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Sie haben für den IPPNW - die Ärztevereinigung zur Verhinderung eines Atomkrieges - oft medizinische Transporte in den Irak begleitet. Tun Sie ...
Sie haben für den IPPNW - die Ärztevereinigung zur Verhinderung eines Atomkrieges - oft medizinische Transporte in den Irak begleitet. Tun Sie das noch immer?
Es gibt inzwischen kein Embargo mehr, so dass jetzt pharmazeutische Firmen legal Medikamente und Hospitalbedarf liefern können, wenn die irakische Regierung in der Lage ist, das zu bezahlen. Das sollte sie eigentlich sein, denn durch die Ölverkäufe verfügt sie über genügend Geld, auch wenn die ganze Organisation chaotisch bleibt.
Warum konzentriert sich der IPPNW jetzt darauf, die Behandlung irakischer Kinder in Deutschland zu finanzieren?
Weil im Irak immer mehr erfahrene Fachärzte fehlen. Über 2.000 Mediziner wurden seit 2003 ermordet, viele wurden Opfer von Entführungen. Tausende haben ihre Heimat verlassen, weil sie im Ausland überleben wollen und auch können. Das heißt, schwierige Operationen sind heute im Irak kaum noch möglich. Wirklich bedauerlich für ein Land, das einmal auf sein medizinisches Personal stolz war.
Wer entführt die Ärzte?
In der Regel Kriminelle, die Geld erpressen wollen. Das führt zum berechtigten Vorwurf an die Regierung und an die Amerikaner: Warum holt ihr dieses Land nicht endlich aus dem Chaos? Warum könnt ihr nicht für Sicherheit sorgen?
Sie haben selbst angedeutet: Der Irak verdient längst wieder am Öl. Müsste das nicht die Wirtschaft wie auch das Gesundheitswesen vor weiterem Niedergang bewahren?
Sicher, nur gelingt es der Regierung nicht, den Mangel an all dem einzudämmen, was lebensnotwendig ist. Die Menschen haben zu wenig sauberes Wasser, es fehlt an Elektrizität, so dass tagsüber oft nur für drei Stunden Strom verfügbar ist. Darüber sind viele Iraker empört, weil sie ständig hören, die Ölförderung diene ihrem Wohlstand, und dann sehen müssen: In den Hospitälern gibt es zu wenig Medikamenten.
Wie ließe sich das ändern?
Wie ich immer wieder erfahren habe, möchten die meisten Iraker, dass alle ausländischen Truppen so schnell wie möglich abziehen. Es ist doch offensichtlich, dass viele Beamte, Polizisten oder Militärs der Regierung in Bagdad loyaler dienen würden, müssten sie von ihren Landsleuten nicht immer wieder hören, ihr seid bloß Handlanger der Amerikaner.
Das Gespräch führte Ingrid Wenzl
Professor Ulrich Gottstein ist Mitbegründer der deutschen Sektion des IPPNW und Ehrenmitglied des Vorstands. Er hat sich zuletzt besonders für eine kontinuierliche Irak-Hilfe engagiert.
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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