Tom Strohschneider

Blog von Tom Strohschneider

27.03.2011 | 19:58

Weitermachen, aber wie? Die Linke und der Rückschlag im Südwesten

„Ernüchternd, Desaster, sozialpolitisch ein Verlust“: Die ersten Reaktionen aus der Linkspartei kamen via Twitter (hier und hier und hier) und sie zeigen mehr an als nur die unmittelbare Enttäuschung über zwei Wahlniederlagen, die größer kaum sein konnten. In Baden-Württemberg lag die Linke nach ersten Hochrechnungen sogar noch unter dem Ergebnis der Wahlalternative vor fünf Jahren; in Rheinland-Pfalz verbesserte sich die Partei im Vergleich zu 2006 allenfalls im Zehntelpunkte-Bereich. Von den Landesergebnissen der Bundestagswahl 2009 ist die Partei meilenweit entfernt. Alle Erwartungen und jeder Optimismus, den noch vor wenigen Tagen Linken-Politiker an den Tag legten, wurden am Sonntagabend von der Wirklichkeit pulverisiert. Offenbar wollte auch niemand der Aufforderung Oskar Lafontaines zum Taktisch-Wählen nachkommen, im Gegenteil – die Linke wurde vom rot-grünen Wind nicht bloß an den Rand gedrängt, sondern gleich ganz von der Bühne gefegt.

          Leipziger Volkszeitung: Ab sofort offensiver nach draußen - hier
          Tagesspiegel: Der Streit um die Führung verschärft sich - hier
          Welt: Linke geht geschwächt in die Programmdebatte - hier
          Neues Deutschland: Ernste Fragen sind absehbar - hier
          Hamburger Abendblatt: Linke ist nicht entmutigt - hier
          DDP: Linke tief enttäuscht über Ergebnis in Rheinland-Pfalz - hier
          DAPD: Linke geht nach Wahlschlappe auf Fehlersuche - hier
          DPA: Rückschlag für die Linke im Westen - hier

Der 27. März 2011 kann in der Geschichte der neu gegründeten Linken zu einem Wendepunkt werden. Seit 2005 war die Partei wahlpolitisch auf der Erfolgsspur, selbst wenn es nicht immer zu einer Verbesserung von früheren Ergebnissen reichte. Aber dass die Linke sich landespolitisch im Westen etabliert hat, dass damit auch ihr bundespolitisches Fundament breiter wurde – dem konnte niemand leichterhand widersprechen. Zuletzt schaffte man es in Hamburg wieder in die Bürgerschaft, im Norden und im Westen gehören Fraktionen zum Landtagsalltag, in Nordrhein-Westfalen stützt die Linke eine rot-grüne Minderheitsregierung. Davon ist die Partei im Südwesten der Republik nun weiter denn je entfernt. Und nimmt man das bayerische Ergebnis von 2008 dazu, bleibt die Partei offenbar in einem ganzen Landesteil parlamentarisch außen vor.

Es wird dafür Gründe geben, die in der Sozialstruktur im Südwesten zu finden sind, auch kulturelle Voraussetzungen, von denen die Linkspartei nicht gerade begünstigt wird. Man wird viel auch mit dem bundespolitischen Grundrauschen der vergangenen Monate erklären können, das vor allem den Grünen geholfen hat (Stuttgart 21 und Fukushima), der Linken aber nicht allzu viele Ansatzpunkte gab, ihre „Markenzeichen“ in der Öffentlichkeit zu platzieren. „Atom wirkt!“, hat Thüringens Fraktionschef Bodo Ramelow ein erstes kurzes Resümee gezogen, für die Linke habe es „leider zu wenig Schwung“ gegeben. Das ist zweifellos richtig. An dieser Stelle beginnt aber auch jener Teil der Wahlauswertung, für den Antworten auf die Niederlage bei der Partei selbst zu suchen sind.

„Für die Linke sind die Folgen ihres Scheiterns an der Fünfprozenthürde noch gar nicht abzuschätzen“, schreibt das Neue Deutschland in einer ersten Bilanz, „ernste Fragen sind absehbar“. Warum kann die Partei mit ihren Themen nicht durchdringen? Liegt es wirklich nur am Schatten, den die veröffentlichte Meinung über die Linke oft mehr als über andere Parteien legt? Welchen Einfluss hatte das Agieren der Bundes-Linken auf eine stark bundespolitisch imprägnierte Wahl? Hätten prominentere Spitzenkandidaten mehr Erfolg gehabt? Und wie haben sich die jeweiligen landespolitischen Eigenheiten der Partei ausgewirkt? Einfache Schlussfolgerungen tragen nicht unbedingt weit: Während die Linke in Rheinland-Pfalz lange Zeit einen hoch zerstrittenen und also wenig attraktiven Eindruck hinterließ, kann ähnliches vom baden-württembergischen Landesverband eigentlich nicht gesagt werden – die Niederlage aber war für beide deutlich.

„Über die Ursachen wird zu diskutieren sein“, hieß es am Sonntagabend auf der Website der Linken. Nicht ganz unwahrscheinlich ist, dass nun wieder eine Debatte über das Berliner Spitzenpersonal hochkocht - im Tagesspiegel kann man bereits einen Vorgeschmack darauf bekommen. Zu fragen wird auch sein, welche Konsequenzen dieser Wahlabend auf die Strategie der Linken hat – und welche auf die bündnispolitischen Möglichkeiten in den Ländern sowie im Bund? Die Genossen in Baden-Württemberg meinen, als Partei gehe man „gestärkt aus diesen Wahlen“. Gesine Lötzsch wies am Abend darauf, dass das Unglück von Fukushima die sozialen Probleme überlagert hätte. Linken-Vize Halina Wawzyniak zeigte sich "enttäuscht vom Wahlergebnis". Bundeschef Klaus Ernst hat das schlechte Abschneiden bei den Landtagswahlen zwar bedauert, aber gesagt: „Wir werten es nicht als Katastrophe, wir werten es als Weitermachen.“ Wie, bleibt zunächst die große, offene Frage.

 
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Kommentare
luggi schrieb am 27.03.2011 um 20:43
Ach, es gibt einfach nur zu wenig Arbeitslose, sozial Benachteiligte etc. im Ländle. Es kann aber auch sein, dass die Linke mal öfter im "Manifest" lesen sollte und die Bedeutung der Produktivkräfte begreifen tut ... tuuuuut.

Soziale Gerechtigkeit kann es erst im Kommunismus geben ... und auch geschlossene Stoffkreisläufe. Der Begriff "Erneuerbare Energien" ist der semantische Unsinn für rhetorischen Unfug ... und Parteiprogramme.
RatCreutz schrieb am 27.03.2011 um 22:51
Der Linkspartei ist in der Energiepolitik nicht zu trauen.
Sie ist praktisch der politische Arm von Vattenfall.
Daß man mit diesem Profil bei den Atomkraftgegnern nicht punkten kann, verwundert mich nicht. Ich empfand die Anwesenheit der Linksparteispitze auf der gestrigen Demo in Berlin deshalb auch als heuchlerisch.
Automatisches Subjekt schrieb am 27.03.2011 um 23:16
Welche Belege haben Sie für eine Verquickung der Linken mit Vattenfall? Sie reden Blödsinn, RatCreuz.
Idefix schrieb am 28.03.2011 um 00:14
Dies ist wohl eine - zugegeben verallgemeinernde - Anspielung auf Brandenburg und den Herrn Ralf Christoffers.
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 00:50
Schön, und was soll Herr Christoffers machen?
Eine landeseigene CO2-Entsorgungs-GmbH gründen? Oder Vattenfall erst enteignen und die Brandenburgischen Kohlekraftwerke in Volkseigentum überführen? Oder einfach gar nichts tun und das CO2-Problem wieder einmal an die kommende Generation übertragen?

Dieses Land hat auf lange Sicht immer BürgerInnen, die weder Atom-, noch Kohlekraft wollen, sich aber gegen die Auswirkungen des Umstiegs auf regenerative Energien in Initiativen zur Wehr setzen. "Windenergie ja, aber bitte nicht gleich so ein Park bei unserem Wald." "Klar muss das CO2 ja irgendwohin, aber doch nicht bei uns in die Erde." ... So wird NIE etwas aus einer Energiewende.

Das Verhalten von Herrn Christoffers ist kritisch zu beleuchten, aber kein Beleg für eine politische Verbindung mit Vattenfall.
Idefix schrieb am 28.03.2011 um 10:51
Ich denke genau das ist das Problem aller Parteien: die Realität sieht halt anders aus als die Vision. Das gilt für ausnahmslos alle Parteien und das ist auch nicht schlimm. Mit einem Programm stellt man eine Vision vor, die man erreichen möchte. Man versucht in seiner politischen Arbeit sich diesem Ideal anzunähern, muss aber zwischendurch auch mit der Realität umgehen.

Als heuchlerisch empfinde ich diejenigen, die anderen Parteien vorwerfen ihre Ideale zu verraten und dabei "ihre" Partei bewusst herausnehmen, obwohl alle Parteien die Verantwortung übernehmen letztlich auch von ihrem Programm abweichen müssen.
miauxx schrieb am 27.03.2011 um 23:43
Nun lassen wir mal die Kirche im schwäbischen Dorf. Die Grünen sind wohl dort eben noch das absolute Maximum, was an "links" zu erwarten ist. Zwar haben sie noch einmal 0,3 Prozentpunkte gegenüber 2006 verloren; eine so große Veränderung ist das aber auch nicht. Das sicher immer noch tiefgreifende "kulturelle" Problem der, einer, Linken im Südwesten, ist sicherlich der erste Grund für die anhaltende Absenz im Parlament.
Ich glaube auch nicht, dass das Agieren der Bundesspitze da so einen Einfluß drauf hatte. Das Problem Der Linken ist da eher, was daraus immer medial gemacht wird.
Ein, in der Grundsache, "Weitermachen" und nicht als "Katastrophe werten" wird da wohl auch das beste sein.
miauxx schrieb am 27.03.2011 um 23:45
Korrektur:
Zwar haben sie noch einmal 0,3 Prozentpunkte gegenüber 2006 verloren...
Gemeint ist freilich Die Linke.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 28.03.2011 um 19:42
@miauxx ad 27.03.2011 um 23:43

Die Linke hat in den Wahlen zuvor immer hinzu gewonnen, dieses Mal hat sie sogar verloren und zwar per Saldo an Grüne. Der eigentliche Gegner der Linken hätten in BaWü die Grünen sein müssen. Ich habe es mehrfach auch gesagt, wenn der linke Landesverband PMs im Stile rausgibt, man schließe sich dem an, was Grüne zu Stuttgart 21 meinen, dann hat man ein Problem. Klare Kante zu zeigen, statt sich dort anzubiet(d)e(r)n wäre besser gewesen. Ich weiß, ich mache mir damit keine Freunde. Zu S21 habe ich das schon vor Monaten gesagt bit.ly/f0g3fW Genau dieser scheinheilige, schwarzgrünkoalitionäre Landesverband hätte Möglichkeiten genug geboten, auf die Glaubwürdigkeit hinzuweisen, von der Person Kretschmann will ich gar nicht erst anfangen. Für ihre Freundlichkeit haben die Linken dann vom konvertierten Kaderkommunisten Kretschmann zwei Tage vor der Wahl dann den Kommunismus vorgehalten bekommen und waren darüber total überrascht.
Man sollte als Partei nicht nur bellen, sondern auch beißen können.
Automatisches Subjekt schrieb am 27.03.2011 um 23:45
Meines Erachtens waren die Landtagswahlen deutlich von der aktuellen Atompolitik geprägt. Und ganz sicher haben die südwestdeutschen Wählerinnen und Wähler taktisch gewählt.

Vergessen sollte die Linke nicht, dass die SPD vom Verlust der CDU ebenfalls nicht profitiert hat und als Junior-Partner in BW und nicht mehr allein in RP regieren wird.

Als ehemaliger DDR-Bürger, der über neun Jahre im Rheinland gelebt hat, kann ich unsere süddeutschen Mitmenschen zwar nicht verstehen, aber durchaus nachvollziehen. Es wird schwer, den Menschen, die mit der üblichen (leider oberflächlichen) bürgerlichen öffentlichen Meinung aufwuchsen, die Bedeutung eines politischen Korrektivs mit sozialistischem Hintergrund zu verdeutlichen.

Ohne die Linke gäbe es faktisch keinerlei Kritik an der Marktwirtschaft und schon gar keine solch heftige und berechtigte Kritik an der globalen Finanzwirtschaft und ihren Krisen, die sie - was ich weiß und andere nur ahnen - gar nicht verhindern können.

Dass es den Menschen im Ländle vergleichsweise gut geht, liegt AUCH daran, dass es ein sozialistisches Korrektiv gab (DDR) und gibt (Die Linke). Nun gilt es also, den Menschen im Süden Deutschlands die Zusammenhänge zu erläutern. Von den elektronischen Massenmedien ist nicht zu erwarten, dass sie den Unterschied zwischen kapitalistischer Ökonomie und demokratischem Staatswesen und somit die Notwendigkeit des politischen Regulativs zur Erhaltung des Wohlfahrtsstaates herausarbeiten. Sie sind genauso befangen und abhängig.

Der Wahlausgang wird für eine veränderte Medienpräsenz der Parteien und deshalb für eine leicht veränderte öffentliche Meinung sorgen. Wenn die Linke genau dies für sich nutzt und - obwohl es gerechtfertigt ist - nicht rumzickt, wird die Akzeptanz für die Linke steigen.

@luggi: ganz Deutschland sollte mal öfter und unbefangen im "Kapital" lesen! ;)
claudia schrieb am 28.03.2011 um 09:32
@Automatisches Subjekt:
>>Es wird schwer, den Menschen, die mit der üblichen (leider oberflächlichen) bürgerlichen öffentlichen Meinung aufwuchsen, die Bedeutung eines politischen Korrektivs mit sozialistischem Hintergrund zu verdeutlichen.<<
Ein Beispiel:
Hausmitbewohnerin, ehemals Buchhalterin, mit 52 aus "betrieblichem Grund" gekündigt, langzeitarbeitslos/Hatz4:

Ich: "Da bleibt ja nichts Anderes, als denen, die uns das einbrockt haben, bei der nächsten Wahl die rote Karte zu zeigen."
Sie: "Ja, ich hab mir auch schon gedacht...
Aber kann doch nicht einfach die NPD wählen..."
Ich: "Nein, ich meine nicht die braune Karte, die war schon früher mal ein Griff ins Klo"
Sie: "Aber Sie meinen doch etwa... (flüsternd) die Linke!?"
Ich: "Ja doch, was sonst?"
Sie: "Neinnein, das geht doch nicht, da gehe ich lieber gar nicht mehr zur Wahl!"

Es geht halt nichts über ein gründlich gewaschenes Gehirn...
claudia schrieb am 28.03.2011 um 13:20
Amerkung:
Das spielt zwar im Lande, das seinem Volk den unvergessenen Ayatollah Franz Josef Strauss schenkte, aber ich habe früher mal im Lande des ebenso unvergessenen Marinerichters gewohnt und weiss, dass dort ähnliche Mentalitäten keine Seltenheit sind.

---
Korrektur:
>>Sie: "Aber Sie meinen doch etwa... (flüsternd) die Linke!?"<<
=
Sie: "Aber Sie meinen doch nicht etwa... (flüsternd) die Linke!?"
Kommentarist schrieb am 28.03.2011 um 00:55
Die Herzensangelegenheiten der Linken waren diesmal einfach nicht angesagt. Zudem hat das monatelange Gezerre um die 5 Euro Hartz-Erhöhung viel Aufmerksamkeit beansprucht. Die Leute waren das Thema satt. Die sozialpolitische Performance der Bundesregierung lässt allerdings erwarten, dass sich die Linke um Aufgaben auch in der Zukunft nicht sorgen muss.
seriousguy47 schrieb am 28.03.2011 um 01:15
Wieso, um alles in der Welt, soll die Linke ausgerechnet in einem Bundesland Erfolg haben, in dem selbst die SPD als zu links gilt? Wieso soll ausgerechnet das rebellierende Bürgertum aus der vormaligen CDU-Wählerschaft von der CDU zur Linken wechseln? Wieso hätten die Wähler in den drei neuen Grün-Wahlkreisen in Stuttgart die Linke wählen und damit einen neuen Sieg der CDU-Kandidaten riskieren sollen? In Mannheim, Heidelberg oder Freiburg gilt dasselbe.

Außerdem: In Deutschland wird nicht gewählt, sondern abgewählt. Wie aber soll man eine quasi-diktatorische Regierung abwählen, wenn man sich in der Opposition nach Rot und Grün noch weiter zersplittert?

Die Linke stand hier nie zur Debatte, sondern das Ende der CDU-Herrschaft. Höchst überfällig in dieser Wahl war nicht das Äquivalent einer proletarischen, sondern das einer bürgerlichen "Revolution".
weinsztein schrieb am 28.03.2011 um 01:50
Bin ganz Deiner Meinung, lieber seriousguy47. Wie so oft.
thinktankgirl schrieb am 28.03.2011 um 10:18
Ich bin auch deiner Meinung ;-)
Magda schrieb am 28.03.2011 um 17:40
@ seriousguy -
"Höchst überfällig in dieser Wahl war nicht das Äquivalent einer proletarischen, sondern das einer bürgerlichen "Revolution".

Also, ich glaube nicht, dass die LINKE so platt eine proletarische Revolution im Programm hat. So weit modernisiert hat sie sich schon. Daran glauben doch heute nur noch linke Sektierer. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die LINKEn selbst noch viel zu unentwickelt sind und die süddeutschen Bürger viel zu viel Abstand haben zu linken Ideen, die weiter gehen als die SPD.
weinsztein schrieb am 28.03.2011 um 01:47
Klaus Ernst hat zum Wahlerfolg der Linken in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gesagt: „Wir werten es nicht als Katastrophe, wir werten es als Weitermachen.“
Mich hat das sehr geärgert, war mir als Linksparteiwähler war es peinlich, weil es hohl wie Stroh ist. Als stellvertretender Parteivorsitzender war er mir lieber. Rhetorik ist auch nicht seine größte Stärke (welche Stärken hat Klaus Ernst eigentlich überhaupt vorzuweisen?), aber dafür gibt es Kurse.
Also: wie weitermachen, Klaus Ernst?
claudia schrieb am 28.03.2011 um 09:37
„Wir werten es nicht als Katastrophe, wir werten es als Weitermachen.“

Hölzerner Ernst-Stil, na ja. Da merkt man wieder, dass die Linke keine Werbeagentur hat, die das Produkt mit glattpolierten Sprüchen verkaufen würde.

Aber ein Grund zum Aufgeben sind die zwei Landtagswahlen wirklich nicht...
Gustlik schrieb am 28.03.2011 um 07:47
Können wir ja froh sein, dass 3 Tage vor der Wahl kein Ufo gelandet ist, um Fokushima zu überlagern. Dann hätte die politische Halbwertszeit sich wieder bei den Schwarzen eingekreuzt. Also was sollen politische Programme und Strategien? Der Mensch ist einfach gestrickt. Gib mir eine Katastrophe und ich mach dir den Wechselwähler!
Rapanui schrieb am 28.03.2011 um 08:42
Deutsche Politik bedient vorrangig die Interessen der exportorientierten Industrie. Welches Bundesland profitiert überproportional von dieser Politik? Einem Schwaben oder Badener, dessen hauptsächliches Problem darin besteht, in welcher Ausstattung er sich den nächsten Daimler von seinem Spezi, der beim Daimler schafft, besorgen lässt, etwas über soziale Gerechtigkeit zu erzählen, ist nicht unmöglich.

Die Abschaltung der Atomenergie wird den Industriestandort BaWü massiv unter Druck setzen. Wenn sich im Norden dann noch die Bürger gegen gigantische Energietrassen zur Wehr setzen wird die Industrie abwandern müssen.

Das ist der Witz der Wahl und ich genieße die List der Dialektik. Das wird schon noch: Sozialismus mit schwäbischem Gesicht. Pietistische Heuchelei könnte es allerdings auch ermöglichen, grüne Atomkraft zu erfinden.
Rapanui schrieb am 28.03.2011 um 08:43
Korrektur

>>>Einem Schwaben oder Badener, dessen hauptsächliches Problem darin besteht, in welcher Ausstattung er sich den nächsten Daimler von seinem Spezi, der beim Daimler schafft, besorgen lässt, etwas über soziale Gerechtigkeit zu erzählen, ist unmöglich.<<<
claudia schrieb am 28.03.2011 um 09:14
>>Die Abschaltung der Atomenergie wird den Industriestandort BaWü massiv unter Druck setzen.<<
Wir wissen, dass man sich auf die Kreativität der Grünen und ihrer Lobbyisten verlassen kann.

>>...grüne Atomkraft zu erfinden.<<
Alles schon dagewesen:
Siehe "Atomausstiegsgesetz" von 2002, laut Trittin "die konsequente Antwort auf Tschernobyl": Ausstieg mit der Hintertür zur Laufzeitverlängerung.
Achtermann schrieb am 28.03.2011 um 15:16
@ Rapanui

Einem Schwaben oder Badener, dessen hauptsächliches Problem darin besteht, in welcher Ausstattung er sich den nächsten Daimler von seinem Spezi, der beim Daimler schafft, besorgen lässt, etwas über soziale Gerechtigkeit zu erzählen, ist unmöglich.

Sollten das nicht die Probleme aller werden? Doch wie erklärt diese Begründung das Wahlverhalten der Rheinland-Pfälzer, die die Linke ebenso in den politischen Orkus schickte die Baden-Württemberger.
Rapanui schrieb am 28.03.2011 um 17:07
@ Achtermann

Nun, meine Bemerkung ist auch launig.

Aber nicht nur. Politische Parteien, werden ja überwiegend nicht aus einer philosophischen oder strategischen Position heraus gewählt, sondern aufgrund eines mehr oder weniger gescheiten Kalküls.

Ca. 40% kalkulieren, dass sich nicht mal der Weg ins Wahllokal lohnt. 30% hängen irgendwie von einer Parteiseilschaft ab, sei es im öffentlichen Dienst, familär oder als Parteimitglied, die restlichen 30% sind Manövriermasse, ein bisschen unzufrieden, ein bisschen Rache, ein bisschen Überzeugung, ein bisschen Vorurteil, ein bisschen Gewohnheit,...

In BaWü und ebenso in RheiPfa ist die Welt die bester aller möglichen Welten - da braucht es keine Linke. Das meine ich einerseits mit einem gewissen Respekt vor der wirklich wohl geordneten Welt im Südwesten, andererseits weiß ich, dass der Wohlstand im Südwesten auch auf volkswirtschaftlichen Ungleichgewichten zu Lasten anderer Bundesländer geht. Sei es der Abzug gut qualifizierter junger Leute, z.B. aus Sachsen und Thüringen, seien es gigantische Subventionen für die Automobilindustrie, seien es hohe Löhne zu Lasten anderer Branchen und Regionen, seien es Abschreibungen für AKW, seien es die Einnahmen aus der Exportwirtschaft, seien es Professoren und Beamte aus BaWü die ihre von Sachsen und Thüringen bezahlten Gehälter ins Ländle zurück überweisen an ihre Familien, die nicht veroschte solle.

Feist und selbstgefällig schwätze alle dort vom Vorschprung, vom beschte Bundeschland,... die gebe Ihre Vorschprung net här an irgendwelche arme Schlucker auschm Oste.

A Viertele Trollinger schlotze und aus.
KalleWirsch schrieb am 28.03.2011 um 09:58
Solche Katastrophe in Fukushima beeinflussen immer das Wahlverhalten der Menschen. Ich bin gespannt, wie lange die Stimmung im Ländle für die Grünen so positiv bleibt. Vielleicht funktioniert es ja sogar, so bürgerlich und deutlich unlinks wie die Grünen sind.
Dass die Linkspartei im Süden des Landes keine Chance hat, überrascht nicht. Selbst das sozialdemokratisch regierte Rheinland Pfalz ist sturzkonservativ und hat wohl eher Abgrenzungsprobleme zur CDU als in den Verdacht zu geraten mit sozialistischen Ideen aufzuwarten. Es darf sogar die Frage erlaubt sein, wie auch in Hamburg, was so eine SPD mit Sozialdemokratie zu tun hat. Jetzt könnte man meinen in so einem Klima könnte die LinksPartei genau mit diesen sozialdemokratischen bzw. linken Positionen punkten, weil sie ansnsten niemand vertritt (ganz sicher auch nicht die Grünen). Aber die Wähler dort scheinen linke Ideen nicht zu wollen. Das muss man in einer Demokratie auch akzeptieren. Dazu kommt (zumindest für die Wähler die doch ein bisschen links sein wollen), dass die Grünen sich in der Öffentlichkeit immer noch links anfühlen und den Ruf als AntiAtompartei haben.
Beides ist meiner Meinung nach nicht wahr. Und so versteh ich nicht, dass die Linkspartei es bundesweit nicht schafft, genau das dem Wähler zu vermitteln. Und auch im Bund gehen die Umfragewerte zurück. Die Linken sind die einzige Partei, die einen sofortigen Atomausstieg fordert. Etwas, dass erst am Wochenende 250.000 Menschen auf der Straße gefordert haben. Die Grünen haben Laufzeitengarantien ja erst eingeführt, haben die Anti Castor Demos zu ihrer Regierungszeit verurteilt und kriminalisieren auch heute noch Formen des zivilen Ungehorsams wie Schottern. Wer, wenn nicht die Linken, soll die Grünen in diesem Land in diesem Punkt entzaubern?
Liegt es wirklich nur daran, dass die Linken es medial schwer haben. Und wenn ja, müssen sie sich dann nicht neue Konzepte überlegen ihre Positionen an die Wähler zu bringen?
Und brauchen die Linken nicht auch Konzepte, um das Image der Phrasendresch und Parolenpartei loszuwerden, die zwar die richtigen Fragen stellt, aber keine Antworten parat hat?
claudia schrieb am 28.03.2011 um 11:15
>>…und kriminalisieren auch heute noch Formen des zivilen Ungehorsams wie Schottern<<
Da hat Linke ein Problem: Wählen allein reicht nicht, um konkreten Basiswillen zu artikulieren.
Andererseits werden Massenmedienkampagnen heftig intensiviert, wenn die Linke offen für Bürgerungehorsam plädieren würde. Mal abgesehen davon, dass der „Verfassungs“-Schutz Unsubordination als kriminell einstuft.

Es müsste allerdings der Programmentwurf der Linken mehr bekannt gemacht und öffentlicher diskutiert werden. Dagegen spricht natürlich, dass viele Menschen die „einfache Botschaft“ wollen, man ist es so gewöhnt.

Hier sehe ich das grosse Problem: Mit den glatten Werbesprüchen der anderen Parteien werden Menschen gefangen, die Politik wird wo anders gemacht. Eine linke Partei kann sich nicht der üblichen Fangmethoden bedienen, aber wie kriegt man mehr Leute zum Mitdenken?

Einiges, was von den Massenmedien als "Parteiinterner Streit" kommuniziert wird, ist nicht Streit, sondern Diskussion um fernere Ziele, die über Antikriegspartei, Mindestlohn&Hartz4-Regelsatz und Atomausstieg hinaus gehen.

Aber um das zu erleben, müsste man mal hin gehen und mit den Leuten von der Partei selber ein bisserl diskutieren.
Das war vor 100 Jahren möglich. Heute hat dafür niemand Zeit, wg. Fernsehkrimi, Fussball und was den Untertanen sonst noch auf Trab hält...
KalleWirsch schrieb am 28.03.2011 um 11:46
"Es müsste allerdings der Programmentwurf der Linken mehr bekannt gemacht und öffentlicher diskutiert werden. Dagegen spricht natürlich, dass viele Menschen die „einfache Botschaft“ wollen, man ist es so gewöhnt."

Sowohl Gysi als auch Lafontaine habe ich als Meister der einfachen Botschaften wahrgenommen. Lafontaine in schon sehr polemisierender Art und Weise. Katja Kipping empfinde ich da z.B. ganz anders.
Bezüglich des Programmentwurfes müsste man vielleicht neue Wege gehen in der Gestalt, einen Programmentwurf zu kreieren, der sich auf die wesentlichen Punkte konzentriert und diese konzentriert und gut verständlich für jedermann rüberbringt. Sozusagen als Teaser, dass sich der Wähler erst einmal einen Überblick schaffen kann, ohne sich im Detail zu verlieren.

Was mich bei Diskussionen mit Leuten von der LinksPartei oft stört, ist diese hermitische Haltung. Wir sind im Recht und du musst uns glauben. Ansonsten hast du eh keine Ahnung. Das schreckt viele Leute ab, glaube ich. Mich zumindest. Dabei bin ich durchaus auf der Suche. Diese, mir teils autoritär anmutende, Diskussionskultur stört mich. Allerdings ist das ein allgemein linkes Problem und nicht nur das der Partei.

"Einiges, was von den Massenmedien als "Parteiinterner Streit" kommuniziert wird, ist nicht Streit, sondern Diskussion um fernere Ziele, die über Antikriegspartei, Mindestlohn&Hartz4-Regelsatz und Atomausstieg hinaus gehen. "

Volle Zustimmung. Parteiinterner Streit bedeutet Diskussion und das widerum ist Demokratie. Das wurde früher den Grünen auch vorgeworfen, dass sie lediglich ein zerstrittener Haufen seien. Die Grünen haben nicht begriffen, dass darin ein wirklich demokratischer Ansatz liegt und haben mit der Machtübernahme der Realos in der Partei (und meinem Austritt) aufgehört nach neuer politischer, dremokratischer Kultur zu suchen. Die Grünen wollten Erfolg und Macht, das ging nur auf Kosten der Basisdemokratie, denn eine neue politische Kultur braucht Zeit um den Köpfen und Herzen anzukommen. Die Grünen haben es aber auch leider vor der Fischerübernahme nicht verstanden ihre Basisdemokratie zu erklären und zu vermitteln, dass innerparteilicher Streit etwas konstruktives haben kann, wenn es nicht um Postengeschacher geht.

"Heute hat dafür niemand Zeit, wg. Fernsehkrimi, Fussball und was den Untertanen sonst noch auf Trab hält..."

Wieso soll nicht beides gehen?
Hansi schrieb am 29.03.2011 um 12:27
Seien es die zu verklausulierten Parolen, mangelhafte Kampagnenleitung, seien es ein fehlender Oskar Lafontaine oder sei es Fukushima, Euro-Rettung, Libyen-Einsatz, Hartz IV "Erhöhung" oder welches Thema auch immer. Die Linkspartei kann Köpfe ins Rennen schicken, wie sie will. Sie kann verkünden, was sie will und wie sie es will. Nicht mal aufkommende Kriege oder Atomkatastrophen nutzen ihren Werten bei Landtagswahlen.
Wahlkampf funktioniert nicht über Programmhefte, nur selten über Köpfe und ist in den allerseltensten Fällen eine rationale Entscheidung nach Abgleich mit eigenen Positionen. Wählen und Parteibindung ist eine affektive Angelegenheit, es geht um Emotionen, Klischees und Image. Und letzteres ist und bleibt vor allem im Westen das zentrale Problem der Linken. In Diskussionen erlebe ich Menschen aus meinen wirklich nicht konservativ geprägten Studentenkreisen, die plötzlich nach Jahren der Freundschaft und Diskussion entsetzt sind vor unserer Wahl in Rheinland-Pfalz, dass ich doch wirklich links wählen würde. Die Positionen, ja, schön und gut, aber wählen kann man die ja noch lange nicht. Wenn ich dann frage, welche Position der Linken denn zu beanstanden sei, dann kommt nichts, aber auch gar nichts zurück. Und dann ein verbittertes "Trotzdem, das kannst du doch nicht ernst meinen." ...tuschel tuschel.... krass, der wählt links...

Frei nach Volker Pispers "Die LINKE ? Ich finde die hat mit allem Recht. Aber wählen muss ich die ja deswegen noch lange nicht."

Das liegt meines Erachtens (neben Sozialisation in Elternhaus und Schule) heute vor allem an der medialen Marginalisierung der Linken. Sie werden abgetan als anti-demokratische Spinner und das längst nicht nur in Springers Mainstreamblättern. Das ewige Mantra "Wir werden mit allen demokratischen Kräften, also nicht der Linkspartei, sprechen..." und das ewige Ausblenden der Positionen der Linkspartei ("Wir haben Politiker aller Parteien befragt. CDU, SPD, Grüne, FDP...") Man muss sich als Linkenwähler rechtfertigen als sympathisiere man mit Outlaws. Da helfen Positionen in Diskussionen wenig.

Grün-Wählen ist momentan in meinen Kreisen die einzige politische Vorliebe, für die man sich nicht zu rechtfertigen braucht. Jeder kann's verstehen, jeder will dabei sein beim kometenhaften Aufstieg dieser so frischen Partei. Für einen Großteil der Studenten lag der rot-grüne Lackmustest (Afghanistan, Hartz IV, Atomdeal, Rente mit 67,...) unter Schröder/Fischer in einer unpolitischen, postpubertären Zeit. So müssen sich die Grünen für viele ihrer jungen Wähler nun erstmalig profilieren. Schaunmermal, als Shooting Star fällt man tief und hart. Und selbst wenn sie es ernst meinen in BaWü, werden sich spätestens bei der Einführung der 10-jährigen Basisschule einige Neu-Grüne verdutzt die Augen reiben. Des hamma so aba net g'wollt. (Und der Bahnhof wird natürlich auch gebaut)

Die Linke erfüllt im 5-Parteiensystem allein durch ihre Präsenz im Bundestag und mehr oder weniger in den Ländern eine entscheidende Aufgabe. Sie zwingt die SPD dazu, hier und da eine sozialdemokratische Position wieder aufzunehmen. Mindestlohn, Pendlerpauschale, tarifliche Gleichstellung von Leiharbeit. Ohne die pure Existenz der Linken im heutigen 5-Parteiensystem wären diese Positionen nicht wieder auf dem Tablett der SPD gelandet. Langfristig hat der Oskar seinen alten Genossen mit Sicherheit sogar einen Gefallen getan. Das verhasste Gewissen. Eine frustrierend marginale, aber doch eine trotz aller Medienschelte intakte Funktion der LINKEn.
Automatisches Subjekt schrieb am 29.03.2011 um 20:39
@Kalle:
"Was mich bei Diskussionen mit Leuten von der LinksPartei oft stört, ist diese hermitische Haltung. Wir sind im Recht und du musst uns glauben. Ansonsten hast du eh keine Ahnung. Das schreckt viele Leute ab, glaube ich. Mich zumindest. Dabei bin ich durchaus auf der Suche. Diese, mir teils autoritär anmutende, Diskussionskultur stört mich. Allerdings ist das ein allgemein linkes Problem und nicht nur das der Partei."

Gegenfrage: Wieso nehmen Sie es als hermitische Haltung wahr? ;)
Verwechseln Sie vielleicht Ahnung und Denkvermörgen? ;)

Was Sie stört, weise ich nicht direkt von der Hand. Es ist eben nicht leicht, in einer bürgerlichen, pseudo-humanistischen Gesellschaft zu erklären, wieso eine Finanz- und Wirtschaftskrise kommen musste und wieder kommen wird. Die meisten Krisen in letzter Zeit (New Economy, Japan) wurden in den Medien ja kaum behandelt.

Stellen Sie sich vor, Sie diskutieren mit einem Mathematiker. Wenn Sie das wirklich wollen, müssen Sie sich an mathematische Definitionen halten und dürfen das abstrakte Konstrukt, welches auf diesen Definitionen beruht, nicht verlassen. Da müssen Sie auch Ahnung haben und sich auf die Argumentation des Mathematikers einlassen. Und da hat der Mathematiker vielleicht wirklich einfach mal Recht. :)

Wenn Sie nur rumseiern und neoliberale Sprüche klopfen müssen, gehen Sie niemandem auf den Keks. Das klingt nie autoritär.

Ich entschuldige mich für den Eindruck, den Ihnen Ihre linken Diskussionspartner vermittelt haben, und hoffe, Ihnen mit meinem leicht hinkenden Vergleich wenigstens eine Erklärung für Ihre Eindrücke gegeben zu haben.
Dennis82 schrieb am 01.04.2011 um 10:55
@Hansi: Volle Zustimmung. Auch ich erlebe exakt immer wieder die selben Widersprüche, inzwischen gehe ich jedoch taktisch vor: Ich lasse in Diskussionen erst reihenweise linken Thesen zustimmen, um mich erst dann zu "outen". Wenn dann hinterher genau die Reaktionen kommen wie "die kann man doch nicht wählen", kann ich anmerken, dass derjenige deren Positionen zuvor meist uneingeschränkt zugestimmt hat.

Diese allgegenwärtige Paranoia lässt mich so langsam wirklich verzweifeln. Nur drei von hundert Wählern haben die Linke gewählt... selbst in meiner Heimatstadt, die ebenfalls mit Armut und hoher Arbeitslosigkeit kam die Linke in vielen Bezirken kaum über 5 Prozent. Und ein stockkonservativer OB der CDU wird mit 2/3 der Stimmen wiedergewählt...
Manipu schrieb am 28.03.2011 um 11:11
Nach den Wahlen kommen die "Stunden der Wahrheit". Schon wird von fast allen Parteien der "schnelle" Ausstieg aus der Kernkraft gefordert. Ein Ausstieg nach "Augenmaß", was immer dies auch heißen soll, ist die gemeinsame Floskel. Bei den C-Parteien ist dies nichts anderes als das Festhalten an der "Brückentechnologie", also weiter mit der Laufzeitverlängerung. Um den Schein zu wahren, wird man das eine oder andere AKW vom Netz lassen, um so Glaubwürdigkeit zu heucheln.

Die LINKE, die als einzige Partei einem wirklichen, sofortigen Ausstieg das Wort redet, vermag es nicht in öffentlichen Auftritten diese Position unmissverständlich zu vermitteln. Es kann nicht immer ein Gregor Gisy oder ein Oskar Lafontaine in den Talkrunden sitzen.
Dem Argument eines "geordneten Ausstiegs" muss immer wieder entgegengehalten werden, dass wer immer noch glaubt, ein so genanntes Restrisiko verantworten zu können, entweder dumm und fantasielos, oder kriminell verantwortungslos ist. In beiden Fällen gefährlich für die Menschheit.
Alle Nachteile die ein sofortiges Abschalten nach sich ziehen würden, auch ein vorübergehender Verzicht auf gewohnte Lebensqualität, sind leichter und zukunftssicherer zu meistern, als ein Supergau irgendwo in Deutschland oder Europa.

Die Vertreter der LINKEN, sollten ihre Positionen offensiver und kämpferischer behaupten und in Talkrunden sich nicht immer von den Klientelpolitikern das Wort abschneiden lassen.
claudia schrieb am 28.03.2011 um 11:57
>>Es kann nicht immer ein Gregor Gisy oder ein Oskar Lafontaine in den Talkrunden sitzen.<<
Eigentlich ist das ganz einfach: Ich habe keinen Fernseher und schaue mir deswegen auch keine "Talkshows" an. So habe ich die Zeit, gelegentlich mal einen Text zu lesen. Dabei kommt schon schon mehr Inhalt rüber.
Und wenn ich Fragen habe, gehe ich hin frag die Leut, da bekommt man mehr Antworten als wenn man ständig in die Gehirnwaschmaschine starrt.

Linke Politik im kaputalistischen Fernsehen erläutern zu wollen ist ein Widerspruch in sich.
Jetzt könnte die Linke natürlich sagen, "sucht euch auf unserer Homepage heraus worüber ihr was wissen wollt oder besucht uns mal, wir können über alles reden."
Das geht: ich habs ausprobiert und bin hingegangen.
Aber das ist der Fernsehbürger nicht mehr gewöhnt. Er will alles frei Sessel serviert bekommen, sonst taugt das nix. Und da ist, wer ausser dümmlichen Sprüchen ohnehin nichts zu bieten hat natürlich klar im Vorteil...
SchmidtH. schrieb am 28.03.2011 um 11:53
Wer sein politisches Produkt - auch wenn es gut sein sollte oder gar ist - personell nicht an den Mann oder die Frau, also verkaufen kann und dies durch glaubhaftes Personal, wird vielleicht in den neuen Ländern Erfolg haben, aber nicht in der Bundesrepublik alt.
Mit den beiden Vorsitzenden Lötsch und Ernst - von den jeweiligen Landespolitikern ganz abgesehen - ist kein Blumentopf zu gewinnen.
Aqua-Jedi schrieb am 28.03.2011 um 11:58
Wunderlich ist es wohl, dass die Linke von einer Bühne gefegt worden sein soll, auf der sie gar nicht stand. Schließlich waren sie in beiden Landtagen noch gar nicht vertreten, etwas, das sie mit den Grünen teilen, als diese sich vor 35 Jahren gründeten. In BW haben sie prozentual etwas verloren, aber an Stimmen etwas zugelegt. Nur, es war nicht der rot-grüne Wind, allenfalls der grüne Wind, der es ihnen schwer machte, sich zu etablieren. Die SPD ist in BW zum "Trittbrettfahrer der Grünen" geworden (O-Ton Dobrindt).

In RP wurde die SPD von der Bühne gefegt und kann sich dort nur durch den grünen Rettungsanker halten. Wenn die Grünen dort schlau sind, werden sie sich bald möglichst des Mühlsteins Beck entledigen, damit er sie nicht in den Orkus der Bedeutungslosigkeit zieht.

Die Linke wird gut daran tun, sich zu modernisieren, ohne sich zu verbiegen oder gar zu korrumpieren, wie es die Grünen seit nunmehr 30 Jahren sehr erfolgreich tun. Denn gegenwärtig droht ihnen die gleiche Diskussion, wie weiland den Grünen, dass es doch besser wäre, sich den "Realitäten" zu stellen. Soll heißen, die "Realpolitiker" sollen die "Idealisten" zurückdrängen. Dann können sie sich politisch gleich begraben lassen, auch wenn sie dann wie die Grünen ab und zu an der Macht beteiligt werden. Zum Bürgertum werden weder SPD, Grüne noch Linke je gehören.
claudia schrieb am 28.03.2011 um 12:58
>>Die Linke wird gut daran tun, sich zu modernisieren,...<<
Leicht gesagt. Was bedeutet "modernisieren"?

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>>Zum Bürgertum werden weder SPD, Grüne noch Linke je gehören.<<
Die SPD wurde 1914 kaiserliche Kriegspartei, nachdem sie kurz zuvor grosse und stark besuchte Kundgebungen gegen die hohenzollerische Kriegspropaganda veranstaltet hatte.
Die einmal bewährte Methode "links blinken und rechts abbiegen" hat sie seitdem beibehalten und mehr gibt es über die SPD eigentlich nicht zu sagen.

Die Grünen, wie ich ihre Entwicklung erlebt haben, wurde von der anfänglich "ökosozialen" Bewegung zur Partei des etablierten Mittelstandes, der seine Ersparnisse und kleinen Erbschaften nicht mehr in VW-Aktien, sondern in "Windparks" anlegt.

Das mag oberflächlich aussehen, aber es ist die Essenz.

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Die Linke wäre eigentlich nicht nur die Partei der Arbeitslosen, sondern auch die Partei aller, die der kapitalistische Armutsstaat noch beim Schlafittchen packen wird, und das sind viele.
Das Potential dazu hat die Linke, aber die Frage, wie mehr Kommunikation zwischen den potentiellen Wählern und der Partei in Gang gesetzt werden kann ist offen...
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 16:43
@Aqua-Jedi: Ich bin Materialist, kein Idealist! ;) Die Linke ist doch (hoffentlich) keine Partei von Gutmenschen, sondern setzt genau da an, wo eine kapitalistische Ordnung versagt, und mildert durch ein politisches Korrektiv die negativen Auswirkungen der freien Marktwirtschaft.

@claudia: 1914 wollten die Sozialdemokraten in der Öffentlichkeit nicht als "vaterlandslose Gesellen" dastehen. Das kann ich also noch nachvollziehen.
Für mich ist das Godesberger Programm von 1956 DIE Zäsur in der SPD, wo sich diese Partei mit der Abkehr von Marx zu einer bürgerlichen Partei gewandelt hat.
Aqua-Jedi schrieb am 28.03.2011 um 17:55
Modernisieren heißt für mich, sich auf allen wissenschaftlichen Gebieten kundig zu machen, damit man die Welt wirklich versteht.

Das fängt damit an, sein eigenes Menschen- und Weltbild zu kennen und sich zu fragen, ob darin neuere Erkenntnisse über uns Menschen und unsere Gesellschaften enthalten sind, als sie z.B. Lenin in seiner Schrift Materialismus und Empiriokritizismus beschrieb. Hier erfolgt der Zugang z.B. über Philosophie, Geschichte, Psychologie Soziologie, Pädagogik, Menschenkunde (biologische Anthropologie) und Völkerkunde (Ethnologie).

Der nächste Schritt ist für mich, sich von den alten und geschlagenen Schlachten zu lösen, damit man nicht immer nachkartet. Dass die SPD als Partei eher kleinbürgerlich und rückschrittlich ist und ihre Funktionäre allzu gern den Aufseher für das wirkliche Besitzbürgertum machen, ist hinlänglich bekannt. Das aber macht die Mitglieder der Partei Die Linke nicht automatisch zu fortschrittlichen und aufgeklärten Menschen, sondern allenfalls zu Leuten, die nicht aus der Geschichte wirklich lernen wollen.

Der nächste Schritt der Modernisierung ist folglich, sich auf den Gebieten der Naturwissenschaft (Mathematik, Physik, Chemie, Biologie) und Technik kundig zu machen, damit man auch hier die Dinge richtig versteht und nicht fortschrittsgläubig wird.

Damit man mit den Menschen sprechen kann, muss man den Parteijargon und das soziologische und politologische Kauderwelsch ablegen. Was man wirklich verstanden hat, kann man auch mit einfachen und wenigen Worten ausdrücken.

Rossana Rossanda schreibt in ihrer Autobiographie (Die Tochter des 20. Jahrhunderts), dass die herrschenden Kreise den Linken ideologisch immer ein Stück voraus waren und sind. Genau das muss man ändern, wenn man links und fortschrittlich sein will. Dazu gehört ein klarer Blick auf die tatsächlichen gegenwärtigen Verhältnisse, die man nicht mit den Schubladen der Vergangenheit (Kapitalismus, Faschismus usw. usf.) beschreiben kann, ohne in die Falle des Parteijargons zu verfallen und den Entwicklungen hinterherzurennen. Denn das Besitzbürgertum und seine Herrschaftsformen sind äußerst wandlungsfähig, gerade deshalb hat es nicht aufgehört zu herrschen. Letzteres wurde und wird ja gerade von der SPD bestritten, deshalb darf man von den meisten SPDlern ja nicht viel erwarten, man würde ohnehin nur enttäuscht.

Die Herrschaft des Besitzbürgertums zu verstehen, bedeutet eben auch, uns Menschen und unsere Gesellschaftsformen zu verstehen.
Aqua-Jedi schrieb am 28.03.2011 um 18:14
@Automatisches Subjekt "Die Linke ist doch (hoffentlich) keine Partei von Gutmenschen, sondern setzt genau da an, wo eine kapitalistische Ordnung versagt, und mildert durch ein politisches Korrektiv die negativen Auswirkungen der freien Marktwirtschaft."

Das wäre der gegenwärtige "sozialdemokratische" Ansatz der SPD, mit dem man sich in der SPD schon von der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet hat. Denn die soziale Marktwirtschaft war mehr als ein Pflaster auf die Wunden der Menschen. Er war Programm für eine gerechtere Gesellschaft. Mittlerweile sind nahezu alle sozialdemokratischen Grundsätze (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) über Bord geworfen, genau so wie man die durch das Gesetz (SGB II, vulgo Hartz IV) geschaffenen "Überflüssigen" gleich mit über Bord warf.

Ein marxistischer Materialist ist immer auch ein gesellschaftlicher Idealist, weil er mit den Mitteln des marxistischen Materialismus für eine gerechtere und bessere Welt kämpft. Dieser Idealismus ist nicht zu verwechseln mit den philosophischen Idealismus von Mach und anderen.
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 20:45
@Aqua-Jedi: Du willst dein Menschen- und Weltbild erst einmal durch wissenschaftliches Sich-Kundig-Machen festigen? Gut! Dann fang bitte wissenschaftlich bei Karl Marx - "Das Kapital" an!

Was Du hier vermengst und einfach falsch in Korrelation setzt, ist alles andere als wissenschaftlich!

Selbstverständlich ist ein politisches Korrektiv - in Form einer Legislative und Exekutive - der einzige Weg, die Auswirkungen der kapitalistischen Produktionsverhältnisse INNERHALB des Systems für eine große Mehrheit der Bevölkerung erträglich zu machen! Was kommst Du mir da mit der SPD???
Aqua-Jedi schrieb am 28.03.2011 um 22:02
Automatisches Subjekt 28.03.2011 20:45

"...Dann fang bitte wissenschaftlich bei Karl Marx - "Das Kapital" an!..."

Jau, und die Erde ist eine Scheibe!
claudia schrieb am 28.03.2011 um 22:21
>>1914 wollten die Sozialdemokraten in der Öffentlichkeit nicht als "vaterlandslose Gesellen" dastehen. Das kann ich also noch nachvollziehen.<<
Schönchen. Sie waren gar nicht von Krupp gekauft. Sondern wollten nicht, dass der Kaiser ihnen den Stinkefinger zeigt, sondern lieber mit dem Kaiser schmusen.
Es war ein Schmusekrieg mit Schmuseleichen.
Ein Jammer, fürwahr, dass der Kerner noch nicht dabei sein konnte...
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 22:55
@Aqua-Jedi:
Sie sind selbst unwissenschaftlich und blenden hier nur.
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 22:57
@claudia:
Schade, jetzt wird es unseriös.
Aqua-Jedi schrieb am 28.03.2011 um 23:50
@Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 22:55

Nee, nee. Solche agressive Beckmesserei und Belehrung ist mir nur aus der Zeit von vor 30ig Jahren in Erinnerung, als die Maoisten, die GIMler und KBler jeden niederbrüllten, der nicht ihrer Meinung war.

Nur mal so am Rande, zur Vorbereitung seiner Schrift (Materialismus und Empiriokritizismus) machte sich Lenin mit allen wissenschaftlichen Ergebnissen seiner Zeit vertraut, bevor er den rechten Sozialdemokraten Paroli bot und ihre rückwärtsgewandte und antiaufklärerische Ideologie zerpflückte. Die Bernsteins haben sich ja nun doch durchgesetzt, wie man am Zustand der gegenwärtigen SPD erkennen kann. Das enthebt aber die Mitglieder der Partei Die Linke nicht der Pflicht, auf der Höhe der Zeit zu sein. Mit dem Stinkefinger auf die Sozen zu zeigen ist ein bisschen dünn. Da waren materialistische Philosophen wie Manfred Buhr schon weiter gewesen, als manche Linke das heute sind. Das war und ist der Grund, warum die Akademie der Wissenschaften zerschlagen wurde, obschon ihr im Einigungsvertrag ein Bestandschutz zugesichert worden war. So steht vor allem die Partei Die Linke heute ohne die Unterstützung materialistischer Philosophen da, was man einigen Mitgliedern der Linken nur allzu deutlich anmerkt. Heute könnte so mancher Linker sich glücklich schätzen, wenn er zumindest den Wissensstand hätte, den Walter Hollitscher 1960 in seinen der Volksbildung dienenden Buch "Die Natur im Weltbild der Wissenschaft" vorweisen könnte. In den 1980ern erschien bei Pahl-Rugenstein übrigens ein sechsbändiges Werk von Walter Hollitscher, das die wissenschaftliche Weltsicht der Marxisten beschrieb: Materie – Bewegung – kosmische Entwicklung; Ursprung und Entwicklung des Lebens; Lebewesen Mensch; Die menschliche Psyche; Mensch und Gesellschaft; Naturbild und Weltanschauung.
Automatisches Subjekt schrieb am 29.03.2011 um 00:27
@Aqua-Jedi:
Wo zeige ich mit egal welchem Finger auf die "Sozen"? Ich verwende nicht einmal diesen abwertenden Ekel-Alfred-Ausdruck.

"Das wäre der gegenwärtige "sozialdemokratische" Ansatz der SPD, mit dem man sich in der SPD schon von der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet hat." ...
Das stimmt doch überhaupt nicht, was Sie mir da andichten! Da darf ich doch wohl bitte widersprechen!

Marx (und NICHT Lenin) in wissenschaftliche Erkundungen einzubeziehen - und zwar OHNE doktrinäre Verwässerung oder Verzerrung, ist AUCH nötig, um auf der Höhe der Zeit, also auf der Höhe der Kapitalismuskritik zu sein.

Sie bedauern die Abwesenheit von materialistischen Philosophen und lachen über das "Kapital". Damit widersprechen Sie sich einfach.

Wo finden Sie bei Marx die Äußerung, dass ein "materialistischer Marxist" "immer auch ein gesellschaftlicher Idealist" ist? Damit hätte Marx seine eigene Theorie selbst widerlegt.

Zu anderen Dingen habe ich keine Stellung bezogen und demnach auch nicht widersprochen. Wenn Sie der Meinung sind, dass die Linke nur aus interdisziplinären Akademikern bestehen darf, die auf der wissenschaftlichen Höhe der Zeit sein müssen, ist das Ihre Meinung. Auch wenn Sie sich auf Lenin beziehen, ist das Ihr gutes Recht. Wollen Sie, dass die Linke etwa eine "Partei neuen Typus" wird?

Nein, nein. Ihr Versuch, Marx außen vor zu lassen oder ihn zu verfälschen, wird immer auf meine Kritik stoßen! Denn wenn Sie wissenschaftlich vorgehen wollen, dann müssen Sie Marx entweder widerlegen oder seine Thesen annehmen.
Aqua-Jedi schrieb am 29.03.2011 um 08:21
Automatisches Subjekt 29.03.2011 um 00:27

Wer in Deutschland von der freien Marktwirtschaft spricht, hat sich von der sozialen Marktwirtschaft schon verabschiedet, deren kümmerlichen Reste immerhin noch existieren und deren Wiederherstellung schon ein großer Schritt nach vorne wäre. Die Schröder-Steinmeier-Steinbrück-SPD hat sich eben genau von der sozialen Marktwirtschaft verabschiedet und spricht jetzt nur noch von der freien Marktwirtschaft.

Aus meiner Sicht bedarf es eben weitaus mehr, links und aufklärerisch zu sein, als sich lediglich in der Rolle eines bloßen Reparaturbetriebes für die gegenwärtigen Verhältnisse in Deutschland zu sehen.

Man muss Ross und Reiter nennen, und zwar so, dass die Menschen es verstehen. Schon allein die Erwähnung der Worte Sozialismus, Marxismus oder gar Kommunismus verstört oder vertreibt die Menschen, wie unlängst geschehen, als Gesine Lötzsch darüber diskutieren wollte.

Die Kapitalismuskritik, als Kritik der Besitz-, Produktions- und Reproduktionsverhältnisse verstanden, bewegte sich seit Marx eben ein gutes Stück weiter, das ist wirkliche Dialektik, denn Marx war und ist kein Säulenheiliger und die Welt ist nicht statisch. Abgesehen davon fehlt den meisten von uns die Zeit, das alles nochmal zu studieren, denn keiner von uns wird so alt, dass er sich die Zeit dazu nehmen könnte. Ich lache also nicht über Das Kapital, sondern mich bringt der Versuch zum Grinsen, wenn Das Kapital als unumstößliche und ewige Wahrheit verkündet wird, denn solche Verkündigungen sind nur aus römisch-katholischen Kreisen bekannt.

Anstelle gesellschaftlicher Idealist hätte ich auch das Wort Utopist verwenden können, nur hat dies in unserer Zeit eine abwertende Nebenbedeutung bekommen. Mir ist vor allem wichtig, genau herauszuarbeiten, was wir über uns und unsere Welt wissen, damit aus dem gesellschaftlichen Ideal oder der Utopie eben keine Dystopie wird, weil man mechanisch und scherenschnittartig Erkenntnisse einer anderen Epoche auf unsere jetzige Welt übertragen möchte. Auch daran ist die Idee des Sozialismus zugrunde gegangen und leider eben auch sehr viele Menschen mit ihr.

Als ehemaligem DDR-Bürger, wie Sie an anderer Stelle schreiben, dürfte Ihnen ja die Idee der allseitig gebildeten sozialistischen Persönlichkeit nicht fremd sein. Es geht also hier nicht darum, ein interdisziplinärer Akademiker zu werden, schon aber darum, die wichtigsten Erkenntnisse der Wissenschaft in den Grundzügen verstanden zu haben und sich selbst nicht auf Marx zu reduzieren. Hier ist mein Motto: Wer nichts weiß, muss alles glauben! (M.v.Ebner-Eschenbach).

Die Partei Die Linke ist für mich vom Grunde nach erst mal eine sozialdemokratische Partei, und zwar so wie sie vor dem bestimmenden Einfluss kleinbürgerlich-rückschrittlicher Kräfte war, also vor dem ersten Weltkrieg. Es geht eben nicht darum, aus der Partei Die Linke eine "Partei neuen Typus" zu machen, das ist ja schon mal gründlich schief gegangen, wie wir aus der Geschichte der Arbeiterbewegung wissen. Der Grund, warum ich Lenin anführte, ist, dass er, genau so wie Engels zuvor, sich eben auf die oben beschriebene Weise mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Zeit vertraut machte und damit den Weg zeigte, den auch demokratische Sozialisten gehen müssen. Sonst droht ihnen die gleiche Orientierungslosigkeit und Beeinflussbarkeit, wie zuvor den SPDlern und den Grünen.
Automatisches Subjekt schrieb am 29.03.2011 um 20:21
@Aqua-Jedi:
Suchen Sie sich bitte jemand anderen zum Spielen!
Die Linke ist KEINE sozialdemokratische Partei, da die Sozialdemokraten sich 1956 von Karl Marx verabschiedet haben! KÖNNEN SIE NICHT LESEN! Das hatte ich bereits mehrfach geschrieben!
Bilden SIE sich erst einmal selbst!
Und tschüss!
j-ap schrieb am 29.03.2011 um 20:43
Automatisches Subjekt / Aqua-Jedi:

Kann man euch zwei manische Sozialdemokraten mit eurem Kabarettprogramm »Jetz wolle mer doch emol sehn, wer hier wissenschaftlisch is, doo!« eigentlich auch buchen?
Aqua-Jedi schrieb am 29.03.2011 um 21:28
Gute Idee, dazu müsste ich das Automatische Subjekt mal kennenlernen. Ich fürchte nur, es nimmt es sich zu sehr zu Herzen, was ein Grund war, mich vor 30ig Jahren von allen Parteien und Gruppierungen zu lösen.

Das Programm ist nach Bedarf erweiterbar für

- die Grünen als Realo/Fundi
- die SPD als Seeheimer/Juso
- die CDU/CSU als Honoratioren/Junge Wilde
- die FDP als Neoliberal/Linksliberal

Man braucht jeweils nur ein paar Worte zu tauschen und kommt zu frappierend ähnlichen Aussagen.
claudia schrieb am 28.03.2011 um 13:22
>>Die SPD ist in BW zum "Trittbrettfahrer der Grünen" geworden (O-Ton Dobrindt).<<
Das ist ja putzig: Auch ein Dobrindt findet mal ein Korn...
Matto schrieb am 28.03.2011 um 14:09
Wenn die Linken sich wegen des eventuellen Einzuges in den Landtag streiten sollten, dann haben die für mich nicht alle Tassen im Schrank. Das Ergebnis war hinsichtlich der Polarisierung AKW für sie eigentlich ganz beachtlich.
Das Stichwort AKW und die Vorfälle in Japan, waren für die Grünen das gefundenes Fressen.
Hier haben die Linken eigentlich keine Chance gehabt, weil dieses Thema von den Grünen besetzt war und wurde. Arbeit und soziale Gerechtigkeit wurden bei diesem Wahlkampf überhaupt nicht berücksichtigt.
Also, wie gesagt, die Linken können mit dem Ergebnis eigentlich zufrieden sein.
Charles Henry Winer schrieb am 28.03.2011 um 16:55
Ich finde diesen Beitrag und die Kommentare dazu sehr merkwürdig. Wundert sich ernsthaft jemand darüber, dass Menschen, denen der Ausstieg aus der Kernenergie ein Herzensanliegen ist, die "Linke" nicht wählen können?

Dass Atompolitik nicht zu den Themen gehört, die der "Linken" jemals wirklich wichtig gewesen sind, geben ihre führenden Repräsentanten ja selbst zu, wenn sie ihr schlechtes Abschneiden mit der Fukushima-Katastrophe erklären und darüber klagen, dass die sozialen Probleme darüber vergessen worden seien. Offenbar hat man bei der "Linken" noch immer nicht begriffen, dass die ökologische Frage sozial ist und umgekehrt. Vor diesem Hintergrund erscheinen mir die verbalradikalen Phrasen, die man in die Wahl- und Parteiprogramme geschrieben hat, eher lächerlich. Glaubt man denn wirklich, mit bloßem Sprücheklopfen könne man Wähler gewinnen?

So lange die "Linke" so ist, wie sie ist, haben wir die Grünen weiterhin (und trotz allem) bitter nötig.
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 17:11
Nunja, Charles... bei der letzten Bundestagswahl konnte die FDP mit dem Spruch "Mehr netto vom brutto" knapp 15% der WählerInnen gewinnen.

Und was hat Ökologie mit sozial zu tun? Die Wind-, Wasser- und Sonnenenergieunternehmen werden doch keine kommunalen oder genossenschaftlichen Betriebe sein! Auch dann wird es um Profit gehen. Auch dann ist es nötig, diese Unternehmen sozial zu regulieren.
Sozial ist, wenn man alle Aufgaben zur Daseinsvorsorge und zur Bereitstellung einer für die Wirtschaft nötigen Infrastruktur aus privaten wieder in kommunale oder staatliche Hände zurückführt.
Ökologisch ist lediglich der Wechsel der Technologien hin zu einer geringeren Ausbeutung natürlicher Ressourcen.
claudia schrieb am 28.03.2011 um 18:13
>>Dass Atompolitik nicht zu den Themen gehört, die der "Linken" jemals wirklich wichtig gewesen sind, geben ihre führenden Repräsentanten ja selbst zu, wenn sie ihr schlechtes Abschneiden mit der Fukushima-Katastrophe erklären und darüber klagen, dass die sozialen Probleme darüber vergessen worden seien.<<
Aus ihrer Perspektive, Charles, macht die Linke also den Fehler, wegen der Kernkraft nicht alles Andere zu vergessen, sondern verschiedene Probleme als gleichwertig zu behandeln...

Dann sind sie bei den Grünen richtig. Falls Sie sich an den bekannten Hintertürchen für den Ausstieg aus dem Ausstieg nicht stören, versteht sich. Aber das kann einen hartgesottenen Grünwähler natürlich nicht erschrecken...

SPD/Grün haben ja schon mal regiert, da muss man über Ziele und Lobbyisten und Maschmeyereien nicht spekulieren.

---
@Automatisches Subjekt:
>>Die Wind-, Wasser- und Sonnenenergieunternehmen werden doch keine kommunalen oder genossenschaftlichen Betriebe sein!<<
Kommunal war die Stromerzeugung aml sehr weitgehend. Die Heutigen Stromkonzerne waren ausschliesslich Netzbetreiber.
Und dort, wo Stadtwerke noch den Strom liefern, geht es in der Regel umweltrfreundlicher. Ob durch eine neues Laufwasserkraftwerk wie in München oder mit Kraft-Wärmekoppelung bei Dampfturbinen...
Die grossen Windparks sind als kommunale Anlagen eher nicht denkbar, denn sie werden als Geldanlageobjekte gebaut.
Aber es geht auch ohne sie...

Und warum sollten nicht alle öffentlichen Gebäude Solarzellen auf dem Dach haben?
Nicht nach 7 Jahren SPD/Grün und schon gar nicht mit CDU/CSU, das ist klar wie Klossbrühe. Aber machbar ist das schon.

>>Sozial ist, wenn man alle Aufgaben zur Daseinsvorsorge und zur Bereitstellung einer für die Wirtschaft nötigen Infrastruktur aus privaten wieder in kommunale oder staatliche Hände zurückführt.<<
Möglich, ja. Aber Art. 15 GG lässt auch andere Formen von Gemeineigentum für zwecks Allgemeinwohl enteignete Produktionsmittel zu.
zu. Daran orientiert sich übrigens der Programmentwurf der Linken, der einzigen Partei, die das Grundgesetz ernst nimmt.
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 21:10
@claudia: Ich denke, wir sind uns einig. :)
Charles Henry Winer schrieb am 28.03.2011 um 21:44
Sehr geehrte Claudia, ein derart hartgesottener Grünen-Wähler, wie Sie zu glauben scheinen, bin ich durchaus nicht. Und im Grundsatz teile ich Ihre Kritik am rot-grünen Ausstiegsgesetz. Umso mehr habe ich in den vergangenen Jahren die "Linke" in der Pflicht gesehen, alternative Perspektive politisch voranzubringen. Das hat sie versäumt. Aus Ignoranz - die notdürftig mit verbalradikaler Phrasendrescherei bemäntelt wurde. Nur: Von Phrasen hat niemand etwas, am wenigsten die, denen an dem Ausstieg wirklich etwas liegt.

Deshalb meine ich: Freunde der "Linken" sollten weniger auf die dummen Stimmungswähler schimpfen (das machen manche FDPler unter umgekehrten Vorzeichen übrigens auch) - sondern sich zunächst mal an die eigene Nase packen.
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 22:35
Sehr geehrter Herr Winer,

entschuldigen Sie, dass ich mich hier einmische.

Die Linke hatte ja ihren Unmut über die Möglichkeit des Ausstiegs vom Ausstieg schon unter rot-grün geäußert und darüber hinaus kritisiert, dass mit der Energiewirtschaft Vereinbarungen getroffen wurden.
Darüber hinaus steht die Linke in Kontakt mit einigen NGOs, die ebenfalls gegen Atomkraft eintreten und Aktionen starten.

Ich sehe in der Frage der erneuerbaren Energien und dem Ausstieg aus der Atomkraft die Grünen in der Pflicht. Dafür sind sie im politischen Geschäft da. Die Linke kann und sollte da nie versuchen, ein zweites Original zu sein.

Bis zur Laufzeitverlängerung war das Thema Atomkraft vs. erneuerbare Energien in den Medien nur nicht präsent. (Abgesehen von Castor-Transporten)

Dass und wie die Grünen solche Stimmenzuwächse erzielten, wurde in diesem Thread meines Erachtens ausführlich analysiert.

Ich weiß nicht, welche Phrasendrescherei Sie meinen. Gewöhnen Sie sich bitte daran, dass sich die Linke nicht vom bürgerlichen Parteienbrei vereinnahmen lassen wird. Was SIE als Phrasen bezeichnen, sind für MICH klare politische Aussagen.

Wer von den Linken schimpft denn hier auf "die dummen Stimmungswähler"?
Charles Henry Winer schrieb am 29.03.2011 um 10:28
Sehr geehrtes Subjekt, danke für Ihre "Einmischung". In der obigen Analyse von Strohschneider heißt es:

"Man wird viel auch mit dem bundespolitischen Grundrauschen der vergangenen Monate erklären können, das vor allem den Grünen geholfen hat (Stuttgart 21 und Fukushima)...".

Das Entsetzen über Fukushima als "Grundrauschen"? Ist das etwas anderes, als das, was die WählerInnen der letzten Wochen bewegt, zu einer bloßen Stimmung zu erklären? Und insinuieren nicht auch Sie, dass die WählerInnen zu "bürgerlich" - vulgo: zu dumm - seien, um die richtigen, d.h. "linken" Konsequenzen zu ziehen?

Sie schreiben:

"Ich sehe in der Frage der erneuerbaren Energien und dem Ausstieg aus der Atomkraft die Grünen in der Pflicht. Dafür sind sie im politischen Geschäft da. Die Linke kann und sollte da nie versuchen, ein zweites Original zu sein."

Durch Ihre Aussage sehe ich meine These von der atompolitischen Ignoranz der "Linken" und ihres Umfeldes bestätigt. Gerade WENN man den Grünen - zu Recht! - vorwirft, den Stromkonzernen zu weit entgegengekommen zu sein, gerade DANN kann man ihnen das Thema eben NICHT mehr überlassen! Genau das hat die "Linke" jedoch faktisch getan. Gewiss, es gab, wie Sie richtig schreiben, "Kontakte" zwischen Linkspartei und atomkritischen NGOs. Mehr war es aber auch nicht. Und hier - nicht in irgendeinem "Grundrauschen" - muss man die Ursache für das Wahldebakel der "Linken" suchen. Dass man sie trotz ihres Phrasenradikalismus nicht als atomkritische Kraft wahrnimmt, hat sie vor allem sich selbst zuzuschreiben.
Automatisches Subjekt schrieb am 29.03.2011 um 19:55
Sehr geehrter Herr Winer,

die Landtagswahlen am vergangenen Wochenende waren doch kein Debakel! Wovon reden Sie nur? Wenn diese Wahlen ein Debakel waren, dann für die SPD, die ca. 10 bzw. 2 Prozent verloren hat.

Ich zitiere mich nochmal selbst:
"Die Linke hatte ja ihren Unmut über die Möglichkeit des Ausstiegs vom Ausstieg schon unter rot-grün geäußert und darüber hinaus kritisiert, dass mit der Energiewirtschaft Vereinbarungen getroffen wurden."
Da reden Sie "von der atompolitischen Ignoranz"? Entschuldigung, sehen Sie noch klare Bilder? :))
Klar, die Linke hat soviel Geld, dass Sie mal eben im Berlusconi-Stil eigene Fernsehsender betreiben kann, damit zwischen Formel 1, Casting-Show und Comedy auch der letzte Depp darüber informiert wird, was die Linke alles tut und wofür sie steht! *kopfschüttel*

Reden Sie doch mal mit Grün-WählerInnen! Ich habe es getan. Und jetzt kommt DER entscheidende Punkt: den meist bürgerlichen Anhängern der Grünen stößt der Deal mit der Atomindustrie gar nicht übel auf! Einige aus meinem Bekanntenkreis akzeptieren das sogar!!! Andere glauben, dass man die Energieriesen mal eben schnell unter Druck setzen kann.

Was wollen SIE da(gegen) machen? Und wie steht es mit IHNEN selbst? Glauben Sie, dass sich eine derart monopolistische Wirtschaft wie die Energiewirtschaft in Deutschland irgendwie demokratisch "reguliert" werden kann?

Für mich kommt in der Analyse erst die Ökonomie. Aus dieser Analyse schließe ich meine Folgerungen für soziales und ökologisches Denken.
carusino schrieb am 28.03.2011 um 18:07
>Liegt es wirklich nur am Schatten, den die veröffentlichte Meinung über die Linke oft mehr als über andere Parteien legt?<
Meiner Meinung nach ja!
Wenn man sich dieses Video(www.spiegel.de/video/video-1113652.html) von Spiegel TV anschaut, kann man zwar nur mit dem Kopf schütteln über die Aussagen des ältere badischen Herrn, aber dieser ältere Herr ist kein Einzelfall.
Ich bin auf einer Veranstaltung der Linken gewesen um Oskar Lafontaine zu sehen. Leider lief im Vorfeld der Veranstaltung sozialistische linke-faust-nach-oben Musik, die mich doch sehr an die Paraden der FDJ in der DDR erinnerte. Sowas ist kontraproduktiv. So kann man im Ländle keinen Blumentopf geschweige denn noch eine Wahl gewinnen.
Naja, der Baden-Würtemberger schwarze Filz ist tief verwurzelt im Ländle und ich hab die Befürchtung dass es die Grünen sehr schwer haben werden, diesen Filz zu bekämpfen. Vielleicht hat die Linke in diesem Wahlkampf dazugelernt und kann bis zur nächsten Landtagswahl etwas tiefer in die schwarzen Strukturen eintauchen. Die Grünen haben ja auch 31 Jahre dafür gebraucht.
Teresias schrieb am 28.03.2011 um 19:22
„Weitermachen wie bisher“ hätte für die Linke zur Folge, dass sie im Westen immer mehr an den Rand gedrängt wird. Die Linke muss aus dem Wahlverhalten der stimmungsbewegten Bevölkerung lernen: Über 30 Jahre haben die Grünen mit wechselndem Erfolg mit Worten und Aktionen auf die Gefahren der AKWs aufmerksam gemacht. Sie haben ihre Sicht der Dinge ins Bewusstsein des Volkes implantiert. Wenn dann äußere Vorgänge die Einschätzung der Grünen bestätigen, ist ein Teil des Volkes bereit, sein Wahlverhalten zu verändern.
Die Linke hätte doch ein wunderbares Thema, das über kurz oder lang ihre Sicht auf die ökonomischen Vorgänge bestätigt: Die nächste Finanzkrise ist bei der derzeitigen Politik unabwendbar. Getroffen werden davon nicht nur die HartzIV-Empfänger und die Arbeitslosen, sondern alle. Die Herrschenden werden versuchen, die Unkosten dieses Desasters auf die Mehrheit der Bevölkerung abzuwälzen. Wenn die Linke die Gefahren dieser Entwicklung in den Mittelpunkt ihrer Politik stellen würde, könnte sie im Fall des Falles weite Schichten der Bevölkerung für eine gerechtere Gesellschaftsordnung gewinnen. Bis dahin gilt es, mit intelligenten Strategien die Gefahren des vorliegenden Systems ins Bewusstsein der Menschen zu heben.
Der Tanz auf dem Finanz-Vulkan wird enden – so oder so.
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 20:54
@Teresias: Kleiner Hinweis: Aufgrund der Tatsache, dass die Linke den "demokratischen Sozialismus" als Zielsetzung hat, wird sie (nicht nur) im Westen so lange am Rand sein, bis sich die Menschen für den demokratischen Sozialismus aussprechen und ihn sich wünschen.
ICH jedenfalls möchte nicht noch eine Partei irgendwo in der Mitte. ;)
claudia schrieb am 29.03.2011 um 07:22
@Teresias:
>>„Weitermachen wie bisher“<<
"Weitermachen" und "Weitermachen wie bisher" ist nicht genau das Gleiche.
Die Linke ist die Vereinigung aus zwei Parteien, für ein "weiter wie bisher" aus unterschiedlichen Gründen nicht infrage kam.

Es gibt wohl keine andere im Bundestag vertretene Partei, in der inhaltliche Diskussionen derart intensiv ablaufen.

>>Über 30 Jahre haben die Grünen mit wechselndem Erfolg mit Worten und Aktionen auf die Gefahren der AKWs aufmerksam gemacht. Sie haben ihre Sicht der Dinge ins Bewusstsein des Volkes implantiert.<<
Kaum. Ich war in den 70er Jahren an einer Bürgerinitative gegen das plante AKW Gundremmingen und an grossen zentrale Demos gegen die Kernkraft beteiligt. Viele KK-Gegner haben sich zusammen mit anderen Gruppierungen in die Gründung der Grünen eingebracht. Abder das Thema war trotz Tschernobyl

>>Getroffen werden davon nicht nur die HartzIV-Empfänger und die Arbeitslosen, sondern alle.<<
Das ist eines der Kernthemen der Linken, und sie wird von Nichtlinken gerade dafür heftig angegriffen, dass sie die "soziale Marktwirtschaft" als gescheitert erkennt und nicht nur "Kuschelkapitalismus"-Dikussionen führt, die immer mehr Menschen ausgrenzen.
Die Ausgrenzungtaktik der 5 Lobbypartien: "Hier die Guten, dort die Bösen, die man immer mehr unterdrücken muss" findet zur Zeit noch Zustimmung von Menschen, die als die Guten umschmeichelt werden. Die These: "die Arbeitslosen sind schuld an der Krise" wird aber auf längere Zeit ihre Zustimmer verlieren. Es wäre deswegen ein schlimmer Fehler der Linken, wenn sie, nur um in eine Koaltion zu kommen, sich inhaltlich den anderen Parteien anpassen würde.

>>Die Herrschenden werden versuchen, die Unkosten dieses Desasters auf die Mehrheit der Bevölkerung abzuwälzen.<<
Das tun sie bereits, und mit der Agenda 2010 haben haben genau das verschärft und institutionalisiert.
Wer ausser der Linken sagt das?
CDU/SPD/Grün/CSU/FDP, propagandistisch unterfüttert durch Springer/Bertelsmann/INSM, sind sich einig, dass einzig der nichtbesitzende Teil Opfer bringen muss für die Erhaltung des Kapitalismus. Und sie versuchen, zur Zeit leider noch allzu erfolgreich, einen noch nicht so hart rangenommenen Teil gegen die endgültigen Verlierer aufzuhetzen.

Dagegen mit Argumenten anzugehen ist schwierig und braucht Geduld.
claudia schrieb am 29.03.2011 um 09:15
>>ICH jedenfalls möchte nicht noch eine Partei irgendwo in der Mitte. ;)<<
Ich auch nicht.
Aber ich habe den Eindruck, dass Einige sich die Linke als eine neue SPD wünschen, so ne Art 70er Jahre-Nostalgie.
Denen muss man aber sagen, dass der Kapitalismus in eine andere Phase getreten ist: Er hat es nicht mehr nötig, zu beweisen, dass er den Menschen etwas Besseres bieten könne als die "sozialistischen Länder", denn die sind besiegt und weg.
Ausserdem beruhte der damalige "Wohlstand" in den Industriezentren auf einer auch damals knallharten Ausbeutung der "3. Welt".

Wir können nicht zurück in die Zeit in der es uns noch besser ging.
Sondern wir müssen das Neue wagen. Bis wir es packen, geht es weiter bergab.
Automatisches Subjekt schrieb am 29.03.2011 um 20:06
@claudia:
Wenn ich daran denke, wie viele Alt-Bundesbürger bei Volker Pispers' Ausführungen zu den guten alten Zeiten vor der Mauer lachen, frage ich mich, weshalb diese Leute das dann nicht begreifen und Konsequenzen daraus ziehen?
Die Linke an sich ist noch jung. Die meist mit marxistisch-leninistischer "Rotbestrahlung" aufgewachsenen PDSler haben ja noch die theoretische Basis für ihre politische Arbeit. Bei den meisten WASGlern wird das sicher nicht so sein.

Da wir in einer repräsentativ-parlamentarischen Demokratie mit Fünf-Prozent-Hürde nicht in zersplitterte Kleinstparteien verfallen dürfen, wurde "Die Linke" gegründet. Denn es geht ja auch um Geld in Form von Wahlhilfe aus Steuermitteln, damit sich eine Partei überhaupt in der Öffentlichkeit präsentieren kann.

Ich denke, dass angesichts der umfangreichen theoretischen Arbeit im Innern der Linken die Wahlergebnisse bisher durchaus zufriedenstellend sind!

Den SPD-Nostalgikern sollte schonend beigebracht werden, dass sie für sich das Godesberger Programm mal schnell rückgängig machen müssen, um auch eine theoretische Basis für ihre aktuell-politische Arbeit zu finden. :)

Nur wer dieses System BRD begreift, kann auch die richtigen politischen Forderungen stellen.
koslowski schrieb am 28.03.2011 um 21:02
Wie weitermachen?
1. Auf die finale Krise des Kapitalismus hoffen ( von der natürlich die Linke nicht profitieren würde).
In der Zwischenzeit
2. dort, wo man Einfluss hat, das tun, was den Menschen und der Gesellschaft nutzt,
3. die Menschen fragen und die eigenen Position immer wieder überprüfen.
4. Bei anhaltender Erfolglosigkeit( ca. 2017 ) irgendwann die eigene politische Existenz beenden.
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 21:18
@koslowski:
zu 1.) Kompletter UNFUG! Das Ziel der Linken ist der demokratische Sozialismus. Mit der finalen Krise des Kapitalismus (wenn es wirklich die finale Krise ist und Sie wissen, was Sie da schreiben) ist der Kapitalismus überwunden, Marx bestätigt und der Weg zum demokratischen Sozialismus bereitet. Die Linke hat damit ihr Ziel erreicht, und ein Profitieren von irgendwas ist völlig obsolet geworden.

zu 2.) Das tut die Linke bereits!

zu 3.) Gucken sie sich auf Phoenix wenigstens mal den nächsten Parteitag der Linken an, dann wüssten Sie, dass die Linke genau das tut!

zu 4.) Träumen Sie weiter bzw. heucheln Sie nicht! (Abhängig von der Authentizität Ihrer Aussagen)
koslowski schrieb am 28.03.2011 um 21:34
@a.s. 21:18

1. Ja, das dachte ich mir.
2. Das ist gut.
3. Bestimmt nicht. Bin aber manchmal auf Veranstaltungen der LINKEn in meiner Stadt.
4. Schlechte Alternative. Ich tu lieber was.
Automatisches Subjekt schrieb am 28.03.2011 um 22:53
@koslowski:

zu 1.) Wenn Sie sich das dachten, wieso schrieben Sie es dann so? Wollten Sie nur provozieren?

zu 4.) Tun Sie, was Sie nicht lassen können! :)
koslowski schrieb am 29.03.2011 um 18:06
@A.S. 22:53

Mein Vorschlag, auf die finale Krise des Kapitalismus zu warten ( höre ich manchmal bei linken Freunden ), war natürlich satirisch gemeint. Pardon.
Automatisches Subjekt schrieb am 29.03.2011 um 19:33
@koslowski:
Ich befürchte, wir werden diese finale Krise beide nicht mehr erleben. Auch Ihre Freunde nicht. ;)
Red Bavarian schrieb am 29.03.2011 um 11:28
wbieber schrieb am 29.03.2011 um 12:39
Seit der Bundestagswahl 2005 hat die Linke es kaum geschafft, neue Themen zu setzen. Die Wahlschlager Hartz IV, Afghanistan und Mindestlohn sind nach wie vor Markenkern. Für die Abgrenzung von den regierenden Sozialdemokraten war diese Pointierung sicherlich dienlich. Im Wettstreit mit den inhaltlich breit aufgestellten Oppositionsparteien SPD und Bündnis 90/Grüne hingegen wirkt die inhaltliche Reduktion häufig einfallslos, besserwisserisch und vergangenheitszentriert. Die Linkspartei hat in breiten Bereichen die politische Weiterentwicklung und Profilierung verschlafen. Zudem hat sie ihre Kommunikation nicht professionalisiert. Dies – und nicht die intern und öffentlich immer wieder bemühte Verschwörung der bundesrepublikanischen Presse gegen die Partei – ist auch der Grund für ihre mangelhafte Präsenz in der politischen Berichterstattung: bit.ly/gwHayj
Hansi schrieb am 29.03.2011 um 13:13
Die Linken sind also selbst schuld am Debakel, weil sie keine neuen Themen gesetzt haben. Das heißt also entweder, dass ihre Themen heute überholt sind und/oder, dass die Themen der anderen, erfolgreicheren Parteien aktueller und neuen Bedürfnissen eher angepasst sind.

Die Frage nach Krieg und Frieden. Pazifismusdebatte und Völkerrecht. Längst vorbei.
Mindestlohn, davon soll nun bitte geschwiegen werden, längst alles erreicht. Die ewige tarifrechtlichen Forderung, Gleichstellung von Leiharbeit. Bitte, alles Schnee von gestern.
Hartz IV. Bitte, darüber soll doch keiner mehr reden, nicht mal wenn das BVerfG die Berechnung beanstandet.

Toll, dass die Grünen mit "Atomkraft-Nein Danke!" ein so neues Thema anpacken. Mutig. Schon mal vermurkst und zurück auf die Banner.

Die Themen der Linken sind Markenkern, da bin ich ganz bei Ihnen. Und der Fingerzeig auf die bösen Medien ist sicherlich nicht die einzige Lösung, auch wenn die Marginalisierung Fakt bleibt. Dass die Themen überholt sind, da widerspreche ich doch vehement. Und daher finde ich es nicht einfallslos, bei den Themen zu bleiben. Ihre Kader mögen nicht den Hochglanz und nicht die Profilierungsmaschinerie der anderen Parteien haben. Bei der Ernsthaftigkeit der Themen, die vielleicht alt, aber alles andere als überholt sind, Politk zu betreiben, die glänzt und Spaß macht, ist nicht ganz leicht. Mir sind etwas staubige Dauerbrenner allemal lieber als aalglatte Worthülsen.
born2bmild schrieb am 29.03.2011 um 19:56
Aalglatte neomarktliberale Thinktanksprache, die ebenso Panzer, Pudding oder Präservative anpreisen könnte, Hauptsache "Premiumprodukt":

"Markenkern",
"Themen setzen"
"Wettstreit",
"inhaltlich breit aufgestellt",
"Profilierung",
"Kommunikation",
"professionalisiert",
"Präsenz".


Da finanziert der ehemalige SS-Sturmmann oder Scharführer Otto Beisheim eine "stiftung neue verantwortung" und ein dort gespitzter Stift, politischer Berater 'wbieber', gibt per irgendwie linkem "Freitag" der Parteimarke Die Linke gemeinnützige Ratschläge für die nächsten Wahlen. Gemein, nützlich?

Siehe 'stiftung neue verantwortung': tinyurl.com/64luus5

Finanzierung

Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen aus dem In- und Ausland unterstützen als Spender ("Donor") die Arbeit der stiftung neue verantwortung, die allein gemeinnützige Zwecke verfolgt.

Leadership-Level

Otto Beisheim Holding GmbH
EnBW AG
Evonik Industries AG
Friedhelm Loh Group
Giesecke & Devrient GmbH
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.03.2011 um 20:48
Richard der Hayek schrieb am 29.03.2011 um 23:59
Ich habe gerade mal die erste Hälfte der Kommentare gelesen, viellicht wiederhole ich etwas. ?

Meiner Meinung nach müßten die Linken einsehen, daß Kommunismus so erledigt, daß damit kein Blumentopf zu gewinnen ist.
Selbst wenn die Linken hier 120% der Stimmen bekommen, können sie in einem einzelnen Land, auch wenn es Schland ist, keinen Kommunismus durchziehen.

Wenn die Linke überhaupt eine Fuß auf den Boden bringen will, muß sie wie die SPD in Bad Godesberg Marx abschwören und soziale Belange innerhalb der Marktwirtschaft verfolgen.

Es gäbe genügend konkrete Probleme, die man ansprechen müßte, mit denen man punkten könnte. Mit allgemeinen Absichten wie Systemänderungen, noch dazu in Kommunismus, werden sie auf keinen Fall Erfolg haben.
Fro schrieb am 30.03.2011 um 03:28
Das Runtergedudel der linken Standardformeln bringt es nicht – die Linke hat Lafontaine leider nicht verstanden. Gejammer über die „Niederlage“ ist nicht angebracht. Auch die Linke glaubte anscheinend, dass man mit „schönen“ Forderungen, in Bild-Zeitungsmanier vorgetragen, Menschen für sich gewinnen kann. Das funktioniert nicht mehr. Man muss sich das Vertrauen mühselig erwerben. In kommunaler Arbeit, in den sozialen Bewegungen und mit schlüssigen genialen Konzepten. Sie hat nun die Möglichkeit, die neue Regierung kontrollierend zu begleiten und den fortschrittlichen Bürgerwillen zu unterstützen – das soll sie mal tun.
Vollkommen daneben war, dass die Linke in BW wahrheitswidrig behauptete, die Abwahl Mappus ginge nur, indem man Links wähle – anstatt sich mit Herausstellen des Sachverstandes als Kontroll-und Innovationspersonal der Bürger innerhalb des Parlamentes anzubieten.
Grundgütiger schrieb am 30.03.2011 um 09:00
Weg ist er ja erstmal, der Mappus, sein Geist wird uns aber noch lange erhalten bleiben.
Der Wind aus Fukushima hat diejenigen ins Parlament getragen, von den man glaubt, sie hätten ein Rezept gegen die Gefahr aus dem Atom.
Da wurde eine Art Rückversicherung genommen, wir haben richtig gewählt, jetzt kann uns nix mehr passieren.
Das Thema in der BW Wahl. Wenn jemand eine bessere Erklärung für die Wählerwanderung hat, bitte melden.
Für die anderen Themen haben die Schwaben die genommen, die sie immer nehmen.
Die CDU hat eben nix dazu gelernt, und verloren.
Beim Thema S21 werden wir die Grünen wieder so erleben, wie sie eigentlich sind,"beisse nicht die Hand, die dich füttert".
Die Linke ist sich treu geblieben, sie hat nicht ihr "Mäntelchen" nach dem Wind gedreht.
Das es in einem Bundesland,indem die CDU seit über vierzig Jahren die Ansagen macht,nicht auf Anhieb klappt mit Themen wie Arbeitslosigkeit und Armut, und wer würde diese Themen in BW zu den Spitzenthemen zählen, macht mich nicht traurig.
Ich weiss, der Kapitalismus bleibt mir erhalten, für noch längere Zeit, und damit meine politische Notwendigkeit.
Es gibt ja sonst niemand, der dieses Thema stets explizit besetzt.
Also, weitermachen.
Tom Strohschneider schrieb am 31.03.2011 um 07:56
Bei Forsa ist die Linke jetzt auf einem Vier-Jahres-Tief angekommen, die Partei habe, kann man im Stern lesen, zum zweiten Mal in Folge einen Punkt verloren und steht nun auf dem schlechtesten Wert seit der Fusion von Wahlalternative und PDS: Acht Prozent hatte es zuletzt im Januar 2007 gegeben. Was in dem Magazin nicht steht: Die Umfrage wurde in der Woche vor den Landtagswahlen im Südwesten gemacht, ist von der Niederlage in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz also noch unbefleckt. Und natürlich wird wie so oft auch die Fehlertoleranz nicht angegeben, danach könnte die Linke zweieinhalb Punkte besser oder schlechter dastehen. Das eine zu verhindern und das andere anzupeilen wird jetzt in der Linken nach einer Diskussion gerufen. Damit niemand den Überblick verliert, gibt’s hier die große Übersicht: bit.ly/dWVDP7
KalleWirsch schrieb am 01.04.2011 um 11:11
"Und natürlich wird wie so oft auch die Fehlertoleranz nicht angegeben, danach könnte die Linke zweieinhalb Punkte besser oder schlechter dastehen."

Die Piraten werden in den Berliner Umfragen noch nicht einmal aufgeführt, obwohl die Sonstigen dort kontinuierlich über 10% ausmachen.
Tom Strohschneider
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