Empfehlung der Woche

Liefern

Liefern

Tomer Gardi

Hardcover, gebunden

320 Seiten

25 €

Zur Empfehlung
Made in EU

Made in EU

Stephan Komandarev

Spielfilm, Sozialdrama

Bulgarien, Tschechien, Deutschland 2024

108 Minuten

Ab 19. Februar 2026 im Kino!

Zur Empfehlung
Die lieben Nachbarn! Deutschland und Österreich

Die lieben Nachbarn! Deutschland und Österreich

Vom 21. Februar bis 17. Mai 2026

Vernissage am Freitag, den 20. Februar 2026!

Galerie Stihl | Waiblingen

Zur Empfehlung

Politik : Der Rückzug eines Alpha-Tiers

Oskar Lafontaine wollte den Vorsitz der Linkspartei – aber nur zu seinen Bedingungen. An dieser Haltung ist er gescheitert

Zum Kommentar-Bereich

Dieser Artikel ist für Sie kostenlos. Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag abonnieren und dabei mithelfen, eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Share Icon
Jetzt kostenlos testen

Das war aber ein kurzes Comeback. Die dritte Wiederkehr von Oskar Lafontaine auf die große Bühne der Politik dauerte kaum mehr als eine Woche. Acht Tage genau. Nach dem Ausscheiden seiner Partei bei der Landtagswahl in NRW hatte er angekündigt, noch einmal für den Parteivorsitz der Linkspartei zu kandidieren.

Aber er wollte die Macht nicht nur zu seinen Bedingungen an sich reißen, er wollte dazu auch noch gebeten werden. Lafontaine als Retter, gar als Messias. Große Teile der Partei haben das offenbar anders gesehen. Nachdem gestern Fraktionschef Gregor Gysi, als der beinahe einzige noch verbliebene ostdeutsche Gefolgsmann, seine Sympathie für die Kandidatur von Dietmar Bartsch bekundete, brodelte die Gerüchteküche und die Zeitungen von heute spekulierten bereits über Lafontaines Abgang.
Vor knapp einer Stunde meldeten dann die Agenturen, dass Lafontaine darauf verzichtet, die angeschlagene Partei aus der Krise zu führen: „Ich habe allerdings zur Kenntnis nehmen müssen, dass meine Bereitschaft nicht zu einer Befriedung der innerparteilichen Auseinandersetzung geführt hat, sondern dass die Konflikte weiter eskaliert sind“, begründete der Saarländer seinen Schritt.

Lafontaine ist sicher einer der bedeutendsten Politiker Deutschlands, er tritt nun als einer der letzten seiner Generation – der Enkel Willy Brandts – den Rückzug an. Und auch wenn viel über interne Personalquerelen und Flügelkämpfe in der Linkspartei geschrieben und geredet worden ist – im Kern war es ein Generationenkonflikt, der den Auseinandersetzungen zugrunde lag. Denn zwischen dem 69-Jährigen Lafontaine und einer hauptsächlich in Ostdeutschland sozialisierten Partei, die viele jüngere Talente hervorgebracht hat, liegen Welten.
Diese Kluft beschrieb die stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak vor einigen Tagen so: „In der West-SPD und den Gewerkschaften hat man das von oben nach unten autoritär durchgesetzt. In der PDS haben wir, aufbauend auf den schlechten Erfahrungen aus der SED, gelernt, Politik von unten nach oben zu machen. Ich will keinen Rückschritt.“
So tief waren also bereits die Gräben zwischen der jüngeren Führungsmannschaft der Linken und dem Mann aus dem Westen: Man sprach über ihn wie einen Fremden, der SPD-Mann, der aus der Kälte kam und in seinem Politikstil an die SED erinnert.
Immerhin: Es ist Lafontaine hoch anzurechnen, dass er das Feld nach solchen klaren und äußerst kritischen Äußerungen, von denen es in den letzten Tagen viele gegeben hatte, räumt. Auf den Mann und die Frau, die nun kommen, warten große Aufgaben. Lafontaine wird sich gewiss noch manches Mal darüber freuen, dass deren Lösung nun andere übernehmen müssen.

Themen

sticky banner image

der Freitag digital: 12 Monate für € 192 € 144

Jetzt mitlesen & € 48 sparen