Bubiköpfe, Charlestonkleider, wilde Parties und ausschweifende Lebensfreude - die goldenen 1920er Jahre wecken bis heute Sehnsüchte und sind ein echter Mythos. Doch wie war das Leben eigentlich abseits der großen Metropolen wie Berlin, New York und Paris in dieser Zeit? Das zeigt eine Ausstellung im Stadtmuseum Simeonstift in Trier.
Es sind gerade die vielen privaten Leihgaben von Menschen aus Trier, die diese Ausstellung so besonders machen und ihr viel Lokalkolorit geben. So gibt es viele Fotos, auf denen man sieht, wie Straßenbahnen durch Triers Stadtzentrum fahren, wie junge Menschen auf der Mosel rudern und sich amüsieren. Mit moderner KI wurden aus diesen historischen Fotos kurze Videoclips geschaffen, die fast wirken, wie ein moderner Instagram-Reel. Ein verblüffender Effekt.
Persönlichkeiten, die Trier in den 1920er Jahren geprägt haben sind zu sehen. Da wäre zum Beispiel das Trierer It-Girl "Et Röschen" im eleganten Charlestonkleid, die Flugpionierin Röschen Görgen oder der stärkste Mann der Welt, Paul Trappen. "Man hat auf einmal einen ganz anderen Zugang zur Geschichte", sagt Andrea Orth vom Stadtmuseum, die die Ausstellung organisiert hat.
Das Trierer Stadtbad wurde in den 1920ern gebaut, auch das Moselstadion. Dort, wo heute in der Simeonstraße nur noch ein leeres Kaufhaus steht, war der Schiefferkeller, in den 1920ern der Place to be in Trier. Das große Unterhaltungszentrum hatte ein Café, ein Restaurant, ein prachtvolles Kino und einen Tanzkeller. Eine kleine Nachbildung des Kinopalastes ist in der Ausstellung zu sehen, mit einer echten Leinwand auf der 1920er Filme flimmern.
Doch die 1920er Jahre hatten auch viele Schattenseiten. Nach dem 1. Weltkrieg waren mehr als 10 Prozent der Trierer Bevölkerung Kriegsinvalide, es gab Wohnungsnot, Inflation und bedrohliche Krankheiten wie Tuberkulose. Trier war damals vom französischen Militär besetzt. Deshalb war Fotografieren im öffentlichen Raum teils verboten. Aquarelle des Trierer Malers Peter Krisam sind einzigartige historische Dokumente aus dieser Zeit.
Die Schau zeigt Trier in allen Facetten des Lebens, die die 1920er Jahre geprägt haben. Mode, Kunst, Architektur, Alltagsleben oder Technikbegeisterung gehören dazu. Es gibt viele Parallelen in unsere Gegenwart. So wie zum Beispiel das Radio in den 1920er Jahren ein modernes Massenmedium wurde, beschäftigen uns heute die Dynamik von Social Media und KI.
Die Ausstellung "Die 20er - Goldene Zeiten Dunkle Jahre" im Stadtmuseum Trier ist bis zum 24. Januar 2027 zu sehen. Es gibt ein vielseitiges Begleitprogramm mit Konzerten, Lesungen, Vorträgen, Führungen und Workshops.
Beitrag von Nicole Mertes, SWR, 5.07.2026