So hat noch jede Rotstift-Debatte begonnen: Angesichts des Rekorddefizits im Haushalt werde in Fraktionskreisen darüber nachgedacht, hieß es am Dienstagmorgen in der Süddeutschen, den Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung zu erhöhen. Das ist der Streit über das Wie – das Ob war in dieser politischen Konstellation ohnehin nie eine offene Frage: Für Krisenlasten und Steuergeschenke muss die Mehrheit zahlen.
Ob es politisch ein günstiger Zeitpunkt für die Koalition ist oder nicht, darüber sollen sich andere den Kopf zerbrechen. Irgendwann musste die Rangelei am Rotstift jedenfalls beginnen, Merkels Politik der Vertagung von Problemen konnte nicht lange aufgehen: Sparen ja, hieß es immer, aber erst im nächsten Haushalt 2011. Angeblich, „um die konjunkturelle Erholung nicht zu gefährden“. Dass es um anderes ging, ließ der Bundesfinanzminister vor ein paar Tagen wissen. Es sei „nicht klug“, den Katalog der Grausamkeiten „vier Wochen vor einer Wahl“ zu veröffentlichen – gemeint ist jene in Nordrhein-Westfalen im kommenden Mai. Da steht die Bundesratsmehrheit auf dem Spiel, und diese Wahl soll für die CDU nicht ein grausamer Sparkommissar gewinnen, sondern ein „Arbeiterführer“.
Vergebliche Warnungen
Nun startet die Debatte früher, die „Koalitionskreise“ werden ihren Grund dafür haben. Dass es die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung treffen könnte, womöglich auch die Mehrwertsteuer erhöht wird, die Krankenversicherung teurer würde – all das ist nicht überraschend und liegt in der Logik einer Umverteilungspolitik, vor der im Wahlkampf vergeblich gewarnt wurde.
Steuerfreie Nach- und Feiertagszuschläge, Subvention von Jobs, Sozialausgaben – prompt ist auch der Wettlauf der medialen Spar-Claquere ausgebrochen. Ein Hamburger Nachrichtenmagazin wartet mit Vorschlägen auf, ein "Wirtschaftsweiser" mit besten Einkommen bekommt die Gelegenheit, per Zeitung eine Kürzung der Hartz-Sätze ins Spiel zu bringen. Andere Blätter machen sich zum Sprachrohr der „Regierungskreise“ – ganz egal, wie haarsträubend die ihre abgabenpolitischen Vorstöße begründen: Man werde um eine Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung nicht herumkommen, werden da anonyme Regierungsleute zitiert, sonst lasse sich ein sozialer Kahlschlag nicht vermeiden. Die Leute sollen mehr zahlen, damit sie nicht ärmer werden?
Gestus der Unvermeidlichkeit
Abgesehen davon lenkt der Gestus der Unvermeidbarkeit, auf den die Debatte umgehend zusammenschnurrte, von den Alternativen ab. Die Einnahmeseite scheint nur dann interessant zu sein, wenn das ohnehin schon Wenige von den Vielen abgeschöpft werden soll. Dass man von wenigen dagegen viel holen könnte, darf keine Rolle spielen. Nicht aus Unkenntnis freilich, sondern mit Absicht: Man dürfe nicht nur einzelne gesellschaftliche Gruppen belasten, warnte ein FDP-Haushälter, ohne Ross und Reiter zu nennen: Privatvermögen, Finanzkapital, Unternehmen.
Warum nicht? Längst liegen durchgerechnete Vorschläge auf dem Tisch, wie Umverteilung von oben nach unten steuerpolitisch anzupacken ist. Wo rund 70 Milliarden Euro Mehreinnahmen zu holen sind, hat zum Beispiel die Gewerkschaft Ver.di vor einiger Zeit ausgerechnet. Selbst wenn man davon ausgeht, dass dieser Betrag wegen der Krise etwas kleiner ausfallen würde – Geld ist genug da. Es fehlt allein der politische Wille zur Umverteilung in die andere Richtung. Und der gesellschaftliche Druck, ohne den aus solchem Willen keine Taten werden.
Vermögensteuer, Erbschaftsteuer, Unternehmensteuer, Finanztransaktionssteuer und ein Steuervollzug, der diesen Namen auch „verdient“ – damit könnten Wolfgang Schäuble und Co. einen beträchtlichen Teil ihrer Haushaltsprobleme lösen. Von allein werden sie es nicht tun.
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Hat jemand an etwas anderes geglaubt? Die Traumtänzer, die ihre Kreuze bei den jetzt Regierenden gemacht haben, mit der Hoffnung auf eine bessere Wirtschaft, werden schneller belehrt als ihnen lieb sein wird.
Und alle 4 Jahre wieder werden die Medien ihnen einreden, dass CDU/FDP für die Wirtschaft, also auch für die Arbeitnehmer gut ist. Für die Wirtschaft ist sie auch gut, nur der Rest guckt in die Röhre. Kapital braucht Rendite. Je mehr Kapital, je mehr Rendite muss her. Die 3-4 Prozent, die der Arbeiter erwirtschaftet, reichen nicht. Also muss das Geld anders ran. Und die nächste Blase wächst. Wie immer, nur immer schneller. Je ärmer das Volk wird (und das wird es unweigerlich), je dünner wird oben die Luft. Und wenn die Zündung da ist, nimmt die Geschichte ihren Lauf -> DDR 1989 !!! |
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Und ich verstehe nicht, dass die Freiheitsliebenden in der FDP es zulassen, dass sich die FDP in solche Abhängigkeiten zu den Lobbyverbänden begibt und für diese eines der dümmsten Steuergesetze der Nachkriegszeit durchsetzen und sogar bereit sind die ganze Häme des Landes auf sich zu nehmen – und das allein um ihre Klientel zu befriedigen.
Ist das eine freie Politik? Sind das freiheitsliebende Politiker die das machen? Ist das intelligent? Ich verstehe auch nicht, dass die wahren, sozial denkenden, aufgeklärten Christen, dem unchristlichen Treiben in der CDU nicht einfach ein Ende setzen. Hätte Jesus es jemals gutgeheißen, dass den Armen genommen wird und den Reichen gegeben? Wie würde er sich heute verhalten – wenn er könnte? Wird es nicht Zeit, dass man ihn da endlich einmal vom Kreuz befreit und als furchtlosen entschlossenen Streiter für eine gerechtere Welt darstellt – der er ja auch war - den Menschen zum Vorbild........ |
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anscheinend war unserer Wunder FDP dann doch von ihren Versprechen ganz Überrascht, es konnte ja keiner vorher wissen das Geschenke und Steuer Senkungen Geld kosten
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Kommt es mir nur so vor, oder werden tatsächlich auch in dieser Zeitung die Vorschläge der "Linken" aus dem Wahlkampf gar nicht erwähnt. Ich bin kein Parteibuchträger, aber um gesellschaftlichen Konsens auch im oppositionellen Bereich zu erreichen, sollten die "Wortführer" doch genannt werden. Besonders darum, weil es in Bezug auf soziale (nicht linke!) Politik sehr wenige gibt.
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@sputnik-südstern: mal abgesehen von der frage, ob die gleichnamige partei auch nur in der linken wortführerschaft beanspruchen kann, geschweige denn in der opposition, stimmen die oben genannten groben steuervorschläge, das konzept von verdi und die wahlaussagen der linken in vielem überein. wer sich dafür interessiert, kann hier einzelheiten nachlesen: die-linke.de/wahlen/ eine ähnliche politik verfolgen auch attac, die ig metall und andere. internationale und finanzmarktsteuern werden auch in ngos diskutiert.
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Ach was, solange die Fürsten uns beschützen geht es uns gut. Oder fast.
Wie etwa Friedrich-Karl, der Flick, der Nazi-Sohn, posthum entführt, oder aber die Auschwitz-Inschrift, die besagt, Arbeit für die Fürsten würde frei machen. Ich würde fast mal sagen, es bröckelt ein wenig, hihi, .... |
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Wie kann man nur auf so eine Idde kommen "und ein Steuervollzug, der diesen Namen auch „verdient“", wenn man sich in Erinnerung holt, dass in Hessen entsprechend gute Vollzugsbeamte für Dienst untauglich erklärt werden.
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