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Kultur : Mr. Darcy und die Zombies

Folgen eines "Mash-Ups": Jane Austens Roman „Stolz und Vorurteil“ wird von Untoten heimgesucht

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Dem deutschen Feuilleton ist in diesem Jahr ein Buch glatt durchgerutscht, obwohl es Aufsehen erregend genug ist und in den USA und in Großbritannien 2009 zum skandal­trächtigen Bestseller wurde. Wahrscheinlich liegt es daran, dass das Werk hier nicht gebunden auf den Markt kam – die Verlagsvorschauen für Taschenbücher schmeißen hiesige Kulturradakteure gleich zum Altpapier. Stolz und Vorurteil und Zombies dürfte puristische Liebhaber britischer Literatur ohnehin in den Wahnsinn treiben. Etwa 85 Prozent des Textes sind deckungsgleich mit Jane Austens mittlerweile zehn Mal verfilmtem Roman über die kleinbürgerliche Heiratsindustrie in der Regency-Epoche Anfang des 19. Jahrhunderts. Den Rest fügte ein kalifornischer Fernsehproduzent namens Seth Grahame-Smith hinzu: jede Menge Zombies, die über die schön gemähten, saftigen Wiesen im Herzland des britischen Empire taumeln, um den Lebenden fleißig die Hirne auszusaugen. Dieser literarische Popkultur-Hybride, im Fachjargon Mash-Up genannt, gilt vielen im englischsprachigen Raum als späte Rache an der verhassten Schullektüre. Auf deutsche Verhältnisse übertragen, wäre er mit einer Holzpflock schwingenden und Vampire schlachtenden Iphigenie auf Tauris vergleichbar.

Lektion im Kickboxen

Dabei ist es wirklich verblüffend, wie gut sich die Horden von Untoten in diesen Roman einfügen, dessen Sozialkritik aus heutiger Sicht gerade mal homöopathische Dosen erreicht. Der latente Feminismus der heiratswilligen Töchter wird um einiges direkter und im Sinne des Wortes kämpferischer, wenn sie mit dem Schwert in der Hand durch die Landschaft turnen und Dutzenden von Zombies die Köpfe abschlagen. Und die gute Elizabeth Bennet, in der jüngsten Verfilmung von Keira Knightley dargestellt, verpasst dem arroganten Mr. Darcy eine Lektion im Kickboxen, als er ihr seinen frechen Heiratsantrag macht. Aber auch die Schichtzugehörigkeit lässt sich an den Kampfeskünsten ablesen. Der Adel lernt das Zombieschlachten im japanischen Kyoto, das Bürgertum kann sich nur das chinesische Shaolin-Kloster leisten. Und wie damenhaft eine junge Dame wirklich ist, zeigt sich, wenn sie sich nach der stets umkämpften Kutschfahrt sorgsam die verfaulten Leichenteile der Untoten von den Röcken puhlt, bevor sie das Haus des Nachbarn zum Fünf-Uhr-Tee betritt. Wegen der grausigen Monster, die England am Vorabend der Industrialisierung heimsuchen, müssen sich die wohlerzogenen Herrschaften immer wieder übergeben: diskret in den Lederhandschuh oder einfach in die Zimmerecke. Und die feschen Soldaten, die den jungen Damen den Kopf verdrehen, sind Teil einer Großoffensive gegen Satans Heerscharen.

Die dreiste Bearbeitung des Stoffes ist so erfolgreich, dass es von Stolz und Vorurteil und Zombies bereits eine Graphic Novel und bald ein Computerspiel gibt, und das Buch noch in diesem Jahr verfilmt wird – produziert von Natalie Portman, mit Scarlett Johansson als schlachtende Super-Schwertkämpferin Elizabeth. Während Seth Grahame-Smith längst noch einen drauf gesetzt hat: Er kreuzte Abraham Lincolns Tagebücher mit einer Vampir-Geschichte. Diesmal sind die Untoten die Sklavenhalter aus dem Süden.


Stolz und Vorurteil und ZombiesJane Austen und Seth Grahame-Smith Heyne-Verlag, 475 S., 8.95

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