Steffen Kraft

Blog von Steffen Kraft

20.08.2011 | 08:21

Update: Openleaks will Wikileaks-Platte komplett löschen

Nach der Ankündigung, alle elektronischen Schlüssel zum von Wikileaks mitgenommenen Datenschatz zu vernichten, wollen die Openleaks-Aktivisten nun offenbar auch die Daten selbst unter Aufsicht eines Notars löschen (mehr dazu hier).

Damit will Domscheit-Berg zum einen verhindern, dass die Dokumente in die Hände der in seinen Augen inzwischen unsicheren Wikileaks-Plattform gelangen.

Zum anderen möchte der Openleaks-Mitgründer damit wohl die Debatte um die Daten endgültig beenden. "Vielleicht hätten wir die Schlüssel schon viel früher vernichten sollen", sagte Daniel Domscheit-Berg dem Freitag. Dies sei bisher auch aus Respekt vor den Whistleblowern nicht geschehen. Wer sein Material veröffentlicht sehen wolle, müsse es nun noch einmal einreichen.

Laut Spiegel-Redakteur Holger Stark sagte Julian Assange am Freitag telefonisch, er besäße keine Schlüssel zu den von den Wikileaks-Aussteigern mitgenommenen Daten. Ob Domscheit-Berg mit seinem Schritt allerdings das zweite Ziel zur Gänze erreichen wird, ist zumindest fraglich. Schließlich können sowohl elektronische Schlüsseln wie auch die verschlüsselten Daten selbst vor der Vernichtung beliebig oft kopiert werden.

Mit einer entsprechend formulierten eidesstattlichen Versicherung könnte Daniel Domscheit-Berg allerdings die Wucht der juristischen Angriffe von Assange auf ihn verringern. "Diese ganze Diskussion ist unwürdig", sagte Domscheit-Berg dem Freitag.

Eine Meinung, die womöglich auch CCC-Vorstand Andy Müller-Maguhn teilt, der betont hat, nicht an einer Schlammschlacht interessiert zu sein. Heise online sagte Müller-Maguhn, dass der Quellenschutz bei Wikileaks bisher immer funktioniert habe und dem Projekt zumindest in dieser Hinsicht keine Fehler unterlaufen seien. Nach Angaben von Domscheit-Berg hat es nach der Übergabe des Wikileaks-Archivs an Andy Müller-Maguhn allerdings ein "massives Sicherheitsleck" gegeben, durch das zwar womöglich keine Quellen, sondern Unbeteiligte gefährdet werden.

Das Freitag-Dossier mit allen Beiträgen zu Openleaks gibt es hier.

 
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Kommentare
ebertus schrieb am 20.08.2011 um 08:50
"Löschen" - mit Notar...

Erinnert mich so an ein kleines Intermezzo in den 1980ern mit GvG - und aus dessen Sicht erfolglos, weil alles gelöscht; auch ohne Notar.

Schade im Grunde, aber wohl eben nur Menschen, die bestenfalls kritische Sympathie erwarten dürfen. Da brauchen CIA et al. nicht mal tätig werden.
ursula keller schrieb am 20.08.2011 um 09:24
Mir ist völlig unverständlich, wie der von mir sehr geschätzte "freitag" mit DDB zusammenarbeiten kann.
Der Mann ist nicht integer.....
Graureiher schrieb am 20.08.2011 um 10:22
Das passt schon mit TAZ, FREITAG und DDB. Wo der von dir sehr geschätzte FREITAG inzwischen gelandet ist, kannst du hier nachlesen:

www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=16830
Rosa Sconto schrieb am 20.08.2011 um 16:24
Auch wenn Steffen als Autor das Thema ganz unbefangen verfolgt, meiner Meinung nach kann "Der Freitag" seinen Kopf mit z.B. einem Interview mit Leuten die in letzter Zeit mit Assange zusammen sind, z.B. "Vaghun Smith" ,dem Gastgeber von Assange, den Kopf aus der Schlinge ziehen.
Das wäre dann nicht distanzierend, balanciert aber diese merkwürdige Liaison mit dem dubiosen DDB etwas aus. Der hat scheinbar zumindest ein Talent: sich mit jedem anzulegen der nicht seiner Meinung ist.
ursula keller schrieb am 20.08.2011 um 22:14
Danke Graureiherfür den link.....die Zurückhaltung "ethnische Säuberungen" auch als solche zu bezeichnen, geht nach meinem Dafürhalten gar nicht.
Wenn schon kritischer Journalismus an den "Scheren im Kopf" scheitert, was ist dann erst mit dem investigativen Journalismus ?
Steffen Kraft schrieb am 22.08.2011 um 11:38
@Rosa Sconto: Es ist nicht so, dass der "Freitag" nicht nach einen Interview gefragt hätte. :-)
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.08.2011 um 09:49
Das ist doch wirklich einmal ein sehr überzeugendes Argument: "Damit will Domscheit-Berg zum einen verhindern, dass die Dokumente in die Hände der in seinen Augen inzwischen unsicheren Wikileaks-Plattform gelangen." Und zum andern?

Vielleicht ist es besser so das dieses Projekt scheitert denn ist schon bemerkenswert mit wievielen anderen Personen sich Domscheit-Berg verbeisst. Am Ende kommt wohl heraus das der Egotrip der er Assange vorwirft auf ihn selbst viel besser zutrifft.
Steffen Kraft schrieb am 20.08.2011 um 10:07
Zum anderen? Einfach den Satz lesen, der auf den von Ihnen zitierten folgt.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.08.2011 um 11:06
Na, diese etwas kryptische Aussage hatte ich schon gelesen, um so mehr schätze ich sehr das Sie genau diesen Teil des Spiegelinterviews mit Assange eben auch anschliessend zitieren und so objektiv sind.
Sicher müssen auch DVD zerschreddert werden...
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.08.2011 um 11:10
Na, diese etwas krypthische Aussage hatte ich nicht überlesen, um mich dann über das Beispiel von objektiven Schreiben zu freuen, indem Sie den Passus aus dem Assange-Interview im "Spiegel" zu erwähnen.
André Rebentisch schrieb am 20.08.2011 um 16:36
Es scheint eine verdammt klebrige Sache zu sein, die Altlasten abzuwickeln für Herrn Domscheit-Berg. Das hat was von klassischem Theater, mit ihm als tragischer Held, in dessen Flanken feig gestoßen wird.

Seine Verwundbarkeit rührt tragischerweise im wesentlichen daher, dass er sich um Integrität bemüht, sie ihm wichtig sein dürfte. Das macht ihn verwundbar. Was sich über ihm an Denunziationen gegen seine Person zusammenbraut, das ist nicht schlecht für einen, der aus einer hohen ethischen Haltung heraus solchen Charaktermördern überhaupt erst Zugang zu vertraulichen, sensiblen Dokumenten verschafft hat, und nach wie vor an seinen Infoparia-Vorstellungen festhält.

Es ist billig mit dem Halbwissen des Beobachters Vorwürfe zu erheben und (mit welchem Recht eigentlich?) neue Fragen als Hobbyinquisitor an ihn aufzuwerfen, anstatt Lösungen zu suchen, wie er es nun tut.
Streifzug schrieb am 20.08.2011 um 17:21
Im Zeugnis steht: "Er war um Integrität bemüht."

Damit ist alles gesagt. Der Rest ist Prosa.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 20.08.2011 um 18:59
so viel Pathos allseits-belieber André Rebentisch, hat ungefähr die gleiche Qualität wie Wahlversprechen: "Niemand wird es schlechter, aber vielen besser gehen !". Oder kenen Sie den: "Wir brauchen mehr soziale Gerechtigkeit!" oder "Wir werden die Zahl der Arbeitslosen binnen 4 Jahren halbieren!" ja, ja mit meinem Halbwissen konnte ich das auch alles nicht vorher wissen. Trotzdem wünsche ich als Hobbyinquisator ganz viel Glück bei solch anonymer Briefkastenadresse mit der Garantie von Adobe 9.0
André Rebentisch schrieb am 21.08.2011 um 11:36
Dann haben Sie nicht verstanden, was ich meine.

Domscheit-Berg antwortet auf Kritik, weil er hohe Maßstäbe an sich stellt. Gerade diese Haltung wird ihm zum Verhängnis, weil sein Entgegenkommen als eine Schwäche gedeutet wird und als Bestätigung, dass da in der Tat was faul sei. Das ist "tragisch".

Es ist sehr einfach andere Personen anzupöbeln, siehe Sachima unten, wenn man für Folgen nicht einstehen muss. Darin zeigt sich ein unangehmer negativer Charakter.

Ich habe unzureichend Wissen, um Aktivitäten von Herrn Domscheit-Berg zu beurteilen, aber wenn die Vernichtung eingesendeten Materials dazu dient, Quellen zu schützen, scheint es mir konsequent. Ausserdem habe ich ausreichend technischen Einblick, um zu merken, wann Medienspin unrichtig ist.
lisi stein schrieb am 21.08.2011 um 11:56
@ André Rebentisch
"weil er hohe Maßstäbe an sich selber stellt..." Wie genau sie diese hohen Maßstäbe definieren erschließt sich mich mir nicht wirklich, vor allem wenn man sein Buch liest. Dort kann der Maßstab mit all den unappetitlichen und überflüssigen homestories über JA nicht sehr hoch gewesen sein. Über seine IT-Fähigkeiten kann ich als "Laie" nichts sagen. Nur, nach seinen allseits mißglückten Darstellungen von Openleaks, kann er kaum erwarten, dass er allzuviel Whistleblower-Post bekommt. Das erledigt sich dann von selbst. Wenn er, wie JA behauptet, Daten von WL besitzt und sie unter "notarieller Aufsicht" löschen will, stellt sich für mich die einfache Frage, wieviele Personen haben wann und wie die Daten bereits gesichtet, kopiert, verschlüsselt etc. Welche Garantie kann er geben, dass nur er sie "besitzt"? Viele offene Fragen?
Streifzug schrieb am 21.08.2011 um 12:09
@ André Rebentisch,
"Dann haben Sie nicht verstanden, was ich meine. "
Ihr Kommentar ist ein Spiegelbild der Problematik:

"Die blöden Leser haben die Brillanz ihrer Argumentation ebenso wenig begriffen, wie sich den Dummerchen die bemühten Integrität D-Bs erschließt."

Allerdings gilt in beiden Fällen: "Die Verantwortung liegt beim Sender."

Aber was soll's. Die Kooperation mit den Medien wird es schon richten. Immerhin haben die sich in puncto Vertrauenswürdigkeit einen stetigen Spitzenplatz in der öffentlichen Wahrnehmung erkämpft.
lisi stein schrieb am 20.08.2011 um 12:38
www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,744613,00.html

Was ist daraus geworden? Schlammschlacht, eidesstattliche Versicherungen, missglückte Präsentationen, hier ein Interview und dort die Rücknahme des Gesagten. Das alles spricht gegen Openleaks und spiegelt die Geschichte von Wikileaks wieder.
ursula keller schrieb am 21.08.2011 um 02:56
Stellungnahme von Assange heute. wlcentral.org/node/2170
Demnach gab es zu einem bestimmten Zeitpunkt Kontakte zwichen dem CIA und der Ehefrau von DDB.
Graureiher schrieb am 21.08.2011 um 11:26
Wie schrieb ich doch schon am 15.08. in einem Beitrag zum Auftakt dieser Artikelserie:

„Anscheinend gibt es beim CCC noch Leute, die politisch denken und sich die Hintergründe um die Entstehung von Openleaks vorstellen können. Die US-Dienste setzen zur Zeit Himmel und Hölle in Bewegung, um Wikileaks zu diskreditieren…“
www.freitag.de/politik/1132-der-papst-haette-es-besser-gemacht
André Rebentisch schrieb am 21.08.2011 um 12:39
Die "CCC Leute" kennen alle Cryptome und sind nicht wirklich auf die WL Organisationsfantasien reingefallen. Neu war allenfalls die Aufbereitung im Wiki, der journalistische Schnittstellen-Anspruch, die Reflektiertheit, und der Wille zur massenmedialen Exponierung von beteiligten Personen.

"DDB secretly, and in clear violation of WikiLeaks internal security directives, recorded internal WikiLeaks encrypted "chat" conversations."

Sie wissen ferner wie encrypted chat funktioniert, loggen üblicherweise ihre Konversationen, und ahnen, dass "WL internal security directives" reine Organisationsfantasie sind.

Der Rest ist Divide et Impera. Die Frau von Domscheit-Berg einzubeziehen geht ans Eingemachte. Da läuft einem der kalte Schauer über den Rücken...
lisi stein schrieb am 21.08.2011 um 11:37
ursula keller schrieb am 21.08.2011 um 12:37
Die Menschen, die ihre Informationen WL seinerzeit anvertraut haben, sie haben auch das Recht darüber zu entscheiden, ob diese Informationen vernichtet oder durch WL veröffentlicht werden. Mit welchen Recht kann ein DDB die Daten jetzt eigentlich vernichten ? Ist das nicht überhaupt illegal ?
André Rebentisch schrieb am 21.08.2011 um 13:23
(Finde ich ja interessant, dass ich mich hier zum einsamen Verteidiger aufschwinge)

Frau Keller:

Z.B. Wenn ich für die professionelle Sicherheit von sensiblen Daten nicht garantieren könnte, würde ich es als meine Pflicht ansehen sie zu vernichten um die Quelle zu schützen!

Z.B. Wie wir wissen wurde die Einsendeschnittstelle schon vor einiger Zeit deaktiviert. Warum eigentlich? IT-Sicherheitbedenken?

Z.B. Wenn es sich um widerrechtlich beschaffte Informationen oder strafbare Inhalte handelt, wäre es für den Normalbürger rechtlich zwingend und klug sie zu vernichten.

Z.B. bat er ausdrücklich darum diese Informationen neu an WL einzusenden und hat alles unternommen um sich gegen den Vorwurf zu wehren die Inhalte für das eigene Projekt nutzen zu wollen.

Vor allen Dingen nehme ich an, dass er sich diese Sache genau überlegt hat.
ursula keller schrieb am 21.08.2011 um 13:38
Dass er sich "die Sache genau überlegt hat" davon gehe ich mal aus. Auch davon, dass andere in diese Überlegungen mit einbezogen waren :)
Die WL Quellen waren sicher, kein Informant ist durch Fehler bei WL"aufgeflogen". Manning durch den Chat mit einem ehemaligen Hacker, der mittlerweile für die US Regierung gearbeitet hat.
DAS ist das eigentliche Sicherheitsproblem, DDB beweist es jetzt !
DDB hat seine Rolle brav gespielt, Blauäugige sind darauf reingefallen. Laut SPON von heute hat er die Daten bereits vernichtet.
André Rebentisch schrieb am 21.08.2011 um 15:05
Frau Keller, sie zwinkern: "Auch davon, dass andere in diese Überlegungen mit einbezogen waren :)"

Zum Beispiel sein Anwalt?

Die Sicherheit war vermutlich ausreichend solange es ein Nischenprojekt war, das hier und da mal ein vertrauliches Wald-und-Wiesen Dokument aus einem Ministerium oder einer Sekte auf einem Wiki veröffentlicht hat.

Bruce Schneider hat es am besten gesagt: "WikiLeaks is just a website."
www.schneier.com/blog/archives/2010/12/wikileaks_1.html

Bislang sind nicht die Verschlüsselungsmethoden offengelegt. Daher kann man kaum Aussagen über die tatsächliche Sicherheit bei der Übermittlung treffen, es recht nicht bei der Datenhaltung.

Wer mag beurteilen, ob die Geschichte über Manning stimmt? Sollte er tatsächlich diese Dokumente elektronisch übermittelt haben, wär das gewagt. Allein die Vorstellung zu erwecken, dass solche Dokumente technisch elektronisch sicher übermittelt werden können, ist ein Alptraum.

Problematisch, dass Dokumente dieser Qualität veröffentlicht wurden, eine andere Diskussion. Ich sehe die Beihilfe zur Indiskretion etwas staatstragender als die extralegale Transparenzbewegung.
ursula keller schrieb am 21.08.2011 um 16:57
"Problematisch, dass Dokumente dieser Qualität veröffentlicht wurden, eine andere Diskussion. Ich sehe die Beihilfe zur Indiskretion etwas staatstragender als die extralegale Transparenzbewegung"....sehen Sie , darin sind Sie und die US Offiziellen sich schon mal einig :)
Dürfte wohl nicht der einzige Punkt der Übereinstimmung sein......
André Rebentisch schrieb am 21.08.2011 um 18:11
Keine Ahnung. Ich bin für mehr rechtmässige Transparenz nach skandinavischem Muster und für loyale Beamte.

Dafür setze ich mich ein. Seit Jahren.

Das ursprüngliche Konzept von WL fand ich "ok", nämlich besseren Quellenschutz zu bieten, als neutraler Mittler aufzutreten. Bin auch selbst mal sozusagen Opfer von Leaks von WL geworden.

Seit der Spiegel-Affäre ist Deutschland relativ liberal. Bei Watergate ging es um kriminelle und unverantwortliche Eingriffe des US-Präsidenten in den Wahlkampf, der EU-Beamte Van Buitenen deckte einen Korruptionsfall der EU auf, der zum Rücktritt der Kommission führte. Das ist etwas anderes, da macht sich der illoyale Beamte als Patriot zum Paria.

Wenn aber geheime, militärisch relevante Dokumentdatenbanken eines Rechtsstaates "massenhaft" und ohne Anlass veröffentlicht werden, dann ist das eine andere Qualität, nämlich eine Art Geheimnishehlerei. Manche Freunde von mir sind da anderer Meinung.

Auch die Formulierung des "Kollateralmordes" hat WL zu einer Partei werden lassen, die das Material bewertet. Das Mittlerprojekt wurde eines, das selektiv Daten vermarktet, aggressives Fundraising betreibt.

Die US-Regierung hat meiner Ansicht nach überzogen gegen WL öffentlich posaunt. Leider ist auch die Transparenzoffensive von Präsident Obama unter die Räder gekommen.
Gold Star For Robot Boy schrieb am 21.08.2011 um 20:57
Welche Transparenzoffensive ?

Obama's War on Whistle-Blowers
André Rebentisch schrieb am 22.08.2011 um 00:45
Richtig.

Zu Beginn seiner Amtszeit hat US-Präsident Obama mit dem Thema Transparenz im Regierungshandeln sehr deutliche Akzente gesetzt.
pr-blogger.de/2009/01/21/epolitics-3-obamas-white-house/

Im Europaparlament zum Beispiel warf MEP Michael Cashman der damals zuständigen schwedischen Kommissarin vor, dass er sich eine ähnliche Stellungnahme wünscht.

www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?type=CRE&reference=20090310&secondRef=ITEM-007&language=DE&ring=A6-2009-0077
shalako schrieb am 21.08.2011 um 18:15
shalako schrieb am 21.08.2011 um 18:27
Steffen Kraft schrieb am 22.08.2011 um 11:33
Danke für die Hinweise. Beide Texte finde ich interessant.
manstruator schrieb am 21.08.2011 um 19:55
spannend
Lethe schrieb am 22.08.2011 um 10:36
aus der Sicht eines Unbeteiligten mit zweifelhafter Informationslage wirkt diese gesamte Geschichte doch mehr als dubios. Wenn ich mir das Ganze aus der Perspektive einer Quelle vorzustellen versuche: Es gibt da also diese wunderbare Möglichkeit, Daten, die ich vielleicht unter Lebensgefahr einem Despoten oder dessen Geheimdiensten abgeluchst habe, weltweit publik zu machen, und plötzlich kommt da ein obskurer deutscher Michel, klaut diese Daten mit der Begründung, dass sie bei denen, denen ich sie anvertraut habe, nicht sicher seien und vernichtet sie irgendwann. Daten, die ich unter Lebensgefahr zusammengestellt und zur Veröffentlichung nicht ihm sondern Assange anvertraut habe.

Hmm. Ich weiß nicht, ob DDB dafür Lohn vom CIA oder sonstigen sonstigen einschlägigen Interessengruppen erhalten hat. Falls nicht, sollte er in dort jedem Fall eine Rechnung einreichen, er hätte es verdient. Dass die Daten bei Assange offenbar tatsächlich nicht sicher waren, hat er mit seiner Aktion freilich bewiesen, bewiesen allerdings dadurch, dass er Vertrauensbruch betrieben hat. Wie er darauf kommt, dass daraus seine und seines Gegenprojektes Vertrauenswürdigkeit folge, bleibt wohl sein Geheimnis. Wenn ich eine Quelle wäre, ich wüsste, welcher Mensch und welche Plattform meine Daten ganz sicher nicht in die Hände bekäme, völlig unabhängig von aller Diskussion um die technische Sicherheit des verwendeten Verteilungssystems. Der schlimmste Fail Safe sitzt doch immer noch vor dem Monitor.

Es fällt mir sehr, sehr schwer, in DDB etwas anderes zu sehen als den Verräter einer an sich exzellenten Idee, die durch seinen Vertrauensbruch selbst da in Frage gestellt wurde, wo Vertrauen nicht gebrochen wurde.
André Rebentisch schrieb am 22.08.2011 um 12:14
Genau das meinte ich als Beobachter oben mit der "klebrigen" "Tragik": Jeder Versuch der Verteidigung gegen Rufmord wird ihm unmöglich gemacht. "Unbeteiligte" kolportieren Legenden, und das in einem Bereich, wo er gezwungen ist proaktiv Vorwürfe auszuräumen. Und dann kommt das "Weil er sich verteidigt, schadet er irgendwie der Idee."

Ein paar Fragen:
- Gibt es einen Beleg, dass die Daten "gestohlen" wurden?
- Schadet jemand dir, falls er deine Illusion zerstört, dass Sicherheit für deine Daten vorlege?
- Ist deine Sicherheit dadurch gefährdet, dass deine Daten vernichtet sind?
- Hast du deine Daten tatsächlich der Person JA anvertraut?
- Welche andere Möglichkeiten hatte DDB im Rückblick?
- Welche Belege hast Du für Unterstellungen? Wer hat sie in die Welt gesetzt?

Zuletzt:
- Weshalb und bis zu welchem Maße muss eine solche Organisation eigentlich konspirativ sein?
- Was hindert jmd. seine Dokumente ein zweites Mal einzusenden?

Spinnen wir doch auch mal "Verschwörungstheorien" der Entlastung
- Welche fehlenden Variablen gibt es in der Gleichung, die sein Verhalten erklären? Macht er sich z.B. strafbar, wenn er diese Inhalte weitergegeben hätte?
- Welchen persönlichen Preis haben er und seine Frau dafür gezahlt, dass er aus dem Schatten getreten ist?
Lethe schrieb am 22.08.2011 um 14:47
Fragen dieser Art sind vor einem Gericht zweifellos beeindruckend, wenn Zeugen, Angeklagte oder Ankläger auseinander genommen werden sollen, sie befreien indes nicht von dem Eindruck, der durch die Gesamtsituation erzeugt wurde und wird.

So ist mir zum Beispiel völlig schnuppe, ob das, was DDB gemacht hat, im juristischen Sinne als Diebstahl zu werten ist; soweit mir bekannt hat er selbst aber mehrfach von einer einschlägigen Festplatte gesprochen, die er "mitgenommen" hat. Das reicht mir, zusammen mit dem dubiosen Geschwurbel, das er Begründung nennt.

Dokumente ein zweites Mal einzusenden, wenn schon beim ersten Mal Lebensgefahr bestand, ist zwar u.U. möglich, dies einzufordern zeugt aber ganz sicher nicht von Respekt gegenüber den Quellen und deren Sicherheit; auch mag es in manchen Fällen einfach unmöglich geworden sein, weil sich nicht alle Chancen mehrmals bieten.

Es würde ja vielleicht schon reichen, wenn irgendwo einmal offen, systematisch und inhaltlich darüber gesprochen würde, was genau an Wikileaks, der Person von Assange und der Organisation hinter Wikileaks so sehr in Schieflage war, dass einem idealistischen jungen Menschen à la DDB nichts anders übrig blieb als zu tun, was er tat. Was so sicherheitsrelevant war, dass man es nicht Wikileaks-intern hätte beheben können, evtl. unter Heranziehung zusätzlicher Hackerfachleute.

Und warum ich - jetzt wieder als Quelle denkend - diesem angeblich idealistischen jungen Mann Daten anvertrauen sollte, wenn der sie letztlich nur meistbietend an ausgewählte Zeitungen verhökert, an Geschäftspartner, statt sie wirklich offen zugänglich zu machen. Und Daten, über deren Veröffentlichungswürdigkeit er vielleicht anders denkt als die Quelle, einfach vernichtet.
André Rebentisch schrieb am 22.08.2011 um 15:43
Gerne:
1. Wenn "Lebensgefahr" bestünde, dann ist Vernichtung die zwingende Lösung für Deine Sicherheit.
2. Die "Lebensgefahr" hast Du allerdings selbst als Annahme erfunden. Daher sind die Überlegungen zur Zweiteinsendung "non sequitur".
3. Checke Deine Prämissen über die Organisation. Welche Rolle hat wer? Möglicherweise verhält sich JA zu WL wie Dr.Best zu seiner Zahnpasta. Im besten Fall hat ein Sprecher einer solchen Organisation keinerlei operative Verantwortung.
4. Ist von "Verhökern an Zeitungen" jemals die Rede gewesen? Du erfindest hier etwas und versteckst es in einem Nebensatz ("wenn der sie... anstatt"). Dein letzter Absatz ist klassische Schmähkritik, wobei ich gar keine böse Absicht unterstellen möchte. Denk drüber nach, was Du sagst, und was dazu gedacht ist.
Lethe schrieb am 23.08.2011 um 11:23
1) das kommt wohl ein klein bisschen auf den Kontext und die Möglichkeiten an
2) das ist im Kontext irrelevant. Relevant ist die Antwort auf die Frage, ob DDB ausschließen kann, dass durch das erzwungene Zweit-Einsenden Lebensgefahr (oder auch schon nur einfache Gefährdung) für die Quelle entstehen kann. Kann er das nicht ausschließen, sind Vorschlag udn Vorgehensweise bestenfalls schlecht durchdacht
3) ja, das ist möglich. Da du genauer informiert zu sein scheinst: ist/war es auch faktisch so?
4) verzeih, wenn ich mich in diesem Kontext einer etwas saloppen Sprache bediente, selbstverständlich ist der Ausdruck "verhökern" nie gefallen. Ich frage mich nur, ob alle die Beiträge hier im Freitag an den Haaren herbeigezogen sind, die sich über die, sagen wir mal, Art der Kooperation von openleaks mit ausgewählten Medien, sagen wir mal, wundern.

Denk drüber nach, was Du sagst, und was dazu gedacht ist.
ich nehme an, du kümmerst dich nicht sonderlich darum, was Herablassung ist^^
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