Politik

Anti-Terror-Krieg | 03.05.2011 15:20 | Andrea LeBlanc

Amerika nach Osama

Andrea LeBlanc verlor durch 9/11 ihren Mann. Doch sie jubelt nicht über Osamas Tod. Sie fordert Gerechtigkeit statt Rache - und ein Ende der Erosion der Bürgerrechte

Ich habe Sonntagnacht die Nachricht von der Presseerklärung des Präsidenten um 23.45 Uhr nicht gehört. Ich habe von der Tötung Osama bin Ladens erst erfahren, als mich morgens um halb eins ein Reporter anrief, um sich nach meiner Reaktion zu erkundigen. Ich bezweifle, dass die Tötung eines Menschen jemals ein Grund zum Feiern sein kann, ganz egal, welch schreckliche Taten er auch begangen haben mag. Erleichterung vielleicht, darüber, dass die lange Jagd nun vorüber ist, aber gejubelt habe ich nicht.

Ich fragte mich, welchen Eindruck die Freudenfeiern in den USA auf die Menschen in der islamischen Welt machten und erinnerte mich an die erschütternden Szenen, wie in einigen Teilen der Welt nach den Angriffen vom elften September öffentlich gefeiert wurde. Bin Laden war für viele ein Anführer und eine Inspirationsquelle, aber mit seinem Tod wird die Bedrohung durch Al-Qaida nicht verschwinden. Ich denke, dass er es nie zugelassen hätte, lebendig gefangen genommen zu werden. Sein Tod hat ihn zweifellos zum Märtyrer gemacht und wird möglicherweise Grund genug für erneute Anschläge sein.

Es gibt nicht viele Dinge, von deren absoluter Wahrheit ich überzeugt bin. Dass Gewalt Gegengewalt erzeugt, gehört dazu. Ich denke, dass bin Ladens Tod dies bestätigt. Ich und die anderen Mitglieder von September 11th Families for Peaceful Tomorrows wollen, dass die Verantwortlichen der Anschläge vom elften September ihrer gerechten Strafe zugeführt werden, aber wir glauben, dass der Gerechtigkeit im Gerichtssaal genüge getan wird, und nicht auf dem Schlachtfeld.

Ich will keine Rache, sondern Gerechtigkeit – das sind zwei sehr verschiedene Dinge. Bin Ladens Tod macht meinen Mann nicht wieder lebendig. Seit neuneinhalb Jahren beschäftigt mich, wie viele Menschenleben der elfte September gekostet hat. Nicht nur an jenem Tag. Ich denke auch an all die Soldaten und Zivilisten, die seitdem in zwei Kriegen ihr Leben lassen mussten und die, deren Leben im Namen des elften September immer noch bedroht und vernichtet werden. Und ich denke an den Preis, den unsere Gesellschaft in Form der Erosion der Bürgerrechte, der Kompromittierung unserer Grundsätze und der Unterminierung des Vertrauens in unser Rechtssystem bezahlen musste.

Ich bin sehr froh, dass Präsident Obama Sonntagnacht in seiner Rede gesagt hat, bin Laden habe nicht für den Islam gestanden, sondern habe diesen verzerrt, um ihn für seine eigenen Ziele zu instrumentalisieren. Ich hoffe, dass die Amerikaner ihm zugehört haben. Und er sprach über die Wahrung der Grundsätze, auf denen die USA gegründet wurden.

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Ich hoffe aufrichtig, dass wir von nun an Entscheidungen treffen und eine Politik verfolgen, deren Basis unser  Vertrauen in diese Prinzipien, in unseren Glauben an die Rechtsstaatlichkeit, die Bürgerrechte und den Schutz, für den die amerikanische Verfassung garantiert, ist.

Übersetzung: Holger Hutt
 
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