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Politik : Die Reflexe der konservativen Presse

Die Proteste am Wochenende waren gewaltig - doch die bürgerlichen Medien nehmen sie nicht ernst und rücken die Demonstranten in eine zweifelhafte Ecke

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Mehrere zehntausend Menschen gingen am Samstag in Frankfurt und Berlin auf die Straße – doch ihr Anliegen kam in einige Medien kaum vor. Die Demonstranten kritisierten den ausufernden Kapitalismus. Doch Teile der Medien betrieben lieber Milieustudien und werteten die Massendemonstrationen so als linke Folklore ab.

Auf die Spitze trieb es Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS): Hier wurde die Berichterstattung direkt ins Feuilleton verlegt. Was folgte, war eine lange Stilkritik über das kollektive „Fremdschämen“ der Demonstranten. Denn die Krise sei ja schließlich nicht nur gefährlich für die wirtschaftliche Existenzgrundlage von Millionen Menschen rund um den Erdball, sondern „auch unglaublich peinlich“, wie uns Nils Minkmar aus Frankfurt wissen lies. Danke FAS.

Die Zeitungen des Springer-Konzerns reagierten dann am Sonntag auch wieder mit den üblichen Reflexen. Hatte die Bild am Samstag auf Seite 1 noch gegen reiche Geldsäcke gewettert, bewegte sich die Berichterstattung nach der Demonstration wieder in den gewohnten Bahnen. „Krawalle überschatten G 20-Protest“ titelte zum Beispiel die Berliner Morgenpost, Schwesterblatt der Welt. Immerhin gab es rund 25 Festnahmen zu beklagen (bei laut Polizei rund 15 000 Teilnehmern allein in Berlin). Und auch dass in der folgenden Nacht ein Jaguar und ein Porsche in Flammen aufgingen, enthielt das Blatt seinen Lesern nicht vor. Zwar passiert das in Berlin seit Jahren regelmäßig, doch die Verknüpfung von brennenden Nobelkarossen und kapitalismuskritischer Demonstration muss für die Redaktionen an der Rudi-Dutschke-Straße einfach zu verlockend gewesen sein.

Da konnte der Leser richtig dankbar sein, wenn sich einige Zeitungen und Onlinemedien der Unsitte bedienten und einfach Texte der Nachrichtenagenturen veröffentlichten. Die waren zwar knochentrocken – doch gaben sie zumindest ein ausgewogenes Bild der Demonstrationen wieder – ohne Häme und Skandalisierung.

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