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Kultur : Wie das Netz die eigenen Gerüchte zitiert

Wenn es im Fall Wulff um das vermeintliche "Vorleben" seiner Frau Bettina geht, will keiner sich öffentlich äußern. Keiner? Ein paar obskure Blogs bedienen die Gerüchteküche

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Am 18. Dezember bei Günther Jauch. Es ging um die Kreditaffäre des Bundespräsidenten, und irgendwann zitierte Jauch die Berliner Zeitung, die den Vorwurf erhob, die Bild-Zeitung würde Wulff mit dem Vorleben seiner Frau unter Druck setzen. Deren sonst so cooler stellvertretender Chefredakteur Nikolaus Blome dementierte so heftig, dass man sich vorsichtig fragte, ob vielleicht doch etwas dran sei an der Geschichte.

Wir leben im 21. Jahrhundert, also öffnet man den Webbrowser und tippt bei Google die Worte ein: „Bettina Wulff“. Sofort bietet die Suchmaschine über das Autovervollständigungsprogramm folgende Wortkombinationen an: Bettina Wulff und …Prostituierte, …Hitlergruß, …Artemis. Die Google Autovervollständigung ist als Suchhilfe gedacht und zeigt an, was die aktuell populärsten Suchbegriffe zusammen mit dem gewählten Begriff sind. Wir erfahren also: die meisten suchen zur Stunde nach dem Begriffspaar: „Bettina Wulff“ und „Prostituierte“. Klickt man nun auf diesen Suchbegriff eröffnet sich einem ein Meer an Blogs und Foren, die völlig enthemmt und haltlos über jene Frage spekulieren, zu der laut Blome Bild keine Informationen hat.

Bei der Lektüre der Einträge ist schnell klar: auch im Internet schreiben die meisten von einander ab. Und: vor allem die üblichen Verdächtigen – esoterische Verschwörungstheoretiker, mitteilungsbedürftige Rechtsradikale – verbreiten ihre Meinungen. Der Versuch einer Einordnung ergibt folgende Chronologie: Von Juni 2010 stammen die vermutlich ersten Kommentare zu der vermeintlichen Vergangenheit von Bettina Wulff. Der erste Blogeintrag datiert vom 23. Juni., der sich wiederum auf einen Artikel in der Hannoversche Allgemeine bezog, der nur kryptische Andeutungen machte. In der Folge tauchten im Netz wilde Spekulationen über Bettina Wulffs „Vorleben“ auf. Kolportiert werden einschlägige Etablissements wie „Artemis“ und „Chateau Schwanensee“ oder „Chateau Club“. Aber Beweise oder wenigstens Hinweise: Fehlanzeige. Die Medien und die Wulffs unternahmen nichts. Und im Netz wurde es ruhig.

Das bringt Klicks

Erst im Zuge der Kreditaffäre belebte der von Günther Jauch zitierte Artikel aus der Berliner Zeitung das Netz. Uwe Elsen, Betreiber der „News“-Seiten rentner-news.de („Von Rentnern für Rentner“) und Citynet-mv.de („Nachrichten aus dem Norden“) präsentierte Fotos von einer gewissen „Viktoria“, die als Prostituierte im Chateau gearbeitet haben soll. In Boulevard-Manier fragte Elsen zunächst, ob die Frau auf den Fotos die Frau des Präsidenten sei, um kurze Zeit später zu vermelden, aus „wissenschaftlicher Sicht“ stehe fest, dem sei nicht so. Das bringt Klicks.

Konkurrenz auf der Jagd nach Klickzahlen erhält er von einer Reihe anderer Blogs und von der erst kürzlich aufgegangenen Website firstlady-skandal.com. Die anonymen Autoren geben vor, „alle Ansichten und Artikel völlig wertfrei“ gegenüber zu stellen. Hier findet man auch den Hinweis darauf, dass in der 15-Uhr-Tagesschau vom 2. Januar Rainald Becker über den Anruf von Christian Wulff folgendes spekulierte: „(…) ging es dem Bundespräsidenten darum, die Berichterstattung über seinen Hauskredit (…) zu verhindern oder, und diese Variante wird inzwischen auch durchaus hier gehandelt, ging es darum, Berichterstattung über seine Frau, also Bettina Wulff und eine mögliche Vergangenheit zu verhindern, dafür spricht, dass der Bundespräsident, wohl in diesem Telefonat, nach allem was man hört, sehr aufgebracht war…”.

Auch Harald Schmidts Autoren scheinen sich im Internet umgeschaut zu haben, in seiner Parodie auf die Wulff-Rede am 21. Dezember sagte er: „Und welche Strumpfhosen meine Frau trägt, bleibt Victoria's Secret“.

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