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Kultur : "Ein feministischer Klassiker"

Die Journalistin, Feministin und ehemalige Vorsitzende des Deutschen Frauenrates, Inge von Bönninghausen über die Langlebigkeit von Weiblichkeitsmythen

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FREITAG: Frau von Bönninghausen, würden Sie Ihrer 18-jährigen Nichte Betty Friedans Buch "Weiblichkeitswahn" schenken?
INGE VON BÖNNINGHAUSEN: Da würde ich, offen gestanden, vorher noch mal reinschauen wollen, bevor ich das entscheide. Aber dass es für die westdeutsche Frauenbewegung ein bedeutendes Buch war, steht außer Zweifel.

Was war das unerhört Neue, das das Buch vor vierzig Jahren zu einem Bestseller machte?
Das Aufregende war zunächst, dass darin Frauen zu Wort kamen. Frauen waren zwar ein beliebter Gegenstand von Analysen, schon seit dem 19. Jahrhundert. Aber dass eine hinging und ganz normale Hausfrauen in den Vorstädten über ihr Leben befragte, das war neu. Das größte Verdienst dieses Buches aus heutiger Sicht lag aber darin, den Fokus auf - wie wir heute sagen würden - das Konstrukt Weiblichkeit zu legen.

Inwiefern?
Die Frage, die Betty Friedan sich und ihren Leserinnen mit ihrem Buch gestellt hat, lautete ja: Warum machen Frauen das mit? Warum verzichten sie darauf, berufstätig zu sein? Warum sitzen sie stattdessen in ihren Vororthäuschen, obwohl sie sich dort zu Tode langweilen? Friedans Buch heißt im Original The Femine Mystique, Weiblichkeitsmystik, das trifft es, glaube ich, besser. Indem sie das Leben dieser Vorortfrauen beleuchtet hat, wurde sozusagen eine Tür aufgestoßen: Was wird uns erzählt und was glauben wir selbst, was Weiblichkeit bedeutet? Was heißt das, eine Frau zu sein?

Ist die Frage heute noch aktuell?
Betty Friedans Buch ist ganz sicher ein feministischer Klassiker. Es gibt bis heute keine Antwort darauf, was Weiblichkeit eigentlich ist. Wovon hängt es ab, ob Frauen eine ganz bestimmte Weiblichkeitsdefinition für sich akzeptieren und danach leben? Es ist zum Beispiel immer noch an der Tagesordnung, und zwar sowohl in der Fremd- als auch in der Eigenbeschreibung, dass über eine Frau gesagt wird: "Toll, die ist so erfolgreich und so weiblich dabei!" Also diese Weiblichkeitsfrage, dieser Weiblichkeitsmythos, dieser Weiblichkeitswahn - wie immer Sie es nennen - das ist überhaupt nicht beendet.

Das Gespräch führte Karin Nungeßer


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