Fotografische Erinnerungen

Zur Ausstellung Für „Passport“ (1995) verwendete Alexander Chekmeniev einige der damals extrem wertvollen Farbfotofilme. Sie waren selten in den 1990er Jahren – insbesondere im Gebiet des Donbas. Es sind auch diese Details, die die Ausstellung so wertvoll machen
Fotografie aus der Serie „Passport“ von Alexander Chekmenev
Fotografie aus der Serie „Passport“ von Alexander Chekmenev

Foto: © Alexander Chekmenev

Alexander Chekmenev zählt zu den prägendsten Fotokünstlern der Ukraine. Seine fotografischen Porträts wurden in Ausstellungen in den USA, Frankreich, England, Belgien, der Ukraine, Litauen, Polen und Deutschland gezeigt und sind in Kunstsammlungen des Centre Pompidou (Paris), des Rijksmuseum Amsterdam und des Museum Ludwig in Köln vertreten.

Die fotografischen Erinnerungen zeigen Porträts von Menschen, die alleine und in Gruppen in Szene gesetzt, im urbanen und im ländlichen Raum ihren Alltag bestreiten.

Zu sehen sind Original-Fotografien aus den Serien „Donbass“, „Passport“, „Black & White Luhansk“, „Faces of War“ und „EASTER“, die nach 1994 entstanden sind. Sie zeigen Porträts, deren Ästhetik durch die Studiofotografie beeinflusst ist. Der Mensch steht im Zentrum des Bildes und der Hintergrund erscheint wie eine Leinwand und erinnert an ein Bühnenbild. In seinen ikonisch anmutenden Porträtfotografien taucht Chekmenev die Gesichter in ein sanftes Licht. Die Umgebung versinkt zeitweilig in diffusem Schatten. Für Chekmenev zeugen diese Fotografien von Wirklichkeiten, Ereignissen und Menschen, die ohne diese Bilder in Vergessenheit geraten würden.

Chekmenev wurde 1969 in der Stadt Luhansk im Donezbecken geboren. Dort begann er Ende der 1980er Jahren in einem Fotostudio zu arbeiten. Nebenher fotografierte er das alltägliche Leben in den Straßen von Luhansk. Er porträtierte die Menschen außerhalb des Fotostudios, deren Leben durch den Zerfall der Sowjetunion und der Wirtschaftskrise in den 1990er Jahren geprägt wurde.

In Schwarz-Weiß-Fotografien der Serie „Donbass“ zeigt Chekmenev unmittelbar und eindringlich die Arbeit in den Steinkohleminen und den Alltag der dort lebenden Familien. Die Porträtserie „Passport“ erzählt in Farbfotografien von der Einführung des ukrainischen Passes und den Lebensrealitäten der betroffenen Menschen.

Seit 1997 lebt und arbeitet Chekmenev in Kyiv als Fotokünstler, Porträtist und Fotojournalist und erhielt den Preis „Fotograf des Jahres der Ukraine 2013“. Seine Fotografien erschienen in international renommierten Magazinen und Zeitungen, wie der New York Times, dem TIME Magazine, dem The Guardian und dem Vice Magazine.

Alexander Chekmenev publizierte seine Arbeiten thematisch nach Serien geordnet in Fotobänden mit den Serientiteln DONBASS, 2011; PASSPORT, 2017; LILIES, 2020, PHARMAKON, 2021, BLACK AND WHITE PHOTOGRAPHS, 2008.

Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit Alexander Chekmenev und MOKSOP, dem Museum of Kharkiv School of Photography, Kharkiv, Ukraine.

19.05.2024, 18:19

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