Kultur

Musik | 04.07.2008 00:00 | Paul Baskerville

Lauschangriff 16/08

Manche sagen, Bonnie "Prince" Billy sei der neue Bob Dylan. Andere sagen, Bonnie "Prince" Billy sei der neue Neil Young. In jedem Fall ist er ...

Manche sagen, Bonnie "Prince" Billy sei der neue Bob Dylan. Andere sagen, Bonnie "Prince" Billy sei der neue Neil Young. In jedem Fall ist er Jahrgang 1970, also vergleichsweise jung und frisch. Ich glaube aber nicht, dass der Mann mit dem bürgerlichen Namen Will Oldham in die Geschichte als so bedeutend wie Dylan oder Young eingehen wird. Allerdings hat er möglicherweise 2008 größere Relevanz.

Seine große Leistung besteht darin, Songwriter-Musik für das Alternative-Rock-Publikum salonfähig gemacht zu haben. Oldhams musikalische Wurzeln liegen zwar in Folk und Country, aber in die Öffentlichkeit trat er Anfang der neunziger Jahre aus dem Umfeld von Indie-Punk in Louisville, Kentucky. Die ersten Platten waren rauh und lo-fi produziert, Oldham vermittelte damit: je primitiver und karger der Sound, umso authentischer der Künstler. Damit konnten sich Indie-Rockfans identifizieren, denen Bob Dylan oder Neil Young wegen ihres Alters nicht als hip gegolten hätten.

Seit 1997 benutzt Oldham den Künstlernamen Bonnie "Prince" Billy, eine Anspielung auf Bonny Prince Charlie. Der war Sohn eines Thronanwärters im Großbritannien des im 18. Jahrhundert und versuchte sich an einer Invasion des Landes. Vor 1997 wechselte Will Oldham ständig die Pseudonyme: "Palace Brothers", "Palace Songs", "Palace Music", einmal sogar ganz schlicht "Will Oldham". Er war der Meinung, dass jedes neue Album sich so sehr vom vorherigen unterschied, oft zudem mit komplett neuen Musikern eingespielt wurde, dass ein jeweils neuer Name diesen Unterschied kenntlich machen musste. Dass er nun seit elf Jahren den immer gleichen Namen verwendet, spricht so gesehen dafür, dass er seinen Platz in der Musikwelt gefunden hat.

In seinem bekanntestem Song I see a Darkness, der von Johnny Cash interpretiert wurde, karikiert Oldham sich gewissermaßen selbst. Man könnte glauben, er sei depressiv und introvertiert. Als ich ihm einmal begegnet bin, wirkte er dagegen umgänglich, ausgeglichen und humorvoll. Er zeigte auf eine kleine Holzkiste, die auf dem Kaffeetisch stand und in der sich angeblich ein Eichhörnchen befand. Dann klappte er die Kiste schnell auf, und sie war leer, aber Oldham lachte sich kaputt, weil ich mich dennoch erschrocken hatte. Er behauptete überdies, dass er dringend ein künstliches Lächeln üben müsse, damit er mehr Platten verkauft.

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Das neue Album Lie down in the Light ist Will Oldhams sechstes Album in fünf Jahren, und spätestens jetzt sollte man begreifen, dass er nicht nur ein Verwalter von Traurigkeit ist. Es ist für seine Verhältnisse ein heiteres Werk mit vollen, spannenden Arrangements: Fidel, Slide Gitarre, Klarinette. Das Werk wurde von Mark Nevers aus Nashville produziert, der schon mit Calexico und den Silver Jews zusammengearbeitet hat. Die positive Stimmung ist sehr gelungen. Die Texte passen zu den Songs, da gibt es Lieder, die von Familie und Freunden handeln und davon, wie sehr man sie zu schätzen wissen soll. Der Höhepunkt des Albums ist das Duett You want that Picture mit Ashley Webber von der kanadischen Band The Organ. Dawn McCarthy von Faun Fables war "Gastsängerin" auf dem letzten Album, nun überzeugt Webber als Country-Sängerin.

Das letzte Album The Letting Go 2006 entstand in Island und war atmosphärisch fesselnd. Dieses Album, Let down the Light, wirkt im Vergleich dazu durchschnittlich. Wenige Songs bleiben wirklich in Erinnerung, vielleicht weil es einfach ungewohnt ist, ein solch flottes Album von Will Oldham zu hören. Einem Will Oldham, der sich etabliert hat, wie die Erwähnung in Liedern anderer Künstler zeigen, etwa Williamsburg Will Oldham Horror von Jeffrey Lewis und Harm of Will von Björk. Heiter oder traurig, das kann er sich nach Lust und Laune aussuchen: Bonnie "Prince" Billy hat es geschafft.

Bonnie "Prince" Billy auf Tour: 3. Juli Hamburg (Fabrik), 4. Juli Rudolstadt (TFF, Saalgärten)

 
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