2008 wurde der Moderator Johannes B. Kerner von den Medien kritisiert, weil er für den Börsengang von Air Berlin geworben hatte. Er war damals noch bei den Öffentlich-Rechtlichen angestellt, man sah einen Interessenkonflikt. Kerner zeigte sich uneinsichtig. Aber das ist es nicht, was mich in der jungen Geschichte dieser Fluglinie am meisten empört hat. Am meisten empörte mich, dass Air Berlin rund ein Jahr später den Journalistenrabatt von 50 Prozent auf 25 Prozent herunterstufte. Das können die doch nicht machen!
Verdrehte Welt. In diesen Tagen denke ich vermehrt über die Vergünstigungen nach, die ich nutze. Viele sind es nicht. Aber natürlich habe ich die Bahncard zum ermäßigten Journalistentarif bezogen. Und gehe in die Museen mit dem Presseausweis. Ich bin nicht der Einzige, der sich Gedanken über so etwas macht. Martenstein schrieb Entsprechendes in der Zeit, Götz Aly forderte – als Ex-Journalist – im Radio die Abschaffung gleich aller Vergünstigungen.
Ich habe noch keine klare Meinung. Aber unstrittig scheint mir, dass die beiden gut zu spotten und fordern haben – sie zählen zu den Privilegierten. Ich bin wohl irgendwo dazwischen. Vielleicht wäre es sinnvoll, Rabatte nur noch an Journalisten in prekärer Lage ausgeben, denke ich. Es wäre vermutlich auch relativ gefahrenlos. Die Rabatte werden ja gewährt, weil sich die Firmen davon eine positive Berichterstattung erhoffen. Eine eitle Hoffnung. Meistens bleibt eine Berichterstattung überhaupt aus. Oder habe ich bei MyParfume.de etwas verpasst (Rabatte von 100 Prozent, Freunde!)? Auch im Fall von Air Berlin findet man trotz massenhaftem Gebrauch von Journalisten-Rabatten ja nicht auffallend viele positive Meldungen in den Nachrichten. Die Deutsche Bahn steht sogar unter Dauerbeschuss. Journalisten neigen dazu, sich zu überschätzen, im Guten wie im Schlechten. Als ethische Minimalforderung könnte man vielleicht provisorisch formulieren: Je größer der Rabatt, desto kritischer die Berichterstattung. Wobei das auch irgendwie ungerecht wäre.
Michael Angele ist einer von sieben Kulturschaffenden, die sagen: "Wir gestehen: Schuldig!" Weitere Offenbarungseide:
Der Dramaturg: Björn Bicker gesteht "Ich hänge am Tropf!"
Die Kulturministerin: Jana Hensel sorgt sich um ihre "Üble Vergangenheit"
Der Wissenschaftler: Ralf Klausnitzer fragt "Apple für alle?"
Der Künstler: Kito Nedo beklagt "Amigo-Allianzen"
Der Filmemacher: Marc Ottiker moniert den "Kreis der Schlechtigkeit"
Der Schriftsteller: Clemens Meyer bekennt: "Ich war gegen Gauck!"
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Ergänzend möchte ich auf dieses Interview mit Küppersbusch hinweisen:
www.journalist.de/ratgeber/handwerk-beruf/menschen-und-meinungen/friedrich-kueppersbusch-die-schutzmechanismen-haben-versagt.html |
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schrieb am
02.02.2012 um 11:56
<irony>Sie scheinen ja ein moralisch ganz verkommenes Subjekt zu sein!</irony>
Hier noch ein paar Tipps zum schnorren: |
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Lieber Michael Angele,
Ein wenig erinnert diese Art der Selbstbezichtigung an eine verkappte Form, irgendwie Komplimente zu bekommen, die man nicht verdient hat. Das soll geschehen: Nichts an ihren geschilderten "Versuchungen" und "Verführungen" trifft den Fall Wulff-Glaeseker, nichts trifft die tatsächlich weit verbreitete Mitnahmementalität (Der Auto-, Motor-, Sport-, Reise-, Freizeit-, Produkt- und Beratungsjournalismus ist von diesem Phänomen durchseucht) in ihrer Branche, die sich dann aber auch in den Produktbeschreibungen, Verzeihung, den zahlreichen Artikeln, wieder finden lässt. Dass alle Presse-Journalisten, darauf kommt es an, eine verbilligte Bahn-Card erwerben können, dass sie alle umsonst in Kulturveranstaltungen kommen, sie alle günstiger mobil sind, soll Sie und ihre Kollegen anregen, das Recht der Öffentlichkeit stellvertretend wahrzunehmen. Eine Jedermanns-Vergünstigung ist keine Vorteilsnahme im Amt, keine Korruption, keine Bestechung und auch kein Eingehen auf eine lobbyistische "Landschaftspflege". Bei all´ diesen genannten Formen, so lastet ja der Verdacht auf Glaeseker-Wulff, geht es um die exklusiven Möglichkeiten des Begünstigten und einen Verdacht, Anschein oder gar die Realität, dass eine Vergünstigung bereits eine staatliche oder wirtschaftliche Bevorzugung oder sogar einen Gesetzesakt bewirkte. Davon, lieber Herr Angele sind sie nicht nur, mangels Möglichkeiten, sondern, so hoffen ich doch fest, auch wegen ihres erwiesen dickschädeligen, journalistischen Charakters, weit entfernt. Sie sehen, welche Vorteile es hat, gar nicht in die Nähe einer aussichtreichen Versuchung gelangen zu können. So gut hatten es Chrisitian Wulff und Olaf Glaeseker, Herr Hagebölling und viele andere bekannte Prominente aus Hannover und Umgebung (stellvertretend für ander Regionen dieser Republik und die Hauptstadt) natürlich nicht. Sie waren beständig einem wahren Feuerwerk an Firmenvertretern, Geschäftsfreunden, Handschlag-Verträglern und Marketingleuten ausgesetzt. Allerdings, sollten Sie zum Beispiel von ihrem Verleger häufiger das größte Firmenauto auch zu Wochenendfreizeiten nutzen dürfen und ihnen ein Reise-Incentive jährlich zustehen, um z.B. nur noch positive Rezensionen zu dessen Verlagsprodukten oder dessen Verlagsausrichtung zu schreiben, dann würden Sie sich doch nicht selbst bezichtigen, weil Sie dann als Journalist und Redakteur unten durch wären. "Journalisten neigen dazu, sich zu überschätzen, im Guten wie im Schlechten." - Das ist menschlich, dazu nicht einmal berufsexklusiv und, weil so in der Sache entscheidungslos offen, letztlich nur sehr freundlich gedacht. Liebe Grüße und Mahlzeit Christoph Leusch |
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Lieber Herr Leusch
bei den Fällen Bahn und Gratiseintritt gebe ich ihnen bedingt Recht. Da ist man schon auch im Dienste der Öffentlichkeit unterwegs. Der Presserabatt von Air Berlin gibt es dagegen absurderweise nur für Flüge mit privatem Zweck! Na ja, die wahren Abgründe lauern, was man so hört, eh im Reisejournalismus. |
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columbus, dieser generelle fremd-freispruch ist schon lustig.
"Eine Jedermanns-Vergünstigung ist keine Vorteilsnahme im Amt, keine Korruption, keine Bestechung und auch kein Eingehen auf eine lobbyistische "Landschaftspflege". schließlich ist ja "jedermann" ein journalist. bekomme "ich" als blogger eigentlich auch einen presseausweis und kann mich dann als "jedermann" fühlen? |
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ich denke, wenn man "im Dienst der Öffentlichkeit" unterwegs ist zahlt entweder die öffentlichkeit über die absetzbarkeit bei der steuererklärung oder der eigene/jeweilige arbeitgeber/auftraggeber, für den man ja in wirklichkeit unterwegs ist? warum zahlen völlig losgelöste privatunternehmen das "im Dienst" sein für die "Öffentlichkeit"? plausibel ist das nicht.
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ad Michael Angele schrieb am 02.02.2012 um 13:46
Lieber Herr Angele, Wäre schön, idealiter, wenn das noch häufiger auch den gedruckten Ergebnissen der Arbeit für die Öffentlichkeit anzumerken wäre. Diese Tätigkeit für andere, die ja immer die Kluft voraussetzt (Gonzo- Talese), sich dort erst einmal wie ein Fremder zu bewegen. Reise-, Auto-, Sport-, Media-d.h. vor allem Film und Fernsehthemen beackern, lieber Herr Angele, und das Thema könnte für Sie ganz andere Dimensionen gewinnen. Z.B. ein Fahrertraining, mit Kost und Logis in der Ardeche, .... ad Free World schrieb am 02.02.2012 um 14:57, Free World schrieb am 02.02.2012 um 16:07 Ja, lieber Free World, das sind ganz berechtigte Einwände, die ich gar nicht entkräften kann. Und zumindest die Air Berlin Vergünstigung steht genau darum auch auf dem Prüfstand. Aber "Presse", nun einmal ideal, nicht real gesehen (sie schreibt ja beständig an ihrem schlechten Ruf, den sie mit den Politikern über die sie schreibt, teilt und trotzdem wird sie am Kiosk immer wieder "erwählt"), wie "Bundespräsident", "Bundesverfassungsgericht", "Parlament" und "Bundesregierung", ist was anderes und auch wichtigeres. Aber für 90% ihrer Teilhaber stimmt auch, es ist eine eher schwach ausgestattete, wichtige Funktion, die nicht zuletzt aus diesem Grunde oftmals der Versuchung erliegt, es sich einfacher zu machen. Sogar die Leute, die es nicht mehr nötig hätten, zeigten sich zuletzt besonders anfällig für Mitnahmeeffekte und die Bereicherungschancen, die sich aus einer simplen medialen oder öffentlichen Prominenz ergeben. Denken Sie an die TV-Moderatoren und Halb- und Halb-Journalisten, die dann für Reden und Anwesenheiten, für Werbezwecke und sonstige Gelegenheiten, gegen Cash zur Verfügung stehen. - Ganz abgesehen einmal, wie die das überhaupt zeitlich hin bekommen, bei der verantwortlichen und zeitfressenden Arbeit in ihren Anstalten. "Free World", stellen Sie sich vor, Sie hätten einen allgemeinen Blogger-Presseausweis. Würden Sie sich auch an die Regeln, die dann für den Blogger-Journalisten gelten, halten? Selbst Journalisten haben heute damit große Mühe und das Ergebnis des Scheiterns füllt Seite um Seite. Jedermann war hier auf jeden Journalisten gemünzt. Mir ging es um die Abgrenzung dieses übertriebenen Asche aufs Haupt-Streuens, von jenem Abgrund an Anschein, Verdacht und längst schon aufgedeckter Realität, dass eben nicht jedermann, sondern speziell und gezielt einzelne Personen Vorteile erhalten, um entsprechend zu handeln oder zu schreiben. Nebenan im Artikelblog, jammert der Bühnen-Dramaturg Björn Bicker, er erhalte öffentliche Subventionen. Schon das mache ihn abhängig und er, der furchtbar Mutige, beiße (kritisiere) den öffentlichen Sponsor (Staat, Stadt) auch noch. - Da kommen mir die Tränen, weil das so abgrundtief falsch gedacht ist und die Kritik an der sich ausbreitenden Mitnehmermentalität, and der realen Korruption und am verbreiteten Lobbyismus der nicht nur offen berät, sondern klandestin Recht und Gesetz selbst schreibt, einen Bärendienst erweist. Das liegt auf dem gleichen gedanklichen Horizont, wie manche Verteidigung aus Banker- und Spekulantenkreisen, wir seien doch alle irgendwie gierig und auf unseren Vorteil bedacht. Das mit der Absetzbarkeit verhält sich aber genau anders herum. Geldwerte Vorteile (Fahrzeugnutzung privat, Essensgeld, Versicherungen, Auslandszulagen) müssen versteuert werden. Liebe Grüße Christoph Leusch |
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columbus.
janz knapp. selbst bezahlte reisekosten sind keine geldwerten vorteile sondern kosten. ,) reisekosten, die durch den arbeitgeber bezahlt werden sind nur dann geldwerte vorteile, wenn sie über das übliche hinaus gehen. wenn man also z.b. für 150 euro pro person essen geht, wo auch für 40 euro ein gutes essen zu haben ist (inkl. getränke). |
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ad
Free World schrieb am 02.02.2012 um 17:24 Ja, eben, Dienstwagen auch privat, oder Privatflüge über die Firmen-Vielflieger-Rabatte, Upgrade was die Klasse angeht, Hotelupgrade, kostenfreie Verfügbarkeit von Vorführwagen, einschl. Betriebskosten, etc., zusätzliche, z.B. über spezielle Haus- und Firmentarife gewährte Versicherungen seitens der Arbeitgeber. Grüße C.L. |
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Columbus schrieb am 02.02.2012 um 18:36
Columbus. Und wo ist nun das Problem? Entweder man zahlt aus seiner persönlichen Kasse den höheren Lebensstandard oder man bleibt im üblichen Rahmen und sparsam. Das Pauschalbeiträge selten reichen kenne ich als jemand mit einem reisenden Job ohne Presseausweis. Aber wer z.B. anderen, motiviert warum auch immer, eine Dienstwagenaffäre gegen die Zukunft schreibt, sollte über jeden Zweifel haben sein. Auch wenn es bei einem selbst nicht strafbar sein sollte. Moral und Ethik ist an sich eine einfache Angelegenheit. .) |
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schrieb am
03.02.2012 um 15:59
Columbus schrieb am 02.02.2012 um 12:53
"Eine Jedermanns-Vergünstigung ist keine Vorteilsnahme im Amt, keine Korruption, keine Bestechung und auch kein Eingehen auf eine lobbyistische "Landschaftspflege". Bei all´ diesen genannten Formen, so lastet ja der Verdacht auf Glaeseker-Wulff, geht es um die exklusiven Möglichkeiten des Begünstigten und einen Verdacht, Anschein oder gar die Realität, dass eine Vergünstigung bereits eine staatliche oder wirtschaftliche Bevorzugung oder sogar einen Gesetzesakt bewirkte." Das hatte ich schreiben wollen, bevor ich sah, dass es hier schon steht :o) Einen Skandal könnte ich nur erkennen, wenn einzelnen Journalisten nach Negativberichten über die Bahn oder Air Berlin die Vergünstigungen gekürzt würden und somit der Versuch einer Steuerung von Information vorläge. Den Mechanismus, ganze Berufsgruppen mit Vergünstigungen zu belegen, finde ich sowieso recht schwach, sind es doch Privilegien, die an den Berufsstand und nicht an das Verhalten jedes Einzelnen geknüpft sind. Wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass es beim Drehen der ganz großen Räder anders läuft. Hier werden eben nicht alle Politiker und alle Parteien mit dem gleichen Obolus belegt, sondern durch gezielte, "positive Verstärkung" gegeneinander auf- und abgewertet - um es mal ganz vorsichtig zu sagen. Mir ist es ehrlich gesagt völlig egal, ob ein Journalist, der heute aus Kairo berichtet, keine Schmutzzulage bekommt, der Arbeiter im Blaumann, der die Maschine mal wieder von unten reinigen muss, aber schon. Oder ob ein Journalist, unabhängig davon, um welche Tageszeit er seinen Text tippt, keine Netto-Zulage bekommt, der Arbeiter im Blaumann allerdings schon. Übliche Privilegien innerhalb von Berufsständen lassen sich schlecht als "Vorteilsnahme" konstruieren. Gefährlich wird es dann, wenn vermeintliche Privilegien als Mittel zum Zweck missbraucht werden. Beispiele: Die Lehrerin, die total froh ist, dass Bertelsmann ihr mal wieder kostenlose und total objektive Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellt (Vorsicht!). Oder der Journalist, dem bereits fertige Artikel aus total objektiven Pressestellen von Unternehmen zugehen (Vorsicht!). Wenn die "Privilegien" an die "Faulheit" des Individuums appellieren und somit ungeprüft Information transportieren, die in dieser Form nicht hätte transportiert werden dürfen (oder sollen meinetwegen), dann wird's gefährlich. Die Entscheidung, solche Offerten anzunehmen oder abzulehnen, liegt allerdings beim Individuum, nicht beim Berufsstand. |
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Und ich dachte immer, die J-Zunft wäre "unabhängig und überparteilich". Wahrscheinlich nur bis zum nächsten Journalistenfrühstück...
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@gustlik,
sind Sie jetzt naiv oder sarkastisch? Journalisten haben einen Auftrag! www.youtube.com/watch?v=jitdvJ5U3I4 |
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@ nichts trifft die tatsächlich weit verbreitete Mitnahmementalität […]in ihrer Branche,
NEIN? Zufällig kam ich in einer Galerie ins Gespräch mit einer Kulturjournalistin. Aus dem Gedächtnis: „glauben Sie ja nicht ein wichtiger Kritiker würde über ihre Skulpturen schreiben, weil er an Ihrer Kunst interessiert sein könnte ... Ohne Bestechung geht da gar nichts.“ Hatte die Dame tatsächlich keine Ahnung? Allerbeste Ullrich Läntzsch |
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Doch, die Dame hatte eine Ahnung. Aber nicht in dieser verallgemeinernden Form.
Denn so klingt es, als ob alle bestechlich wären. Damit macht man es sich aber zu einfach. Mir fehlt bei der Diskussion hier eine wenig die differenzierte Sicht auf die Dinge. |
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Lieber Herr Läntzsch,
Schlechte Beispiele sollten keine Schule machen. Aber im Normalfall wird ja ein Reporter irgendwo hin geschickt, reist ein Journalist und Redakteur beauftragt an. Schön wenn er Ahnung von der Sache hat. Aber eine gewisse Interesselosigkeit vorweg, die kann vielleicht nicht schaden, um dann im nachhinein, aus einer freischwebenden Aufmerksamkeit, für die Öffentlichkeit zu berichten. Ich weiß, ich verteidige hier ein Idealbild vom Redakteur und Journalisten, als Bestandteil eine "Gewalt", die auch besondere Rechte (z.B. Auskunftspflicht) eingeräumt erhält, und das entspricht bestimmt nicht mehr der Realität und auch nicht dem schon notorisch schlechten Ruf der Presse. Aber das hier nun anstehende, "auch wir haben gesündigt", schmeckt mir nicht. Da lobe ich lieber Sascha Adamek und Kim Otto, mit ihrem Buch "Der gekaufte Staat" oder verweise auf die Investigativleistung der Frankfurter Rundschau im Skandal um die Steuerfahnder, oder bestaune die Souveränität eines Fritz J. Raddatz, eine Georg Stefan Troller, eines Günter Gaus. Liebe Grüße Christoph Leusch |
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Ich hab mal vor knapp einen Monat darüber als "Betroffener" einen Blog gemacht
www.freitag.de/community/blogs/georg-von-grote/tango-korrupto und sehr die Sache schon ein wenig pragmatischer. Wenn ich irgendwo einkaufen gehe und der Verkäufer räumt mir einen Rabatt ein, dann lehnt den wohl niemand ab und muss auch kein schlechtes Gewissen haben. Das habe ich aber auch bei den Firmen nicht, mit denen ich beruflich aber auch rein gar nichts zu tun habe, aber trotzdem Rabatte bei denen bekomme. Darin sehe ich persönlich nichts Anrüchiges, beeinflusst auch in keiner Weise meine Arbeit. Klar hätten die natürlich gerne eine Gegenleistung. Nur bin ich da der falsche Ansprechpartner. Problematisch wird es doch erst dann, wenn dieser Rabbat auch nur ansatzweise meine Urteilsfähigkeit und meine Sichtweise als Journalist beeinflussen könnte. Das gleiche gilt für Politiker aber nicht nur für die. Da und für mich erst da stellt sich die Frage der Bestechlichkeit. |
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Letzter Absatz: Gerade in der Filmkritiker-Branche, lieber Herr von Grote, dürften die Grenzen eher sehr fluide sein. Da hängt die Urteilsfähigkeit auch in einem sehr großen Maß von der Urteils-Möglichkeit ab. Sie haben das ja wunderschön in ihren "Erinnerungen" aufgearbeitet.
LG Christoph Leusch |
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Extremst fluide, Herr Leusch. Aber nicht nur die. Ob nun Sport, Reise, aber auch Kultur, Wirtschaft bis hin zur Politik, diese "Berührungen" gibt es überall bei Journalisten. Und von den "kleinen" Präsenten, die man bei journalistenrabatt.de gar nicht sieht, habe ich noch gar nicht gesprochen.
Frage ist doch letztlich, wie geht der Einzelne damit um. Kann man ihn aufweichen? Umstimmen? Gibt es einen positiven Artikel? |
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@Leusch "Moral und Ethik ist an sich eine einfache Angelegenheit" - stimmt, man muss sie sich leisten können. Raddatz, Troller und Gaus hatten einfach auch das nötige Kleingeld dazu. (Komisch, dass man sich in dieser Diskussion in die Populistenrolle gezwängt fühlt...)
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Ähm... ja. Jesus konnte sich das Bergpredigt auch nur deswegen erlauben, weil er genug Kohle für diese Veranstaltung hatte...
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ad Michael Angele schrieb am 03.02.2012 um 11:48
Da beklagen Sie sich bei der falschen Person. Ich bin ja für freie Fahrt, freie Eintritte und überhaupt freie Mobilität, sogar für spezielle steuerliche Behandlung von Berufsjournalisten und für Rabatte, bezogen auf den Beruf (z.B. ein vernünftiges Diktier- und VoiceRecgerät, Mietwagenkonditionen vor Ort, etc.) , insofern sie der Funktion als Öffentlichkeit dienen. Ansonsten gehören ausgebildete Profis, die als Werbepartner auftreten, in und für Firmen arbeiten, Pressesprecherfunktionen ausüben und sonstige andere wirtschaftsnahe Medienfunktionen, eben auf diese Payroll. Gezahlt wird dort sicher besser und geldwerte Vorteile gibt es auch. Der Journalist zahlt, wie übrigens auch Leute in andere Professionen die erheblichen Versuchungen ausgesetzt sind, einen Preis, wenn er nach seinen Standesregeln lebt und eine Funktion als vierte Gewalt ausüben möchte. Dies gilt übrigens nicht nur im Ressort Politik. Ein häufiges Beispiel aus dem Feuilleton: Ein Journalist oder beauftragter Gast schreibt die Rezension zu einem Buch. Er ist jahrelanger Freund und/oder Mitarbeiter an gemeinsamen Projekten, des/der Autors/ Autoren. Wenn das dann nicht ausreichend sichtbar gemacht wird, ist es eine journalistische Todsünde, mit dem expliziten Hinweis schon eine lässliche Sünde, für die es nicht gleich in die Hölle, sondern nur ins Fegefeuer geht (;-)). G Liebe Grüße und gutes WE Christoph Leusch |
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@ An alle, die auf meinen kurzen Kommentar reagierten.
Jetzt muß ich gleich weg, und daher nur drei Punkte: 1. Selbstverständlich entschuldige ich mich bei all den Journalisten, den ich damit Unrecht tat. ABER 2. Wer wie ich gern auch Sendungen wie Kulturzeit sieht, und darüpberhinaus auch ein wenig beurteilen kann, mit welchem Aufwand Film erstellt wurde, dem fällt die Vielzahl von Beiträgen auf, die nichts wieter sind als übelste PR, um nicht zu sagen reinste Werbung, die nie und nimmer als redaktioneller Beitrag bezeichnet werden dürften. 3. Wenn man an den völlig außer Rand und Band geratenen Kunstmarkt denkt, dann fällt es mir schwer, daß ausgerechnet, die kleine Zahl der für diesen Markt relevanten Kritiker es nicht gelingen will, mehr an Talent zu entdecken, als sie uns weismachen wollen. Allerbeste Ullrich Läntzsch ps Werde obigen Thread unter meinem Kommentar später lesen - und nehme schwer an auch reagieren. |
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Nun Herr Läntzsch,
ich habe mich gar nicht angegriffen gefühlt und deshalb auf das, was in meine Augen hier momentan schief läuft bei der Diskussion, so reagiert. www.freitag.de/community/blogs/georg-von-grote/filmkritiker--arbeit-am-abgrund-des-ganz-normalen-wahnsinns-teil-9 mfg gvg |
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Lieber Herr Grote,
und das war auch gut und richtig so, denn ich war nur nur durch Ihren Einwand betroffen und wollte klarstellen, mir ging es nicht darum, ein Pauschalurteil zu fällen. Ich zitiere Sie hier, dann dies halte ich für die Prämisse, die für jeden gilt, der sich Journalist nennt: Kurz, wenn Du morgens nicht mehr in den Spiegel schauen kannst, weil Deine Unabhängigkeit flöten gegangen ist. Und für mich müssen Journalisten unabhängig sein und bleiben. Egal auf welchem Sektor sie schreiben. Im Bereich Film läuft das meiste nicht über die eigentlichen Fachjournalisten, sondern über PR. Dies er gibt sich ganz einfach das den Etats der Produktionsfirmen. Wer PR schreibt sollte sich nicht Journalist nennen, ebenso wenig wie der, der sie abschreibt. Allerbeste Ullrich Läntzsch |
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"Im Bereich Film läuft das meiste nicht über die eigentlichen Fachjournalisten, sondern über PR. Dies er gibt sich ganz einfach das den Etats der Produktionsfirmen. Wer PR schreibt sollte sich nicht Journalist nennen, ebenso wenig wie der, der sie abschreibt."
Mittlerweile ja. Aber das ist die neue Entwicklung und an der sind auch Redakteure, Chefredakteure und vor allem die beteiligt, die das ganze finanzieren, beteiligt. Und bei dem Rest gebe ich Ihnen auch Recht. Wer PR schreibt, sollte sich nicht, ich finde, darf sich auch nicht, Journalist nennen. |
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Michael Angele schrieb am 03.02.2012 um 11:48
registriere ich ja erst jetzt. ein irrläufer. nein. sie irren und die antwort lautet lautet ja. man muss sie sich leisten können. moral und ehik und es beginnt mit einem "nein". das man das in einem irgendwie linken medium erwähnen muss ist ein trauerspiel. aber ich nehme zur kenntnis, das die verlockungen doch eine riesige hürde darstellen überzeugungen auch zu leben. |
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ad Ullrich Läntzsch schrieb am 02.02.2012 um 15:51
ad Georg von Grote schrieb am 02.02.2012 um 19:09 Die "verdrehte Welt", besteht sie nicht eigentlich darin, dass nun diese ganzen Geschichten, vom Dramaturgen, der subventioniert wird, bis zum Feuilleton-Redakteur, der sich fast gratis parfümiert, von der Pfandbon-Einkassierin, bis zur umsonst Leihe eines vorzeigbaren Audi-SUV, für den Politiker der am meisten für den Marken-Konzern tat und darauf stolz wie Bolle ist, über den gleichen Kamm gebürstet werden? Die verdrehte Welt der Vanity fair, dieser Bonfire of the vanities, sie funktioniert deshalb so barock und gut, weil wir Leser uns erzählen lassen, wir seien doch genau so. Dabei versuchen nur wenige Menschen in Deutschland die Coupons abzuschneiden wo sie welche vermuten. Aber die, die das tun, machen es beständig, nachhaltig und sogar mit Überzeugung, es stünde ihnen, aufgrund ihrer Geschäftstüchtigkeit zu. Sie lassen sich nicht einmal nach dem ertappt werden einschüchtern und drohen sofort damit, nach einer Karenz, genau so oder sogar noch oller, - man muss ja schließlich wieder aufholen was man verpasste- , weiter zu machen. Die "verdrehte Welt", das ist eine Welt ohne Maßstäbe. Grüße und schönen Abend Christoph Leusch |
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@ Columbus
Die "verdrehte Welt", das ist eine Welt ohne Maßstäbe. Das erdumfassende Wirtschaftssystem bringt nun mal die Möglichkeit hervor, dass Manche so vermögend werden, dass sie alles kaufen können: Frauen, Yachten, Politiker, Firmen. Sie besitzen sogar die Option, Staaten pleite gehen zu lassen. Auf der anderen Seite gibt das baden-württembergische Kultusministerium Richtlinien heraus, wonach einem Lehrer gestattet wird von Einzelpersonen Geschenke anzunehmen. Diese dürfen jedoch einen Wert von 5 Euro nicht übersteigen. Ein Lehrer legt sich eine solche Vorschrift sicher unters Kopfkissen, hoffend, dass keine Mutter auf die Idee kommt, ihm ein Duschgel for men schenken zu wollen. Er will schließlich ein reines Beamten-Gewissen bewahren. |
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Der bürokratische und politische Trick ist, den Vielen einzureden, die Wenigen seien auch mental ihre Abkömmlinge und daher nur zu Recht an dieser Stelle, weil gilt: Carpe diem et noctem, occasione uti.
Bei Beamten reicht für den Anschein, ganz nach Regel, ein Geschenk >5,-Euro, beim obersten Staatsdiener, genügt nicht einmal der Verdacht, er sei einige Zeit gratis mit einer Geländewagenvorserie gefahren, habe sich einladen lassen, von Leuten, die ihm und seinen Mitarbeitern Bücher sponsorten, habe sich günstig Kredit verschafft, .... In der Wirtschaft dürften die Maßstäbe, so lange sie erfolgreich sind, noch viel weiter gefasst sein. Liebe Grüße Chrsitoph Leusch |
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@ Columbus 21:33
Da kann ich zu 100 Prozent zustimmen. Aber es geht eben nicht um die Penuts, sondern um die die sich noch immer Journalisten nennen, obwohl sie längst zum Lohnschreiber degenerierten. Oder den TV-Regisseur, der am Set hektisch telefoniert, weil er je nach Ausgang des Telefonats, ein Firmenlogo abkleben läßt, oder eben ins Bild rückt. Sie haben recht, es geht um die Maßstäbe. Liebe Grüße Ullrich Läntzsch |
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Das "Aber" bitte streichen
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Besteht irgendeine Art Zwang diese Rabatte und Vergünstigungen anzunehmen?
Wenn Sie als Aussicht schreiben Sie wissen nicht wie Sie zur Abschaffung stehen, wie wäre es, die Verantwortung in die eigenen Hände zu nehmen und diese Boni abzulehnen? Oder sollten nur die oberen Privilegierten ablehnen? Verzwickt, oder auch nicht. |
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schrieb am
03.02.2012 um 19:01
Bingo!
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schrieb am
03.02.2012 um 19:01
Bingo!
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Also Journalistenvergünstigungen können auch was Gutes haben. Als mir mal eine CD aus einer nagelneuen Händeloper-Box kaputt ging und ich bei der Firma anfragte, ob es vielleicht......bekam ich ein kostenloses Journalistenexemplar zugeschickt. Wäre ohne Journalistenvergünstigungen nicht möglich gewesen...;)
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16.05.2012
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