Es war eine spektakuläre Aktion, mit der Greenpeace vor ein paar Wochen in Frankfurt für Aufmerksamkeit sorgte. Mit einem gigantischen Transparent hatte die Umweltorganisation kritisiert, dass die Regierung zwar Abermilliarden in marode Finanzkonzerne pumpt – für andere Ausgaben aber stets das Geld fehle: „Wäre die Welt eine Bank, hättet Ihr sie längst gerettet.“
Die Koalition in Berlin lässt so etwas unbeeindruckt. Am Dienstag ist die Bundesregierung mit den Spitzen der Bundesbank und des Banken-Rettungsfonds SoFFin zusammengekommen, um eine Lösung für die faulen Papiere in den Bilanzen der Kreditinstitute zu beraten. Wie umfangreich dieser „Giftmüll“ insgesamt ist, lässt sich kaum sagen. Einige Experten gehen von mindestens 200 Milliarden Euro aus, andere sprechen von einer halben Billion – und manche schätzen die Summe dieser Papiere sogar auf bis zu 853 Milliarden Euro.
Der galoppierende Verfall dieses Finanzschrottes zwingt Banken zu Wertberichtigungen, die das Eigenkapital aufzehren, mit dem Kredite abgesichert werden müssen. Ob und für wie viele der verlustbedrohten Papiere es jemals wieder einen Markt geben wird, ist offen. Weil aber die Realwirtschaft die Kredite braucht, sieht sich die Bundesregierung unter Zugzwang, mit der Auslagerung der faulen Depots die Banken zu entlasten – und so, man kann das Wort „systemrelevant“ im Hintergrund hören, das Kreditgeschäft wieder in Fahrt zu bringen. Bis Mitte Mai soll ein Modell stehen.
Mehrere Modelle
Eine zentrale „Bad Bank“ wird es aller Voraussicht nach nicht geben. In diesem Fall würde der Staat eine Gesellschaft mit Banklizenz gründen, die alle Schrottpapiere übernimmt und mit einer Bundesgarantie ausgestattet wird. Das Bundesfinanzministerium bevorzugt vielmehr eine dezentrale Lösung mit mehreren „Bad Banks“, jeweils eine für jedes Institut, das eine Auslagerung fauler Papiere wahrnehmen will. Angeblich handelt es sich insgesamt um nur einige wenige Kreditinstitute, darunter auch Landesbanken. Der Bundesverband der privaten Banken hat angeregt, eine „Bad Bank“ beim SoFFin zu gründen, die Problempapiere sollen dort aber nur zentral verwaltet werden – jede Bank hätte ihr eigenes Konto, was die Zuordnung erleichtern würde.
Welche Lösung sich durchsetzt, bleibt abzuwarten. Viele Fragen sind bislang noch offen. Zum Beispiel hat Peer Steinbrück zuletzt zwischen „faulen“ und „illiquiden“ Papieren unterschieden - die einen sind unrettbar verloren, die anderen derzeit nur mit Abschlägen handelbar. Vorgeschlagen wurde, dass für erstere die Banken und Aktionäre selbst einstehen sollen, beim Umgang mit letzteren aber der Staat helfen könne. Nur wo liegt die Grenze? Und welche Gegenleistung erhält der Steuerzahler, wenn er für die riskanten Casino-Spielereien der Banken geradestehen soll? Welche Gebühren werden fällig?
Extrem hohe Ausfallrisiken
Das Ausfallrisiko der „illiquiden“ Papiere würde bei einer Bad-Bank-Lösung wohl so oder so der Staat tragen. „Wenn die Bank entlastet werden soll, muss der Steuerzahler einen substanziellen Teil der Risiken übernehmen“, schreibt Steinbrück in seinem Konzept für die Runde im Kanzleramt. Aber wie „substanziell“ wird dieser Anteil? Die Bundesregierung geht nach den Worten des Grünen-Politikers Alexander Bonde von Ausfallraten für die Bürgschaften von fünf Prozent aus. Bonde hält dies „für extrem risikoreich“ und glaubt, „dass man da mit einem wesentlich skeptischeren Szenario rechnen muss“ - also mit höheren Ausfällen. Im schlechtesten Fall könnte sich die Belastung der Staatskassen auf mehrere hundert Milliarden Euro belaufen. Eine gigantische Summe, die mit dem Hinweis auf irgendeine „Systemrelevanz“ kaum zu rechtfertigen ist.
Und so werden die Zweifel an der Bad-Bank-Lösung immer lauter, je näher diese rückt. Experten raten dazu, Kreditinstitute, die Opfer ihrer Fehlspekulationen geworden sind und nun die Folgen nicht mehr bewältigen können, notfalls sterben zu lassen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Linkspartei, Ulrich Maurer, warnte die Koalition „vor weiterer Verschleuderung von Staatsvermögen“, es dürfe nicht sein, dass der Steuerzahler für Verluste aufkommt, „die Banker treuwidrig produziert haben“. Auch der Grünen-Politiker Fritz Kuhn fordert, für ihre selbst verursachten Risiken müssten die Banken und deren Anteilseigner selbst gerade stehen.
USA holen private Investoren ins Boot
Unterdessen geht der Geschäftsbetrieb im Casino weiter. In den USA hat die Regierung ein Hilfsprogramm von bis zu einer Billion Dollar aufgelegt. Damit sollen zunächst Schrottpapiere im Umfang von 500 Milliarden US-Dollar aufgekauft werden – mit Unterstützung von privaten Investoren. Die könnten von der „Rettung“ profitieren, rechnet der Analyst Konrad Becker vor: Wenn ein Investor Schrottpapiere im Nominalwert von 100 US-Dollar für nur 20 US-Dollar kaufen, diese aber irgendwann für 30 Dollar verwerten kann, entstünde immerhin ein Gewinn von 50 Prozent. Oder eben nicht.
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Lieber Herr Strohschneider,
vonwegen Staat als Müllkippe?, ist es nicht eher so, dass der Staat sich seine Hände in Unschuld wäscht, wie im Fall der Atom- Müll Entsorgung, die in Asse über Jahrzehte seit 1967 verantwortungslos in Privathände gegeben war, wie jetzt hier bei der Entsorgung von monetärem Giftmüll? Die Entscheidung der Bundesregierung, Banken die Möglichkeiten zu eröffnen, sich „bankhausnah“ in Good- und Bad- Banks aufzugliedern, birgt die Verlockung, bankintern Verschiebebahnhöfe einzurichten, wo nach Belieben, der Geschäftslage, Bilanz- Buch Verluste wie Gewinne legal zum Zwecke der Steuervekürzung hin und hergeschoben werden können. Wo Bad Banks mit ihren spekulativ unterbewerteten wie überbewerteten Finanzprodukten als neue „Steueroasen“ vor Ort in der eigenen Stadt, im eigenen Land interessierter Kundschaft, befeuert von medial euphorisierender Begleitmusik, als „Casino Steinbrück Royal“ angepriesen werden. „Die Börsenumsatsteuer wurde ja, gut getimt, gerade rechtzeitig wieder eingeführt. Hat hier die Bundesregierung wissentlich den Bock in Gestalt der Banken spektakulär zum Gärtner berufen? Allein die Unterscheidung von Bundesfinanzminster Peer Steinbrück zwischen „faulen“ und „illiquiden“ Papieren - die einen sind unrettbar verloren, die anderen derzeit nur mit Abschlägen handelbar“ läßt Böses ahnen, auch wenn dies dem ersten Anschein nach so differenzierend klingt. Dies kann als Öffnung der Büchse der Pandorra zu neuen Höhenflügen an den Weltbörsen bis zum nächsten Crash, gar Börsen GAU, wie das Amen in der Kirche, gedeutet werden. Ist es doch in das Gutdünken der Banken, Versicherungen selber gestellt, per „Drückerkolonnen“ in Tochter- , Zweckgesellschaften, als Treiber der Kräfte am Markt bis zum Ende der Laufzeit der faulen wie illiquiden Papiere zu wirken, diesen Finanzprodukten ein unverantwortlich spekulatives Potential unterzujubeln, damit toxische Papiere „Gelegenheit macht Nacken Hiebe“, von Fall zu Fall, entsorgt verlöschend in den Depots von überrumpelten Privatkunden im „Niedrigvermögensbereich“ mit Riester- , Rörup- Renten Papieren landen? Dann gute Nacht nicht nur deutscher Mittelstand! tschüss JP |
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Lieber Joachim Petrick, vielen Dank für Ihre Anmerkungen. In der FAZ wird Steinbrück heute mit dem Satz wiedergegeben, der Steuerzahler werde nicht belastet, da der Bund keine Haftung übernehme - sondern "nur" eine Garantie für Defizite, die am Ende übrig bleiben. In seinem Konzept für die Dienstagsrunde, aus dem die Deutsche Presseagentur zitiert, hörte sich das noch anders an: Bei allen diskutierten Bad-Bank-Modellen bestehe im Grundsatz "ein unauflösbarer Widerspruch" zwischen dem Ziel eines Bilanzabganges und der Schonung des Steuerzahlers: "Wenn die Bank entlastet werden soll, muss der Steuerzahler einen substanziellen Teil der Risiken übernehmen" so Steinbrück. Nach den vorgeschlagenen zehn bis 20 Jahren, wenn Kasse gemacht wird und aus einem Teil der Risiken dann sicher auch jene Belastungen geworden sind, die Steinbrück heute noch dementiert, ist der Finanzminister längst in Rente mit 67. So gehts. Ein Freund erinnert sich gern daran, dass in einem Marxismus-Leninismus-Seminar in den 70ern der Dozent auf die Frage, wann denn nun der Kommunismus mal komme, geantwortet habe: in 43 Jahren. Ein Risko, sich für diese Aussage einmal rechtfertigen zu müssen, bestand auch damals nicht: der Professor war über 60.
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Lieber Tom Strohschneider,
Ihre Replik „ .... auf die Frage, wann denn nun der Kommunismus mal komme, geantwortet habe: in 43 Jahren. Ein Risiko, sich für diese Aussage einmal rechtfertigen zu müssen, bestand auch damals nicht: der Professor war über 60....“ finde ich köstlich. Ha! Ha! Ha! Danke! Das Beunruhigende ist, dass selbst die Bundesregierung neuerdings die rational daherkomende Zahlen- Zockermentalität eines Mathematikers vom Schlage des britischen Christopher Flowers mit seinem Private-Equity-Fonds „JC Flowers“ für den wehenden Zipfel Marke „Casino Steinbrück Royal“ des Mantels der Weltfinanzgeschichte hält. „Gelegenheit macht schuldenfreudig!“, kommt doch heute die Nachricht im Deutschlandfunk, der Chef eines führend regierungsnahen Wirtschaftsinstituts ist zu unkonventionellen Ideen aufgelegt, schlägt er doch exotisch vor, den Unternehmen nicht nur steuerfinanziert noch länger Kurzarbeit zu finanzieren, sondern den Unternehmen den Arbeitgeberanteil an den Sozialversicherungsbeiträgen (Renten- , Kranken- , Arbeitslosenversicherung) zu stunden. Nachtigall ich höre dir trapsen! Krise als willkommene Gelegenheit, das „locker von Hocker! Gib Gas! Gib Gas! Gib Gummi! Ich will Spass! Keiner hats in den Krisen Turbulenzen gesehent!“ durchzusetzen, was schon immer das Steckenpferd der Wirtschaftsverbände war, nämlich über eine Stundung der Arbeitgeberanteile in eine vortrefflich glitschende Konsum- steuerfinanzierte Sozialversicherung zu rutschen. Dabei wird das so nicht gelingen, weil die Vermögenden, Reichen sich ihren Reichtum nichts mehr kosten lassen wollen, sich keine gesellschaftlichen Ausgaben noch Aufgaben zutrauen, rutschen wir so „Der Reichen Geiz ist geil!“ eher in die Deflation! Mit dem Ergebnis, dass unsere privaten wie staatlichen Schulden unbezahlbar werden, in die uns die Reichen aus dem Reich der öffentlich vulkanisch hervorbrechenden Schulden Schande zockend locken wollen!, oder? tschüss JP |
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