Die Macht der Sprache kann es nicht sein, mit der Deutschlands neuer Wirtschaftsminister die Öffentlichkeit verzaubert. Neulich gab er wieder mal eine Kostprobe seiner sonderbaren Sätze. 20. Juli, Berlin-Plötzensee, jährliches Ritual des guten Gewissens. Man konnte danach in den Meldungen den Satz lesen: „Als einer, der aus der Generation der Urenkel komme, sei ,Erinnern im Sinne des Erlebten unerreichbar fern‘, bedauerte er.“ Da waren die Agenturkollegen bei der Formulierung genau so überfordert wie der Minister selbst. Wenn dieser Guttenberg den Mund auftut, dann bleibt im freiherrlichen Satzbau kein Stein auf dem anderen. Neulich warf er im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung den Unternehmen „Gier und Genügsamkeit“ vor und zu seinem eigenen Amt sagte er: „Ich bin mir über die Endlichkeit bewusst.“ Am 12. Februar wurde er vereidigt. Wer kannte ihn bis dahin? Experten für die Innereien der CSU. Jetzt ist er ein Star.
Es spricht für die tote Phantasie der Journalisten und die Borniertheit der gremiensatten Berliner Politikprofis, dass sie so einen, der von außen kommt, aus der Provinz, erst einmal und grundsätzlich unterschätzen. „Die Postenvergabe im Wirtschaftsministerium zeigt, dass dieses Amt nun endgültig am unteren Ende der Bedeutsamkeit angekommen ist“ hatte die Süddeutsche im Februar gehöhnt – und lag damit komplett daneben.
Und wieviel Gespür hatten die Linken, die Sozialdemokraten und die Gewerkschafter noch für das, was man die öffentliche Stimmung nennen mag? Zielsicher am Geschmack des Volkes vorbei wollten sie Guttenberg als „Baron aus Bayern“ diffamieren. Und Müntefering hat geätzt „Lieber frei und links als Freiherr und rechts“ – weil er auf die deutsche Neidkultur setzen wollte und auf soziale Ressentiments gegen den Mann, für den der Stern einen hübschen Titel gefunden hat: „Ein Aufsteiger, der von oben kommt.“ Aber das ist alles billig. Und das verfängt bei den Menschen auch gar nicht. Guttenberg ist, kaum zu glauben, im Moment einer der beliebtesten Politiker – hinter Horst Köhler und Angela Merkel.
Es ist richtig, das sind keine besonders ermutigenden Umfrageergebnisse: Der Mann ohne Gedanken und die Frau ohne Eigenschaften – außer jener, die Macht zu wahren – sind tatsächlich unsere beliebtesten Politiker. Aber so ist unser Wahlvolk und ein anderes haben wir nicht.
Guttenberg hat besser als seine Gegner verstanden, wie das politische Geschäft läuft, wie man Markenbildung betreibt, wie man eine öffentliche Figur formt. Das Wirtschaftsministerium ist – selbst in der Krise – keine mächtige Behörde. „Gralshüter der Sozialen Marktwirtschaft“ wird der Wirtschaftsminister genannt. Obwohl das heute in Wahrheit nichts mehr bedeutet. Ludwig Erhard ist ein Gründungsvater des westdeutschen Selbstbewusstseins. Und dass nicht der mythische Erhard das Wirtschaftswunder geschaffen hat, sondern das Wirtschaftswunder den Erhard-Mythos, das spielt keine Rolle. Wenn man sich in Deutschland auf Erhard beruft, macht man nichts falsch.
Aber auch jenseits des Showgeschäfts hat Guttenberg schnell gelernt. Es ist ja bemerkenswert, wie sich beim Thema Opel im Wirtschaftsministerium der Wind gedreht hat. Plötzlich liegt der österreichisch-kanadische Bieter Magna wieder hinten und die Investmentgesellschaft RHJ hat beste Chancen, das Rennen zu machen. Hinter Magna stehen die Russen. Hinter RHJ die Amerikaner der Finanzfirma Ripplewood. Die IG Metall schäumt: Guttenberg torpediere die Verhandlungen mit den Russen, um den Amerikanern den Weg frei zu machen. Die Gewerkschaft fürchtet, dass RHJ das Geschäft von General Motors betreibt.
Die Amerikaner haben starke Verbündete nicht nur im Wirtschaftsministerium: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender des Springer-Verlages, sitzt im Aufsichtsrat von Ripplewood. Das Unternehmen wird geleitet von Döpfners Freund Leonhard Fischer, ehemals Chef der Dresdner Bank und Mitglied der neuen Berliner Haute-Volée, die es sich in den Villen von Potsdam eingerichtet hat, mit Seeblick. Ein besonders schönes Anwesen haben Döpfner und Fischer zusammen gekauft und wollen es zum Jubiläum des Mauerfalls in diesem Herbst der Öffentlichkeit übergeben. „Potsdams Visitenkarte am Eingang der Havelstadt“, schwärmt die Bild-Zeitung. Das Blatt berichtet übrigens auch wohlwollend über die Bemühungen der US-Investoren, einen Fuß in die Opel-Tür zu bekommen.
Und Guttenberg? Ist ein kluger Nachwuchspolitiker. Das Wirtschaftsministerium ist ja erst der Anfang. Nach der Wahl, das scheint heute sicher, wird er im Kabinett bleiben. Wer würde auf ihn jetzt noch verzichten wollen? Guttenberg wird schon wissen, dass es nur von Vorteil ist, den Springer Verlag, die Bild-Zeitung auf seiner Seite zu wissen. Wohlgemerkt, auch Springer kann keine Politiker an die Macht schreiben. Aber Springer kann ihnen helfen, die Macht zu halten. Guttenberg war selbst mal freier Mitarbeiter der Welt, deren Chefredakteur Döpfner war, und er soll in die Redaktion immer noch gute Kontakte haben. So schließen sich Kreise. Kreise der Macht und des Einflusses, aus Wirtschaft und Politik und Medien. Und der Betriebsrat von Opel ist zu den Soiréen in Potsdam leider nicht eingeladen.
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Das ist es! Um nichts anderes geht es. Im Grunde hätte man auch auf die "Ideologie des Marktes" im Aufhänger verzichten können. Es geht um die Macht, es geht darum, den Souverän auf kaltem Wege zu entmündigen. Ein Gutteil ist schon geschafft. Schon bald, fürchte ich, werden wir diese Republik nicht mehr wiedererkennen.
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Na gut, das dumme Wahlvolk und die Verblödung durch die Springer-Presse, ist aber doch eigentlich ein alter Hut. Der springende Punkt ist meiner Meinung nach vielmehr, das G. Schröder mit seinem bürgerlich-intellektuellen Kumpel Fischer zusammen das Ansehen der SPD als Vertretung der weniger gut gespickten auf schätzungsweise 20 Jahre hinaus ruiniert hat, und die Leute entscheiden sich lieber für das erzkapitalistische Original, nebst Sümpfblüten wie "Johann Gambleputty Eisenbahnwagen ...", einfach um auf der sicheren Seite zu sein. Da kann man ihnen eigentlich nicht mal einen Vorwurf machen, das es hierzulande für eine linke Mehrheit in nächster Zeit wirklich nicht mehr reichen wird, Wein saufen und Wasser predigen hat sich noch nie gut verkauft, die Angie-Parteien sind wenigstends so ehrlich zu sagen: "Wenn ihr fleissig für uns pujacken geht, lassen wir euch leben und eine Chance von 1:1.000.000 auf sozialen Aufstieg, viele Domestiken haben das schon geschafft".
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>„Als einer, der aus der Generation der Urenkel komme, sei ,Erinnern im Sinne des Erlebten unerreichbar fern‘, bedauerte er.“<
Was ist denn an dem Satz so kryptisch? Er sagt doch nur, daß er sich an diese Zeit nicht aus persönlicher Erinnerung heraus, sondern lediglich als Historie erinnern kann. Was dann doch wohl auch eine andere Form des Erinnerns nach sich zieht. Ist doch gar nicht so doof gedacht. Oder versteh ich jetzt hier irgendwas nicht richtig? |
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schrieb am
24.07.2009 um 12:22
@Titta
Na ja, ich finde den Satz von Guttenberg schon komplett verschwurbelt. "Erinnern im Sinne des Erlebten", was soll das sein? Kann man sich auch an Geschehnisse erinnern, die man nicht erlebt hat? - Ich würde sagen: nein, solcher Geschehnisse kann man nur gedenken. Außerdem ist der erste Teil des Satzes mit dem letzten grammatikalisch völlig falsch verbunden. Das Subjekt wechselt von "ich" zu "man". Das legt den Schluss nahe, dass Guttenberg Schwierigkeiten damit hatte, sich den Inhalt seiner eigenen Aussage auch selbst zuzuschreiben. Sonst hätte er sagen können: "Für mich als einen, der ..." Oder eben gleich allgemein gesprochen: "Für die Generation der Urenkel ..." Wobei man sich dann immer noch fragen würde: "Urenkel von wem?" "Urenkel der Täter/Nazis/Mitläufer" wollte Guttenberg wohl nicht sagen, damit bei seiner eigenen Klientel bloß nichts falsch rüberkommt. Klingt jetzt vielleicht alles etwas pedantisch, aber ich denke, so ähnlich kann man den Satz deuten. |
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Liebe Titta,
verstanden habe ich den Satz auch. Aber er besteht dennoch aus Wortmüll. "Erinnern im Sinne des Erlebten" - das geht auf Deutsch nicht. Die Koppelung "im Sinne" ist unsinnig. Außerdem geht es ja auch nicht darum, ob das "Erinnern" "unerreichbar fern" sei - sondern das vergangene Geschehen selbst. Kurz: Es handelt sich um einen schönen Politikersatz, wie man sie von Stoiber noch gut in Erinnerung hat. Ich finde auch nicht, dass man Leuten einen Vorwurf aus solchen Sätzen machen sollte, wenn sie im Gespräch oder einer Stehgreif-Ansprache fallen - obwohl, eigenlich finde ich es doch, denn ein Politiker sollte halt reden können. Wenigstens das. Aber hier handelte es sich ja um eine Ansprache! Die hat er doch eh abgelesen. Wissen Sie was? Ich werde mal im BMW anrufen und dort bitten, dass man uns das Redenmanuskript zur Verfügung stellt. Dann können wir wenigstens sehen, wie es gedacht war! Ihr JA |
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@derDonnerstag
Ich finde den Satz zuerst einmal nur außerordentlich unglücklich zitiert (Zitat im Zitat samt direkter wie indirekter Rede). Wieso wird nicht in Gänze wörtlich zitiert? Das ist doch das Erste, um sich einen möglichst unvoreingenommenen Eindruck des Gesagten zu verschaffen. Vom Stil kommt mir das vor wie aus einer Übersetzung eines antiken Philosophen. Die redeten ähnlich geschwurbelt. Vielleicht ist das aber den erwähnten Agenturkollegen nicht mehr so vertraut. Pedantisch ist das ganze schon, einfach so schön nebensächlich. Sich dauernd nur über die wichtigen Dinge aufzuregen, schafft doch auch kein Mensch. LG Titta |
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Die Rede gibt es hier:
www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/reden-und-statements,did=307390.html Der Wortlaut : Wir sprechen in diesem Lande gerne von der "Kultur des Erinnerns", wenn es die Jahre 1933 bis 1945 zu beachten gilt. Für meine Generation ist das "Erinnern" im Sinne des Erlebten unerreichbar fern. Wir mögen Profiteure der wahren Erinnerungskraft unserer Eltern und Großeltern sein. |
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@JA
Da fällt uns doch gewiß noch was Schöneres ein, womit wir uns beschäftigen können. Über Aussagen von Minister Guttenberg streiten - wie tief sind wir gesunken. ;-) ZB. Die nächsten Titelseiten! (Vgl. die entsprechenden Kommentare zum Artikel >Flick, Filbinger, Ceaușescu< - ich hoffe, da war's auch.) |
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@Streifzug
Nun wird's inhaltlich deutlicher, aber nicht besser! Ach Streifzug, wenn wir dich und deine Messibude nicht hätten!! |
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Lieber JA,
vorab schon einmal die Guttenbergische Rede zum 20. Juli 1944 in Berlin Plötzensee: www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1103262/Sie-wollten-keine-Helden-sein.html 20. Juli 1944 Sie wollten keine Helden sein |
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schrieb am
24.07.2009 um 20:09
Ein zu Guttenberg steht halt über den Gesetzen der Grammatik. Finde ich auch nicht weiter schlimm und verleiht ihm eine gewisse Aura der Erhabenheit.
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schrieb am
24.07.2009 um 20:09
Ein zu Guttenberg steht halt über den Gesetzen der Grammatik. Finde ich auch nicht weiter schlimm und verleiht ihm eine gewisse Aura der Erhabenheit.
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Ich hoffe ich darf auf ein kritisches Dossier zu Guttenberg hinweisen:
Teil 1 - www.zeitgeist-online.de/special24.html Teil 2 - www.zeitgeist-online.de/special27.html Man erfährt dort u.a., dass Guttenbergs eigentliches Interesse der Außenpolitik gilt. |
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Danke für die Links. Ich hatte auch vor, auf sie zu verweisen, ich habe selten eine so gründliche und fundierte Recherche gelesen wie von dieser Autorin.
Da wird einem einiges klar. |
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Auch sehr interessant!!
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Guttenberg ist der Zögling von Seehofer. Bei dem lagen bestimmt Medien auch daneben. Eine interessante Konstellation. Sie wird der SPD bestimmt den letzten Saft aussaugen.
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Es gab auf, ich glaube, NDR/extra3, so einen schönen Beitrag, in dem Sätze von Guttenberg (zu Opel?) mit Sätzen von seinem Vorgänger, Glos, verglichen wurden. Fast exakt gleicher Wortlaut, also gleiches Manuskript.
Wer wohl verantwortlich gewesen ist für das jetzige Manuskript? |
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Zu dem im Artikel erwähnten Sterntitel empfehle ich die öffentliche Hinrichtung des Sterns am Beispiel Guttenberg durch Stefan Niggemeier.
www.stefan-niggemeier.de/blog/ein-stern-der-seinen-namen-traegt/ |
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Man kann ja wirklich um jeden Stern froh sein, der ungesehen an einem vorüberzieht.
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Liebe Titta,
in Guttenbergs Satz: „>„Als einer, der aus der Generation der Urenkel komme, sei ,Erinnern im Sinne des Erlebten unerreichbar fern‘, bedauerte er.“< klingt smart verstohlen auf sanften Pfoten unverhohlen, worttückisch gotisch hochgesinnt, ein obskur nacheilend uneinholbarer Veteranenstolz an: „Wären die Verhältnisse im erinnernden Sinne des Erlebten wenigstens einmal wieder samt Uropa livehaft herstellbar als Helden zeugendes Menetekel an den Schlosswänden da, die noch jeden Anflug von Grund- und Bodenreform seit den Bauernkriegen von 1525 hochgerüstet auf „Gutem Berg“ überstanden! |
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JP
Also in Witzen verstehe ich Sie immer besser. ;-) |
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Liebe Titta,
besser ist noch nicht gut, also bessere ich mich auf Gutem Berges Wege, wie ich kann, grüß mir Sodann! |
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Mann hätte es nicht besser ausdrücken können.
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„Aber das ist alles billig. Und das verfängt bei den Menschen auch gar nicht. Guttenberg ist, kaum zu glauben, im Moment einer der beliebtesten Politiker – hinter Horst Köhler und Angela Merkel.“
Billig mag Münteferings Ätzerei gewesen sein, aber es verfängt beim Volke nicht, weil die es noch billiger wollen, wie Ihr eigener Verweis auf den „Stern“ ja demonstriert. Das ist wortwitzig und gute PR. „Aber so ist unser Wahlvolk und ein anderes haben wir nicht.“ Aha, so ist das deutsche Wahlvolk. Es pflegt eine nationale Neidkultur, auf die man aber nicht setzen kann und schon gar nicht auf soziale Ressentiments. Andere Völker nennen das vielleicht anders, manchmal ist die Semantik auch ziemlich parteiisch, finde ich. |
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„Aber so ist unser Wahlvolk und ein anderes haben wir nicht.“
Dabei dachte ich, wir seien das Wahlvolk :) |
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Lieber JA,
vielen Dank für Ihre aufschlussreichen Details über Herrn zu Guttenberg. Da Herr zu Guttenberg zum Glück noch nicht eilig vom Papst in einerklerikalen Not- Operation „heiliggesprachen, liefere ich hier an dieser Stelle auf dieser Welle die bekanntesten „Karl-Theodor“ seiner vielen Vornamen nach. So viel Zeit muss sein. Was am Anfang Ihres Beitrages so erfrischend nach „Streit“ klang, schlidderte im Verlauf versandend, eher harmlos mit Hieben gegen Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, die sich gerade gegen zu Guttenberg warmlaufen wollen, am Mainstream entlang. So kommt am Ende Ihrer Guttenberg Kritik heraus, der Mann ist nicht der Netzwerker der RAF, aber doch ein famoses Netzwerk Hauser der Raffer auf Springer Sohlen im Lande. Okay!, das ist ja schon einmal, zweimal was. Aber wo bleiben Sie da als bekennender Politik- und Medien. Streiter? Wie geht es mit Ihrer Streitlust um Inhale weiter? Sind die Krisen auch noch so hehr, kommt unverwandt ein gegelt unbekannter „kleiner“ Guttenberg aus Bayern daher. Mutmacher wirtschaftlicher Demokratie sprechen anders, wandeln anderen Ganges daher, sehen anders aus, tragen andere Haarfrisuren als Herr zu Guttenberg!, oder? tschüss JP Lieber JA, vorab schon einmal die Guttenbergische Rede zum 20. Juli 1944 in Berlin Plötzensee: www.abendblatt.de/politik/deutschland/article1103262/Sie-wollten-keine-Helden-sein.html 20. Juli 1944 Sie wollten keine Helden sein |
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Lieber JP,
Danke für den Link. Da sieht man: Das irre Zitat steht auch im Manuskript. Lustig. Der Redenschreiber formuliert genauso elliptisch wie sein Chef. Was den Inhalt angeht: Ja, es gab auch in der Redaktion die Kritik, der Kommentar sei zu wenig meinungslastig, zu wenig angriffsfreudig. Ich finde das natürlich nicht. Klar. Andererseits beleuchtet das das Phänomen eines solchen Politikers. Er ist ein Neoliberaler. Ja, das sind halt viele. Das zieht die Wurst nicht vom Teller. Damit kann man ihm nichts am Zeug flicken. Die Wahrheit ist eben: Er ist ein Profi. Und zwar für Produktion und Vertrieb von Politik. Die Leute lieben das. Und unsereinem wirds dabei kalt. Ihr JA |
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Lieber JA,
Ihre Meinung über Ihre Meinungs- und Angriffslust, sei Ihnen gerne gewährt, Meinungsraub ist bekanntlich selbst als Mundraub im Freitag nicht erlaubt. Wenn ich Sie so lese, kriege ich wachsend ein Gefallen an Neoliberalen, die vergeblich nach höher gehängten Würsten japsend schnappen. Dabei denke ich hastig meinungslastig an Stanley Kubricks Movie „Dr. Seltsam!, oder wie ich lernte die Atobombe zu lieben“ Ihr Satz „Er (Guttenberg) ist ein Profi. Und zwar für Produktion und Vertrieb von Politik. Die Leute lieben das“, erinnert mich stark an den Sommerschluss- Schnäppchverkauf, wo nicht das Produkt selber zum Kauf verführt, sondern seine preisgesenkte Bewerbung. Oder anders herum beleuchtet, wo Ulla Schmidt gerade ministrable „Business as usual“in Espania durch die Medien hierzulande tückisch im Sommerloch versenkt wird, steigt Michael Glos, der Jüngere, in Gestalt von zu Guttenberg, wie Phoenix, famos, nix sagen, viel gestikulierend, beinhart grinsend, aus dessen Asche empor“. Wenn das keinen Unterhaltungsknüllerwert hat, was dann? tschüss JP |
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Hallo an alle!
Siehe auch meinen Blog Beitrag: www.freitag.de/community/blogs/joachim-petrick/adel-1919-abgeschafft-zu-guttenbergs-wege-neinkrise-schafft-adel 24.07.2009 um 18:37 Joachim Petrick Adel 1919 abgeschafft, zu Guttenbergs Wege "Nein!Krise schafft Adel“ Deutscher Adel 1919 abgeschafft, von zu Guttenbergs Wegen Nein! “Krise schafft Adel“? tschüss JP |
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Der Mann des angeborenen Erfolgs
Lieber Herr Augstein, Sie bürsten das von Guttenberg -Bashing gegen den Strich. Das tut gut. Denn der Wirtschaftsminister hat das aus den genannt billigen Gründen eben nicht verdient. Herr von Guttenberg ist jahrelang ganz systematisch aufgebaut worden. Eine Zeitungen verwendete treffend den Begriff "für höhere Aufgaben vorbereitet". - Dazu gehörte die richtige weiterführende Schule, frühzeitiges Engagment in der jungen Union, gutes, d.h. dort vor Ort bekanntes Elternhaus, möglichst keine Geldsorgen und rechtzeitige Förderung durch die Familie und die Parteifreunde, sowie über Stipendien aus den entscheidenden Netzwerken. Ab einer gewissen Position kommt dann das Networking aus Medien,Politik und politiknaher Beratung dazu.- Die einzige Überraschung, es lag aber ganz schlicht am fehlenden vakanten Platz, war die Übernahme des Wirtschaftsministeriums. Herr von Guttenberg war für eine außenpolitische Glanzrolle ausgebildet. Jedenfalls gehört er seit Jahren den wichtigsten informellen Beratungsgremien dazu an und verfügt über exzellente Fürsprecher bei amerikanischen Think tanks, die seit Jahrzehnten eine wichtige Rolle in Deutschland spielen. Sehr schön beschreiben sie die sprachlichen Botschaften unseres Lieblingsadligen. Er sendet ebenso wage sprachliche Signale, wie seine Chefin, hart am Rande des Verstehbaren. Darin liegt aber auch die große Chance, nicht festlegbar zu sein und opportun beweglich zu bleiben. - Ganz grundsätzlich ist er fest davon überzeugt, als Angehöriger einer reichen, einflußreichen und gebildeten Elite Gutes für sich und für das Land, also für uns, tun zu können. Das sollte nach dieser geebneten Erfolgsstrecke doch möglich sein, oder? Ein wenig erinnert er mich vom Stil und Auftritt an den Filmregisseur Henckel von Donnersmark, dessen anderes Leben auch exakt vorgeplant war, der nach dem Oscar auch ein wenig großkotzig auftrat, dessen Aussichten jedoch ebenfalls schon früh klar vorgezeichnet waren. - Wir werden uns an einige ganz neue Formen der Aristokratie gewöhnen müssen, weil eine älter werdende Bevölkerung mehr Sehnsüchte nach Ordnung und Glanz entwickelt. - Was noch zum absoluten Überlegenheitsanspruch der CDU/CSU und der FDP fehlt, ist eine charismatische Person von ganz unten, ohne Protegé und ohne formal gute Vorbedingungen.Vielleicht übernimmt, frei nach Verdi, ein Gaskanalröhrenbauer irgendwann diese Aufgabe und sei es nur ehrenhalber. Die Kritik müsste sich auf Inhalte beziehen. Aber, mangels Masse und angesichts des wirklich makellos nützlichen Auftretens in der Öffentlichkeit erübrigt sich das. Wovon wir Deutsche jedoch ausgehen können. Frau Merkel, Herr von Guttenberg, Herr Seehofer und Guido Westerwelle wollen verwirklichen, woran sie schon vor vier Jahren arbeiteten und Frau Merkel, die wie Kohl über ein elefantisches Gedächtnis und Beharrungsvermögen verfügt, wird mit Unterstützung der schon frohlockenden medialen Geschäftswelt, dieses Mal die Chance zur Umsetzung des Leipziger Programms der CDU nutzen. Grüße Christoph Leusch |
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"Ein wenig erinnert er mich vom Stil und Auftritt an den Filmregisseur Henckel von Donnersmark, dessen anderes Leben auch exakt vorgeplant war, der nach dem Oscar auch ein wenig großkotzig auftrat, dessen Aussichten jedoch ebenfalls schon früh klar vorgezeichnet waren."
Das ist interessant, aber ich glaube, wenn man die Elle "von Donnersmarck" anlegt, dann ist der eher ein Frühvollendeter. Wenn man das so ein bisschen verfolgt, dann wird deutlich, dass der in den USA keinen Fuß auf den Boden kriegt. Da gibts so Zwischenmeldungen, die über einen Wechsel der Agentur berichten und sonst gar nichts. Nix neue Glanzleistungen. Schon bei diesem kathartischen Filmwerk "Das Leben der Anderen" kam der mir vor wie ferngesteuert vom Familienstiftungsclan. Eigentlich kann er wenig, hatte aber ein Heer von fantastischen Schauspielern und eine zu allem entschlossene Meinungsmaschine hinter sich. Insofern ist Hollywood eine eher demokratische Veranstaltung.Da wird sich zeigen, was er kann oder nicht. Was zu Guttenberg alles nicht kann, wird das Wahlvolk wie immer bezahlen müssen, aber dafür wird er nicht abgestraft. |
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Hallo Magda,
hat dich der Film auch so angenervt? |
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Hallo Magda,
hat dich der Film auch so angenervt? |
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Lieber Christoph Leusch,
zu Guttenberg ist nur im zeitlich beschränkten Sinne ein Mann der Macht,wie er selber unverhohlen mit offenem Visier von der Endlichkeit seiner Ämter kündet. Warum?, weil Herr zu Guttenberg ausgerechnet in dem Moment Wirtschaftsminster wird, wo der Vorhalt des Bundesverfassungsgerichts (BVG), Kapital- und Geldvermögen, Grund- , Wald- und Bodenvermögen steuerlich gleichzustellen, auf den brüchig abgeknapperten Nägeln des Zeithorizontes des Deutschen Bundestages brennt. Herr zu Guttenberg braucht folglich als Groß- Grund- , Boden- und Waldbesitzer gar keinen Inhalt zu präsentieren,weil er selber mit seinen Partialinteressen an einer nachwievor bevorzugt niedrigen Besteuerung von Grund-, Boden- und Waldvermögen Inhalt genug ist!, oder? Ist Herrn zu Guttenbergs Ziel, eher die Besteuerung von Geld- und Kapitalvermögen abzuschaffen als Geldvermögen, Grund- , Boden- , Waldvermögen diesen steuerlich gleichzustellen? Da haben wir doch Inhalte!, oder? Sollten wir die nicht hier im meinungsmedium der Freitag freimütig debattieren? tschüss JP |
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Hallo Joachim Petrick,
ein spannendes Thema. Mit fehlt das Hintergrundwissen. Wäre das nicht ein Artikel für dich? |
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Hallo Streifzug,
du fragst: "ein spannendes Thema. Mit fehlt das Hintergrundwissen. Wäre das nicht ein Artikel für dich?" Gegenfrage: Welches spannende Thema meinst du?, das Medienereignis Guttenber im Vorwahlkampf? mit all seinen geölten Facetten?, den Unternehmer Guttenberg als Großgrund- und Waldbesitzer?, oder das Thema"Organisationsverschulden" von mehreren Bundesregierungen bei der Frage der einheitlichen Bewertung von Kapital- , Geldvermögen und Grund- und Bodenvermögen?, wie es das BVG dringlich angemahnt? tschüss JP |
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Hallo Joachim Petrick,
gehören diese Themen nicht zusammen? Entfalten sie nicht erst im geölten Zusammenspiel ihre Kraft? |
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Hallo Streifzug,
deine Fomulierung ist ja herrlich: "...gehören diese Themen nicht zusammen? Entfalten sie nicht erst im geölten Zusammenspiel ihre Kraft?,," ich nehme die Herausforderung an und kümmere mich um das spanende Thema: "Guttenberg- Komplex!", im fehlenden Wind des Blätterwaldes zum BVG- Urteil! Mal sehen, was dabei herauskommt. tschüss JP |
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Ja, ok, jetzt Gaskanalröhrenbauer, also wie der Jelzin damals, möglichst bekennender Analphabet, als so eine Art Frontmann für die völlige privatisierung des Volksvermögens, das Problem ist nur das die noch keinen aufgebaut haben, der blöde genug ist um am Ende an Alkoholsucht zu sterben, wenn der Staat abgewickelt ist, der Tiefsee-Minister wäre ein guter Kandidat. Nur um das mal auf russische Verhältnisse zu übertragen.
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ad Joachim Petrick schrieb am 25.07.2009 um 18:12
Genügend Themen Herrn von Guttenberg zu kritisieren gibt es zuhauf. Er ist schließlich Mitglied und mittlerweile auch abstimmungsbestätigt, sogar führendes Mitglied einer der bundesrepublikanischen Dauerregierungsparteien, die im Freistaat- Bayern ganz offen vorleben, wie man volkstümlich die Zukunft mit der selbsternannten Auserlesenheit gestaltet. Die Familie betreibt, man möchte fast sagen zwangsläufig, aufgrund des erheblichen angesammelten Vermögens und Besitzes, lokal und regional verankert, Politik. So wie Bertelsmann/Mohn, so wie die Burdas, so wie Holtzbrinck und Co., so wie, derzeit mit der größten Macht hinter den Kulissen ausgestattet, die Familien Otto und Porsche. Es kommen noch einige lokale Geldhäusern hinzu, insbesondere im Rheinland, die auch eher aus der zweiten Reihe aufgrund ihrer Vermögensmasse das Geschick ganzer Mittelstädte und sogar einiger Großstädte mit beeinflussen. Alles relativ gut durch Verschachtelungen und Netze von abhängigen Firmen getarnt. Es gibt praktisch kaum noch eine Deutsche Stadt, bei der nicht die 1A-Lage-Einzelhandelsmieten letztlich in den Taschen von ECE-Otto landen. Aus Dank dafür, werden die Städte Gerkan-Marg- und Partnerisiert, vom Hauptbahnhof bis zum Bahnhofvorplatz. - Das hinterlässt bleibenden Eindruck. Die Politik spielt so lange mit, so lange sie als Beratung zumindest in der Öffentlichkeit wahr genommen wird. - Allerdings kann man auch nicht an der Tatsache vorbei sehen, dass Deutsche zu einer Verehrung solcher Firmenchefs und Geldgeber neigen und dann möglichst wenig Fragen stellen. Siehe Siemens, siehe VW, siehe Otto. Das ist ja privat auch so. Über Geld und Macht wird eigentlich nicht geredet. Es ist doch sehr interessant, dass die Presse vornehmlich am persönlichen Machtkampf Pierch-Porsche-Wiedeking und an der persönlichen Rolle des NRW-Ministerpräsidenten interessiert war, als sich nun einmal intensiv um die Geschäftsmodelle der verschiedenen Hin- und Her- Beteiligungen zu sorgen, die doch eher zu fehlen scheinen. Sogar die Gewerkschaften arbeiten auf dieser Ebene reibungslos mit, einschließlich der Zusatzkasse und Vergünstigung bei Vorstandsreisen und Spesen. Was bisher keinem auffällt, welche Summen da für Anteile an Firmen bewegt werden, die mit dem Bau von Automobilen oder mit der Gestaltung einer Flottenpolitik die Arbeitsplätze in Deutschland auf Dauer schafft und zukunftsweisend ökologisch wäre, wenig zu tun hat. Der Porsche-Konzern ist faktisch pleite, - es fehlen, je nach Schätzung, 6 oder gar 10 Milliarden Euro- , und er wurde nur gerettet durch die Deckung über VW und die erhoffte Beteiligung eines Scheichtums. Auf einem erheblichen Schuldenberg wird man in Wolfsburg hängen bleiben. Dafür wurde nun ein Geschäftsmodell entwickelt, welches bei beiden Konzernen möglicherweise Milliarden an Steuern spart und es gibt nun erneut, über Synergien, die Möglichkeit weitere Arbeitsplätze und hunderte Millionen Euro einzusparen, bzw. an günstigere Standorte zu verlagern oder unter günstigeren Bedingungen zu produzieren. Herr von Guttenberg war aber nicht wesentlich an der Geschäftsführung seiner Familie beteiligt, sondern klar auf dem Wege zu einer Karriere in der Außenpolitik. Da ist absolute persönliche Zielstrebigkeit zu erkennen, die ich versuchte zu beschreiben. - Es hat keinen Sinn ihn zu verteufeln, weil er ganz offensichtlich gerade mit seinem Bild in der Öffentlichkeit gut ankommt. Sprachinhalte und Logik zählen nicht, wir wissen es doch längst. Derzeit hat keine andere Partei etwas ähnlich Populäres entgegen zu setzen. Vor allem für die SPD sieht es böse aus, denn sie hat sich wissentlich und selbstverschuldet in eine personelle und inhaltliche Krise gesteuert, die erst nach der verlorenen Wahl aufbrechen wird. Grüße Christoph Leusch |
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Lieber Christoph Leusch,
bei all den interessanten Details, die Sie dankenswerter Weise zut Person Guttenberg präsentieren, heben Sie völlig vom Debattenthema ab, das ich vorgeschlagen. Taten Sie dies mit Absicht, oder im Eifer des Gefechs? Von Verteufelung der Person Guttenbergs habe ich bisher nichts verspürt noch vernommen, auch wenn er, von hier und da, neben dem robusten Applaus von interessierter Parteien, Verbänden Medien Seite, auch einmal einen neckenden Knuff und Hieb erfährt, wie wiland von Herrn Brüderle /FDP. Bei Herrn zu Guttenber steckt der Teufel ohnehin nicht im Detail seiner Person, sondern der Art seiner entlarvenden Reflexion auf dem Pilgerpfad zu ganz bestimmten Zielen, u. a. der Abschaffung von Kapital- und Ertragssteuern, damit dem BVG Urteil zur Frage der steuerlichen Gleichbehandlung von Geld- und Grundvermögen, der Wind aus den Segeln, womöglich noch rückwirkend genommen ist!, oder? tschüss JP |
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ad Joachim Petrick schrieb am 25.07.2009 um 23:17
Lieber Herr Petrick, Herr von und zu Guttenberg war im Bundestag an den Abstimmungen so beteiligt, wie es die Großkoalitionäre (SPD,CDU,CSU) vereinbart hatten. Er stimmte der Unternehmenssteuerreform zu, die bei Unternehmensgewinnen die Steuerlast grundsätzlich auf knapp unter 30% begrenzt. Vorher lag die offizielle Steuerbelastung bei ca.38%. - Hier bildet er jedoch keine bemerkenswerte Ausnahme, weil, soweit ich das übersehe, nur zwei Abgeordnete der SPD nicht dafür stimmten. Sogar Frau Nahles, sonst immer als Erzlinke durchs politische Feuilleton gejagt, hatte überhaupt nichts gegen das Gesetz, ebenso nicht gegen das BKA-Gesetz. In Wahrheit liegt die reale Steuerbelastung großer Vermögen und Einkünfte in Deutschland weit unter 30%. Bis auf ein paar ehrliche Hamburger Partikuliers und einige national gesinnte Textiler, die fleißig Steuern zahlen, beschäftigen alle größeren Unternehmen und auch die Privatleute Anwaltsfirmen und Steuerberater, die die "Belastung" deutlich kleiner halten. Das weiß ein jeder, es juckt kaum jemanden. - Trotzdem landen ganze Steuerfahndungsabteilungen als "psychisch gestört" abgestempelt in Frankfurt im bezahlten Vorruhestand. Allgemein nur Achselzucken. Interessant ist, an welchen Abstimmungen Herr von und zu G. sich nicht beteiligte. Die Gründe sind mir nicht klar. Er stimmte nicht mit beim BKA-Gesetz, ebenso nicht bei dem Gesetz zur Patientenverfügung, es gibt noch einige andere Abweichungen, die mir jetzt entfallen sind. Sehr interesssant wäre auch, warum im Bundestagshandbuch, aber auch in den Viten die überall kursieren, die Mitgliedschaften in Think tanks und politischen Beratungsklubs nicht genannt werden. Interessant ist auch, dass Herr von Guttenberg als wissenschaftlicher Experte gehandelt wird, aber von ihm keine entsprechenden Publikationen zu den Themen bei denen ihm Expertisefähigkeit zugeschrieben wird, entdeckt werden können. Keine Frage, die von Guttenbergs sind reich. Aber daraus erwächst in einem kapitalistischen System weder eine Kritik, noch ein Anlass, an der Qualifikation und an der Seriosität einer Person zu zweifeln. Wie auch? Es ist ganz einfach die vielleicht machtvollste und entscheidende Qualifikation in diesem Lande, jeder Bürgermeister und jede Gemeindeverwaltung wird Ihnen das bestätigen, ob wir das nun gut oder schlecht finden, weit vor anderen Faktoren. Seine Sprache ist auffällig durchsetzt von auslegbaren Sätzen und einer, gelinde gesagt seltsamen Grammatik. Aber wer wirft hier Steine? Als CSU-Mitglied vertritt Herr von Guttenberg natürlich all´ die politischen Entscheidungen und Positionen die mir nicht gefallen. Aber ich bin eindeutig in einer Mindermeinung und auch ziemlich ohne Chance daran etwas zu ändern. Daher halte ich es für sinnvoller, sich mit der Steuer- und Innenpolitik, sowie mit den außenpolitischen Aussagen des Barons auseinander zu setzen. Allerdings weicht er da kaum vom Gros der SPD und CDU/CSU- Politiker ab. Das wird die SPD, ich sage mittlerweile mit Überzeugung, hoffentlich, so treffen, dass sie sich einmal ein paar Jahre Gedanken in der Opposition machen muss. Diese Partei ist, wenn man sich das Abstimmungsverhalten auf abgeordnetenwatch.de ansieht, mittlerweile als eigenständiges Gebilde nur noch schwer erkennbar. Weil das Münte und Co. einfach nicht einsehen wollen, droht ihnen eine Wahlpleite. Was soll man dazu sagen, wenn die nur noch mit dem Spruch, die anderen sind eine Gefahr für Deutschland aufkreuzen und so auch schon bei der EU-Wahl warben. Unglaubwürdigkeit bis ins Mark der Überzeugungen rächt sich. Selbst bei einem konservativen Erdrutsch gibt es die reelle Chance 2013 im Bund neu anzufangen. In US- Amerika klappt es doch auch mit dem Machtwechsel. Grüße Christoph Leusch |
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Lieber Christoph Leusch,
sind Mindermeinungen, was für ein Wort, es nicht wert, breit erörtert zu werden? Fällt es Ihnen nicht auch auf, dass zu Guttenberg bisher jede Nähe zu Themen, an denen er von Hause aus interessiert, "heldenhaft" meidet, um im richtigfen Moment der Entschedungen "augenzwinkernd" als Entscheidungsträger vor Ort zu sein? tschüss JP |
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Den Spitzenplatz für Guttenberg in der Gunst der Deutschen erkläre ich mir so (und ich glaube, da kann man beim Vereinfachen gar nicht übertreiben): Das Gesinde (also die Mehrheit des gemeinen Wahlvolks) hat auf so einen schnittigen Gutsherren nur gewartet: Der nimmt die Sache in die Hand! Und ist dabei so nobel! Auf den können wir stolz sein! - Dabei wird ihm die Kompetenz für den Job aufgrund seiner adligen Herkunft zugesprochen. Da hört man auch schon mal nicht so genau hin, was er eigentlich so von sich gibt: Er wird’s schon richten! - Ein Phänomen, das bislang vor allem auf Funktionsträger an weniger wichtigen Stellen beschränkt schien – etwa in karitativen Organisationen, die sich gerne mit Blaublütigen schmücken. Guttenberg ist wohl nur der Anfang. In Berlin wird ja schließlich das Schloß wieder aufgebaut. Und die SPD? Nach dem Ende von Basta-Kanzler Schröder hat sie keine Figuren mehr mit einer "geeigneten" Performance zum Stimmenfang. Steinbrücks Kraftmeierei und Trouble-Shooter-Gehabe zur Zeit der Bankenkrise entbehrte – wie jetzt in der Berichterstattung zum Untersuchungsausschuß zu lesen ist – jeder Grundlage.
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Wenn man so über seine Mitmenschen denkt, also die Mehrheit des gemeinen Wahlvolks, kann man doch nur zu der Schlußfolgerung kommen:
Das Volk hat genau die Hansels, die es wählt, auch verdient. Also bedarf es hier auch keiner weiteren Erörterung mehr darüber. Die Doofen sind immer die anderen. Das ist Klasse(nbewußtsein). |
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Eine höchst interessante Faktenzusammenstellung über die Vita unseres Wirtschaftsministers findet sich hier:
www.bleib-passiv.de/beitraege/artikel/66-zur-person-karl-theodor-zu-guttenberg.html |
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schrieb am
26.07.2009 um 23:53
Ich fand die gesamte Diskussion und den anregenden Artikel sehr interessant: Ausflüge in viel nebengelagerte Kenntnis ebenso wie systemische Streuungen zur Personalisierung des Kapitals. - Gelacht habe ich nicht, aber das muß auch nicht immer. Und kurz vor meiner Meinungsschreibe hier sah ich im Fernseh in Bayreu den Gutten mit seiner Schönen ... Watt ein Hügel Macht und Haarschmalz!
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Sie stellten einen guten Link ein, Erik.Danke.
Herrn Petrick kann ich auf diesem Wege beruhigen, ich halte mich zwar eher für einen Minderbruder, aber natürlich und ganz zu Recht weisen Sie mich milde darauf hin, gerade "Minderheitsmeinungen" gehören diskutiert, ich habe mich sehr wahrscheinlich sprachlich kleiner gemacht, als ich es wollte. - Auch dafür, Danke. Deshalb wäre es auch so dringlich erforderlich für die SPD, von dem Leitmotiv Abstand zu nehmen, es sei egal mit welchem Abstand zur größten Partei und mit welchem Kanzler oder mit welcher Kanzlerin man leben müsse, Hauptsache man regiere doch noch irgendwie mit. Auf diese Art schafft man sich selbst als Machtfaktor ab, auch wenn man derzeit immer noch erstaunlich viele Panzerlimousinen fahren darf. Tatsächlich sind diese kleinen Petitessen, zum Beispiel einen spanischen Autodieb unglücklich zu machen, nur ein gefundenes Fressen für die Qualitätszeitungen, auch einmal ein wenig Boulevard zu spielen. Herr von Guttenberg gibt währenddessen den Lohengrin. Wir wissen nicht ob er das erlösende Wort kennt, wollen es aber ganz fest glauben und er tut gut daran, außer in Erscheinung zu treten, nicht allzu viel zu reden und zu schreiben und mit verhängtem Zügeln, wie sein Vater, stolz weiter zu reiten, denn zu früh die bösen Amfortasfragen zu stellen, das zerstörte das Geheimnis um die mediale Figur und der Schwan brächte ihn nach Hause auf die Gralsburg (www.hdbg.de/hacogral.htm). Selbstverständlich im Stile Klenzes, Wallots und Fosters, ein umweltfeundlich unbeheiztes, erhabenes und uneinnehmbares Bollwerk christlich-griechischer Verschmelzung. Höhensitz platonischer Eliten. Wie von unserer Kanzlerin, wie von ihrem Vorgänger, existiert nicht eine tiefschürfendere Zeile, eine durchargumentierte und belegte Rede, dieses Herren, in der aufblitzte was er wirklich will, ob er tatsächlich einige Ideen und Konzepte hat. Sein Vater attestierte ihm einen starken Willen Deutschland zu dienen (SZ-Interview). Das kennen wir auch von Angela der aktuellen Herrscherin im steinreichen Hause Brabant(Bundesrepublik ist ja wirtschaftlich nur ein modernisierter Namen für das sagenhaft reiche Land des Mittelalters). Mehr ist da wirklich nicht. Aber erzogen und ausgebildet für seine Rolle, also "vorbereitet" ist er, der Baron. Grüße und gute Nacht Christoph Leusch |
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@ Tita
Danke für die Kopfwäsche. Sie haben ja recht: Auf die undifferenzierte Wertschätzung des Herrn Guttenberg durch eine demoskopische Mehrheit sollte man nicht mit einer pauschalen Verdächtigung seiner Mitmenschen reagieren. |
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Ich traue sowieso nur noch den demoskopischen Erhebungen, die selbst in Auftrag gegeben habe.
(War die Unterkommentarfunktion wieder kaputt? Sonst können Sie nämlich auch den eigenen Kommentar wiederum selbst kommentieren.) |
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nun schleiche ich schon seit einer Weile um diesen Text herum und finde keinen Ansatz...
Liegt es daran, dass Herr zu Guttenberg keinen Angreifpunkt gibt? Oder daran, dass der Text nicht wirklich aus der Deckung kommt, vor lauter Sorge, dass er sich mit Sozialneid und billigen Ressentiments gemein macht? Aber dies hier, aus Ihrem KOmmentar "Die Wahrheit ist eben: Er ist ein Profi. Und zwar für Produktion und Vertrieb von Politik. Die Leute lieben das. Und unsereinem wirds dabei kalt." wärmt mir das Herz, wieder mal. |
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schrieb am
27.07.2009 um 22:01
Was der Herr Columbus an Information bietet, ist ja auch nicht zu überlesen. Guttenberg ist ein Yellow-Press-Diplomat, der deshalb als menschlicher und - yuppie! - auch noch goldig-geedelter Politiker gilt. Ein Parkett-Typ, der Kulissen schieben kann. Sturm der Wählerkreuzliebe.
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Um hier mal unser aller Wikipedia ins Feld zu führen: "Ein Kommentar im Journalismus ist ein Meinungsbeitrag zu einem Thema, der den Autor namentlich nennt. Bei Printmedien wird der Verfasser oft abgebildet, in Hörfunk und Fernsehen spricht der Autor den Kommentar meistens selbst." Und was in unserer Community der Fall ist, ist ein Fall für einen weiteren Wiki-Eintrag, oder?
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@Rainer Kühn
Ich habe noch immer Probleme damit, das, was wir hier tun, als Journalismus zu bezeichnen. Kann sein, dass das eine Frage der Gewöhnung ist, das wäre schlecht. Möglich auch, dass ich zuwenig davon verstehe, das wäre gut, denn zu ändern. Es kommt ja auch noch darauf an, von welchem Journalismus wir ausgehen. Als Community nicht schlechter, dümmer, langsamer als der heutige zu sein, ist noch lange kein Qualitätsmerkmal. Bei den von Ihnen erwähnten Beispielen jedenfalls steht der Kommentator mit seinem Namen und seinem Gesicht (auch) für das Medium. Das ist hier freilich nicht so, hier steht jeder für sich, die Mischung macht's. kk |
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schrieb am
28.07.2009 um 22:54
Ja, Kay: ich wollte kund tun, daß wir kommentieren, und zwar Artikel, die journalistisch gearbeitet sind (sein sollten), daß wir damit selber an einer Tätigkeit teilhaben, die an Öffentlichkeit, Persönlichkeit, Wahrhaftigkeit gebunden ist; man spricht zueinander, ins Gesicht. Miteinander, für eine gemeinsame Sache. Chatten ist woanders. - Mehr wollte ich nicht sagen.
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Ah, alles klar, da saß ich mal wieder auf der Leitung.
kk |
Ausgabe 06/12
09.02.2012
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