Jede Geschäftsidee braucht ihre Geschichte, die des slowakischen Medienkonzerns Piano geht laut Gründer Tomas Bella so: Für eine reich klingende Melodie müssen verschiedene Klaviertasten angeschlagen werden, denn eine alleine macht noch keine Musik. Das kann man auch in einfachere Worte fassen: Bella hat Jahre als Print- und Onlinejournalist gearbeitet und will seine Erfahrungen nun zu Geld machen.
Seine Idee findet in der Slowakei bereits Anklang, ist nach Slowenien expandiert und wird schon als Antwort auf die größte Frage des Mediengeschäfts gehandelt: Wie verdient sich Geld im Internet? Bellas Klaviatur ist das ganze Presse-Angebot, in der Slowakei bündelt Piano exklusive Online-Inhalte von gut einem Dutzend Medien (Tageszeitungen, Wochenmagazine, ein Webportal) und verkauft Abonnements für dieses Portfolio. Den Nutzer kostet das 1,99 Euro in der Woche, 4,89 Euro im Monat oder 48,90 Euro im Jahr; mindestens 70 Prozent davon fließen an die teilnehmenden Medien.
Gute Inhalte
Die darauf warten, dass sich mit Online-Inhalten Geld verdienen lässt. Das Micropayment-System Flattr konnte nie den großen Durchbruch feiern, und so gut wie alle anderen Versuche sind gescheitert, weil sie nie die Benutzerfreundlichkeit im Visier hatten. Deshalb wird immer mehr Geld in Suchmaschinen-Optimierung und immer weniger in gute Inhalte investiert. Der Konkurrenzdruck im WWW, zumindest im deutschen, scheint nicht dazu angetan, Vielfalt zu garantieren.
Bellas Konzept dagegen kann das durchaus, denn darauf beruht das Prinzip, wie der Gründer in einem Interview mit dem Journalisten Dirk von Gehlen erklärte: „Deshalb setzt unsere Idee auf die Kombination von Inhal ten von verschiedenen Websites. Dadurch wird der Wert gehoben, den die Leser von diesem Online-Abo haben.“ So divers das Angebot bei Piano, so einfach ist dagegen dessen Gebrauch. Der Abonnent muss sich nur einmal anmelden, der Zugang gilt für alle Webseiten; statt einem Dutzend Logins genügt ein einziger.
Pionierarbeit
Die Anteile werden von Piano entsprechend der Zeit verteilt, die der Kunde auf der jeweiligen Seite verbracht hat. Auch das ist ein Indiz dafür, dass User bald nicht mehr nur als Klickvieh, sondern wieder als Leser in Betracht kommen könnten. Bei Piano nämlich soll die Konkurrenz tatsächlich das Geschäft beleben, jedes teilnehmende Medium pflegt besser seine Eigenheiten, weil es sich um intellektuelle Aufmerksamkeit statt um den Augenblick bemühen muss. Schon im ersten Monat hat das Unternehmen 40.000 Euro eingenommen – was eindrücklich demonstriert, dass Leser durchaus bereit sind zu zahlen, sofern ein möglichst großes Angebot möglichst wenige Umstände macht; das haben Apple mit iTunes und Amazon mit dem Kindle längst bewiesen.
Dass die Medienwelt Piano so erregt beobachtet, ist allerdings nicht allein der Hoffnung auf das ganz große Geld geschuldet. Sondern der Ahnung, dass Tomas Bella vielleicht der erste Mensch ist, dem es gelingen könnte, das Konzept Zeitung ins Internet zu übersetzen. Der Erfolg der Zeitung bestand doch darin, dass man für den immergleichen Betrag eine unberechenbare Vielfalt an Themen, Meinungen und Geschichten geliefert bekommt. Sollte Piano sich durchsetzen, machten in Zukunft nicht mehr die verschiedenen Ressorts den Unterschied, sondern die verschiedenen Medienmarken. Und das dürfte keinem zum Nachteil gereichen.
„Piano“: der Versuch, Zeitung ins Internet zu übersetzen
Katrin Schuster bloggt über Medien und Literatur unter katrinschuster.de
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Zeitungen liegen in Bibliotheken, können dort kostenlos gelesen werden.
Piano und andere Versuche werden dafür Sorgen, dass Menschen von Informationen eher geschäftsnah ausgeschlossen werden, weil in ihrer Gegend kein Internet vorhanden ist oder einfach ihr Monatseinkommen sowas nicht zulässt. Man muss die Preise mit dem Monatseinkommen in der Slowakei vergleichen, dann relativiert sich vieles... |
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Ein halber Schritt Richtung Internet.
"das Konzept Zeitung ins Internet" - hier liegt noch eine Denk-Schwachstelle. Allerdings müßte man für Innovationen erst mal einige Freitag-Redakteure von den Bäumen holen, von wo aus sie eifrig ihren Holz-Gral anbeten. |
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Ich wäre schon froh, wenn ich den "Freitag" ganz allein für 1,99 Euro online abonnieren könnte.
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Die Autorin beschreibt exakt das Mehr wofür ich - zusätzlich zum SPIEGEL ePaper noch weitere 1,99 EUR pro Woche zu zahlen bereit wäre.
"..jedes teilnehmende Medium pflegt besser seine Eigenheiten, weil es sich um intellektuelle Aufmerksamkeit statt um den Augenblick bemühen muss." Ja !!! "..dass Leser durchaus bereit sind zu zahlen, sofern ein möglichst großes Angebot möglichst wenige Umstände macht; das haben Apple mit iTunes und Amazon längst bewiesen." Nochmals ja !!! (aber mit dem Kindle eher weniger, sondern eher mit dem problemfreien Rückgaberecht bei Amazon) |
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