Politik

Staatsgefährdung | 09.04.2010 11:00 | Tom Strohschneider

Volksbühne und Anklagebank

Aufarbeitung der Finanzkrise: Attac bringt Verantwortliche des Milliarden-Desasters symbolisch vor Gericht – beim Berliner Bankentribunal

Man rechne damit, dass die Angeklagte am 10. April zum Verhandlungsbeginn anwesend ist, steht in der Vorladung. Pünktlich um 9.30 Uhr werde der Prozess beginnen. „Sollten weder Sie noch Ihr Verteidiger erscheinen, lassen wir Ihre Interessen durch einen Pflichtverteidiger vertreten.“ Die Vorwürfe wiegen schwer: „Aushöhlung der Demokratie und Vorbereitung der Krise, Zerstörung der ökonomischen Lebensgrundlagen in Nord und Süd sowie Verschärfung der Krise“.

Die Angeklagte heißt Angela Merkel und in Wahrheit rechnet niemand damit, dass die Kanzlerin und ihre vier Mitangeklagten – Ex-Finanzminister Peer Steinbrück und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, Merkels Vorgänger Gerhard Schröder und der frühere HRE-Aufsichtsrat Hans Tietmeyer – zum Bankentribunal erscheinen.

Mit dem „zivilgesellschaftlichen Anklageforum“ in der Tradition so berühmter Vorgänger wie dem Russel-Tribunal will Attac am Wochenende zur Aufarbeitung der schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten beitragen. Auf der Liste der Mitwirkenden finden sich viele bekannte Namen, die von linken Aktivisten und Ökonomen, von kritischen Journalisten und politisch engagierten Juristen. Abgeordnete von SPD, Grünen und Linkspartei sind als Zeugen geladen; Gewerkschafter und Intellektuelle sollen als Sachverständige gehört werden. Dass der „Prozess“ in der Berliner Volksbühne stattfindet, mag Zufall sein, klingt aber wie eine Verpflichtung: die Aufarbeitung der Krise nicht länger denen zu überlassen, von denen eine Mehrheit sie längst nicht mehr erwartet.

Regeln gegen das Risikospiel

Natürlich steht das Urteil des Tribunals bereits fest. Und, ja, es handelt sich um eine Veranstaltung, die gar nicht erst versucht, ausgewogen zu sein. Kritisieren kann das nur, wer von einer symbolischen Aktion wie dieser zu leisten verlangt, was Staatsanwaltschaften und Gerichte nur in Einzelfällen und zudem schleppend vorantreiben: die Aufarbeitung der Krise; die Benennung von Schuldigen und, soweit das möglich ist, ihre Bestrafung. Es geht zudem um die Korrektur von Regeln, damit nicht noch einmal Milliarden in eine Branche gepumpt werden müssen, in der extremes Risikospiel und gefährliche Renditejagd im Interesse weniger enorme Schäden für viele verursacht haben. Es ist dennoch ein Kampf einer Minderheit geblieben.

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Gerade einmal ein Jahr ist es her, da gefiel sich die Politik noch in einer Rhetorik der Konsequenz. „Wir greifen hart durch, damit das, was wir jetzt erlebt haben sich nicht wiederholt“, log die Kanzlerin. Wohl wissend, dass es allenfalls bei Maßnahmen bleiben würde, die das linke Protestmotto „Wir zahlen nicht für eure Krise“ auf den Kopf stellen. Kurz vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen hat sich die um ihre Macht sorgende schwarz-gelbe Koalition gerade zu einer Bankenabgabe durchgerungen, die niemand außer ihr selbst für einen wirksamen Hebel zur Regulierung der Finanzbranche hält. Abgesehen vielleicht von den Privatbanken, denen eine nicht einmal ausreichende Versicherung für künftige Kollateralschäden ihrer Zockerei schon zu viel erscheint. Politisch ist kaum etwas passiert, keine wirksame Kontrolle auf den Finanzmärkten, keine Spekulationssteuer – allenfalls das Signal an die Allgemeinheit: Die Krise, die wir verursacht haben, ist jetzt eure. Und wir denken gar nicht daran, dafür zu zahlen.

Nicht viel besser sieht es bei der strafrechtlichen Aufarbeitung der Krise aus. Ein paar Ermittlungsverfahren gegen Bankvorstände laufen bereits, es gab Durchsuchungsaktionen und immer noch gehen Strafanzeigen ein. Doch selbst politisch unverdächtige Experten raufen sich die Haare angesichts des schleppenden Verlaufs und der juristischen Hürden. „Das sind Hasardeure der schlimmsten Sorte“, sagt der Hamburger Strafverteidiger Gerhard Strate, der für große Prozesse bekannt ist und nun auch gegen zahlreiche Banker vorgeht. „Doch da draußen ist eine Stille, die mich aufregt.“ Auch der Experte für Wirtschaftsstrafrecht Marcus Lutter hält es für einen Skandal, dass nur wenige der für die Krise Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Prozesse und Ermittlungen

Vor ein paar Wochen hat der erste große Prozess begonnen – gegen den früheren IKB-Vorstandschef Stefan Ortseifen. Die Mittelstandsbank hatte sich verspekuliert und war im Sommer 2007 mit Steuergeldern vor der Pleite gerettet worden. Ermittelt wird auch gegen Vorstände der Landesbank Baden-Württemberg, der BayernLB, der SachsenLB, der Hypo Real Estate, der HSH Nordbank. Doch die juristische Materie ist nicht so eindeutig, wie es die Antworten nach der politischen und moralischen Verantwortung sind.

Meist wird den Beschuldigten Untreue vorgeworfen, doch wo die beginnt, ist umstritten. Es sei „teilweise sehr aufwändig“, den Vorwurf „rechtlich wirklich in den Griff zu bekommen“, hatte schon vor einem Jahr Anton Winkler von der Münchner Staatsanwaltschaft erklärt, die sich mit dem Fall HRE befasst. Deutlicher wurde Vera Junker von der Vereinigung Berliner Staatsanwälte, die das Wirtschaftsstrafrecht als „nicht gerecht“ und „faktisch ein Schutz für Wirtschaftsstraftäter“ bezeichnete. Die Erfahrung des Berliner Bankenskandals, so Junker, hätte schon längst zu einer Änderung der Gesetzeslage führen müssen.

Das sehen viele Experten genauso, etwa der frühere Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts Winfried Hassemer oder der Strafrechtler Klaus Volk. Aus den Reihen der Grünen kam der Vorschlag, alle Ermittlungen wegen der Finanzkrise bei der Generalbundesanwaltschaft zu bündeln – schließlich könnten nicht nur Terroristen einen Staat bedrohen, sondern auch Banker, wegen deren Zockerei die öffentlichen Haushalte bis zur Handlungsunfähigkeit belastet werden.

Forum der Alternativen

Bisher ist in diese Richtung jedoch nichts geschehen. „Gier allein ist so wenig strafbar wie Dummheit. Und Risiken gehören zur Grundlage des Bankgeschäfts“, hat vor einiger Zeit der Spiegel geschrieben. Und gleichzeitig den Münchner Strafrechtsexperten Bernd Schünemann zitiert, den angesichts der Finanzkrise die Frage bewegt, ob es sich nicht um den „größten Fall organisierter Untreue handelt, den es überhaupt je gegeben hat“.

Ist das weltweite Desaster unter dem Strich auf das konkrete Handeln von Einzelnen zurückzuführen? Oder handelt es sich um die zwangsläufige Folge eines Systems, dessen innere Logik absurde Finanzprodukte ebenso hervorbringt wie Börsenblasen, die irgendwann platzen? Von beidem etwas, so lautet schon im Vorfeld die Botschaft des Bankentribunals, das nicht nur „der Empörung derer Rechnung tragen“ will, „die nun für Fehler und Vergehen bezahlen sollen, die andere begangenen haben“ – sondern auch „Ort für eine Auseinandersetzung mit strukturellen Ursachen“ sein soll: die Finanzkrise als Folge überschüssigen Kapitals und dieses wiederum als Ergebnis realwirtschaftlicher Umverteilung, die politisch gewollt und durchgesetzt wurde.

Das Tribunal will also nicht nur Anklageforum sein, sondern auch Pfade aufzeigen, welche die politisch und ökonomisch Verantwortlichen nicht beschreiten wollen. Nach der Urteilsverkündung am Sonntagmorgen ist der Attac-Prozess deshalb nicht beendet – er wird fortgesetzt mit einem Forum der Alternativen. Vielleicht wäre es besser gewesen, dafür etwas mehr Zeit einzuräumen als für eine Beweisaufnahme, die doch nur wiederholen kann, was inzwischen durchaus zum kritischen Standard gehört. Letztlich wird das Tribunal aber vor allem daran zu messen sein, ob es gelingt, jenes „starke politische Signal“ zu senden, das sich Attac-Sprecherin Jutta Sundermann erhofft. Dass es auch bei Merkel und ihren vier Mitangeklagten ankommt, damit wird ebensowenig gerechnet, wie mit ihren Erscheinen auf der Anklagebank.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
gweberbv schrieb am 10.04.2010 um 17:41
Soll das ein PR-Gag sein? Die vier "Angeklagten" sind natürlich völlig schuldlos. Ein Großteil der direkten Kosten hätte für die BRD vermieden werden können, wenn beizeiten die Landesbanken zurechtgestutzt worden wären. Das ist auch alles.
Momo schrieb am 11.04.2010 um 02:38
Zu: gweberbv am 10.04.2010 um 17:41

Sind Sie so naiv oder möchten Sie den Lesern des Freitag bewußt Sand in die Augen streuen?

1.) Die Landesbanken werden von den Neoliberalen, frei nach dem Motto "Haltet den Dieb", immer wieder als Sündenbock hingestellt. Dass es die Politik der Neoliberalen war, die das ursprüngliche Aufgabenspektrum der Landesbanken - die regionale Wirtschaftsförderung - kippte und die Landesbanken mehr und mehr in spekulative Geschäfte hineintrieb, wird verschwiegen. Siehe hierzu den NachDenkSeiten-Beitrag "Die Landesbanken sind die schlimmsten".
www.nachdenkseiten.de/?p=3510

2.) Die Verantwortung der deutschen Politiker läßt sich aus folgenden beiden Beirägen erkennen:

-- Informationsportal Globalisierung: "Finanzmarktkrise: Die Bundesregierung hat entscheidend mitgezündelt"
www.jjahnke.net/verant.html

-- NachDenkSeiten: “Das Casino kracht zusammen. Croupière Merkel flüchtet durch den Hinterausgang”
www.nachdenkseiten.de/?p=3471

3.) Selbstverständlich enthält die Anklageschrift des Bankentribunals viele Hinweise für die Verantwortung der neoliberalen Kreise.
www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/100329_Bankentribunal_Anklageschrift.pdf

4.) Ebenfalls lesenswert: Das Eröffnungsreferat auf dem Bankentribunal von Wolfgang Lieb (Mitherausgeber der NachDenkSeiten).
www.nachdenkseiten.de/?p=5128
gweberbv schrieb am 11.04.2010 um 14:55
@Momo

Zu NachDenkSeiten-Beitrag "Die Landesbanken sind die schlimmsten"

Der Autor verschweigt zwei entscheidende Punkte:
a) Die Sparkassen, denen die Landesbanken bei größeren Geschäften traditionell assistierten, werden immer größer und haben zunehmend weniger Notwendigkeit und Interesse, ihre Gewinne mit den Landesbanken zu teilen. Siehe z. B. die Sparkasse Köln.
b) Die Staatshaftung, also das automatische Bürgen des Staates bei der Kapitalbeschaffung der Landesbanken endete im vergangenen Jahrzehnt. Neue Kredite wurden damit teurer.

Beides führt dazu, dass für die Landesbanken das Wirtschaften immer schwieriger wird, wenn sie weiterhin (eher unprofitable) Strukturpolitik betreiben und andererseits ordentlich Gewinne an die Landeshaushalte abführen sollen. Eigentlich hätte man in dieser Situation nicht auf Expansion sondern Konsolidierung setzen müssen, was ja auch im Artikel anklingt. Hat man aber nicht - und dafür müssen die Länder und bald auch der Bund nun bluten. Ohne das Desaster bei den (meisten) Landesbanken wäre der direkte Schaden für Deutschland deutlich geringer ausgefallen.

Auf der "Anklagebank" sitzt jedoch niemand, der für die Landesbanken Verantwortung getragen hat. Stattdessen ein Herr Ackermann, dessen Bank sich einigermaßen gut durch die Krise gewurschtelt hat.

Und die indirekten Kosten infolge des weltweiten Wirtschaftseinbruchs wären ohnehin nicht zu vermeiden gewesen, selbst wenn in der BRD gar keine Banken existieren würden.
gweberbv schrieb am 11.04.2010 um 15:04
P.S.
Was ist eigentlich mit Gerhard Bruckermann, dem ehemaligen Chef der Depfa? Als er im Amt war, ließ er sich besser bezahlen als Ackermann und bei dem Verkauf seiner Bank an die HRE, der sie später das Genick brechen sollte, kassierte er nochmal 100 Mio und setzte sich irgendwo zur Ruhe. Bruckemann gehört nun wirklich zu den Hauptverantwortlichen, die unglaubliche Risiken auftürmten und sich bzw. ihre unglücklichen Nachfolger dann vom Steuerzahler heraushauen ließen.

Aber Herrn B. kennt ja keiner, ganz im Gegensatz zu Herrn A. von der Deutschen Bank. Und Schauprozesse klappen ja nur, wenn auch jemand hinschaut, nicht wahr?

Darum: Nichts als eine PR-Aktion!
Momo schrieb am 12.04.2010 um 22:31
Zu: gweberbv schrieb am 11.04.2010 um 14:55

Sie machen es sich sehr, sehr einfach! Lesen Sie die von mir verlinkten Artikel, und Sie werden erkennen, wie hoch die deutsche Mitverantwortung an der schweren Finanzkrise ist.
Und: Sie scheinen vergessen zu haben, daß der deutsche Steuerzahler allein für die HRE mit 102 Mrd. Euro zur Kasse gebeten wurde.
Und: Die Deutsche Bank kam "glimpflich" durch die Finanzkrise, weil die Politik bei Ausbruch der Finanzkrise die Bilanzierungsregeln geändert hat, was der Deutschen Bank erhebliche Verluste erspart hat.
Ihre Aussagen zu den Landesbanken sind nicht glaubhaft! Sie selbst sagen ja, daß die auf das Konto der Neoliberalen gehenden Verluste der Landesbanken erheblich sind. Hätten die Landesbanken sich, wie in den früheren Jahrzehnten, um die - möglicherweise finanziell weniger luktrative - regionale Wirtschaftsförderung gekümmert, dann wären dem deutschen Steuerzahler die erheblichen Verluste jedenfalls erspart geblieben.
Ein weiteres Thema, bei welchem die hiesigen Neoliberalen erhebliche Mitverantwortung für die Wirtschaftskrise auf sich geladen haben: Die auf dem deutschen Lohndumping basierende extreme Exportfixierung der deutschen Wirtschaft. Siehe hierzu:
www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32198/1.html
www.nzz.ch/finanzen/nachrichten/die_verflixten_ueberschuesse_1.5380161.html?printview=true
sopos.org/aufsaetze/4bb59d044a5b8/1.phtml
claudia schrieb am 11.04.2010 um 07:57
>>"Die Krise, die wir verursacht haben, ist jetzt eure. Und wir denken gar nicht daran, dafür zu zahlen.”<<
Das war und ist die übliche Verfahrensweise, auch bei Rezessionen im Konjunkturzyklus. Auch dort haben Regierungen stets willig die Bedingungen einseitig im Interesse der Kapitalverwertung „optimiert”.
Gerade wurde der Ärztegewerkschaft gesagt, sie hätte bei ihrer Forderung „die Krise" nicht einkalkuliert. Als vorbildlich werden die Krankenschwestern dargestellt, deren Arbeit aufgrund unzureichender gewerkschaftlicher Organisation unterbewertet ist.

>>„Gier allein ist so wenig strafbar wie Dummheit....”<<
Das könnte auch für Heroinhändler gelten: Ihr Motiv ist Profitgier, sie handeln mit einem nachgefragten Produkt und eine Förderung der Nachfrage ist ebenfalls nicht strafbar. Wenn die Herkunft des Geldes nicht mehr erkennbar ist, dann ist der Investor immer "Leistungsträger". Auch sein Einkauf von Politikern ist übrigens nicht strafbar. Wenn das im Einzelfalle mal bekannt wird, dann kann nur der korrumpierte Politiker oder die korrumpierte Partei angeprangert werden, aber der Käufer ist unangreifbar.

Profitgier ist die Triebkraft des Kapitalismus.

Während im 19. Jahrhundert Marx/Engels noch feststellten, daß der Kapitalismus die industrielle Produktivkraft voran treibt, stellen wir heute fest, daß diese antiquierte Form der Wirtschaftsorganisation einer gesellschaftlichen Weiterentwicklung im Weg steht.
Kapitalismus ist ein teurer Luxus geworden. Wir können ihn uns nicht mehr länger leisten.
In den vergangenen 100 Jahren haben wir von Keynes bis attac viele Vorschläge gehört, wie der Kapitalismus reformiert werden könnte, so daß er noch eine Zeit lang erträglich ist. Wir wissen aber auch, daß die Macht des Großbesitzes alle Regeln unterlaufen kann.

Man kann sogar in ein „Grundgesetz”, das Verfassungsrang haben soll, hineinschreiben:
„Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen” und in einem weiteren Artikel die Enteignung zum Wohle der Allgemeinheit regeln, falls gegen Artikel 14 verstoßen wird.
Das ändert nichts daran, dass Geldbesitz, der nicht dem Lebensunterhalt dient, auch nicht dem Volk dient. Im Gegenteil, das Volk hat dem Besitz zu dienen.
Ein Beispiel: Man leiht dem Staat Geld, damit er Spekulationslöcher stopfe und profitiert anschließend von den Zinsen, die die Mehrwertsteuerzahler aufbringen müssen. So bedient auch eine „Krise” die außerhalb jeder Kritik angesiedelte Gierkultur und bringt Profit.
Solange der Reichtum herrscht, geschieht alles immer so, dass die unsichtbaren Besitzer reicher werden und alles, was Volk und Staat tun dürfen ausschliesslich der Reichtumsvermehrung zugute kommt.

Wenn beim attac-Tribunal Personen angeklagt werden, dann ist das nichts Anderes, als wenn das Volk den bösen Zehnteneintreiber des Fürsten lyncht. Den Fürsten kratzt das nicht, denn Funktionäre sind austauschbar. Es gibt genügend Anwärter, die das Gleiche tun werden wie ihre Vorgänger: Aufträge der besitzenden Minderheit ausführen, deren Gier zwar grundgesetzwidrig ist, aber von der Priesterschaft des Besitzes als gottgegeben und human dargestellt und gegen Kritik immunisiert wird .

---
Demokratisierung der Volkswirtschaft ist in Deutschland über eine konsquente Anwendung von Artikel 14/15 GG möglich.
Ein sehr beliebter Einwand dagegen: „Das geht nicht, denn die Entschädigung gemäß Artikel 15 wäre aufgrund des hohen Marktwertes von Banken und Konzernen zu teuer”. Damit wurde gezielt ein Mißverständnis aufgebaut: Art. 15 spricht ganz klar nicht von Kauf, sondern von Enteignung im Interesse des Allgemeinwohles. Eine eventuelle Entschädigung ist an Diesem zu orientieren und nicht am Marktwert. Wenn zuvor angerichtete volkswirtschaftliche Schäden auf die Entschädigung der Eigner angerechnet werden, dann wäre es vielen Fällen ein Gnadenakt, wenn sie überhaupt ein paar Cent pro Aktie erhielten.
Margareth Gorges schrieb am 11.04.2010 um 08:51


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