Wulff's Freunde im Überblick

Christian Wulff hat in seiner Erklärung kurz vor Weihnachten betont: „Ich sehe ein, nicht alles, was juristisch rechtens ist, ist auch richtig“. Nach allem, was wir inzwischen erfahren haben: Kann Wulff noch von sich behaupten, juristisch korrekt gehandelt zu haben?
Der zitierte Satz ist eine Plattitüde. Genau genommen enthält er auch weder die Behauptung, „rechtens“, noch das Eingeständnis „unrichtig“ gehandelt zu haben. Der Versuch, Einfluss auf die Presseberichterstattung zu nehmen, gehört der dritten Kategorie an, die mit „dumm“ zutreffend beschrieben wäre. Ein mit der verfassungsmäßigen Aufgabe des Bundespräsidenten unvereinbares Verhalten ist nie „rechtens“. Die Finanzierung eines Hauskaufs ist eine private Angelegenheit. Sie wird bei einem Amtsträger zu einer öffentlichen, wenn die Gefahr einer unerlaubten Begünstigung wegen seiner Stellung vorliegt.
Bedeutet es einen Bruch der verfassungsmäßig garantierten Pressefreiheit, wenn das Staatsoberhaupt Journalisten einzuschüchtern und Berichterstattung zu verhindern versucht?
Der Versuch, eine erwartete ungünstige Presseberichterstattung über eigenes Verhalten zu verhindern oder abzuschwächen, gehört nicht zu den Aufgaben des Bundespräsidenten. Er kann einer solchen Berichterstattung natürlich mit eigenen Argumenten entgegentreten.
Ist der Präsident unter diesen Umständen noch haltbar?
Sein Verhalten gegenüber der Springer-Presse ist ihm als Bundespräsidenten zuzurechnen und daher nicht tolerierbar. Ein Rücktritt würde dem Amt und seiner Partei gut tun.
Als Horst Köhler 2006 zwei Gesetze wegen Verfassungsbedenken gestoppt hat, haben Sie sein Handeln als Verfassungsbruch kritisiert. In der Bevölkerung schien bei solchen Alleingängen die Meinung vorzuherrschen: gut, dass da einer nicht alles mitmacht. Haben wir falsche Vorstellungen von der Aufgabe des Bundespräsidenten?
Das Amt des Bundespräsidenten ist nach den schlechten Weimarer Erfahrungen mit erheblich geringeren Rechten als damals ausgestaltet. Einen wesentlichen Einfluss auf die Politik hat er nicht. Neben seinen vielfältigen Repräsentationspflichten kann er vor allem mit dem Wort wirken; nicht jeder bringt dazu die Gabe mit. Dass im Volk gelegentlich zu hohe Erwartungen an das Amt gestellt werden, schadet diesem und ist meist ein Zeichen dafür, dass unser parlamentarischen Regierungssystem nicht immer den berechtigten Erwartungen gerecht wird.
Verstellt die ewige Debatte über die „Würde des Amtes“ womöglich den Blick auf die eigentlichen Aufgaben und Anforderungen an einen Bundespräsidenten im 21. Jahrhundert?
Ich würde das Wort „Würde“ in diesem Zusammenhang eher klein schreiben. Wir können zwar noch nicht mit Italien konkurrieren, das mit Berlusconi einen einmaligen Rekord aufgestellt hat. Man kommt aber doch ins Sinnieren, wie es um die Reife des politischen Personals bei uns bestellt ist, das bei uns in das höchste, wenn auch nicht wichtigste Amt gelangen kann.
Womöglich erleben wir in den nächsten Tagen den Rücktritt des zweiten Bundespräsidenten innerhalb von nicht einmal zwei Jahren. Ist das Amt am Ende nicht mehr zeitgemäß?
Es gibt wenig Sinn, sich über das Amt selbst den Kopf zu zerbrechen, wenn ein Amtsinhaber nicht gut tut. Bei einer Totalrevision der Verfassung ist das aber ein Merkposten.
Hans Meyer gehörte unter anderem von 1970 bis 1976 dem Wissenschaftsrat an und bekleidete ab 1974 die Professur für Staats-, Verwaltungs- und Finanzrecht an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Von 1996 bis 2000 war er Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin.
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„Ich bin davon überzeugt: Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar. Sie sehnen sich danach, reinen Wein eingeschenkt zu bekommen.“ (Christian Wulff 2010 im Focus Interview)
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schrieb am
04.01.2012 um 06:04
Mir gefällt: "Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen" vom Tenor her deutlich besser.
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Wir können uns hier den Hintern aufreißen aber eines steht fest, wenn Wulff in den nächsten 8 Wochen die nötige Arschruhe wie Merkel besitzt, ist die Krise überstanden. Wichtig ist, dass schnell eine andere Sau durchs Dorf getrieben wird. Aber das werden jetzt die Medien nicht zulassen, zu ungezogen war er durch seine Einmischung hinsichtlich der Pressefreiheit.
An der ganzen Prozedur ersieht man aber, was unsere Obrigkeit über den Köpfen des Volkes für Unheil anrichten. Für mich war Wulff hinsichtlich seiner Verklemmtheit kein guter Vertreter für dieses Land und ich habe mich nicht getäuscht. Darauf bin ich sehr stolz, aber auf mich hört man ja nicht (Spaß). Nein, Merkel hat mit ihrer Kungelei, dass war schon bei Köhler so, unser Land in eine tiefe Krise gestürzt. Ich hoffe nur, dass Merkel hier eine ganze Menge davon ab bekommt. Was soll nur das Ausland von uns denken. Ein Bundespräsident in verschiedensten Affären verstrickt und mit seiner neuen Frau soll es angeblich auch nicht zum Besten bestellt sein. Ist das ein Aushängeschild für unser Land? Nein, und darum muss Wulff zurück treten, der Hygiene wegen. |
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In wessen Interesse ist es, zu tun, was dem Amt des Bundespräsidenten und der Partei - der CDU - gut tut? Ist es nicht besser, wenn das alltäglich Übliche deutlich sichtbar wird? Ein bisschen weniger Respekt vor dem Staat tut nicht der Partei, wohl aber der Demokratie gut.
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Der Bundespräsident Wulf hat sicherlich nicht die Reife für dieses Amt. Selbst in der heutigen Interviewsituation sieht er sich auch ein wenig als Opfer. Die Frage stellt sich und sie wird sich in den nächsten Jahren stellen, falls er im Amt bleibt: Wie ehrlich ist er wirklich? Wie ich höre, tritt er nicht zurück. Wieder eine Chance verpasst. Merkel wird es freuen. Dabei frage ich mich, wo er die ganzen Unterstützer in der Bevölkerung her haben will.
Ich bin auch der Ansicht, die ganze Konstruktion "Bundespräsident" muss überdacht werden. niclas quinten |
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