Empfehlung der Woche

Meine Liebe stirbt nicht

Meine Liebe stirbt nicht

Roberto Saviano

Hardcover, gebunden

400 Seiten

26 €

Zur Empfehlung
European Media Art Festival № 39

European Media Art Festival № 39

An Incomplete Assembly

Festival vom 22. bis 26. April 2026

Ausstellung vom 22. April bis 25. Mai 2026

in Osnabrück

Zur Empfehlung
DJ AHMET

DJ AHMET

Georgi M. Unkovski

Tragikomödie

Nordmazedonien

99 Minuten

ab dem 19. März im Kino!

Zur Empfehlung
An die Substanz. Bauhaus Dessau 100

An die Substanz. Bauhaus Dessau 100

Bauhaus Dessau

Glas | Beton | Metall (28.3.26–10.1.2)

Bauhausgebäude [Gropiusallee 38, Dessau]

Algen | Schutt | CO2 (28.3.–27.9.2026)

Ehemaliges Kaufhaus Zeeck [Kavalierstraße 72, Dessau]

Zur Empfehlung

Kultur : Pretty Woman mit Musik

Der avisierte Blockbuster "The Tourist“ von Florian Henckel von Donnersmarck ist genau so schlecht wie "Das Leben der Anderen" - nur anders

Zum Kommentar-Bereich

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Share Icon
Jetzt kostenlos testen

Der Film The Tourist ist ein Thriller mit romantischen Anklängen und altmodischer Anmutung, der sich großzügig dem Subgenre des Heist-Movies zurechnen lässt, bei dem es um Planung und Durchführung eines trickreichen Raubes geht.

Zuerst ist The Tourist, wie das gesteigerte Interviewaufkommen der letzten Wochen illustriert, der zweite Spielfilm von Florian Henckel von Donnersmarck, dazu in Hollywood, mit großen Namen (Angelina Jolie, Johnny Depp) und an exquisiten Schauplätzen (Paris, London, vor allem Venedig) realisiert. Florian Henckel von Donnersmarck, wer erinnert sich nicht, ist jener junge Mann von eindrucksvoller Gestalt und noch eindrucksvollerer Physiognomie, der 2006 mit Aplomb sein Debüt Das Leben der Anderen in die deutschen Kinos brachte.

Begeisterte Filmkritiker wie Joachim Gauck oder Thomas Brussig erinnerten sich angesichts der DDR-Stasi-Dissidenten-Schmonzette, dass sie all die Jahre immer nur auf den einzig gültigen Film über das So-war-Es ihrer DDR-Empfindung gewartet hatten, und erklärten diese Tätigkeit im gleichen Atemzug für beendet. Der Furor, mit dem Das Leben der Anderen in die gesamtdeutsche DDR-Wahrnehmung einmarschierte – so dass alle Kinder, die das Pech haben, nach 2006 Geschichtsunterricht zu bekommen, sich die DDR als das Leben der Anderen vorstellen müssen –, erklärte sich in nicht unbeträchtlichem Maß aus einer geschickten Medienkampagne, die nicht mal vor der Verhurung der Biografie von Ulrich Mühe auf dem Straßenstrich des Boulevards haltmachte.

Große Leere

The Tourist hat nun nichts, was sich derart aufladen ließe. Wenn es an diesem harmlosen Nichts irgendetwas gibt, das zum Diskurs taugen könnte, ist es das Hollywood Audrey Hepburns: Angelina Jolie darf sehr schön aussehen. Selbst als Magersuchtkritiker wird man nicht umhinkommen, ihre anorektisch präparierten Gesichtszüge zu bewundern, die nur eine Kamera auf dem schmalen Grat zwischen überirdischer Schönheit und problematischer Pathologie einfangen kann. Außerdem trägt Angelina Jolie als Geheimagentin und Flüchtigengeliebte sehr schöne Kleider, sehr schönen Schmuck und sehr beeindruckende Frisuren.

Um Angelina Jolie herum aber ist dieser Film von einer großen Leere: die öde Beschwörung einer Kino-Ära, in der die Frauen schön und geheimnisvoll sein mussten, die Bösewichter Karikaturen des Hässlichen und Ungehobelten, und nur die Männer nicht aussahen wie Johnny Depp. Vielleicht ist das der Grund, warum sich das Verhältnis zwischen den Figuren von Jolie und Depp nicht füllen will mit jenen romantischen Sehnsüchten, für die man noch heute ins Kino geht. Mit seiner gebremsten Action wirkt The Tourist in manchen Momenten wie ein retardierter Teil zur James-Bond-Serie (Timothy Dalton hat auch eine Rolle), in anderen ob der pausenlosen Musik, die wie ein überforderter Oberkellner Gefühle von Mann zu Frau und zurück zu bringen versucht, wie ein Soundtrack ohne Film.

Was bleibt, ist reine Mechanik. Eine Mechanik, die auch übrig bleibt, wenn man die DDR-PR von Das Leben der Anderen abzieht, wobei man Donnersmarcks Debüt zugute halten muss, das es immerhin noch in einem Versöhnungskitsch resultiert, der sich problemlos an Eichingers Untergang anschließen lässt.

Vermutlich wird The Tourist als Musikfilm von der Filmgeschichte vergessen werden.

sticky banner image

Pünktlich zum Osterfest – 35 Tage gratis

der Freitag digital mit Zugang zu allen Artikeln auf freitag.de inkl. F+