Politik

Nachgefragt | 13.11.2008 00:00 | Interview

Warum reichen Sie gegen das BKA-Gesetz Klage ein, Herr Baum?

Das BKA-Gesetz wurde nach Kritik innerhalb der Koalition nachgebessert. Weshalb klagen Sie trotzdem dagegen?

Die Nachbesserungen betreffen nicht die ...

Das BKA-Gesetz wurde nach Kritik innerhalb der Koalition nachgebessert. Weshalb klagen Sie trotzdem dagegen?
Die Nachbesserungen betreffen nicht die Einwände, die ich aus verfassungsrechtlicher Sicht habe. Das Gesetz erlaubt einen unangemessenen Einbruch in die Privatsphäre, zum Beispiel die optische Wohnraumüberwachung. Es regelt zudem den Bereich der Online-Durchsuchung. Dazu habe ich ja mit anderen die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Frühjahr erstritten. Der Kernbereich der privaten Lebensgestaltung bleibt ohne den notwendigen Schutz, auch wenn Teile des Urteils umgesetzt sind.

Die SPD konnte für Online-Durchsuchungen eine grundsätzliche richterliche Anordnung nicht durchsetzen...
Es ist völlig unverständlich, dass der Präsident des BKA in Eilfällen eine Online-Durchsuchung anordnen kann. Im Übrigen ist vor dem Bundesverfassungsgericht im vergangenen Jahr nicht schlüssig dargelegt worden, weshalb wir die Online-Durchsuchung überhaupt brauchen.

Ist das eine Neuauflage des Großen Lauschangriffs?
Es geht noch weiter. Das BKA-Gesetz verändert das deutsche Sicherheitssystem von Grund auf. Bislang handelt die Polizei in einem strikten Rahmen, während die Nachrichtendienste einen viel weiteren Spielraum haben. Die Nachrichtendienste arbeiten im Vorfeld auch ohne konkreten Verdacht. Durch das BKA-Gesetz wird die polizeiliche Tätigkeit immer mehr zu einer nachrichtendienstlichen, untersteht aber nicht mehr der Kontrolle der Bundesanwaltschaft. Dies gibt Anlass zu großer Sorge. Zusätzlich werden gefährliche Parallelzuständigkeiten von Bund und Ländern geschaffen.

Welche Auswirkungen hat das BKA-Gesetz auf Journalisten?
Das Recht der Journalisten, Informanten zu schützen, wird nicht gleichgesetzt mit dem Zeugnisverweigerungsrecht beispielsweise Geistlicher oder Strafverteidiger. Eine solche unterschiedliche Behandlung von Berufsgeheimnisträgern ist nicht akzeptabel.

Haben die aus Sicht der Bürgerrechte notwendigen Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht zugenommen?
Ja, erheblich. Die Klagen haben zwar maßgebliche Korrekturen der Sicherheitsgesetze vorgenommen, konnten aber den Trend zu immer neuen Sicherheitsgesetzen nicht brechen. Das Parlament erprobt regelmäßig die Belastbarkeit des Grundgesetzes.

Das Gespräch führte Connie Uschtrin

Gerhart Baum (FDP) ist Rechtsanwalt. Er war von 1967 bis 1982 Bundesinnenminister.

 
Senden Bookmarken Drucken
Document Actions


Meistkommentiert
7 Tage
Monat
Bisher
MIssbrauchsdebatte

portlet_missbrauch.png

Aktuelle Ausgabe bestellen
Freiwillige vor!

Ausgabe 11/10
18.03.2010

keine Versandkosten
kein Aufpreis

Einzelpreis: 2.90 €

>> bestellen
Linke Mitte

portlet_linkeMitte.png

probeabo260x120.jpg

Artikel zum Thema

Buch der Woche

11bdw.png

Blog-Tipps

Carta
Autoren-Blog für Politik, Medien und Ökonomie

Lobby Control
Blog von lobbycontrol.de

annalist
Anne Roth verfolgt den "Krieg gegen den Terror"

Nachdenkseiten
Das kritische Tagebuch von Albrecht Müller und Wolfgang Lieb

Reporterwelt.Blog
Blog des Korrespondenten von Weltreporter.net

znet
Chomsky, Avnery und Co. auf Deutsch

politik.de
Portal für Politik und Demokratie

Sprengsatz
Der Politikblog von Michael Spreng

ruhrbarone
Journalisten bloggen das Revier

Bangemachen gilt nicht
Das Blog von Jürgen Link

Freitag unterstuetzt

portlet_polit_camp01.png

 
 
 
 
© der Freitag Mediengesellschaft mbH & Co. KG