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Kultur : Transsiberian von Brad Anderson

Die russische Grenzstadt Zabaikalsk ist für die Transsibirische Eisenbahn von besonderer Bedeutung. Die aus dem Nordosten Chinas kommenden Züge ...

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Die russische Grenzstadt Zabaikalsk ist für die Transsibirische Eisenbahn von besonderer Bedeutung. Die aus dem Nordosten Chinas kommenden Züge werden dort von der chinesischen Spur auf die russische umgerüstet. Der aufwendige Austausch der Drehgestelle ist notwendig, weil in Russland die Züge auf einer breiteren Spur fahren, als anderswo.

Für das amerikanische Ehepaar Roy (Woody Harrelson) und Jessie (Emily Mortimer) geht der Spurwechsel mit einer folgenreichen Bekanntschaft einher. Ein weiteres Paar bezieht die beiden freien Liegen im Abteil. Gleich in der ersten Nacht beweisen Carlos (Eduardo Noriega) und seine Freundin Abby (Kate Mara) eine sexuelle Energie, die den Amerikanern abgeht. Obwohl sich die beiden Paare aus dem Westen routiniert anzufreunden beginnen, liegt eine Spannung in der Luft, die viel damit zu tun hat, dass Carlos feurige Blicke auf Jessie wirft, während Roy eben doch ein Mann mit Modelleisenbahn im Keller bleibt.

Aus dieser recht grob etablierten Konstellation des Begehrens entwickelt Brad Anderson - der Christian Bale in The Machinist (2005) zu einer viel beachteten Method-Acting-Gedenk-Hungerkur verleitete - einen Thriller-Plot, dem man eine halbwegs stabile Genrespur wünschen würde. Spätestens als Ben Kingsley und Thomas Kretschmann als russische Polizeibeamte verkleidet im Waggon auftauchen, droht der Krimi allein schon aus Mangel an Dynamik in unfreiwillige Komik zu kippen.

Mühsam schleppt sich die Geschichte voran, für etwas Unterhaltung sorgen lediglich kurze Phasen, in denen sich eine gewisse Uneindeutigkeit breit macht. Weil das Erzähltempo für einen Thriller deutlich zu gemächlich ist, steht in diesen Momenten die Frage im Raum, ob es nicht doch um etwas ganz anderes geht, als um unprofessionell abgewickelte Drogentransfers.

Abby ist anfänglich noch die vergleichsweise interessanteste Figur. Wortkarg lässt sie den Prozess des wechselseitigen Kennenlernens an sich vorüberziehen. Ihre biographischen Auskünfte bleiben defensiv und scheinen aus gezielter Desinformation zu bestehen. Im Verlauf des Films wird aber deutlich werden, dass die Vagheit der Figur weder als Ambiguität misszuverstehen ist, noch Genremechanismen zuarbeitet.

Bezeichnend ist auch, wie sehr die filmische Attraktivität der transsibirischen Eisenbahn auf monoton pittoreske Panoramaaufnahmen reduziert wird. Trotz des gelegentlich aufflammenden Reiseenthusiasmus von Roy (den Harrelson mit einer Lustlosigkeit verkörpert, die an Arbeitsverweigerung grenzt), interessiert sich der Film nur in den Begriffen seines konfektionierten Sujets für den Raum, den er zu durchqueren vorgibt.

Dass Anderson sich in einem Auftragsfilm dieses Zuschnitts nicht um Geopolitik kümmert, ist ja noch nachvollziehbar. Mindestens ungelenk sind aber die Versuche, das Bedrohungsszenario mit eingestreuten Gulag-Referenzen düster dräuend aufzuladen: "Wenn du die Wahrheit über Amerika erfahren willst, liest du ein Buch. Wenn du sie über Russland wissen willst, hol dir eine Schaufel." Der Wodka fließt, die Staatsbediensteten werden etwas ruppiger, jemand ruft "Das ist Russland!" - und alle fürchten sich. Die Heroin-Matroschkas, die dann noch ins Spiel kommen, sollen in diesem Dickicht aus Russland-Klischees vermutlich eine Art selbstironischer Absicherung darstellen.

Die auch handwerklich auffällige Mittelmäßigkeit des Films zeigt sich beispielsweise daran, wie die Regie auf jeden Inszenierungseinfall verzichtet, der das Innenleben der Waggons in einen halbwegs unter Genredruck stehenden Erzählraum transformieren würde. Ein Panic Room sieht jedenfalls anders aus.

Brad Anderson galt manchen nach The Machinist (2006) als zu beobachtende Nachwuchshoffnung im amerikanischen Independent-Segment - obwohl er damals schon 42 Jahre alt war. Relativ kontinuierlich arbeitet der Regisseur für das US-Fernsehen, wo er unter anderem zwei Folgen der grandiosen Baltimore-Serie The Wire inszeniert hat - und kürzlich die erste Episode der neuen J.J. Abrams Serie Fringe. In welche Richtung seine Kinokarriere gehen könnte, ist nach einer nichtssagenden Arbeit wie Transsiberian jedoch einigermaßen unklar.

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