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Hans-Ulrich Jörges gilt gemeinhin als gescheiter Kopf. 1995 prognostizierte er in der längst untergegangenen Woche schwarz-grüne Bündnisse, als noch kaum jemand darüber sprach. Der Titel des Beitrags sollte später einem klugen Buch über die deutsche Linke als Titel dienen: „Grün schlägt Rot“. Von einem „Triumph der Hellsichtigkeit“, wie es unlängst die Welt getan hat, muss man vielleicht nicht sprechen. Aber die aktuellen Entwicklungen im deutschen Parteiensystem lassen die Studie von Philip Gorski und Andrei Markovits von 1997 und Jörges Prognose zwei Jahre zuvor doch zumindest als analytisch ziemlich treffsicher erscheinen. Ob das der letzte Zwischenruf des Stern-Autors auch für sich beanspruchen kann? Jörges hält die „Zeit für eine Neuordnung der Linken“ für gekommen: „Die SPD sollte dem vitalen Teil der Linkspartei die Aufnahme anbieten. Der „kommunistische und querulatorische Rest“ hingegen „möge zurückbleiben“.
Nun sind solche Überlegungen nicht unbedingt neu. Die Idee einer „organisatorischen Versöhnung“ der SPD mit der Linkspartei kommt meist als Wiedergutmachung früherer Fehler daher: dass die Sozialdemokraten im Osten nach der Wende nicht für SED-Mitglieder offen war zum Beispiel. Man kennt auch die Einladungen der SPD an die so genannten Pragmatiker. „Wer demokratische Politik als demokratischer Sozialist machen will, ist bei der SPD besser aufgehoben“, hat Sigmar Gabriel vor gar nicht allzu langer Zeit die Tür demonstrativ aufgehalten. Doch solche Äußerungen sind mehr als Provokation gemeint, sie zielen auf die innerlinken Konflikte, in denen das Lager der Reformer oft dem Verdacht ausgesetzt ist, einer sozialdemokratischen Anpassung das Wort zu reden. Wenn Sigmar Gabriel die „Vernünftigen“ einlädt, stärkt er damit die aus seiner Sicht „Unvernünftigten“. Andererseits haben inzwischen ja auch einige von denen, die aus Enttäuschung über die Schröder-SPD zur fusionierten Linken fanden, den Weg zurück in die Sozialdemokratie angetreten – und sie hatten ihre Gründe. Eine Massenbewegung war das jedoch nicht.
Könnte es eine solche werden? Oder besser: Warum glaubt Jörges, das überhaupt vorschlagen zu müssen? Er sieht die „politische Substanz“ der Linken aufgezehrt, sie habe mit ihrem Ruf nach Mindestlöhnen, gegen Hartz IV und die Rente mit 67 „das gesamte Parteienspektrum nach links getrieben“. Dort (wieder) angekommen, lägen zwischen der „gewendeten SPD“ und den „pragmatischen und einigungswilligen Kräften“ in der Linkspartei kaum noch gravierende Differenzen. Außer in der Außenpolitik – aber, meint Jörges, der SPD könnte ohnehin ein starker pazifistischer Flügel gut tun. Die Sozialdemokratie habe in ihrer Geschichte immer schon „von der Integration konkurrierender Strömungen profitiert“. Wie das aussieht und welche Geräusche dabei entstehen, kann man gerade gut beobachten: beim Streit um den Sarrazin-Deal der SPD-Spitze, in dem mit Andrea Nahles die Vertreterin des Vorstandes nun ins Abseits geraten ist, die einmal als dem linken Flügel zugehörig galt. Oder, damit das Bild etwas voller wird, bei der Diskussion um die „Erneuerung“ der SPD, in der programmatisch und personell nur eine Seite auf dem Vormarsch ist.
Jörges Ruf nach einer „Neuordnung der politischen Linken, nach einem strategischen, ja historischen Schnitt“ mag so betrachtet mehr dem Zwang zur journalistischen Originalität geschuldet sein, als einem analytischen Scharfsinn. Die “Operation am roten Herzen” mag sie falsch beantworten, der Text stellt aber die richtigen Fragen: Gibt es Platz und Bedarf für eine Partei, welcher der “demokratische Sozialismus” mehr ist, als eine Traditionsfloskel? Was heißt das für ihre Programm? Und welche machtpolitischen Optionen zur Durchsetzung ihrer Ziele kommen unter den gegenwärtigen Bedingungen eigentlich noch in Frage? Dass die Diskussion darüber weder als Personalsstreit (siehe hier) noch mit fragwürdigen "Selbstverpflichtungen" (siehe hier) zu führen ist, muss die Linke noch lernen.
auch erschienen auf lafontaines-linke.de
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@Tom Strohschneider
Jörges: "„Die SPD sollte dem vitalen Teil der Linkspartei die Aufnahme anbieten. Der „kommunistische und querulatorische Rest“ hingegen „möge zurückbleiben“." Wie wäre es umgekehrt: Die Linkspartei sollte dem vitalen Teil der SPD die Aufnahme anbieten. Der rassistische, sozialfeindliche, opportunistische und bellizistische Rest möge zurückbleiben. Gefällt mir irgend wie besser :D LG, Jacob Jung |
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Es wird Leute geben, die der Meinung sind, "der rassistische, sozialfeindliche, opportunistische und bellizistische Rest" sei die ganze SPD.
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Ja :)
Umso alberner, wenn Herr Jörges eben diesen Rest dazu auffordert, anderen die Aufnahme anzubieten und sie so mit in die Bedeutungslosigkeit zu ziehen. |
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Die SPD, je kleiner an Mitgliedern und Wählern sie erwartbar werden mag, wird "die neue Pendlerpartei"; um mal an ein (fast passendes) Wort von Herbert Wehner zu erinnern.
Und die Grünen sind ja sowieso die neue CDU, konservative Retter der Welt, deren Zeit nun eben am Krankenbett des Kapitalismus gekommen ist. Das kann man im sechsten Kreis von "Der kommende Aufstand" gern nachlesen; aus 2007 und nicht einmal wirklich visionär. Insofern sollte man, sollten "querulatorische Linke" die DDR-gemäßen 90% Parteien unter sich belassen; und überhaupt, ein ehrbarer Beruf im Pflegebereich hätte besseres verdient. |
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schrieb am
28.04.2011 um 20:12
>>...und überhaupt, ein ehrbarer Beruf im Pflegebereich hätte besseres verdient.<<
Was Besseres als den Patienten Kapitalimus, der diejenigen, die ihn unter wachsenden Entbehrungen durchfüttern, als dekadente, asoziale Schmarotzer beschimpft und seine Pfleger nur mit Korruption bei sich behalten kann? Ja, verlassen wir das Delirium und wenden uns der Zukunft zu. Es gibt ein Leben nach dem Kaputtalimus. |
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...es wird keinen historischen Schnitt in irgendeine Richtung geben, so lange nicht gewissermaßen geklärt, was so etwas wie "Sozialdemokratie" im Grunde genommen ist: Lediglich Krankenschwester am Bett des Kapitalismus, wie Kreisky, Palme und Brandt es mal untereinander in ihren Briefwechsel in den Siebzigern diskutierten und was meines Erachtens die sozialdemokratischen Strömungen Europas nach 1945 doch recht gut charakterisiert oder tatsächlich ein größer angelegter gesellschaftspolitischer Gegenentwurf, der bisher nur in Ansätzen existiert bzw. noch zu entwerfen ist.
Die Hauptforderung sollte mehr denn je Wirtschaftsdemokratie sein, da der jetzige gesellschaftliche Zustand Europas einschließlich der EG-Gründungsstaaten unter neoliberaler Hegemonie auch die letzten Reste bürgerlich-kapitalistischer Demokratie unterminiert und auf Dauer vielleicht vollständig beseitigen wird. |
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Zum Zustand der SPD finde ich weiterhin die Worte Peter von Oertzens passend, die er in einem Stern - Interview im Jahre 2005 fand:
www.stern.de/lifestyle/leute/was-macht-eigentlich-peter-von-oertzen-541073.html |
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"Jörges Ruf nach einer „Neuordnung der politischen Linken, nach einem strategischen, ja historischen Schnitt“ mag so betrachtet mehr dem Zwang zur journalistischen Originalität geschuldet sein, als einem analytischen Scharfsinn. "
Weder noch, Genosse Strohschneider . es interessiert einfach nicht die Bohne. Sie warten mit einer Studie von 1997 auf, die Dahrendorfs 'Dilemma', analysiert an Skandinavien außer acht läßt. Fehlt nur noch Marx, der ja auch irgend etwas gesagt hat. |
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»„Grün schlägt Rot“«
Da müsste ich mich, der grün und rot zugleich ist, ja selber schlagen ;-) »... „kommunistische und querulatorische Rest“ ...« Wenn die Sozialdemokraten und die Demokratischen Sozialisten wieder historisch zurück in der SPD sind, dann werden wir es wieder leichter haben. Zurück in die herrlichen 80er: Punk und Rebellion 2.0 :-) |
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schrieb am
29.04.2011 um 07:08
>>Da müsste ich mich, der grün und rot zugleich ist, ja selber schlagen ;-) <<
Tja, da verläuft die Grenze zwischen gesellschaftlichem Fortschritt, der ein für die Natur des Planeten verträglicheres Wirtschaften zuliesse einerseits und dem reaktionären "greenwashed neoliberalism" andererseits. In der Gründungsphase der Grünpartei gab es einen Teil, der "ökosozial" konsequent zu Ende dachte und umsetzen wollte. Aber die sind schon lange weg und der Rest hat es sich mit den Korrupteuren gemütlich gemacht. Ein Teil der damals "Ökosozialen Grünen" ist mittlerweile auch bei der Linken angekommen. |
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Das Jörges hier irrt, haben wir in Sachsen-Anhalt gesehen. Die SPD war hier der große Verlierer, sie stand auf Platz 3 hinter den Linken auf Platz 2. Trotzdem die Schnittmenge mit den Linken am größten war, ging die SPD mit der CDU eine Regierung ein. In Thüringen war es nicht anders.
Die SPD hat in Wirklichkeit ihre Seele verloren und verkauft sie an die CDU. Die SPD ist verbraucht und ausgebrannt und wenn man ihre Spitze sich ansieht, kann man nur noch lachen. Bei den nächsten Wahlen wird auch die SPD wieder nichts zu sagen haben, da wird sich die CDU mit den Grünen verbinden, denn die sind jetzt machtgeil wie nie zuvor. |
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Für alle, die ein Interesse an einer Diskussion über die Zukunft der SPD haben, empfehle ich die kritische Würdigung meiner Analysen auf profiprofil.wordpress.com/category/spd/, hier insbesondere den Essay profiprofil.wordpress.com/2010/12/05/bonner-appell-spd-partei-der-ent-und-der-abrustung/.
Ich denke, dass es zwei Artikel des Grundgesetzes sind, die von der SPD (und der LINKEN) besetzt werden müssten: und zwar zum ersten der Art. 14 mit der Zielrichtung "Recht auf Arbeit" und zum zweiten der Artikel 26 mit der Zielrichtung einer radikalen Abrüstung, verbunden mit der Konversion der Nato in eine weltweit agierende Entwicklungshilfe-Organisation der Vereinten Nationen, dadurch deren längst überfällige Aufwertung bewirkend. Feedback auch auf weghorn@kampfkompetenz.de Gerd Weghorn |
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schrieb am
29.04.2011 um 07:32
>>...und zwar zum ersten der Art. 14 mit der Zielrichtung "Recht auf Arbeit" und zum zweiten der Artikel 26...<<
Beide GG-Artikel sind inhaltlich im Programmentwurf der Linken vertreten. Für die SPD wäre es aber wohl eine historische Wende, diese GG-Artikel in ihren Zielsetzungen zu berücksichtigen. Wie ich die SPD kenne, glaube ich nicht, dass sie das schaffen wird. Wenn ein paar Leute mal was fordern ist das eben noch kein Parteiprogramm... |
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Ein Link zur Quelle wäre schön.
Tom Strohschneider scheint Hans-Ulrich Jörges auf den Leim gegangen zu sein (wenn er Jörges richtig wiedergibt). Nach der Ente die Jörges in die Journaille watscheln lässt, kann nicht ernsthaft gefragt werden, ob es sich bei der "Neuordnung der Linken" um einen historischen Schnitt handelt. Offenbar gilt dem Stern-Autor der nicht kommunistische und der nicht renitente Teil der Linkspartei als derjenige, dem eine historische Mission aufgegeben ist. Diese als Pragmatiker angesprochenen Kräfte gelten in dieser Lesart - und das wiederkäut der Partei-Blocker implizit - als die Epochemachenden, während die anstrengenden Verteidiger einer Politik von unten im Verein mit den Kommunisten als Rest abqualifiziert werden. Will man Jörges Provokation, ob sie "dem Zwang zur journalistischen Originalität geschuldet" sei oder nicht, von links unten beurteilen, muss genau dieser Propagandatrick einer verbürgerlichten sozialchauvinistischen Bewegung, welche die Sozialdemokratie seit dem historischen Schnitt mit der Abtrennung der Kommunisten geblieben ist, entlarvt werden. Linke historisch relevante Politik ist kein Spiel um Prozentpunkte und Anteile am überkommenen Staatswesen. Sie ist auch kein Geschäft, das einen gesellschaftlichen Bedarf bedient. Ich will, dass der Kapitalismus zugunsten einer friedlichen und menschlichen Welt überwunden wird und wer das auch so sieht, kann daran mittun, auch gegen einen gesellschaftlichen Bedarf, der sich nur in der Anzahl von Repräsentanten im Parlament messen lässt. Weniger für das Programm, in dem der Pazifismus nur eine Strömung ist, als vielmehr für die Organisation dieser Partei wäre es von entscheidender Wichtigkeit, dass die historische Ausrichtung auf die Überwindung der Klassengesellschaft in allen Entscheidungen, besonders die das Personal betreffenden, strukturell reproduziert wird. Eine solche Linke müsste lernen, die Gesellschaft in ihrem Sinn wirklich zu verändern. Aber auf keinen Fall sollte sie lernen, einen freien Platz im parlamentarischen Spektrum einzunehmen - weder mit noch ohne Personalstreit oder Selbstverpflichtung. Klar, der zahlenmäßig starke Rest, derer, die Jörges nicht zum marginalen Rest zählt, lässt sich vielleicht zum gegenteiligen Lernprogramm verführen, wenn man nicht darüber aufklärt, dass Jörges einen Keil zwischen die Vertreter verschiedener Strategien zur Veränderung der Gesellschaft treibt. Umso wichtiger ist die Betonung des opportunistischen Wesens der SPD, ist die Erinnerung an die historischen Schnitte, welche die Linke von ihr trennte. Diese sind der Verrat am Klassenkampf durch den Rückfall in den Nationalismus vor dem Weltkrieg und den Kriegen der post-sozialistischen Epoche, sowie durch den Übergang ihrer Eliten zum Bürgertum zwischen und nach dem Weltkrieg mit der Bekämpfung der Revolution, der Kommunisten und mit der Einführung von Hartz-4. Es deutet nichts darauf, dass die SPD nach einem Aussaugen der Linken die Epoche des Opportunismus überwinden würde. |
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@Tom Strohschneider
Ha Ha Ha !!! auf den Klein- Klein- Basar Zwischenruf Journalismus des Hans Ulrich Jörges abgefahren, schon bist Du weg vom Fenster, das eine weite Aussicht auf wirklich linksgedreht verbindende "Demokratie Projekte", angesichts der Aufbrüche in den Nordafrikanisch- Arabischen Staaten für Europa, die EU, Deutschland in Berlin, in den Bundesländern, Städten, Kommunen eröffnet. Z. B. die Demokratisierung der Wirtschaft, voran der Berater- , Export- , Agrar- , Nahrungsmittel- Chemie-, Pharma- , und Finanzindustrie, der Wohlfahrtsverbände, der Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Verbände, Stiftungen, des ADAC u. u... Noch nie haben sich Parteien einfach so verbunden, stets waren es Projekte, in denen sie sich verbunden wie von selber eingefunden!, oder? |
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Solche Gedanken wie Jörges könnte man haben, wenn sich die SPD einst runderneuert hat – zur Zeit sieht es aber eher so aus, als würden die technokratischen Taktierer die Politik der SPD mehr und mehr bestimmen...
Die Erneuerungswilligen echten sozialen Demokraten in der SPD werden sich schon irgendwo politisch ausleben können, wenn sie es nicht hinbekommen die Partei zu demokratisieren und auf Erneuerungskurs zu bringen. Die Linke ist da zur Zeit aber anscheinend auch keine attraktives Alternative... Interessant in diesem Zusammenhang auch: Die neuen Vordenker der SPD. Politische Taliban auf dem Vormarsch |
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1969, jung und naiv, bin ich in die SPD eingetreten. Die Worthülse "demokratischer Sozialismus" suggerierte, dass man an etwas Neuem, einer lebenswerten Zukunft des Kaltkriegproduktes BRD mitbauen könnte.
Als ich feststellte, dass "demokratischer Sozialismus" nach Herbert Wehners Kochrezept bedeutet: Bettelbriefe an Konzernvorstände, Berufsverbote, weitere Aufrüstung der BRD, den Gewerkschaften Handschellen & Maulkorb anlegen: Da befasste ich mich, auch angeregt durch eine Diskussion in der Jusogruppe über Gustav Noske, mal ein bisschen mit der Geschichte der SPD. Und ich stellte fest: Die SPD, das waren nach 1914 die verbliebenen "kaiserlichen Sozialdemokraten", nachdem die diejenigen, die mit dem Krieg nicht einverstanden waren, die SPD verlassen hatten. Auch damals gab es den Ruf, doch in den Schoss der guten alten SPD zurückzukehren. Ein Teil der USPD folgte dem, der andere Teil schloss sich der KPD an und die USPD löste sich auf. Ulrich Jörges will wohl die Geschichte wiederholen, als Farce: Die WASG möge doch die Vereinigung mit der PDS wieder rückgängig machen und in der SPD untergehen: als "Schwarz/Rötlich, "Rötlich/Grün" oder "Ampel"gehampel, Hauptsache Lobbyblockflöte. Der Linken bläst der Wind ins Gesicht, kein Wunder: Weder lässt sie sich von ökonomisch mächtigen Konzernen sponsern, noch werden ihre Handlungsanleitungen im Hause Bertelsmann und von Leuten wie Maschmeyer geschrieben. Einigen bläst der Wind zu scharf, das könnte die Verlockungen der Lobbyblockflöten begünstigen. Vielleicht wäre es besser, wenn die sozial allzu Schwachen wirklich in die SPD zurückkehren, in reumütiger Erinnerung an die herrlichen Zeiten des Kanzlers Schröder? Ehe sie innerhalb der Linken umfallen und an die gute alte Zeit anknüpfen, behaglich eingekuschelt im warmen Schoss des Grossen Geldes, das die Welt regiert. Gar so viele sind es gar nicht. Es gibt an der Basis der Linken genügend fähige und klardenkende Menschen, die nachrücken könnten. |
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@Nafets und Joachim Petrick: Geht gleich auf den Leim, wer zur Kenntnis nimmt, was jemand in einem auflagenstarken Magazin schreibt? Zumal, wenn er die implizite Frage zwar für richtig hält (Wie weiter mit der Linkspartei?), Jörges Antwort aber für falsch? Naja. Was die Quelle betrifft: Der "Zwischenruf" ist noch nicht im Netz, wers gar nicht glauben will - hier ist das Inhaltsverzeichnis: bit.ly/k62miO
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In einem Artikel auf RP-online: die Linke zerlegt sich selbst las ich, dass ca. 5000 Mitglieder der Linken ohnehin entnervt vom parteiinternen Gerangel zur SPD bzw. zu den Grünen wechselten. Insbesondere die West-Linke scheint wegen ihrer interessengeleiteten, sektiererischen und ideologisch verblendeten Standpunkte der Stachel im Fleisch der realpolitischen Linken zu sein.
Dass sich ausgerechnet die SPD sich für Teile der Linken als echte Alternative anbieten solle, erscheint mir als Ratschlag doch eher ein kühne Tollheit zu sein. Die SPD hat ihre Genossen der Bosse- Schröder-Connection -Vergangenheit ja immer noch nicht aufgearbeitet und hofft wohl, dass da so einige Leichen nicht aus dem Keller hochgespült werden. Das könnte allerdings im Zusammenhang mit dem Fall Carsten Maschmeyer geschehen und die wahren Motive für die Agenda 2010 endlich in dem Lichte erscheinen lassen, in dem sie tatsächlich stehen. Und zwar ausgerechnet dann, wenn wichtige Wahlen anstehen. Die SPD unterschätzt einfach sowohl das Erinnerungsvermögen als auch die Wertvorstellungen der Bevölkerung und die will vor allen Eines nicht, sich weiter verarschen und für dumm verkaufen lassen. Während man die interessengeleiteten, ideologischen Sektierer der West - Linken mit „ohne Worte“ kommentieren kann, hebt sich die SPD nachhaltig durch Haltungslosigkeit und Lernresistenz hervor. Das rheinische Motto: „Et hätt noch immer joot jejange“ wird für die SPD so jedenfalls nicht zutreffen. |
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ja, dieser beitrag bringt gedanken zuzende (oder wenigstens ein ganzes stück weiter), die ich bereits seit geraumer zeit habe.
und ich denke tatsächlich, daß da irgend ewtas dran ist, was herr jörges da äußert. nur ist die richtung nicht ganz richtig. bich denke nämlich, daß BEIDE parteien ein problem haben, aber teils unterschiedliche. beide parteien gemeinsam haben ein führungsproblem, welches beide parteien für potentielle anhänger unattraktiv macht. denn es werden positionen vertreten (ganz schlimm: bisky zu libyen!, der bellizistische sündenfall in meinen augen.) von den führungsspitzen oder verhaltensweisen geübt, die mit den parteiploitischen zielrichtungen nicht überein stimmen oder überhaupt parteischädigend sind, weil sich die partei (linke oder jetzt spd mit dem herrn s. [ich mag schon nicht mal mehr dessen namen nennen, so widerwärtig ist mir dieses charakterschwein]) selbst unmöglich macht in den augen der leute. man muß auch bedenken, und das finde ich ganz wichtig, daß nicht alle menschen sich tagtäglich mit politik beschäftigen den ganzen tag lang. viele gehen einfach nur arbeiten, haben ihre familien und alltäglichen sorgen und erledigungen, abewr auch ihre position, die sie links verorten. andere haben zunehmend tagtäglich überhaupt um ihr überleben zu kämpfen. und diese orientieren sich dorthin, wo sie für ihre zukunft besseres erkennen können (oder sie resignieren und kümmern sich überhaupt nicht merh um politik). jedenfalls ist mein eindruck tatsächlich, daß beide parteien sich auf unterschiedliche weise unattraktiv machen. und so denke auch ich, daß beide parteien sich reorganisieren müssen. und zwar folgendermaßen: - die fortschrittlichen, antikapitalistischen etc. strömungen beider parteien schließen sich zusammen und bilden eine ECHTE linke, die ihren namen auch verdient. - der rest wird dann zu einer weiteren partei zusammengeführt und gibt sich einen neuen namen (z.b. restsozialdemokratische partei - rsdp, oder DIE echte sozialdemokratische partei - espd, oder sozialdemokratische befreiungsfront - sdbf, oder befreiungsfront sozialdemokratie deutschland - bsd). dann können die, die sich IRGENDWIE nicht ganz sicher sind, aber unbedingt wählen wollen (weil man das so macht, das haben einem die eltern und großeltern so beigebracht, schon um nicht die falschen ans ruder kommen zu lassen), sich für diese zweite restepartei entscheiden. alle, die sich wirklich bewegen wollen, die wählen dann die linke. *sarkasmus aus* ich weiß, das ist etwas zynisch dargestellt. und die linke zeichnet sich ja leider gottes, wenn überhaupt durch etwas, dann durch ihre extreme ausdifferenzierung aus, die fortwährend zu streit und spaltpilzerei führt. während die gegenseite sich im kern einig ist: geld, kapital, und alles ,was dem dient. so etwas gibt es leider leider bei den linken nicht. und darum wird sie auch solange nicht siegen können, bis sie einen gemeinsamen konsens hat, und zwar langfristig. und im übrigen wiederhole ich, was ich seit einiger zeit überall schreibe, weil ich das für das notwendigste überhaupt halte: wir brauchen neue utopien! das vakuum an utopien, die "den menschen" eine bessere zukunft errreichbar werden lassen und sie folglich mobilisieren, sich dafür einzusetzen, führt zu orientierungslosigkeit, ratlosigkeit und teilweise resignation. weil viele zwar fühlen, sehen etc., daß da etwas gehörig nicht läuft, aber auch keine alternative erkennen können. und solche historischen sind brandgefährlich. man schaue sich herrn s. und seinen faktischen einfluß an und man schaue sich in der rasenden ausbreitung und erstarkung der rechten strömungen in europa an. |
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Zwei Fragen oder Feststellungen:
1. Müssen Parteien "attraktiv" sein? 2. Stehen Utopien unter Generalverdacht Woraus sich 3. ergibt, dass Utopien und deren Protagonisten sehr schnell "unattraktiv" gemacht werden, weil ansonsten unter Generalverdacht; zu beobachten... "Freiheit statt Kapitalismus", werde ich mit Sicherheit kurzfristig kaufen, weil mich eben Inhalten interessieren, die mediale, gern schon mal subtile Diffamierung ist gewiss. www.jungewelt.de/2011/04-29/025.php Btw. Das letzte Buch von Wagenknecht "Wahnsinn mit Methode" aus Ende 2008 wurde ja mittlerweile durch die Realität weit überholt, sowohl in quantitativer, monetärer Hinsicht als auch in den begleitenden, qualitativen Erklärungen; Inhalte eben. |
Ausgabe 22/2012
31.05.2012
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