hierzu: "aus etwas Bestimmtem gewonnen, produziert worden sein"

:-)
Baphomed schrieb am 28.06.2011 um 11:45
@Rahab

hier hast du uneingeschränkt Recht. Ja und Michael die Erklärung würde mich Wirklich Interessieren. Auch aus einem ganz einfachen Grund ich habe einen Freund lebt seid ca. 600 Jahren auf überwiegend Deutschem Staatsgebiet seid Jahrhunderten mit Pass und dem Titel Deutscher zu sein. Allerdings soll seine Biografie an der ich gerade Schreibe heissen Ich der Zigeuner, Geschichten einer Famielie in Deutschland. Es ist die Geschichte einer Berühmten Schausteller Famielie die gar nicht nett finden würde als UR Deutsche zu gelten auch wenn, persönliche Meinung er mehr Deutschen Kitsch besitzt als ich je auf einem haufen gesehen habe.

Liebe Grüße
Baphomed
Calvani schrieb am 28.06.2011 um 11:51
Mich interessiert die Antwort auch, Baphomed. Brennend. Schließlich geht es für mich um die Frage: Was bin ich?
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 12:11
Jeder Einwand ist für sich genommen richtig. Aber mich interessiert der Diskurs. Es wird sofort problematisiert und relativiert. Siehe mein Beispiel mit Worms: Dort geboren sein oder bloß dort gelebt haben? Aus einer jüdischen Familie stammend oder aus einer christlichen?

Der Effekt? Dass noch der banalste und völlig wertfrei gemeinte Hinweis auf einen Unterschied im Nebel der Relativierungen verschwindet.
Rahab schrieb am 28.06.2011 um 12:13
aha.
da muß wohl noch der unteschied zwischen relativierung und diversity geübt werden.
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 12:18
Einen Unte(r)schied "übt" man nicht. Wenn arrogant, dann bitte richtig. Danke
Calvani schrieb am 28.06.2011 um 12:28
Relativierung? Nein, im Gegenteil es geht mir um Konkretisierung. Die Religion ist dabei für mich zunächst noch uninteressant. Mich interessiert, was Sie, Michael, unter Abstammung verstehen.
KalleWirsch schrieb am 28.06.2011 um 12:30
Ich dachte, wir wären im Diskurs. Beim Austausch von Argumenten. Die völlig berechtigte Frage lautete, was ist deutsch. Ich finde das Wormser Beispiel beantwortet die Frage eben nicht. Weil sie auch dem Alltag nicht stand hält.
Meine Großmutter war Norwegerin. Reden wir jetzt bei mir von Migrationshintergrund? Ja oder nein. Können wir von mir aus. Aber im Allgemeingebrauch würde niemand auf die Idee kommen. Es würde auch niemand auf die Idee kommen mich als deutschen Christ zu bezeichnen. Wäre ich gebürtig Jude, würde man schon vom deutschen Juden sprechen, oder von deutsche Sinti (wenn man Glück hat;)).

Die Definition von deutsch, von national ist nun mal an sich problematisch. Und sie ist m.E. nicht zu trennen von der Diskussion über den Begriff Migrationshintergrund.

Und es geht doch gar nicht um Relativierung, sondern viel mehr um eine neue Deutung.
Rahab schrieb am 28.06.2011 um 12:38
bitte. ne editier-funktion wäre angenehm.
im übrigen übt mann die begriffliche unterscheidung. broch.
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 12:40
"Was ist deutsch?" war nicht meine Frage. Meine Frage lautet, drastisch und sehr allgemein formuliert: Kann es sein, dass ein bestimmte Art über Mitmenschen zu sprechen, "dumm" macht, das heißt, gegen Erfahrungen abschirmt.
KalleWirsch schrieb am 28.06.2011 um 12:42
Stimmt, aber es war Calvanis Frage, die sie sich bzw. Ihnen stellte nachdem sie den Artikel gelesen hat.
Calvani schrieb am 28.06.2011 um 12:48
Laut Tags und Überschrift geht es hier um den Migrationshintergrund. Die Frage "Wer ist Deutsche/r?" ist in diesem Kontext ein Synonym für "Wer hat in Deutschland keinen Migrationshintergrund?"

Und wir waren zur Konkretisierung der Antwort bei Ihrer territorialen Anknüpfung stehen geblieben, Michael:

Wer stammt aus Landau?
Baphomed schrieb am 28.06.2011 um 12:53
Umm sich mal der Drastischen Frage zu stellen. Nein!

Es ist ihre sprache die Ihr umfeld bestimmt und somit Ihre Erfahrungen, und ja auch Ihre "Dummheit". Die wir alle in uns tragen das erlernen verschiedener sprachenstile und auch auslegeungen bringt uns zwar etwas weiter, daher auch der verweis auf das Ruhrpott Deutsch, einer reinen Arbeiter sprache in die sie Ihren Artikel nicht Transferieren könnten. Sie würden nicht verstanden. Eine sprache die nur hiesige kennt und mit der Frage "wo kommse wech" meint in welchem Viertel jemand lebt, mit der frage was bissen du für ehner fragt wie jemand sich selbst beschreibt. Die einzige Frage die mann einem Ausländer in diesem sprachgebrauch stellt ist "bleibse oder gehse wieder?"

So um also wieder auf den Artikel zu kommen Vorurteile haben nicht die anderen die habe immer nur "ich" das ist es was ich dort lese.

Liebe Grüße
Baphomed
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 13:07
@Calvani

"Wer stammt aus Landau?"

Niemand, den ich kenne. Es war einfach ein Beispiel. Ach doch, die "dicken Kinder", falls Sie sich erinnern :)
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 13:07
@Calvani

"Wer stammt aus Landau?"

Niemand, den ich kenne. Es war einfach ein Beispiel. Ach doch, die "dicken Kinder", falls Sie sich erinnern :)
Calvani schrieb am 28.06.2011 um 14:00
Ich lasse Sie ja nur sehr ungern von der Angel, Michael, aber wenn Sie nicht wollen, was soll ich da machen? Dabei hab' ich den Fragen-Köder doch so schön sachlich ausgelegt....
Popkontext schrieb am 28.06.2011 um 18:01
@KalleWirsch
"Es würde auch niemand auf die Idee kommen mich als deutschen Christ zu bezeichnen. Wäre ich gebürtig Jude, würde man schon vom deutschen Juden sprechen, oder von deutsche Sinti (wenn man Glück hat;))."
Ja, weil der "deutsche Christ" die "Norm" ist, von der Ausgegangen wird, genau wie der "Hetero", der "Mann", der "Weiße". Alles, was das nicht ist, ist das "Andere", und wird benannt.

Das ist gesellschaftliche Realität - deshalb wurde ja auch mal die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass es so ist.

Unverstandene und -reflektierte Benutzung dieser Begriffe zementiert allerdings diese Kategorien, und schreibt den damit bezeichneten zudem bestimmte Vorstellungen zu, die im Zweifel mit dem Individuum gar nicht zu tun haben, es in eine bestimmte Rolle drängen, die wieder problematisch ist. So hatte ich den sehr interessanten und aufschlussreichen Text von Deniz Utlu jedenfalls verstanden.
cwerg schrieb am 29.06.2011 um 21:43
Eben!

"dumm macht" doch tatsächlich Sprache, die "gegen Erfahrungen abschirmt" - und das tut Sprache, wenn sie pauschalisiert und "Klammern" oder Definitionen sucht, die vielleicht einen politischen Sinn haben mögen, in dem sie zusammenfassen, wie "Migrationshintergrund" (oder "Kreativwirtschaft"). Mit Erfahrungen, Leben, Sensibilität haben diese "Begründungszusammenhänge" aber schon nichts mehr zu tun: Mir als Bremer formal Ungelerntem ist ein Stuttgarter Gesundheitskaufmann gleichen Alters vermutlich erstmal viel "fremder" als ein Schauspieler mit "türkischen Wurzeln" und zufällig ähnlichen Erfahrungen - oder ein friesischer Bauernsohn der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein mit irgendwie "ähnlicheren" Kindheitserinnerungen. Nähe, Fremdheit, das/der "Andere" definieren sich aus Erfahrungen, Erleben, gemeinsamen Begebenheiten, Ansichten, Haltungen oder Interessen - dann taugen und verstehen sich auch die Begriffe "von selbst".

"Migrationshintergrund" (oder "Kreativwirtschaft") sind ökonomische, letztlich statistisch-mathematische Begriffe für Schnittmengen, die mögen wir im politischen und gesellschaftlichen Handel(n) brauchen und nutzen - aber wo Sprache Erlebnisse und Erfahrungen, Gefühle und Haltungen transportieren soll, sind sie glaube ich schlicht überflüssig?!
luzieh.fair schrieb am 28.06.2011 um 11:43
Um dieses Replik verstehen zu können, ist dieser link wohl ganz vorteilhaft:

www.freitag.de/kultur/1125-haupts-chliche-nebensache

weil da nichts los ist, hier nochmal mein Kommentar, von da:

"Wenn ich einem Menschen (oder so) eine bestimmte Bezeichnung gebe, egal, ob nun das Wort "Hintergrund" darin vorkommt oder nicht, dann ändert das nichts daran, dass ich mit eben dieser Bezeichnung, ein bestimmtes Attribut in den Vordergrund stelle.

Das einzige, was an dem Begriff "Migrationsgeschichte" besser ist, ist die Tatsache, dass Geschichte ein vorbeiund vielleicht auch ein angekommen meinen kann.
Ansonsten konnotiert der Volksmund mit dem Begriff "Geschichte" eine gewisse Objektivität, so dass die Fremden, ganz sachlich als solche benannt werden können, obwohl ja jede Geschichtesschreibung, mindestens in der Bewertung der beschriebenen Ereignisse, höchst subjektiv ist.

Bei der "Idee des Zeitlosen" musste ich unwillkürlich an forever fremd denken.

Ich finds auch irre, dass ich in Abhandlungen über die europäische Kollonialzeit immer wieder von der Konstruktion des Anderen lese und heute feststellen muss, dass die Bauteile noch immer die selben sind."
luzieh.fair schrieb am 28.06.2011 um 21:48
medienelite.de/2011/06/28/repliken-auf-antirassistisches-wissen/

Ein Blog, der sich mit diesem Replik beschäftigt. Wird unter dem Artikel, auf den hier geantwortet wird drauf hingewiesen...

In de Blog wird u.a. bemängelt, dass es in @Angeles Text keinen Verweis zum Utlu-Text gibt und "dass mensch nach Utlus Originaltext selbst suchen muss und hier nicht gleichwertig zwei Beiträge zu einem Thema nebeneinander stehen."
Das fand ich auch ziemlich irritierend und wusste nur vom Utlu-Text (wie ich ihn, wo finde, weil ich ihn vier Tage vorher gelesen hatte.
Naja, wie auch immer...
Michael Angele schrieb am 29.06.2011 um 09:12
Sorry, dass ich Utlus Text nicht verlinkt habe. Es ist aber nicht böse Abischt, wie in dem Blog insuiert wird. Ich habe einfach nicht weit genug gedacht. Unsere Online-Chefin meinte, sie würde meine Replik zu Utlus Text stellen, und ich dachte mir, somit hat es sich. Natürlich nicht
Hier für alle Fälle der Link

www.freitag.de/kultur/1125-haupts-chliche-nebensache

Ich möchte auch noch mal betonen, dass mich Utlus Text in weiten Teilen durchaus überzeugt, einfach, weil ja auch das in diesem unsäglichen Blogbeitrag bestritten wird.
Rahab schrieb am 28.06.2011 um 12:05
ich fasse mal meinen eindruck zusammen:
die politische kritik von Deniz Utlu an funktion und genese des wortes migrationshintergrund soll entpolitisiert werden. mit der begründung: der türke lacht doch auch drüber.
kann mann machen. muß frau aber nicht goutieren.

ich goutiere lieber dieses:
www.zeit.de/online/2009/20/oezdogan-vibrationshintergrund
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 12:14
Dann fasse ich mal meinen Eindruck zusammen. Sie sind nirgends auf mein Kernargument eingegangen. Dass die Sprachkritik (die man ja machen kann) in einer fundamentalen Kritik an der "Konstruktion des Anderen" mündet, die ich so eben nicht teile.
Rahab schrieb am 28.06.2011 um 12:40
wie denn auch? wenn das politische im linguistic turn nicht vorkommt. sondern bagatellisiert wird.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.06.2011 um 12:55
´"Was ist deutsch?" war nicht meine Frage. Meine Frage lautet, drastisch und sehr allgemein formuliert: Kann es sein, dass ein bestimmte Art über Mitmenschen zu sprechen, "dumm" macht, das heißt, gegen Erfahrungen abschirmt. ´ - Ja, und nein, denn Dummheit ist auch die Voraussetzung, um in einer bestimmten Art zu reden. Da bleibt der Dumme gerne dumm (platt formuliert).
Daraus ließen sich unendliche Fragen diskutieren: hat das nur oder überhaupt etwas mit Intellekt zu tun, oder mit sozialer Prägung, inwieweit spielt Voreingenommenheit eine Rolle bei der (doppelten) Integration von Wörtern. Welche Rolle spielt Ästhetik bei der Sprache.

Diese Fragen finde ich nicht nur persönlich spannend, aber irgendwie verliert man sich im Klein-Klein.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.06.2011 um 13:02
Bei Wikipedia steht dies:
Geschriebene und gesprochene Sprache ist ein Medium des Denkens und der Weltauffassung schlechthin: Diese Definition, wie sie zuerst Wilhelm von Humboldt vorlegte, geht davon aus, dass Sprache für alle komplexeren Tätigkeiten und Denkvorgänge des Menschen unverzichtbar ist. Sprache ist damit nicht erst ein „nachträgliches“ Mittel zur Verständigung zwischen Menschen, sondern jede Auffassung von Dingen und Sachverhalten in der Welt ist schon sprachlich strukturiert. Dinge und Sachverhalte werden durch die sprachliche Auffassung der Welt in Sinnzusammenhänge gebracht. Der Mensch lebt demnach nicht in einer sinnlich aufgefassten Welt, über die er sich erst nachträglich und gelegentlich mittels Sprache verständigt, sondern er lebt „in der Sprache“.

Das heißt: Die Art was und wie wir reden ist Ausdruck des Denkens (oder fehlendem Denken); jemand, der sich der Offenheit verweigert und damit keine Erfahrungen macht, die sein Denken erweitern wird damit automtaisch so bleiben wie er ist; das mag bewusst so seon, oder unbewusst, oder eine Mischform.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.06.2011 um 13:02
Bei Wikipedia steht dies:
Geschriebene und gesprochene Sprache ist ein Medium des Denkens und der Weltauffassung schlechthin: Diese Definition, wie sie zuerst Wilhelm von Humboldt vorlegte, geht davon aus, dass Sprache für alle komplexeren Tätigkeiten und Denkvorgänge des Menschen unverzichtbar ist. Sprache ist damit nicht erst ein „nachträgliches“ Mittel zur Verständigung zwischen Menschen, sondern jede Auffassung von Dingen und Sachverhalten in der Welt ist schon sprachlich strukturiert. Dinge und Sachverhalte werden durch die sprachliche Auffassung der Welt in Sinnzusammenhänge gebracht. Der Mensch lebt demnach nicht in einer sinnlich aufgefassten Welt, über die er sich erst nachträglich und gelegentlich mittels Sprache verständigt, sondern er lebt „in der Sprache“.

Das heißt: Die Art was und wie wir reden ist Ausdruck des Denkens (oder fehlendem Denken); jemand, der sich der Offenheit verweigert und damit keine Erfahrungen macht, die sein Denken erweitern wird damit automtaisch so bleiben wie er ist; das mag bewusst so seon, oder unbewusst, oder eine Mischform.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.06.2011 um 13:02
Bei Wikipedia steht dies:
Geschriebene und gesprochene Sprache ist ein Medium des Denkens und der Weltauffassung schlechthin: Diese Definition, wie sie zuerst Wilhelm von Humboldt vorlegte, geht davon aus, dass Sprache für alle komplexeren Tätigkeiten und Denkvorgänge des Menschen unverzichtbar ist. Sprache ist damit nicht erst ein „nachträgliches“ Mittel zur Verständigung zwischen Menschen, sondern jede Auffassung von Dingen und Sachverhalten in der Welt ist schon sprachlich strukturiert. Dinge und Sachverhalte werden durch die sprachliche Auffassung der Welt in Sinnzusammenhänge gebracht. Der Mensch lebt demnach nicht in einer sinnlich aufgefassten Welt, über die er sich erst nachträglich und gelegentlich mittels Sprache verständigt, sondern er lebt „in der Sprache“.

Das heißt: Die Art was und wie wir reden ist Ausdruck des Denkens (oder fehlendem Denken); jemand, der sich der Offenheit verweigert und damit keine Erfahrungen macht, die sein Denken erweitern wird damit automtaisch so bleiben wie er ist; das mag bewusst so seon, oder unbewusst, oder eine Mischform.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.06.2011 um 13:05
Nachtrag: Der Sprachschatz wird sich also nicht verändern (erweitern), sondern gleich bleiben oder kleiner werden.
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 14:16
Ich möchte noch auf eine Replik auf meine Replik hinweisen:

medienelite.de/2011/06/28/repliken-auf-antirassistisches-wissen/

Darin steht eine unwahre Behauptung:

"Beginnen wir beim Autor selbst: Michael Angele, weißer Mehrheitsdeutscher (wäre dies nicht zutreffend, hätte Angele evtl. nicht diesen Text geschrieben und/oder auf seinen “Migrationshintergrund” hingewiesen, später mehr), Kulturredaktion Der Freitag, cis-männlich, ich schätze 35-45 Jahre alt."

Dazu stelle ich fest:

Ich bin kein "weißer Mehrheitsdeutscher", sondern ein blauer Minderheitenschweizer.
Streifzug schrieb am 28.06.2011 um 14:38
... ein Uhr-Schweizer ...
Calvani schrieb am 28.06.2011 um 15:04
Die sollen bei Frauen ja sehr beliebt sein, diese Schweizer...

P.S.: Da es hier um Sprache geht: Die "Replik" auf eine Replik heißt Duplik.
Rahab schrieb am 28.06.2011 um 15:19
beim pappa auch, die schweizer, beliebt .... vielleicht ist der kulturredakteur ja papst?
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.06.2011 um 15:23
Gelesen.

Wie die Voreingenommenheit einen ganzen Text beeinflusst oder dessen Urheber ist... in diese Rubrik würde die Duplik passen.

Also, ehrlich, Medieneliten, Replik, Duplik, Republik, ich kriege Kopfschmerzen, das ist doch alles unkonstruktiv, unkommunikativ, dieses sermonartige Angreifen, als gäbs sonst keine Probleme, oder noch nicht mal die, die in den Texten angesprochen werden. Nur Eitelkeiten, noch ein Wort mit K.

Kiao
Popkontext schrieb am 28.06.2011 um 17:01
Besten dank für den Hinweis auf die Replik von Nadine Lantzsch, mit der ich mich zwar auch gern (inhaltlich) streite, aber die ich für sehr klug halte - auch in diesen ablosut überdenkenswerten Einlassungen zum Thema.
Daniel Windheuser schrieb am 28.06.2011 um 17:08
@Calvani:

Wenn wir nun aber ganz genau sein wollen, heißt die Replik auf eine Replik hier sehr wohl eben so: Replik.

"Duplik" war und ist ein juristischer Fachbegriff, der als solcher auch nur in der Rechtssprache verwendet wird. Und ich hoffe doch mal sehr, dass wir uns hier nicht in einer Gerichtsverhandlung befinden.

So. Und nun gehe ich noch ein paar Korinthen zählen. Oder so ähnlich.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.06.2011 um 17:13
Wir entfernen uns vom Markenkern (das können also nicht nur die Volksparteien), worum geht es denn: um Sprachgebrauch und Rassismus in der Sprache.

Ich weiß nicht, liegts am Wetter, dass hier alle zu Streithammel mutieren? Hab ich damit jetzt Schafe beleidigt?

Das ist doch höchst aufregend und wichtig, genauso wie das Thema Essen als Freitag-Salon, aber ach.

Auf Wiedalugn mitnand (oder so ähnlich)
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 06:49
Jaja, so ein Jurastudium, das prägt...
cwerg schrieb am 29.06.2011 um 21:57
Sprache in diesem Sinn beinhaltet eben auch Töne, Veränderungen (!), Haltungen, (Ein)verständnis, Sprechen und Hören - wofür weiter oben ja Baphomed schöne Beispiele aufgeschrieben hat.

"Migrationshintergrund" fragt aber nicht nach "wie lange", "wie sehr", "warum", "woher", "wohin", "wie gern", nicht nach Freud oder Leid oder Grund oder Sinn. Damit bleibt das ein (wetten?) vorrübergehender Begriff im Schriftdeutsch und ein Fachbegriff im Verwaltungsdeutsch und Politsprech des angehenden 21. Jahrhunderts. Kann man gebrauchen, kann man auch drüber schimpfen. Kann aber niemand "mögen", existenziell (!) "brauchen" oder irgendwie tiefer verstehen. Es bleibt eine Schnittmenge oder Teilmenge vom Ganzen - insofern kann es auch "das Andere" gar nicht fassen.
5e8ast1an schrieb am 28.06.2011 um 13:33
Schön beschrieben, auch wenn das methodische Konstruktionsrüstzeug weniger Keule ist als beschrieben. Vielleicht lässt es sich nur schwer auf individueller Ebene anwenden.

Die politische korrekte Suche nach neuen Begriffen ist hingegen ein zweischneidiges Schwert: Zum einen gehören Definitionen wie Türke und Ausländer oftmals zur Selbstdefinition von Personen, auch wenn man hier 'leider' sagen will und dies auch als affirmative Aneignung von Zuschreibungen verstehen kann.

Zum anderen klingen Stereotype auch in neuen Begriffsschöpfungen wie dem Migrationshintergrund mit. Dabei sehe ich die Gefahr, dass solche Verallgemeinerungen pseudo-legitim, sozusagen verwissenschaftlicht werden.

Es bleibt zu erörtern, wie sehr ein Wandel der Begriffe einem Wandel im Denken vorausgehen kann. Denn, und hier mag der Schlüssel zum "Konstrukt des Anderen" liegen, es sind die breiten Klischees über und Verallgemeinerungen von Bevölkerungsgruppen, die ein Anderssein behaupten und teilweise vorantreiben.

Und dabei bleibt bald sekundär, welcher politisch (un)korrekte Begriff da verwendet wird. Es sind die Assoziationen, die über Bord gehen müssen (konkrete Beispiele auf Zuruf).
Calvani schrieb am 28.06.2011 um 13:38
Zuruf!
Popkontext schrieb am 28.06.2011 um 16:52
@5e8ast1an
Ich sehe das auch als zweischneidiges Schwert. Einerseits sind die Begriffe ja nicht frei erfunden, sondern benennen real existierende Zuschreibungen, die soziologisch und politisch relevant sind - sogar sehr. Andererseits halten sie diese Zuschreibungen auch immer weiter aufrecht. Das ist ein Dilemma, für das ich noch keine Lösung gefunden habe. Meine Methode solange ist es, so paradox es auch scheint, mit diesen Zuschreibungen gegen die Zuschreibungen zu kämpfen.

Eines meiner Lieblingsbeispiele dazu: Ich hatte mal einen Interviewpartner (weiß, männlich, hetero, Mittelklasse), der ironiefrei sagte: "Ich habe Frauen, Homosexuelle und Menschen mit einer anderen Hautfarbe nie als weniger wertvolle oder 'andere' Menschen empfunden. Also gibt es da keine Diskriminierung (auf gesellschaftlicher Ebene)." Wäre schön, wenn es so wär, aber auf ist leider (noch) eine Illusion, die gesellschaftliche Realitäten verschleiert, die man verändern muss, ehe auch die Kategorisierungen wegfallen können.
wwalkie schrieb am 28.06.2011 um 14:06
In einem ganz anderen Kontext (1944) schrieb Adorno (MM, 25) mal wieder ziemlich Kluges, das ich darum etwas ausführlich zitiere:

"Das Vorleben des Emigranten wird bekanntlich annulliert ... Was nicht verdinglicht ist, sich zählen und messen lässt, fällt aus. Dafür haben sie eine eigene Rubrik erfunden. Sie heißt 'Hintergrund' und erscheint als Appendix der Fragebogen, nach Geschlecht, Alter und Beruf. Das geschändete Leben wird auch noch auf dem Trimphauto der vereinigten Statistiker mitgeschleppt, und selbst das Vergangene ist nicht mehr sicher vor der Gegenwart, die es nochmals demn Vergessen weiht, indem sie es erinnert."

Ich kommentiere: das Vorleben der ersten "Arbeitsmigranten" interessierte nur in puncto Arbeitsfähigkeit, und trotzdem wurde es in verdinglichter, also gleichgemachter Form durch die Generationen weitergereicht und den Menschen an-pattexiert, bis in die dritte und vierte Generation. Es besteht jetzt nicht mehr in z.B. türkischer Essenz, sondern als "Hintergrund", vor dem man zu spielen, d.h. zu arbeiten hat, dem man aber nicht entrinnen kann. Der allgegenwärtige Kulturbegriff und das Gerede vom "Anderen" (der man oft selber war), hat die Tragödie dann weiter zementiert.

In betonierten Verhältnissen hilft dann wirklich nur noch befreiende Ironie. "Ja, so sind wir nun mal. Schließlich bin ich Türke!" "Ja, natürlich bin ich ordentlich. Bin ich Deutscher oder nicht?" Jeder weiß, wie es gemeint ist. Dahinter steht die - oft verzweifelte Hoffnung -, dass auch - irgendwann jeder weiß, wie blöde solche ernst gemeinten Zuschreibungen sind.
Michael Angele schrieb am 28.06.2011 um 14:26
By the way hat Adorno noch eine Erfahrung gemacht, die man jedem ersparen möchte, und vor der manch heutige Debatte doch ein wenig verstiegen wirkt: Die des Exilanten.
Rahab schrieb am 29.06.2011 um 09:42
verstiegen? nein: sondern da notwendig, wo migrationshintergrund in der verwendung den/die 'aus dem inneren exilierten' produziert, die 'fünfte kolonne', die 'schüblinge', die 'sans-papiers'.
Columbus schrieb am 28.06.2011 um 15:18
Wie wäre es denn, Berlin, das Rheinland, Wien, Zürich-Goldküste sowieso, als Völkermühlen zu sehen. -Gut, bei der Goldküste wurde sogar der Sozialabstand der speziellen weltkulturellen Migrantenspezies mit migriert.

Die Herkünfte sind, da stimme ich Michael Angele zu, sehr wichtig. Keiner sollte seine Herkunft unterdrücken, nur um dazu zu gehören. "Du Türk´, du!", hat in Mannheim bestimmt eine andere Bedeutung in allen möglichen Kontexten, als das gleiche Sätzchen irgendwo in Sachsen.

Mich beschäftigt aber an der Frage des Migranten und der Migration, was sie mitbringen, aus dem Berner Oberland, oder aus dem Bergell, dem Maira Tal, wohin sich umgekehrt sogar Schinkelsche Bauten verirrten.

Migration ist fast immer ein kultureller und ökonomischer Gewinn für die Gesellschaft, in die hinein sie stattfindet und umgekehrt sind Migrationspopulationen unbeschreiblich dynamische Kulturen, die aber von einer seltsamen Vergeßlichkeit befallen werden können, was ihre Wurzeln angeht. - Man muss dazu überhaupt nicht auf das Standardmodell USA zurück greifen. Es genügt Europa anzuschauen.

"Und jetzt stellen Sie sich doch einmal Ihre Ahnenreihe vor -
seit Christi Geburt. Da war ein römischer Hauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ‘ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht.

Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet.

Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter,
ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant.

Das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt - und der Goethe, der kam aus dem selben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg,
und der Matthias Grünewald und- ach was, schau im Lexikon nach.

Es waren die Besten mein Lieber !
Die Besten der Welt! Und Warum ?
Weil sich die Völker dort vermischt haben.
Vermischt, wie die Wasser aus Quellen und Bächen und
Flüssen, damit sie zu einem großen lebendigen Strom zusammenrinnen.

Vom Rhein – das heißt: Vom Abendland.
Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse.
Seien Sie stolz darauf... "

Auffällig, dass Zuckmayer bei dieser bekannten Passage die Bestimmungen der Herkünfte nicht weg lässt!

Ich finde es wichtig, dass ein Deutscher mit türkischer Herkunft seiner Eltern oder Teilen der Familie, sagen kann, und sie kamen aus Südost-Anatolien, die Familie hielt zusammen, es gibt Gebräuche und Lebensweisen, Lieder und Erzählungen, die die Erinnerung hoch halten und ein Band zwischen Menschen knüpfte, selbst wenn sie längst Teil einer anderen Zivilisation geworden sind.

Das ist auch die einzig mögliche Form, sich z.B. an Deutsche in Rumänien, an das Sorbische, an Ostpreußen oder die Russlanddeutschen zu erinnern, die alle Wurzeln mitbringen, aber vielfach zu leicht diese kulturellen Wurzeln aufgeben.

Umgekehrt wird auch eine interessante These daraus. Eine Gesellschaft, die gar keine großen kulturellen und zivilisatorischen Differenzen in sich selbst duldet, erstarrt förmlich, wird zum kulturellen Isolat, analog der recht begrenzten, dafür aber speziellen Galapagos-Inseln.

Manches Mal kommt es mir ja so vor, als ereile einen Teil der Berliner Nachdenkkultur zu schnell der Wunsch, ein Galapagos-Feeling auszubilden. Das ist so schön einfach. - Da kann ich nur sagen, um diese Leute lohnte es sich, eine neue Mauer zu bauen und einmal täglich einen "Bomber" mit Rosinen und Touristen dort landen zu lassen.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Michael Angele schrieb am 29.06.2011 um 09:13
D'accord, Herr Leusch
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 09:24
Über diese Eintracht bin ich jetzt aber sehr erstaunt. Gibt es hier vielleicht Missverständnisse?
Michael Angele schrieb am 29.06.2011 um 09:30
Wieso Missverständnisse? Diesen Satz - als Quintessenz – kann ich unterschreiben:

"Eine Gesellschaft, die gar keine großen kulturellen und zivilisatorischen Differenzen in sich selbst duldet, erstarrt förmlich, wird zum kulturellen Isolat, analog der recht begrenzten, dafür aber speziellen Galapagos-Inseln.
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 09:40
Vieleicht habe ich Sie ja missverstanden, Michael. Sie plädieren für die Einführung/Aufrechterhaltung innergesellschaftlicher Differenzen? Welcher Art?
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 09:41
Wo ist das zweite "l" geblieben? Einfach rausgepurzelt...
Michael Angele schrieb am 29.06.2011 um 09:50
Ich plädiere dafür, "kulturelle und zivilsatorische Differenzen" zu akzeptieren, und wo immer möglich, darin eine Bereicherung für die Gesellschaft zu sehen( bedeutet umgekehrt auch, nicht alles als Bereicherung zu sehen). Konkret: Ich finde es toll, dass meine Mitspieler mit türkischen Wurzeln so zauberhaft mit dem Ball umgehen können (und ich fände es geradezu perfekt, wenn sie noch ein wenig mehr das Auge für den Mitspieler hätten) :)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.06.2011 um 10:01
Naja, ich weiß nicht, ob die Galapagos-Inseln so ein duftes Beispiel sind (da gehts um Genetik), aber anscheinend kann einer schreiben was er will (Zählt hier die Wort-Masse?), das ist immer toll, während andere auch einen Beitrag leisten, und das ist Wurscht.
Ist mir schon mehrfach aufgefallen, trägt aber nicht zur Leserbindung bei.

Viel Spaß noch.
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 10:04
Ich bin in der Sache immer noch unentschieden. Utlu hat schon Recht. Irgendiwe. Sie auch. Irgendwie. Aber um ehrlich zu sein glaube ich, Sie kokettieren hier gerade. Sie wissen doch genau, wie unscharf und problematisch Begriffe wie "türkische Wurzeln" und "Migrationshintergrund" sind, verwenden Sie aber unnötigerweise z.B., wenn es um Fußballfähigkeiten geht, trotzdem. Geradezu trotzig. Warum?
Michael Angele schrieb am 29.06.2011 um 10:14
Warum? Herrgott sakra nochmal, weil es einfach so ist. Und wissen sie was: Am wenigsten haben damit Probleme meine Mitspieler mit den "so genannten" "türkischen Wurzeln". So. Muss jetzt arbeiten.
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 10:47
Womit Menschen mit "ausländischen Wurzeln" Probleme haben und womit nicht, weiß ich, schließlich gehöre ich nach Ihrer Definition auch zu dieser innergesellschaftlichen Differenzgruppe...
Ts, ts, ts!
Columbus schrieb am 29.06.2011 um 13:36
Genau, viel Spaß noch!

Ich finde, sie überzeichnen das gewaltig, liebe Frau Schwert.

Ich möchte nur, wenn ich eine These aufstelle, diese auch plastisch und anschaulich machen, vielleicht sogar ab und an ein Witzchen riskieren. Dazu diente das Galapagos-Bild.

Natürlich hat nun diese eher kulturelle und kulurpolitische Diskussion, einmal abgesehen von den Weiterungen die unser hochgeistiger deutscher "Hoffnungsträger" ganz Rechtsaußen, der heilige Thilo S. längst einführte, nicht viel mit Darwin zu tun.

Aber die Störanfälligkeit und Hinfälligkeit relativ homogener Kulturen, schon allein ihre Kleinheit und ihre Tendenz, sich selbst durch rigide Definitionen, wer dazu gehört und wer nicht, weiter zu verkleinern, spielt da eine große Rolle und zeigt eine Analogie zur speziellen biologischen Speziesselektion auf Inseln.

Zur Leserbindung: Zum Tatort oder zu einem WM-Turnier können und wollen sich viele Menschen äußern. Auch gerne zu der Frage, bin ich durch Merkmale diskriminiert oder doch eher nicht.

Das geschieht, ich schreibe dazu wenig bis nichts, fühle mich damit aber auch wohl.

Aber, liebe Frau Schwert, meist schreibe ich länglich, um mir selbst ein paar Sachverhalte nicht ganz einfach zu machen und Leute die das lesen wollen, sind eingeladen, müssen aber wirklich nicht.

Zur Wort-Masse:

Wenn Sie einmal zusammen zählen, wieviel Wortmasse zustande kommt, wenn man nur die vielen Kommentare, aus dem reinen Nichts geboren, die nicht mehr transportieren als, ich stimme zu, ich lehne ab, ich beschimpfe und beblödele, weil es eben gerade geht, in allen Foren zusammen zählt, Mensch, was käme da zusammen!

Sehr viele Beiträge dieser speziellen Art sind ja letzlich nur geschrieben, um dem je selbst erwählten Gegenüber seine Inferiorität oder Unbedeutsamkeit zu attestieren. Bitteschön, niemand hält Sie davon ab, weiter so zu kommentieren.

Liebe Grüße und viel Spaß dabei
Christoph Leusch
Columbus schrieb am 29.06.2011 um 13:55
Ja, so habe ich Sie auch mit dem Fußballspieler-Beispiel verstanden.

Sie wollen mitspielen und öfter auch einmal ein Tor erzielen, das heißt, sie wollen gewinnen. Die Südländer, aber z.B. auch ein Brasilianer in seiner ewigen Rivalität mit den Argentiniern, würden sagen, wir wollen mit dem Ball so schön und elegant spielen und dafür Beifall bekommen, schön spielen. -Ein altes Problem!

Die Brasilianer erfanden, bzw. hatten, dafür Arthur Friedenreich, selig, den legendären deutschen Brasilianer oder Zico den, wie ein Deutscher spielenden Brasilianer und später prinzipienfesten Welt-Trainer.

Sogar den wuseligen und rennenden Japanern brachte er Ordnung auf dem Platz bei, weil die sonst nach der 65 Minute halbtot auf dem Platz lagen, wo sie doch vorher eine wunderbare erste Halbzeit spielten und sie doch selbst Ordnung sehr achten und schätzen (Benimm).

Mein Mensch, ich hab´ doch überhaupt keine Ahnung vom Fußball!

Liebe Grüße und Mahlzeit
Christoph Leusch
Columbus schrieb am 29.06.2011 um 14:59
Bezog sich auf
Michael Angele schrieb am 29.06.2011 um 10:14
C.L.
Columbus schrieb am 29.06.2011 um 17:51
Die innergesellschaftlichen Differenzen sind doch das Lebenselixier für die Fortentwicklung, jedenfalls der freien Gesellschaften.

Bezüglich der derzeit in Deutschland am stärksten als Migranten markierten Gruppe, der der Muslime und Türken, meint Differenz, dass die Aufnahmegesellschaft offener und großzügiger sein sollte, was Äußerlichkeiten, kulturelle Gewohnheiten und das Recht auf Mitsprache, auch für Nicht-Deutsche und Nicht-Europäer auf lokaler und regionaler Ebene angeht, aber auch deutlicher, was die Einforderung von Verpflichtungen angeht, sich nicht nur an hiesige Gesetze zu halten, sondern auch die Kultur der Offenheit mit zu pflegen, die ja nicht nur in diesem Bereich, sondern viel mehr noch und mit bald viel härteren Konsequenzen, im Bereich der Ökonomie und Finanzwirtschaft, bedroht oder sogar schon abgeschafft ist.

D.h. also, es gilt die Forderung, Einblicke zu gewähren und die eigenen migrantischen Gemeinschaften nicht abzuschotten!

Ganz trivial, aber doch dadurch hoffentlich nachvollziehbar, wird das derzeit auf der Unterhaltungsebene durch eine Vielzahl komödiantischer Genres abgehandelt, bei denen die rechte "Mischung" mit Witz und Ironie, manchmal sogar idealtypisch, ausprobiert wird.

Tatsächlich sind Trivia im TV, Film, auf der Comedy-Ebene und in Büchern, eine Art akzeptiertes Probehandeln (siehe Popkontext), ein erster Türöffner. Ich würde sogar sagen, in manchen, den besten Fällen, sind sie der Realität um das Quantum der Antizipation des Kommenden voraus!

So, wie manche Tatort und Polizeiruf-Krimifolgen für ein großes, aber sonst eher stilles und stummes, sein Vorurteile untergründig pflegendes Publikum, die Augen öffnen hilft und in den krassen Reaktionen auch manches Vorurteil erst sichtbar wird.

Im Gegensatz zu dem ganzen Sarrazin-Quatsch, der leider, mit Adepten und ähnlich denkenden Zeitgenossen die mediale Diskussion beherrscht, würden wir dann nämlich feststellen können, dass deutsche Muslime und Türken die nach Deutschland gekommen sind oder mit ihren Wurzeln hier als Deutsche aufwachsen, dies selbst so einschätzen.

Denn es ist z.B. das Glaubensbuch der Muslime, der Koran, eine einzige Replik (!, Z.B in den beständigen Formeln, dass Allah die Verzeihenden und Milden mehr schätzt, als diejenigen, die Auge um Auge fordern, dass nämlich der ewige Satz Gleiches mit Gleichem häufig, nicht immer, durchbrochen wird ) auf die bis dahin allein gültige Herrschaft der Familie, der Sippe, des Clans, auch gegen deren Unerbittlichkeiten.

Jeder, der einmal eine Koranübersetzung und da vor allem die längeren Suren zu Beginn, daraufhin durchgelesen hat, weiß das und relativiert daher z.B. die ebenfalls auffindbaren Passagen zur Gewalt und Aggression gegen anders Gläubige, die die Schriften der monotheistischen Religionen miteinander teilen. - Zur Zeit Mohammeds gab es keine Atheisten in seinem Umfeld.

Der Koran ist eine, im Grunde sehr moderne Antwort auf das Bedürfnis, mit jeder gesellschaftlichen Entwicklung, z.B. auch mit der Wissenschaft und Technik, zurecht zu kommen, überhaupt zurecht kommen zu wollen.

Dieses Bewusstsein ist zwar noch nicht der Standard, aber einige muslimische Länder, darunter die Türkei sind schon sehr weit und die europäischen Muslime auf einem guten Weg, das erste Rollenmodell für eine solche Entwicklung abzugeben.

Als typisch germanisches Manko sehe ich diese Verfallenheit in der "Krümmelsuche" und dem Haften am "Haar in der Suppe". Da fehlt es derzeit oft an einer kulturellen Weite und wir betätigen uns auch hier in diesem dFC-Formum gegenseitig als kleine Sprachdiktatoren, die jeden Halbsatz daraufhin untersuchen, ob er nicht einen eventuell belasteten Kontext steht und den Verfasser als dümmlichen Skribenten entlarvt. -Das ist letztlich nur eine Selbstentlarvung.

Grüße
Christoph Leusch
Columbus schrieb am 29.06.2011 um 17:58
Bezog sich auf
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 09:40
C.L.
und Michael Angeles "Fußballproblem" der Differenz das aber auch den grundsätzlichen Dissens kennt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.06.2011 um 19:01
@Columbus: Die Analogie hab ich verstanden, aber gerade weil es da um Genetik geht wäre man schnell beim Pantoffelhelden-Schreiber Sarrazin. War ich da zu penibel? Nun ja. Aber die kulturelle Isolierung ist auch umkehrbar, eine genetische Isolierung nicht, und letztere ist auch nicht so zu beeinflussen, wie es eine offene Kultur wäre. Im Falle Galapagos können Sie nicht eben mal einen Übergang zum Festland bauen oder das Wasser dazwischen umleiten; eine sich isolierende Kultur oder Gemeinschaft kann da schon in Teilen, wenn sie will. Darum gings ja auch eigentlich, um das Wollen und wie sich das Nichtwollen in der Sprache ausdrückt oder nicht.

@Calvani: Du bist Jurarerin? Deswegen. :-) So, ich esse erstmal ein Eis.
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 19:24
Lieber Christoph,

ich kritisiere an Angele, dass er hier kokettiert s.o. Das bedeutet, dass ich davon ausgehe, dass er es besser weiß - wie so oft auch Bild-Blome, wenn Sie so wollen. Ich unterstelle ihm also gerade nicht, was Sie mir vorwerfen: ein dümmlicher Skribent zu sein. Im Gegenteil. Nur macht das die Sache nicht besser. Eher schlechter.

Wie ich darauf komme? Nun im Text schreibt Angele über zwei Blöcke in der Mannschaft. Den Urdeutschen und den Nichturdeutschen. Im Kommentarstrang vermeidet er jede Stellungnahme zu konkretisierenden Fragen, was denn nun ein Urdeutscher sei, und verweist stattdessen darauf, dass es ihm um folgende Frage gehe:

"Kann es sein, dass ein bestimmte Art über Mitmenschen zu sprechen, "dumm" macht, das heißt, gegen Erfahrungen abschirmt."

Ja, antworte ich darauf aus der vollen Brust des "südländischen Rasseweibs"! Dumm ist es, auf das Differenzierungskriterium "Migrationshintergrund" abzustellen, wenn es um Fußballfähigkeiten geht. Dumm, weil nicht im Geringsten sachdienlich. Sachdienlich wäre es z.B. statt der Blöcke Urdeutscher und Nichturdeutscher die Blöcke Techniker und Teamplayer zu etablieren. Dann wären die Differenzen auch wirklich ein Gewinn für die Sache, weil es um die Vielfältigkeit, um Virtuosität ginge. Auf den "Migrationshintergrund" abzustellen, das pervertiert - frei nach Utlu - die Nebensache zur Hauptsache.
Calvani schrieb am 29.06.2011 um 19:41
@ Lisa
Erwischt...
Columbus schrieb am 29.06.2011 um 21:36
ad Calvani schrieb am 29.06.2011 um 19:24

Ja, ist ja schon gut. Genau wie bei Frau Schwert, plädiere ich dafür ein wenig locker zu sein, -Ich bin ihr, hoffentlich liest sie noch mit, z.B. auch nicht grundsätzlich böse, nur weil weder meine Vielschreiberei hier, noch dieser Blog Herrn Angeles auf Leserbindungen aus ist.-, also nicht immer zu unterstellen, man wäre schon ins Lager der groben Vereinfacher abgerutscht, wenn die Nachbetrachtung eines regelmäßigen persönlichen Feierabendkicks entlarvt, dass es doch unterschiedliche Spielertypen gibt, die sich grob regional zuordnen lassen. - Ich wäre ja bei Herrn Angele viel mehr gespannt, welche Urschweizer Tugenden und Laster er mit nach Berlin schleppte, ohne vielleicht eine Ahnung davon zu besitzen.

Es gibt ja nicht wenige intellektuelle Schweizer, die dieses Land für ein Surrogat halten. Einer meiner journalistischen und schriftstellerischen Lieblinge, Niklaus Meienberg, legt das jedenfalls nahe.
Selbst das Nationalepos der Schweizer, der Tell, stammt von einem Würtemberger, der sich lieber als Weltbürger sehen wollte.

Eventuell ist es der Widerspruchsgeist, eine gewisse standfeste Sturheit, against all odds. Eventuell ist es so eine Unentschiedenheit, ob man es bei Repliken mit der Clareté der französischsprachigen Schweiz, der prinzipiellen Vorgehensweise der Deutschschweizer oder aber mit einer viel bildreicheren und umfänglichen Darstellung, dieser Sowohl als auch-Haltung des Ticino versucht. - Hätte da noch ein wenig in der Replik gestanden, sie wäre nicht so mißverständlich angekommen.

Ich habe, wie schon bekundet, z.B. vom Fußball als Sport keine Ahnung, aber doch ein Gespür dafür, dass auf der ganzen Welt Fans Spieler und Mannschaften beobachten und gewisse Mentalitätsunterschiede bemerken.

Die sagten dann z.B. über Zico, diesen Ausnahmefußballer und Weltreisenden in Sachen rundes Leder, er spiele wie ein Deutscher.

Mir geht es ja darum, Unterschiede nicht einfach als etwas Negatives zu unterdrücken. Meist sind feine Unterschiede zu anderen eher positiv, weil sie ja auch dazu zwingen, auf die eigenen Eigenwilligkeiten zu schauen.

Ich wage mich ein wenig aus der Manndeckung (Scherz) und behaupte ´mal, dass eine gute deutsche Tugend ist, in einer sozialen Situation, in der große Unterschiede in den Fähigkeiten und Möglichkeiten der Teilhabe bestehen, z.B. bei einem Feierabendkick oder Beach-Volleyball, oder egal was, zu sagen, es muss jeder mal an den Ball kommen. Das ist eine schöne deutsche Tugend, die ich z.B. erlebt habe, die ich bei anderen so nicht sah.

Andererseits gibt es diese andere deutsche Eigenart, selbst bei harmlosen Sachen sofort einen Ernst hinein zu legen, als ginge es um Leben und Tod. Da bewundere ich Briten, die selbst in der ausweglosesten und unheilbar peinlichsten Situation, aufgrund ihres trockenen (das ist wichtig, denn unter alkoholischer Feuchte von Innen, wendet sich das Blatt) Humors, noch eine gute Figur machen.

Das merkt man auch populären Kulturgütern an, vergleicht man z.B. Fry&Laurie-Comedy mit allem was in ähnlicher Weise hierzulande produziert wurde. Usw.

Also, lange Rede, kurzer Sinn: Ich unterstelle Herrn Angele nur, dass er von gewissen, lange tradierten
Selbstüberzeugungen schreiben wollte, die tatsächlich regionale, landsmannschaftliche und nationale Unterschiede mit begründen, weil fast jeder von uns in ein kulturelles und traditionelles Wasser getaucht wurde (wenige Ausnahmen) und es doch schade wäre, diese Identität, so ganz ohne triftige Gründe, völlig aufzugeben. Die Wahl hat ja hierzulande jeder. Er kann sich dafür und dagegen entscheiden, oder aber bewusst/unbewusst einen Mittelweg steuern.

Zum Thema "Migrationshintergrund", lexikalisch, schreibt Herr Utlu und wägt da jede Bestimmung.
- Wenn sie es aber genau betrachten, steckt darin auch eine große Vereinfachung, die dem Alltag und auch dem Empfinden nicht gerecht wird. Ich verstehe, warum das Herrn Angele zum Widerspruch reizte.

Eine kleine Erweiterung möchte ich mir noch erlauben. Die Theorie des Anderen als Differenz zum Selbst, zum Ich, zum Eigenen, ist nicht nur
eine soziologische Größe und Lehrmeinung, sondern auch eine viel beachtete philosophische Position, u.a. von Martin Buber, Julia Kristeva, Jacques Derrida und Claudio Magris weit ausgeführt.
Mir ist das sehr sympathisch. Interessant ist, dass diese Philosophien alle von Menschen entwickelt wurden, die sich dem mittelmeerischen Leben und den Gesellschaften in den kulturellen Übergangszonen verpflichtet fühlen oder fühlten.
Das Freund-Feind Schema hingegen, nach dem Differenz auch betrachtet werden kann, das führte Carl Schmitt in extenso aus. -Den lernen Sie ja noch in der Staatsrechtslehre kennen, oder?

Ich würde mit diesen anderen Philosophen sagen wollen, wir brauchen den Anderen als anders seiendes Subjekt, also in der Differenz, nicht als Objekt, welches wir zu einem Teil des Eigenen umformen wollen.

Liebe Grüße
Christoph Leusch
Calvani schrieb am 30.06.2011 um 07:24
Kleiner Nachtrag: Locker bin ich oft genug. Hier geht es aber explizit ums Thema, nämlich die Kategorisierung, die der Sprache innewohnt bzw. ihr denknotwendig vorausgeht. Da darf man dann nicht nur, man sollte sogar genau sein, sonst kann ich mich lieber gleich dem Dadaismus verschreiben.

Liebe Grüße nach Mainz!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 30.06.2011 um 09:22
Jaja, ich lese noch mit.

Bei einem Text, der sich mit Fluch und Segen der Sprache, deren Genauigkeit oder Ungenauigkeit und ihrer Integration beschäftigt, finde ich sollte man auch auf genaue Sprach-Bilder achten, dachte ich mir mal so ganz unverschämt.

Und die Spitze ging auch nicht an Sie, Columbus, sondern an den Autor.

Nichts für ungut.
Columbus schrieb am 01.07.2011 um 20:29
Liebe Frau Schwert,

Sie sagen es, die Sprache, was also z.B. unter einem Begriff zu verstehen sei, ist in sich ein Fluch und Segen, weil sich ganz selten nur exakt festnageln lässt, was denn gemeint ist, ohne den jeweiligen Kontext. Nur hierzulande quält man sich, allerdings formidabel, mit einer Art Duden-Mentalität, nicht nur für die Rechtschreibung und Grammatik, sondern auch noch für die Bedeutung der Begriffe!

Der Begriff "Migrationshintergrund" hat also, situationsbezogen, eine positive, negative, oder eher neutrale Färbung, aber wer ihn neutralisieren will, ein Problem der ganzen höheren Diskussionen um die Begriffsherrschaft, schneidet ganze soziale Realitäten ab.

Ständig reden und schreiben wir doch mit solchen Einfärbungen und je komplizierter die Anstrengungen werden, dies in einer Art Universitätssprache genau zu definieren, desto größer die Gefahr, ein ziemlich blutleeres Gerippe als letzten gemeinsamen Nenner zu deklarieren.

Das ist dann eine schwache Sprache, die auch nur verletzt, weil sie so tut, als ob diejenigen, die mit Differenzen etwas anfangen können, nicht auf der Höhe der Zeit wären.

Denken Sie nur einmal an die Bezeichung Neger, Schwarzer, Afrikaner, Farbiger. In den USA wird mit Stolz, vom African American gsprochen, und ebenso mit Stolz auch die Ablehnung dieser Selbstauszeichnung begründet. In Ansätzen gibt es das umgekehrt in Südafrika, von Leuten mit Kulturen und Kultur vorgetragen, die sagen, wir sind die weißen Afrikaner, denken Sie z.B. an Johnny Clegg (The Scatterlings of Africa), oder an den wunderbaren William Kentridge (Schauen sie sich einmal einen seiner gezeichneten Filme, die so klein sind und trotzdem ein große pathetische Kraft entfalten, die die Hautfarbe, die völlig eindeutig ist, komplett vergessen macht.).

Soziologisch und politologisch wird seit geraumen Zeiten, in Deutschland und sonstwo, um die sprachliche Luftherrschaft gerungen, was den nun den Anderen an sich ausmache und wie mit ihm sprachlich (p.c.) umzugehen sei, wie also Differenz verstanden werden kann. - Mir gefällt das nicht, weil es eine einerseits wirklichkeitsferne, andererseits rein formale Abhandlung des Problems offenbart.

Ich bin viel lieber mit einer philosophischen Bestimmung des Anderen unterwegs und glaube, dass dann z.B. auch Michael Angeles Fußballanalogie leichter verständlich ist.

So wie es Geschlechterunterschiede, Kulturunterschiede und Mentalitätsunterschiede selbstverständlich gibt, so wird auch je anders gespielt. - Ich schaue mir doch auch viel lieber Pflanzen und Tiere an, wenn sie nicht von sehr großer Ähnlichkeit, gar von gleicher Art sind. Ich will gar nicht, dass der Andere so ist wie ich.

Die philosophische Bestimmung ist daher radikaler und andererseits viel verbindlicher, weil sie nämlich dazu zwingt, den Anderen als entschieden anders ertragen zu müssen. Ich schreibe einmal ertragen hin, weil das die negative Kehrseite des reichen Gewinns ist, der aus der Differenz kulturell für uns ähnliche und relativ gleiche Deutsche, die keine hier auffälligen Merkmale mit sich schleppen (weder Namen, noch Nasen, noch Farben, noch Kleidung) und sich jeden Tag anstrengen, die letzten Reste der Unterschiede auch noch zu tilgen, abfällt.

Als verfassungsmäßige Individualisten gebärden wir uns am Ende so, als wollten wir alle gleich aussehen, reden, denken und handeln. Das ist realitätsfern und hoffnungslos ohne Spannung.

Liebe Grüße
und gutes WE
Christoph Leusch
Ehemaliger Nutzer schrieb am 02.07.2011 um 05:47
Wenn ich Ihren Kommentar richtig deute meinen Sie eine Entkopplung von Begreifen und Aussprechen, nun, so funktioniert das aber nicht, Sprache ist im besten Falle der Ausdruck des Inneren.

Und warum Afroamerikaner sich so ausdrücken, wir aber so, das hängt mit unserer Geschichte zusammen und mit der Berechtigung von Begriffen.

Ich sehe das Problem der Deutschen und ihrer Sprache ganz woanders: Die Sprache wird vernachlässigt, die gesprochene und die geschriebene. Dazu kommen Vorbehalte der Deutschen, die sich im Inneren abspielen.

Dabei ist die deutsche Sprache "etwas ganz Passables", die einzige mit großen Anfangsbuchstaben im Satzinneren, drückt sich klar aus, ist logisch; wird sie vernachlässigt und damit reduziert tun sich Leute natürlich erst recht schwer aus dieser logischen Sprache etwas Neues zu ziehen, in sie etwas zu integrieren.

Ich weiß auch nicht, wie das in anderen Sprachen ist, aber generell meine ich, dass sich innere Vorbehalte überall in der Sprache zeigen, manifestieren, das mag nicht immer in jedem einzelnen Fall zutreffen, aber tendenziell schon.

Ich würde unsere Sprache also nicht verdammen, sondern das ist wie mit Kampfhunden", der Schuldige ist der Mensch am Ende der Leine.
Auch wenn wir nicht über den englischen Snobismus oder über die französische Noblesse verfügen, so mag ich die deutsche Sprache.
Kunibert Hurtig schrieb am 03.07.2011 um 11:00
Columbus schrieb am 28.06.2011 um 15:18

Als Nachfahre dänischer Fremdfrachtangler und niederländischer Zollunterschlager mit notorischem Hang zur Verneinung hoheitlichen Allmachtsgebahrens habe ich besonders Ihren letzten Absatz genossen ... und konnte ein süffisantes Grinsen nicht unterdrücken.

LG Kuni
Columbus schrieb am 06.07.2011 um 00:49
ad lisaschwert schrieb am 02.07.2011 um 05:47

Nein, Frau Schwert, da habe ich mich dann nicht klar genug ausgedrückt, wenn Sie das so verstehen mussten.

Z.B. "Migtationshintergrund" lässt sich sprachlich beschreiben und das fällt dann mit Verstehen zusammen. Besser, die Verwendung des Begriffs immer in einem Kontext, signalisiert bereits ein Grundverständnis.

Mal ist die Verwendung positiv gemeint (z.B. so wie ich es, nun wertend, als positiv ansehe, die eigenen Wurzeln und Herkünfte zu kennen, sofern sie in irgend einer Phase des Lebens prägend waren), mal ist es negativ gemeint, nämlich als Abgrenzungsbegriff der "Stämmigen", der "Sässigen", gegen die Anderen,....Mal ist es eine neutrale Kategorie, wenn ich z.B. Verbindungen von Stadtpopulationen beschreibe (China Town, NY; French Quarter, New Orleans,...). Insofern gibt es keine Entkopplung, da denke ich in ihrem Sinne.

Aber Herrn Utlus Definitionsversuch geht ja deutlich weiter. Er möchte den Begriff als non- p.c. definieren und einen oder mehrere neuer Begriffe einführen! - Da sage ich, das geht zu weit und es funktioniert praktisch nicht, sondern schadet eher jenen, die die eigene Herkunft als positives Element annehmen und in der prinzipiell offene Gesellschaft, die sich derzeit in einigen sozialen Feldern als äußerst einförmig und eng präsentiert, ganz engegen der Selbstwahrnehmung und der verfassten Ziele, sich als der Andere einzubringen.

Es gibt plakativere Beispiele, an denen man das gut erklären kann. "Neger" z.B., kann pejorativ benutzt werden, aber auch eine positive Selbstbezeichnung sein, sogar Widerstand signalisieren, sich der gängigen p.c. nicht zu unterwerfen.

Das Wort "schwul", kann beleidigend benutzt werden und ebenso als Bekenntnis, "...,und das ist gut so!"

Es kommt also darauf an, nicht die Begriffe lexikalisch nach sozial und politisch korrekt oder inkorrekt zu ordnen um dann sprachliche Ausweiche zu finden, -auch die finden sich viel eher spielerisch-, sondern zu beachten, wer was, in welchem Kontext sagt.

Ich verdamme also nicht die Sprache, sondern kritisiere, dass Sprachkritik dieser Art nicht zu einer Klärung führt, sondern z.B. in diesem Falle eher verdeckt, um was es bei der Akzeptanz und Toleranz von deutlich mehr Fremdheit, das wird die Zukunft der Welt sein, die wegen der Entstehung eines ungeordneten, aber informationstechnologisch unbegrenzten Weltsystems derzeit entsteht.

Wenn ein Fünftel der Gesellschaft einen Migrationshintergrund hat, dann ist das erst einmal gut und ein Zeichen für Attraktivität der Zuwanderungsgesellschaft. Wenn aber diese Fünftel ausgegrenzt und andererseits auch nicht ausreichend befragt und gefordert wird sich einzubringen, weil man mit der sprachlichen Abtrennung sagen möchte, eigentlich seid ihr nur erwünscht, wenn ihr so auftretet und äußerlich erscheint wie wir selbst es schon tun, dann, so finde ich, haben wir einen Tiefpunkt der Zivilisation erreicht. Manche halten aber ihre Starre schon für den Gipfel des eigenen kulturellen Bewusstseins.

LG
Christoph Leusch
Popkontext schrieb am 28.06.2011 um 16:00
Zwei interessante Filme, wo das Thema unverkrampft, aber gut behandelt wird:



Rahab schrieb am 29.06.2011 um 14:04
Muhabbetci berichtete andernorts etwas kurioses, nämlich dass:
"in Heilbronn, sofort die Integrationsleute bei der Geburt eines Migranten Babys in das Krankenhaus kommen um dort für die Integration des Kindes zu werben..."
da tun sich fragen auf!
bei allen babies oder bei nicht allen?
bei welchen nicht-allen?
warum bei den einen nicht-allen ja und bei anderen auch-nicht-allen nein?
und: was bedeutet "für Integration des Kindes werben"
- abraten von infantizid?
- zuraten zur freigabe zur adoption?

hat das jeweilige baby den migrationshintergrund bereits (wodurch: gezeugt worden sein, intrauterin aufgenommen, geboren worden sein?) oder soll es ihn nicht bekommen?

ist "Werbung für Integration" sowas wie werbung für nen impfplan?

sicher noch unvollständig....
Columbus schrieb am 29.06.2011 um 14:58
Sehr kluge Beobachtung, die die Absurdität der Zuschreibung aufzeigt, sofern sie nicht aus dem eigenen Bewusstsein heraus erfolgt, zumindest Wurzeln in einer anderen Kultur zu haben und diese auch zu zeigen, zeigen zu wollen.

Ich wünschte mir, Menschen mit Migrationshintergrund hätten bei uns einen ähnlich ausgeprägten Wunsch, zumindest Teile ihrer Herkunft zu zeigen und sich dabei auch gut zu finden, wie das z.B. in den Staaten der Fall ist.

Da gibt es dann natürlich auch skurile, witzige Dinge, z.B. unter den Pennsylvania-Dutch, den Deitschen, aber das hat die Aura großer Liebenswürdigkeit und einer positiven Naivität, die selbst Reste der familiären Herkunftskultur zu einem eigenen Stil ausformt.

Grüße
Christoph Leusch
glaubdir schrieb am 29.06.2011 um 16:07
zelotti schrieb am 30.06.2011 um 18:24
Ich fände eine deftige und rustikale Sprache besser.

"Migrationshintergrund" ist was akademisch gestelztes. Wie wärs mit "Zugereister"?
Popkontext schrieb am 30.06.2011 um 21:32
Hahaha - für meinen gefühlt 100jährigen, fast tauben, aber im Ton noch immer scharfen Altnazi-Vermieter in Hannover war ich 1990, aus der DDR stammend, auch die "Zugereiste". Welche Erwartungshaltung man da zu erfüllen hatte, war klar...

Dass "Migrationshintergrund" eigentlich ein soziologisch / politologischer Fachbegriff ist - da durchaus berechtigt - der aber dann mißverstanden in die Allgemeinsprache überging, sehe ich übrigens als das wahre Problem mit der Sprache.

Leider hat das Herr Angele nach meiner Interpretation des Textes zumindest auch ganz und gar nicht verstanden.
zelotti schrieb am 01.07.2011 um 21:44
Der Begriff des "Deutschen" schliesst eigentlich die Multikulturalität schon ein, denn Deutschland war immer so etwas wie "Europa".

Was mir immer so ein bisschen aufstößt ist der "ewigtürkische" Geist und wie sich durchaus links gesinnte Leute mit dem hässlichen Nationalismus der Art Erbakans identifizieren (so wie Linke ja durchaus auch affirmativ sich für den völkischen Nationalismus der Iren begeistern können oder die rückständige Kastengesellschaft der Roma).

Da wird dann das Opferreservat gebaut, in dem nur artgerecht gefüttert werden darf. Eine Person wie Özdemir ist gerade nicht typisch, aber das liegt wohl daran, dass er so deutsch ist.

Er hat einen Migrationshintergrund. Oh, Gott. Das ist wie "Er hat Asperger" was genau so ein Witz ist.
Rahab schrieb am 02.07.2011 um 17:55
meinst du die dumme kuh Europa, die sich von Zeus entführen ließ?
noch son ammenmärchen aus der andro-kiste.
weinsztein schrieb am 01.07.2011 um 01:07
Ob "mit Migrationshintergrund" oder "mit Zuwanderungsgeschichte" - in wenigen Jahren werden sich solche Debatten erledigt haben wie vor langem auch im Ruhrgebiet mit seinen Millionen polnischen Einwanderern, die Tilkowski, Tibulski, Szepan, Kwiatkowski, Kowalski, Abramczik oder Koslowski heißen.

Unten ein Auszug aus dem Aufgebot der Deutschen Nationalmannschaft der unter 17-jährigen bei der jetzt stattfindenden Weltmeisterschaft. Soeben haben sie das Viertelfinale erreicht und gehören schon jetzt zu den acht besten Teams der Welt.
Einige von ihnen dürften demnächst das A-Nationalteam verstärken. Sie werden dann Team-Kollegen von Semi Khedira, Mezut Özil, Dennis Aogo, Lukas Podolski, Jerome Boateng sein, unseren deutschen Jungs.

Ich freue mich auf:

Odisseas VLACHODIMOS
Koray GUENTER
Nico PERREY
Koray KACINOGLU
Kaan AYHAN
Noah KORZOWSKI
Robin YALCIN
Emre CAN
Rani KHEDIRA
Samed YESIL
Levent AYCICEK
Okan AYDIN
Popkontext schrieb am 01.07.2011 um 16:36
Naja, ganz so einfach und von einem Tag auf den anderen ging es auch nicht. Hier ein interessantes Zeit-Dossier dazu: www.zeit.de/2010/50/Polen-Ruhrgebiet
weinsztein schrieb am 02.07.2011 um 01:39
Nee, einfach war das nicht und ging auch nicht von einem Tag auf den anderen. Hat ja auch niemand behauptet.
weinsztein schrieb am 02.07.2011 um 01:50
Aber der Link aufs Zeit-Dossier ist gut. Besonders mancher verbissener Kommentar darunter.
Danke.

Also noch mal:
www.zeit.de/2010/50/Polen-Ruhrgebiet
Popkontext schrieb am 02.07.2011 um 03:22
@weinsztein
??? irgendwas missverstanden? war nur als kurze anmerkung / ergänzung gemeint...
Michael Angele
Leitung Kulturredaktion
Mitglied seit:
3 Jahre 12 Wochen
Zuletzt aktiv:
27.05.2012
Status:
Redakteur
Aktivität:
Beiträge: 127
Kommentare: 784
Logbuch
00:30
mcmac hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:27
oi2503 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:24
oi2503 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:21
Uwe Theel hat gerade einen Kommentar geschrieben.
00:18
oi2503 hat gerade einen Kommentar geschrieben.
Jürgen Roth Gazprom – das unheimliche Imperium Westend Verlag 2012

316 Seiten. Gebunden.

19,99
 
Das Imperium Gazprom verfügt über eine eigene Armee und einen mächtigen Geheimdienst. An verantwortlichen Positionen arbeiten ehemalige KGB-Agenten, sein privater Besitz ist absolut geschützt, die Verantwortlichen sind unantastbar. Mit Hilfe williger deutscher und europäischer Industrieller versucht es, den Energiemarkt zu monopolisieren und die Verbraucher abzuzocken. Jürgen Roth enthüllt, wer hinter den Kulissen die Fäden zieht >> mehr
Arte-Kooperation

portlet_ArabienArte.png

portlet-gaertnerbuch.png

wir müssen reden

Augstein und Blome

portlet_Phoenix-12.png

Probe-Abo

probeabo260x120.jpg

Aktuelle Ausgabe bestellen
Der gefährlichste Mann Europas?

Ausgabe 21/2012
24.05.2012

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 3.60 €

>> bestellen
der Freitag Kollektion

Freitag-Kollektion_Gaertner.jpg

Arte

portlet_arte+zeile.pngportlet_arte+zeile.png

Freitag-Buchshop.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG