Politik

Schicksalsfrage | 16.07.2010 17:05 | Louise Roland-Gosselin

Darfur oder Südsudan

Luis Moreno-Ocampo, Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofes (ICC) in Den Haag, hat den UN-Sicherheitsrat dazu aufgefordert, gegen Khartum vorzugehen

Für die internationale Gemeinschaft gibt es im Umgang mit dem Sudan ein grundsätzliches Problem: Wie sind scheinbar konkurrierende Ziele miteinander zu vereinbaren, einerseits Präsident al-Bashir und seine Regierung für Gräueltaten in Darfur zur Rechenschaft zu ziehen und gleichzeitig das Referendum über eine Sezession des Südsudan im Januar 2011 nicht zu gefährden. Wie es in der Vergangenheit schon des öfteren der Fall war, weiß der Präsident, gegen den bereits 2008 durch ICC-Chefankläger Moreno-Ocampo Anklage erhoben wurde, dass die UN in dieser Klemme stecken und vor der Wahl stehen, die Strafverfolgung des ICC zu unterstützen und dadurch möglicherweise zu riskieren, dass al-Bashir das Referendum sabotiert, oder ihm nachzugeben, die Anschuldigungen zu ignorieren und damit zu bestätigen, dass es gegen die Diktatoren dieser Welt international keine Rechtsprechung gibt.

Zurück in den Bürgerkrieg

Das Kernstück der Friedensvereinbarung von 2005, das den 15 Jahre andauernden Bürgerkrieg zwischen der NPC im Norden und der SPLM im Südsudan beendete, besteht im Referendum über die Unabhängigkeit des Südens, auf das sich in den kommenden acht Monaten die nationale wie internationale Aufmerksamkeit richten wird. Dabei steht viel auf dem Spiel. Wenn der Volksentscheid reibungslos vonstatten geht, könnte er einen verlässlichen Frieden zwischen Nord und Süd bringen. Im Falle eines Scheiterns könnte der Weg wieder zurück in den Bürgerkrieg führen.

Die Verhandlungen über die Modalitäten einer möglichen Sezession dürften reichlich komplex ausfallen. Karthum dürfte es kaum zulassen, dass sich der ölreiche Süden vollkommen verselbstständigt, ohne dass erhebliche Kompensationen gezahlt werden. Auch besteht über den möglichen Grenzverlauf keine Einigkeit. Zugleich bringt das Plebiszit in einem Land mit einer größtenteils des Lesens unkundigen und weit verstreut lebenden Bevölkerung selbst eine Reihe von Schwierigkeiten mit sich. Die internationale Gemeinschaft muss daher eine große Rolle bei der Vorbereitung und Überwachung der Prozedur übernehmen und danach sicherstellen, dass das Abkommen über die Teilung des Landes von Dauer ist. Nur darf dies nicht auf Kosten von Darfur erfolgen.

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London in der Pflicht

Eigentlich hielten die Vereinten Nationen den Konflikt in der Unruheprovinz für beendet – die Frage der Wiederansiedlung von 2,7 Millionen Vertriebenen galt nur noch als humanitäres Problem. Doch kam es bereits im Februar wieder zu Luftangriffen der sudanesischen Armee. Zusammen mit örtlichen Milizen sorgte sie dafür, Städte und Flüchtlingslager zu zerstören. In einem vertraulichen UN-Bericht von Anfang Juni berichtet das Kommando der Friedenstruppe von UNO und Afrikanischer Union darüber, dass die Todesrate im Darfur-Konflikt im Mai auf den höchsten Wert gestiegen sei, seit die Mission 2007 ihre Arbeit aufnahm.
Während der kürzlichen Präsidentenwahlen verfolgte die internationale Gemeinschaft eine Politik des Stillschweigens und verzichtete darauf, al-Bashir für seine Taten in Darfur und für Wahlmanipulationen zu verurteilen. Man fürchtete, er könnte sich hierfür dadurch rächen, dass er die Wahl scheitern ließ. Dies führte zu einer Eskalation der Gewalt. Al-Bashir um des Südsudan-Referendums willen nochmals gütig zu stimmen, wäre ein schwerwiegender Fehler. Es gibt nicht nur die moralische Verpflichtung, den Millionen von Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen – sie gilt auch für die Arbeit des Internationalen Gerichtshofes, wenn künftige Krisen vermieden werden sollen.

Als eines der drei Länder, die mit der Überwachung des Friedensprozesses im Sudan betraut sind, muss Großbritannien eine tragende Rolle übernehmen und dafür sorgen, dass die internationale Gemeinschaft zu den Gräueltaten in Darfur nicht schweigt, nur weil Bashir sich in Bezug auf das Referendum kooperativ zeigt. Mehrere aufeinander folgende britische Regierungen haben konkrete Versprechungen gemacht, den Menschen in Darfur Gerechtigkeit zu geben, sind aber immer an der ersten Hürde gescheitert. Als er in der Opposition war, schrieb William Hague: „Wir dürfen der Regierung in Karthum nicht erlauben, in einer Kultur der Straflosigkeit zu operieren. Wir sollten auf der Zusammenarbeit Sudans mit den Ermittlern des Internationalen Strafgerichtshofes bestehen.“ Man kann nur hoffen, dass der jetzige Außenminister den Mut besitzt, an seinen Überzeugungen festzuhalten und für sie einzustehen.

Übersetzung: Holger Hutt

 
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Artikelaktionen
Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 16.07.2010 um 20:24
Fakt ist das "Petrol China" mit dem Bau der Pipeline für das Öl aus dem Süd-Sudan durch Uganda nach Kenia fast fertig ist. Ohne Chinas Widerstand im UNSC wird die Wahrscheinlichkeit für die Verhängung von Sanktionen gegen den Sudan schnell Realität, weil dann das Öl nicht mehr durch Nord-Sudan muss.
Der Beitrag hier ist etwas zu oberflächlich und ich hatte zu diesem Thema hier in der FC bereits einen Beitrag geschaltet, der allerdings nicht gelesen wurde und darum habe ich den wieder herunter genommen. Falls es doch jemand hier zufällig interessiert, er ist auf meinem Blog: tiny.cc/766e7
Fritz Teich schrieb am 17.07.2010 um 09:42
<<
halbwegs akzeptable Unterkünfte unerschwinglich
>>

Meine Spezis kriegen irgendwelche zusaetzlichen 4000 von denen 3000 fuer wenig mehr als ein Zimmer draufgehen.
Fritz Teich schrieb am 17.07.2010 um 09:39
Mir hat ein afrikanischer Friedenssoldat gesagt, dass er auf der Seite Bashirs steht. Die Grenzen Sudans waren einmal prima. Dass der Suedsudan dann den Weg des Kongos und Darfur den Weg des angeblichen Genizides haengt mit hier ganz offenen kapitalistischen Begehrlichkeiten und dem Handel mit Kleinfeuerwaffen zusammen. Frueher reichte es, die die sogenannten afrikanischen Nomaden in Darfur alle zwei Jahre mit dem Knueppel zu vertreiben. Afrikanische Laender sind vor allem immer extrem schwach. Wer da wem Waffen verkauft hat schon gewonnen.
Fritz Teich schrieb am 17.07.2010 um 09:57
<<
des angeblichen Genozides
>>

Was ist ein "Genozid"? Nach herkoemmlicher Definition ein Unternehmen, dass auf die Ausrottung wenigstens eines Teiles einer Bevoelkerungsgruppe gerichtet ist. Wenn das die seit Jahrhunderten in den Darfur eindringenden "Afrikaner" -- im Gegensatz zu "Araber" -- waeren und Bashir eine entgueltige Loesung gewollt haette, so wie die Musikindustrie mit einem wasserdichten DRM ein fuer allemal Raubkopien verunmoeglichen will, so truege der Westen an dieser Eskalation zumindest eine Mitschuld, wenn er nicht gar der eigentliche Taeter waere. Wenn man davon ausgeht, dass diese "Afrikaner" weiter in den Darfur eindringen werden, wie auch Bashir weiss, kann man kaum von einem genozidalen Willen sprechen. Unternehmen heisst im Uebrigen gar nichts. Es muessen noch nicht einmal Menschen umgebracht worden sein. Usw. Die UN, die den Genocid verhindern will, vermeidet den Begriff zunehmend ganz.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 17.07.2010 um 16:11
@ Fritz Teich: Es geht ja in erster Linie um das Referendum im Südsudan und nicht um Dafur, Anders als eine Tsunamiwelle, ist diese Katastrophe weitgehend unsichtbar in den Medien. In Darfur, wo ethnische Milizen, die von der arabisch-dominierten Regierung in Khartum unterstützt treibenden zunächst einmal die schwarzafrikanischen Bauern von deren Land. Die Tötung der Männer, vergewaltigungen von Frauen und Mädchen sind im einzelnen dem ICC bekannt, - aber es gibt keine Beileidsbekundungen aus dem der Welt. Zwischen 200.000 und 300.000 Menschen wurden getötet und weitere 3,5 Millionen obdachlos (UNHCR 2009). Und, wie in Ruanda ein Jahrzehnt zuvor, wir tun nichts, um dies zu stoppen! Lapedusa und und andere Aufnahmelager in Malta unnd Italien sind darum voll mit diesen "Afrikanern"...

Vrgessen Sie nicht Mitarbeiter von Medcins Sans Frontières wurden wegen Hochverrat verhaftet und angeklagt. Ihr einzigens Verbrechen bestand darin bei einem Vortrag auf einem internationalen Kongress in Den Haag die Anzeichen dazulegen, dass die Regierung in Khartum Vergewaltigung systematisch als Waffe gegen die Zivilbevölkerung einsetzt - ein Vorwurf, den Khartum weiterhin beharrlich bestreitet, aber die Tausende von Opfern bestätigen.

Die eigentliche Frage ist doch: Können wir mehr tun, als zu nur klagen? Können wir verstehen unsere Lähmung oder Ignoranz wahrheitsgemäß verstehen, um diese Vertreibungen zu beenden? Seit Srebrenica und Ruanda, der damalige Sondergesandte Jan Pronk hatte es sich als Diplomat erlaubt sich das Recht zu nehmen öffentlich die Vertreibunngen öffentlich anzuprangern. Diplomaten sind keine Soldaten und darum sind deren öffentliche Aussagen nicht gleich tödlich.

Zurück zu vagen Haltung unseren gegenwärtigen Politik zum dem Regime bedeutet das wir Karthum gestatten zu diktieren, wie Frieden in Darfur zurückzukehrt.

Milliarden von Dollar werden durch die Hilfsorganisationen ins Land gepumpt, um Probleme in einem Land von unglaublicher enthalten Reichtum zu verschleiern. Öl ist der Grund dafür das unsere Regierungen Bemühungen unterlaufen um Rechtsvorschriften durchzusetzen die zur Beendigung des Völkermords notwendig wären. Gleichzeitig suchen verschiedene Regierungen engere Beziehungen mit Khartum - nicht weil die sudanesischen Regierung in den Krieg gegen den Terror kooperiert, wie einige behaupten, sondern weil die Ölkonzerne hinter unseren Regierungen stehen. Dies ist auch der Grund warum die beiden UN-Sicherheitsrat Mitglieder, Russland und China, sich sich der Abstimmung über die Resolution 1706 enthielten.

Mir persönlich ist vollkommen unerklärlich was da so kompliziert sein soll diese klaren Tatsachen zu verstehen. Es ist diese Art der Politik der Neokonservativen und der Ölgesellschaften. Nur, diese Politik verringert nicht etwa unsere wachsende Abhängigkeit von Öl. Die offensichtliche Folge ist, dass es viele solcher Kriege geben wird. Und zu einem gewissen Grad weiss das hier jeder, - wir wissen, das unser Lebensstil so unhaltbar ist. wir wissen, dass wir unsere Auto mit Menschenleben betanken. So, Fritz Teich, es ist es ein Schweigen der Komplizenschaft von uns allen. Die "Afrikaner" die bei uns um Asyl betteln schicken wir einfach wieder zurück.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 17.07.2010 um 16:39
liest sich etwas weil hölzern, sorry, hab dies zu Dafur aus einer alten "op-end" die ich auf französisch geschrieben hatte übersetzt, aberr bei dieser Hitze hier brummt der Traubensaft in der Birne, da sollte niemand 'was schreiben...


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