Kultur

Komödie | 25.07.2009 17:00 | Matthias Dell

Gestatten, Bestatter

Wer Ghana aus dem Fernsehen kennt, wird es in King Ampaws Film "No Time To Die" vielleicht nicht wieder erkennen, obwohl es anfangs so aussieht wie im Fernsehen

Trockener Boden, bunte Kleider, Fußball spielende Kinder, Wasser schöpfende Frauen, gefilmt auf Videomaterial, dessen Flächigkeit den Eindrücken zu widersprechen scheint, die wir mit dem Kino verbinden. Was den Blick des Zuschauers aber rasch irritiert, ist schon der Umstand, dass der Film nicht an der Grenze der Bilder und den damit von hier aus assoziierten Problemen halt macht, sondern sich in die Welt dieser Bilder begibt.

Dort gibt es eigene Probleme. Asante (David Dontoh) ist Leichenbestatter, und Leichenbestatter ist ein Beruf, der die Herzen unverheirateter Frauen und ihrer Väter nicht höher schlagen lässt. Auf dem Weg zur Arbeit begegnet Asante einem blinden Seher, der ihm verspricht, an diesem Tage die Frau seines Lebens kennen zu lernen. Also entdeckt Asante in Esi (Agatha Ofori), die ihre verstorbene Mutter beerdigen will, die Auserwählte. Er übernimmt den Auftrag, gleichwohl der Chef andere Pläne hatte: Leichenbestatter mögen privat nicht zu den beliebtesten Figuren gehören, die Geschäfte aber gehen gut. "Die Leute sterben wie die Fliegen."

Lockerer Umgang mit der Mythologie

Die Tour mit Esi führt Asante und seinen findigen jugendlichen Assistenten Issifu (Issifu Kassim) in die eigenwillige Bestattungskultur des Volks der Ga. Zu der gehören originelle Sargkonstruktionen, unter denen sich Esi für ein Modell in Flugzeugform ("Heaven Airlines") entscheidet. Außerdem ist das Begräbnis ein wirtschaftlich hoch stehendes Ritual: Ihr Beileid bekunden die Trauergäste durch Geldspenden, die für den lustigen Witwer Owusu (Kofi Bucknor) den Tod der Frau zu einem ordentlichen Geschäft machen.

In dieser Verbindung des Emotionalen mit dem Ökonomischen hat No Time To Die seinen Konflikt: Wo alle Beziehungen finanziell motiviert sind, gedeiht die Liebe langsam. Als Asante aus Gründen, die sich dem jungen Issifu noch verschließen, nach getaner Arbeit nicht wieder abreisen, sondern einen weiteren Tag beim Begräbnis (und Esi) bleiben will, fragt der Junge: "Hat sie denn genügend Geld für den zweiten Tag?" Als Asante die Miete für den Leichenwagen spendet als Beileidsadresse, fängt Issifu zu weinen an – wobei der Junge weniger gerührt zu sein scheint von der Geste an sich als von dem Geldwert, in dem sie zum Ausdruck kommt.

No Time To Die ist eine muntere Komödie, der weniges fremd ist. King Ampaw lässt Kalauer nicht aus (auf dem Leichenwagen steht "No Time To Die" und der Firmenname "Dead On Wheels Ent.", auf dem Auto von Esis Tanzgruppe "Life Goes On"), pflegt einen lockeren Umgang mit der Mythologie (Seher, Wahrsager) und inszeniert seine Darsteller in einer Weise, die ihre Herkunft vom Theater deutlich hervortreten lässt.

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Ein schöner Witz ist der deutsche Fahrradtourist, der in voller Montur bei der Rast unter einem Baum verstorben ist. Die fremde Leiche sorgt im umliegenden Ort führt ratlose Aufregung, die leuchtende Active Wear beim hiesigen Zuschauer dagegen für Wiedererkennungseffekte.

 
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