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Kultur : Gegen das Gerede vom Ende des Buches

Kleine Verlage, große Bühne. Das Literarische Colloquium Berlin bot 20 Independent-Verlagen die Möglichkeit, ihre Bücher und Autoren einem breiten Publikum vorzustellen.

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Es gibt kaum einen schöneren Ort für solch eine Veranstaltung als das Literarische Colloquium in Berlin. Man flaniert durch die herrschaftlichen Räume, lauscht den Autoren und Verlegern auf der Bühne, entspannt sich auf der Terrasse mit einem Glas Wein, lässt den Blick über den Wannsee schweifen, schmökert danach in der bunt gemischten Welt der Bücher und freut sich über so manch eine literarische Entdeckung jenseits des Mainstream und der großen Publikumsverlage.

Zum fünften Mal hat das LCB am vergangenen Sonnabend 20 Independent-Verlage zu einem Gartenfest in ihre Villa am Wannsee eingeladen. Jeder Verlag hatte fünfzehn Minuten Zeit, um sich auf der Lesebühne vorzustellen und zudem einen Stand, an dem das Publikum die Bücher der jeweiligen Verlage entdecken und erforschen konnte.

Und zu entdecken gab es wahrlich genug. Der Verlag Voland Quist aus Dresden veröffentlicht zum Beispiel hauptsächlich Lesebühnenliteratur, Spoken Word Lyrik wie die „Surfpoeten“ und Romane junger kroatischer Autoren, von denen man insbesondere Edo Popović großartiges Buch Ausfahrt Zagreb-Süd gelesen haben sollte. Der Zürcher bilgerverlag zeigt, dass die Schweizer Literaturszene mehr als Martin Suter und Urs Widmer zu bieten hat. Der kookbooks Verlag von Daniela Seel besticht durch das außergewöhnliche postmoderne Design seiner Bücher. Die Romane und Lyrikbände dieses Verlags sind so schön gestaltet, dass man sie alleine wegen ihrer künstlerischen Ästhetik kaufen und lesen möchte. Matthes Seitz aus Berlin hat in diesem Jahr damit begonnen, das mehrtausendseitige Werk des Insektenforschers Jean-Henri Fabre zu verlegen, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die wahrscheinlich poetischsten und schönsten Tierbeschreibungen verfasst hat, die jemals geschrieben wurden. Und die Edition supposé hat sich gar ganz vom geschriebenen Wort entfernt, um mit ihren faszinierenden Hörproduktionen an die orale Tradition in der Literaturgeschichte anzuknüpfen.

Führende Wissenschaftler aus der Evolutionsbiologie, der Klimaforschung und der Neuropsychologie erklären in freier und verständlicher Rede ihre Forschungsgebiete, im Originalton hört man Interviews und Vorträge von Werner Heisenberg, Albert Einstein sowie Max Planck und Autoren wie Peter Kurzeck erzählen, wie zum Beispiel in "Ein Sommer, der bleibt", ganz ohne Manuskript Geschichten wie früher am Lagerfeuer, die als eigenständige Hörproduktionen die zeitgenössische Literatur als neue Form bereichern.

Im Verlauf des Tages waren ein paar hundert Besucher zum LCB gekommen, um solche und andere Entdeckungen aus der Welt der Kleinverlage zu machen. Und ihr Besuch hat sich gelohnt. Der Buchmarkt ist in den letzten 15 bis 20 Jahren durch fallende Druckkosten, direkte Vertriebswege und dem Medium Internet vielfältiger und pluralistischer geworden. Die Covergestaltungen und Themenbereiche der Kleinverlage sind kreativ und eigenwillig, vermitteln bereits auf den ersten Blick eine Stimmung von Aufbruch und Experimentierfreude. In den Lesungen und den Gesprächen mit den Autoren und Büchermachern zeigte sich ein enormer Idealismus und eine verspielte Lust auf das Neue in der Literatur. Einmal mehr hat dieser Tag am Wannsee gezeigt, dass das Gerede vom Ende des Buches ein Mythos ist.

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