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Es war 10.56 Uhr am Sonntag, als Sachsen-Anhalts Linken-Chef Matthias Höhn in der Erfurter Messehalle seinen Genossen den Moment ankündigte, „auf den wir anderthalb Jahre hingearbeitet haben“. Neun Minuten später jubelten die Delegierten, schwenkten rote Tücher und fielen sich in die Arme: Mit 96,9 Prozent hatte das neue Grundsatzprogramm eine so klare Mehrheit erhalten, wie es die Genossen selbst kaum noch für möglich gehalten hatten. „So eindeutig, wie es jetzt ausgefallen ist“, freute sich Parteivize Sahra Wagenknecht, „das ist für mich eine sehr positive Überraschung gewesen.“ Bis Mitte Dezember muss die Parteibasis dem in einer Urabstimmung zwar noch seinen Segen erteilen. Den „Meilenstein in der Geschichte“, wie Klaus Ernst das Papier nennt, wird das aber nicht mehr zum Wanken bringen.
Verhangen in Arbeiterschweiß-Rhetorik - Kommentar in der Taz
Wie sich eine Partei selbst ins Abseits stellt - Kommentar in der SZ
Abschied von der Macht - Kommentar im Tagesspiegel
Was hat der Erfurter Parteitag der Linken gebracht? Der Vorsitzende sieht in dem Ergebnis einer langen Programmdebatte „eine Ohrfeige für die, die uns seit vier bis fünf Jahren das Scheitern voraussagten“. Richtig ist: Eine Partei, deren Strömungen sich zuletzt in innigen Konflikten gegenüberstanden, die über Personal wie hausgemachte Probleme öffentlich stritt, der die große Krise bescheinigt und ein turbulentes Delegiertentreffen prognostiziert worden war, ist offenbar nicht zur zum Kompromiss im kleinen Kreis fähig, sondern auch dazu, diesen in größerem Rahmen zu erhalten. Es sah noch am ersten Tag des Parteitags hinter den Kulissen nicht immer so aus.
Ein Beschluss für die Medien?
Die Passage zur Drogenpolitik, ein aufgeregtes Presseecho und eine
deshalb folgende nachträgliche Ergänzung - hier
Die „Programmdebatte ist Teil des Lernprozesses unserer Partei“, hatten die Vorsitzenden Gesine Lötzsch und Ernst vor einigen Monaten in einem Brief an die Mitglieder geschrieben - ein Prozess, in dem vor allem ältere, schon in der PDS diskutierte Streitfragen im Mittelpunkt standen, und der hinter der Dynamik einer sich schnell verändernden Wirklichkeit zurückblieb. Statt eine „große Erzählung“ anzubieten und künftige Herausforderungen zu antizipieren, sind im Verlauf der Programmdiskussion auf medialen Druck hin aktuelle politische Konflikte in den Text eingearbeitet worden und haben sich darin vor allem für die interne Machtbalance wichtige Kompromisse niedergeschlagen. Aber kann man überhaupt mehr erwarten als ein Papier, das die Integration verschiedener Flügel erreicht und das Sinn im Inneren stiftet - ohne nach Außen hin attraktiv zu sein?
aus dem Freitag
Kommunizierende Röhren: Die Linke, Erfurt und die doppelte SPD - hier
Saure Milch und große Keulen: Vor dem Erfurter Parteitag - hier
Nicht nur digital ist besser: Über Linke Niederlage und Piraten-Erfolg - hier
Wenn die Linke ihren eigenen Anspruch ernst nimmt, müsste ein Programm auch das leisten. Klaus Ernst hat bei seiner Rede vor der Endabstimmung Anleihen bei Walter Benjamin genommen und dessen Bild vom „Segel“ zitiert: „Die Linke muss ihre eigene Sprache finden, besser noch zur Dialektik zurückkehren. Dialektiker sein heißt, den Wind der Geschichte in den Segeln haben. Die Segel sind die Begriffe. Es genügt aber nicht, über die Segel zu verfügen. Die Kunst ist, sie setzen zu können. Das ist das entscheidende.“ Und etwas, kann man mit Blick auf die Linkspartei hinzufügen, das der Partei in den vergangenen anderthalb Jahren allenfalls in Ansätzen gelungen ist.
Was nützt es einer Linken, mit einer ganzen Reihe von Antworten auf die Eurokrise Recht behalten zu haben, wenn es ihr nicht gelingt, die rasante Entwicklung in ihrem Sinne zu politisieren? Was hat man von einem Kompass, wenn der offenbar gar nicht dabei hilft, den „Wind der Gesellschaft“ (Ernst) aufzunehmen? „Alle Kritiker unserer Partei haben recht, wen sie fragen: Warum steht ihr eigentlich nicht besser da?“, hat Oskar Lafontaine bei seiner Rede am letzten Tag von Erfurt gesagt. Eine Antwort darauf ist das neue Programm nicht. Der „neue Aufbruch für die Linke“, den Ernst bereits erkannt haben will, steht in Wahrheit noch aus.
Stille vor dem Sturm - die FAZ über die Personaldebatte
Die Neo-Liberale – Zeit online über Sahra Wagenknecht
Alles zurück auf Oskar – Stern.de über den “Altstar Lafontaine”
Lafontaines Lauern – der Focus über einen “bestimmten Genossen”
Die Einzige, die für Großes taugt – Tagesspiegel über Wagenknecht
Das hat übrigens nur am Rande etwas mit dem Ausgang der Personaldebatte zu tun, die nach dem Parteitag alsbald in die nächste Runde gehen wird. Wagenknecht, Bartsch oder doch Lafontaine - es wird eine dominierende Frage bleiben, wer in der Linken in Zukunft in der ersten Reihe steht. Eine „Mannheimer Rede“, wie im Vorfeld bisweilen geunkt, war der Auftritt des Saarländers nicht. Wohl aber eine erneute Bestätigung seiner alle anderen überragenden Rolle. Lafontaine war es, der mit einer kleinen Wortmeldung während der Beratung der Anträge die Reihen geschlossen hielt. Und dabei zugleich erkennen ließ, dass auch in Zukunft mit ihm zu rechnen sei. „Jetzt geht es darum, die Partei zu einen“, sagte er in der Debatte um die friedenspolitische Passage im Entwurf. „Ihr könnt euch da auf mich völlig verlassen. Mit mir gibt es keine Schlupflöcher.“
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Marx sei Dank!
Ende der NATO, Legalisierung von Drogen, Verstaatlichung von Banken: das neue (und erste) Grundsatzprogramm der Linken, das soeben mit 96,9% der Stimmen angenommen wurde, zeugt von erfreulicher Konsequenz. Ganz offenbar konnten sich die sogenannten "Reformer_innen", die (vermutlich in der Hoffnung auf ein paar lukrative Pöstchen) schon seit einiger Zeit versuchen, die Partei durch eine schleichende "Sozialdemokratisierung" (sprich: Aufweichung ihrer ureigensten Positionen) für dieses korrupte und überholte System "regierungsfähig" zu machen, nicht durchsetzen. misanthrope.blogger.de/stories/1918305/ |
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Was hat man gelacht, als die DDR mit 18 Milliarden Schulden zusammengebrochen war und heute.
Zur Orientierung! Die HRE hat es geschaft innerhalb von Stunden, Dutzende Milliarden durch den Schornstein zu jagen! Milliarden werden den Banken in den Hintern geschoben und das Volk? Den Linken hat man immer vorgeworfen, mit Geld nicht umgehen zu können. Sehen wir uns die Länder und Städte an, wo vorher die CDU regierte, oder jetzt noch. Sachsen-Anhalt (CDU) mit nur zwei Millionen Einwohnern, hat einen Schuldenberg von über 20 Milliarden. NRW wird von der CDU verteufelt, aber Rüttgers (CDU) hinterlies einen riesigen Schuldenberg. Sehen wir uns die Parteienlandschaft an, außer der der Linken, die von Lobbyisten mit Millionen unterstützt werden. Ein einziges Gekungele, Geschiebe und Postenschacherei und das Land geht den Bach hinunter. Für die Schulen fehlen sanitäre Ausrüstungen, auf der anderen Seite werden Milliarden für unnütze Dinge ausgegeben, siehe Afghanistan. Über 17 Milliarden Euro wurden für diesen Wahnsinn ausgegeben und der Erfolg ist gleich Null. Das Volk wird systematisch in die Armut getrieben, schikaniert und bevormundet und so etwas nennt man Freiheit. So kann es nicht weiter gehen und demzufolge muss ein Systemwechsel her, wo das Volk auch etwas zu sagen hat und vor allem auch etwas verändern kann. Die Wahlen in diesem Land sind doch Schicksalswahlen, aber keine Richtungswahlen. Wenn man doch einmal das kleinere Übel wählen könnte. Nichts ändert sich oben, es bleibt stets und ständig der gleiche Klüngel an der Macht, der das Volk von hinten bis vorn verarscht. Was sagt Herr Dr. Geißler? Der Kapitalismus wie der Sozialismus haben versagt. Wobei ich Herrn Dr. Geißler korrigieren muss, dass es den Sozialismus und auch den Kommunismus nie gegeben hat. Was im Osten praktiziert wurde, war der Stalinismus und der war ein Verbrechen. Meiner Meinung versuchen wir es vielleicht mal mit den demokratischen Sozialismus. Freiheit und Demokratie sind der BRD jedenfalls abhanden gekommen, es regiert nur die Fratze des Kapitalismus. |
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Wenn die Partei sich demnächst sogar noch dazu entschließen könnte, die deutschnational dahervölkelnden Genosken aus Kassel-Stadt hochkant rauszuschmeißen, die nichts besseres zu tun haben als deutsche Schuldabwehrkomplexe zu bewirtschaften (»...wurde ein Passus in den Programmentwurf aufgenommen, der in den Zeilen 240 bis 247 eine Kollektivschuld „der Deutschen“ an den Verbrechen des Nationalsozialismus unterstellt. Dies würde die wirklichen Schuldigen, also die NSDAP und das deutsche Kapital, entlasten und den Widerstand gegen den Faschismus ignorieren.«, vgl. hier; Hervorh. j-ap), dann ließe sich über sie reden.
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schrieb am
23.10.2011 um 19:00
j-ap »Howgh, ich habe gesprochen« haben Sie jetzt Karl May mit Karl Marx verwechselt?
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Weder noch; ich halte es da mehr mit Mario Puzo und würde den Arschgeigen aus Kassel gerne mal ein Angebot machen, das sie garantiert nicht ablehnen können.
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Unsere Zeit hat ein Lied von Konstatin Wecker und das sollte man sich unbedingt anhören!
Konstantin Wecker: Empört euch! Unbedingt www.http://hinter-den-schlagzeilen.de/ anwählen und sich das Lied anhören. Es paßt zu unserer Zeit. |
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Ich bitte vielmals um Entschuldigung, die Website heißt natürlich www.hinter-den-schlagzeilen.de
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Nunr stellt sich aufgrund der im Parteiprogramm festgelegten Haltelinien natürlich die Frage, ob jetzt auch die einzige der Linken verbliebene Regierungsbeteiligung, in Brandenburg, zumindest kritisch danach hinterfragt werden muss, ob sie mit dem Parteiprogramm noch kompatibel ist. Nun stellt die Linke zwar dort den Finanzminister, nur betreibt die Landesregierung in Potsdam wirklich eine Politik, die die Verbesserung der Lebensbedingungen der Bevölkerung nachhaltig zum Ziel hat?
Oder gelten die Haltelinien erst für künftige Koalitionsverhandlungen? |
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Es ist wirklich traurig, dass die einzige Partei, die sich nicht nur in kritischer Rhetorik gegenüber dem perversen Ausbluten der Bevölkerung durch Banken ergeht, sondern auch gewillt ist diesem Einhalt zu gebieten, nicht als Alternative wahrgenommen wird. Liebe wählen die Leute weiter diejenigen die bis zum bitteren Ende die Interessen des Finanzkapitals vertreten.
Die Grünen und die SPD sind in dieser Hinsicht ein unerträglicher Totalausfall. Wie wäre es denn wenn die SPD Dirk Müller für den möglichen Posten des Finazministers anwirbt. Der liegt in seinen Analysen weitgehend auf einer Linie mit Sahra Wagenknecht und ist nicht verdächtig ein radikaler Linker zu sein. Der harmonisiert so gut mit ihr, dass die beiden ein wirklich gutes und wünschenswertes Team zur Umgestaltung des Finansektors bildeten. Anzuschauen etwa in der vorletzten Sendung von Maybritt Illner. |
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schrieb am
24.10.2011 um 11:57
Die Partei die Linke ist z.Z. die Partei, die sich mit den wirklichen wichtigen Fragen unserer Zeit befasst. Was für mich das absolute Primat ist, ist ihre Haltung gegen Krieg! Da vermisse dazu alle Parteien im Bundestag, Ex DDR Bürgerrechtler, viele Hochschullehrer, Künstler, TV Plaudertaschen, Stammtischpatrioten und und und…!
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Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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