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Kultur : Schwarzer Sommer auf dem Lande

Götz Spielmanns Film "Revanche" ist ein Beitrag aus dem Rächer-Genre. So ausdrucksvoll geschwiegen wurde schon lange nicht mehr

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In Österreich herrscht Euphorie. Nachdem Die Fälscher im vergangenen Jahr den Oscar für den besten „fremdsprachigen“ Film erhalten haben, ist erneut ein österreichischer Film in die engere Auswahl gelangt: Revanche von Götz Spielmann. Nun gehört Spielmann gewiss zu den begabtesten österreichischen Filmregisseuren. Mit der Abschlussarbeit Vergiss Sneider! hat er 1987 ein fulminantes Debüt präsentiert. Dass er über Jahre hinweg mit geringer Resonanz auch bei jenen, die jetzt jubeln, um Förderung angesucht hat und seitdem gerade fünf Kinofilme realisieren konnte, bleibt ein Skandal. Ob Revanche das Meisterwerk ist, das die Oscar-Jury adelt, ist eine andere Frage.

Der bereits mehrfach ausgezeichnete Film ist, wie der Titel ankündigt, oberflächlich betrachtet ein Beitrag zum ausgelutschten Rächer-Genre. Ein Outsider, dessen Freundin, eine ukrainische Prostituierte, beiläufig am Rande eines Banküberfalls von einem Polizisten erschossen wird, will seinerseits den Mörder töten. Die Qualität des Films liegt in der Inszenierung einer melancholischen Einsamkeit, vor allem im zweiten Teil des Films, nach einer eher reißerischen Exposition mit dem unvermeidlichen Hanno Pöschl als schmierigem Bordellbesitzer. In den besten Momenten kommt Spielmann an die Stimmung des film noir heran, wenngleich die Farbbilder von Martin Gschlacht (Kamera) bisweilen fast ländliche Heiterkeit ausstrahlen.

Dass Österreich über hervorragende Schauspieler verfügt, ist bekannt. Johannes Krisch in der Hauptrolle des Alex ist eine Ent­deckung. Wer ihn im Burgtheater gesehen hat, muss von seiner Präsenz, der Authentizität seiner Körpersprache und der sozialen Charakterisierung der Figur beeindruckt sein. Spielmann und Krisch nutzen, was im Film besser gelingt als im Theater: Sprachlosigkeit. So ausdrucksvoll geschwiegen wurde lange nicht. Zur Qualität von Revanche gehört auch die Zeichnung des Großvaters (Hannes Thanheiser), bei dem Alex Zuflucht findet. Im Porträt des eigensinnigen alten Mannes arbeitet Spielmann fast dokumentarisch und erinnert an Filme jenseits des Mainstreams wie Yves Yersins Kleine Fluchten (1979) aus der Schweiz.

Gegen Ende droht Revanche ins Didaktische auszugleiten, zu einem Plädoyer auf Racheverzicht zu werden, was moralisch lobenswert, dramaturgisch aber verhängnisvoll wäre. Immerhin enthält das Drehbuch, das Spielmann wie immer selbst geschrieben hat, ein paar Volten, die dem Schema interessante Ambivalenzen beifügen. So etwa, wenn der Polizist, ohne zu wissen, mit wem er spricht, die Frage stellt, warum der Bankräuber, also Alex, seine Freundin überhaupt mitgenommen habe und so an deren Tod mitschuldig sei. Ein ironischer Aspekt, der nicht überstrapaziert wird, liegt darin, dass Alex die Frau des zeugungsunfähigen Polizisten, also des Mörders seiner eigenen Freundin und des angepeilten Opfers der Rache, schwängert und dem „Feind“ so zu Nachwuchs verhilft. Dass zwei österreichische Filme in Reihe den Oscar erhalten, ist eher unwahrscheinlich. Bleibt die Frage, warum es nicht ohne patriotischen Irrsinn geht.

Revanche Regie: Götz Spielmann, Filmstart: Donnerstag, 12.02.2009

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