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Kultur : Suspekte Mode

In den USA musste ein 17-Jähriger gewaltsam sterben, weil er als Afroamerikaner die falsche Kleidung trug. Über die Verknüpfung von Rassismus und Klassismus

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Der gewaltsame Tod des 17-jährigen Trayvon Martin wirft die USA dieser Tage auf den tief in ihrer Geschichte verankerten Rassismus zurück. Der schwarze Junge war im Nieselregen zu Fuß unterwegs und trug ein Sweatshirt mit Kapuze, im Amerikanischen hoody genannt. Ebendiese Kombination, schwarz und Hoody, war einem selbst ernannten „Nachbarschaftsschützer“ Bedrohung genug, um auf den Jungen zu feuern.

Seit Wochen sorgt der Fall nun für Kontroversen in den USA. Die einen protestieren gegen einen rassistischen Lynchmord, die anderen schimpfen das Opfer einen (potentiellen) Drogendealer und Gangster. Beide Seiten beziehen sich auf den Hoody als Verdachtsmoment. Aufschlussreich ist, wie hier zwei Hass- und Ausschlusskriterien zusammenfallen: Rassismus und Klassismus.

In der Tat ist der Hoody ein zutiefst anti-bourgeoises Kleidungsstück. 1930 wurde es erfunden, um Bau- und Industriearbeiter vor Kälte und Regen zu schützen. In den Siebzigern fand der Pulli Eingang in die spätere HipHop-Kultur – als selbstbewusst getragenes Signet des Underdog. Wie die Verknüpfung von „Kapuze“ und „Kriminalität“ funktioniert, erklärte jetzt ein afro­amerikanischer Familienvater aus New Jersey den Medien: Normalerweise trage er einen Anzug. Als er aber einmal mit übergezogener Kapuze zu Fuß nach Hause lief, weil sein Auto streikte, habe seine Gattin einen Schrecken bekommen: „Oh je, was macht dieser Typ in unserer Nachbarschaft?“

Aller Leute Kleidungsstück

In Kanada und Australien gibt es Schulen, die das Hoody-Tragen verbieten. In Großbritannien sprach ein Einkaufszentrum 2005 ein Hausverbot für Hoodies aus. Dort gilt der Kapuzenpulli als Erkennungszeichen von „Problemjugendlichen“. Wie in den USA oder Großbritannien wird der Kapuzenpulli hier aber sowohl von normalen Fußball-Fans getragen als auch von Hooligans. In linksautonomen „Schwarzen Blöcken“ ist er so verbreitet wie bei Neo-Nazi-Aufmärschen, Anti-AKW- Demos oder bei der Gartenarbeit in Reihenhaussiedlungen. Der Hoody war – anders als etwa das Anarcho-A des Punk – nie ein stringentes „politisches“ Symbol. Von Anfang an mit einer sozialen Zuschreibung aufgeladen („Proleten-Look“), wurde der Hoody immer auch von einer unpolitischen Masse getragen. Man denke an die bedruckten Pullis von Universitäten oder Mode für Babys. Die Tatsache, dass der Hoody aktuell als Erklärungsversuch für einen rassistisch motivierten Mord herangezogen wird, verweist auf einen bitteren Umstand, auf eine Kultur des Miss­trauens und der Angst, die parallel zur sozialen Segregation wächst.

Und schließlich fällt vom Fall Trayvon Martin auch ein Schlaglicht auf den in Deutschland nun sogar gesetzlich sanktionierten Rassismus. Soeben hat das Verwaltungsgericht Koblenz erklärt, dass die „verdachtsunabhängige“ Überprüfung von Menschen mit dunkler Hautfarbe auf bestimmten Bahn­strecken rechtmäßig ist. Gerechtfertigt werden diese Passkontrollen durch „einschlägige grenzpolizeiliche Erfahrung.“

Das ist ein verheerendes Signal. Ein Staat, der mit willkürlichen und diskrimierenden Wahrscheinlichkeiten operiert, ist kein Rechtsstaat. Ein Gemeinwesen, das seine Bürger zu wechselseitigen Verdächtigungen ermutigt, höhlt sich von innen aus.

Katja Kullmann hat gerade Rasende Ruinen. Wie sich Detroit neu erfindet in der Edition Suhrkamp Digital veröffentlicht

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