Politik

Schuldenkrise | 27.01.2012 14:15 | Lutz Herden

In der Risiko-Spirale

Die EZB stemmt sich gegen die Eurokrise, indem sie immer mehr Staatsanleihen verschuldeter Euro-Länder übernimmt. Ein Überblick über die Risikofaktoren

Bisher hat die EZB viel und vor allem viel Unegwöhnliches getan, um Domino-Effekte zwischen hoch verschuldeten Euroländern in Grenzen zu halten. Sie hat Anleihen der Großschuldner aufgekauft, Gläubiger-Banken in Liquidität gebadet, Kredite gewährt – und sich damit selbst nicht unbeträchtlichen Gefahren ausgesetzt. In diesem Engagement stecken derzeit 678 Milliarden Euro – Tendenz steigend. Der EU-Gipfel am 30. Januar muss entscheiden, ob dieser Kurs fortgesetzt wird. Entlasten könnte die EZB, wenn der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) wie geplant vorgezogen wird und bereits am 1. Juli in Kraft tritt, doch auch dann dürften sich die Risiken für die Gemeinschaftbank der Eurozone zunächst nicht vermindern.

Risikofaktor eins – der Abladeplatz

Seit mehr als einem Jahr Jahr kauft die Bank Schuldverschreibungen von Euro-Staaten, die anderweitig größtenteils nicht mehr zu refinanzieren wären. Da es sich bei den Gläubigern dieser Länder größtenteils um Banken, Versicherungen und Investmentfonds handelt, kommt der Anleihekauf zunächst diesen Kreditgebern zugute – als indirekte Subvention aber auch den Schuldnern. Wenn allerdings Staaten, deren Anleihen die EZB erworben hat, in den Bankrott gehen, sind diese Wertpapiere in ihrem Portfolio wertlos. Die Höhe des Risikos ergibt sich aus dem Gesamtwert dieser Depots: Er liegt Januar 2012 bei 217 Milliarden Euro.

Risikofaktor zwei – der Kreditgeber

Wie das Kreditgeschenk kurz vor Weihnachten zeigt, sorgt die EZB für ausreichende Liquidität im privaten Bankensektor. Am 21. Dezember wurden fast 500 Milliarden Euro für eine Laufzeit von 36 Monaten zum Leitzins von einem Prozent zur Verfügung gestellt. Durch diesen Liquiditätsschub sollten die Geldhäuser untereinander wieder kreditfreudiger und in Kauflaune versetzt werden. Denn 2012 müssen hoch verschuldete und mit schlechtem Rating bedachte Euroländer Anleihen von mehr als 600 Milliarden Euro platzieren. Möglichst zu erträglichen Zinsen, jenseits der Fünf- oder Sechs-Prozent-Marke. Für Ende Februar ist erneut ein so genannter Dreijahres-Tender mit einem Volumen wie im Dezember 2011 angekündigt – allein die Erwartung, dass es dazu kommt, bleibt für die Finanzmärkte nicht ohne Einfluss. 

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Risikofaktor drei – das Handelskontor

Durch Target-Kredite sichert die EZB einen Teil des Warenverkehrs innerhalb der EU. Da besonders Euro-Krisenländer viel mehr Waren einführen, als sie ausführen, müssen die Importe vorübergehend durch derartige Kredite bezahlt werden. Sie entstehen, indem die EZB den jeweiligen Notenbanken erlaubt, auf Pump Geld zu drucken. Allein Griechenland, Irland, Portugal und Spanien hatten bis zum Juni 2011 für rund 327 Milliarden Euro Verbindlichkeiten gegenüber der EZB angesammelt. Damit verbundene Risiken sind mit denen möglicherweise nicht mehr einlösbarer Staatsanleihen vergleichbar.

 

Einen Überblick über die Gesamtverschuldung der Euro-Länder (in Prozent des Bruttoinlandsproduktes) und ihr jeweiliges Rating gemäß der US-Agentur Standard& Poor's haben wir in einer Grafik veranschaulicht, die hier als pdf heruntergeladen werden kann.
 

 
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Artikelaktionen
Kommentare
bettercentury schrieb am 27.01.2012 um 23:29
FINALE!!!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Sportfreunde! Ich begrüße Sie recht herzlich live aus der globalen Finanzarena zur Verlängerung im Finale der Weltfinanzliga! Ja liebe Sportfreunde, alle 60 bis 80 Jahre kommt es zu einem solchen Finale und in der Vergangenheit haben wir wirklich denkwürdige Partien gesehen.

Unsere heutige Paarung lautet:

zinsbasiertes Schuldgeldsystem vs. Exponentialfunktion

Ein Blick in die Statistik verrät, dass Exponentialfunktion alle bisherigen Begegnungen gewinnen konnte. Mal sehen...

Weiter gehts hier: bettercentury.blogspot.com/2012/01/live-das-finale-der-weltfinanzliga.html

ich wünsche uns ein faires spiel und großen sport!


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