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Kurzschluss

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Kultur : Sandstein des Verhaltens

Alice Schwarzer, Bascha Mika, Kristina Schröder: Über Kinder, Küche und Karriere wird viel schwadroniert. An den Verhältnissen hat sich dagegen kaum was geändert

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Junge Männer, die bei der Bundeswehr ausbüchsen, werden von den Feldjägern zurückgeholt. Zeigen sie gar Feigheit vor dem Feind und deser­tieren, blüht ihnen noch Schlimmeres. Ein Standrecht für junge Evas, die sich konfliktscheu ins Private verabschieden, statt sich sozusagen Gewehr bei Fuß auf dem Schlachtfeld des Lebens durch­zusetzen und den Jungs die Top-Jobs ab­zujagen, gibt es nicht. Immerhin aber einige feministische Polizistinnen, die die rote Kelle schwingen und die Mädels aus der Kuschelecke scheuchen.

Von Alice Schwarzer ist man’s gewohnt. Unterstützt wird sie nun von ihrer Biografin, der ehemaligen taz-Chefredakteurin Bascha Mika, die demnächst auf dem Buchmarkt mit einer steilen These aufwarten wird: Frauen sind feige. Sie sind nicht nur Teil der Lösung, sondern Teil des Problems, sagt sie, dass es mit der Emanzipation hierzulande nicht richtig vorangeht, dass sich Frauen beim Aufstieg „verstolpern“ und dann letztlich doch in der Familienetappe hängen bleiben: abhängig und perspektivisch arm. Haben wir dafür gekämpft, dass eine Frauenministerin den „kleinen Unterschied“ wieder groß redet und Verständnis zeigt für Frauen, die sich, wie sie kürzlich zu Protokoll gab, „die Bedingungen der heutigen Arbeitswelt nicht antun wollen“?

Die Frauenbewegung ist tot, es lebe der Feminismus. Noch nie wurde in Deutschland so viel über Kinder, Küche und Karriere schwadroniert. Nachdem die staatlichen Segnungen – Elternzeit und Elterngeld – weder die Geburtenquote haben ausschlagen lassen noch „Spitzenväter“ hervorgebracht haben, der Durchmarsch der Feministinnen andererseits aber auch die Unternehmenskultur nicht umgekrempelt hat, herrscht allgemeine Ratlosigkeit. Ziehen sich Frauen mittlerweile wieder auf die Opferrolle zurück, tappen sie in die Rollenfalle, weil sie zu feige sind, den Konflikt mit Männern durchzukämpfen, wie Mika kürzlich vor einem Kreis liberaler Frauen vortrug? Und überdies den Männern das Familiennest gar nicht überlassen wollen? Von Selbstbetrug spricht die Karrierefrau, und von Bequemlichkeit.

Do it yourself

Doch liegt der „Selbstbetrug“ woanders. Die Frauen waren ja einmal aufgebrochen, um die Verhältnisse zu ändern. Die zeigten sich graniten, und modelliert wird nun am Sandstein des Verhaltens. Dass so auffallend viel von Erziehung die Rede ist, als ob der Feminismus ein didaktischer Großversuch gewesen wäre, an dessen Scheitern die Frauen selbst Schuld trügen, ist dafür bezeichnend.

Deshalb handelt es sich bei der frauenpolitischen Wachablösung nicht nur um eine der Generationen. Ob eine konservative Kristina Schröder den Frauen nun die Familie schmackhaft machen oder die emanzipatorisch-liberal gesinnte Fraktion das Kinderkriegen mit der weiblichen Karriere amalgamieren will: Entscheidend ist, dass die einzelne, toughe junge Frau dafür verantwortlich gemacht wird, ihre „Potenziale“ aus­zuschöpfen für einen Markt, der gierig Nachwuchs und Qualifikation fordert.

Allerdings: Erst wenn alle Berufspositionen quotiert besetzt würden, ließe sich abschätzen, wie nachhaltig Frauen und „weibliche“ soft skills die Arbeits­­-welt umzumodeln imstande sind. Ob dann von einem „großen Unterschied“ gesprochen werden müsste oder ob die auf diese Art feminisierten Arbeits­-plätze an Wert verlieren, wie misogyne Maskulisten befürchten, bleibt abzu­warten. Vielleicht müssen wir uns dann zu­künftig mit der Frage befassen, ob Männer zu feige sind, es mit der weiblichen Konkurrenz aufzunehmen.


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