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Kultur : Herbert Fischer-Solms geht

Die prominente Stimme der DLF-Sportredaktion stand für eine Berichterstattung, die Sport und Kommerz zu trennen wusste. Was die DLF-Sportredaktion wohl weiter tun wird

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Größe zeigt sich auch im Kleinen. In einer Morgensendung des Deutschlandfunks Ende April letzten Jahres präsentierte Herbert Fischer-Solms im Sportblock gegen 7.45 Uhr die sogenannte ARD-Hymne zur Fußball-WM in Südafrika – den Titel Come back as Heroes, über den man kaum sagen kann, dass ihm eine größere Wirkung zu Unrecht verwehrt ge­blieben ist. Zur Ankündigung des Lieds knurrte Fischer-Solms leidgeprüft: „Hat sich wohl nicht vermeiden lassen.“ Dann spielte er den Song an, um ihn nach zwei Takten wieder auszublenden mit der Bemerkung: „Das muss reichen.“ Spaß machte das Lied offenbar nur Christoph Heinemann, dem Moderator der Frühsendung, der den Sportmann mit Blick auf dessen nochmaligen Auftritt eine Stunde später mit den Worten verabschiedete: „Herbert Fischer-Solms, kehren Sie zurück als Held!“

Es mag ein launiges Detail sein. Aber das, wofür Fischer-Solms als prominenteste Stimme der DLF-Sportredaktion steht, lässt sich auch am Umgang mit der öffentlich-rechtlichen Selbstdarstellung zeigen. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie anders die beflissenen Frisöre des ARD-Sportfernsehens die eigene „WM-Hymne“ präsentiert haben werden – gut gelaunt, womöglich mit Gewinnspiel, jedenfalls in völliger Verkennung der Grenze zwischen Marketing und Journalismus.

Eine Plattform

Herbert Fischer-Solms verkörpert dagegen einen Sportjournalismus, der ein Bewusstsein von dieser Grenze hat. Die zunehmende Kommerzialisierung des Mediensports hat, fast möchte man sagen: zwangsläufig, eine Gegenreak­tion provoziert. Vor bald sechs Jahren traten aus dem Verband Deutscher Sportjournalisten zwei Dutzend Journalisten – darunter Fischer-Solms – aus, die ihren Beruf anders verstanden wissen wollten als die Event-Claqueure der mit viel Geld bezahlten Großereignisse im Fernsehen.

Nun ist „zunehmende Kommerzialisierung“ eine problematische Feststellung. Zum einen ist der Sport seit je ein kommerzieller Mediensport; die Tour de France wurde bekanntlich als Marketingmaßnahme einer Sportzeitschrift erfunden. Zum anderen hat die Kommerzialisierung etwa des Fußballs, deren Synonym eine Einnahmengewährleistungsmaschine wie die Champions League ist, zweifellos zu dessen Professionalisierung beigetragen.

Und doch ist es gut zu hören, dass die Sportredaktion des DLF ihre Arbeit als eine Plattform begreift, die beharrlichen Kritikern eine Stimme verleiht. Schon weil zum Sport mehr als Fußball gehört, aber auch weil der Sport mehr als Unterhaltung bietet. Die Sendungen am Wochenende sowie die Sportgespräche zeigen in hoher journalistischer Qualität auf, dass an einem derart komplexen System wie dem Sport auch Geschichte, Politik und Ökonomie interessieren müssen. Einwenden könnte man lediglich, dass der Zusammenhang von DDR und Staatsdoping allmählich verstanden worden ist.

Nach 39 Jahren geht Herbert Fischer-Solms Ende dieses Jahres in den Ruhestand. Vor einer Woche absolvierte er seinen letzten Auftritt am Morgen. Dirk Müller, neben Heinemann der andere große Ironiker des DLF-Zeitfunks, moderierte den Abtritt gebührend mit einer „Eilmeldung aus der DLF-Redaktion“ an, dass „nach Jahren, ach Jahrzehnten“ dies die letzte Sendung mit HFS, wie wir ihn einmal liebe- und respektvoll nennen wollen, gewesen sei. Fischer-Solms verabschiedete sich mit einem nüchternen „Danke“. Mit ihm verlässt den Hörer, nicht lange nach dem stimmlich hochtemperierten Peter C. Fischer, die charmante Gewissheit, dass für die pausenlose Arbeit der Kritik so manche Silbe unartikuliert bleiben musste.


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