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Kultur : Welt unter Wasser

Nur zwei Grad mehr und Grönlands Gletscher fließen davon. Wissenschaftler warnen den US-Kongress nun vor den globalen Folgen

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„Wir könnten im Verlauf des nächsten Jahrzehnts den Umkipppunkt erreichen, was bedeuten würde, dass wir Temperaturen erreichen, denen Grönland nicht mehr standhalten kann“, erklärte Geowissenschaftler Richard Alley von der Pennsylvania State University. Alley wurde gestern per Telefon der Besprechung eines Kommittees des Repräsentantenhauses zugeschaltet, das sich mit Energieunabhängigkeit und globaler Erwärmung befasst.

Ein Temperaturanstieg zwischen zwei und sieben Grad, so befand das Forscherteam, könnte die Vernichtung des grönländischen Eisschildes bedeuten. Die Nachwirkungen würden noch tausend Meilen von der Arktis entfernt zu spüren sein, da der Meeresspiegel um 7 Meter ansteigen würde, warnte Alley. Tief liegende Städte wie New Orleans würden verschwinden. „Was momentan in der Arktis passiert, ist der größte und schnellste Vorgang den wir in der Natur je erlebt haben“, sagte er.

Grönlands Eis schmelze immer schneller, erklärte Alley, aufgrund der steigenden Temperaturen würden immer mehr Eisberge in den Ozean gespült. Die drastische Warnung wird durch die riesigen Eisbrocken, die vergangene Woche von einem der größten grönländischen Gletscher, dem Petermann-Gletscher, abgebrochen sind, untermauert. Der 260 Quadratkilometer große Eisblock driftet inzwischen in die Nares-Straße zwischen Grönland und Kanada.

Das Komitee hielt auch fest, dass in den vergangenen sechs Monaten Rekordtemperaturen erreicht wurden. Robert Bindschadler, der an der Universität von Maryland eine Forschungsdozentur unterhält, erklärte dem Komitee: „Wir glauben zwar nicht, dass es möglich ist, dass wir ein komplettes Eisschild innerhalb eines Jahrzehnts verlieren, aber wir glauben, dass wir in wenigen Jahrzehnten an einen Umkipppunkt gelangen können, was dazu führen würde, dass der Eisschild innerhalb eines Jahrhunderts verschwinden wird.“

Der Eisverlust des Petermann-Geltschers war der größte der vergangenen 50 Jahre, obwohl es regelmäßig kleinere Ablösungen gab. Zwei kleinere Absplitterungen ereigneten sich 2001, als sich rund 80 Quadratkilometer lösten, und 2008, als sich rund 26 Quadratkilometer lösten.

Der Ozeanologe Andreas Muenchow von der Universität Delaware studiert den Petermann-Gletscher seit mehreren Jahren. Er sagt, er habe damit gerechnet, dass ein Eisberg abbrechen werde, dass er so groß sein werde, habe er jedoch nicht vorhergesehen. Über das Zusammenspiel zwischen dem arktischen Meereis, dem Meeresspiegel und Temperaturanstiegen sei längst nicht alles bekannt, stellte Muenchow fest. Er setzte das Komitee des Weiteren darüber in Kenntnis, dass er in den vergangenen sieben Jahren lediglich Gelder bekommen habe, um insgesamt drei Tage lang die Temperaturen des Ozeans in der Nähe des Petermann-Gletschers zu messen. Durch die mangelnde Finanzierung sei er außerdem dazu gezwungen gewesen, seine Flugkosten und die seiner Studenten aus eigener Tasche zu bezahlen, damit sie sich einem kanadischen Eisbrecher für ein gemeinschaftliches Forschungsprojekt in der Arktis anschließen konnten.


Übersetzung: Christine Käppeler

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