Wochenthema

Moral, Macht und Medizin: Die Rückkehr des Dieter Althaus

Polittragödie | 16.04.2009 05:00 | Axel Brüggemann

Kann dieser Mann regieren?

Totale Erinnerung: Statt sich zu seiner Schuld zu bekennen, erklärt Dieter Althaus seinen Skiunfall als „tragisches Unglück“ – und besiegelt damit das eigene Drama

Dieter Althaus hat keine Erinnerung an das, was am Neujahrstag auf der Piste im Österreichischen Donnersbachwald passiert ist. Später, in einer Erklärung vor CDU-Delegierten, hat er von einem „tragischen Unglück“ gesprochen. Es lohnt sich, die Wortwahl genauer zu betrachten. Denn im klassischen Sinne kann ein Unfall zwar ein Unglück, aber nie eine Tragödie sein. Sie wird einzig durch einen schicksalhaften Konflikt des Protagonisten definiert, also durch seinen eigenen Kampf – und nicht durch ein äußeres Ereignis.

Von „Hamlet“ über „King Lear“ bis zu „Romeo und Julia“ erliegen die Hauptdarsteller früher oder später der Hybris und beginnen, ihr vorbestimmtes Schicksal selbst zu beeinflussen. Dieser Kampf bildet den Kern einer jeden Tragödie.

Shakespearehafte Tragödie

Dass Dieter Althaus von seinem Skiunfall als „tragisches Unglück“ spricht, ist verständlich. Er suggeriert damit aber auch ein unausweichliches Ereignis statt einen eigenen Fehler zu bekennen. Er verschiebt seine Verantwortung in die Hand einer höheren Gewalt. Nicht mit dem Unfall, sondern mit seiner Erklärung beginnt die eigentliche Tragödie: ein modernes Drama um die Unterdrückung des Privaten durch das Politische, um den Sieg der Macht-Rhetorik über die Sprache des Gewissens, um das Auseinanderdriften von Selbstwahrnehmung und öffentlichem Bild eines Politikers. Der Fall Dieter Althaus ist eine moderne, shakespearehafte Tragödie, zu deren Bühne die Medien geworden sind.

Man stellt derzeit die Frage, ob ein Mann, der einen Skiunfall verursacht hat, sich erneut als Ministerpräsident zur Wahl stellen kann. Diese Frage ist falsch. Viele Politiker sind durch Fehler und den darauf folgenden Prozess der Erkenntnis zu besseren, einfühlsameren Volksvertretern geworden. Ein Fehler kann Menschen stärken, er muss sie nicht demontieren, wenn sie glaubhaft und souverän mit ihm umgehen. Die entscheidende Frage ist, ob ein Politiker, der einen privaten Fehler als Tragödie erklärt seine politische Tragödie nicht selbst in Gang setzt und damit nach den Regeln des Theaters (und der politischen Inszenierung) scheitern muss.

Das Private ist das Politische

Für Unfallgutachter ist das Geschehen klar rekonstruierbar: Dieter Althaus ist die Piste „Die Sonnige“ heruntergefahren, hat dabei eine Absperrung umfahren und ist einige Meter auf der „Panoramaabfahrt“ bergauf gefahren. Hier prallte er mit ca. 40 Stundenkilometern mit einer Skifahrerin zusammen. Althaus wurde schwer verletzt, die Skifahrerin starb. Ein österreichisches Gericht hat die Schuld des Ministerpräsidenten festgestellt und eine Strafe von 33.300 Euro plus 5.000 Euro Schmerzensgeld verhängt.

Unfälle wie die von Dieter Althaus sind nicht selten. Allerdings ist Althaus nicht nur Skifahrer, sondern auch Politiker. Sein privates Handeln stellt für viele seiner Wähler ein erhebliches Kriterium für seine politische und moralische Integrität dar. Während ein gewöhnlicher Skifahrer seine Schuld individuell verarbeiten kann, wird von Dieter Althaus erwartet, dass er sie sofort öffentlich vertritt. Und in diesem Mechanismus liegt einer der größten Konflikte dieser Tragödie.

In der Regel wird von Politikern erwartet, dass sie die Wirklichkeit gestalten. Im Falle seines Unfalls hat Dieter Althaus nicht einmal eine Erinnerung an die Wirklichkeit. Er kann sie lediglich rekonstruieren. Da ist es all zu menschlich, dass er auf Sachverständige verweist, die den Unfall als „tragische Verkettung von Umständen“ analysieren. Zumal seine Partei ein Interesse daran hat, keine Schuldfrage zu stellen, sondern die schicksalhafte Rolle des Ministerpräsidenten zu betonen. Althaus steht vor einem entscheidenden Wahlkampf und soll möglichst schnell wieder zum Tagesgeschäft übergehen. Für die CDU scheint die Schuldfrage juristisch geklärt und damit abgegolten. Für Althaus selbst ist der Unfall Teil eines „Filmrisses“ – er hat ihn nicht erlebt, und selbst wenn er sich nach der eigenen Schuld fragen will, wird ihm die Antwort bereits von außen in den Mund gelegt: eine klassische Tragödie.

Der Bild-Zeitung erklärte der Ministerpräsident in einem exklusiven Interview: „Ich glaube, Schuld ist nicht die richtige Kategorie, um ein solch tragisches Unglück zu bewerten. Ich fühle mich aber verantwortlich.“ Althaus nimmt hier eine Trennung von Verantwortung und Schuld vor. Mehr noch: Er deutet die eigene Verantwortung als Tugend und nicht als logische Konsequenz seiner Schuld. Damit bedient er ein politisches Ritual. Üblich ist es, dass Politiker Verantwortung für die Handlungen Dritter übernehmen. Im Fall Althaus gibt es aber keine Dritten. Es geht um ihn selbst und nicht um andere, für die er als Politiker Verantwortung übernehmen und sich gleichzeitig von ihrem Handeln distanzieren könnte. Die Distanz zu seinem eigenen Fehler findet Althaus darin, dass er selbst den Unfall nicht erinnert und sich in seiner Beurteilung auf Dritte verlässt.

Ein Theater im Theater

Indem Althaus das gelernte politische Denken in einer privaten Situation anwendet, umgeht er ein Schuldbekenntnis. Nach den politischen Spielregeln würde es den Exodus der Karriere bedeuten. In der Politik existiert die private Kette von Schuld, Erkenntnis und Vergebung nicht. Wer unschuldig ist und Verantwortung übernimmt, wird belohnt. Wer schuldig ist und das eingesteht, muss zurücktreten.

Althaus hatte die Chance, die Konvention dieser politischen Rhetorik zu sprengen. Hätte er sich schuldig bekannt und eine glaubhafte Erkenntnis vermittelt, wäre ihm der klassische Verlauf einer Tragödie vielleicht erspart geblieben. So wird sie zum Lehrstück, wie sich ein Mensch zwischen politischer Rhetorik und privatem Empfinden selbst auflöst.

Eine weitere Kategorie der klassischen Tragödie ist die Intrige. Was für Hamlet die verräterischen Freunde Rosenkranz und Güldenstern sind, ist im Fall Althaus die CDU in Thüringen. Sie hat die Abwesenheit des Ministerpräsidenten als Anwesenheit verkauft – und den eigenen Spitzenkandidaten damit zum Phantom gemacht. Die CDU hat die Spekulationen um den Gesundheitszustand des Ministerpräsidenten befeuert, regelmäßig seine gesundheitlichen Fortschritte verkündet und ihm durch die eigene Öffentlichkeitsarbeit der Privatheit des Politikers beraubt. Im letzten Akt der Tragödie Althaus treten nun die Medien auf, in deren Verlagshäusern das Schauspiel inszeniert wird – ein hamlethaftes „Theater im Theater“.

Althaus hat der Bild-Zeitung ein weitgehend belangloses Interview gegeben und dann zwei Wochen lang geschwiegen. Irgendwann hat seine Partei eine Runde von Journalisten zu einem Hintergrundgespräch eingeladen, aus dem aber nicht zitiert werden durfte. Christiane Kohl von der Süddeutschen Zeitung fragte sich anschließend, ob da ein Politiker aufgetreten sei, der in wenigen Wochen tatkräftig in den thüringischen Landtagswahlkampf ziehen wollte oder ein Schwerkranker, der zwar in der Lage gewesen sei, Fragen zu beantworten, aber im Grunde nicht recht wusste, auf was er sich eingelassen habe. In Althaus’ Umgang mit den Medien ist die Hybris der klassischen Tragödie in Vollendung zu beobachten. Er will dem Schicksal durch eigenes Handeln entgehen.

Inzwischen ist der Unfall zu dem geworden, was er niemals werden sollte: zum Wahlkampfthema. Althaus hat ihn dazu gemacht. Per Definition ist der Protagonist in einer Tragödie zum Scheitern verurteilt. Die CDU in Thüringen und Dieter Althaus glauben noch immer an einen Sieg. Die Frage, ob er als Ministerpräsident antreten soll, ist keine Frage des Skiunfalls. Dieter Althaus selbst hat das private Drama zu seiner eigenen, politischen Tragödie umgeschrieben.

 
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Artikelaktionen
Kommentare
terhorab schrieb am 16.04.2009 um 09:44
Endlich mal ein guter Artikel zu diesem Thema.

Sehr interessant, dass ganze vom kulturtheoretischen Standpunkt aus aufzudröseln. Wie aber selbst in der Mitte ca. gesagt, ist Schuld eingestehen etwas, das die Leute im Allgemeinen nicht akzeptieren und was in den Medien unweigerlich zu einer intensiven Debatte über einen Rücktritt und (höchstwahrscheinlich) schließlich zu einem solchen führen würde.

Ganze persönlich bin ich der Meinung, das Politiker integre Persönlichkeiten sein sollten. Unabhängig davon ob es ein "tragisches Unglück" oder schuldhaftes Versagen (siehe österreichisches Urteil) war, sollte damit klar sein, dass Althaus keine gute Wahl mehr darstellt. Leider fehlt Politikern meistens die Einsicht solches zu erkennen. So auch dem Herrn Althaus. Vielleicht drängt ihn aber auch seine Partei in Thüringen dazu, weil die anbietbare Personaldecke so dünn ist?

Wie dem auch sei, die fortgeführte Diskussion wird der CDU Stimmen kosten. Dann wäre es voraussichtlich besser gewesen, gleich auf einen anderen Kopf als Spitzenkandidaten zu setzen.
chapultepec schrieb am 16.04.2009 um 10:42
ich warte immer noch, dass Joseph Fisher, Gerhard Schröder, Angela Merkel etc. etc. sich dafür entschuldigen einen Angriffskrieg mitgetragen zu haben, die Millionen Menschen das Leben gekostet hat. Zwei Invasionen, die mit Lügen gestartet wurden. Wo bleibt die Empörung? Es ist für die freie Presse natürlich viel einfach sich auf Althaus zu konzentrieren statt die richtigen Massenmörder anzuprangern. Dabei erweckt die freie Presse den Eindruck sie sei frei und unerschrocken, in Wahrheit ist sie nur feige und durch ihr Schweigen macht sie sich an das Weitergehen der Kriegsverbrechen in Afghanistan und Irak schuldig. Wie immer werden die kleinen Verbrecher gejagt und die großen hofiert.

"...Die wiederum fasst das Gericht (i.e. das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig) sehr weit, indem es die Legitimität militärischer Gewaltanwendung strikt auf die in der UN-Charta vorgesehenen Fälle (Kap. VII und Art. 51) begrenzt: "Ein Staat, der sich - aus welchen Gründen auch immer - ohne einen solchen Rechtfertigungsgrund über das völkerrechtliche Gewaltverbot der UN-Charta hinwegsetzt und zur militärischen Gewalt greift, handelt völkerrechtswidrig. Er begeht eine militärische Aggression". Und - so das Gericht weiter mit Blick auf die deutschen Unterstützungsleistungen für die US-Aggression am Golf: "Eine Beihilfe zu einem völkerrechtlichen Delikt ist selbst ein völkerrechtliches Delikt..."
www.freitag.de/2005/41/05410601.php
chapultepec schrieb am 16.04.2009 um 10:47
es ist schon nicht ohne Ironie, dass man den neuen Freitag, den alten Freitag vorhalten muss...

"...Darüber hinaus legen die Bundesverwaltungsrichter konzis die Bestimmungen des V. Haager Abkommens von 1907 dar, das die Neutralitätspflicht eines nicht an einem bewaffneten Konflikt beteiligten Staates kodifiziert. Das in der Debatte um den Irak-Krieg kaum je erwähnte völkerrechtliche Abkommen, das 1992 Eingang in die vom Bundesverteidigungsminister erlassene Zentrale Dienstvorschrift 15/2 gefunden hat, birgt Implikationen, die im Rückblick auf das Jahr 2003 nachgerade atemberaubend erscheinen: Danach hätte sich die Bundesrepublik allenfalls auf der Seite des Opfers - also des Iraks - an dem militärischen Konflikt beteiligen dürfen, keinesfalls an der Seite des Aggressors USA. Da sie dies nicht getan hat, war sie zur Neutralität verpflichtet und durfte auf ihrem Territorium keine der Konfliktparteien unterstützen.

Verboten war es daher, deutsches Hoheitsgebiet (inklusive des Luftraums) für Truppen- und Versorgungstransporte jeder Art in Anspruch zu nehmen. Auch die auf deutschem Boden befindliche Kommunikations- und Führungsinfrastruktur durfte durch die kriegführenden Streitkräfte in keiner Weise genutzt werden. Die Bundesrepublik Deutschland wäre verpflichtet gewesen, aktiv gegen jede Neutralitätsverletzung tätig zu werden - notfalls mit Gewalt.

Die amerikanischen und britischen Streitkräfte, die sich auf deutschem Hoheitsgebiet befanden, wären daran zu hindern gewesen, an den Kampfhandlungen im Irak teilzunehmen - nach Beginn des Krieges wäre ihre Internierung unumgänglich gewesen. Mehr noch: Soldaten der USA und ihrer Verbündeten, die im Irak aktiv an Kampfhandlungen beteiligt waren, hätte man bei ihrer Rückkehr nach Deutschland in Haft nehmen müssen..."
knorpeli schrieb am 17.04.2009 um 08:25
"Kann dieser Mann regieren?" - ein schöner Artikel.
Meine Antwort auf die Frage in der Überschrift: Klar kann er! Warum? Weil es in diesem politischen System mittlerweile völlig obsolet ist, über Fragen wie Schuld, Verantwortung, Ideale, etc., eben über so etwas wie Moral zu diskutieren. Insofern ist ein Artikel wie dieser wichtig!
Doch diskutieren wir vielleicht besser auch mal die Frage: ist es wirklich noch von Belang, wer da kandidiert und vielleicht regiert?
Der Tod der Skiläuferin ist tragisch und nicht wieder gut zu machen! Die Verantwortung hat Herr Althaus zu tragen, egal wie der Unfall verlaufen ist! Ein Schicksal, das übrigens jeden im Alltag treffen kann - als Opfer oder als Verursacher!
Doch wie steht es mit der Verantwortung von Politikern, die Menschen durch ihre Politik in die Armut treiben, die Kriege führen, die Demokratie abbauen, .............................................................................
Axel Brüggemann schrieb am 18.04.2009 um 11:48
Lieber chapultepec, lieber knorpeli,
das ist intertessant, dass Sie die Frage nach der Verantwoprtung im politischen Alltag stellen. Als ich mit meinem Text begonnen habe, habe ich genau dort angefangen - nämlich bei der Frage, wie eigentlich ein Skiunfall mit Todesfolge gegen alltägliche, bewusste Entscheiudungen abzuwägen ist. Und dafür muss man nicht einmal ein Kriegszenario heranziehen.
Welche Verantwortung übernehmen Schul-, Sozial- und Innenpolitiker durch ihre Entscheidungen? Ist es nicht so, dass viele politische Entscheidungen zu wesentlich dramatischeren Konsequenzen für einzelne Menschen führen als der Skiunfall von Dieter Althaus?
Sozialgesetzte treiben ganze Familien in die Verzweiflung - was in diesem Familien passiert, welche Dramen sich in ihnen abspielen, wird allerdings selten in Zusammenhang mit den Politikern und ihren Entscheidungen gebracht. Ähnlich die Bildungspolitik: die Aufregung um einen Amoklauf darf nicht allein bei der Schuldfrage des Täters enden - sie muss auch handelnde Politiker einschließen, die das Bildungssystem und das Waffengesetz verantworten.
Es ist dieser Gedanke, der mich dann zur Moralfrage gebracht hat. Wieso reden wir so viel über einen Skiuinfall? Wäre es nicht einmal wert, die sogenannten "Tragödien" des Alltags zu verfolgen, für die Politiker und ihre Gesetze ebenfalls mitverantwortlich sind?
Ich habe diesen Gedanken dann auf Grund des Platzmangels fallengelassen. Aber er ist eine unsichtbare Brücke der einzelnen Gedanken des Textes: Dass Politiker sich leicht von einem Familiendrama distanzieren können, liegt daran, dass sie die Unmittelbarkeit ihrer politischen Entscheidungen kaum noch spüren. Dabei bin auch ich sicher, dass viele politische Entscheidungen zu weitaus größeren Tragödien führen als der Skiunfall von Dieter Althaus.
Und ja, darüber sollte man diskutieren: Alle fordern Verantwortung bei Managern. Wie sieht es eigentlich bei Politikern aus? Wie können wir es schaffen, dass sie mit den konkreten Ergebnissen ihrer Gesetze konfrontiert werden? Und gibt es ein sinnvolles Mittel, mit dem politische Akteure gezwungen werden können, ihr Handeln auch moralisch zu legitimieren?
Fragen, die offen sind - und über die es sicher Wert wäre zu streiten.
Liebe Grüße
Axel Brüggemann
knorpeli schrieb am 20.04.2009 um 08:09
Lieber Axel Brüggemann, d´accord!
Machen sie doch noch einen guten Artikel aus ihren Gedanken, bitte!!!! Die Diskussion ist bitter nötig!
Beste Grüße
Joachim Petrick schrieb am 20.04.2009 um 02:59
Hallo Herr Brüggemann,
mancher steht sein politisches Leben lang, wie Thüringens Minsterpräsident Dieter Athaus gerade eben, neben seinem Leben, in flagrnati todbringend ertappt als Ski- Pisten Hooligan, einen Schritt neben seiner eigenen Spur, sich selber hörend sagen “ich war es nicht, es war ein tragisches Geschehen“.
Dabei ist der „unvoreingenommene“ Betrachter trifitg wichtig von Dieter Althaus medial robust aufgestellt eingeladen, Dieter Althaus als überlebendes Opfer eines tragischen Unfalls zu erleben.
Das war die erste Stufe Stufe. Die zweite Stufe im thüringischen Landtagswahlkampf 2009 der CDU folgt sogleich:
“Es war die Vorsehung, die Dieter Althaus das tragische Unfall Geschenhen auf einer Ski- Piste in Austria überleben ließ, dem Lande Thüringens als Erster Angestellter zu dienen!“?
„Wahltaktisch eine wunderbar gelungene Choreographie, sagen die einen flüsternd, siegesgewiss mit klapperndem Gebiss“.
“Politisch der reinste Ekel- Test, sinnen die anderen fassungslos in sich hinein, schwer atmend ahnend, wen sie in Dieter Althaus vor sich haben:
“Heller Wahn im schwarzen Anzug!“.
Das ganze hat in der CDU Thüringens, vor dem Nachspiel, wie das Amen in der Kirche, ein ganz bestimmtes Vorspiel des Schleswig Holstein Minsterpräsidenten Uwe Barschel (CDU) im Landtagswahlkampf 1987, als der, ebenfalls in einem tragischen Unfallgeschehen, als Hooligan Passagier der Lüfte über Lübeck, angeblich einen Piloten unverantwortlich, gegen allen Rat der Wettervorhersagen, in einen tödlichem Crash für den Piloten, zur Landung auf dem Flughafen Lübeck trieb.
Auch Uwe Barschel galt und gilt bis heute, damals u. a. mit Schädel- Hirn-Trauma verletzt, als tragischer Überlebender eines Flug- Unfall Geschehens. Wochen darauf trat Uwe Barschel, befeuernd per Exclusiv Interviews am Krankenbett, kurzdarauf auferstanden vom Krankenlager, im Landtagswahlkampf 1987 gegen Björn Engholm von der SPD erneut als Kandidat der CDU an, als habe die Vorsehung ihn das tragische Unfall Geschehen der Lüfte über Lübeck, verletzt zwar, mit einer Krücke winkend, überleben lassen, um dem Lande gegen Björn Engholm zu dienen.
So werden Politiker wie Uwe Barschel, Dieter Althaus nicht zur Qual der Wahl für alle Bürger/nnen im Lande, sondern tragen unwählbar das Kains Mal der Qual auf ihrer Stirn, ihrem politisch langen Weg zu ihrem menschlichen Absturz entgegen dämmernd!, oder?
tschüss
JP
chapultepec schrieb am 20.04.2009 um 06:48
Lieber Herr Brügemann,

Vielen Dank für Ihre Antwort. Sie fragen: "Und ja, darüber sollte man diskutieren: Alle fordern Verantwortung bei Managern. Wie sieht es eigentlich bei Politikern aus? Wie können wir es schaffen, dass sie mit den konkreten Ergebnissen ihrer Gesetze konfrontiert werden? Und gibt es ein sinnvolles Mittel, mit dem politische Akteure gezwungen werden können, ihr Handeln auch moralisch zu legitimieren?"

Wieso haben Sie sich für das Thema Althaus entschieden, statt um z.B. die Kriegsverbrechen von Angela Merkel, Joseph Fischer, Gerhard Schröeder usw. usf zu schreiben?

Sie hätten dann genauso gut das Thema Althaus aus Platzmangel fallenlassen

mfG
Rahab schrieb am 20.04.2009 um 08:42
ganz subjektiv: ne, glaub ich nicht! jenseits der fragen von ethik und politik täte ich sagen, es würde völlig reichen, im rahmen der andauernden rekonvaleszenz erst mal, beispielsweise, den heimischen garten umzugestalten, ganz praktisch. und mit den kiddies eine längere, gern auch mehrtätige, fahrrad-tour zu planen und auch durchzustrampeln. als weiteres vielleicht mit der family eine intensive woche lang darüber zu diskutieren, was die so alles liest und warum.
mich macht es schaudern, mit welcher vermessenheit da aus gründen von partei-raison und vielleicht auch karriere die eigene gesundheit und gesundung ignoriert wird! - ist das nun typisch mann? oder 'nur' typisch politik?
Axel Brüggemann schrieb am 20.04.2009 um 12:01
Antwort: Teil1
Vielen Dank für all die Kommentare!
Es scheint tatsächlich so zu sein, dass die Frage nach der politischen Verantwortung im politischen Alltag wesentlicher ist als der "Hype" um einen Skiunfall. Lustiger Weise hat Althaus heute erneut festfgestellt: "Schuld ist nicht die richtige Kategorie" (wahrscheinlich ist er kein Freitag-Leser :-))
Aber gut, lassen wir Althaus mal hinter uns und kümmern uns um die politische Verantwortung. Sie haben bereits geschrieben, dass die Kriegseinsätze ein Thema sind, über das es zu sprechen gilt. In meiner Antwort habe ich auf die Sozial- und Bildungspolitik verwiesen und auf ihre Auswirkungen auf den eizelnen Menschen.
Wenn man einen Artikel über die "Schuldfrage" und die "Verantwortung" im politischen Handeln schreiben will, ist es glaube ich wichtig, kokret zu erklären, wie ein Gesetz auf den Alltag wirkt - um zu zeigen, dass Politik keine virtuelle Form der Machtausübung ist, sondern ein stellvertretendes Handeln, das das Leben der Menschen direkt beeinflußt.
Vielleicht gelingt es uns ja an dieser Stelle, Beispiele zu sammeln, die für einen solchen Text wichtig sind. Also: Wo gibt es konkrete politische Entscheidungen, deren Auswirkungen tatsächlich zu dem, was man gemeinhin "Tragödien" nennt führen.
Und noch eine Frage, damit wir es uns nicht zu einfach machen: Fordern demokratische Entscheidungen nicht immer Opfer? Also ist es nicht in einer Demokratie angelegt, dass Gesetze nie allen Menschen helfen können - sondern immer auch Verlierer haben.
Und damit die Frage nach der politischen Moral: Wem gegenüber muss ein Politiker Verantwortung tragen? Seinen Wählern gegenüber, sich selbt gegenüber, seinem Land gegenüber?
Ich habe in meinem Buch "Wir holen uns die Politik zurück" gerade versucht, diese Fragen zu stellen. Und bin immer wieder zu dem Schluss gekommen, dass es ein Grundfehler unserer Demokratie ist, dass Politiker sich hinter ihren Parteien verstecken können.
Axel Brüggemann schrieb am 20.04.2009 um 12:02
Antwort Teil2
In den USA werden wichtiger Abstimmungen namentlich vorgenommen - und Kandidaten werden noch Jahre später an ihren Stimmen gemessen (bestes Beispiel: Clinton hat für den Einmarsch in den Irak gestimmt, Obama dagegen - das hat ihm geholfen).
Ich glaube, dass es wichtig ist, diesen Moment zu betonen: Ein Poitiker muss für sich glaubhaft sein, seine eigene Moral vertreten - und daran muss er auch gemessen werden.
In Deutschland ist das schwierig, da der Fraktionszwang größer ist als die politische Entscheidung nach privatem moralischen Ermessen. So entfernen sich Regierende zu leich von ihrer eigenen Verantwortung. Im Zweifelsfall verstecken sie sich hinter ihrer Partei.
Also noch einmal konkret: Welche Beispiele kennen wir, dass politisches Handeln zu privaten Misständen ("Tragödien") geführt hat - und wie kann man das ändern? Wie können wir es schaffen, dass Politiker sich der konkreten Konsequenzen ihrer Handlungen bewusst werden und dafür auch moralische Verantworung übernehmen?
Ich bin gespannt auf Ihre Anregungen.
Axel Brüggemann
Joachim Petrick schrieb am 20.04.2009 um 15:50
Lieber Herr Brüggemann,

Sie schreiben, belesen, mit weit ausgeholt aufbrechendem Schwung „Tragödie wird einzig durch einen schicksalhaften Konflikt des Protagonisten definiert, also durch seinen eigenen Kampf – und nicht durch ein äußeres Ereignis.
Von „Hamlet“ über „King Lear“ bis zu „Romeo und Julia“ erliegen die Hauptdarsteller früher oder später der Hybris und beginnen, ihr vorbestimmtes Schicksal selbst zu beeinflussen. Dieser Kampf bildet den Kern einer jeden Tragödie, Shakespearehafte Tragödie“.
Dann jedoch bricht ihr Schwung vor dem Erreichen seines Zenit, weil Dieter Althaus, wie Uwe Barschel, angeblich als bürgerlicher Poilitker Typ von CDU- Gnaden nicht in die Reihe eines „Hamlet“ über „King Lear“, „Romeo und Julia“, „Achille“, „Pentheselia“ bis „Wallenstein“ von königlich säkularen bis klerikal göttlich päpstlichen Gnaden im Vatikan gehört!?
Salopp gesagt, blasen Sie Ihren Lesern/innen betont gekonnt einen literarisch mythischen Ballon auf, um diesen dann, wie von literarischem Sinnen, von eigener Hand per Stich, den Atem explosiv entladend, tödlich per „Puppen Mord“ zu molchen.
Schade!, wären Sie bei Ihrem Leisten geblieben, hätten wir mit Sicherheit erfahren, das es ein System Dieter Althaus wie Uwe Barschel gibt, dass nicht nur sein vorbestimmtes Schicksal selbst beeinflusst, sondern, Fall für Fall, dichter selber in Szene setzt, bis ein Fall vom Verlauf her so ausschaut wie der folgende.
Die Frage ist doch nicht, ob das System Dieterr Althaus, wie Uwe Barschel für Beiträge im Freitag taugt, eher, warum der Fall Dieter Althaus aktuell, wie 1987 Uwe Barschel nicht nur für die Medien so von Interesse ist, sondern für die CDU in Thüringen,Berlin als Schlüssel- und Passwort gehandelt wird für „Geheime Archive, geheime Operationen der CDU/CSU am offenen Herzen deutscher, europäischer Politik, samt gestapelt sortierter Leichen im Keller?“.
Uwe Barschel wurde 1987 von der CDU/CSU systemrelevant ins Feuer geschickt, die Schlüssel zu den geheimen Archiven, Aktenlagen geheimer U- Boot- Abkommen mit dem Apartheids- Regime Südafrika über Israel an UNO- Boykotts vorbei, deutsch- deutsche Waffenlieferungen in Krisengebiete, trotz Verstoßes gegen Waffenkontrollgesetze „Außer Gefahr“ in der Hand zu behalten.
In welches Feuer schickt die CDU/CSU 2009 Dieter Atlhaus systemrelevant, um welche Aufdeckungen geheimer Operationen, geheimer Finanztransfer- Aktionen „Außer Gefahr“, trotz aufgebrochener Welt- Finanzkrise unter der Decke zu halten?
Ist doch die Politik unserer „staatstragenden Parteien“ längst Banken, Versicherungen zum Bilde korrumpierend zu Systemrelevanz verkommen geronnen, bricht einer zusammen, brechen alle zusammen?
Sie sollten hart aber fair an dem System „Dieter Althaus“ dran bleiben! Danke!
tschüss
JP
Axel Brüggemann schrieb am 20.04.2009 um 16:21
Lieber Jocachim Petrick,
Sie haben mit vielen Ausführungen sicherlich Recht - aber das Thema des Artikels war die von Althaus selbst geführte Debatte über "Schuld", "Tragödie" und "Verantwortung". Und ich glaube, dass es durchaus interessant sein kann, den Sprachgebrauch in der Politik einmal genau unter die Lupe zu nehmen. Denn wer von Tragödie spricht, zeigt bereits, dass er die Verantwortung der Schuld nicht tragen will. Darum ging es - und ich glaube auch, dass dieser Gedanke durchaus konsequent zu Ende geführt wurde.
Dass unter der Oberfläche dieses Unfalls viele andere, politische Skandale und Schieflagen schlummern, hat mein Kollege Tom Strohschneider auf der gleichen Seite ziemlich deutlich gemacht - er widmet sich der Situation der CDU in Thüringen, und auch dem politischen System der Partei.
Ich denke, alle drei Texte dieses Schwerpunktes ergeben so ein Bild, das Ihrem Anspruch an die Berichterstattung durchaus gerecht wird.
Und, ja - wir werden in den nächsten Wochen vielleicht noch viel über jene Themen lesen, die Sie in Ihrem Kommentar angesprochen haben.
Übrigens den Vergleich Althaus/Barschel halte ich für nicht angebracht, da der eine ja auf eine (übrigens wirklich tragische) Art Verantwortung übernommen hat - der andere nicht.
Liebe Grüße
Axel Brüggemann
Joachim Petrick schrieb am 20.04.2009 um 21:26
Lieber Axel Brüggemann,

meine Ansprüche an Berichterstattung im Freitag sind durchaus unterhaltsamer Natur, die Sie mit Ihrem Beitrag aktiviert, wunderbar getroffen. Dafür sei Ihen ausdrücklich Dank von der Waterkant.

Sie haben sicher mi hoher Wahrscheinlichkeit Recht, dass die Fälle Dieter Althaus und Uwe Barschel von der Anlage her nicht vergleichbar sind, aber durchaus verwandte Züge in der Art der politisch medialen Kommunikation der CDU/CSU in den Medien tragen. In Schleswig Holsten war es 1987 der Uwe Barschel Übervater Gerhard Stoltenberg, der allem Geschehen um Uwe Barschel antik tragisch getragenen Glanz in Moll verlieh, um Uwe Barschel dann wie eine heisse Kartoffel im Kielergate Krisenfeuer ausgebrannt verschmoren zu lassen.
.im Fall Dieter Althaus ist es der thüringische Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel, der zwar sportativer als seinerzweit Gerhard Stoltenberg aufgelegt, doch vom Ansatz her dasselbe versucht, nämlich Dieter Althaus endgültig als heimlichen Helden seiner 1958er Politiker- Generation aufs Schild zu heben.
Jetzt ist nur noch die Frage, wann läßt der thüringische Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel seinen Nachfolger Dieter Althaus im Amt wie eine heisse Kartoffel im Thüringgate Krisenfeuer ausgebrannt als nicht mehr systemrelevant politisch verschmoren?
tschüss
JP
Joachim Petrick schrieb am 20.04.2009 um 21:27
Lieber Axel Brüggemann,

meine Ansprüche an Berichterstattung im Freitag sind durchaus unterhaltsamer Natur, die Sie mit Ihrem Beitrag aktiviert, wunderbar getroffen. Dafür sei Ihen ausdrücklich Dank von der Waterkant.

Sie haben sicher mi hoher Wahrscheinlichkeit Recht, dass die Fälle Dieter Althaus und Uwe Barschel von der Anlage her nicht vergleichbar sind, aber durchaus verwandte Züge in der Art der politisch medialen Kommunikation der CDU/CSU in den Medien tragen. In Schleswig Holsten war es 1987 der Uwe Barschel Übervater Gerhard Stoltenberg, der allem Geschehen um Uwe Barschel antik tragisch getragenen Glanz in Moll verlieh, um Uwe Barschel dann wie eine heisse Kartoffel im Kielergate Krisenfeuer ausgebrannt verschmoren zu lassen.
.im Fall Dieter Althaus ist es der thüringische Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel, der zwar sportativer als seinerzweit Gerhard Stoltenberg aufgelegt, doch vom Ansatz her dasselbe versucht, nämlich Dieter Althaus endgültig als heimlichen Helden seiner 1958er Politiker- Generation aufs Schild zu heben.
Jetzt ist nur noch die Frage, wann läßt der thüringische Ministerpräsident a. D. Bernhard Vogel seinen Nachfolger Dieter Althaus im Amt wie eine heisse Kartoffel im Thüringgate Krisenfeuer ausgebrannt als nicht mehr systemrelevant politisch verschmoren?
tschüss
JP
vomsehen schrieb am 20.04.2009 um 19:25
Tja. Was soll man eigentlich zu dieser Geschichte sagen?

In den USA würde jemand, der einen solchen Unfall verursacht hat, nie wieder irgendwas. Versuchte er es, würde er im Wahlkampf geschlachtet. Bei uns in Mitteleuropa scheint es eher umgekehrt zu sein: Es hilft auch noch. Eine merkwürdige Täter-Opfer-Verkehrung: Der Mann war während seiner Rekonvalenzenz unberührbar, selbst jetzt traut sich niemand aus der Opposition, offen darauf zu sprechen zu kommen. Wäre das auch so, wenn es z.B. Bodo Ramelow gewesen wäre, der die Frau umgefahren hätte? Oder würde dann "Bild Thüringen" große Geschichten bringen: "Hier weinen die Kinder der Totgerasten - Und Ramelow macht einfach weiter!!!"...

Man weiß es nicht. Man hat aber eine (technische) Assoziation mit Jörg Haider, der tot mehr Stimmen holte als lebendig. Und man wünscht sich, ausnahmesweise, nach Amerika.
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