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Generation rechts?

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Kultur : Das Theater als Quell ewiger Jugend

Die Babyboomer-Generation hat das Theater fast völlig übernommen. Alte Kampflinien sind nicht mehr zu halten, denn die Regiesseure von heute setzen auf Versöhnung

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Lange nicht mehr hat im Theater ein solches Stühlerücken in Intendantenzimmern stattgefunden wie vor Beginn der neuen Spielzeit. Die Schweizer Regisseurin Barbara Frey ersetzt den Zürcher Chef Matthias Hartmann; der wiederum wechselt nach Wien ans Burgtheater, dessen ­interimistischer Leiter Joachim Lux das Hamburger Thalia Theater übernimmt und den dortigen Intendanten Ulrich Khuon ablöst, der nach Berlin ans Deutsche Theater wechselt, von wo Chefdramaturg und Interimschef Oliver Reese nach Frankfurt/Main geht. Zudem werden die Intendanzen in Dresden (Wilfried Schulz) und Hannover (Lars Ole Walburg) neu besetzt.

Damit ist der Generationenwechsel im Theater endgültig vollzogen. Bis auf ein paar Relikte wie Claus Peymann sind die 68er verschwunden, die Babyboomer haben die Macht übernommen. Fast durchweg in den Vierzigern, Kinder des Wirtschaftwunders und der Bundesrepublik, gehören sie einer Generation an, die nicht mehr die gesellschaftliche oder politische Konfronta­tion sucht, sondern auf Einvernehmen setzt. Künstlerisch gibt es keine Kampflinien mehr zu halten. Motto ist eher die allseitige Anschlussfähigkeit, die von der freien Szene bis zur Hochglanz­avantgarde eine Art ästhetischer multitude konstituiert und dem Zuschauer als kulturellem Allesfresser sein Mischfutter hinwirft.

Das Intendantenkarussell zeigt aber auch: Ähnlich wie in der Wirtschaft haben Frauen im Theater wenig Chancen auf eine Leitungsfunktion. Die Quote taugt im Theater allenfalls als bühnenträchtiger Debattenzauber, der aber die eigene Struktur nicht im Mindesten berührt. Und wenn Frauen die Thronbesteigung gelingt, müssen sie sich wie Barbara Frey (oder Karin Beier in Köln und Amélie Niermeyer in Düsseldorf) zunächst als Regisseurinnen bewiesen haben. Die Leitung eines Theaterbetriebes allein aufgrund von Führungsqualität und künstlerischer Richtlinienkompetenz traut man Frauen kaum zu. Bezeichnenderweise bekam Elisabeth Schweeger als frühere Intendantin des Frankfurter Schauspiels kein Anschluss­engagement.

Mit der Verjüngung der Chefetagen geht seit Jahren eine stetige Verjüngung der Ensembles einher. Demografischer Wandel? Die älteren Schauspieler ­haben vor allem in den mittleren und kleinen Theater weitgehend ausgedient. Dabei spielen finanzielle Aspekte eine wichtige Rolle, weil die Gehälter junger Schauspieler niedriger sind als die der alten. Auf diese Weise prägt das Theater eifrig das öffentliche Bild einer ewig juvenilen Gesellschaft und richtet im Gegenzug Altenclubs ein.

Ästhetisch sorgt die dauernde Jugendlichkeit des Theaters nicht für Aufregung. Regisseure um die 30 wie David Bösch, Jette Steckel, Julia Hölscher oder Jan Bosse sind generationsübergreifend kompatibel. Die Keule „Regietheater“ verfehlt sie um Längen. Die Jungen von heute haben sich mit den Texten des Kanons arrangiert, ohne sich ihnen sklavisch zu unterwerfen. Daneben agiert Christoph Schlingensief, der für seine Kirche der Angst allseits Ovationen erhielt, oder Rimini Protokoll mit seinen globalen Alltagsexpeditionen.

Womöglich nimmt die Kunst Züge dessen an, was Habermas deliberative Demokratie nannte: In einem Akt der Integration mutiert jede Bühne zu einer kleinen ästhetischen Zivilgesellschaft, die ihre vielfältigen Entwürfe als theatral ausdifferenzierten Meinungsstreit verkauft – bis hin zur Austauschbarkeit. Nicht alles, was für die Politik taugt, muss in der Kunst funktionieren.


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