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Der Protest gegen Stuttgart 21 ist nicht gerade arm an symbolischen Bildern. Die Bagger, der Mann mit dem Auge, Mappus und Rech bei der strengen Einvernahme durch Marietta Slomka. Auch dieses Video hier wird Eingang in die noch längst nicht abgeschlossene Ikonographie der Bahnhofsgegner finden. Und wer die Twitter-Subtitles dazugeschaltet hatte, erlebte eine noch ganz eigene Geschichte. Es wird nach Wochen noch Leute geben, die beim Wort „Tür“ anfangen zu kichern.
Man fragt sich allerdings nach knapp drei Stunden, in denen man daheim zuschaute, wie Leute den Südflügel des alten Bahnhofs besetzen, was diese ständige Verfügbarkeit von Bildern mit uns macht. Geht irgendwann keiner mehr raus, weil alle damit rechnen, dass irgendwer schon seine Webcam dabei haben wird? Wäre es „früher“ anders gewesen, wenn man schon über diese technologische Möglichkeit hätte verfügen können? Diszipliniert das die Polizei bei ihrem Einsatz? Wäre Wackersdorf anders ausgegangen, würde man sich heute anders an die Mainzer Straße erinnern?
Livestream! Heute scheint das längst in die Alltagspraxen (und eben auch die Protestnormalität) eingewachsen zu sein, ganz automatisch halten da gleich mehrere Besetzer ihre Mobiles hoch, die „Verbilderung“ wird sogar noch multipliziert von einem anwesenden Kamerateam. Und dann noch: Wie schnell man als Zuschauer zwischen soziologischem Blick und emotionaler Anteilnahme wechselt. Wie schön, als „Haut ab, haut ab“ gerufen wird. Wie seltsam dagegen, dass hier unverpixelte Menschen dabei gezeigt werden, wie sie etwas strafrechtlich Relevantes tun (egal, für wie legitim man es selber hält). Gucken Staatsanwälte nicht Internet?
Schließlich diese leicht aufgeregten Beratschlagungen in den weißen Fluren, wo immer der Konsens aufgerufen wird - und dann sind es doch nur ein paar wenige Typen, die das Wort führen. Überhaupt die Absurdität der ganzen Szenerie, eine Polizei, die über eine Stunde eine ziemlich normale Tür nicht aufbekommt, die am Ende, als sie sich endlich durchgeflext hat, immer noch klingelt, und dann eine seltsame Person in Uniform vortreten lässt, die zu den Besetzern sagt: „Wir haben ihnen jetzt die Tür geöffnet, damit sie raus können.“ Irgendwie großes Kino.
Vor allem: Danke an @tilman36!
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Eine Nachrichtenagentur will es so erfahren haben: "Die Demonstranten brachen nach Angaben eines Polizeisprechers gegen 17.15 Uhr die Tür zum Südflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs auf und drangen in das Gebäude ein. Sie verbarrikadierten sich in dem Gebäude."
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... und dann haben sie die Tür wieder schnell repariert und verschlossen ... Sehr raffiniert. Und vor allem so perfekt. Die Flex hatte ja noch einiges zu tun. Nein, mit Schlüssel ist symbolischer Widerstand doch wesentlich eleganter. Weil er zeigt, dass unter den Sympathisanten auch Schlüsselbesitzer sein müssen. Wenn es so weit ist, muss man keine Bahnsteigkarte mehr kaufen, um einen Bahnhof zu besetzen.
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das ZDF weiß es noch besser: "Die Besetzer hatten eine Türe aufgehebelt und hinter sich verrammelt." bit.ly/9ro9V3
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Man fragt sich allerdings nach knapp drei Stunden, in denen man daheim zuschaute, wie Leute den Südflügel des alten Bahnhofs besetzen, was diese ständige Verfügbarkeit von Bildern mit uns macht.So, wie er da steht, ist der Satz ganz klar perlenwürdig, Herr Strohschneider. |
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Haut abÜber Jahrhunderte gesehen, die treffende Kurzformel. |
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Irgendwie großes Kino.
So, wie er da steht, perlt auch der Satz würdig. -Und würzt ein Gericht, dessen Zutaten woanders bereitet wurden, kaum. Trotzdem Danke. (auch an j-ap) |
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Sehr schön, Herr Strohschneider, ich habe selten so sehnsüchtig auf das Eintreten einer Tür gewartet.
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die tür von stuttgart - auf jeden fall eine schöne dokumentation über den widerstand, den eine tür einer deutschen behörde einer deutschen behörde entgegensetzen kann.
uri |
Ausgabe 08/12
23.02.2012
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