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Die Stellenkürzungen bei der Frankfurter Rundschau beschneiden die Kompetenzen, durch die eine Tageszeitung sich noch vom Netz abheben kann: Erklären und Einordnen

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Die Frankfurter Rundschau löst Ihre Frankfurter Mantelredaktion auf und will knapp die Hälfte der momentan noch rund 190 Redakteure entlassen. 20 der verbleibenden sollen in der Redaktion der Berliner Zeitung aufgehen, welche fortan den überregionalen Teil der FR mitproduziert. Nur die Frankfurter Lokalredaktion soll erhalten bleiben. Die Schweizer Wochenzeitung (woz) spricht von einer „Zäsur in der deutschen Mediengeschichte“. Dabei handelt es sich um einen neuerlichen Höhepunkt einer Entwicklung, die seit mindestens zehn Jahren andauert.

Nach der Pressestatistik von Publizistikwissenschaftler Walter J. Schütz sind die Auflagen der deutschen Tageszeitungen bereits seit 1983 rückläufig. Besonders nach der Wiedervereinigung schrumpften die Auflagen nach einer kurzen Blüte der Zeitungsvielfalt stark von 27,3 Millionen auf 23,7 Millionen im Jahr 2001. Zunehmend macht seit der Jahrtausendwende auch das Internet den Zeitungen Konkurrenz und verschlingt zusätzlich Investitionen. Auf anderer Datengrundlage (inklusive der Sonntagsausgaben) sinken die Auflagen der Tageszeitungen laut IVW (Informationsgesellschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern) seit 2001 kontinuierlich weiter von etwa 28,4 Millionen auf aktuell nur noch 22,3 Millionen Exemplare pro Tag.

Die Verlage reagieren auf die rückläufigen Einnahmen meist mit Einsparungen. Redaktionen werden fusioniert oder unter veschlechterten Bedingungen für die Redakteure ausgelagert, oder gleich ganz dicht gemacht. Die WAZ-Gruppe, bei der gleich drei Zeitungen (Westdeutsche Allgemeine, Westfälische Rundschau, Neue Rhein-/Neue Ruhrzeitung) redaktionell fusionierten, oder Gruner + Jahr, wo vier Redaktionen (Financial Times Deutschland, impulse, capital, börse online) an einem „newsdesk“ vereint wurden, haben es in den letzten Jahren bereits vorgemacht.

Reduktion von Redundanzen, Nutzung von Synergieeffekten, Rationalisierung – was unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten das Mittel der Wahl zu sein scheint, führt bei den Tageszeitungen mit ihrer publizistischen Aufgabe erst Recht zur weiteren Marginalisierung. Dafür spricht etwa eine Untersuchung von Möhring und Stürzebecher, wonach besonders jene Zeitungen von Auflagenverlusten betroffen sind, die ihr Gebiet nur noch als Alleinanbieter ohne Konkurrenz versorgen. Und auch bei der FR haben alle Reformen – die Ausdünnung der Regional- und Lokalseiten, die Umstellung auf das Tabloid-Format – den Niedergang vermutlich eher beschleunigt. Naheliegend, wenn auch streng empirisch bisher nicht bewiesen ist, dass mit solchen Rationalisierungen Qualitätseinbußen oder auch nur das Unterlassen notwendiger Angebotsveränderungen einhergehen: Dass also die betriebswirtschaftlichen Schrumpfungen die Energie absaugen, die die Zeitung braucht, um attraktiver zu werden.

Das Internet kann und wird die Tageszeitung nicht ersetzen, aber es hat zu einer Funktionsverschiebung der Tageszeitung geführt. In puncto Aktualität kann sie nicht mit dem Netz mithalten. Dafür hat die Informationsvielfalt und -schnelllebigkeit des Internets womöglich geradezu ein neues Bedürfnis nach Orientierung und Hintergründen geweckt. Hier kann die gedruckte Tageszeitung klar im Vorteil sein, wenn sie ihr Profil darauf ausrichtet. Die Auflagenentwicklung der Wochenzeitungen, für die Orientierung und Hintergrund in noch stärkerem Maße Kernaufgaben sind, zeigt, dass sie das Schicksal vieler Tageszeitungen nicht teilen mussten oder sogar profitieren konnten.

Gerade die Kernkompetenz "Erklären und Sortieren" können die Tageszeitungen aber mit personell ausgedünnten und zentralisierten Redaktionen immer weniger erfüllen. Insofern wird die Frankfurter Rundschau bei diesem womöglich letzten Versuch, sich aus dem Krisensumpf zu strampeln, wohl nur noch tiefer einsinken und am Ende schlimmstenfalls ganz in der Bedeutungslosigkeit verschwinden.

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