Michael Angele

Angeldust

14.06.2010 | 13:14

Skandalöse Rezensionspraktiken im Fall Christa Wolf

Der neue Roman von Christa Wolf Stadt der Engel wird ab kommenden Montag, dem 21. Juni, in den Läden zu kaufen sein; bis dahin ist es untersagt, dieses Buch zu rezensieren. Der Suhrkamp Verlag hat eigens noch einmal in einer E-Mail auf diese Sperrfrist hingewiesen. Auch dem Freitag wurde sie klar und deutlich mitgeteilt. Folgerichtig haben wir eine Rezension für die Ausgabe nach der Frist bestellt.

Schön dumm schaute ich deshalb aus der Wäsche, als ich gestern das Feuilleton der FAS aufschlug: eine ganzseitige Rezension von Volker Weidermann zu Stadt der Engel. Sauber, dieser Gauner, schoss es mir durch den Kopf. Aber er war nicht der einzige. Später im Café fand ich eine Besprechung des Buches in der Welt am Sonntag von Uwe Wittstock, und am Montag früh konnte man im Tagesspiegel eine große Besprechung von Oliver Pfohlmann entdecken, unter dem schönen Titel „Wie konnte ich das vergessen“. Ja, wie konnte man nur. Schon am Samstag war Arno Widmann in der FR besprechend aktiv geworden.

Fast scheint es, als habe man sich zur Untat verabredet. Beim Suhrkamp Verlag ist man natürlich sauer, kann sich diese Verschwörung allerdings auch nicht erklären. Vielleicht seien die Redaktionen durch die Vorankündigung eines Spiegel-Interviews mit Christa Wolf aufgescheut worden, heißt es auf Nachfrage. Heimliche Absprachen irgendwelcher Art mit dem Verlag habe es auf jeden Fall nicht gegeben. Dass der Spiegel mit der Ostberliner Autorin ein Interview geführt hat, erinnert dabei noch an subtilere Arten, eine Sperrfrist außer Kraft zu setzen: Ein Interview ist ja schließlich keine Buchrezension.

Mit diesem Argument hatte sich der Spiegel 2009 erfolgreich gegen den Rowohlt-Verlag durchgesetzt, der gegen die Missachtung ihrer Sperrfrist zum neuen Roman von Daniel Kehlmann geklagt hatte. Auf Anraten des Hamburger Landgerichts einigte man sich schließlich gütlich. Interview, Porträt: Solche Schleichwege in der Umgehung der Sperrfrist scheinen gar nicht mehr nötig. Laut Suhrkamp Verlag hat man auch in den eindeutigen Fällen einer Rezension keine Aussicht auf Erfolg einer Klage. „Man kann die Leute nur bitten“. Bestimmt will man es sich mit dem Feuilleton auch nicht übermässig verscherzen.

Wer nun denkt, so ist sie halt die Branche, was soll‘s, der Verfasser dieses Kommentars ist doch nur sauer, dass er nun dumm dasteht, dem sei gesagt: Ja, er ist sauer, dass der Freitag nun als einer der letzten in der Reihe dasteht. Ja, er findet das unkollegial. Aber die eigene Eitelkeit einmal beiseite geschoben, ist es natürlich auch ein Betrug am Leser, denn der kann das besprochene Buch ja noch gar nicht kaufen – wie schmerzlich, wenn ihn die Rezension im Guten oder im Schlechten so neugierig gemacht hat, dass er es sofort verschlingen will. Genau bedacht, liegt darin sogar der eigentliche Frevel von Wittstock, Widmann, Weidermann, und Co. Eine leichte Schuld muss übrigens auch den Kollegen von der Süddeutschen Zeitung und FAZ attestiert werden. Beide Blätter wollen Stadt der Engel trotz der neuen Lage nicht früher als geplant, aber doch schon am nächsten Samstag, dem 19. Juni, besprechen. Auch das respektiert genau genommen die Sperrfirst nicht. Aber immerhin liegt das Buch aller Erfahrung nach dann schon in den Läden.

 

 

 
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Kommentare
jayne schrieb am 14.06.2010 um 13:32
Alles schön und gut, oder eben weniger gut ... Ich finde allerdings das gesamte Sperrfristen-Gehabe für unwürdig. Was bezweckt man damit? Einerseits gibt man Vorausexemplare an die Presse (habe selbst einige schmucke Sachen im Schrank), zum Andern verfügt man Sperrfristen - um den Marktwert zu erhöhen resp. herauszustellen? Führend in dieser Praxis sind natürlich die Großverlage ...
jayne schrieb am 14.06.2010 um 13:35
und man sollte, das habe ich vergessen hinzuzufügen, bei einer Wochenzeitung nicht so sehr sportversessen sein, zu den Ersten zu gehören, die was darüber bringen, zumal wenn es sich um hohe literarische Qualität handelt ...
Fritz Teich schrieb am 16.06.2010 um 13:27
<<
Ich finde allerdings das gesamte Sperrfristen-Gehabe für unwürdig
>>

Vollkommen richtig!! Abgesehen davon muss man das Buch auch lesen und die Besprechung vielleicht auch noch etwas liegenlassen.
Cassandra schrieb am 14.06.2010 um 13:43
Ich habe heute morgen auch zwei Rezensionen überflogen, mir aber nichts dabei gedacht.
Nach diesem Artikel frage ich mich ganz naiv: Würde es dem Suhrkamp Verlag denn (finanziell) weh tun, wenn er diese Missachtung der Vereinbarung 'strafte', indem er nächstens eine prominente Neuerscheinung nur denen wesentlich vorab zukommen ließe, die sich an die Vereinbarung gehalten haben, den anderen später/kurzfristiger? - Das gäbe bestimmten Blättern ein Exklusivrecht (die fühlten sich gebauchpinselt...); würde aber vermutlich auch die Verkaufszahlen des Buches (zumindest kurzfristig) nicht so hochtreiben wie unter normalen Umständen. Dafür könnte es sein, dass man sich danach wieder an die Fristen hält. Das Gegenteil - komplette Missachtung durch den beleidigten Blätterwald - könnte natürlich auch eintreffen, erachte ich aber als weniger wahrscheinlich.

@jayne
Naja, jeder tut eben was er kann, um ein bisschen geballte Aufmerksamkeit zu erhaschen - ob das immer auch qualitative Kriterien zufriedenstellend erfüllt, wage ich ebenfalls anzuzweifeln.
hedoniker schrieb am 14.06.2010 um 14:09
jayne: Was mit den Sperrfristen bezweckt wird, sollte doch klar sein und wurde im Artikel auch erwähnt. Kein Verlag hat Interesse daran, dass Rezensionen vor dem Zeitpunkt erscheinen, an dem ein Buch im Buchhandel erhältlich sind. Das hat auch nichts mit einem Marktwert zu tun, sondern schlicht und ergreifend damit, dass der Leser der Rezension die Möglichkeit haben sollte, das Buch direkt danach auch kaufen zu können. Tage oder Wochen später ist die Rezension zumeist wieder vergessen. Im Fall Christa Wolf dürfte dies nicht wirklich Auswirkung auf die Verkäufe haben, bei nicht so prominenten Autoren allerdings ist ein verfrühte Rezension (fast) wertlos.
jayne schrieb am 14.06.2010 um 14:38
ach?! das ist wohl nur eine seite der medaille ...
eykiway schrieb am 14.06.2010 um 16:07
aber genau diese Seite der Medaille auf der der Konsument schaut.
oft selbst erlebt danach wenn man es denn Kaufen Könnte
war man mit einem anderen Thema oder Projeckt beschäftigt.
Joachim Petrick schrieb am 14.06.2010 um 16:45
Was ist denn mit gängigen Praxis des Vor- Abdruckens neu aufgelegter Bücher in Zeitungen, Wochenmagazinen?

Im ersten Moment habe ich gedacht, was sind denn das für Knall- Chargen im Uneld und in der Mitten des Freitag, die eine solche Sperrfrist akzeptieren, als habe "Hugk!" das Politbüro gesprochen.

Inzwischen habe ich mich von meiner Palme wieder heruntergeholt, mit einigen Argumeten besohlt und versuche den Sinn der Sperrfrist halbwegs zu begreifen..

Was mir trotzdemin Erinnerung an das Vorab Druck- Modell "Das Beste" nicht wirklich gelingt.

tschüss
JP
red turtle schrieb am 14.06.2010 um 17:29
Ich selbst hätte überhaupt kein Problem damit, nach einer gelesenen Rezension das Buch danach nicht sofort kaufen zu können.
Ich würde in meinen Buchladen gehen, das Buch bestellen und es bei Erscheinen erhalten. In der Zwischenzeit würde ich mich auf das Leseerlebnis freuen.
Worin also besteht der Unterschied zwischen bestellen und sofort kaufen?
Dass ich eine Rezension vergessen kann, hat doch mit meiner spontanen Entscheidung ( ob sie nun sofortiges kaufen oder bestellen betrifft ) nichts zu tun.
Zitat jayne:
und man sollte, das habe ich vergessen hinzuzufügen, bei einer Wochenzeitung nicht so sehr sportversessen sein, zu den Ersten zu gehören, die was darüber bringen, zumal wenn es sich um hohe literarische Qualität handelt ...
Zitat Ende
Das trifft doch wohl eher des Pudels Kern:
Wir sind die ersten, ergo sind wir die Besten...
Bei unbekannten Schriftstellern mag eine gute Rezension einer bekannten Zeitung verkaufsfördernd sein, bei bekannten Schriftstellern kann eher der umgekehrte Effekt eintreten. Oder hat MRRs schlechte Rezension des Buches von Günter Grass "Der Butt" den kommerziellen Erfolg dieses Werkes geschmälert?
Ich glaube nicht, daß man sich in der Redaktion des Freitag darüber Gedanken machen sollte.
Als Fingerzeig auf Machenschaften innerhalb der Szene, ist dieser Beitrag allerdings erhellend.
Aber dies ist eben auch ein Grund, weshalb ich den Freitag aboniere.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 14.06.2010 um 18:03
Ich finde, das ist eine Frage des Berufsethos: Darf ein Journalist Wissen, das er hat, seinen Lesern vorenthalten, bloß um einem Verlag nicht die wohl-orchestrierte Einführungskampagne zu einem neuen Buch zu verderben?
Joachim Petrick schrieb am 14.06.2010 um 18:07
genau!
Danke Tante Käthe!
äh!
Danke Oma Kruse!

tschüss
JP
Michael Angele schrieb am 14.06.2010 um 20:51
@Oma Kruse. Er soll es dem Leser ja nicht vorenthalten, sondern einfach mit der Veröffentlichung so lange warten, bis der Leser einen maximalen Nutzwert hat. Und der kann nun einmal nicht dann sein, wenn das beurteilte Buch noch gar nicht auf dem Markt ist.
Mit "Einführungskampagne" hat das nun wirklich nichts zu tun.
Gruß
Ehemaliger Nutzer schrieb am 15.06.2010 um 21:23
@ Michael Angele. Das überzeugt mich nicht ganz. Natürlich gibt es für Autoren, die eine fünfstellige Auflage erwarten lassen, eine Einführungskampagne und dazu gehört eben auch, dass am Erscheinungstag (oder wenigstens in der Erscheinungswoche) in allen wichtigen Titeln Rezensionen erscheinen.
Man kann da mitmachen, aber es ist kein Skandal, wenn man das nicht macht.
eykiway schrieb am 14.06.2010 um 20:59
genau
goedzak schrieb am 14.06.2010 um 21:30
Drüber stehen ist wahrscheinlich letztendlich doch das beste. Viele Leute werden das Buch nicht so Harry-Potter-mäßig am Erscheinungstag kaufen. Eine gute und eigensinnige Rezension kommt also nicht so schnell zu spät. - Ist sogar manchmal vorteilhaft, etwas später rauszukommen. Denkt nur mal an das kleene Meechen mit dem mexikanischen Lurch...
zelotti schrieb am 15.06.2010 um 02:32
Och Gott, die Sperrfrist. Als ob die durchsetzbar wäre.
KalleWirsch schrieb am 15.06.2010 um 08:34
Ich bin mir sehr unsicher, ob die Sperrfrist Sinn macht. Ich glaube schon, dass es Redakteure gibt, die die Meinung vertreten, dass der Rezensionsleser das besprochene Buch dann auch sofort kaufen können soll. Wie man sieht, gibt es davon anscheinend nicht allzu viele. Der Verlag allerdings wird diese verhängen, weil er sich höhere Verkaufszahlen verspricht. Es ist ja auch sein Job soviele Exemplare wie möglich zu verkaufen.
Meine Unsicherheit bezieht sich darauf, ob diese Marketingidee wirklich aufgeht. Sowohl CDs als auchFilme, die neu auf den Markt kommen, werden vor ihrem Erscheinen bzw. Start besprochen. Beim Theater und Konzerten versucht man möglichst schon sechs Wochen vorher redaktionell in Erscheinung zu treten. Wäre es nicht sinnvoll die Sperrfrist aufzulösen. Ich könnte mir vorstellen, dass sich die Berichterstattung einfach streuen würde und so dem Verkauf des Buches zuträglich wäre. Und es spricht doch nichts dagegen bei unbekannten Autoren die Redaktionen zu bitten möglichst zeitnah zur Veröffentlichung zu rezensieren.
Bei mir persönlich ist Vorfreude eine sehr hohe Kaufmotivation.

Wo ich aber uneingeschränkt zustimme ist Folgendes:
Wenn es Sperrfristen gibt und sich alle Redaktionen normalerweise daran halten, dann ist es unfair, wenn eine oder mehrere ohne Absprache vorab veröffentlichen. Ich denke es gebührt den Regeln der Fairness, die Konkurrenten zumindest über den Schritt zu informieren. Denn wenn es darum gehen sollte, ein Zeichen gegen Sperrfristen zu setzen, dann macht das mit allen anderen im Boot mehr Sinn.
Steffen schrieb am 15.06.2010 um 11:51
Zeitungen, denen der frühe Zeitpunkt der Veröffentlichung wichtiger ist als die Qualität der Rezension schaden sich auf Dauer doch selbst. Dem Text im Tagesspiegel hat man zum Beispiel eine intensive Lektüre nicht angemerkt. Ich zweifle auch stark daran, dass die Rezensenten ihre Exemplare auch stets lesen. Einfach ein paar Schlagworte aus dem Pressetext aufgeschnappt, ein paar Zitate rausgeblättert und fertig. Extrem frühe Besprechungen sind ganz und gar nichts für mich, da ich lieber auf die Meinung eines echten Lesers warte, der sich für das Buch Zeit genommen hat (im Falle Christa Wolfs jetzt immerhin über 400 Seiten)!
Steffen Kraft schrieb am 16.06.2010 um 11:38
In der Tat wird Suhrkamp vor Gericht kaum etwas durchsetzen können. Bis 2006 hätte der Verlag oder die angeschmierte Konkurrenz sich wenigstens noch an den Deutschen Presserat wenden können. In dessen Richtlinien stand immerhin noch, dass Sperrfristen einzuhalten seien, wenn "dies sachlich gerechfertigt war". Doch diese Bestimmung wurde gekippt und es so den Beteiligten selbst überlassen.

Schade eigentlich, sind Sperrfristfragen doch ein Thema, mit dem sich das Selbstregulierungs-Organ Presserat mangels juristischer Regelungskraft profilieren könnte. Na ja, diesen Zahn hat sich der Tiger wohl selbst ausgeschlagen.
Michael Angele schrieb am 16.06.2010 um 12:13
Tja, bliebe wohl nur die moralische Ächtung durch die Leser :)
Fritz Teich schrieb am 16.06.2010 um 13:29
Warum verteidigst Du diese Fristen?
Michael Angele schrieb am 16.06.2010 um 14:08
Aus zwei Gründen:

Weil mir einleuchtet, dass es für den Leser u.U. doof ist, wenn er eine Besprechung liest, aber das besprochene Buch nicht kaufen kann.

Weil es, wenn sich alle Redaktionen ohne Wenn und Aber daran hielten, dieses unselige Streben unterbände, bloß nicht der zweite zu sein, der die neue Christa Wolf oder den neuen Kehlmann in Blatt hat.
Katharina Körting schrieb am 16.06.2010 um 14:23
Also, ich kenne keinen, der eine Rezension liest und prompt in den Buchladen rennt...

Selbst gehöre ich zu denjenigen, die sich die Info-Schnipsel zum Buch vom Artikel abreißen und ins Portemonnaie stecken. Wenn ich sie dann nicht vergesse oder verliere, frage ich irgendwann, oft nach Monaten, den Buchhändler nach dem besagten Buch oder ordere bei Amazon (da kann man übrigens vorbestellen...)

"Skandalös" finde ich ein zu starkes Wort. "Frech" oder "dreist" wäre passender. Eine Wette: Der Freitag schert sich das nächste Mal auch nciht um die Sperrfrist von Suhrkamp ;)
Michael Angele schrieb am 16.06.2010 um 14:59
"Eine Wette: Der Freitag schert sich das nächste Mal auch nicht um die Sperrfrist von Suhrkamp ;)"

Ich wette dagegen :)
Katharina Körting schrieb am 16.06.2010 um 15:01
um was?
(hilfe, mein bild ist verschwunden, dabei wollte ich doch nur aktualisieren...)
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.06.2010 um 04:01
Aber skandalös kann (Rezensionspraktiken) es ja nur sein, wenn ihr Gegenteil das nicht - also seriös - wäre. Das setzt tatsächlich voraus, daß die Fristenpraxis eingedenk der Marketingoffensive (Schnellstart) seriös ist. Für den Leser ist sie das nun weniger, weil er auf eine möglicherweise vergriffene Auflage trifft. Ich würde Freitag regelrecht empfehlen, auf soetwas zu verzichten - und zwar genau im Interesse der Leser. Überhaupt sollten solche Autoren gänzlich CC-Lizenzen nutzen, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Das wäre dann wirklich bildungsoffensiv.
Anette Lack schrieb am 17.06.2010 um 16:38
Seltsame Praktiken - oder ist das mittlerweile Usus? Ich würde gern vorab Rezensionen lesen, die mich neugierig machen auf ein Buch - dass es dann nicht gleich verfügbar wäre, würde mich nicht so stören. Das steigert die Spannung und das beglückende Gefühl, wenn man den Band endlich in den Händen hält...

Was Christa Wolf angeht, hat sie ja zumindest vorab in der Berliner Akademie der Künste aus "Stadt der Engel gelesen". Vielleicht waren Sie ja unter den Gästen, Michael Angele?

Jedenfalls brachte DeutschlandRadio gestern spätabends - selbstredend nach einer ausführlichen Rezension :) - einen Ausschnitt aus dieser Lesung. Und tatsächlich ist mir die Stimme Wolfs viel stärker im Gedächtnis geblieben als das , was sie gelesen hat.

Ich war beeindruckt und gleichzeitig abgeschreckt. Frau Wolf, inzwischen immerhin 81, klingt bestenfalls abgeklärt; für mich hörte es sich eher lebensmüde an, im wahrsten Sinne des Wortes Knarzig, wenig lebendig... Das aber machte mich auch neugierig aufs Buch. Kann jemand, der so klingt, noch lebendig schreiben, so dass es mich angeht?

Und so warte ich gespannt auf den 21. Juni. Und auf Ihre Rezension!
Hans-Joachim schrieb am 27.09.2010 um 16:14
Ist doch egal, wer zuerst rezensiert! Ich jedenfalls habe selbstverständlich Christa Wolfs neues Buch zuerst gelesen, bevor ich mich an die verschiedenen Rezensionen machte, die im übrigen sprachlich und literarisch nicht annähernd an Christa Wolf heranreichen. Was mich an den Rezensionen vor allem interessierte, mit welchen Intentionen die einzelnen großen Zeitungen an dieses Buch heran gehen, ob sich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte etwas geändert hat. Nein, es hat sich nichts geändert. Insofern wurden meine Erwartungen an die Buchbesprechungen nicht enttäuscht. Die Zeit macht, etwas gemildert, im gleichen Stil weiter, wie sie ihren Kampf um die Meinungsführerschaft bei der deutschen Intelligenz vor knapp 20 Jahren gegen die FAZ mit ihrer Häme gegen Christa Wolf führte und verlor. Der Freitag hat zum Glück eine renomierte Persönlichkeit gefunden, Christa Wolfs Roman zu besprechen. Und die FAZ geht das ganze eher kühl an. Hans-Joachim
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