Empfehlung der Woche

Der Teufelspakt

Der Teufelspakt

Sebastian Haffner

Hardcover, gebunden

224 Seiten

24 €

Zur Empfehlung
Klavier-Festival Ruhr 2026

Klavier-Festival Ruhr 2026

Katrin Zagrosek (Intendantin)

7. Mai bis 21. Juli 2026

In 17 Städten zwischen Dinslaken und Wuppertal, Düsseldorf und Hagen!

Zur Empfehlung
Die reichste Frau der Welt

Die reichste Frau der Welt

Thierry Klifa

Satire

Frankreich, Belgien 2025

121 Minuten

Ab 23. April 2026 im Kino!

Zur Empfehlung
Intermezzo. Revisiting Helmut Newton

Intermezzo. Revisiting Helmut Newton

Helmut Newton Foundation im Museum für Fotografie

Jebensstrasse 2
D | 10623 Berlin

Ab 24. April. 2026!

Zur Empfehlung

Kultur : Das funktionierende Chaos

Mit "Afropolis" zeigt das Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln die modenerne, urbane Seite der afrikanischen Kunst - und erfindet sich als modernes Völkerkundemuseum neu

Zum Kommentar-Bereich

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Share Icon
Jetzt kostenlos testen

Afrika ist seit jeher Objekt und Opfer eines undifferenzierten Blicks: Afrika ist arm, hungrig, krank, korrupt, chaotisch. Oder exotisch, primitiv, wild, lüstern, erotisch. Dass es eine afrikanische Moderne gibt, die mit diesen stereotypen Bildern nichts zu tun hat, wissen wir nicht, weil wir deren Bilder nicht kennen.

In der Kölner Ausstellung Afropolis. Stadt, Medien, Kunst sind solche anderen Ansichten jetzt zu sehen. Etwa die große Installation, die Kgafela oa Magogodi, südafrikanischer Autor und Spoken-Word-Künstler, gemeinsam mit der Filmemacherin Jyodi Mistry mitten im dämmrigen Ausstellungsraum platziert hat: Unter einer Art Riesenpilz stehend hört man ein im Stakkato vorgetragenes Gedicht, konkrete Poesie, die untermalt wird von Musik und begleitet von einer Collage aus Filmbildern einer Performance, fotografierten und gemalten Stadtansichten. Itchy City ergibt auf diese Weise einen Fluss aus Beschreibung und Assoziation ohne Punkt und Komma, ein atemloses, ironisches Porträt von Johannesburg.

Die Schau Afropolis bilanziert die urbane Kunstproduktion der letzten Jahre in den rasant wachsenden afrikanischen Megacities: Lagos, Kairo, Nairobi, Kinshasa und Johannesburg werden nicht nur wissenschaftlich dargestellt, sondern repräsentieren sich in 30 künstlerischen Positionen auch selbst – eine Praxis, die für ein einstiges Völkerkundemuseum eher ungewöhnlich ist, bestand doch dessen Aufgabe darin, Kulturäußerungen und Artefakte aus einer ethnologischen Perspektive von außen zu untersuchen. Das im letzten Jahr in einem Neubau wiedereröffnete Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln trägt nun den Zusatz „Kulturen der Welt“ im Namen.

Im gelben Danfo durch Lagos

Im Zentrum von Afropolis stehen Werke über soziale Netzwerke, kulturelle Zusammenhänge und Strategien der Selbstermächtigung: nicht als Illustration, sondern als eigensinnige Äußerungen. Dabei erzählen die Arbeiten davon, wie Architektur mit politischen Gesten und einem alltäglichen Leben verknüpft ist. Die ägyptische Künstlerin Hala Elkoussy etwa richtet ihren Blick auf die vermeintlich banalen Aspekte gemeinschaftlichen Lebens. In ihrer wie ein Kino eingerichteten Videoinstallation We are by the sea now wird Kairo zur Kulisse für unzählige persönliche Anekdoten der Bewohner, die im Film zu Wort kommen. Fast nebenbei erfährt man, dass die Träume und Sehnsüchte der Menschen in Kairo nicht so anders sind als die eigenen.

Emeka Ogboh fängt Fragmente des städtischen Klangs ein, wenn er mit seinem Mikrofon in den gelben Minibussen von Lagos, genannt Danfos, unterwegs ist. Lautes Hupen, Händler, die ihre Waren anpreisen, lokaler Hip-Hop aus schepperndem Radio, Gerede am Handy, die laute Stimme des Busfahrers. Auf den ersten Blick scheint Lagos by Bus die stereotypen Vorstellungen einer bunten, lauten afrikanischen Realität zu bedienen, auf den zweiten dementiert er sie, indem der bunte Lärm als überschaubares und lebbares Chaos schließlich eine funktionierende Ordnung repräsentiert.

Derart liefert Afropolis einen Ansatz, das Bild Afrikas hierzulande zu dekonstruieren – und auch die Rolle des Museums einer Selbstbefragung zu unterziehen, das an diesem Bild mitgewirkt hat.

Afropolis. Stadt, Medien, Kunst Rautenstrauch-Joest-Museum. Kulturen der Welt, Köln. Noch bis 13. März, der Katalog kostet 35 Euro, Informationen unter

afropolis.net

sticky banner image

35 Tage gratis zum 35. Geburtstag

der Freitag digital mit Zugang zu allen Artikeln auf freitag.de inkl. F+