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Kultur : Mal halb, mal ganz nackt

Das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt am Main zeigt, dass der Schotte Douglas Gordon mehr ist als ein Videokünstler

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Douglas Gordon gilt in der Regel als Videokünstler, aber das greift zu kurz. Denn die Arbeiten Gordons „beschränken sich nie auf ein Medium“, wie Susanne Gaensheimer schreibt, die Direktorin des Frankfurter Museums für Moderne Kunst, das dem 1966 geborenen, britischen Künstler ihre aktuelle Ausstellung widmet.

Gordon verbindet Film, Geräusche und Musik und realisiert mit raffinierter Kameraführung zwischen unscharfen Totalen und scharfen Nahaufnahmen pulsierende Bewegungsbilder im strikten Sinne. Am deutlichsten wird das Konzept in Gordons jüngster Filminstallation k.364 (2010). Der Titel bezieht sich auf Mozarts Sinfonia concertante für Violine und Viola mit der Nummer 364 des Köchelverzeichnisses. Der Film erzählt die Geschichte zweier israelischer Musiker, die von Berlin über Poznán nach Warschau reisen, um Mozarts Werk dort aufzuführen.

Aus Gesprächen während der Bahnfahrt wird deutlich, dass sich die befreundeten Musiker als Nachgeborene an die Geschichte ihrer Eltern unter dem Nazi-Regime ebenso erinnern, wie an die Vernichtung der Juden in den in Polen gelegenen Lagern. Der rund 50 Minuten lange Film konstruiert anrührende Bilder zur Nähe der Freundschaft der beiden Musiker und Mozarts vibrierender Harmonik. Die Verbindung zur deutsch-polnischen Geschichte wird zwar sprachlich hergestellt, findet aber verständlicherweise keine adäquate bildliche Realisierung. Schon der Anspruch, eine solche Realisierung zu wagen, wäre Ausdruck von Hybris.

Die aufwändige Filminstallation Henry Rebel beruht auf einer nie gedrehten Szene aus Denn sie wissen nicht, was sie tun von 1955, mit James Dean in der Hauptrolle. Auf zwei Leinwänden übereinander sieht man den mal halb, mal ganz nackten Schauspieler Henry Hopper, der seinen Körper mit einer Unzahl von roten Filzstiften so lange traktiert, bis er aussieht, als wäre er völlig von Blut überströmt. Der Schauspieler bewegt sich dabei mit verzerrten Bewegungen, atmet schwer und schreit gelegentlich wie ein Gefolterter. Das Material auf der oberen Leinwand wurde um 180 Grad gedreht, der Schauspieler agiert also mit dem Kopf nach unten. Die mehr als 90 Minuten lange Filminstallation ist eine einzige Orgie der Selbstgeißelung und der Selbstverstümmelung, die zwar für Momente eindringlich wirkt, insgesamt aber doch sehr berechenbar bleibt mit ihren kargen ästhetischen Mitteln und auf die Dauer nur langweilt.

Bereits häufig aufgeführt wurde die auf 18 Fernsehmonitoren reproduzierte Show Ein Held des 21. Jahrhunderts, in deren Mittelpunkt der französische Fußballstar Zinédine Zidane steht. Der Film zeigt synchron das Material von 17 Kameras sowie die gesendete Fernsehaufzeichnung und bietet so einen multiperspektivischen Blick auf die Realität. Nach wie vor beeindruckt die schon etwas ältere Videoinstallation Play Dead, Real Time (2003). Auf zwei Leinwänden ist ein dressierter Elefant zu sehen, der sich auf Befehl hinlegt, sich tot stellt und sich mühsam, aber nicht unelegant, wieder erhebt.

Weniger überzeugend als die Filme sind die ebenfalls ausgestellten 600 Bilder, Collagen, Zeichnungen, übermalten Fotos, Notizen und verspiegelten Selbstporträts Gordons, die in ihrer bunten Vielfalt – von Pin-up-Girls über Ulrike Meinhof bis zu Kaiser Karl V. – etwas beliebig erscheinen.

Douglas Gordon Museum für Moderne Kunst, Frankfurt. Bis 25. März, Katalog 35

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